LP deutsche laichen – punk ist scheiße, punk ist toll

An Deutsche Laichen kann man sich sicher noch an das hübsche Cover mit der gepressten Zitrone erinnern.
Nach diesem ersten Album ist eine Weile vergangen, so sieben Jahre, und ich freute mich, wieder von der Band zu hören, bestellte mir das Album im Pastic-Bomb-Shop. Jetzt liegts hier.
Und mich strahlt ein KI-generiertes Cover an. Würg.
Aber gut, ich habe in der Zwischenzeit den Artikel von Ronja in eben dem Plastic Bomb gelesen und weiß, dass die Band das genau so wollte und eine Künstlerin Kimberly Maddox hat das mit Hilfe von KI erstellt.
Hier steht es auf dem Cover drauf. Finde ich gut so!

Allein der erste Song kickt mich schon so und ich sauge die Musik auf, höre durch, drehe um, drehe durch!
„beton“ beginnt so direkt und ohne Umschweife, ein vertontes Gedicht, toll!
„zelle“ ist ein Manifest für die Familie, was auch einfach die Gruppe Menschen sein, mit der man lebt und sich freut und schöne Dinge tut.
Zum Beispiel:

 

Auch ein ganz schönes Video.
Wäre das auf der ersten Platte schon so melancholisch gewesen. Dieser Mitgröhlrefrain, dieses fiese Poppige, was einfach kleben bleiben muss: eine Freude.
Erinnert mich an Tiger Magic. Ganz famose Combo.

„punk ist geil, punk ist scheiße“ überrascht mit Piano und dem Blickwinkel einer Frau von der Bühne aus gesehen.
Umgedreht ist „schmutzig“ als Coop mit Irem Karam, wobei ich nicht weiß (singen?), was sie oder er gemacht hat – es fehlt ein Textblatt. Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie schön das ist – und sei es nur ein kopierter Zettel – die Texte mitlesen zu können und herauszufinden, was die Band einem mitteilen möchte außerhalb der ganzen, lyrischen Worte.

Das Outro-Stück (feat. allpopp ((leicht mißzuverstehen für einen Badener, wie mich „allhopp“ sagt man hier schon mal, was eine Aufforderung ist, aufzustehen)) ist etwas, was ein wenig am Gesamtbild kratzt, denn ich verstehe das Lied nicht. Musikalisch, meine ich.
So ein bisschen Autotune, Elektro und holprigem Schlagzeug, Hardcore-Frauen- Gesang. Ha! und da fällt mir doch ein: Irem ist bei Anti-Corpos. Neulich ihre Platte hier reviewed. Zumindest das habe ich nun verstanden, puh.

Die Band aus Berlin wird schon noch einiges erleben, musikalisch absolut geeignet uns den Sommer auf manchen Bühnen zu verschönern.

Wohl erschienen bei einem Label namens pretty on the inside, allerdings über audiolith vertrieben. So wie sich das anschaut: das Bandeigene Label.

interview: #3 – how i left – indie, pop, karlsruhe

Vorklapp:
Nach und nach werde ich – bis (in 2025 hatte ich euch nicht verraten, welches) Weihnachten – mal alle Printinterviews, auch längst verblichener Bands, hier online stellen. Ich pimp die noch ein wenig, Musik, Links, Fotos. IMMER DONNERSTAGS – zur Tea-Time.Auch die bereits veröffentlichten bekommen einen neuen Termin und werden angepasst.
Alle Ausgaben sind Out of Print und werden nicht wieder aufgelegt.
Ausgabe 13 eventuell in 2026!

Manchmal kann es unheimlich einfach sein, eine Band zu finden, die etwas macht, was nicht jede Band macht. Von Jule, dem Saänger und Gitarristen von HOW I LEFT hörte ich schon, da er desöfteren mit TOM MESS unterwegs ist.
Und da im beschaulichen Bühl ein Veganes Restaurant aufmachte und direkt mal ne Band dort spielte, wurde ich neugierig!
Das Restaurant von TIMO FRANKE lohnt sich und die Musik von HOW I LEFT sowieso:

PP:
Ihr habt eine CD raus (eure erste?) die „sniffing glue with frank sinatra“
heisst. Wie kommt sie an?

