THE DEAD END KIDS – kommando glitzer LP

THE DEAD END KIDS erreichten mich mit ihrer neuen Platte „kommando glitzer„. Erschienen beim tollen RilRec Label.

Vor ner gefühlten Ewigkeit erreichte mich schon ihr erster Release, die CD „in deiner stadt„. Irgendwie ist das bei mir mit CDs ja so ein „Ding“… Mal lag sie im Auto und lief im Player; und erfreute mich. Mal lag sie wieder im Wohnzimmer zwischen Schallplatten. So kann man keinen Review schreiben, hüstel. Dann freue ich mich tierisch zu hören, dass ihre neue Platte bei RilRec rauskommt. Puh, schon wieder so viel Zeit ins Land gezogen.

Die Band macht es mir von Anfang an echt leicht weiter zuzuhören. Der Sound ist nicht so ganz meins, da sie eher glatte, distortionreiche Gitarren mit Metalanleihen mögen. Geht aber richtig geil nach vorne. Alles ist ganz wundervoll melodiös und richtig gut gespielt. Ja, über den ersten Track und den Refrain „1, 2, 3, Kommando Glitzer, Glitzer ist unsere Munition“ kann man (be)lächeln. Finde aber gut, das nicht gleich die totale Punkwutbarrikaden aufgestellt wird. Was eigentlich eher zu dem Sound passt. Der super Gesang der beiden Mädels und die tollen Chöre hauen es aber raus. Es reiht sich Hit an Hit und das ohne glattgebügelt und Radiotauglich zu sein. Die Band hat im Sound und Songwriting  immer noch ein paar Ecken und Kanten gelassen.

Textlich hat THE DEAD END KIDS auch einiges zu bieten, angefangen mit persönlich Themen wie verflossenen Lieben „i look back“ bis zum Ausbreiten des eigenen, kümmerlichen Daseins in den Sozialen Medien „hey du„. Die Texte sind immer gelungen und umschiffen gekonnt Stereotypen. Hervorzuheben ist da der angehängte Track vom Video „alternative„. Hört mal rein, holt euch das klasse Bundle mit Patch (link oben bei RilRec).

pADDELNoHNEkANU veröffentlichen spenden-album

sie schreiben:

in der zeit des lockdowns habe wir nicht aufgehört zu proben.
haben ein paar livestreams gemacht und mit der technik gekämpft.
da das aufnahmegerät als mixer diente, war es irgendwie logisch auch auf „aufnahme“ zu drücken.
wir probten, durch die viele freie zeit, zwei mal die woche. die strasse vor dem proberaum oft leer. sehr ruhig.
einige hitzige diskussionen entbrannten nach ein paar bier und dem fundamentalistischen liedgut, welches das öl in unser loderndes feuer ist…

!!! alle einnahmen aus diesem momentan noch digitalen release – es werden noch einige songs dazu kommen – gehen zur hälfte an SEA-WATCH und an SEA-SHEPERD. alle einnahmen aus dem merch geben wir noch obendrauf. wir würden uns freuen, euch dabei zu wissen !!!

review: SCHALKO – cool LP

Schalko. „Cool“ heißt die Platte. Ich kann vorwegnehmen: ich hatte das Vergnügen schon vorher reinhören zu können; um dann zu lang zu brauchen, diesen Review zu schreiben. Das Demo von März 2019 fand ich schon famos und viel zu kurz. Nun also in voller Spielfilmlänge.

Ich habe mit allen drei Bandmembern ein Interview geführt für die nächste Printausgabe der ProvinzPostille, Nr. 7 kommt im Herbst. Da könnt ihr mehr über ihre Einflüsse, Entstehungsgeschichte und was sie so in Freiburg treiben, in welchem Klub sie unterwegs sind, wen sie supporten und so weiter, lesen! Hier soll es jetzt wohl erstmal darum gehen, was da an Musik aus den Boxen flimmert.

Weswegen ich so auf dem Filmding rumhacke? Nun, das Trio hat einfach auch ganz klasse Ideen für Videos.

Zuerst muss ich mich ein wenig daran aufhängen, dass ich die Vorab-Reviews (VÖ der Platte war am 11.09. über flight 13) beim OX gelesen habe und erstaunt aus meinem Klotzs-Tshirt glotzte. Ich sag jetzt mal ganz frech, dass das OX für mich in Sachen Punk nicht mehr wirklich das Maß aller Dinge ist, sondern wohl eher das Maß aller Dinge in Punkto „wie groß bekommt man ein Hardcore/Punk-Magazin in Deutschland“. Was keine Kritik sein soll, nur eine Grenzziehung.

