tourbericht: #3 être? (r.i.p.) – eastern europe august 2015

DIY or die – Etre im Osten Europas
Im Sommer 2015 hatten wir die Möglichkeit, unsere erste und bisher einzige Tour zu
spielen. Sie führte uns auf circa 6500 Kilometern 10 Tage durch den Osten Europas.
Im Nachhinein hat sich die Reise in unseren Hirnen zu einem ziemlichen Film
verdichtet. Trotzdem wollen wir versuchen, zu berichten.
Wir sind eine kleine Screamo-Band aus Hessen, die vielleicht in der mittelhessischen
Provinz zu etwas Bekanntheit gekommen ist, mehr aber auch nicht. Als uns Artem
von Cookiesounds DIY Gigs aus Odessa im Mai letzten Jahres anschrieb und fragte,
ob wir auf seinem Festival spielen wollten, freuten wir uns sehr über die Anfrage,
Odessa schien uns aber viel zu fern und zu gefährlich, denn irgendwie war da doch
Krieg. Wir teilten Artem unsere Zweifel mit, wobei wir die logistischen vorschoben.
Diese schien er nicht zu akzeptieren und in wenigen Tagen hatte er uns eine Liste
mit Städten, Venues und VeranstalterInnen, die auf unserer Route liegen könnten,
zusammengestellt. Wir ließen uns darauf ein und begannen, Menschen
anzuschreiben und weitere Möglichkeiten zu suchen. Plötzlich wurde die Idee so
konkret, dass die anfänglichen Zweifel in Euphorie umschlugen und tatsächlich
bekamen wir viel positives Feedback und die Tour stand.
Wir fragten Djaensen von unseren Freunden von Giessen Uebergrund, ob er uns mit
seinem Soloprojekt begleiten wolle und er sagte sofort zu. Auch unser Kamerakind
Simon ließ sich schnell überzeugen.
Fast am schwierigsten gestaltete sich das Mieten einer bezahlbaren Karre. Die
meisten Vermieter sträubten sich, wenn wir ihnen sagten, wohin die Reise gehen
solle. Schließlich fanden wir einen Bus in Berlin, den wir mieten konnten.
Am 17. August trafen wir uns am frühen Morgen in unserem Proberaum in der
Pampa nahe Fulda und beluden unseren Bus. Gegen Mittag wollten wir Richtung
Tschechien aufbrechen, unsere verpennte Euphorie wurde aber jäh gebremst: Der
Bus verlor irgendeine dubiose Flüssigkeit. Noch vor dem Start mussten wir in eine
nahegelegene Werkstatt abgeschleppt werden. Dort konnte das Problem in einigen
Stunden behoben werden, ob wir es bis zum Abend noch rechtzeitig nach Kutná
Hora schaffen sollten, blieb fraglich. Schließlich schipperten wir noch pünktlich in der
Kleinstadt circa 80 Kilometer hinter Prag ein, wo uns der Veranstalter Willi erwartete.
Willi, der unser Vater hätte sein können und sich auch etwas so gab, hatte es nach
eigenen Angaben vor einigen Jahrzenten von Holland nach Tschechien verschlagen,
wo er sich mit seinem Music-Club einen Traum verwirklicht hatte. Das Konzert war
kaum besucht. An der Bar im hinteren Teil des Raums saßen nur wenige Zuhörer,
die wahrscheinlich zum Inventar des Clubs gehören. Nach einigen Slivovitz mit ihnen
war die Stimmung dann aber doch ziemlich ausgelassen. Als Willi zu späterer
Stunde anfing, irgendwas von Hitler und der deutschen Geschichte zu lallen, war es
aber an der Zeit, ins Bett zu gehen. Willi gab uns Schlüssel und Adresse eine Hotels,
in dem man locker einen Horrorfilm hätte drehen können.
Am nächsten Morgen ging es im Regen weiter Richtung Bratislava. Wir kamen
gegen Mittag an und vertrieben uns die Zeit in der Altstadt. Am Abend spielten wir als
Support für die Band Jungbluth, die die Herzen der hardcoreaffinen Teile der
Reisegruppe höher schlagen ließ. Das Publikum war aber auch zu uns, die wir
deutlich poppiger sind, sehr gut. Bratislava scheint eine sehr lebendige
Hardcoreszene zu haben. Nach dem Konzert zogen wir mit Jungbluth und den
Veranstalterlnnen durch die milde Nacht. Zum Frühstück gab’s vegane Leberwurst.
Zum Fingerlecken.
Am 19. fuhren wir nach Bardejov und spielten dort in einer der exotischsten
Locations unserer Tour. Im dritten Stock eines mittelalterlichen Festungsturms hatte
ein Kollektiv von VeranstalterInnen einen runden Raum für Konzerte hergerichtet.
Wir erfuhren, dass 100-Kilometer-Fahrten zu Konzerten unbekannter Bands für
slowakische Jugendliche durchaus normal seien. Wir schliefen in dem Gemäuer,
während Fledermäuse um uns kreisten.
Gegen 5 Uhr brachen wir etwas verkühlt Richtung Schytomyr im Norden der Ukraine
auf. Wir konnten schwer einschätzen, wie lang es dauern würde, die Grenze zu
überqueren. Tatsächlich standen wir dort lange an, konnten die Grenze dann aber
passieren. Das mulmige Gefühl, das wir vor dem Grenzübertritt hatten (in Bardejov
hatte man uns von Schikanen der Grenzer erzählt), verließ uns in der Ukraine nur
kurz. Nach wenigen Kilometern auf ukrainischen Sandpisten, brach ein martialisch
aufgerüsteter Jeep aus dem Gebüsch am Fahrbahnrand und verfolgte uns. Der
Fahrer fuhr uns dicht auf, zog die Lichthupe und wollte uns wohl zum Halten
bewegen. Nach etwa einer halben Stunde, die uns deutlich länger vorkam, ließ er
von uns ab. Wer oder was, das war, können wir bis heute nicht bewerteten. Die Fahrt
durch den Norden der Ukraine dauerte lang. Die Schlaglöcher wurden größer, die
Dörfer ärmlicher. Immer wieder musste man Checkpoints der ukrainischen Armee
passieren, unsere Pässe wurden kontrolliert, es wurde gefragt, was man hier wolle
und es wurde mit Waffen aller Art gefuchtelt. Irgendwann merkten wir, dass wir durch