HIL:
Erstmal moin moin liebe Provinzpostille!
Ihr liegt goldrichtig- wir haben von Juli bis September 2015 in zig Nacht und Nebel Aktionen unsere erste CD aufgenommen und fertig gemacht. Quasi nahtlos daran sind wir dann mit der CD im Gepäck quer durch den Süden gezogen und haben hier und dort gespielt.
Ob und wie die Cd nun ankommt? Fühlt sich zumindest so an, als würde sie gut ankommen- steckt ja auch ne ganze Menge Herzblut drin. Im Dezember 2015 war die erste Auflage dann auch schon tatsächlich restlos vergriffen und wir haben die nächsten 40000 Stück geordert. Die gigantische Menge an Verkaufsgeldern haben wir dann in noch viel gigantischere Instrumente und Equipment gesteckt um noch gigantischere Aufnahmen zu machen und noch gigantischere Verkaufsgelder zu generieren und so weiter! Spass beiseite- die erste Auflage hatte ein Volumen von 150 Stück. Die waren im Dezember weg und von der zwoten Auflage sind zu unserer Freude auch schon wieder ne ganze Menge verkauft.

PP:
Wo habt ihr die aufgenommen, bei Nacht und Nebel?

HIL:
Die Frage nach dem Wo ist nicht ganz so einfach zu beantworten, da wir komplett alles selbst aufgenommen und gemischt haben. Die kompletten Schlagzeugspuren haben wir in unserem Proberaum aufgenommen. Den ganzen Rest- also die Gitarren, die Bassspuren, die Tasteninstrumente und den Gesang haben wirzum Teil im Proberaum in Karlsruhe, zum Teil in Kassel, zum Teil in Winden und zum Teil in der Wohnung in Karlsruhe aufgenommen. So wie es eben am besten gepasst hat und so wie wir eben Bock hatten. Eine der Ideen hinter „How I Left“ ist unter anderem die Idee einfach derbe viel selbst auszuprobieren und schlussendlich auch zu machen. Einzig beim Mastern, und bei der grafischen Umsetzung hatten wir unbezahlbare Hilfe von zwo dicken Kumpels!

PP:
Schreibt ihr an neuem Material?

HIL:
Die Konzertpause bis Ende April nutzen wir tats ächlich, um an neuen Songs zu schreiben. Außerdem haben wir auch begonnen, die zwote CD  aufzunehmen.

PP:
Wie kommt man auf die Idee zu zweit Musik zu machen? Hat sonst keiner Bock gehabt mitzumachen oder habt ihr einfach keine Freunde?

HIL:
Wir haben einfach keinen Bock gehabt, dass noch jemand mitmacht. Freunde haben wir auch keine- naja den ein oder anderen vielleicht. Die dürfen dann zum Beispiel unsere Aufnahmen fantastisch mastern oder na
ch unseren wirren Ideen grandiose grafische Konzepte verwirklichen. Oder mit uns Musik machen. Live gibt es uns zu unserer großen Freude auch immer mal wieder zu dritt- dann haben wir den Nigel samt Tasten im Gepäck oder eventuell auch mal nen anderen Nigel, der dann auch mal nen Bass im Gepäck hat.
„How I Left“ sind aber erstmal die zwo Typen ohne Freunde (oder halt mit dem ein oder anderen!)- eben Jule Baetz und Michy Muuf.

PP:
Vereinfacht es das zu zweit sein, Songs zu schreiben?

HIL: Keine Ahnung- uns beiden fällt es jedenfalls leicht zu zweit Songs zu schreiben bzw. daran zu arbeiten. Wenns uns jeweils nochmals geben würden, würde es uns vielleicht dann quasi zu viert auch leicht fallen. Das Schreiben als solches geht bei uns immer ziem lich fix. Ist das mal nicht d
er Fall, dann gehen wir in dem Moment lieber ein paar Pils trinken. Beim nächsten Mal kla ppt es dann meistens wieder schneller! Bis die neuen Songs dann allerdings „rundgespielt“ sind und so rumpeln wie sie eb en rumpeln sollen, dauert es dann schon auch mal ne ganze Wei le. In dem Fall trinken wir dann die Pilsken während der zwo-Mann-Trainingseinheiten.

PP:
Im Grunde könnt ihr ja überall auftreten, was euch wiederum sicher
an Orte führt, an denen sonst keine Band unterwegs ist. Was ist euer abgefahrenstes Liveerlebnis bis jetzt?

HIL:
Jo Blatter, seinezeichens grandioser Barber mit eigener Barberstub in Lichtenau, ist ein ziemlich cooler Typ mit starken Ideen. Unter anderem hatte er die fabelhafte Idee eines „Refugees Cut Day“ in der Flüchtlingsunterkunft in Sasbachwalden (eine ehemaliges Hotel in dem zu dem Zeitpunkt mehr als 700 Hilfesuchenden untergebracht gewesen sind) auf die Beine zu stellen (inklusive Kuchenbuffet, Spielstrasse für die vielen Kinder, einem DJ und eben einer Band – How I Left). Er selbst hat mit seinem Vater „duracellhäschengleich“ Haare geschnitten und wir durften den Menschen unsere Musik schenken. In Worten kann man das ganze nicht wirklich wiedergeben. Die komplette ehemalige Hotellobby war voll mit neugierigen Menschen verschiedenster Kulturkreise und vor
unserer improvisierten Bühne standen extrem viele Kinder die uns mit ihren dankbaren Kinderaugen angeschaut haben. Selten hatten wir so derbe die Hosen voll wie an dem Tag – ganz einfach weil wir überhaupt nicht abschätzen konnten, was uns erwarten würde, wie den Menschen unsere Musik gefallen würde,..!
Das war definitiv das abgefahrenste Liveerlebniss.

