interview: #4 – kuballa – punkrock – ludwigshafen

Der Kalender zeigt Oktober und zwei megageile Punkbands aus Baden-Württemberg machen sich auf eine ausgiebige Tour durch: Baden-Württemberg! 3 volle Abende stehen an in Ludwigsburg (DemoZ), Schramberg (zodiak) und in Singen (t-Stube) – wir berichteten!!! (www.provinzpostille.blogsport.de)

In jedem Fall ein Top-Anlass, mir die Zeit zu nehmen und die Band mit Fragen zu löchern. Mal abgesehen davon, daß sie gemeinsam in einer Band spielen, haben sie ein recht aktives Leben in Ludwigsburg. Andere Bands, politische Gruppen und eine Radiosendung!

PP:
Ich fang mal ganz aktuell an, ihr habt eine neue Single „auf dem Weg durch die Zeit“ (das ist die Zweite nach der Ersten „kein Land in Sicht“!) – wie wurde die bis jetzt angenommen und woher habt ihr den Titel?

T:
Der Titel ist eine Zeile aus einem Lied, der uns allen gut gefallen hat und auf der Suche nach einem Titel für die Single haben wir uns darauf dann geeinigt.

PP:
Welcher Song?

T:
Ich hätte es schon gesagt wenn ich es gewusst hätte
(alle lachen…)

PP:
Schreibst du, Tom, die Texte alle?

T:
Ja, weil ich die ja dann auch singen muss.

PP:
Wird intern diskutiert, welche Themen in den Lyrics behandelt werden?

M:
Für uns ist das so, dass wir alle die Art mögen wie Tom die Texte schreibt. Von daher war da bisher nichts dabei, bei dem es jetzt wirklich riesengroße Diskussionen gab. Der Style ist halt so ein bisschen kryptisch, da kann sich jeder sein Teil denken und das passt ganz gut so.

PP:
Dann möchte ich mal über den Sound sprechen, in meinen Ohren hat der sich mit dem Einstieg von Marta nicht groß geändert, war das eine ganz bewusste Entscheidung so weiterzumachen? Manche Bands verändern mit neuer Gitarre ja auch den Sound; oder das Songwriting.

T:
Also ich finde das sich schon etwas verändert hat, weil sie viel besser spielt als ich, und technisch versierter ist. Das macht schon einen großen Unterschied, denn nun gibt es viel mehr Möglichkeiten. (Marta spielt(e) / inzwischen gibt es die Band nicht mehr) auch Gitarre und singt bei MINUTES FROM MEMORY, Anmerk. d. Verf.)

M:
Soundtechnisch und aufnahmespezifisch stellen wir immer wieder fest, dass wir noch nicht bei unserem Wunschsound angekommen sind. Es ist jedes Mal ziemlich schwer das so hinzubekommen. Da sind wir aber auf dem Weg. Und es hängt natürlich auch von dem Menschen ab mit dem aufgenommen wird. Jetzt sind wir 90% zufrieden, es klingt teilweise etwas komprimiert. Grundsätzlich möchten wir mal in eine eher organische Richtung gehen. Rauer auch.

Das Digitale wollen wir bei den nächsten Aufnahmen eher weglassen oder minimieren. Bisher sind wir absolut zufrieden, also in einer guten Entwicklung aber noch nicht im Stadium der absoluten Glückseligkeit angekommen!

T:
Was mich selbst auch noch mal überrascht hat, als ich die Single zum ersten Mal zuhause aufgelegt habe, das das viel näher an dem ist, was wir möchten, als die MP3 oder Computerdatei. Das hat mich dann beruhigt. Wir hatten natürlich auch viele verschiedene Mixe am Start und das war schwer sich durch zuhören und sich zu finden. Ich leg mir also am liebsten die Platte auf und dann gefällt mir das!

PP:
Ja auf jeder Anlage klingt das immer anders, fast zum Verrückt werden. Kommen wir aber nochmal zurück auf deine Texte: im Song „Alabama sprichst du fremdenfeindliche Übergriffe auf Wohnheime an. Gesangs technisch sprichst du mehr, was du so noch nicht gemacht hast. Was hat dich dazu bewegt das so direkt anzusprechen?

T:
Die AFD ist in Ludwigsburg und Stuttgart genauso durch die Decke gegangen wie überall, sag ich mal. Es ist so bei uns, dass wir alle politische Menschen sind, unser Plan nicht der ist, dann auch eine politische Band zu sein. Mir war das für diese Platte ein Anliegen die Thematik Rassismus endlich aufzugreifen. Ansonsten ist es so, dass es mir in meiner eigenen musikalischen Sozialisation so erging, dass ich teilweise auch nur Textfragmente an Texten voll gut fand. Und ich habe das Gefühl, dass ich Texte schreibe bei denen nicht unbedingt direkt aus dem Zusammenhang eine Geschichte entsteht. Irgendwo passen die Worte schon zusammen, doch es sind eher Textfragmente. Das kommt bestimmt daher, dass mir früher beim Hören von Texten immer einzelne Zeilen im Kopf geblieben sind. Ohne den Rest der Geschichte.

PP:
Beim Punk ist das ja oft so, du hast auf der einen Seite Bands die die Slogans raus hauen und die klaren Worte finden. Und auf der anderen Seite der deutschsprachige Punkrock, bei dem man fragmentarischer vorgeht.

T:
So machst Du das ja auch, ist zumindest mein Eindruck.

