LP: krav boca – drapeau noir

Erstmal: total geil, dass die Band Krav Boca wieder an mich gedacht haben, damit ich ihre neue Platte anhören kann.
Immerhin schicken sie das für teuer Porto aus Frankreich zum bedeutungslosesten Musik-Blog, der Grenzen überschreitet, hehe.
„drapeau noir“ heißt die Poatte (schwarze Flagge).
Sie selbst beschreiben sich bei Bandcamp selbst sehr gut.
Und übrigens kann man das Album bei Bandcamp für 0€ mitnehmen…. krass

Die Produktion ist echt ziemlich fett.
Spiegeloptik, Comiczeichnung welches wohl das Kollektiv repräsentieren soll, welches Krav Boca sind. Auf der Rückseite sieht man die Stadt, aus der  dieses Raketenschiff abhebt.
Alles komplett in Eigenregie, so sieht es aus, Boca Records, der Name ihres Labels.

Textlich geht es darum, da sie nicht beiliegen, reime ich mir das mit meinem Schulfranzösisch ein wenig zusammen, Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammenzubringen und den Frust und die Kritik am System, die sie haben, möglichst laut loszuwerden.
Sie haben da schon eine recht coole Herangehensweise.
Eine Mischung aus Stop&Go Metalgitarren, Hiphop, ohne dabei nach 90er Jahre zu klingen, nicht das neueste Konzept, aber Krav Boca machen das erfrischend direkt!
Die Metalcore-Quietschtöne der Gitarre kombiniert mit den direkten Beats drücken ordentlich nach vorne. Dazu elektronische Klänge, die auch auf einem Rave laufen könnte.
Einige Coop’s sind dabei. Rapper Magui aus dem Senegal, der queer transfeminist reggaeton Chocolate aus Argentinien (ich hab auf Spanisch noch nie jemanden so schnell sprechen hören!), Loran (ex-Bérurier Noir) und die Metalband Lofofora.
Klar, so abwechslungsreich die Gäste, so wird auch die Gesamtmixtur der Platte.

Mit „ok boomer“ gobt es eine ordentliche Watschen an die Alten, die meinen, alles im Griff zu haben.

Klares Statement mit „siamo tutti (antifascisti)“ – ein hämmender Beat, Punk in der Stimme.

Punk, Oi, Metal, HipHop, Elektro-Einflüsse – alles drin um richtig durchzudrehen.
Insgesamt eine echt gute Platte!

 

 

LP: elmar – vollgeschissen im hassclub

Ich hab mich echt schon ne Weile auf das Album gefreut, welches nun vom Elmar erschienen ist. Nach ein paar EP’s und Samplerbeiträgen das erste Full-Length seit „betriebstemperatur, halten“ in 2017.
Nun also mit „vollgeschissen im hassclub“ schon mal ne richtige Duftmarke gesetzt, man könnte fast meinen, Elmar könnten sich in der Zwischenzeit dem Hardcorepunk verschrieben haben.

Jedenfalls ist es so lang her, dass ich, als die Scheibe endlich läuft, kein Wort dafür habe, wie ich diese Musik beschreiben soll. Also nutze ich nun eine Vielzahl!
Peter Löwe, der Sänger und einer der Gitarristen der Band, hat zwischendurch mal ein Solo-Singer-Songwriter-Album rausgebracht, welches ganz famos ist und hart zu empfehlen! „ein gutes leben

Der Titeltrack ist auch der Eingangstrack und schnell merke ich, dass die Lyrics, so plakativ und direkt sich der Titel anhört, total lyrisch sind!
Emotionaler Punkrock, ein bisschen Lygo, ein bisschen Krawehl und atmen, weiter
Immer wieder fällt mir auf, das die Band textlich nicht so allgemein, wie sich poetische Worte ja eigentlich um ein Thema schlängeln, sondern in ihren Aussagen sehr sozialkritisch.
„popschwein“ ist so ein sehr gutes Beispiel

und überlass jetzt nicht dem zufall
oder dem faschist
eingebunden in reihenfolgen
im geschichtsbuchtwist
komm wir setzen uns nochmal hin
und du erzählst mir dann, wie es morgen war
bin schon beim gestern implodiert
ist so wie beim streiten
über lottozahlen