PP:
Ich höre viel Sehnsucht in euren Songs. Wohin geht die Reise?

HIL:
Mmmhh Sehnsucht? Klingt aber auf jeden fall mal gut und deshalb lassen wir das einfach mal so stehen. Wohin die Reise mental geht?
Keine Ahnung!
Sicher ist jedenfalls, dass wir weiterhin ne gehörige Portion Spaß dabei haben werden, gemeinsam Songs zu schreiben, unterwegs zu sein, auf der Bühne nebeneinander zu stehen. Und das ein oder andere musikalische
Stelldichein geben wir wieder ab Ende April.

PP:
Vielen Dank für das Interview.

Das ist die aktuellere Platte; die kam im April 2023, bei This Charming Man und ich habe es klingeln gehört, dass es eine neue Platte geben wird.

 

LP: the zsa zsa gabors – life’s routine

The Zsa Zsa Gabors, benannt nach einer US-Amerikanischen Schauspielerin, kommen aus Österreich und machen Power-Pop-Punk.

Gleich der Titelgebende Track des Albums „life’s rouine“ startet mit einer so honigschmalzenden Melodie in die 13 Songs, plus einer Singalong-Hook, dass mir vor lauter Zucker ganz bunt vor Augen wird.

Mal der Reihe nach.
Die Zsa Zsa Gabors gibt es nun seit über 10 Jahren und haben schon einige Releases rausgehauen.
Sie haben, glücklicherweise, ein Infosheet dabei, auf dem einige sehr gute Infos stehen, auf der andern Seite auch Linernotes und Texte. Allerdings sind die nicht unbedingt Deckungsgleich.
Mir geht es da vor allem als erstes um die KI – Inhalte, die sie generieren haben lassen – das Artwork – und dies auch klar kommunizieren.
Sie haben aktiv einen Song über den Umgang mit KI geschrieben und sind gegen eine Nutzung, bzw Beeinflussung der Musik.
Ich finde das total gut, allerdings weiß ich dann nicht, warum man das nicht gleich vorne auch auf Cover schreibt?
Ich stoße mich da aber eher dran, weil ja alles so vorgehen: niemand kennzeichnet ganz klar mit einem Sticker / Ettiket / wasimmer „KI-generiert“ oder so. Ich will das doch nicht immer selbst rausfinden.

„life’s routine“ ist das sechste Studioalbum. In der „kurzen“ Zeit doch ein recht bemerkenswerter Output.
Sie haben da wirklich gute Gedanken und reflektieren das Thema. Ist es DIE zukunftsweisende Technologie oder ist es ein Tool? Oder sollten wir uns das erstmal in Ruhe anschauen, wie das funktioniert.

Der Sound erinnert mich an die Neat Mentals, 77er Garage, allerdings sehr viel poppiger und eingängiger. Nach vorne gespielt, ja, Punk, man kann auf einem Konzert sicher das komplette Konzert von ihnen mit der Faust in der Luft, das Tanzbein schwingend, freudig mitgrölend verbringen.

Mit „the devil knows“ kommt ne astreine Rock’n’Roll Nummer, womit leider in meinen Ohren der Startschuß gegeben wird, dass die Band es nicht länger als eine Seite bei mir schaffen wird.
Versteht mich nicht falsch, die meisten Grindcore-Bands erzielen da ähnliche Ergebnisse.
„rich kids“ klingt etwas ernster, was ich zwischendurch mal als ganz gut empfinde!
Die Platte von den Zsa Zsa Gabors ist super durchkomponiert, komplett runder Sound!

Transparent blutrotes Vinyl mit schwarzen Schlieren, was richtig gut aussieht und super zum gesamten Artwork passt.
Bubble-Gum-Garage-Pop-Punk.
Im Grunde kann mensch nicht falsch liegen, wenn man auf melodische, eingängige Punkmucke steht.

Erschienen und zu haben bei Mad Butcher Records.

 

Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.