PP (hier als Sänger von pADDELNoHNEkANU):
Ja klar, ich versuche so eine Strophe zu machen und wenn der Inhalt einen Sinn ergibt, dann wird die nächste Strophe ähnlich, aber anders. Wird eine andere Message. Für mich ist es immer so, dass man halt die Chance hat mit einem Text das Leben abzubilden. Nicht nur was einen beschäftigt, sondern was einen auch betrifft, was man erlebt hat und das ist ja immer eine Mischung aus allem. Und: mir fällt es relativ schwer denselben Refrain 3 Mal zu singen.

M:
Das ist jetzt nicht grade unsere große Stärke. So eine gewisse Redundanz passt da gut zu uns.

T:
Ich finde das auch ganz gut wenn sich das als Refrain wiederholt, weil das dann auch greifbarer wird.

PP:
Ist Punk Mucke für euch eher ein Ventil oder ist es tatsächlich ein Ausdrucksmittel?

M:
Also musikalisch ist unser Anspruch das Ganze relativ einfach zu halten. Ventil oder was auch immer, ist so ein Punkt, da denken wir gar nicht so viel drüber nach. Das kommt dadurch, dass wir eine ganz langsame Band sind, was den kreativen Schaffensprozess angeht. Irgendwann ist klar, den Song wollen wir so spielen und dann steht der Song. Was für uns Punk ist, da könntest Du jede/n in der Band fragen und jede/r wird ein bisschen was anderes erzählen.
Für mich ist das eher Ventil, abgesehen vom sonstigen Leben, neben Lohnerwerbsarbeit auch noch was zu machen worauf ich Bock hab. Da zählt auf jeden Fall Punk Rock und die Einstellung dahinter dazu. Was zu machen, wie wir es gerade heute machen, was gar nix mit meinem normalen Privatleben zu tun hat. Das tut mir unheimlich gut und ist ein wunderschöner Ausgleich für mich. Und natürlich mit meinen Freunden in einer Band rumzuhängen.

PP:
Es ist also im Grunde beides, es ist ein Ventil und ein Ausdrucksmittel. Ich finde das Geile am Punk ja auch, dass man machen kann was man möchte. Weil ja der Grundsatz, soweit man von Grundsatz sprechen kann und darf: „Machen, einfach machen!“ ist.

M und T:
Genau, genau!!

PP:
Deshalb klingt ja jede Punkband heute ein bisschen anders.

Kommen wir mal zur Wohnstätte: Seid ihr alle aus Ludwigsburg, wie ist die Szene da, habt ihr euch dort zusammengefunden so aus dem Punk Bereich oder aus Bands?

T:
Der Martin, Nico und ich wir spielen schon sehr lang zusammen. In unterschiedlichen Besetzungen und auch immer sehr rumpelig. Irgendwann haben wir den Matze kennengelernt aus dem Freundeskreis und er hatte dann mal für unsere alte Besetzung ein Demo aufgenommen. Natürlich hat man auch unabhängig von der Musik Kontakt gehabt. Irgendwann ist der Matze dann in die Band eingestiegen und später unser alter Sänger ausgestiegen.

M:
Das war 2012 und irgendwann ist der Tom dankenswerter Weise ans Mikro gerückt. Und dann ging das halt erst mal so weiter. Aber wir kannten uns alle schon sehr lang (Gelächter).

PP:
Hängt ihr mit dem DemoZ zusammen? War das der Ort wo ihr euch getroffen habt?

T:
Also früher war das DemoZ eine Hausnummer und für die nachwachsenden Generationen ist das hoffentlich jetzt immer noch eine! Aber das stimmt schon, irgendwie kannten wir uns alle von dort. In politischen Gruppen waren wir dort teilweise auch organisiert.

PP:
Wir haben ja vorgestern zusammen dort gespielt. Und das ist ja schon eine geile Sache, dass es das  jetzt schon 36 Jahre gibt. Da haben sich ja dann schon Generationen von Leuten dort getroffen.

T:
Ich war da auch schon mal bisschen Teil der Struktur und ich finde das auch verrückt, dass die nächsten jungen Menschen das jetzt machen, so wie wir ab Anfang der 2000er das gemacht haben. Und das ist auch ein super beruhigendes Gefühl finde ich, weil es dann ja auch bedeutet, dass es weitergeht. Jetzt bin ich da nicht mehr so aktiv aber es gibt immer Leute die da nachkommen oder immer noch am Start sind.

PP:
Ist das DemoZ ein Verein, kann da jeder mitmachen?

T:
Ja ein selbstverwalteter Verein, Mitglieder sind wir natürlich noch das ist ja klar(Gelächter).
Naja und weil wir mit den alten Zusammenhängen da öfters auch gespielt haben, ist das für uns auch immer sehr schön da mal wieder zu spielen so wie jetzt vergangenen Freitag.

M:
Ja die Marta habe ich glaub auch im DemoZ getroffen, da gab es auch einen Bezug zur Tierrechtsszene. Irgendwie alles ein Klüngel im positiven Sinne.

PP:
Ich war total überrascht, als ich mit der Postille angefangen habe, ein bisschen zu recherchieren über Ludwigsburg, wie viele unterschiedliche Bands es gibt: We Had a Deal (r.i.p.), Minutes from Memory (r.i.p.) das ist schon ein gutes Programm, da geht wahrscheinlich ja noch viel viel mehr, was ich gar nicht weiß und das ist schon geil für eine Stadt, wenn es da so eine vielfältige und lebendige Szene gibt.