ein freundliches „Musicanti! Musicanti!“ unsererseits und das freigebige Verschenken
von Tourplakaten, die Sympathien der Grenzer erlangen und uns weitreichenderen
Kontrollen entziehen konnten. Im Dunkeln erreichten wir schließlich mit Verspätung
die Stadt Schytomyr nahe Kiew. Dort spielten wir in God’s Garage. Ein Clubhaus
eines christlichen (!) Bikerclubs und zeitgleich lokaler Antifa-Laden. Ziemlich
pragmatische Gebäudenutzung. Das Konzert war großartig. Wir spielten mit
mehreren lokalen Hardcoregrößen, das Publikum war kaum mit dem zu vergleichen,
was man aus Deutschland kennt. Während wir auf Konzerten höchstens mal mit dem
Kopf nicken oder Einzelne two-steppen, machte das ukrainische Publikum aus dem
Abend eine große Party. Trotz Sprachbarriere schrien einige unsere Texte mit und
auch Djaensen, dessen Musik ja noch textlastiger ist als unsere, wurde gefeiert wie
Ikke Hüftgold auf Mallorca. Leider mussten wir nach dem Konzert direkt weiter.
Unsere Routenplanung hatte sich als ziemlich naiv entpuppt.
Also weiter durch das ukrainische Hinterland Richtung Moldawien. Zur Nachfahrt:
müde, kalt, Sterne, Schlaglöcher, überproportional viele Tankstellen. Mittlerweile
roch es in unserem Bus wie damals in der Turnhallenumkleide.
In den frühen Morgenstunden erreichten wir die ukrainisch-moldawische Grenze.
Man hatte uns in Schytomyr einen relativ wenig frequentierten Grenzübergang
empfohlen. Ein ziemlich einschüchterndes Gebilde aus Stacheldraht und Beton. Auf
ukrainischer Seite antwortete uns die Grenzsoldatin in unserem Alter auf die Frage,
ob man das Tor zum Passieren öffnen könne noch mit „Why not?“. Auf moldawischer
Seite war die Kommunikation dann etwas komplizierter. Glücklicherweise hatten wir
alle wichtigen Dokumente im Vorhinein in die entsprechenden Amtssprachen
übersetzen und beglaubigen lassen. Die Stempelsammlung überzeugte und wir
durften einreisen.
Moldawien ist das ärmste Land Europas und das merkt man. In der moldawischen
Hauptstadt Chisinau trafen wir den Veranstalter des Abends und fuhren mit ihm zu
dessen Mutter, die für uns gekocht hatte. Spätestens jetzt fragte sich wahrscheinlich
jeder von uns, ob es nicht arrogant ist, als deutsche Mittelstandskids durch die
Armenhäuser Europas zu heizen und sich von Menschen, die ihr Jahresgehalt
berappen müssten, um die Miete unseres Busses zahlen zu können, bekochen zu
lassen.
Das Konzert am Abend war gut besucht. Wir spielten mit einigen lokalen Bands. In
Moldawien scheint es eine lebendige Djent-Szene zu geben. Auch wenn wir da mit