LP: lohrge – a shark romance

Lohrge eröffnen für mich die nicht unwichtige Frage: was ist Bubble-Grunge? Mit dem Zusatz „bittersweet“?
Und was bedeutet eigentlich dieser Name?

Lohrge cachen sofort. Im Moment.
Erstmal das Cover: so gar nicht meine Farbe, ne, aber passt. Und was soll ich sagen, der Cartoonhai, der Hammerhai, in Form einer Schnecke und drumherum. Dann die passende Vinylfarbe (mintgrün transparent) zum Artwork, gleich bekomme ich Augenkrebs – es passt einfach alles zusammen, als wären sie füreinander gemacht.
Denn die Musik ist, überraschenderweise, klar, denn ich kenn die Band Lohrge ja noch gar nicht, wunderbar durchkomponiert.
Die ersten sechs Songs, Seite eins, beginnen etwas aufzubauen.
„slugs“ und „alright, alright“ sind zuckersüße Melodien, eine schöne Wärme auf der Gitarre, mehrstimmiger Frauengesang.
Eine singt tatsächlich recht tief, dazu eine zweite oktaviert; auch sehr wohl temperiert.

„bored to death“ bringt mich so zum lachen! „passionately passionate about losing brain cells (…)“ Bier trinken, Abende verrauchen.
Die Harmonien finden also nicht immer in der Dur-Tonleiter statt, auch wenn die Melodien honigschmeichelhaft bleiben!

Bei „superstraight girly girl“, der letzte Song auf der ersten Seite, wirkt erstmal nur der Titel superfreundlich, doch sie spielen den richtig gut nach vorne, wird im Beat zurückgenommen, um einen Stop & Go Refrain unterzukriegen.
Eine kleine Steigerung findet also statt und man freut sich, dass es möglicherweise so weitergeht während man die Platte umdreht; doch es kommt „very sad kings“. Eine Akustik-Nummer, die total großartige gespielt ist, supersauber auf der Gitarre, toller Gesang, die mal komplett den Dampf rausnimmt; und trotzdem ein Volltreffer ist.
Ein weiterer.
Gefolgt von „mackerita“ – meeega! Ein Skit. Darauf ein… Heavy-Rock-Riff und Ein-Ton-Gesang, was auch der (wenn mich nicht alles täuscht) der einzige Text in Deutsch ist. Featuring Dosenstolz.

Leider sind die Informationen recht spärlich in der Platte. Kein Textblatt oder so. Nur das, was man auch so bei Bandcamp oder so nachlesen kann.
Gut, dann nicht. Sucht euch das mal selbst zusammen, ich hab das mal verlinkt!
Wie auch immer – wahnsinnig gutes Album!

Erschienen bei Dropout Records und Rundling.
Hier zu bestellen!

lesung: jan off im KOHI Karlsruhe 20.04.2026

Damit ich der Geschichte „ich fülle mein Printzine mit 80tausend Konzertberichten“, fang ich jetzt mal mit dem aktuellsten Ereignis an.
Und wenn ihr das lest, dann ist das ja auch schon wieder Tage her und am Ende hött ichs dann aber auch ins Zine packen können, dann wäre nur wieder irgendwer maulig geworden „wer will das denn alles lesen, wo der war“.

Der heutige Bericht handelt also von einem Autoren, der uns wissen ließ, dass er lieber vorgefährte Liegestütze hätte, als Applaus.
Nein, es geht niemand darauf ein.
Was der guten Stimmung von Jan aber absolut nicht abträglich ist. Denn natürlich reden wir am 20.04. über den Scheiß-Geburtstag von Scheiß-Hitler. Nicht ganz so unflätig wie ich jetzt gerade schreibe; muss gestehen, geht mir auf den Sack. Auch wenn es witzig gemeint ist.

Aber es geht heute um seinen neuen Roman Cumulus 2161, aus dem er uns drei Kapitel vorliest.
Als ich es gelesen habe, kam mir das wesentlich ernsthafter vor, als heute Abend. Ob das an seinen Entertainerqualitäten liegt?
Jedenfalls liest er so in etwa vom Anfang, Mitte und Ende ein Kapitel vor. Es wird immer blutrünstiger und er schafft es, einige davon zu überzeugen ein neues Buch zu kaufen.
Zeitweise habe ich, Anhand der Reaktionen, das Gefühl der Einzige zu sein, der Cumulus 2161 schon gelesen hat.

Vor einer kommenden Pause liest er dann noch ein oder zwei Kurzgeschichten vor, wir sprechen über Natursektspiele, vollgepinkelte Badewannen und hören, wie sich Vladimir Vladimirowitsch Putin selbst ficken kann und am Ende der Geschichte einpinkelt und sich dabei vorstellt es seien die Tränen …. nein, ich werde nicht alles verraten. Es ist wirklich wahnsinnig witzig!