T:
Das witzige ist ja auch, dass es in Ludwigsburg so drei Baracken gibt und dort Proben auch die meisten Bands oder? HELMUT COOL, WE HAD A DEAL, HELL & BACK proben auch da. Eigentlich proben nur MINUTES FROM MEMORY nicht dort (Gelächter)

M:
Denen ist das zu abgefuckt (großes Gelächter) Aber wir arbeiten dran…

T:
Dann aber nochmal zur Bandentwicklung. Der alte Sänger Pati ging raus, dann war die Frage was tun? Es war schwierig jemand zu finden oder das einem jemand spontan einfällt. Wir sind ja alle eher so freundschaftlich in der Band. Und irgendwo einen Zettel aufzuhängen: „Suchen Sänger oder Sängerin“ das konnten wir uns nicht vorstellen. Deswegen hab ich dann gesagt OK, dann mach ich das halt. Zu aller Erleichterung hab ich dann die Arschkarte gezogen.

M:
Wir haben das mit Tom ausprobiert und ich muss sagen, das hat von Anfang an gut geklungen. Mittlerweile klingt das richtig geil und das scheint dir ja auch Spaß zu machen?

T:
Ja, ich bin auch ganz zufrieden. Also live finde ich das immer noch hui und große Nervosität aber vom Prinzip macht mir das schon Spaß. Die Doppelsache von Gitarre und Gesang hat mich recht schnell an meine Grenzen gebracht und meine Ansage war dann: „Leute ich kann nur eins von beidem machen, sonst ist mir das zu anstrengend!“ In meinem Hobby möchte ich ja schließlich keinen Stress, sondern Spaß haben. Das hat dann wieder eine Überlegungsphase eingeläutet. Die Zettelsache haben wir ja schon abgelehnt und dann ist uns die Marta eingefallen und dann wurde sie mal angefragt, weil wir auch wussten dass sie neben Minutes auch noch was anderes machen wollte. Zum Glück hatte sie da auch Lust drauf und es passt alles super! So hat sich dann dieses Bandgefüge in 2015 gefunden.

PP:
Ihr seid da ja gut vernetzt und tauscht bestimmt neue Musik aus. Ich hab so den Eindruck, dass der Hauptteil des Punkrock nur noch digital stattfindet. Indem man Bands nur noch online entdeckt, wenn man über seinen heimischen Kosmos rausschaut. Ist das noch Punk oder ist das Digital-Diktat?

M:
Also Vinyl ist erst mal ein wichtiges Medium für uns, deswegen bringen wir auch alles auf Vinyl raus. Plus Download Code, das finden wir das Beste. Mit der ganzen Downloadsache da kann es schon grenzwertig werden. Also ich erlebe mich da ganz stark als Konsument von Musik. Da kann dann Musik schon zum Wegwerfprodukt werden. Wenn ich an einem Wochenende 200 Bands anchecke und Sonntag abends nicht mehr weiß was die erste war. Kenn ich alles auch.
Für uns ist deshalb auch Vinyl wichtig. Ein befreundeter Mensch in Stuttgart hat einen kleinen Plattenladen CHEAP TRASH RECORDS! Wir froh, dass es immer noch Menschen gibt, die bereit sind neue Bands zu entdecken und denen auch einen Chance zu geben. Also auch KUBALLA!

PP:
Apropos Chance geben, ihr macht noch einmal im Monat eine Radiosendung, da gebt ihr sicher auch Bands eine Chance die ihr so entdeckt habt. Und in der Sendung dann spielt. Wie kamt ihr überhaupt auf die Idee?

T:
Da handelt es sich um das Freie Radio für Stuttgart. Ich bin da schon eine Weile Mitglied und mach da Sendungen bei der Inforedaktion, das sind Politsachen. Damals haben wir in Ludwigsburg eine Redaktion gegründet und zweimal im Monat sonntags eine Sendung gemacht.
Da sind aber die Leute weggebrochen und am Ende saß ich mit einem Kollegen nur noch zu zweit da. Ich hab mir dann überlegt, wie ich selbst wieder Spaß in die Sache bekomme! Eine Sendung mit meiner Band machen, jeden vierten Sonntag im Monat. Und das ist jetzt echt eine nette witzige Sache geworden.

PP:
Wie ist die Resonanz da drauf?

M:
Schwer zu sagen, immer unterschiedlich, manchmal bis 100 Leute. Laut Internetmessung. Aber in Stuttgart wird das auch über normale Radiogeräte gehört und nicht gezählt.
Allgemein kommen da ganz gute Rückmeldungen und macht halt auch Spaß als Musiknerd selbst Platten aufzulegen. Sind halt auch zwei Stunden die gefüllt werden wollen.

T:
Ein Ziel ist auch, Bands mal ins Studio einzuladen oder Interviews zu machen. Und es ist auch eine nette Sache Bands im Radio spielen zu können, die halt niemand kennt oder nur wenige Leute kennen. Also einen kleinen Support zu leisten.

PP:
Das war mein bisher längstes Interview! Habt ihr noch etwas anzumerken?

T:
Zum Vinyl wollte ich noch was sagen. Das ich das am Punkrock schon immer super fand, auch als es wenig Vinyl gab, gab es im Punkrock immer noch Vinyl. Du konntest immer auf Konzerten Platten kaufen.

PP:
Das ist ja dann auch vielleicht das Konservative an Punkrock
(Gelächter)

T:
Wenn man das gleich in so ein schlechtes Licht rücken möchte, dann kann man das so machen! Ich finde das positiv! Platten durchzuschauen, so wie früher, war halt im Punkbereich immer möglich; auch durch die Leute mit ihren Plattenständen auf Konzerten! Und ist es eben immer noch!