unserem Schreipop etwas rausfielen, war das Publikum ähnlich motiviert wie am
Vorabend.
Nach einer Nacht im Hostel und einer kleinen Kollision mit einem moldawischen
Gartenzaun, fuhren wir am 22. August zurück in die Ukraine nach Odessa. Die
Vorfreude war groß, denn schließlich war Artems Suicide Fest der Anlass unserer
Tour. Nachdem wir an der Grenze und an diversen Checkpoints wieder einige
Tourplakate losgeworden waren und uns ein moldawischer Grenzbeamter in
fließendem Deutsch von seiner Zeit in Ostberlin vorgeschwärmt hatte, erreichten wir
gegen Mittag das sonnige Odessa. Eine beeindruckende Metropole voller Touristen
und Luxuskarossen. Vor dem Konzert nahm sich Artem Zeit für ein kleines
Touriprogramm. Das Konzert war grandios, wir hörten viele großartige ScreamoBands und spielten vielleicht unser bestes Konzert jemals. Das Publikum bestand
aus einem Haufen Hardcorekids, die ähnlich wie schon in Schytomyr eine
beeindruckende Stimmung verbreiteten. Nach dem Konzert sprachen wir
zwangsläufig mit Artem und anderen über den Ukrainekonflikt. Kurzfassung: 1. So
eingefroren wie wir dachten, war der Konflikt zum damaligen Zeitpunkt nicht. 2. In
Odessa fühlt(e) man sich von der EU im Stich gelassen. Wir schliefen bei einem
jungen Pärchen, das extra seine kleine Wohnung für uns geräumt hatte und während
wir uns auf dem Boden ausbreiteten, die Nacht im Sitzen verbrachte.
In den frühen Morgenstunden des nächsten Tages brachen wir zur längsten Etappe
der Tour nach Brasov in Rumänien auf. Das Navigationsgerät, das bis dahin relativ
zuverlässige Dienste geleistet hatte, zwang uns, die Geländegängigkeit des Busses
zu testen und führte uns über Feldwege querfeldein. Wir verbrachten mehrere
Stunden damit, neben dem Bus herzulaufen und Baumkronen auf die Seite zu
ziehen, während einer von uns versuchte, das Gefährt im Schritttempo nicht im Sand
festzusetzen. Als wir gegen Nachmittag noch immer nicht in Rumänien waren, riefen
wir den Veranstalter des Konzerts in Brasov an und wollten eigentlich absagen.
Dieser sagte nur, er werde schon eine Lösung finden. Schließlich erreichten wir
gegen 24 Uhr die Venue. Ein Proberaum in einer alten Fabrik voller Menschen. Der
Veranstalter hatte es geschafft, mehrere lokale Bands spontan zu gewinnen, die den
ganzen Abend gespielt hatten. Auch das Publikum war geblieben.
Für den nächsten Tag war kein Konzert geplant. Wir fuhren durch Rumänien. Jede/r
die/der sagt, man könne sogenannte „Wirtschaftsflüchtlinge“ nicht tolerieren, sollte
eine Nacht in einem Wellblechhaus in einem rumänischen Dorf verbringen müssen.
Wir schliefen in einem Hostel in einer Stadt, deren Name wir vergessen haben.
Am nächsten Tag weiter nach Polen. In Tarnow spielten wir das vorletzte Konzert
unserer Tour. Das Konzert war gut besucht und die Leute waren fast so ausgelassen
wie an den Abenden zuvor. Als ein Mitglied der Hard-Rock-Vorband irgendwelche
Faschodeutschlandscheiße brabbelte, wiesen wir ihn zurecht und setzten uns mit
den VeranstalterInnen ab. Es war dunkel. Es gab Martini.
Letzter Tag: Wir fuhren nach Deutschland. In Chemnitz spielten wir unser letztes
Konzert, das uns wieder auf den harten Boden der deutschen Konzertrealität
brachte. Unser Publikum bestand aus einem Altpunk. Der fand’s so mittel gut.
Ohne pathetisch werden zu wollen, war die Tour für uns alle eine besondere
Erfahrung, die uns mit vielen liebenswerten Menschen in Kontakt gebracht, mehr
Fragen gestellt als beantwortet und uns ziemlich dankbar gemacht ha

MC: blert – s/t (demo)

blert plärrt ordentlich aus den Boxen. Garagepunk mit einer Sängern, die sich anhört als wäre die Sängerin von Berlin 2.0 mal so richtig, richtig sauer. Sie rotzt echt ordentlich was ins Mikro.

blert hat mich jetzt nicht sofort gepackt, denn Garagepunk verfolgt dann doch immer wieder die gleichen melodischen Muster und Beats. Klar, dieses straight nach vorne Ballern geht manchen Punkband ja ab, wenn sie da mir ihren Stroke-Downs Midtempo rumscheppern.

„fallout“ ist ne schöne Abwechslung. Wenn dieses kehlige „down down down“ im Mikro landet hat man einfach total Bock mitzubangen.
Cool.
Der fünfte und letzte Song auf diesem Demo-Tape ist „painwolf“, beginnt schön melodisch und wickelt eine musikalische Spirale nach oben und hat ein gutes, ausgespieltes Ende.

Kurzweilig, gutes Artwork, auf beiden Seiten die 5 Songs, erschienen bei Back Cat Tapes.

7inch: angry youth elite – unite & fight

Angry Youth Elite ist eine Skatepunkband aus dem Ruhrgebiet.
Und diese 7inch ist irgendwie zwischen ein paar LP’s gerutscht und ich hab die einfach nicht mehr gesehen. Blöd.
Aber nu issie aufm Teller und ich berichte:

vier Songs sind auf dieser 7inch drauf, 2023 kam ein Album, dies also ein aktuelles Lebenszeichen. Sie spielen wohl recht viel und sind über die deutschen Grenzen hinaus bekannt.
Angry Youth Elite ist Musik für freundliche Menschen. Midtempo-Skatepunk, der auf der ersten Seite etwas melodischer und bejahender klingt als auf der zweiten. Da geht es etwas melancholischer zu, nicht weniger melodisch!

