MC: zukunft zwei – geister

Von der Band Zukunft Zwei habe ich mir via ihrer Bandcampseite ihr erstes Tape bestellt. Die Band kommt aus Pa-Pa-Paderborn und sie machen Punkrock im Stile von Lygo oder Herr Paulsen und das Zeitproblem vielleicht.
Sehnsucht und Melancholie wehen so durch dieses Demo, mir wird ganz kalt ums Herz, herrlich.
Emopunk, der ganz hervorragend aufgenommen, bzw. gemischt ist. Die vier Songs sind all in all echt rund. Haben ihre Ecken und ihren Pop.
Gut gesetzte Breaks, zwischen Hüpfen und straight-forward, ein paar Synthie-Teppiche, um den Sound noch voller zu kriegen. Gutes SOngwriting. Also bis hierhin schon mal alles richtig gemacht. Weiter!

Musikalisch echt abwechslungsreich, für einen Zwischendurch-Durchlauf, da die vier Songs echt kurzweilig sind, absolut gut geeignet!

DIY.

tourbericht: #3 être? (r.i.p.) – eastern europe august 2015

DIY or die – Etre im Osten Europas
Im Sommer 2015 hatten wir die Möglichkeit, unsere erste und bisher einzige Tour zu
spielen. Sie führte uns auf circa 6500 Kilometern 10 Tage durch den Osten Europas.
Im Nachhinein hat sich die Reise in unseren Hirnen zu einem ziemlichen Film
verdichtet. Trotzdem wollen wir versuchen, zu berichten.
Wir sind eine kleine Screamo-Band aus Hessen, die vielleicht in der mittelhessischen
Provinz zu etwas Bekanntheit gekommen ist, mehr aber auch nicht. Als uns Artem
von Cookiesounds DIY Gigs aus Odessa im Mai letzten Jahres anschrieb und fragte,
ob wir auf seinem Festival spielen wollten, freuten wir uns sehr über die Anfrage,
Odessa schien uns aber viel zu fern und zu gefährlich, denn irgendwie war da doch
Krieg. Wir teilten Artem unsere Zweifel mit, wobei wir die logistischen vorschoben.
Diese schien er nicht zu akzeptieren und in wenigen Tagen hatte er uns eine Liste
mit Städten, Venues und VeranstalterInnen, die auf unserer Route liegen könnten,
zusammengestellt. Wir ließen uns darauf ein und begannen, Menschen
anzuschreiben und weitere Möglichkeiten zu suchen. Plötzlich wurde die Idee so
konkret, dass die anfänglichen Zweifel in Euphorie umschlugen und tatsächlich
bekamen wir viel positives Feedback und die Tour stand.
Wir fragten Djaensen von unseren Freunden von Giessen Uebergrund, ob er uns mit
seinem Soloprojekt begleiten wolle und er sagte sofort zu. Auch unser Kamerakind
Simon ließ sich schnell überzeugen.
Fast am schwierigsten gestaltete sich das Mieten einer bezahlbaren Karre. Die
meisten Vermieter sträubten sich, wenn wir ihnen sagten, wohin die Reise gehen
solle. Schließlich fanden wir einen Bus in Berlin, den wir mieten konnten.
Am 17. August trafen wir uns am frühen Morgen in unserem Proberaum in der
Pampa nahe Fulda und beluden unseren Bus. Gegen Mittag wollten wir Richtung
Tschechien aufbrechen, unsere verpennte Euphorie wurde aber jäh gebremst: Der
Bus verlor irgendeine dubiose Flüssigkeit. Noch vor dem Start mussten wir in eine
nahegelegene Werkstatt abgeschleppt werden. Dort konnte das Problem in einigen
Stunden behoben werden, ob wir es bis zum Abend noch rechtzeitig nach Kutná
Hora schaffen sollten, blieb fraglich. Schließlich schipperten wir noch pünktlich in der
Kleinstadt circa 80 Kilometer hinter Prag ein, wo uns der Veranstalter Willi erwartete.
Willi, der unser Vater hätte sein können und sich auch etwas so gab, hatte es nach
eigenen Angaben vor einigen Jahrzenten von Holland nach Tschechien verschlagen,
wo er sich mit seinem Music-Club einen Traum verwirklicht hatte. Das Konzert war
kaum besucht. An der Bar im hinteren Teil des Raums saßen nur wenige Zuhörer,
die wahrscheinlich zum Inventar des Clubs gehören. Nach einigen Slivovitz mit ihnen
war die Stimmung dann aber doch ziemlich ausgelassen. Als Willi zu späterer
Stunde anfing, irgendwas von Hitler und der deutschen Geschichte zu lallen, war es
aber an der Zeit, ins Bett zu gehen. Willi gab uns Schlüssel und Adresse eine Hotels,
in dem man locker einen Horrorfilm hätte drehen können.
Am nächsten Morgen ging es im Regen weiter Richtung Bratislava. Wir kamen
gegen Mittag an und vertrieben uns die Zeit in der Altstadt. Am Abend spielten wir als
Support für die Band Jungbluth, die die Herzen der hardcoreaffinen Teile der
Reisegruppe höher schlagen ließ. Das Publikum war aber auch zu uns, die wir
deutlich poppiger sind, sehr gut. Bratislava scheint eine sehr lebendige
Hardcoreszene zu haben. Nach dem Konzert zogen wir mit Jungbluth und den
Veranstalterlnnen durch die milde Nacht. Zum Frühstück gab’s vegane Leberwurst.
Zum Fingerlecken.
Am 19. fuhren wir nach Bardejov und spielten dort in einer der exotischsten
Locations unserer Tour. Im dritten Stock eines mittelalterlichen Festungsturms hatte
ein Kollektiv von VeranstalterInnen einen runden Raum für Konzerte hergerichtet.
Wir erfuhren, dass 100-Kilometer-Fahrten zu Konzerten unbekannter Bands für
slowakische Jugendliche durchaus normal seien. Wir schliefen in dem Gemäuer,
während Fledermäuse um uns kreisten.
Gegen 5 Uhr brachen wir etwas verkühlt Richtung Schytomyr im Norden der Ukraine
auf. Wir konnten schwer einschätzen, wie lang es dauern würde, die Grenze zu
überqueren. Tatsächlich standen wir dort lange an, konnten die Grenze dann aber
passieren. Das mulmige Gefühl, das wir vor dem Grenzübertritt hatten (in Bardejov
hatte man uns von Schikanen der Grenzer erzählt), verließ uns in der Ukraine nur
kurz. Nach wenigen Kilometern auf ukrainischen Sandpisten, brach ein martialisch
aufgerüsteter Jeep aus dem Gebüsch am Fahrbahnrand und verfolgte uns. Der
Fahrer fuhr uns dicht auf, zog die Lichthupe und wollte uns wohl zum Halten
bewegen. Nach etwa einer halben Stunde, die uns deutlich länger vorkam, ließ er
von uns ab. Wer oder was, das war, können wir bis heute nicht bewerteten. Die Fahrt
durch den Norden der Ukraine dauerte lang. Die Schlaglöcher wurden größer, die
Dörfer ärmlicher. Immer wieder musste man Checkpoints der ukrainischen Armee
passieren, unsere Pässe wurden kontrolliert, es wurde gefragt, was man hier wolle
und es wurde mit Waffen aller Art gefuchtelt. Irgendwann merkten wir, dass wir durch