Auch über die unvergleiche Sahra Wagenknecht gibt es eine herzerfrischende Kurzgeschichte namens „Warzenschwein gehabt“.
Ich bin begeistert, denn ich habe sehr viel von ihm gelesen und doch kenne ich nicht alles. Das freut mich.
Gegen Ende gibt es einen Text über 50 Jahre Punkrock zu hören, er erinnert sich da an ein Gesöff namens Mäusepisse (Korn + Milch) – lecker.
Da gehe ich mit ihm konform, die Kinder von heute haben (fast) nichts zu rebellieren und provozieren uns wohl eher mit ihren Bomberjacken als mit Punkrock. Schade auch.
Punkrock ist so viel bunter und lustiger. Egal wie alt.
Eigentlich ist es so, wenn ich diese persönliche Note hier einfügen darf, dass Punkrock am Anfang des Hörens und Erlebens nicht immer leicht zugänglich ist. Doch mit den Jahren wird es besser; man kann sich aussuchen, was einem gefällt, man kann still dabei sein oder Frontrow, man kann aktiv sein und Fanzines machen, Platten rausbringen, kein Instrument spielen können und trotzdem eine Band machen – ist das nicht geil?
Wider der schlechten Laune dieser Fascho-Deppen!
Für immer Punk.

 

LP: anti-corpos – backlash

Erstmal: saucooles Cover!
Und als die Musik läuft hab ich Bilder meiner Jugend vor Augen.
In den 90ern gab es einige Bands, leider meistens ohne weibliche Beteiligte, die einen derart krassen Lärm gemacht haben.
Damals gab es den Begriff Screamo auch noch nicht.
Aber laute Gitarren, Wände aus Zorn durch Mirkofon geschrieen, gerufen, und in diesem Fall von Anti-Corpos auch gesungen, Drums die Schläge richtig wegknallen.
omg. I love that!

Anti-Corpos sind eine all-female, queer-feministische Band aus Berlin, die ihre Ursprünge in Brasilien hat.
Ich bin fassungslos begeistert von dieser Band!
Der stürmische Sound, von drei Frauen in einer Düsternis und Energie vorgetragen, dass mir die Spucke erstmal wegbleibt.
„backlash“ ist das Resultat von 20 Jahren gemeinsamer Bandgeschichte, Anti-Corpos sind komplett an mir vorbeigegangen, bis jetzt!
Zeitweise waren sie wohl mal auch zu viert, wenn ich die Fotos richtig deute. Ich tauche tiefer ein ins Internet für eine Recherche.

Es ist nun also keine Band, die aus #punktoo oder aktuellen Diskussionen und Diskursen über den Anteil von Frauen in der Punkszene und der sehr männliche Umgang mit ihnen, entstanden ist. Diese Frauen stehen schon sehr lange genau dafür ein: ihre Rechte, ihre Lautstärke, diese vorzutragen. Sie haben sich 2002 in Brasilien gegründet und sind inzwischen in Berlin ansäßig.
Diese queere Band ist, ich habe mich kurz mal durch ihre üppige Diskographie bei Bandcamp gehört, gewachsen und ganz sicher lauter und wütender geworden. Sie haben wohl eher mal mit Straight-Edge-Hardcore angefangen, als mit dem dystopischen Hardcore, der auf dieser Platte seinen Ausbruch gefunden hat. Das liegt vermutlich am Weggang der Sängerin und der Gitarristin, denn nun haben sie eine neue Gitarristin, die das Trio komplettiert.
Adriessa Souza – Vocals/Bass (Eat My Fear, Dominatrix), Helena Krausz – Drums (Eat My Fear, Gegenüber), and Irem Kara – Vocals/Guitar, seit 2022 (Nervöus, Hoarse)
Der Sound ist richtig heavy und maximaler Output. Abwechslungsreich in den Vocals. Inhaltlich, „backlash“ bedeutet Gegenreaktion, ganz klar gegen Männlichkeit, gegen Rassismus und pro feministisch, vor allem aber mit einem Augenmerk darauf, als Südamerikanerinnen hier im weißen Europa unterwegs zu sein.

Triggerwarnung wg. Strobo-Effekten:

Das Label No Gods No Masters ist von Anfang Teil ihrer Reise. Und das ist eben in Brasilien angesiedelt. Ich kenne zwei Bands, die ich entdeckt habe, Renegades of Punk und Àgua. Give it a listen!
Zusätzlich sind Refuse Records (Europa-Release) und Emancypunx beteiligt.