Im Durchschnitt von 10 Redakteuren hat die Platte Mittelmaß bekommen, nur einer gab 9/10, was mich sehr überrascht hat. Dann noch die Vergleiche mit Turbostaat oder LOVE A, ich nehme es vorweg: sie sind Fehl am Platz. Wenn man sich nämlich die Mühe macht mehrmals reinzuhören, was ich mir einfach heutzutage wünsche; immer. So liebevolle Reviews wie bei Vinyl-Keks (oder hier) gibts ja nicht mehr so häufig. Gut Ding will Weile, und die nehmen wir uns.

Dabei merkt man schon gleich beim ersten Track, der wahnsinnig treibt, nach vorne geht das, dass Schalko minimalistisch melancholisch sind und emotional bissig. „Wegen allem wegen nichts“ ist ein super Opener, der durch den Achtelrhythmus derbe in die Beine geht, wer da nicht anfängt zu tanzen! Die Richtung ist also klar, sechs Songs sind auf Seite A, es ist alles wirklich zärtlich auf ein absolutes Minimum reduziert. Was ich ganz großartig finde, da es genügend überproduzierte Bands mit doppelter und dreifacher Overdubgitarre gibt. Durch drei Kompressorschleifen dann nochmal so clean wie möglich ins Ohr gedrückt…. Hier ist es rauher und reifer. Hat mehr Grip und mehr Schneid als viele andere Bands, die diesem scheinbar extravaganten und so schwierig zu bedienenden Genre ihr Unwesen treiben.

Und Schalko sind unemotionaler in ihren Texten. Das ist wie im Film, man muss erst den Bildern folgen, die Emotionen aufbauen. Was mich wahnsinnig an deutsche Bands aus den Achtziger Jahren erinnert. Ansonsten gibts ne richtig fette Portion Wipers und, das ist klar, Oiro. Textlich wie auch musikalisch zwischen minimalistischen Beats und klaren Songstrukturen. Texte wütend gekeift, eine Gitarre die mal ne ganz dünne Melodie spielt und mal Akkorde wetzt. Was eher selten, dann als Bruch eingesetzt wird. Diese dann auch im nächsten Atemzug zerlegt werden durch leicht noisige Eskapaden. Ich bin ein großer Fan von Turbostaat, doch ich finde ziemlich wenig von ihnen bei Schalko. Erinnert an an die Anfangstage von von Krawehl oder Mikrokosmos 21.

Zum Sound: die Platte ist toll aufgenommen, sehr durchdachtes Songwriting, sehr persönliche Texte, die klasse Videos, (zu „so tun als ob„) gibt es auch noch eines. Auf Seite B gehts mit fünf Songs weiter die, finde ich, ihresgleichen suchen. Es reiht sich Hit an Hit, die sich eben genau so nicht anhören, als ob das vorbeirauscht. Das Cover ist mega cool geworden, vielleicht heisst die Platte deswegen „cool“. Auch hier darf, sollte man zwei, drei Mal hinschauen, um in der Einfachheit vieles zu entdecken. Ganz klasse Band aus Freiburg Schalko, anhören, Videos gucken, toll finden!

(Dieser Review erscheint auch noch bei Vinyl-Keks)

Demo:

 

video: COR – friedensmüde

Die stimmgewaltige und textlich wie musikalisch ausdrucksstärkste Band aus Rügen hat ein neues Album raus. Es gab einige Veränderungen in der Band in den letzten zwei Jahren.

COR werden nicht müde, neue Songs zu schreiben, Sänger Friedemann bringt sogar noch mehr eigene Songs als Singer / Songwriter raus.

Checkt das aus. Cooles Video geworden! Müde vom Wohlstand, Konsum? Was hat Bedeutung, was hat Reiz? Sind wir Friedensmüde?

 

fanzine: BLACK CAT FANZINE #1

BLACK CAT ZINE. Es soll die erste und einzige Ausgabe sein, wobei ich gleich sagen muss, dass diese Ausgabe grafisch und thematisch so großartig ist, das es schade wäre, wenn es tatsächlich bei dieser einen Ausgabe bliebe. Falls den Schreibern und Menschen, die dort tätig waren und denen nun langweilig sein sollte: bei mir sind auch mal die ein oder andere Seite zu füllen!

