interview: #4 – kuballa – punkrock – ludwigshafen

Der Kalender zeigt Oktober und zwei megageile Punkbands aus Baden-Württemberg machen sich auf eine ausgiebige Tour durch: Baden-Württemberg! 3 volle Abende stehen an in Ludwigsburg (DemoZ), Schramberg (zodiak) und in Singen (t-Stube) – wir berichteten!!! (www.provinzpostille.blogsport.de)

In jedem Fall ein Top-Anlass, mir die Zeit zu nehmen und die Band mit Fragen zu löchern. Mal abgesehen davon, daß sie gemeinsam in einer Band spielen, haben sie ein recht aktives Leben in Ludwigsburg. Andere Bands, politische Gruppen und eine Radiosendung!

PP:
Ich fang mal ganz aktuell an, ihr habt eine neue Single „auf dem Weg durch die Zeit“ (das ist die Zweite nach der Ersten „kein Land in Sicht“!) – wie wurde die bis jetzt angenommen und woher habt ihr den Titel?

T:
Der Titel ist eine Zeile aus einem Lied, der uns allen gut gefallen hat und auf der Suche nach einem Titel für die Single haben wir uns darauf dann geeinigt.

PP:
Welcher Song?

T:
Ich hätte es schon gesagt wenn ich es gewusst hätte
(alle lachen…)

PP:
Schreibst du, Tom, die Texte alle?

T:
Ja, weil ich die ja dann auch singen muss.

PP:
Wird intern diskutiert, welche Themen in den Lyrics behandelt werden?

M:
Für uns ist das so, dass wir alle die Art mögen wie Tom die Texte schreibt. Von daher war da bisher nichts dabei, bei dem es jetzt wirklich riesengroße Diskussionen gab. Der Style ist halt so ein bisschen kryptisch, da kann sich jeder sein Teil denken und das passt ganz gut so.

PP:
Dann möchte ich mal über den Sound sprechen, in meinen Ohren hat der sich mit dem Einstieg von Marta nicht groß geändert, war das eine ganz bewusste Entscheidung so weiterzumachen? Manche Bands verändern mit neuer Gitarre ja auch den Sound; oder das Songwriting.

T:
Also ich finde das sich schon etwas verändert hat, weil sie viel besser spielt als ich, und technisch versierter ist. Das macht schon einen großen Unterschied, denn nun gibt es viel mehr Möglichkeiten. (Marta spielt(e) / inzwischen gibt es die Band nicht mehr) auch Gitarre und singt bei MINUTES FROM MEMORY, Anmerk. d. Verf.)

M:
Soundtechnisch und aufnahmespezifisch stellen wir immer wieder fest, dass wir noch nicht bei unserem Wunschsound angekommen sind. Es ist jedes Mal ziemlich schwer das so hinzubekommen. Da sind wir aber auf dem Weg. Und es hängt natürlich auch von dem Menschen ab mit dem aufgenommen wird. Jetzt sind wir 90% zufrieden, es klingt teilweise etwas komprimiert. Grundsätzlich möchten wir mal in eine eher organische Richtung gehen. Rauer auch.

Das Digitale wollen wir bei den nächsten Aufnahmen eher weglassen oder minimieren. Bisher sind wir absolut zufrieden, also in einer guten Entwicklung aber noch nicht im Stadium der absoluten Glückseligkeit angekommen!

T:
Was mich selbst auch noch mal überrascht hat, als ich die Single zum ersten Mal zuhause aufgelegt habe, das das viel näher an dem ist, was wir möchten, als die MP3 oder Computerdatei. Das hat mich dann beruhigt. Wir hatten natürlich auch viele verschiedene Mixe am Start und das war schwer sich durch zuhören und sich zu finden. Ich leg mir also am liebsten die Platte auf und dann gefällt mir das!

PP:
Ja auf jeder Anlage klingt das immer anders, fast zum Verrückt werden. Kommen wir aber nochmal zurück auf deine Texte: im Song „Alabama sprichst du fremdenfeindliche Übergriffe auf Wohnheime an. Gesangs technisch sprichst du mehr, was du so noch nicht gemacht hast. Was hat dich dazu bewegt das so direkt anzusprechen?

T:
Die AFD ist in Ludwigsburg und Stuttgart genauso durch die Decke gegangen wie überall, sag ich mal. Es ist so bei uns, dass wir alle politische Menschen sind, unser Plan nicht der ist, dann auch eine politische Band zu sein. Mir war das für diese Platte ein Anliegen die Thematik Rassismus endlich aufzugreifen. Ansonsten ist es so, dass es mir in meiner eigenen musikalischen Sozialisation so erging, dass ich teilweise auch nur Textfragmente an Texten voll gut fand. Und ich habe das Gefühl, dass ich Texte schreibe bei denen nicht unbedingt direkt aus dem Zusammenhang eine Geschichte entsteht. Irgendwo passen die Worte schon zusammen, doch es sind eher Textfragmente. Das kommt bestimmt daher, dass mir früher beim Hören von Texten immer einzelne Zeilen im Kopf geblieben sind. Ohne den Rest der Geschichte.