Für meinen Teil als Mann empfinde ich die Musik von Anti-Corpos als Testo-geschwängerte, verzerrte Hardcoremusik, die den männlichen Kollegen in nichts nachsteht. Nur die Inhalte der Texte sind klar anders und sehr direkt formuliert.
Wie bspw in dem oben eingefügten Video.
Die erste Seite ist in meinen Ohren etwas bedachter, sie hat mehr Druck und Power im Sinner einer Tanzbarkeit. Und die zweite Seite ist mehr nach vorne gespielt, mehr geknüppelt.
Adriessa und Irem teilen sich die Vocals und das passt ins musikalische Konzept total gut rein. Es ist „nicht einfach nur“ wütend, sondern es knallt.
Meist kreisen die Songs um die zwei Minuten und Anti-Corpos holen im Songwriting raus, was in der Kürze der Zeit geht, fügen noch eine ordentliche Prise Gitarrenkrach dazu. Manchmal am Ende eines Songs ein kleiner Twist, der gut funktioniert und ein I-Tüpfelchen ist.

„scream for a change“ erzählt in einer persönlichen Weise von den dissonanten Akkorden, die man rausschreit, in seiner winzigen Welt, in der man unterwegs ist, man aber von diesem Wechsel träumt! Das unter der Oberfläche von Normen, von der Vorstellung von Körpern und Geschlechtern, dass es darunter eine Welt gibt, die ausbrechen sollte, Wirklichkeit werden!
Das, was viele falsch verstehen und dann als Linke Diktatur bezeichnen, aus Gründen der Ahnungslosigkeit „woke“ nicht verstehen wollen. Das diese schöne Welt, diese Liebe zum Vorschein kommen sollte; so hart und brutal sie sich auch mal anhört!
„migrant heart“ kann ich total nachvollziehen. Dass das Herz, dass aus einem anderen Land kommt, die Kälte sieht, spürt, die gerade immer größer wird in der Gesellschaft.

9 Songs. Emotionale Brachialität. Super produziert. Hochglanzcover. Schwarzes Vinyl und Textblatt. Gibt es auch in zwei farbigen Varianten bei Refuse Records (Link oben!)

Diese Review erscheint/erschien auch bei vinyl-keks

video: vor die hunde – deutscher rasen

Es ist lustig.
Es ist schnell.
Zwischen DIY und Hundegebell.
Vor die Hunde haben Humor.
Schwarz, wilde Musik dazu.
Aus dem neuen Album „weltmarktführer befiel – wir entfolgen“

Eine schöne Kombination aus Spiel, Animation und Film.

interview: #3 – the lamplighters – köthen, punkrock

Vorklapp:
Nach und nach werde ich – bis (in 2025 hatte ich euch nicht verraten, welches) Weihnachten – mal alle Printinterviews, auch längst verblichener Bands, hier online stellen. Ich pimp die noch ein wenig, Musik, Links, Fotos. IMMER DONNERSTAGS – zur Tea-Time.Auch die bereits veröffentlichten bekommen einen neuen Termin und werden angepasst.
Alle Ausgaben sind Out of Print und werden nicht wieder aufgelegt.
Ausgabe 13 eventuell in 2026!

The Lamplighters im Interview in 2016.
Wir hatten uns, nach ein paar Dates mit Bands in 2014 nicht mehr gesehen, aber auch nicht aus den Augen verloren.
Mal abgesehen davon, haben The Lamplighters fleißig weitergemacht und eine ordentliche Fanbase, die sie, wenn mich nicht alles täuscht, schon zum zweiten Mal via Crowdfunding mit einer Platte versorgt haben.
Gerade frisch raus ist das neueste Werk, welches nach den jeweiligen Singles benannt wurde. Aber das ist ein anderes Thema und kommt sicher hier auch noch aktuell reingeflattert!

PP:
Ihr wart ja schon auf dem Sampler #1. Und ich freue mich, daß ihr wieder dabei seid. Lange nicht gesehen, haha!
Eure neue CD „views“ ist nun schon ein paar Tage draußen und ich warte hier noch gespannt auf den Vinylrelease!
Wie läuft’s, wie ist die Resonanz?

LAMPI`S:
Hey Felix, wie läuft`s? Das Vinyl kommt Ende März oder im April glaub ich. Die Resonanz ist durchweg sehr gut, bekommen hauptsächlich Reviews aus`m Ausland & die sind bis jetzt super.

PP:
Ausland heisst…? Habt ihr ein Management oder wie kommt das zustande? Ihr macht die Band aber aus Spaß?
Ihr spielt inzwischen sehr regelmäßig Konzerte. In letzter Zeit auch immer öfter auf Soli-Veranstaltungen gegen Rechts. Da das schöne Städtchen Köthen, aus dem ihr kommt, mitten in Sachsen-Anhalt liegt, mag ich gerne wissen, wie es euch dort im Moment geht.