„no more fear“, das letzte Stück ist sehr geradeaus. Skatepunk im Sinne von Fat Wreck Chords.
Insgesamt dreht die 7inch unglaublich schnell und vor allem kurzweilig ihre Runden, doch bei mir bleibt nach dem dritten Hören immer noch nicht wirklich was hängen. Ja, bin ja auch eher der Deutschpunker, aber auch nicht doof, gell. Allerdings steck ich halt in amerikanischen Skatepunk so gar nicht drin.
Was ich aber sagen kann, ist: die Band hat ein echt gutes kurz & knackig Songwriting drauf. Sie spielen auf den Punkt und ist super produziert!
Sicherlich stehen sie den genannten Bands (Good Riddance und Millencolin), die im Werbetext genannt werden in nichts nach, würde ich sagen!
Was nicht dabei ist: ein Booklet oder Textblatt. Ich komme in dieser Kürze inhaltlich gar nicht so mit. Wobei mir eben bei solcher Musik genau die politische Attitüde im ganzen positiv konotierten musikalischen Fluss recht schnell dahinter verschwindet.

Wie auch immer. Meine Meinung muss ja nicht die eure sein: heißer Shit. Greift zu, wenn ihr auf melodischen Skatepunk steht!

Erschienen via Bakraufarfita Records.
Diese 7inch kommt in verschiedenen Farben und Looks, Eco-Vinyl.
Da steht „limitiert“ – ich bin bei 500 Stück allerdings bei der üblichen Menge an Platten. Mehr macht doch heute eh keiner mehr, oder?

 

LP: distance – le décor

Die französische Band Distance, ich habe das Cover gesehen und dachte „das ist doch was für mich“.
Und ich muss leider, da das Album schon ne gefühlte Ewigkeit raus ist, trotzdem sicherlich an einigen vorbeigegangen sein wird, gestehen, dass ich die Platte erst letzte Woche endlich zugeschickt bekommen habe.
Und ich bestehe auf mein Foto, auf dem ihr die Platte sehen könnt, wie sie ist, wenn sie denn in der Plattensammlung steht.

Die Gitarre fräst sofort eine schöne 77er Melodie, haben aber ordentlich Delay und Hall im Sound, da brezelt der Bass mit Distortion dagegen und gemeinsam mit den Drums ergibt das dann schon einen guten Midtempo-Druck.
Die Stimme ist ungewohnt hoch für eine Post-Punk-Band, was, denke ich, ein Alleinstellungsmerkmal ist. Auf der Platte sind namentlich nur Kürzel, im Netz ist leider nichtmal ein Livevideo geschweige denn ein Videoclip zu finden. Immerhin: Insta!
Das Artwork hat mich, wie gesagt, schon direkt angesprochen und ich vermutete exakt das darauf, was auch drin ist. Das passiert mir nicht oft, zwinker.

Distance spielen also hochmelodischen Postpunk, 77er Punkkante, total gut gespielt und äußerst tanzbar. Gefällt mir richtig richtig gut.
Sabotage Records.

 

Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.

fanzine: trust #236 /01 feb/mrz 26

Ein schneller Überblick über die akutelle Ausgabe, bevor schon wieder die neue in den Briefkasten flattert. Und ein schneller Tipp: ein Abo ist da echt super, bin auch äußerst selten am Bahnhofskiosk zu finden.

Das TRUST Numero 236 hab ich nu endlich durch.
Das Cover ist mal wieder echt lustig, da es so wirkt, als wäre der Grafiker*in in einen Monty Pythons / Terry Gilliam – Topf gefallen und würde so die schwarz weiß-Grafik erstellen. Denn das ist das Heft immer: in schwarz weiß.
Inhaltlich bekommt man diesmal folgende Interviewpartener*innen geboten:
Holy Goat Records (dazu später mehr), Rich Kids on LSD (was man prima bei Jan, dem Interviewer, bei Facebook verfolgen kann, wo er so ist; und er ist ja auch immer total stolz, an all diese musikalischen Orte zu gehen und seine Interviews zu führen. Einzigartiger Kerl!), Wick Bambix (kurz und knackiges Interview, wahnsinns Frau, cool!), dazu eine mir bisher gänzlich unbekannte Band (was mir beim Trust öfter mal passiert: 6 Bands, ich kenne keine) namens The Penske File – huch, nach dem Reinhören dachte ich: kann ich schnell wieder vergessen – dazu alte Huntington Beach Haudegen T.S.O.L. plus die yugoslavische (jetzt kroatische) Band Paraf, die in Zeiten Tito’s schon aktiv waren und nun wieder oder immernoch; nach 41 Jahren wieder ein neues Album. Krass.
Solang damals die Texte nicht gegen den Staat gerichtet waren, durfte man Punkmusik machen und auch so rumlaufen.

Also Holy Goat Records erzählt aus dem Nähkästchen. Er arbeitet Vollzeit, fährt Bands durch die Gegend, macht das Label als Vollzeithobby. Ist schon echt viel zu tun. Dazu wird mit viel Energie die Aufmachung der Platte oder MC hergestellt.
Was ich mag ist, dass auch der Interviewer ein paar ergänzende Dinge mit dazupackt, zum einen, um die Antworten zu komplettieren, zum andern macht es das Gesamtbild gehaltvoller.

