LP: hete – s/t

Alter was ist denn da bei Hete los?
Das ist ja mal voll das krass gute Album, dark, deep und dreckig.
Hat mich total überrascht und sofort gecacht.
Die Band hete hat im Grunde keine schnellen Songs, spielt das Midtempo aber so mit Druck und nach vorne, das ich echt ein fettes Grinsen ins Gesicht bekomme.
Mehr Punk als Garage, wobei die Punkeinflüssen sehr sehr deutlich zu hören sind. Dazu singt mal eine weibliche, mal eine männliche Stimme, mal eine, die irgendwie nach Blackmetal oder sowas klingt. Diese Mischung bringt hart Abwechslung in die Lieder.
Eigentlich sind die Melodien oder die Bassläufe sind recht simpel gehalten und vor allem die Gitarren machen oft gar nicht „so ein Ding draus“, sondern bleiben überschaubar. Was ich total gut finde. Ich mag ja auch Dead Years, die sind da aber eben wesentlich ausufernder.
hete bleiben in dem „nach vorne spielen“. Man kann in den oft repetitiven Parts die Lyrics ganz gut verstehen, ausnahmsweise, weil die Mucke so gut ist, verzeihe ich das Fehlen der Worte. Hete können emotional musikalisch überzeugen.
Das Artwork auch recht simpel aber das Pink in dem Grau ist einfach Bombe!
Einzig, und ich weiß nicht, ob den Nerds hier das auch schon aufgefallen ist, das Mastering der North Bomb Factory ist immer ein wenig zuu dick. EIn bisschen zuuu viel Kompressor, denke ich.

Auf der Platte sind 12 Lieder, erschienen bei Kink Records und MyRuin. Textblatt mit Düsternis, Kreuzen und Fotos. Vinyl gibts in grau und schwarz.
Hab voll Bock die live zu sehen!

 

MC: abrichten – aufheben

Ist es Musik um des Musik Willen?
Die Band Abrichten hat ein 6-Song-Tape namens „aufheben“ rausgebracht“ – wobei ich bei einer Kassette „einlegen“ besser gefunden hätte.
Musikalisch wirkt es unheimlich repetitiv. Und was machen sie eigentlich?
Kraut-Rock mit so vertonten Gefühlszuständen, dass man förmlich spürt, dass der Schweiß, um den es textlich geht, Schweiß den man seit Tagen nicht weggeduscht hat oder der Schweiß in den Schuhe, dass man den musikalisch riechen kann, spürbar macht.

Die Band abrichten spielen gut zusammen, die Stimmung, die sie transportieren wollen, kommt bei mir an; ich werd’s nur nicht nochmal hören.
Aber vielleicht gibt es wen da draußen, in den Weiten des Internet, dem dieser poetische Review gefällt und sich nun das Tape bei It’s Eleven bestellt.

 

7inch: night punch – godisnowhere

Beim letzten Release hatte mich irgendwas gestört, ich weiß nur nicht mehr was. Und ich lese den Tapereview und denke: nö, Night Punch waren damals schon gut – also was?

Hier ihre neue 7inch mit 6 neuen Song plus In- und Outro.
Das fiese Knochencover weist den Weg ins Dunkel des Horrorfilms, den ich letztes Mal schon erwähnt, in dem sich Night Punch wohl ein warmes Stübchen eingerichtet haben.
Das Cover ziert Knochen und einen Drachenvogel, der in ein Gefäß kotzt, in dem sich die Erde befindet. Von Vinstattoo auc Barcelona gestaltet der wohl, bei näherer Betrachtung seiner Werke, ganz Hervorragend mit seinen Mittelalterlichen Bildern zum Soundtrack der Band passt.
Klappcover, keine Texte oder so. Man kann sie eh kaum verstehen, vielleicht muss man sie deswegen nicht abdrucken.
Musikalisch sind die Songs kürzer. Auf ein Maximum komprimierte Synth-Punk-Mucke. Einen gewissen Thrash-Faktor haben sie auch, denn die Gitarren sägen mehr, als das sie aus dem Garage-Punk entsprungen wären.
Da ist ne ganz ordentliche Steigerungskurve drin, Night Punch klatschen hart, erschienen bei  It’s Eleven Records.