LAMPI`S:
Uns geht es gut, von so nem Trubel bekommen wir speziell in unserem Städtchen eigentlich nich viel mit, es ist sehr ruhig.

PP:
Was glaubt ihr, daß Musik, oder speziell eine Band ausrichten kann. Worauf kann man heute noch Einfluß nehmen?

LAMPI`S:
Man kann als Band, die im gewissem Maße Öffentlichkeit genießt, Projekte unterstützen. Soli Konzerte spielen, Präsenz zeigen.
Im Allgemeinen, auf Punkrock bezogen, ist es glaub ich so, ich spreche aus eigener Erfahrung, wenn Teenager deine Mucke hören und die gut finden auch auf andere Bands stoßen, die auch diesen sagen wir mal diesen Way of life transportieren. Das det ihren Lebensweg prägt, auf Gleichgesinnte treffen, sich austauschen und was Eigenes auf die Beine stellen, so war das doch auch bei uns, sei es ne Band gründen, ne Zeitung machen oder Konzerte veranstalten, das macht doch dieses Punkding aus.

PP:
Habt ihr das Gefühl, daß es die Presse ist, die Medien, sozialen Netzwerke, die nach Außen sehr polarisieren oder ist es tatsächlich so, wie es dargestellt wird?

LAMPI`S:
Ja klar, es liegt natürlich auch an den Möglichkeiten die jeder heutzutage hat, sehr schnell Nachrichten oder Meinungen öffentlich zu machen und/oder diese zu konsumieren. Die Welt ist halt nich schwarz weiß und sehr komplex dazu. Ich persönlich schau mir z.B. auf Facebook nich mehr jeden Scheiß an, das is mir zu blöd, weil jeder zu allem ne Meinung hat, das geht mir auf`n Keks.
Natürlich weiß ich was Du hier ansprechen möchtest & es ist durchaus so, daß ich diese Stimmung ganz allgemein & nicht nur in Ostdeutschland mit dem Klima um 1930 rum in Deutschland vergleiche und Parallelen ziehen kann, vor allem weil ich mir grad Literatur reinziehe die in dieser Epoche spielt. Man kann die Ängste die Ernst August Ottonormali hat nachvollziehen, vor allem wenn man jeden Tag mit tausend Informationen zugekackt wird und man die geistige Horizontale berücksichtigt, aber verstehen oder akzeptieren tue ich das nicht.

PP:
Oke. Ich sach mal „für mich“ sieht es halt manchmal so aus, als ob sich in Sachsen / Sachsen-Anhalt und Thüringen in den letzten 30 Jahren etwas entwickelt hat, was bisher allen egal war. Wo sind denn bei euch die Brennpunkte?
Hm, für mich als Baden-Württemberger, der die Wende 1989 nur dadurch erlebt hat, daß Schüler auf unsere Schule kamen, die einen berliner oder sächsischen Akzent hatten, hört es sich inzwischen irgendwie altbacken an, wenn man „Ossi“ sagt.
Glaubst Du nicht auch, es würde helfen, wenn wir dieses „Ossi/Wessi“ Ding mal begraben?

Zurück nochmal auf die internationale Presse! Wie denn kommt eure Mucke anderswo an? Wann kommt die Welttournee 😉

LAMPI`S:
Uhh Welttournee haha, wir sind jetzt oft an den Wochenenden unterwegs, was natürlich auch immer logistisch unter Berücksichtigung von Familie & Arbeit geschehen muß. Am 11.03.,12.03. & 13.03.16 supporten wir die großartigen GENERATORS. Im Mai ist ne Tour durch Osteuropa geplant. Im Sommer noch`n paar Open Air`s und ansonsten basteln wir auch schon wieder an neuen Songs.
Achso am 15.04.16 spielen wir in Magdeburg mit unseren gemeisamen Kumpels BEN RACKEN (Freunde von den Lamplighters und pADDELNoHNEkANU) da freuen wir uns besonders drauf.

Danke für Dein Interesse

Winkewinke & Gabbagabba Hey
The Lamplighters

 

 

LP: spitlicker – s/t

In einer süßen, kleinen Facebook-Gruppe namens Punkfreaks bin ich auf die Band Spitlicker gestoßen. Ein ganz famos schlimmes Cover grinste mich an: kauf mich und hör die Mucke!
Ein wenig sieht es so aus, als hätte der eine dem andern gerade am Anus gerochen und würde sich nun darüber freuen.