Der Reiz an dem Heft ist schon oft das Unbekannte. Um dann in den Reviews endlich Platten zu finden, die man kennt, gehört hat, und eventuell auch sein Eigen nennt!
Schönste Review dieser Ausgabe, und ich meine das Ernst, große Liebe an Marianne, die ein grandios ehrliches, sechs-Sätze-Review geschrieben hat und endete mit: „es wirkt zufällig, ziellos und uninspiriert, ich hatte keine Freude an diesem Release.“
Manchmal muss, darf man einfach ehrlich sein, ich denke mir das oft und lasse es nur durchscheinen, zwinker.
Vielleicht, Marianne, bist du mir Vorbild für Sachen, die noch kommen!

Ich finds ne gelungene Ausgabe. Lesepflicht.

LP: stress – stress

jo, ist ne Weile her, dass ich diese wunderbare Platte von Stress zugeschickt bekommen hatte.
Dazu kommt dann noch eine erste, wenn auch manchmal recht oberflächliche, Recherche, wer die Band ist, wo sie herkommt, etc.
Schwierig. Ich musste bei Bandcamp ein wenig blättern, um sie zu finden und im Netzt findet man halt einfach auch 16841 andere Bands, die so heißen.
Hach.

Und erst jetzt merke ich also, was ich bis jetzt verpasst habe: eine hammergute Platte der Band Stress aus Rostock.

Die selbstbetitelte, 12 teilige Schallplatte überrascht mich total. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass da so Deutschpunk drauf ist.
Joah, ist das auch, aber: Stress machen einen super Spagat in den Postpunk, haben tolle Hooks am Start. Wahnsinn. Ich bin fassungslos begeistert!

Die Gitarre ist furztrocken, ein wenig Hall, spielt Chrischan, und die Bassistin Dani singen jeweils gemeinsam oder im Wechsel. Manchmal blitzt da sowas wie Horrorpunk durch, keine Ahnung, ich ringe eben auch etwas nach Worten.

„blase“, „sarg“ und „frei“ sind hammergute Songs.
Ersterer könnte in den 80ern von die Ärzte geschrieben worden sein. Dani, Basssolo, und dann kommt der englische Refrain. Fuck my life ist der gut!
„we gonna die one day – i did it yesterday“
Düsterer geht es in „sarg“ zu, klar. Kratzige Stimme, wavige Basslinie, erinnert mich ein wenig an Dr. Dexter (gibt es leider nicht mehr und sehr lokale Band aus Magdeburg).

Wenn Dani singt wirds richtig melodisch.
Jetzt fällt mir ein, an was mich der Schriftzug von Stress erinnert: diese Platte von Schrappmesser.
Das Artwork, ein Männchen mit einem Haufen (Impf?) Nadeln im Kopf ist sehr minimalistisch, finde genau das im Kontrast zu dem fetten Schriftzug aber total gut!
Leider gibt es echt sauviele Bands, Interpreten, die Stress heißen. Da werden sie wohl nicht so wirklich zur Kenntnis genommen werden können.

Stress kommen aus Rostok. Haben die Songs selbst aufgenommen. Mix und Master von Peter Schade und erschienen via Abbruch Records. Ein Brandenburger Label was die Antifschistische Fahne hochhält; und den Punk lebendig!

Der letzte Song ist ein schöner Rausschmeißer „2bu“ (to be you).

 

Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.

konzert: ea80 & SØWT in weinheim

Seit ich in Heidelberg wohne, fällt ab und an mal der Name Café Central, eine Konzertlocation in Weinheim. Für Einwohner*innen Heidelbergs gut erreichbar mit dem ÖPNV.
Um den Jahreswechsel scrollte ich also auf der einschlägigen Homepage, vielleicht gibt es was interessantes im Programm, um das Café Central mal zu besuchen. Neben überwiegend für mich weniger interessanten Veranstaltung sprang mir dann das EA80 Konzert ins Auge: legendenumwobener Düsterpunk mit Kultstatus aus Mönchengladbach? Geschwind buchten .na, .a, .k und ich uns vier Tickets.

Als dann das betreffende Wochenende näher rückte, sprangen auch noch .s und i. mit auf den Zug auf und mit ebendiesem ging es dann nach Weinheim.
.na, .a und .i sind drei Drittel der Band Future Problem und wir kennen uns alle aus dem Umfeld des Carousel Heidelberg. Dort fand am dem Abend eine sehr reizvolle Gegenveranstaltung statt, mit Laxisme, Peitschen und den City Boys aber man kann halt nicht auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen.

In Weinheim machten wir noch einen Abstecher ins Lotus, zeichens Gastronomie mit asiatischer Küche und stärkten uns für das bevorstehende Konzert. Über dem Restaurant prangt das dazugehörige Schild, das aber offensichtlich fehlerhaft produziert wurde: Der mehrfach abgebildete Name ist an prominenter Stelle statt „LOTUS“ als „LOSTUS“ buchstabiert worden. Der Hersteller hat jedoch weder seinen Kunden aus der Gastro noch den Auftrag verloren, auch wenn sich das so liest. Stattdessen wurde im Nachhinein mit schwarzem Lack der Schriftzug verbessert, jetzt steht da „LO TUS“. Der Laden ist komplett voll mit Gästen und das verwundert nicht, die Miso-Suppe beispielsweise ist überdurchschnittlich schmackhaft.