Dieser Text hat etwas Rachut’sches, obwohl diese Worte mehr Poesie haben als das Vergleichende, was eben Rachut gerne machte.
Dann, bei „bestes kleid“, am Schluß – kann sich noch jemand an die wunderbare Band Barra Head erinnern? – mir wird ganz warm ums Herz, denn Elmar schütteln da einfach mal so nen megaguten Emo-Part aus den Ärmeln.

Ich dreh mal um, zweite Seite.
„astronaut“ ist ein Indie-Song, ein Liebeslied.
Und ich finde noch eine ganz tolle Textstelle:

ich wollte wissen, was das wort heißt
und ob es sich bewegt
ob mans teilen kann
und ob es hölt, was es verspricht

seufz. Schön.
Insgesamt spielt die Band gegen Hörgwohnheiten, hauen gute Riffs, Drive und tolle Texte ohne Ende raus, ohne dabei sofort den Zuhörer einnehmen zu wollen. Nein, sie wollen, dass wir ihrer Musik einnehmen.
Mach ich ja in meinem musikalischem Leben genauso. Und gerade solche Bands werden viel zu wenig gehört. Also tut es!
Elmar!
Sie lassen uns dann am Ende auch noch an einer Session teilhaben, irgendwer hackt auf das Klavier ein, alle singen im Chor, freundschaftlich, versöhnlich, ein schöner Schlußakkord.
Empfehlung des Monats!

Gibt es via Gunner Records in rotem Vinyl. Mit Textbeilage. Yummy. Oder bei der Band direkt. Erschienen 19.06.2026.

konzert: oiro + so n paar andere 09.05.2026

Nach der Albumreview kommt der Konzertreview.
So hat es ja im richtigen Leben auch stattgefunden.
Zuerst haben Oiro die Platte rausgebracht und dann war ich aufm Konzert.

Ich hätte mal aufs Plakat gucken sollen, oft gibt das ja einen Rückschluß darauf, wer wann spielt.
Aber ich guckte nicht, als wunder ich mich, dass Oiro als erste Band des Abends aufspielen.

Johnny war in Plauderlaune, er bezieht ja auch ganz gerne das Publikum ein. Dazu erzählt auch was über die Songs, Inhalt und Drumherum. Wenn Oiro also ein 20-Minuten-Konzert spielen müssten: sie würden es reißen.
Aber es auch gut so!
Live hat die Band richtig guten Druck. Der Bass dengelt mehr, die Gitarre noisig wie eh und je, der Drumbeat rumsst durch die Boxen.
Johnny ist als ein guter Entertainer.

Danach spielten Suck.
Hatte ich vorher nicht gehört und war überrascht. Also erstmal muss ich sie, spaßeshalber, zur seltsamst angezogensten Band, die ich je gesehen habe, küren. Sry. Gar nicht böse gemeint, echt! Und weil ich auch gar nicht lästern will: ich weiß ja nicht, ob sie bei jedem Konzert so aussehen. Ihr könnt euch ja euer eigenes Bild machen. Diplomatisch ausgedrückt: bemerkenswert kreative Outfits, ohne kostümiert zu sein.
Der Sound, so ne Mischung Punk und Thrash-Metal. Also ich hab danach gelesen, dass sie sich anhören wir Metallica bei den ersten Alben. Und ich würde sagen, ja stimmt. Ist nur leider für mich eher ein Ausschlußkriterium als ein Gewinnermerkmal. Wenn ich mir ihr Logo im äußerst professionellen Shop anschaue: Metallica, ja.
Ich verkroch mich in das „du bist zu alte für den Scheiß, um den zu verstehen“ Eck im Biergarten.
Ein paar nette Unterhaltungen später wieder zurück.
Zum Abschluß Bubonix.
Die Band, die durch das lokale Label Twisted Chords bei mir auch früher mal auf dem Plattednreher gelandet war, fetzte nochmal richtig rein mit ihrem, nennen wir es Hardcore-Gebräu.