PP:
Beim Punk ist das ja oft so, du hast auf der einen Seite Bands die die Slogans raus hauen und die klaren Worte finden. Und auf der anderen Seite der deutschsprachige Punkrock, bei dem man fragmentarischer vorgeht.

T:
So machst Du das ja auch, ist zumindest mein Eindruck.

PP (hier als Sänger von pADDELNoHNEkANU):
Ja klar, ich versuche so eine Strophe zu machen und wenn der Inhalt einen Sinn ergibt, dann wird die nächste Strophe ähnlich, aber anders. Wird eine andere Message. Für mich ist es immer so, dass man halt die Chance hat mit einem Text das Leben abzubilden. Nicht nur was einen beschäftigt, sondern was einen auch betrifft, was man erlebt hat und das ist ja immer eine Mischung aus allem. Und: mir fällt es relativ schwer denselben Refrain 3 Mal zu singen.

M:
Das ist jetzt nicht grade unsere große Stärke. So eine gewisse Redundanz passt da gut zu uns.

T:
Ich finde das auch ganz gut wenn sich das als Refrain wiederholt, weil das dann auch greifbarer wird.

PP:
Ist Punk Mucke für euch eher ein Ventil oder ist es tatsächlich ein Ausdrucksmittel?

M:
Also musikalisch ist unser Anspruch das Ganze relativ einfach zu halten. Ventil oder was auch immer, ist so ein Punkt, da denken wir gar nicht so viel drüber nach. Das kommt dadurch, dass wir eine ganz langsame Band sind, was den kreativen Schaffensprozess angeht. Irgendwann ist klar, den Song wollen wir so spielen und dann steht der Song. Was für uns Punk ist, da könntest Du jede/n in der Band fragen und jede/r wird ein bisschen was anderes erzählen.
Für mich ist das eher Ventil, abgesehen vom sonstigen Leben, neben Lohnerwerbsarbeit auch noch was zu machen worauf ich Bock hab. Da zählt auf jeden Fall Punk Rock und die Einstellung dahinter dazu. Was zu machen, wie wir es gerade heute machen, was gar nix mit meinem normalen Privatleben zu tun hat. Das tut mir unheimlich gut und ist ein wunderschöner Ausgleich für mich. Und natürlich mit meinen Freunden in einer Band rumzuhängen.

PP:
Es ist also im Grunde beides, es ist ein Ventil und ein Ausdrucksmittel. Ich finde das Geile am Punk ja auch, dass man machen kann was man möchte. Weil ja der Grundsatz, soweit man von Grundsatz sprechen kann und darf: „Machen, einfach machen!“ ist.

M und T:
Genau, genau!!

PP:
Deshalb klingt ja jede Punkband heute ein bisschen anders.

Kommen wir mal zur Wohnstätte: Seid ihr alle aus Ludwigsburg, wie ist die Szene da, habt ihr euch dort zusammengefunden so aus dem Punk Bereich oder aus Bands?

T:
Der Martin, Nico und ich wir spielen schon sehr lang zusammen. In unterschiedlichen Besetzungen und auch immer sehr rumpelig. Irgendwann haben wir den Matze kennengelernt aus dem Freundeskreis und er hatte dann mal für unsere alte Besetzung ein Demo aufgenommen. Natürlich hat man auch unabhängig von der Musik Kontakt gehabt. Irgendwann ist der Matze dann in die Band eingestiegen und später unser alter Sänger ausgestiegen.

M:
Das war 2012 und irgendwann ist der Tom dankenswerter Weise ans Mikro gerückt. Und dann ging das halt erst mal so weiter. Aber wir kannten uns alle schon sehr lang (Gelächter).

PP:
Hängt ihr mit dem DemoZ zusammen? War das der Ort wo ihr euch getroffen habt?

T:
Also früher war das DemoZ eine Hausnummer und für die nachwachsenden Generationen ist das hoffentlich jetzt immer noch eine! Aber das stimmt schon, irgendwie kannten wir uns alle von dort. In politischen Gruppen waren wir dort teilweise auch organisiert.

PP:
Wir haben ja vorgestern zusammen dort gespielt. Und das ist ja schon eine geile Sache, dass es das  jetzt schon 36 Jahre gibt. Da haben sich ja dann schon Generationen von Leuten dort getroffen.