PP:
Ich bin auch gerne auf Flohmärkten und schaue in die Plattenkisten und denke, naja jetzt müsste doch eigentlich mal die Zeit kommen, wo die Freaks endlich mal ihren Scheiß, ihre Jugendsünden loswerden wollen! Aber die blöden Punker geben ihr Zeug nicht raus
(Gelächter).
Habt ihr noch Plattensammlungen zuhause?

M und T:
Yes!

PP:
Und was steht da so in der Hauptsache? Sucht ihr noch nach deutschsprachigem Punkrock oder habt ihr euch vielleicht auch schon mal nach Asien oder so umgeschaut, da gibt‘s ja auch ein Haufen Bands.

T:
Also ich hab das noch nicht, aber das ist ein guter Gedanke!

PP:
Welche Platten kauft ihr noch?

T:
Also ich kauf schon eher auf Konzerten Platten. Von Bands, die ich mir dort angeschaut habe, dann ist das für mich eine runde Sache. Gutes Konzert und Platte kaufen von der Band! Oder beim Andy im CHEAP TRASH Laden, da gehst du auch nur selten ohne eine Platte raus. Oder wenn der Matze mal eine Platten Bestellung macht und uns darüber vorher informiert, da wird dann auch meistens was mitbestellt. Die meisten Platten die ich kaufe sind schon aus dem Punkrock Bereich.

M:
Ich weiß ja nicht wie es dir geht aber ich habe so ein ambivalentes Verhältnis zu Deutschpunk. Die Deutschpunk Sparte in meinem Plattenregal ist recht klein ausgefallen.

PP:
Da ist ja dann auch wieder die Definitionsfrage was ist denn Deutschpunk? Alle streiten sich drüber aber die Schublade verändert ja auch keiner.

M:
Stimmt. Bei mir ist generell die Sparte mit deutschsprachiger Punk Mucke ziemlich klein. Also es gibt sehr geile japanische Punkbands, z.B. 1000 TRAVELS OF JAWARHARLAL!

Ich versteh da zwar kein Wort, finds aber sehr geil. Oder I EXCUSE ist auch noch so eine japanische Band. Also ich bin jetzt gar nicht so der Deutschpunker muss ich sagen. Da gibt‘s dennoch ein paar Platten, die mir echt wichtig sind. SLIME Schweineherbst war für mich ne ganz wichtige Platte und TOXOPLASMA  Leben verboten. Zu vielem anderen habe ich keinen Bezug. MUFF POTTER war nie meine Band.

T:
Ha aber Nicos und meine Band ist das auf jeden Fall gewesen!

M:
Bei den neueren Sachen mag ich auf jeden Fall TURBOSTAAT. Ich höre viel Hardcore und Rock’n‘Roll Zeug. Auch wenn das jetzt das Weltbild von manchen zerstören mag…

T:
Und für mich ist das mit dem Deutschpunk so, dass ich da als erstes den Schlachtrufe BRD Sampler assoziiere! Da haben mir viele Sachen auch gar nicht gefallen. Z.B. bin ich kein Freund der ABSTÜRZENDEN BRIEFTAUBEN. Die sollen natürlich ihre Sache so machen, das ist völlig in Ordnung. Nur ich bin da halt nie so richtig drauf angesprungen. Politisch sind sie auf jeden Fall gut! Mit der ganzen Schublade, da würde ich halt lieber sagen Punkrock mit deutschsprachigen Texten. Da finde ich OIRO, TURBOSTAAT, DISCO OSLO, KMPFSPRT alle auch gut.

PP:
Meine Neugierde ist befriedigt. Schluss Worte?

M:
Wir sagen danke!

T:
Genau danke und auch danke dass du das Heftchen machst. Was ist da deine Motivation die dahinter steht?

PP:
Netzwerken. Ich komme aus der Provinz, deswegen heißt das Ding Provinz Postille. Und es ist sau schwer geworden hier Konzerte zu machen. Es gab in Baden-Baden eine sehr lebendige und bunte Szene rund um die JuBe (Jugendbegegnungsstätte). Ich hab das mal in einem „Schwafel-Interview“ alles dem Marko von KOPFPUNK erzählt, haha! (Sendung dürft ihr selbst suchen, link ist zu Karmacopter)

Mein erstes Konzert waren EMILS. Und total verknallt habe ich mich in V-MANN-JOE; die übrigens aus unserer Gegend kamen – nicht von Anfang an aus der Besetzerszene in West-Berlin 😉 Dieses unfassbar geile Demo. Ich glaube, die habe ich 3 Mal in BAD gesehen.

Ich habe vor, auch eine Spezialausgabe zu machen, um das mal wieder in Erinnerung zu bringen. Also zwei, drei Idioten wie mich gibt es schon noch, die sich daran erinnern, was in den 90ern so abging. Und jetzt fehlt das halt komplett. Baden Baden reduziere ich jetzt mal auf das Festspielhaus und das New Pop Festival. Da springen dann 50 000 Menschen und Besucher rum und hören sich Kack Popbands an, die im Radio ein Jahr lang rauf und runter gespielt werden. Für mich ist das gar nichts, widerspricht jedem Gedanken von Musik. Und deswegen habe ich das angefangen, Netzwerken, Bands kennen lernen. So habe ich euch kennengelernt! Angeschrieben, 7inch bestellt und nicht nur online reingehört. Auf dem 2ten Sampler seid ihr ja auch mit drauf.