Die Musik kann man sich nicht in die Haut ritzen, noch nicht, dafür als Vinyl erstehen oder auf einer digitalen Plattform durchhören. Empfohlen:

konzert: OX-Fest 02 mit Zero Zeroes, syff, S.G.A.T.V. + hammerhead

Ein wenig aufgeregt war ich schon.
Wenn ihr meine SM-Timeline verfolgt, dann habt ihr sicher schon mal das Plakat vom Konzert mit Hammerhead in der Jube Baden-Baden wahrgenommen. Fuck ist das lange her. Über 30 Jahre!
Und mit Spermbirds und Slime in der Alten Hackerei ging es mir schon richtig, richtig gut. Pogo, Bier + Gänsehaut. Ich würde an dem Abend sogar jemandem wiedersehen, den ich vermutlich Ende der 90er das letzte Mal auf einem Konzert getroffen habe!

Ebenso war ich überrascht, als vor mir, in Reihe zwei, Joachim Hiller und Klas N Frick auftauchten, um ein wenig zu schwofen und die Bands zu feiern. Klar, mit Joachim hätt man ja schon rechnen können, ist ja schließlich das OX-Fest … allerdings ist Solingen ja nicht gerade um die Ecke bei Karlsruhe. Dazu Kalle Stille, der sicherlich ein paar hübsche Livefotos und Videos geschossen hat.

Die Zero Zeroes legten los.
Irgendwie hat das entspannt druckvolle Spiel was von einer Slacker-Band.

Im Grunde ja eine All-Star-Band. Viele Konzerte spielen die Herren gerade nicht, deswegen ist die Freude bei mir jedenfalls, immer groß. Garage mit einer ordentlich düsteren, nicht minder spielfreudigen, Note.

Danach spielten SYFF, ich kannte sie vorher nicht, insofern kann ich mich ja gänzlich unbeleckt überzegen lassen.
Hat nicht geklappt.
Im Grunde auch Garage-Sound, nur mit Synthie.

Die schweizer Band S.G.A.T.V. (was bedeutet das überhaupt – will ich das wissen?) überzeugten auf voller Länge mit ultralangen Songs.
Dazu dieses Hardrock-Outfit-Synthie-Ding.
Also ich kann nicht mit Kalle Stille gehen, der meinte, dass das Line-Up einfach 4 mal gut war.
S.G.A.T.V. spielen halt noch mehr mit den Synthies, war ein super Sound, aber weniger Garage und mehr Rock und Pop.
Klar, die Band spielte super auf und das Publikum vorne hatte massiv Spaß.

Ich hatte keinen Bock auf Spaß, ich wollte pogen und schubsen.
Und dann kamen Hammerhead.
Und es war so, wie erwartet. Irgendwie auch „leider“, aber trotzdem gut.
Es macht schon richtig Bock, so ner prolligen, zynischen Band zuzuschauen und so  richtig eine vor den Latz geknallt zu bekommen. Ich stand am Rand des Pogopit und habe folgendes Video für euch aufgenommen:

Es war ein schöner Abend, wobei mir die schönen Menschen (aus Lahr, Freiburg, Stuttgart und wo sie alle her angereist waren) am besten gefallen haben.
Niemand liebt dich mehr.

MC: blert – s/t (demo)

blert plärrt ordentlich aus den Boxen. Garagepunk mit einer Sängern, die sich anhört als wäre die Sängerin von Berlin 2.0 mal so richtig, richtig sauer. Sie rotzt echt ordentlich was ins Mikro.

blert hat mich jetzt nicht sofort gepackt, denn Garagepunk verfolgt dann doch immer wieder die gleichen melodischen Muster und Beats. Klar, dieses straight nach vorne Ballern geht manchen Punkband ja ab, wenn sie da mir ihren Stroke-Downs Midtempo rumscheppern.

„fallout“ ist ne schöne Abwechslung. Wenn dieses kehlige „down down down“ im Mikro landet hat man einfach total Bock mitzubangen.
Cool.
Der fünfte und letzte Song auf diesem Demo-Tape ist „painwolf“, beginnt schön melodisch und wickelt eine musikalische Spirale nach oben und hat ein gutes, ausgespieltes Ende.

Kurzweilig, gutes Artwork, auf beiden Seiten die 5 Songs, erschienen bei Back Cat Tapes.