Spitlicker sind eine vierköpfige Band, erschienen ist die Platte bei Aktiver Ausstand in Plastik, SM-Musik und eben Punkfreaks.
Ich leg die Platte auf und – entschuldigt das folgende, militaristische Bild, das ich zeichne – es wird in der Mitte eines Raumes ein Maschinengewehr aufgebaut und losgeballert. Mega!
Man wird mit total gutem Crust-Punk mit zynischen Texten beschossen, bis auch wirklich alle mindestens einmal getroffen wurden.
Die Songtitel sind auch erwähnenswert „natural born asozial“, vielleicht auch nur was für so alte FIlmhasen, wie mich, der da gleich den Film von Oliver Stone im Sinn hat „natural born killers“.
Jedenfalls „revolutionsausverkauf“ und „haben ist besser als brauchen“ sind ganz wunderbare Beispiele für scharf geschossene Worte.
In „masken“ die Aufforderung, die Dinger einfach aufzubehalten (ja! ja!, wie hab ich mir das gewünscht!), denn die Luete haben sich ihre hohlen Worte ja eh nur bei Facebook abgeholt.
Ganz weit vorne „haben ist besser als brauchen“

ich will das haben, was du brauchst
ich brauch es nicht, will es nur haben
will es haben, damit du es nicht haben kannst
und lass es in der ecke des regal verstauben
haben ist besser als brauchen, das hat schon meine mama gesagt
haben ist besser als brauchen, und was du hast, das hast du.

Ein Beiblatt mit abgerundeten Ecken ist in the Inside mit Fotos und Texten.
Sehr cooler DIY-Release. Dieses bewusst Asoziale von Hammerhead in den 90ern nach 4 Jahrzehnte später geschleppt und mit einem Vorschlaghammer ins Aufnahmegerät gezimmert. Jeder Song ein Nagel an deinem Sarg der Gewöhnlichkeit.

 

LP: alcoholic breakdance massacre – sucht und ordnung

ABM, was in diesem Fall Alcoholic Breakdance Massacre heißt, habe ich ne Platte zugeschickt bekommen.
Und hier kommt nun meine unqualifizierte Meinung dazu, respektive, hohl aneinandergerehte Worte, die dem geneigten Leser das Gefühl geben, ich hätte diese Platte angehört.
Zum 25ten Jubiläum haben sie ihre dritte LP „sucht und ordnung“ rausgebracht. Es sscheint offensichtlich, dass ABM sich mehr mit der Sucht beschäftigen, als mit der Ordnung, würden sie nicht sonst mehr Songs schreiben?
Oder ist das auf dieser Platte enthaltene Liedgut etwa extraordinär, eine Aneinanderreihung von Kleinoden des Deutschpunk?

Ich werde angeschrieben mit: „ich tu mich etwas schwer mit selbstdarstellungen, hier ein versuch: (…)“
Und ich tue mich immer etwas schwer mit Reviews, hehe, hier ein Versuch:

Im Frühjahr 2024 wurde diese Platte aufgenommen.
Huch, ja, die Töne schallen los, es ist Deutschpunk.
Streetpunk, vielleicht. Einverstanden?
Sehr zynisch in der Wortwahl, es wird auch innerhalb der Punkszene ausgeteilt. Die Band kommt, wenn ich das richtig zuordne, aus dem Havelland und man ist da schon ein sehr eingeschworener Zirkel punkiger Menschen. Falls es dort eine Szene gab, ist sie inzwischen ordentlich geschrumpft und ich nehme an, man kann dort noch entweder Fascho werden oder Zyniker.
Hier also die Zyniker von ABM. Sie kleiden ihre Texte in einen Sound, der nicht gleich nach Deutschpunk klingt, auch nicht glattgebügelt ist, einfach seine Eigenheit hat. Recorded and mixed von/bei Moon Records.
Die Gitarre etwas sägender, dafür der Bass eher klar im Sound.

„mittelschicht“ finde ich einen ganz guten Song, ja, doch.
Ab und zu driften sie in Ska-Off-Beat- Parts.
Auf dem Textbeiblatt sind jede Menge Flyer abgedruckt; und eben auch die Texte.
12 Songs und ein bisschen Skapunk, finde es ist oke geworden.

Hab leider keinen aktuellen BC Link für euch. Hier die letzte VÖ „klassenkampf und drogen“
Wer den Eindruck hat, ich hätte die Platte gar nicht gehört, weil ich zu wenig auf einzelne Songs eingehe, der möge sie sich bitte bestellen und selbst hören.

Die Band hat – ganz klassisch, will man schon sagen – eine Homepage und dort gibt es die Platte auf schwarzem Vinyl zu erwerben. Wohl auch als MC (Zehnagel Records) oder CD.
Alcoholic Breakdance Massacre