ein freundliches „Musicanti! Musicanti!“ unsererseits und das freigebige Verschenken
von Tourplakaten, die Sympathien der Grenzer erlangen und uns weitreichenderen
Kontrollen entziehen konnten. Im Dunkeln erreichten wir schließlich mit Verspätung
die Stadt Schytomyr nahe Kiew. Dort spielten wir in God’s Garage. Ein Clubhaus
eines christlichen (!) Bikerclubs und zeitgleich lokaler Antifa-Laden. Ziemlich
pragmatische Gebäudenutzung. Das Konzert war großartig. Wir spielten mit
mehreren lokalen Hardcoregrößen, das Publikum war kaum mit dem zu vergleichen,
was man aus Deutschland kennt. Während wir auf Konzerten höchstens mal mit dem
Kopf nicken oder Einzelne two-steppen, machte das ukrainische Publikum aus dem
Abend eine große Party. Trotz Sprachbarriere schrien einige unsere Texte mit und
auch Djaensen, dessen Musik ja noch textlastiger ist als unsere, wurde gefeiert wie
Ikke Hüftgold auf Mallorca. Leider mussten wir nach dem Konzert direkt weiter.
Unsere Routenplanung hatte sich als ziemlich naiv entpuppt.
Also weiter durch das ukrainische Hinterland Richtung Moldawien. Zur Nachfahrt:
müde, kalt, Sterne, Schlaglöcher, überproportional viele Tankstellen. Mittlerweile
roch es in unserem Bus wie damals in der Turnhallenumkleide.
In den frühen Morgenstunden erreichten wir die ukrainisch-moldawische Grenze.
Man hatte uns in Schytomyr einen relativ wenig frequentierten Grenzübergang
empfohlen. Ein ziemlich einschüchterndes Gebilde aus Stacheldraht und Beton. Auf
ukrainischer Seite antwortete uns die Grenzsoldatin in unserem Alter auf die Frage,
ob man das Tor zum Passieren öffnen könne noch mit „Why not?“. Auf moldawischer
Seite war die Kommunikation dann etwas komplizierter. Glücklicherweise hatten wir
alle wichtigen Dokumente im Vorhinein in die entsprechenden Amtssprachen
übersetzen und beglaubigen lassen. Die Stempelsammlung überzeugte und wir
durften einreisen.
Moldawien ist das ärmste Land Europas und das merkt man. In der moldawischen
Hauptstadt Chisinau trafen wir den Veranstalter des Abends und fuhren mit ihm zu
dessen Mutter, die für uns gekocht hatte. Spätestens jetzt fragte sich wahrscheinlich
jeder von uns, ob es nicht arrogant ist, als deutsche Mittelstandskids durch die
Armenhäuser Europas zu heizen und sich von Menschen, die ihr Jahresgehalt
berappen müssten, um die Miete unseres Busses zahlen zu können, bekochen zu
lassen.
Das Konzert am Abend war gut besucht. Wir spielten mit einigen lokalen Bands. In
Moldawien scheint es eine lebendige Djent-Szene zu geben. Auch wenn wir da mit