T:
Ich wollte noch sagen, dass eure Version von Computerstaat mir sehr gut gefällt und 1+1=2fel finde ich auch super. Wegen der Textzeile „als ich zu Boden ging dachte ich die Sache sei gelaufen“. Die hat sich bei mir gleich eingebrannt!

PP:
Ich gestehe: an dieser Zeile habe ich mich selbst total aufgehängt, deshalb kommt sie in dem Song auch gefühlt 28 mal vor.

Das ist mal ein interessantes Ende für ein Interview!

Winken aus der Provinz in den Stuttgarter Ballungsraum.

Nachklapp:
Die Band hat in der zwischenzeit den dritten Basser am Start, mit Hannes haben sie jemanden, der bei den famosen Über… gespielt hat.
Zudem eine neue 7inch bei Krachige-Platten namens „auf den dächern der stadt“

Sie spielen immer wieder Konzerte bspw 20.06. in Heilbronn in der Emma 23!

Nico spielt inzwischen Bass bei den großartigen Wave-Punkern Phileas Fogg.
Dann kam Flo „for a while“, der auch irgendwo spielt. Ich komm grad nicht drauf, aber wenn es mir wieder einfällt, aktualisiere ich das. Ich denke es müsste Snackwolf sein.

Hannes kam von den wunderbaren überalles und ist seit, gefühlt, ein paar Jahren schon Basser bei Kuballa.

 

 

 

7inch: spit acid – time for revenge

Spit Acid aus Osnabrück sind nicht die Spit Acid ausn 90ern – nur so als Info für die alten Hardcore-Hasen hier!
Sie haben ihre zweite Veröffentlichung raus, diesmal als 7inch bei My Ruin.

Als es losgeht, bin ich erstmal überrascht, dass die Art Hardcorepunk auch bei MyRuin seinen Platz findet. Bisher habe ich das Label eher im (Post-)Punk wahrgenommen. Klar, einzelne Ausreißer gab es immer.
Spit Acid sind ein Trio. Zwei Frauen, ein Kerl. Da mir keine weiteren Infos über sie vorliegen, kann ich euch nicht genau sagen ob sie queer sind.

Die 7inch „zeit für rache“ beginnt nur mit Drums, die Snare knallt wie Sau, dann steigt ein knarzig verzerrter Basslauf auf und als Gitarre und Stimme einsetzen ist klar, die Band will ein paar sehr deutliche Worte mit sehr druckvoller Musik loswerden.

Heavy, pissed Hardcorepunk, der etwas ins crustige geht, aber im Midtempo bleibt. Feministische Texte, soweit ich das identifizieren kann.
Ziemlich cooler Release.

MyRuin. Vinyl in Baby-Pink Transparent.

 

 

konzert: taranja wu + paddelnohnekanu 16.05.2026 – zodiak schramberg

Vor ziemlich genau 10 Jahren waren wir mit Kuballa schon mal im Zodiak gewesen.
Und immer wenn man nach so langer Zeit nochmal in einem Laden spielt, dann sit schon allein die Freud egroß, dass es den noch gibt und die Leute dort weiter machen UND Subkultur weiter unterstützen.

Ralf, das ist der Inhaber des Zodiak, begrüßte uns mit ein paar Bier und wir bauten mit zwei Tontechnikern die Anlage und die Backline auf.
Für diesen Abend war ja noch Taranja Wu als Solo-Künstlerin mit weitestgehend elektronischem Set-Up angekündigt und so durften wir alles andere an Drums und Kleinkram aufbauen.
Das ging recht floot und ich stelle immer wieder fest, dass so Bühnen in einer Raumecke iwie total cool sind. Der Drummer hat einfach ein bisschen mehr Platz nach hinten, man kann die Verstärker schon fast wie im Proberaum aufstellen und hat auf der Bühne nen super Sound.

Ich hatte Durst an diesem Abend. Die ersten drei Bier waren schon vor dem Essen vertilgt und ich spürte so ein leichtes Kribbeln im großen Zeh.
Taranja Wu begann ein paar Minuten später und versuchte das Publikum mit ihrer recht tanzbaren Mischung aus Elektro und Punk zum tanzen zu bewegen.
Die meisten wollten dann doch eher gemütlich zuschauen und wir diskutierten intern, ob wir die Stehtische nicht einfach direkt vor die Bühne stellen sollten.
Aber hej, wer kennt ihn nicht, den „______ Halbkreis“ vor der Bühne (an ___ dürft ihr euren Laden oder den Namen eurer Stadt eintragen)
Wir beließen es dabei und legten los.
Ich hatte ein gutes Gefühl und mit Tulle und Ole auch ordentlich Spaß, dem Publikum mal wieder einen etwas sperrigen Weg in unsere Musik zu ebnen, indem wir „alles gut, ich warte“ als Intro-Songs spielten, wie auf der LP auch.
Hörgewohnheiten lassen sich nirgendwo besser beobachten, als auf der Bühne ins Publikum!
Am Ende: es war ein runder Abend, ich fuhr die Gang nach Hause.
Nächstes Konzert dann mit V-Mann Joe, ich werde berichten!