Das Café Central liegt ebenfalls nicht weit vom Bahnhof und ist ein wirklich schmucker Laden. Grundsolide Immobilie mit großem Treppenaufgang. Als wir in den Konzertraum kommen, fangen gerade søwt an zu spielen. Der Auftritt und die Musik wirken sehr hochgestochen doch trifft uns nicht so ganz ins Herz, wie wir alle in den Gesprächen nach dem Konzert gemeinsam feststellen. Während des Auftritts wurden immer wieder irgendwelche Gitarren ausgetauscht und herumgetragen, teils mehrere gleichzeitig, naja… Das Café Central ist wild dekoriert und dennoch nicht klebrig, das alte Gebäude hat wirklich Charme und ist sehr geräumig. Die Belüftungsanlage wird von uns dankend angenommen, das Team hinter der Theke legte sich wirklich ins Zeug, die durstigen Besucher mit Getränken zu versorgen – Hut ab und vielen Dank an der Stelle!

Wir sind alle keine Kids mehr, aber zogen, wie bereits erwartet, den Altersdurchschnitt an dem Abend herunter. Und auch als Grüppchen, hälftig verteilt auf dem Geschlechterspektrum, brachen wir den Status quo an dem Abend etwas auf, denn es waren wirklich hauptsächlich alte weiße Männer anwesend. Viele Typen, die keine Gelegenheit auslassen, sich mit ihrer Plauze zuerst an dir vorbei zu drücken, in Situationen in denen man sich auch verbal oder durch ein kurzes Antippen bemerkbar machen könnte. Aber gut, vielleicht ist das für diese alten Kerle eine seltene Gelegenheit, etwas menschliche Nähe zu erfahren und mit dem Main Act gab es ja auch noch etwas fürs Herz. Denn ich habe EA80 an dem Abend als überaus gefühlvolle Band erlebt.

Zuletzt und zum ersten Mal habe ich EA80 am 3. Juli 2015 im Zakk, in Düsseldorf gesehen. Mein damaliger Bandkollege .s hat mich damals von Rastatt aus mitgenommen, das war ne lange Fahrt für einen Abend. In Erinnerung geblieben waren mir u.a. die sturzbachähnliche Aussprache des Sängers, die alten, teils ziemlich kaputten Gäste und mein erster EA80 Tonträger.
„Das da, das ist ein gutes Album“, schwupp, hatte ich die „Schauspiele“ auf für mich damals unfassbar fettem Vinyl erstanden. An dem Abend wurde auch eine Nachpressung von „Gladbach soll brennen“ mit dem Feuerlöscher Piktogramm auf dem Cover und der angekokelten Schutzhülle verkauft, damit die Band sich, zuvor durch Dritte zerstörtes, Equipment ersetzen könnte.

Heute, 10 Jahren später, kenne ich zumindest ein paar Lieder mehr, auch wenn ich die Band echt nicht häufig höre. Umso geiler war es dann mit dem zweiten Lied in Set „Fort von Krank“ aus voller Kehle mitsingen zu können. Ich stand mit .k und .a ganz vorne links, um den anderen Leuten die Sicht nicht zu versperren und gleichzeitig selber was zu sehen. Dort traf ich prompt auch noch auf .c und .f, die sich auf den Weg von Offenburg gemacht hatten und die ihr vielleicht von ihrem Auftritt mit den Bands Ghettotonne und Monuments to Misery kennt (Wir berichteten: „Konzert: Fatal Brutal, Monuments to Misery, Biene Banal, Ghettotonne @ Ballonfabrik Augsburg„). Wir standen also alle dicht gedrängt und EA80 hauten einen Knaller nach dem anderen raus: „5×4“, „Gugging“, „Licht“- bei letzterem rief der Sänger, Junge, „LICHT!“ und der Song brach los. Und der Saal tobte.
Der Frontmann vermittelt eine unglaubliche Energie, man hat den Eindruck, das er die Texte nicht nur aus dem Gedächtnis singt, sondern dass er jedes Wort auch so meint und fühlt. Mal ganz nuanciert und auch immer wieder komplette Ausraster, mit Grimasse und Kontrollverlust. Dabei wirkt das ganze immer völlig authentisch, das ist keine „Show“, das wirkt echt.
Und auch das ganze Zusammenspiel der Band ist dermaßen direkt und deutlich. Selbst wenn man am Anfang mal das Gefühl hatte, dass es zwischendurch etwas holpert, haben ausgerechnet genau diese Passagen einen großen Emotionsreichtum. Als wüchsen Blumen aus den Lücken zwischen den Takten.
Kurz darauf schaltet der großväterlich anmutende Schlagzeuger in einen anderen Gang und drischt die tighten Punkbeats nur so runter, während sein Mund die Gesangstexte mit formt. Es ging teilweise dermaßen nach vorne; die Kompositionen, also das Zusammenspiel und der Klang der Instrumente funktionieren bei EA80 wirklich gut. In den Liedern liegt eine Einfachheit und Klarheit, ohne beliebig zu werden und mit großem Wiedererkennungsfaktor. Ob es der gutaussehende Herr am Bass ist, oder der gestandene Leadgitarrist – die Parts sind ikonisch in ihrer Schlichtheit, Klassiker-Material vom ersten Ton an.