Ich weiß, diesmal war ich ein bisschen maulig. Aber hej, nicht jedes Konzert kann ein Volltreffer sein und man entdeckt „den“ nächsten Topkandidaten für die Plattensammlung.

PS:
den ersten Tag hatte ich mir Aufgrund allgemeiner Plattheit in Körper und Geist geschenkt. Schade, denn Blut und Eisen hätte ich echt gern gesehen!

fanzine: karl knochen – letzte oelung #5

Drei Jahre nach der Nummer 3 flattert hier die neue Kurzgeschichte von Karl Knochen rein.
Warum fehlt mir die 4?
Grummel.
Ich suche in meiner Zinebibliothek. Dann bei Insta, auf seiner Seite. Weit und breit: keine Nummer 4.
Habt ihr sie gesehen?

Letzte Oelung. Numero 5.
Wunderbar aufgemacht.
Diesmal, das nehme ich vorweg, ist es keine Kurzgeschichtensammlung sondern eine, die durch zwei Protagonist*innen erzählt wird.
Einmal ist da Tantivy, die Geisel des kapitalistischen Warensystems ist und eigentlich nur aus Schaufenstern guckt, oder in Räumen steht, in denen sie beguckt wird, oder auch mal umgeworfen. Eine Puppe. Das merkt man ziemlich schnell, ohne das Karl das direkt bezeichnen würde; doch er zeichnet mit Worten ihre Welt. Die ist echt gut beschrieben und es dauert nicht lang, da fühlt man sich staubig zwischen muffigem Kaufhausinventar.
Tantivy ist so hart in dieser Welt angekommen und dadurch eine sozialistische Sichtweise (ich hoffe, ich beschreibe das politische System im Sinne des Autoren; bin auch immer ein bisschen verwirrt, wen ich ein Kreuz bei einer Wahl mache)
Der Gegenpart ist Charlie Os, ein Fußballfan, er hat ein ganz gutes Verhältnis zum Verlieren.
Beide irren in einer Leipziger Welt umher.

Die Kapitel sind meist getrennt durch kleine Textfenster die Zitate (von Autor*innen oder Bands) enthalten und sowas wie die Kapitelüberschrift sind.
Manchmal beinhalten die Kapitel kurze Strecken von beiden Figuren, manchmal sind sie auch getrennt.
Gegen Ende verdichten sich aber beide Geschichten, nähern sich an, bis sie verschmelzen.
Ein paar Collagen lockern die Textstrecken auf. Im Heft sind sie allerdings s/w, nicht wie auf dem scheren Pappcover, dass den Text einhüllt.

Sprachlich finde ich, dass das unheimlich gut beschriebene Momente und krass gute Sätze auf den Punkt gebracht.

Die müden Strassen der Kindheit

ist so ein Satz.
Ich muss einen Song dazu schreiben.
Er hat auch eine schöne Idee, die wie eine gedankliche Fortsetzung von Dr. Murkes wirkt. Es geht darum, was auf Tonbändern drauf sein kann. Jemand, der sich von Worten ernährt.

Circa 60 Seiten. Zu haben direkt beim Autor Karl Knochen, Link oben!
Eine super Kurzgeschichte, gönnt euch, besorgt euch, Buchstaben sind toll!