LP: ausgestorben – planetenübergabe

Ich hab die Platte mehrfach aufgelegt.
Und weiß nicht, was ich schreiben soll.
Oke, „planetenübergabe“ ist ein scheißcooler Plattentitel. Meega!
Ich würde gerne etwas drüber schreiben, denn so einiges bei den beteiligten Bandmitgliedern ist in den Jahren hängengeblieben.
Die Musik hier, die bleibt nicht hängen. Das ist so 77er Punkrock von der ganz gediegenen Sorte. Da schaffen es nichtmal die Texte und Intonation von Rachut, mich irgendwie zu cachen. Die Musik wirkt so ausgestorben, wie der Bandname titelt.

Ich leg mal nochmal Maulgruppe auf. Die fand ich Bombe.

Augestorben gibt es beim Major Label. Und Freunde des Label und alle der Menschen, die in diesem Allstar-Projekt (Atli Grund ( BIG BALLS AND THE GREAT WHITE IDIOT, KLEIBER ) an der Gitarre, Uwe Roth am Bass ( ARM, DAS MOOR ), Elmar Günther am Schlagzeug ( PAROLE TRIXI ) und natürlich Thomas Wenzel ( DIE GOLDENEN ZITRONEN, DIE STERNE, KOMMANDO SONNE-NMILCH ) und eben Jens Rachut ( MAULGRUPPE, OMA HANS, DACKELBLUT, ANGESCHISSEN, und und und) mitmachen, haben sicher etwas mehr Freude daran, als ich.

 

konzert: neckarions + diaz brother 27.05.2026 – artcanrobert

Nachdem ich nun zuerst über Krach Kultur am 22.05. berichtete und dann vom 25.05. im Kessel Offenburg, muss jetzt der 27.05. folgen, ist klar.
Beim nächsten Bericht dann der 16.05.

Aaaalso: mit den Neckarions hatte ich ein Konzert verabredet. Mit den Diaz Brothers aus Sunderland.
Okay! Ich geh manchmal an Musik ran, als wäre sie eine Wundertüte und warte ab, was passiert. Man muss ja nicht gleich reinhören. Also wenn ich Neckarions gut finde und die mir erzählen, das Diaz Brothers eine supergute Gruppe aus England sind, die melodischen Punkrock machen, dann glaube ich das.
Ich bae dann Anhand der Posts in SM gesehen, dass sie eine Europatour machen und echt ganz gut unterwegs sind. Irgendwo habe ich sicher schon mal über sie was gehört aber noch nicht angehört.

Am Abend des Konzerts, ich hatte bei meinem Arbeitgeber, was nicht immer ganz einfach ist, angemeldet, dass ich früher weg muss. Ausgerechnet an dem Tag sollten wir eigentlich bis 23 Uhr arbeiten. Also im Grunde musste ich mir den ganzen Tag freinehmen…. Augenroll.
Ich war pünktlich zur verabredeten Zeit am Artcanrobert, da standen die Diaz Brothers schon vor der Tour. In wenigen Minuten entspann sich zwischen Neil (Gitarre) und mir ein politisches Gespräch. Das fand ich irgendwie gut.

Wir warteten auf die Neckarions die, wie jeder Auofahren zwischen Karlsruhe und Stuttgart, im Stau landeten und zu spät kamen.
Schwuppdiwupp hatten wir alles auf der Bühne und ich zwei Soundchecks gemacht, an dem Abend machte ich auch noch die Technik, nur Zuschauer blieben aus.
Es kamen, von den am Ende 22 Zahlenden, mehr als die Hälfte das erste Mal ins Artcanrobert. Das war schon sehr sehr großartig, aber leider ein echter Wehmutstropfen, den jede Band hat einfach 40, 50 Peepz „verdient“.
Vor allem, wenn sie so fucking gut sind, wie die Diaz Brothers. Richtig mit Seele und Herz gespielter, emotionaler Punkrock.
Mit Druck und Punk und Emo.
Ich war echt froh, beide Bands waren really happy mit ihrem Sound, das Publikum hatte nichts auszusetzen und kaufte ihnen noch ein paar Platten ab.
Ein super Abend, aber wo wart ihr?

 

LP: hete – s/t

Alter was ist denn da bei Hete los?
Das ist ja mal voll das krass gute Album, dark, deep und dreckig.
Hat mich total überrascht und sofort gecacht.
Die Band hete hat im Grunde keine schnellen Songs, spielt das Midtempo aber so mit Druck und nach vorne, das ich echt ein fettes Grinsen ins Gesicht bekomme.
Mehr Punk als Garage, wobei die Punkeinflüssen sehr sehr deutlich zu hören sind. Dazu singt mal eine weibliche, mal eine männliche Stimme, mal eine, die irgendwie nach Blackmetal oder sowas klingt. Diese Mischung bringt hart Abwechslung in die Lieder.
Eigentlich sind die Melodien oder die Bassläufe sind recht simpel gehalten und vor allem die Gitarren machen oft gar nicht „so ein Ding draus“, sondern bleiben überschaubar. Was ich total gut finde. Ich mag ja auch Dead Years, die sind da aber eben wesentlich ausufernder.
hete bleiben in dem „nach vorne spielen“. Man kann in den oft repetitiven Parts die Lyrics ganz gut verstehen, ausnahmsweise, weil die Mucke so gut ist, verzeihe ich das Fehlen der Worte. Hete können emotional musikalisch überzeugen.
Das Artwork auch recht simpel aber das Pink in dem Grau ist einfach Bombe!
Einzig, und ich weiß nicht, ob den Nerds hier das auch schon aufgefallen ist, das Mastering der North Bomb Factory ist immer ein wenig zuu dick. EIn bisschen zuuu viel Kompressor, denke ich.