T:
Ich war da auch schon mal bisschen Teil der Struktur und ich finde das auch verrückt, dass die nächsten jungen Menschen das jetzt machen, so wie wir ab Anfang der 2000er das gemacht haben. Und das ist auch ein super beruhigendes Gefühl finde ich, weil es dann ja auch bedeutet, dass es weitergeht. Jetzt bin ich da nicht mehr so aktiv aber es gibt immer Leute die da nachkommen oder immer noch am Start sind.

PP:
Ist das DemoZ ein Verein, kann da jeder mitmachen?

T:
Ja ein selbstverwalteter Verein, Mitglieder sind wir natürlich noch das ist ja klar(Gelächter).
Naja und weil wir mit den alten Zusammenhängen da öfters auch gespielt haben, ist das für uns auch immer sehr schön da mal wieder zu spielen so wie jetzt vergangenen Freitag.

M:
Ja die Marta habe ich glaub auch im DemoZ getroffen, da gab es auch einen Bezug zur Tierrechtsszene. Irgendwie alles ein Klüngel im positiven Sinne.

PP:
Ich war total überrascht, als ich mit der Postille angefangen habe, ein bisschen zu recherchieren über Ludwigsburg, wie viele unterschiedliche Bands es gibt: We Had a Deal (r.i.p.), Minutes from Memory (r.i.p.) das ist schon ein gutes Programm, da geht wahrscheinlich ja noch viel viel mehr, was ich gar nicht weiß und das ist schon geil für eine Stadt, wenn es da so eine vielfältige und lebendige Szene gibt.

T:
Das witzige ist ja auch, dass es in Ludwigsburg so drei Baracken gibt und dort Proben auch die meisten Bands oder? HELMUT COOL, WE HAD A DEAL, HELL & BACK proben auch da. Eigentlich proben nur MINUTES FROM MEMORY nicht dort (Gelächter)

M:
Denen ist das zu abgefuckt (großes Gelächter) Aber wir arbeiten dran…

T:
Dann aber nochmal zur Bandentwicklung. Der alte Sänger Pati ging raus, dann war die Frage was tun? Es war schwierig jemand zu finden oder das einem jemand spontan einfällt. Wir sind ja alle eher so freundschaftlich in der Band. Und irgendwo einen Zettel aufzuhängen: „Suchen Sänger oder Sängerin“ das konnten wir uns nicht vorstellen. Deswegen hab ich dann gesagt OK, dann mach ich das halt. Zu aller Erleichterung hab ich dann die Arschkarte gezogen.

M:
Wir haben das mit Tom ausprobiert und ich muss sagen, das hat von Anfang an gut geklungen. Mittlerweile klingt das richtig geil und das scheint dir ja auch Spaß zu machen?

T:
Ja, ich bin auch ganz zufrieden. Also live finde ich das immer noch hui und große Nervosität aber vom Prinzip macht mir das schon Spaß. Die Doppelsache von Gitarre und Gesang hat mich recht schnell an meine Grenzen gebracht und meine Ansage war dann: „Leute ich kann nur eins von beidem machen, sonst ist mir das zu anstrengend!“ In meinem Hobby möchte ich ja schließlich keinen Stress, sondern Spaß haben. Das hat dann wieder eine Überlegungsphase eingeläutet. Die Zettelsache haben wir ja schon abgelehnt und dann ist uns die Marta eingefallen und dann wurde sie mal angefragt, weil wir auch wussten dass sie neben Minutes auch noch was anderes machen wollte. Zum Glück hatte sie da auch Lust drauf und es passt alles super! So hat sich dann dieses Bandgefüge in 2015 gefunden.

PP:
Ihr seid da ja gut vernetzt und tauscht bestimmt neue Musik aus. Ich hab so den Eindruck, dass der Hauptteil des Punkrock nur noch digital stattfindet. Indem man Bands nur noch online entdeckt, wenn man über seinen heimischen Kosmos rausschaut. Ist das noch Punk oder ist das Digital-Diktat?

M:
Also Vinyl ist erst mal ein wichtiges Medium für uns, deswegen bringen wir auch alles auf Vinyl raus. Plus Download Code, das finden wir das Beste. Mit der ganzen Downloadsache da kann es schon grenzwertig werden. Also ich erlebe mich da ganz stark als Konsument von Musik. Da kann dann Musik schon zum Wegwerfprodukt werden. Wenn ich an einem Wochenende 200 Bands anchecke und Sonntag abends nicht mehr weiß was die erste war. Kenn ich alles auch.
Für uns ist deshalb auch Vinyl wichtig. Ein befreundeter Mensch in Stuttgart hat einen kleinen Plattenladen CHEAP TRASH RECORDS! Wir froh, dass es immer noch Menschen gibt, die bereit sind neue Bands zu entdecken und denen auch einen Chance zu geben. Also auch KUBALLA!