unserem Schreipop etwas rausfielen, war das Publikum ähnlich motiviert wie am
Vorabend.
Nach einer Nacht im Hostel und einer kleinen Kollision mit einem moldawischen
Gartenzaun, fuhren wir am 22. August zurück in die Ukraine nach Odessa. Die
Vorfreude war groß, denn schließlich war Artems Suicide Fest der Anlass unserer
Tour. Nachdem wir an der Grenze und an diversen Checkpoints wieder einige
Tourplakate losgeworden waren und uns ein moldawischer Grenzbeamter in
fließendem Deutsch von seiner Zeit in Ostberlin vorgeschwärmt hatte, erreichten wir
gegen Mittag das sonnige Odessa. Eine beeindruckende Metropole voller Touristen
und Luxuskarossen. Vor dem Konzert nahm sich Artem Zeit für ein kleines
Touriprogramm. Das Konzert war grandios, wir hörten viele großartige ScreamoBands und spielten vielleicht unser bestes Konzert jemals. Das Publikum bestand
aus einem Haufen Hardcorekids, die ähnlich wie schon in Schytomyr eine
beeindruckende Stimmung verbreiteten. Nach dem Konzert sprachen wir
zwangsläufig mit Artem und anderen über den Ukrainekonflikt. Kurzfassung: 1. So
eingefroren wie wir dachten, war der Konflikt zum damaligen Zeitpunkt nicht. 2. In
Odessa fühlt(e) man sich von der EU im Stich gelassen. Wir schliefen bei einem
jungen Pärchen, das extra seine kleine Wohnung für uns geräumt hatte und während
wir uns auf dem Boden ausbreiteten, die Nacht im Sitzen verbrachte.
In den frühen Morgenstunden des nächsten Tages brachen wir zur längsten Etappe
der Tour nach Brasov in Rumänien auf. Das Navigationsgerät, das bis dahin relativ
zuverlässige Dienste geleistet hatte, zwang uns, die Geländegängigkeit des Busses
zu testen und führte uns über Feldwege querfeldein. Wir verbrachten mehrere
Stunden damit, neben dem Bus herzulaufen und Baumkronen auf die Seite zu
ziehen, während einer von uns versuchte, das Gefährt im Schritttempo nicht im Sand
festzusetzen. Als wir gegen Nachmittag noch immer nicht in Rumänien waren, riefen
wir den Veranstalter des Konzerts in Brasov an und wollten eigentlich absagen.
Dieser sagte nur, er werde schon eine Lösung finden. Schließlich erreichten wir
gegen 24 Uhr die Venue. Ein Proberaum in einer alten Fabrik voller Menschen. Der
Veranstalter hatte es geschafft, mehrere lokale Bands spontan zu gewinnen, die den
ganzen Abend gespielt hatten. Auch das Publikum war geblieben.
Für den nächsten Tag war kein Konzert geplant. Wir fuhren durch Rumänien. Jede/r
die/der sagt, man könne sogenannte „Wirtschaftsflüchtlinge“ nicht tolerieren, sollte
eine Nacht in einem Wellblechhaus in einem rumänischen Dorf verbringen müssen.
Wir schliefen in einem Hostel in einer Stadt, deren Name wir vergessen haben.
Am nächsten Tag weiter nach Polen. In Tarnow spielten wir das vorletzte Konzert
unserer Tour. Das Konzert war gut besucht und die Leute waren fast so ausgelassen
wie an den Abenden zuvor. Als ein Mitglied der Hard-Rock-Vorband irgendwelche
Faschodeutschlandscheiße brabbelte, wiesen wir ihn zurecht und setzten uns mit
den VeranstalterInnen ab. Es war dunkel. Es gab Martini.
Letzter Tag: Wir fuhren nach Deutschland. In Chemnitz spielten wir unser letztes
Konzert, das uns wieder auf den harten Boden der deutschen Konzertrealität
brachte. Unser Publikum bestand aus einem Altpunk. Der fand’s so mittel gut.
Ohne pathetisch werden zu wollen, war die Tour für uns alle eine besondere
Erfahrung, die uns mit vielen liebenswerten Menschen in Kontakt gebracht, mehr
Fragen gestellt als beantwortet und uns ziemlich dankbar gemacht ha