Auf der Platte sind 12 Lieder, erschienen bei Kink Records und MyRuin. Textblatt mit Düsternis, Kreuzen und Fotos. Vinyl gibts in grau und schwarz.
Hab voll Bock die live zu sehen!

 

MC: abrichten – aufheben

Ist es Musik um des Musik Willen?
Die Band Abrichten hat ein 6-Song-Tape namens „aufheben“ rausgebracht“ – wobei ich bei einer Kassette „einlegen“ besser gefunden hätte.
Musikalisch wirkt es unheimlich repetitiv. Und was machen sie eigentlich?
Kraut-Rock mit so vertonten Gefühlszuständen, dass man förmlich spürt, dass der Schweiß, um den es textlich geht, Schweiß den man seit Tagen nicht weggeduscht hat oder der Schweiß in den Schuhe, dass man den musikalisch riechen kann, spürbar macht.

Die Band abrichten spielen gut zusammen, die Stimmung, die sie transportieren wollen, kommt bei mir an; ich werd’s nur nicht nochmal hören.
Aber vielleicht gibt es wen da draußen, in den Weiten des Internet, dem dieser poetische Review gefällt und sich nun das Tape bei It’s Eleven bestellt.

 

interview: #4 – krasser-fahrstil – punkrock – rastatt

KRASSER-FAHRSTIL haben in den letzten 2 Jahren munter die Besetzung durchgewechselt. Immer wieder ein Bassist. Dann mal ohne zweiten Gitarristen. Damit ich aber auch nix mehr durcheinanderbringe, dürfen die Herren nun selbst erzählen seit wann sie nun wie zusammen spielen!
geführt haben wir das Interview live und in Farbe im Artcanrobert im Backstage, Dezember 2016.

PP:
Ihr seid komplett neu besetzt seit:

Juki:
September!

Fauli:
Beim NO COMPLY– Releasekonzert im September hatten wir unseren ersten Auftritt zusammen, nachdem wir in 8 Tagen unser Set eingespielt hatten.

PP:
Da habta aber Gas gegeben! War ja ganz gut, euer Auftritt!

Fauli:
Sieben Tage geprobt.

PP:
Und ihr seid immer noch zusammen 😉 Scheint gut zu klappen?!?

Fauli / Juki:
Auf jeden Fall
(Gelächter)

PP:
Kommt ihr alle aus Rastatt?

Juki:
Wir kommen alle aus der Rastatter Umgebung. Armand (drums) und ich aus Bischweier. Wenn er voll ist, will er immer Wachteln mit Speck. Weswegen wir ihn auch „Wachtel“ nennen.

Fauli:
Jau, und Floom (Bass) und ich kommen aus Rastatt!

PP:
Ich habe heute Abend einige Songs gehört, die ich schon kenne, wie „AA“ oder „gewicht“, was ja auch schon auf Sampler #1 war, gehört. Ein paar Songs sind auch verändert. Aber auch schon Neues. Für eine Woche proben… Fleissig!

Fauli:
Wir haben noch ein paar Songs der alten Besetzung, aber es verändert sich einiges! Die Neuen Songs die kommen, werden in jedem Fall zusammen geschrieben!

PP:
Du hattest mir erzählt, ihr hattet aufgenommen im Frühjahr ‘16, glaube ich.

Fauli:
Ja. Aber die Sachen haben wir leider ad Acta legen müssen, durch die Umbesetzung. Dafür haben wir nun einige alte, wie auch neue Songs mit Jables (ADONEY) aufgenommen. Die sind gerade im Mix… Mal schauen! Wir sind sehr gespannt auf das Ergebnis!

PP:
Wie geht’s denn weiter?

Fauli:
Wir schreiben neue Songs. Dann buchen wir gerade Konzerte.
Ich bin immer noch ganz glücklich, daß sich das mit KRASSER FAHRSTIL in letzter Zeit so spontan gefunden hat. Ich hatte bei dem NO COMPLY Releasekonzert vor, alleine zu spielen! Ich hatte schon Beats eingespielt, aber eben 8 Tage vorher traf ich Floom und zapp zarapp waren wir im Proberaum!

PP:
Wie war also euer zweiter Gig?

Fauli:
Gut! Wir haben von einigen Menschen positives Feedback bekommen, haben gut zusammen gespielt: fühlt sich gut an!
Und jetzt eben: Konzerte spielen, spielen, spielen.

PP:
In diesem Sinne, kleine News aus der Provinz!

Viel Spaß und Erfolg weiterhin!

 

Nachklapp:
Die Band gibt es noch. Sie spielen nicht ganz so oft, wie sich das bei Fauli angehört hatte, damals.
Inzwischen haben wir zusammen mit No Flag Left (hießen damals noch Ennolicious) eine selbstproduzierte Split LP rausgebracht „mit abstand am besten

Inzwischen ist seit einigen Jahren Klemmi am Bass dabei und Fauli und Armand (Drums) sind noch von der damaligen Besetzung dabei.

Und wenn ihr das jetzt lest, haben wir gestern zusammen mit paddelnohnekanu, roselin, snailmate und v-mann joe ein Konzert gespielt.

 

konzert: heihaizi + A9 – 25.05.2026 – Offenburg Kessel

Nach dem Konzert am Freitagabend in Bühl, ergabe es sich, dass ich ein Wochenende frei hatte und Pfingstmontag ja gleich nochmal ein Feiertag war.
Prima! Ausschlafen, rumgammeln, und dann auf ne Matineé-Show in den Kessel; in der Hoffnung, dass diesmal beide Bands da sein würden.
Bei der letzten Matineé war nur eine Band da, zwinker. Aber nich minder laut!