 

LP: oiro – zweite kasse, bitte

Düsseldorfs bald einzige Punkband mit neuem Hitalbum.
Wie einige andere Schreiberlingskolleg*innen schon festgestellt haben, passiert so ein neues Album von Oiro inzwischen mit einer gewissen Regelmäßigkeit. Circa alle 2 Jahre liegen 10 neue Brenner auf dem Plattenteller.
Was hat sich geändert?
Vielleicht die Vorgehensweise:
Es gab Songs zum Reinhören und eine Listenig-Party bei Bandcamp. Ein paar Konzerte vorher. Und ich dachte „ich seh sie ja im Mai aufm Hackerei-Geburtstag, dann muss ich das ja nicht vorher hören!“ Ich kann mich dann live überraschen lassen. Werde weder zu euphorisch noch tieftraurig über mittelmäßige Songs. Win-Win.

VIDEO

Erster Song von Oiro ist „steine und keulen“ – Oiro sind live auf jeden Fall krachiger. Die Platte ist schon sehr moderat aufgenommen und gemischt. Das ist vermutlich auch bewusst so gesetzt.
Es hat sich tatsächlich nicht sooo viel verändert, dass ich euch das jetzt Textkolonnenmäßg um die Ohren – in die Augen – hauen könnte.
Aber es ist gut!
„Pfeffi auf Pump“ (siehe oben)

In aller Kürze:
ein gutes Album. Läuft!
Anspieltipp „elektizität“ ein famos melodisches Stück, welches einen großartigen Abschluß bildet.

Vinyl beim Majorlabel (ltd grün und schwarze Version). Kassette bei Raccoone Records.

 

LP: das bildungsbürgertum – verantwortung für doitschland

Eine erste Review hatten Das Bildungsbürgertum von mir bekommen, weil sie mir netterweise das Tape „die gewaltfrage“ zugeschickt hatten. Eine Review in der ich ein wenig probiert habe mit Worten und lauen Witzen, die mir so spontan aus den Griffeln gefallen sind, zu punkten.
Das wir der Band überhaupt nicht gerecht.
Vor allem, wenn man ihr neues Album „verantwortung für doitschland“ ein paar mal durchlaufen lässt.

Das Bildungsbürgertum präsentiert uns das, was wohl die Essenz des manchmal sinnfreien Blicks auf das Land ist: so tun als ob. „Verantwortung für Doitschland“ meint nämlich nicht die Verantwortung der Band gegenüber diesem Lande, geschweige denn machen sie Oi-Musik.
Tut mir ja jetzt ganz doll leid, wenn ihr an diesem Punkt abschaltet.

Das Bildungsbürgertum, aus der ammerländisch-ostfriesischen Provinz, kommt mit einem recht gräulich wirkenden, zerknitternten Papier auf dem Cover auf den Plattenteller. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es dort, so weit weg vom Süden, wo ich wohne, so grau ist.
Eine gute Antwort finde ich leider auch nicht im Promo-Schreiben auf das Artwork, aber vielleicht äußert sich die Band ja irgendwo mal dazu.

Es gibt ein Textblatt – und das ist richtig gut so. Man kann zwar sehr gut verstehen, was Hanno singt, allerdings ist es so gut geschrieben und so viel Text, da kommt man nicht gleich mit.
Man kann also nicht alles mitbekommen.
Musikalisch bietet die Platte etwas, was dem Bildungsbürgertum so eigen ist: man hat in der Jugend die Klavierstunden bezahlt bekommen. Auch Gitarre und „ja, … meinethalben, Junge, dann spiel halt Schlagzeug, wenn du Klarinette nicht magst.“
Alle vier Bildungsbürger können also ihre Instrumente taktgenau spielen.
Sie machen im Grunde Rockmusik mit einer Punkattitüde, ordentlich Ska reingejazzt – vermutlich würde sich das mit Bläsersatz gleich noch ganz anders anhören – und fertig ist der Bildungsbürgersound.
Ich dachte nach dem Hören der ersten Seite, dass ich die zweite nicht gleich hinterherjagen möchte; ein wenig zu viel Off-Beat war es mir dann schon.