MC: brave men run – home (zine edition)

Es folgt der vielleicht kürzeste Review ever:

Brave Man Run kommen aus Neuss und haben ein schlichtes, grünfarbenes Tape mit einem A6-Booklet rausgebracht.
Das schaut schon mal sehr schön aus.
Ein verlottertes Kreuz macht sich auf, eine Vogelscheuche zu sein.
Der Release heißt „home“ und es gibt 10 Songs zu hören.
Alle Texte sind handschriftlich abfotografiert und teilweise collagiert im Booklet.

Die Musik vom Duo ist so eine Dinosaur Jr., Sonic Youth-Geschichte und ja, ich tippe nur, da sich dieser Teil der Grunge, Indie-Musik irgendwie bei mir nie verfangen hat. Was nicht heißt, dass das nicht ein echt guter Release ist.
Sie nennen es Noise Pop.
Erschienen bei Moertel Sounds in 50er Auflage.

LP: cataphiles – shadow self

Cataphiles sind mir mit ihrem ersten, selbstbetitelten Album schon aufgefallen und ich hab mir die Special Edition mit Risoprint-Cover bei Sabotage Records bestellt.
Und dann war ich so ein bisschen überrascht ob der Musik und stellte die Scheibe für eine ganze Weile zurück in den Stapel der Neuentdeckungen „hör ich mir später nochmal an“ geschoben.
Das ist lange her gewesen, als mich die Nachricht erreichte, dass Cataphiles eine zweite LP rausbringen namens „shadow self“.

Zehn Songs sind drauf und der erste Gedanke, die erste Assoziation, die mir kommt ist die musikalische Symbiose aus Fliehende Stürme und Dead Years, beides verdammt gute Bands.
Cataphiles haben ihren eigenen Stil gefunden, wie sie Gitarre, Bass und Drums im Songwriting zusammensetzen. Den Synth und die beiden Gesänge darüber legen.
Die weiblichen Vocals verstehe ich da akustisch wesentlich besser, die male Vocals kommen recht düster.
„underground“ und „the privileged“ sind Songs, zu denen ich nur schwer Zugang finde. Und insgesamt merke ich, dass das fordernde und gelichzeitig drückende Tempo der Songs mich auf eine Art triggern, dass ich unterschwellige Aggressionen spüre.  Auch nach dem dritten Durchhören.
Das liest sich jetzt vielleicht wie eine negative Kritik, nein, als Ganzes sind die Songs echt gut, ein stimmiges Album; ich kann das nur nicht am Stück hören!
Das Songwriting ist sehr klar, kurzer Start und dann recht stringente Parts. Keine zusätzlichen Experimente mit Ausflügen in diverse Genres.
Textlich eher persönliche Geschichten und mehrsprachig. Französisch, deutsch, Englisch. Total gut.
„i dance alone“ ein Favorit!

