review: TURBOSTAAT – abalonia

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habe schon gespannt drauf gewartet. Pre-Order ist voll unpunkig. Warten überhaupt.
Und dann kommt der Postbote und ich nestle das paket nervös auf. Hab doch schon ne Box für „alle“ Turboalben. Jetzt also noch ne Box.
Erster Eindruck: zurückhaltend.
Ne Punkband mit ner Platte inner überschicken Box. Mit Fotosession in Schwarz/Weiß, nem Halstuch (aber bitte erstma waschen…. WASCHEN? Pfff.) und ner Bonussingle. Einseitig bespielt. Für 40 Tacken.
Sind die jetzt LedZeppelin. Als nächstes nur noch elegische Rocksongs? und ich hasse diese 70s Rockmucke.
Oder es verkommt zu Deutschpop. Denn PopPunk ist das Label, unter das die meisten diese Band nun stecken.
Klar, es kommt mir das reduzierte Krachpotential in den Sinn. Weniger Distortion. Weniger Uf-ta.
Na gut. Ich lege mal die Platte auf. Dann werd ich ja hören.
Und Zack.
Alles beginnt mit einem typischen TURBOSTAAT-Song. „Ruperts Grün“ Weggehen. Von hier. Alles ist besser als der Tod.
Ist alles besser als das hier?
„Der Zeuge“ der Sound überzeugt. Das ist TURBOSTAAT. Auch ein typischer Song. Das Funkeln fehlt mir. Ja. Die Worte aus dem Zusammenhang gerissen. Ein guter Song.
Zwischen all den kryptisch wirkenden Worten hört, denkt man sich den Sinn.
Das Cover unscharf, eben wie jene Texte.
„Das Mittelalter sticht da wieder durch“
Es steckt viel Kritik an dem Menschen, der um die Ecke lebt drin. In jedem von uns steckt der Zweifel. Der davon kommt, daß eben nun nicht alle so sind wie „wir“.
„Die Arschgesichter“ guter Song.
Und da ist auch das, was TURBOSTAAT immer noch Punk sein lässt. Die Wut in der Stimme. Das nicht-so-sein-wollen. Keine Rockband, aber Rock!
Keine Punkband, aber Punk!
Kleine Ausflüge in atmosphärischeres ohne zu langweilen. Ein mögliches Liebeslied, so macht es erstmal den Eindruck, „Eisenmann“, ohne den Schmalz und den Pathos einer Popcombo. Aber halt kein Liebeslied. Ich finds genial. Wie Jan den Eisenmann herausschreit. In die Ruhe.
Nach dem dritten Hören hat die mich die Scheibe nun gefangen.
Ich kann das durchhören ohne die lästigen Anfangszweifel.
Ohne Angst davor, keinen Punk zu hören.
Wenn sich Mittelstandspunk mit der nötigen Portion Mut so anhört, dann ist er goldrichtig.
Ja, „wir“ sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Mit Kindern und Frauen. Einem Job, der manchmal Geld bringt und manchmal Frust.
Lasst uns was draus machen. Unsere Chance, hier etwas zu verändern. Kultur. Ohne Sub.
Platte genial. Hören!

Autor: felixfrantic

post-deutschpunker. fanzine seit 2014. Gitarristin bei pADDELNoHNEkANU

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