Es geht los mit einer schönen Illustration einer schwarze Katze. „cats against borders“. Eine Einleitung, die sich inzwischen liest, als käme sie aus einem andern Jahrhundert. Es geht um die Frage, wie kleine Bands, Labels oder Konzertkollektive sich heutzutage noch organisieren können. Ist es ein Überangebot von Konzerten? Übersättigung? Genau darum soll es also in dieser Ausgabe gehen, weg vom Massenkonsum, den wir in unserer kleinen, familiären Szene ja ohnehin nicht pflegen. Antwort gibt da beispielsweise in einem Interview das BrigadaCaozKollektivPotsdam.

Direkt dazu die erste Story, passend übers eigene Tapelabel Black Cat Tapes.  Abschliessend mit der Auflistung der bisher erschienenen 25 (!!!) Tapes seit 2018. Die meisten davon übrigens ausverkauft.

Es gibt verdammt viel zu lesen, alles sehr übersichtlich und aufgeräumt gestaltet. FreiTräumeKampagne bei der es darum geht, möglichst alle bestehenden besetzten Häuser und Kollektive zu unterstützen und vor Räumung zu schützen. (facebook). Ein cooles Interview mit den verblichenen Punx von Krank und Gloomster. Sechs kurze Fragen, die ausführlich beantwortet werden. Von der Sozialisation in der Provinz, hin zu politischem Punkrock, der veröffentlicht gehört! Letztes Jahr kam eine tolle, übergangsmäßige Veröffentlichung bei Black Cat Tapes, dann auch noch als 12″ bei ThisCharmingMan. Kann ich nur empfehlen. (KRANK sind nämlich nur krank, nicht tot. Yeah)

Was mich sofort, nach dem Vorwort, total angemacht hat ist die Kolumne zum Thema „Der schleichenden Tod (der Subkultur)“. Da stehen wirklich so viele Gedanken drin, nein eigentlich ist jeder einzelne Gedanke, der den ich auch schon eine Weile habe. Die ganze Musikszene um Hardcore, Punk, Rap und Metal, die man für gern für so unabhängig und frei hält,  ist größtenteils (mal mehr mal weniger) reinen kapitalistischen Gedanken unterworfen. Dass man natürlich Festivals nur veranstalten kann, wenn man sich in Grundzügen an den Kapitalismus anpasst, dann bin ich damit einverstanden. Aber sobald Bands aufspielen die, keine Ahnung, 3000€ Gage verlangen und ihre Shirts für 30€ verkaufen um maximale Kohle rauszubekommen, ist das nicht der Gedanke hinter Subkultur.

Ich könnte noch Vieles aufzählen, doch einiges dürft ihr schlicht auch selbst rausfinden. Fußballfan in der sechsten Liga beispielsweise ist etwas, mit dem ich mich noch nie auseinandergesetzt habe. Auch spannend.

Super Illustrationen, in Farbe, A5 gebunden, sehr hochwertig produziert. Tolles Zines.

review: L’APPEL DU VIDE – s/t MC

Vier toll eingespielte Songs der Post Punker von L’APPEL DU VIDE haben mich hier erreicht. Das Cover ist ein Riso-Druck und bereits die zweite Auflage dieses Demo-Tapes.

Ein recht plastisches Drumset mit halligem Gesang, postpunk Apokalypsegitarren und Surfeinlagen treiben einen um den andern Song nach vorne. Ich mags ganz gerne, aber mir gefällt ja auch DIE ANGST.

falle“ „schweineherz“ „einer von hier“ (keiner von euch) und „verschlungen„. Sind die kurzen Titel des Tapes, welches leider ohne Textblatt kommt. Da steh ich schon drauf! Das Quartett aus Chemnitz nahm im Herbst letzten Jahres auf und präsentierte im Frühjahr dieses Demo. Welches ich denke auch prima auf einer 7inch hätte erscheinen können. Ein wenig erinnere ich mich auch an die tollen CORNA KRUSWA (gibts die noch?).

L’APPEL DU VIDE (was soviel heisst wie: der Ruf der Leere, wenn mich mein Schulfranzösisch nicht täuscht…) schaffen jede Menge leerer, verzweifelter Düsterräume mit Leben zu füllen! Treibend, ein bisschen noisig, gutes Songwriting. Gerne mehr davon! Zwölf Minuten sind fast zu kurz, ich dreh das Tape also nochmal um.

Gibts bei der Band oder bei nospirit zu kaufen. Erschienen bei SNORE ZZ RECORDS.