Schönes Artwork! Mag diesen Schriftzug sehr gern.
Texteinleger.
Erschienen (siehe oben) bei Sabotage Records.

7inch: tics – unmirrored gaze

Tics haben eine neue 7inch raus und sie heißt „unmirrored gaze“ und ist eine EP.
Zuerst einmal muß ich feststellen, dass das Artwork bemerkenswert struktuiert ist! Es ist von hugguespzzl, der wohl tendenziell von der Atlantikküste (Bretagne) in Frankreich kommt und recht viel macht für Bands wie Syndrome 81 und Meat Shirt.
Nun, das Besondere ist: es ist einfach nur ein Coverfoto drauf, da stehen auch schon direkt, wer das gemacht hat, auch die Titel, die „normalerweise“ auf der Rückseite stehen. Wo es aufgenommen und gemixt wurde.
Auf der Rückseite dann zwar auch noch das Label, auch die Texte.
Das gibt dem Artwork schon einen besonderen Look.

Tics hatte ich abgespeichert als so artsyfartsy Noisepunk oder so. Eine, die mir so gar nicht gefallen hat.
Bei der Recherche stelle ich fest: ne, das ist die gar nicht. Hab ich irgendwie falsch abgespeichert. Also ran an die Musik:

Tics sind recht angenehme Vertreter einer noise-wavigen Art und Weise Punk zu spielen. Ein paar Sprenkler Alternative. Recht eingängig und melodisch.
Die ersten drei Songs sind auf deutsch gesungen und wurden bei Thomas Götz (Tomateplatten) in Berlin aufgenommen. Bisher kam auch alles von ihnen dort raus, diesmal sind sie zu Mörtel Sounds gewechselt. Auch ein sehr gutes Label!
Letzter Song ist auf englisch und im Wohnzimmer aufgenommen. Das klingt auch so und dieser Track ist ein netter Rausschmeißer.
Insgesamt vier gute Songs auf einer gut aufgemachten 7inch.

Diese 7inch ist schon im Januar erschienen. Huch, kann mir gar nicht vorstellen, dass die schon so lange bei mir liegt, aber… man weiß ja nie bei mir. Denke aber, ich habe sie mit der Zuckerbecker LP zugesandt bekommen, die demnächst auch eine Review bekommt!

 

LP: ditz – never exhale

(wer es noch nicht beim vinyl-keks gelesen hat, dann hier:)

DITZ – never gehört. Als die sehr einfach aufgemachte Platte auf dem Teller lag, die Nadel in die Rille schlüpfte, die ersten Töne aus den Boxen hüpften: da war es um mich geschehen.
Das geht richtig gut los und hört im Grunde bei keinem Song auf, bleibt nicht stehen, unaufhörlich.
Ich nehme es also vorweg: was für ein tolles Album!

Intro passt schon mal, dann kommt „Taxi Man„.

Ein wirklicher Banger. Das Stück ist ein halbwegs melodischer Noise-Opener.
Es folgen „space/smile“ und „senor siniestro“ die mich erstmal noch nicht so richtig fetzten, bis dann „four“ mit seiner sägenden Gitarre, dem superryhthmisch minimalistischen Drumpattern und den erzählenden Vocals meine volle Aufmerksamkeit hat.
DITZ spielen mit maximalem Minimalismus. Ganz reduzierer Gesang, nur sprechend, ohne irgendwann lauter zu werden, dafür alles um die Sprache herum.
Ein bisschen Synthie, ein bisschen Zerre auf den Vocals, dieser „the Matrix“-Telefonsound. Irgendwie ist die erste Seite verflucht schnell durch.

Und dann kommt Seite zwei (Überraschung!) – da ist kein einziger Song mehr, den ich nicht gut finde!
smells like something died in here“ ist ein so famos cooler Track, erinnert mich an eine Mischung aus den Sleaford Mods und einer Noiseband, die Bock auf Doom hat. Schön schleppend. (future of the left als Beispiel)

18 wheeler“ ist dann ein sehr noisiger Track, der total gut runtergeht. „the body as structure“ und „britney“ eröffnen dann etews Neues, da da ein wenig Post-Punk durch, weil da aus dem Krach doch auch ein paar Melodiebögen herausperlen.
Sehr minimal eingesetzte, sehr gut umgesetzte Ideen. Ein schwerer Bass, wenig Drums, das die Beats dezidiert gekonnt einsetzt. Keiner drängt sich in den Vordergrund und trotzdem maximaler Output.