Die zweite Seite ist aber tatsächlich wesentlich abwechslungsreicher und der singende Bassist Hanno haut eine coole Nummer nach der anderen raus!
Nach dem 17ten Album der Toten Hosen kann es nun also richtig losgehen – aber huch! wer hat denn da bei „Markus L.“ klammheimlich ein Hosenriff mitbenutzt?

Zum Abschluß denke ich dann: aha! Die Klavierstunden, die erwähnten, waren doch zu was nutze gewesen!
Auch ein sehr schönes Stück „Liebe und Frieden“.
Und an dieser Stelle komme ich mal zu den Texten:
Es geht ein wenig um die Beatles und deren Übersong „all you need is love“, doch am Ende bleibt einem doch ein Kloß im Halse stecken, da das Bildungsbürgertum textlich einfach echt gut zupacken können!
Eigentlich sollte man das Textblatt nochmal in Ruhe lesen, ohne das Musik dazu läuft.
Wenn ich denn alles richtig verstehe, inhaltlich, dann geht es bspw in „1 Mann 1 Wort“ um Beziehungen. Um den Mann als bestimmendes Element, der am Wochenende eigentlich nur sein Testosteron feiert; auch seine Frau.
„kein Sex (mit dir)“ und „36 Grad“ sind einmal ein kritischer Text dazu, dass man am Ende eines Abends sich an der Theke noch in die Augen schauen kann, wenn der eine sagt, er sei schwul und der andere nicht wegrennt.
Im zweiten Song geht es darum, dass ein Mann einfach auch mal hübschen Männern hinterherschauen kann!

Die zwingende Empfehlung, der Anspieltipp, ist „hast du Angst?“ – ich habe seit langem keinen so schlauen, witzigen, hintersinnigen und auf den Punkt gebrachten Text über Polizeigewalt gelesen, bzw gehört!
„in Fahrtrichtung rechts“ mit der schönen Metapher des weißen Schnees, der dann braun wird und am Straßenrand liegenbleibt. Das wäre wirklich schön…. wenn er dann auch noch Rückstandsfrei wegschmelze!
Im Text geht es aber auch eher um die Langeweile die eintritt, wenn der Schnee lange liegt „mein Gott, lass ihn halt liegen“.

Album auf rot transparentem Vinyl mit schwarzen Schlieren bei Bakraufarfita Records. Auch als rotes Tape erhältlich.

 

LP: the melmacs – euphancholia

Es läuft eine Band, die eigentlich so old-schoolig ist und ihren Sound in die Moderne übrtragen hat, dass ich mich frage, was ich da reviewen soll.
The Melmacs.
Ich höre wirklich nicht Neues in dieser Musik, fühle mich aber sofort auch erinnert an die Neat Mentals, die etwas rogher und melancholischer sind, aber nicht unähnlich.
The Melmacs machen gut gelaunten Pop-Rock’n’Roll. Mit Lebendigkeit und Druck. Sie würde irre gut passen auf all die Stadtfeste, an denen man vorbeiläuft und guselige Musik läuft und lauter Deppen rumstehen und in die Hände klatschen. The Melmacs würden deren Welt so hart geil aufmischen und ihnen einen neuen Stern am Firmament geben. Ich seh’s vor mir, ernsthaft: lauter glückliche Menschen!
Aber werden all die Leute, die ich hier so meine, von einem so wunderbaren Punklabel wie Bakraufarfita erreicht – ich fürchte nein. Schade!

Das Artwork ist total gut. „maybe i’m too sensitive or maybe you’re just a prick“ – yep.

Tattoo-Art, kann man sich gut tättowieren. Die rot-schwarz-weiß Kombi mit roten Vinyl – oder wahlweise auch schwarzem – geht runter wie Öl!
Das rundum-Sorglos-Melmacs-Menü bekommt man hier.
Der Titel ist eine Mischung aus Melancholie und Euphorie.
Es gibt auf der Platte schon zwei, drei Nummern, die ein wenig ruhiger sind, indie-esker, dennoch nicht weniger rock’n’roll-ig.