MC: dirk and the seconds – fix it (now)

Mal anders rangehen: ich starte das UND die Aufnahme mit meinem Gequatsche gleichzeitig. Quasi ein abgetipptes Unboxing.
Dirk and the Seconds heißt die Band. „fix it (now)“ präsentiert sich durch ein Cover mit einem Hund, der bellt und in der Mitte durchgeschnitten ist. Witzig.
Sehr übersichtlich. Auf der Innenseite präsentiert sich zwar nicht der „Schneider“ dafür aber de Gejagte!
„special one“ ist ein nicer Garage-Song, habe aber schon lang kein gewöhnlicheres Solo gehört.
„too young“ erinnert mich an einen Song aus den 80ern.
Dirk and the Seconds machen da einen recht coolen Garage-Song draus, der englisch angehauchte Wave, der da drin steckt macht eine gute Gesamtstimmung.
Dann brauche ich zwei, drei Songs, da mir die Melancholie gut gefällt. Strg-Z haben ein ganz klasse Album in diesem Stil rausgebracht. Weniger Gargage als Dirk and the Seconds – dennoch einen kleinen Vergleich wert,
und der Sänger hat eine etwas roughere und leidendere Stimme!
Der mit Frauenstimme versehene Titeltrack „fix it“ ist in seiner poppigen Hook der Banger auf der Seite eins; und dazu noch kurz und knackig!
„insanity“ ist ein Midtempo, welches die Band gerne mag.

All in all eine kurzweilige Garage-Veröffentlichung.
Erschienen via Black Cat Tapes.

 

video: reverend beat-man & milan slick – what is wrong with the people in this world today

Seit kurzem gibt es vom Bierschinken eine wöchtnliche Videoplaylist, verzeiht mir, wenn ich sie erst entdeckt habe, weil sie auch die Videos von meiner Band paddelnohnekanu beinhaltet.
Die Playlist ist deswegen trotzdem recht erfrischend und lädt ein, die ein oder andere Entdeckung zu machen.

Überhaupt ist diesmal die Playlist äußerst reizend, die da zusammengestellt wurde. Klar, es liegt ja „nur“ an den momentanen Erscheinungen.
Meine absoluter Fav:

Ist das nicht mal ein schönes Video von Reverend Beat-Man geworden?
Passendes Ambiente, tolle Ausstattung, farblich wunderbar in Szene gesetzt.
In einer Zeit, in der Videos im Grunde keinen wirklichen Wert mehr haben, weil sie einfach bei Youtube (und manchmal auch bei vimeo) weggespült werden, ist dieser Clip hier eine ganz famose Abwechslung.

Wunderbares Schnippel-Video
La Securité – Bingo
Dann dieses super Shirt des Sängers mit der blutigen Nase:
Real Farmer – Heart out
(wohl die garagige Band-Version von den übergroßen Bear vs. Shark – ich hab mir gleich mal alles mögliche reingezogen!)

MC: apéro – cold drinks, cool snacks

Ob ich das Tape besprechen möchte? Tommy macht tolle Sachen. Ein ständiger Garant für gut gespielten, witzigen, fantasievollen, lärmigen Punk!
In diesem Falle ein bisschen weirdo.
Bei Apéro hat er (allein bestimmt nicht 😉 ) diesmal die ätzendsten Instrumente der Rockmusik „i like rock“ (sure?) zusammengebracht, um daraus das zu machen, was gerade hier läuft.
Egg Punk ist in dieser schnelllebigen Punkrockzeit ja schon fast tot. Wäre da nicht Apéro!
Drums vom Computer, Synthie und ne leiernde Matschepappe-Gitarre und verzerrtem Gesang.
Ich nehme mal vorweg, dass es eine Kunst ist, erstmal hart extrem an jedem Effekt, den man benutz, ganz dolle auf die 10 zu gehen, um dann einen Gesamtsound daraus zu malträtieren. Anspieltipp ist „pony rehab“.

Von Anfang wird das gekrönt direkt mit dem „tribute to apéro“ – eigentlich wollen sie ja gar nichts mit uns machen „All I want to do – Is nothing with you“. Was nicht der einzige Tribut beliebn wird, sie haben auch noch einen tributischen Stinkefinger für Dwayne Johnson im Gepäck, und einen für Neil Young, ich glaube, sie mögen ihn nicht.
Im Grunde hauen sie in jedem Song textliche Kleinode infantilen, fast schon Dada-istischen Humors raus.
Man meint, dass die Lyrics erstmal gar nicht wirklich was sagen, aber dann kommt der Oneliner, der alles weggkickt, ohne einmal „fuck you“ zu sagen.