Keine Ahnung, was die vorher so gemacht haben, ist nicht ihr erstes Album.
Ich hör dann mal weiter!

DITZ.
Self-Released, in Europa auf schwarzem Vinyl, GB/Australia auch in pink und marbled.
Zweite Auflage in Orange via Bandcamp!

 

video: berlin 2.0 – erlösung

Mal vorneweg ein gutes Stück Musik von Berlin 2.0
Toller Text und die absolute Reduktion auf das Wesentliche mit den Instrumenten ist echt ansprechend.
Weswegen ich das Video poste:
ich hab tatsächlich Schwierigkeiten mit diesem ganzen KI-Kram. Wie geht es euch damit? Findet ihr das gut, dass viele Bands jetzt darauf zurückgreifen, um Inhalte der Texte zu verdeutlichen oder zu überhöhen?

Freue mich auf jeden Fall auf das neue Album, zu gegebener Zeit gibt es auch ein paar Worte dann dazu. Erscheint Anfang August via Kidnap Music.

LP: senor karoshi – egosystem

Ein neuer Release bei Krachige Platten erblickt das Licht des deutschsprachigen Musikkosmos.
Yeees.

Schon 2016 besprach ich die Split 7inch mit der Band Außer Ich. Empfand Senor Karoshi immer als außergewöhnlich und mit ihren Hooks und Lyricaskaden als … hm, schlau. Klingt vielleicht ein bisschen zu schlau, aber he, et is wie et is, sacht der Kölner.

Bevor ich mich in Privatem ergieße: die Musik von Senor Karoshi würd ich doch am ehesten als Elektro-Deutschpunk beschreiben! Das Songwriting ist im Grunde simpel, durch den phantasievollen Umgang mit den Instrumenten und dem wirklich gelungenen Mix, obendrauf die Lyrics – bei denen man wahrlich nicht weghören kann – ein 10 Song Reigen, der jede Minute lohnt!
Was soll ich die Songs nun im einzelnen loben, wenn ich sie rausbringe. Da würdet ihr doch denken, das ist Lobhudelei. Ist es so schon.
Ich würds nicht rausbringen, wenns nicht geil wäre.
Also erfahrt ihr hier nun: wie sind wir denn zusammengekommen?

In den letzten Monaten bekam ich mit, dass sie eine Starnext Kampagne gestartet hatten für ihr neues Album.
Irgendwie kam es dann durch ein paar Mails zustande, dass ich als Label doch noch mit eingestiegen bin. Was man dann noch macht, wenn alles finanziert ist: klar – sich zurücklehnen und zuschauen, wie gut alles läuft!
Nein, ein wenig Promo, digitales Release an den Start bringen, Mailorder „befüllen“. Ihr bekommt die Platte natürlich auch, wenn ihr mehr bestellen wollt, bei Tante Guerilla und bei Flight 13.
More to come!
Und ich kann euch wirklich sagen: das ist nicht leicht, die Releases unterzukriegen. Wer also n guten Kontakt zu nem Mailorder oder Plattenladen hat – let me know. Meine Releases, auch gerne die MC-Sachen, würde ich schon gerne unterbringen!

Hier ein nices Video zur Einstimmung, mein Fav:

 