Gute Tanzplatte, viel Spaß und Liebe wünscht ihr Rezensent aus Baden beim Hören der Band aus Dresden!

Bekommt ihr bei BC, bei Bakraufarfita oder Flight13 oder so.

perzine: trail magic 7 & 8 & 9

Hier kommt nun die Fortsetzung der Lesereise, die ich mit Chris‘ Wanderungen gemacht habe:

#7:
Diese Ausgabe von Trail Magic ist wohl eine Doppelnummer mit Ausgabe 6.
Eine Story aus Gerontenpunk #3 gibt es und Chris vermerkt dazu, das Beiträge selten aktuell und dennoch zeitlos sind.
Ich kenne den Zeitdruck sehr gut, den ich mir oft genug gemacht habe, weil ich das geführte Interview so aktuell wie möglich halten wollte… und am Ende waren es dann 6 – 10 Monate, die dazwischen lagen.
Weswegen ich wohl gerade auch eine sehr lange Pause mache.

Was ist in diesem Zine?:
Am Anfang stehen diesmal die Protagonist*innen mit der Frage „wie sie zum Punk kamen“ und Vicky, die quasi das Hauptinterview dieser Ausgabe trägt antwortet am kürzesten!
Mir springt ein Foto mit einer Box oder Schublade an Kassetten in die Augen, weil da tatsächlich eine ProvinzPostillen-Compilation drin steht. Neben „where the wild things are“. Hach, ja. Schön. Bad Affair sind heiß zu enpfehlen.
Ist doch was, mal in andere Sammlungen reingucken zu können!

Ein kurzes Interview mit Marko vom Label Microsleep und der Band Tall as Trees (wo hab ich die shcon mal gesehen oder gehört?!?)
Dann von Mika Raeckinnen einen guten Bericht von „nicht weniger von allem sondern mehr vom richtigen – plädoyer für einen ökofaieren hedonismus“. Den ich größtenteils sehr gut nachvollziehen kann. Alerdings nicht in Gänze für mich leben kann.

Meine Liebste, die selbst mal zwei Hunde hatte, hat das Interview von Vicky gelesen und war beeindruckt von ihren Erlebnissen auf ihrem Trail!
Es ist schon sehr besonders so zu reisen.

#8
Puh!
Der Lesestoff wird gefühlt nicht weniger, doch auch nicht weniger fesselnd.
Es ist diesmal ein Tagebuch, Titel „NST Nights“ (Nord-Süd-Trail).
Der führt auf 2000km einmal von Norden nach Süden durch Deutschland – und Chris ist ihn gelaufen.
Krass!
Chris konzentriert sich in der Hauptsache eben auf seine Nächte in der Wildnis. Wie und wo schläft man, wo kommt man unter.
Er hat einige Male diese Wanderung unterbrochen und wieder aufgenommen. Ab und an schreibt er, dass er mal wieder Zuhause in Berlin war und überspringt aber auch manchmal so ein paar Tage zwischen den Einträgen. Da komm ich gegen Ende nicht mehr so ganz mit, was aber im Grunde nichts macht.
Es gibt Treffen mit andernen Hikern, mit Tieren in der Nacht, schlechtem, wie gutem Wetter und ein paar Tipps, beiläufig eingestreut, zur Ausrüstung. Das ist echt alles sehr flockig geschrieben und man kann es flüssig durchlesen!
Zwischen Februar und September 2025 hat er diese Wanderung gemacht.
Bisher die rundeste und gelungenste Ausgabe, finde ich!