Nach etwa drei Vierteln des Sets wird es mir vorne sprichwörtlich zu heiß, ich verdrücke mich kurz Richtung Toiletten. Ich bin die großen Treppen schon fast unten, da stürmt ein älterer Herr mit geschorenem Kopf hinter mir her, ruft etwas. Ich drehe mich fragend um, ziehe den Gehörschutz raus. Er erreicht mich begeistert am unteren Treppen-Absatz. Mein „Frankenstein“ Patch auf der Jeansjacke sei so super! Wow, danke lieber Unbekannter im Café Central, wie herzlich ist das denn?!

Das restliche Set stehe ich dann hinten im Konzertraum, sage nochmal .fi kurz Hallo, die sich ebenfalls auf den Weg aus der Metropolregion Rhein-Neckar nach Weinheim gemacht hat. Sie hat EA80 schon damals 2012 im JuZ in Mannheim gesehen.
Die Zeitspannen der Band sind wirklich schwindelerregend. Ein weiteres Jahrzehnt zurück, in den frühen 2000ern, habe ich erstmals als junger Teenager von EA80 im Boardstein Magazin gelesen, das ich mit einer Reihe anderer aussortierter Skateboard Zeitschriften von einem Nachbarn bekommen hatte. Der Autor beschrieb den Kultstatus und die Mysterien um die Band, sowie den Kommentar seines Kollegen, „Bring dich aber nicht um, okay“, der wohl Bezug auf die Düsternis des Düsterpunk nahm. Apropos Mysterien: EA80 spielten an dem Abend im Café Central eine Zugabe, was sie, so wurde es mir damals von den alten Hasen zugetragen, im Großteil der Bandgeschichte strikt unterlassen hätten. Erst in der jüngeren Vergangenheit gab es wohl bei den Auftritten Ausnahmen von dieser Regel, was die alte Gerüchteküche um die Band weiterhin am brodeln hält.

Bei mir war indessen dann so langsam der Ofen aus. Wir machten uns zurück auf den Heimweg mit dem Zug nach Heidelberg, .s und .i machten wohl sogar noch einen Abstecher ins Carousel. Ich hingegen begab mich so schnell in die Falle wie ich konnte, um dann aber wohl ausgeruht noch das restliche Wochenende mit in dem schönen gemeinsamen Abend zu schwelgen. Vielen Dank an euch alle und bis zum nächsten Mal!

(Anmrk. von Felix.: habe ein paar Fotos der Show bei FB gefunden. Bitteschön)

LP: pillhuhn polka – gestern heute morgen

Huch, was kommt denn da auf den Plattenteller geflogen?
Pillhuhn Polka? Wasn ditte?

Warum bekomme ich eine Oi-Platte zugeschickt. Aha, Riot Bike Records hat mir die geschickt, aha, jetzt auch nicht sooo das Label für Oi-Musik. Na bei soviel Aha, da überrascht die Musik vielleicht ja auch „aha“.

Wie ich dem Labeltext entnehme haben sich um Che, dem Bassisten der Band, 2023 neue Bandmitglieder gesammelt um gemeinsam das Projekt Pillhuhn Polka zu starten.
Der Bandname stammt von der Kneipe, in der die drei Herren und eine Frau (Claudi, spielt Gitarre“) nach Proben pflegen sich ein Oi zuzurufen und ein paar Bier in die trockenen Kehlen zu zischen.

Ehrlich gesagt ist die Platte immer weiter nach hinten gerutscht im Stapel, muß ich ja nicht gleich hören; aber irgendwann, dann kommt der Moment. Muss ja. So kommt jeder Moment. So zack. Da isser und den wird man nicht mehr los.
Ich gehe zum Kühlschrank, rufe Oi und habe ein Bier in der Hand.
Dann zum Plattenteller, lecker Oi hören.

Es ist herzerwärmender Oi! Toll. Ich habe echt Freude daran.
Manches ist mir in der ganzen Spiellänge zu gleich, doch ich kenne eine Menge Menschen, die genau das mögen.

Guter, rockiger, Midtempo-Bereich, es rockt so vor sich hin. Allerdings klare Kampfansagen. Klar, geht es um Saufen, Fußball, OI (!), Arbeit, Lieder von der Straße, darum, Menschen zu treffen und Bier zu trinken. Wenn du kein Arschloch bist, bist du auch soweit akzeptiert.
Also diese Grundhaltung passt sehr gut zu mir und meinem Bier.

Pillhuhn Polka haben eine klare Haltung gegen Sexismus, gegen Faschismus und all die andern schönen Dinge, die die Rechten nicht mögen.
Von „unpolitisch“ sind Pillhuhn Polka weit entfernt, was ich sehr gut finde, denn diese unpolitischen Bands sind es, die einfach dumm sind. Eine Haltung zu haben gehört zum Leben, wie das Bier in der Hand.