Es gab Kaffee und Kuchen, dann ging es mit entspanntem Hochgeschwindigkeits-Hardcore aus Leipzig los.
A9 schrubbten ordentlich über die Griffbretter, der Sänger bellte seine Texte, ein paar Tanzbeine flogen auf den Boden, standen wieder auf, angepeitscht von der Snare.
Habe lange keine so freundlich dreinblickende Gitarristin gesehen bei solch einer Klatsche an Musik. Schön.

Danach machten Heihaizi ihren Linecheck und ließen dann auch gleich die Hunde von der Leine.
Man sagt der Band (oder sie selbst über sich), dass sie die kroatischen Beastie Boys seien. An dem Abend konnte ich endlich feststellen, warum und in welchem Bezug. Vor allem dreht es sich wohl um das Party-Album dieser Band „licensed to ill“.
Heihaizi spielen allerdings auch ein paar schnellere Punksongs.

Auch hier wurden ein paar Tanzbeine und ein paar Fäuste in die Luft geworfen. Hauptsächlich von der mitgereisten Band.
Man merkte, dass einige im Kessel, über das von mir als „frei“ genutzte Wochenende, in Mannheim auf dem Pfingstfest waren.
Ich hatte das schon auch überlegt, Angesichts der Benzinpreise und ohne Mitfahrer*in – momentan einfach keine Chance.

Bin gespannt auf die nächste Punkshow im Kessel.
### SUPPORT LOCAL VENUES ###

 

konzert: wuzetian, brach, no flag left, petricore – krach kultur I – 22.05.2026

Was ein Line-Up!
Schön am Ende einer arbeitsreichen Woche gelegen. Dazu dann noch „schnell“ auf einen Geburtstag einer lieben Freundin die, glücklicherweise, immer recht früh feiert. Bzw. wir sind gemeinsam Essen gegangen.
Ich kam also gerade so punktgenau um 20 Uhr am Komm an.
In meinem Heimatstädtchen passiert musikalisch und live ja gar nicht mal so viel, da ist dann auch die Genreauswahl schon speziell und besonders.

UND: es spielen drei (!!!) meiner Labelbands an einem Abend.
Ich ließ es mir nicht nehmen, auch mit all meinen Plattenkisten anzureisen.
Erstmal ein Bier in die Hand. Und das Aufnahmegerät gestartet.

Als erstes spielten Petricore. Ich glaube, ich kann sagen, dass ich die meisten Konzerte der Band bisher gesehen habe. Oft spielen sie nämlich nicht.
Sehr hoher Grad an Spielfreude und dazu auch noch ziemlich spielsicher.

Kleiner Funfact: den alten, ersten Bass, den Josl mal spielte hat mir Fauli als Garderobe zum Geburtstag geschenkt! Hängt jetzt bei mir im Flur.
Im Publikum war jemand, der schon ein paar Bier drin hatte und im Kreis lief, die Leute anstieß, um Pogo zu tanzen. Nicht wild, mehr auffordernd.
Und – wie immer in solchen Situationen – musste sich jemand schwer angepöbelt fühlen und ging total an die Decke, schrie den Kerl an, drohte mit Prügel, was weiß ich.
Bevor ich einschreiten wollte, kamen aber schon zwei andere und zogen sie auseinander. Der Pogo-Aufforderer war ganz ruhig geblieben. Wer aber bekam dann die Ansage „mach mal langsamer“ ? genau: er. Fand ich scheiße. Hab den Typ, der da so rumkrakehlte später noch in einem „normalen“ Gespräch erleben dürfen: wenig sympathisch.

Zweite Band des Abends: die düsteren, schweren und sehr lauten WuZeTian aus Achern.
Da ich die Band ja aufgenommen und gemischt habe für ihre Platte „alles lebt alles stirbt“ kann ich nicht verschweigen, dass ich die total gut finde.
John, Gitarre, ist inzwischen weggezogen und für den einen (sie spielen leider auch viel zu selten) Gig nochmal gekommen. Sie suchen gerade jemanden für die zweite Gitarre !!!

Nach einer schweißtreibenden Show merkte man richtig, wie sehr das Publikum hier mitgegangen war und eine Pause brauchte.

Es folgen No Flag Left (ex- Ennolicious) die auch auf Krachige Platten zwei schöne Releases rausgebracht haben!
Inzwischen spielt Simon ja auch bei Petricore an der Klampfe.
No Flag Left sind etwas angepisster mit Schreihals Dome am Micro. Eher so Skatepunk mit Hardcore-Einschlag. Ich finde, sie werden jedes Mal besser, wenn ich sie sehe!

Zum Abschluß des echt coolen Abends, ich hatte zwischendurch irgendwo mein Bier verloren und dann lieber noch eins geholt, bevor ich das Alte dann auf der Box vor der Bühne wiedergefunden habe (ich glaube, es war meins), kamen dann Brach auf die Bühne.
Ich hatte sie ja noch nie live gesehen, hatten sie mich doch aber mit ihrem Sound und Songwriting überzeugt, weswegen ich das Tape auch rausgebracht habe.
Eine Wucht. Ein Brett. Sehr gut gespielt.

Ein echt cooles, erstes Krach Kultur Fest im Komm. Eintritt frei.
Ich hoffe sehr, dass die Jungs weitermachen.