#9
Die Nummer 9 hat die Startfrage, welches Buch als letztes gelesen wurde.
Und ich bleibe direkt hängen.
Hänsel, das ist die Hälfte von Hänsel & Gretel, ein Hiking-Team, und Chris hat ein Interview mit ihm im Heft. Er hat als letztes „der Salzpfad“ gelesen.
Diesen Film habe ich tatsächlich gesehen (Review). Mehr oder weniger zufällig, einfach mal schauen, was läuft. Und bis jetzt konnte ich wenig damit anfangen, doch nun fällt mir auf, wie nah sich Trail Magic und „der Salzpfad“ sind. Es geht ums Wandern und was man erlebt. Die Menschen, die man trifft, die seltsamen Begegnungen. Im Dunkeln, im Regen zu nah an eine Klippe oder ans Wasser bauen.
Ich habe eine Gemeinsamkeit gefunden, yeah!

Debakel schreibt ganz wundervoll über ein Buch über Walter Moers. War nie mein Ding, aber die Geschichten sind echt super!

Unheimlich viele Anglizismen um das Thema Wandern. „coldsoaken“ und „ultralight Rucksack“.
Es gab ein Treffen in Holland namens „Trail Days“ im Nationalpark Hoge Veluwe getroffen haben. Ich bin leicht überfordert, auch wenn viele der Wörter sich erschließen oder erklärt werden.

Ein Bericht von Magpie, der den NST (Nord-Süd-Trail) auch gelaufen ist, wie Chris, der in Ausgabe 8 darüber berichtete.
Er ist Stück für Stück gelaufen und berichtet über einen kleinen Teil, auf dem er Teenies getroffen hat, einer davon ein TikTok-er.

Hänsel macht Spaß, die beiden (mit Gretel zusammen) haben im Grunde erst nach der Rente richtig angefangen. Lange Wanderungen (3 Jahre!), aber auch kurze. Macht richtig Fun über deren Erlebnisse mehr zu erfahren, bspw auch die Veränderung, die über Jahrzehnte beim Wandern erlebbar sind.

Ein Stapel Fanzinereviews rundet die üppige Ausgabe 9 ab.

Bekommt ihr bei Chris über Insta.

 

 

 

LP: leistungsträger – goldwashing

Ben schreibt mich an. Ben ist ein Leistungsträger. Er ist zuständig für die Bebassungsmassnahmen in der Band Leistungsträger. Ohne „die“. Nur Leistungsträger.
Mit Ben spielt noch Glen Goldwasser, der für die Rhythmusentwicklung zuständige, äh, ja, Leistungsträger. Dann gibt es noch Alexander Löwe-Anwalt, der für die Unternehmenskommunikation und das Sechs-Saiten-Managment zuständig ist.
Warum hat mich dann Ben angeschrieben?
Naja, hört sich ja erstmal an, als wenn das so ne extrem witzige Grindcoreband sein könnte wie Vor die Hunde; sind sie aber nicht. Man wird da ziemlich schnell enttäuscht, zumindest im ersten Song, es ist ein recht metal-lastiger Punksong von Leistungsträger. Sie sind also Satiriker.
Der Song hat ein äußerst filigranes Solo auf dem Sechssaiter.

Musikalisch bleiben weniger Fragen offen.
Die Lyrics sind erstmal das, was mich nicht wegzappen lässt. Den humoristischen Gipfel erreicht; wobei ich hier nochmal den Grindcore erwähnen möchte, der ja meist mehr Faktenbasiert daherkommt; bei Leistungsträger fühlt man geradezu zu Fremdscham, die Pein, „nur in Deutschland“ zu leben und als Tourist unterwegs zu sein.
Ja, es treibt mir die Tränen in die Augen, was man alles so als deutscher Tourist im Ausland erleben kann, und will, Mallorca und Afrika und in Südamerika verstecken sich die Altnazis.
In Deutschland gibt es einfach nur Deutschland. Ja, Mist. Was ne Feststellung, Danke.
Und Arschlöcher, die Scheiße produzieren.