Pillhuhn Polka kommen aus Darmstadt.
Ihr Platte kommt in schwarz, kommt mit einem sehr gut lesbaren Textblatt, wobei man die gegröhlten Texte doch auch sehr gut verstehen kann. 12 Songs.
Gebt dem Mal ne Chance!

PS: das Pillhuhn ist eine Comicfigur (Pilly) aus den 70er (link!) und die Band spielt glücklicherweise keine Sekunde Polka sondern Oi.

 

Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.

LP: sons of sadism – skatebrigade marl

Hab die Sons of Sadism aufgelegt.
Der Sänger auf dem Cover sieht schon mal voll nach 80s/90s aus.
Und ein bisschen was hatte ich in meiner Bubble schon gelesen, viel nach dem Mott „ey geil, dass das endlich mal raus ist“
Bei Sons of Sadism (SOS) handelt es sich um eine Skate-Punk-Band aus dem schönen Marl. Wer nicht weiß wo das ist: hier. Und sie machen einen fast schon typischen Sound, der die amerikanische Gangart zugrude legt: melodisch, thrashig, schnell, aber auch sehr Bassmelodie-orientiert.

Nun, diese 21 Songs auf der LP starten mit ihrer, nach der Band benannten, Hymne an „s.o.s.“.
Power it up – Records hat hier eine Discografie zusammengetragen, die eine EP, ein paar Samplerbeiträge und Liveaufnahmen enthält.
Soweit so unspecktakulär; denn, eine Menge Sachen werden in den letzten Jahren re-released, unheimlich viel ist dabei, was schon damals nicht wirklich bei den Leuten angekommen ist. Sei es durch wenige gespielte Konzerte oder durch Verbreitungsmöglichkeiten.
Das kann ich nicht nachvollziehen.

Die Band Sons of Sadism wollte auf jeden Fall die vorherrschende Punkszene in Marl und Umgebung mit ihrer Musik quasi „erhellen“. Vieles war gewalttätig geworden unter den Punk. Vor allem im Norden der Republik nahm damals das „schneller, lauter, härter“ Rufen bei den Konzerten stark zu.
Blutpogo und Gewalt abseits der Konzerte nahm zu.
Einiges ist in den Linernotes noch nachzulesen.
Coole Anspieltipps sind „million“ und „psychopathen“, die, denke ich, ganz gut den vielfältgen Sound und das Songwriting widerspiegeln.
Auch sind die Songs immer wieder in krass unterschiedlichen Längen, von 30 Sekunden bis über 3 Minuten ist alles dabei.
Beim ersten Durchhören, muss ich gestehe, wusste ich manchmal nicht, in welchem Song ich bin. Sie sind auch recht knapp „aneinandergepappt“ auf Vinyl; sprich, die Pausen sind sehr kurz zwischen den Songs.

Die Poster und Flyer, die ich im Booklet sehe sind so gar nicht außerhalb von NRW, was eben zu meiner Annahme führt, dass Sons of Sadism gar nicht so viel getourt sind. But who knows.
Jede Menge anderer Storys und Photos im Booklet.

Vinyl kommt in schwarz (diese Version) oder auch auf Gold – die gibt es direkt beim Label Power It Up.
Plus 12 seitigem Booklet. Eingeschweißt.

PS: diese schöne Review erscheint auch von mir beim Vinyl-Keks.

PPS:
Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.

MC: blut + eisen – feiertag

Die Band habe ich nur wahrgenommen durch nen Kumpel, der mir immer wieder erzählte wie geil die Platte und die Konzerte in den 90ern waren.
Nun, die Band ist wieder da, yey!
Erste Rechercheergebnisse zeigen: es waren die 80er! Und dieses markante Cover der „schrei doch“ LP von Blut + Eisen hat euch sicherlich auch schon mal aus einer Plattenkiste angegrinst!

Soweit so gar nichts. Ich weiß es nicht. Also Mal schnell das Black Cat Tape(s) in den Kasi geschoben, auf 12 gedreht und:
in Teilen hat sich die Band wieder zusammen getan und darum gibt es auch ein wenig Zores. Ohne jetzt despektierlich sein zu wollen: hey – das ist Punkmusik, die 40 Jahre später wieder in neuer Besetzung spielt – egal! Hauptsache gute Musik!
Einigt euch, dass muss ja nicht enden wie bei Black Flag.

Was ist denn da auf dem Tape drauf?
13 Songs, 6 davon Liveaufnahmen aktuelleren Datums. Lion Crew und Black Cat Tapes als Coop-Release, Liz Illustrations hat da ein schönes Covermotiv gezaubert und los gehen die Hooks, die durch die Boxen ballern.
Jo, zügiges Tempo der Band Blut + Eisen, Hardcorepunk.
„abgefackelt, abgeschottet, piep“ ein wahrlich lustiger Song.
Die Band ist sehr gut eingespielt. Das ein oder andere Soli passt da tatsächlich gut rein, die Sängerin hat ne ordentliche Röhre, die hängen bleibt. Und die andern: ey, die brettern mit einem richtig guten Tempo durch die Songs, dass die alten Pogomuskeln wohl ordentlich auf der Tanzfläche ausgeschüttelt werden müssen.
Für selbstgemacht ist das ein echt tighter Release.

 

 

Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.