11 Songs in 12 Minuten. Yeah.
Raus bei Rilrec.

MC: exceeded capacity – demo II

Glücklicherweise kenne ich die Band seit dem ersten Song.
Exceeded Capacity ist ein Kind von Joe, der hier auch als Gastschreiber tätig ist, allerdings auch ganz doll viel kreativen Output am Start hat.
Bei Krachige Platten hat er schon zwei Compliations mit seinem Oevre herausgebracht, mit EITR (zweite Auflage am Start) und Rontgen auch zwei Bands, und nun also das neue Demo, schlicht „II“, via Kink Records.
Ich bin ein bisschen neidisch, aber Kink passt da schon ganz gut. Nächste Stufe bitte dann Refused Records als Coop!

Also Exceeded Capacity haben 10 Songs in knapp 20 Minuten, zwischen Hochgeschwindigkeit und gediegenem Geballer.
Nein, das ist schön schrammeliger Garage Hardcorepunk. Büschn Fastcore.
Klare Texte und mit dem ersten „DSDS“ fange ich gleich mal an:

Deutschland spannt den Superstrick
Angenehm knackt das Genick
Letzte Ruhe, nicht zu retten
die wir uns auf Lügen betten

„demokratie“ – „artikel 3“ oder eben „DSDS“ sind schon sehr klare Einordnungen der bestehenden Verhältnisse, und die finden wir (ich schließe mich da ein) nicht gut.
Zwischendurch auch mal gedanklich etwas abschweifen in ein „portal“ bei einem „abendspaziergang“ – auch schön. Ja, nehm ich mal so mit.

Was Exceeded Capacity total cool machen ist, das sie abwechslungsreich von Anfang an so ne Viertel (oder halbe?) Note an einen Part angehängt wird, an den nächsten wieder nicht.
So wird das Songwriting unrhythmischer, nicht aber das Spiel. Der Drummer hält diesen Break-Wahnsinn mit seinen Stöcken ganz gut beeinander.
Die Band erinnert mich so an Briefbombe oder Loser Youth oder eben auch Jodie Faster. Zum einen liegt das am teilweise sehr trockenen Gitarrensound, aber auch an der Direktheit des Ungestümen.

Gibts hier zu kaufen
Kink Records

 

 

und hier noch das alte demo. einfach mal als YT link.

digi: warblob – tape recording

Alright! Warblob! HC/Punk aus Los Angeles, CA, USA!
Aufmerksam geworden auf die Band bin ich durch den Vokalisten, Sean, der auch Schlagzeug bei Surfbort spielt. Auf Surfbort wiederum bin ich vergangenen Sommer total kleben geblieben und habe die Band seitdem regelmäßig auf den Ohren.

Warblob läuft mir aber genauso gut rein: Primitive Musik von begabten Musikern, da geht mir das Herz auf! Das Release ist übersäht und aufgefüllt mit irgendwelchem Krach, Cuts und Klang-Collagen, die wirken wie Zement zwischen den Liedern. Das Ergebnis trifft mich jedes Mal wie eine Mauer aus Ziegelsteinen mit schäbigen Graffitis, fuck yeah!

Erster Track: „Warblob“ von Warblob! Der Sänger singt oft das gleiche, irgendwie geil. Ist es das, was man „Pocket“ nennt? Die Vocals haben einen eigenen Groove, trotz der betonten Stumpfheit. Zweiter Track, eine Bassline für die Götter, dazu dissonante Gitarrenmelodien. „I’m not talking to you. You’re not talking to me.“

Im folgenden wird auch gerne mal ein Takt eingeschoben, that’s songwriting, Baby! Düster geht es einher, der Drummer hat es echt drauf, geile, simple Parts, tolle Dynamik und teils höllisch schnell gespielt.

Das kann man auch auf YouTube bewundern, es gibt eine recht gute Aufnahmen eines Auftritts einer lokalen Show in Los Angeles.

Dann eine neue Szene-Hymne: „You smell like weed and butthole“, wer kennt es nicht, diese Typen aus dem Bus oder dem selbstverwalteten Kulturzentrum, die schlicht nach Arsch riechen.

Die Herren Warblob wissen einen musikalischen Bogen zu spannen, wie „Terror Fried“ zeigt. Am Ende des Liedes, Mucho, nimmt der Track nochmal richtig Fahrt auf, mucho geil halt.

Von langsam bis schnell ist alles dabei. Die Songlängen bewegen sich zwischen einer Minute und Dreißig und zwei Minuten. Gönnt euch dieses hochverdichtete Stück Punk und werdet Teil des (War)Blobs!