Die Schwierigkeit, die ich habe, ist nicht der schlaue Mix von Oi-Musik, mit bisschen Metal, nach vorne gespielt, fette Zerrgitarre, kann schon fast unter Hardcore laufen, sondern, dass Leistungsträger einen sehr männlich vorgetragenen Gesang rausbrüllen.
Könnte auch Deutschpunk sein, isses aber, in meinen Ohren, nicht.
Vielleicht machen sie das so, weil das in Berlin sonst keiner macht!

All in all macht die Band das wirklich gut, klasse Sound, das Trio ist sicher schon eine ganze Weile unterwegs, vielleicht nicht in dieser Konstellation, aber es ist echt gut.
Was die Detlef’s vom Rhein sind, das sind Leistungsträger von der Spree.

Platte bei der Band oder bei bleeding heart nihilist. Tape bei Tape or die.

perzine: trail magic 5 & 6

Die Nummer 5 des Trail Magic bekommt, der Reihenfolge nach, den ersten Review hier.
Ich hab die Ausgaben des bienenfleissigen Chris von der 5 bis zur 9 hier liegen und alle noch nicht gelesen…. auch, weil ich gerade ein Buch lese. Es ist ein geschichtliches und deswegen bin ich etwas lahm beim lesen und schiebe nicht noch diverse Zines dazwischen.
Da will ich mir je Zeit für nehmen.
Und mach es dann doch. Ein sommerlicher Tag, ich lieg im Garten rum. Also ein Heft in die Hand und lesen.

#5:
Zuerst stellen alle Schreiberlinge sich diesmal vor und erzählen, wann sie sich das erste Fußballspiel angeschaut haben.
Jo, Fußball… So gar nicht mein Ding, auch nicht lange Wanderungen, allerdings sollte man ja neugierig bleiben!
Großes Thema ist Hunde, die einem auf Trails begegnen. Zwischen „kein Problem“ und „große Panik“ wird alles erzählt und ich kann beides nachvollziehen.
Meist kann ich das ganz gut einschätzen, aber Hunde sind am Ende auf dem Feld eher unberechenbar und machen einen mit lauten Gebell doch nervös.

Einen Haufen Reviews von anderen Zines, Fußball, sogar Eishockey ist dabei, die Fanzine-Szene ist nicht mehr so gewaltig wie vor dem digitalen Zeitalter, dafür immer noch sehr breit aufgestellt!
Und die Überraschung in dieser Ausgabe ist „pog du sau“ – Fanzine-Kulturgeschichte von Thomas aka Kingfisher. Der erzählt über eine Zeit, in der es am C64 (Commodore Computer) auf Disketten Fanzines gab!
Wusste ich nicht. Ich bin baff erstaunt.
Es ist jetzt nicht so, dass ich das mit den Disketten und der Tape- und Disk-Trader-Szene nicht mehr erlebt hätte, aux contraire, aber das es Zines darauf gab…. krass. Lesenswert!

Das Artwork ist weiterhin punkig, schnippelig, Texte in so Textboxen, Hintergrundbild, alles schwarz-weiß ausm Drucker.
Gibts direkt bei Chris. Link oben zu Insta!

#6:
Es ist ein sehr persönliches Heft, eine sehr persönliche, herzlich geschriebene Geschichte über das Altwerden eines Elternteils.
Diesmal in A6 quer, was auch Spaß macht.
Es gibt da nicht viel zu reviewen.
Gut und kurzweilig geschrieben, regt zum Nachdenken an.

Dazu hat Chris ein paar Zines aus den 80ern ausgepackt, Nostalgie.
Wenn man da so reinschaut, hat sich die ganze Szene so stark verändert, dass ich danach den Eindruck habe, dass nicht nur das Digitale der Zine-Szene zusetzt, sondern damals schon die vielen Verlage, die Schreiber*innen und vor allem Zeicher*innen ganz neue Verbreitungsmöglichkeiten geboten haben.