LP: tu la llevas – s/t

My Ruin ist ja inzwischen schon auch recht breit aufgestellt, was die musikalischen Erzeugnisse anbelangt.
Da gibt es Metal, Hardcore, NewWave, PopPunk, irre.
In diesem Fall hat Rosi mir mit dem ok nein Album, noch tù la llevas mitgeschickt. Sieben Songs Emo / Alternative drauf.
Ein Trio, was wohl in Deutschland lebt (Hamburg), und aus Griechenland, Spanien und Italien kommt; soweit ich das oberflächlich recherchiert habe. 
Sie singen auch auf Spanisch.
Die ersten beiden Songs „terremoto“ und „los jazmines“ sind etwas fordernder als der dritte „jonas“. Der Vierte ist nur ein Skit, aien instrumentales Zwischenstück namens „schellingstrasse 75“ – ich gehe mal davon aus, dass es der Ort der Freiheit ist: der Proberaum.
Der Sound ist insgesamt etwas schmutziger, klirrender, was die Gitarren anbelangt. Fast schon ein weng übersteuert wirkend, wobei fast keine Verzerrung auf den Saiten stattfindet.
Sehr entspannte Musik in meinen Ohren. Und das längste Stück auf dieser Scheibe mit sechs Minuten.
Letztes Stück „rivas va hacia madrid“ gefällt mir wieder richtig gut, was tù la llevas formen die Atmosphäre in ihren Songs in ihrer Einfachheit. Das ist das spannende an der Band.
knapp über 25 Minuten Musik in einem sehr schlichten Artwork. Die Farbwahl finde ich aber wiederum echt gut!
Ihr Bandname, so schreiben sie, „Tú La Llevas is spanish for „you got it“ and our answer to Yo La Tengo“ (wobei das dann wiederum in etwa dasselbe bedeutet)

Ich würd ja nun gern selbst was über „file under ____“ schreiben, aber ich kenne keine vergleichbaren Bands.
Zitat vom crossedXletters blog: „…Standstill, Catarata, It’s Not Not, Schedule, Heroes Del Corazon (haha), Madee oder Maple (auch haha, die haben doch alle gar keine bis wenig spanischsprachige Songs) erinnern? ..:“

LP: freunde der italienischen oper – kassandras komplex

Schon zig mal angehört.
Also ich muss schon sagen, wenn mich eine Platte fesselt, dann kann ich das selten in richtig gute Worte fassen.
Ich bin über dieses Video gestolpert, „ikarus – she kill the laugh“ von 1989 (!!!) in schwarz-weiß gedreht. 

Kann man nur direkt in der Tube anschauen.

Der Einsatz der furztrockenen Gitarre. Dazu der dengelnde Bass. Drüber der pathetische (opernhafte) Gesang. Und doch gesprochen.
Manisch. Das fordernde Tempo. Das beißt, das zieht, das zerrt und fordert dich zum Tanzen! Dich darin zu verlieren, wo dann doch die Vocals zu fordernd und mitrei0end, da muss man einfach zuhören!

Nach der letzten Faustaufführung verschwand der Film für 32 Jahre im Archivschrank. Da der Song des Filmes erst jetzt für den neuen FDIO-Tonträger „Kassandras Komplex“ eingespielt wurde, hatte Ray van Zeschau den Wunsch, den Film aus dem Dunkel des Archives zu befreien und ihn nach 35 Jahren endlich wieder mit der Musik zu vereinen. Im April wurde „Ikarus – She Kill The Laugh“ erstmals anlässlich des International Short Film Festival Dresden wieder aufgeführt.

Geil.
Die Platte musste also her und das Majorlabel war so nett, mir eine zum reviewen zu schicken.
Die zweite Seite ist schon fast die großartigere Seite der Schallplatte von Freunde der italienischen Oper.
„des volkes jammer“ ist ein Volltreffer. So klar und wütend  und hinterlistig böse vorgetragen, dass es genau das trifft, was eigentlich soviele Leute in Ost & Wets denken. Stattdessen gucken wir zu, wie diese rückwärtsgewandte Minderheit alles in Frage stellt und damit verunsichert.
Es gibt überhaupt viel zu berichten über diese Band. Denn Sänger Ray van Zeschau ist auch Schauspieler, Produzent und macht Regie. Dazu sind diese Songs auf der LP „kassandras komplex“ auch eine Art Rückschau, denn es sind nicht alles neue Songs sondern nur endlich mal eingespielt!
Da kann man ja von Zeitlosigkeit sprechen.

Das Artwork, das Foto mit dieser stierenden jungen Dame ist großartig!
Auch die Fotoarbeiten sind auch vom Sänger. Tolles Booklet dazu.
Die Texte der Freunde der italienischen Oper sind super gut, auch mal in englisch;  die Band mischt Rock mit Post-Punk und Wave, etwas Rock’n’Roll (den man schon sehr klar in den Riffs und der Intonierung der Solos raushört). Und sind dabei ausgesprochen düster.
Es geht um Tod, Zerfall und das Alleinsein.

Ich fürchte, ich muss diese Band mal live sehen.

Majorlabel.