PP:
Apropos Chance geben, ihr macht noch einmal im Monat eine Radiosendung, da gebt ihr sicher auch Bands eine Chance die ihr so entdeckt habt. Und in der Sendung dann spielt. Wie kamt ihr überhaupt auf die Idee?

T:
Da handelt es sich um das Freie Radio für Stuttgart. Ich bin da schon eine Weile Mitglied und mach da Sendungen bei der Inforedaktion, das sind Politsachen. Damals haben wir in Ludwigsburg eine Redaktion gegründet und zweimal im Monat sonntags eine Sendung gemacht.
Da sind aber die Leute weggebrochen und am Ende saß ich mit einem Kollegen nur noch zu zweit da. Ich hab mir dann überlegt, wie ich selbst wieder Spaß in die Sache bekomme! Eine Sendung mit meiner Band machen, jeden vierten Sonntag im Monat. Und das ist jetzt echt eine nette witzige Sache geworden.

PP:
Wie ist die Resonanz da drauf?

M:
Schwer zu sagen, immer unterschiedlich, manchmal bis 100 Leute. Laut Internetmessung. Aber in Stuttgart wird das auch über normale Radiogeräte gehört und nicht gezählt.
Allgemein kommen da ganz gute Rückmeldungen und macht halt auch Spaß als Musiknerd selbst Platten aufzulegen. Sind halt auch zwei Stunden die gefüllt werden wollen.

T:
Ein Ziel ist auch, Bands mal ins Studio einzuladen oder Interviews zu machen. Und es ist auch eine nette Sache Bands im Radio spielen zu können, die halt niemand kennt oder nur wenige Leute kennen. Also einen kleinen Support zu leisten.

PP:
Das war mein bisher längstes Interview! Habt ihr noch etwas anzumerken?

T:
Zum Vinyl wollte ich noch was sagen. Das ich das am Punkrock schon immer super fand, auch als es wenig Vinyl gab, gab es im Punkrock immer noch Vinyl. Du konntest immer auf Konzerten Platten kaufen.

PP:
Das ist ja dann auch vielleicht das Konservative an Punkrock
(Gelächter)

T:
Wenn man das gleich in so ein schlechtes Licht rücken möchte, dann kann man das so machen! Ich finde das positiv! Platten durchzuschauen, so wie früher, war halt im Punkbereich immer möglich; auch durch die Leute mit ihren Plattenständen auf Konzerten! Und ist es eben immer noch!

PP:
Ich bin auch gerne auf Flohmärkten und schaue in die Plattenkisten und denke, naja jetzt müsste doch eigentlich mal die Zeit kommen, wo die Freaks endlich mal ihren Scheiß, ihre Jugendsünden loswerden wollen! Aber die blöden Punker geben ihr Zeug nicht raus
(Gelächter).
Habt ihr noch Plattensammlungen zuhause?

M und T:
Yes!

PP:
Und was steht da so in der Hauptsache? Sucht ihr noch nach deutschsprachigem Punkrock oder habt ihr euch vielleicht auch schon mal nach Asien oder so umgeschaut, da gibt‘s ja auch ein Haufen Bands.

T:
Also ich hab das noch nicht, aber das ist ein guter Gedanke!

PP:
Welche Platten kauft ihr noch?

T:
Also ich kauf schon eher auf Konzerten Platten. Von Bands, die ich mir dort angeschaut habe, dann ist das für mich eine runde Sache. Gutes Konzert und Platte kaufen von der Band! Oder beim Andy im CHEAP TRASH Laden, da gehst du auch nur selten ohne eine Platte raus. Oder wenn der Matze mal eine Platten Bestellung macht und uns darüber vorher informiert, da wird dann auch meistens was mitbestellt. Die meisten Platten die ich kaufe sind schon aus dem Punkrock Bereich.

M:
Ich weiß ja nicht wie es dir geht aber ich habe so ein ambivalentes Verhältnis zu Deutschpunk. Die Deutschpunk Sparte in meinem Plattenregal ist recht klein ausgefallen.

PP:
Da ist ja dann auch wieder die Definitionsfrage was ist denn Deutschpunk? Alle streiten sich drüber aber die Schublade verändert ja auch keiner.

M:
Stimmt. Bei mir ist generell die Sparte mit deutschsprachiger Punk Mucke ziemlich klein. Also es gibt sehr geile japanische Punkbands, z.B. 1000 TRAVELS OF JAWARHARLAL!

Ich versteh da zwar kein Wort, finds aber sehr geil. Oder I EXCUSE ist auch noch so eine japanische Band. Also ich bin jetzt gar nicht so der Deutschpunker muss ich sagen. Da gibt‘s dennoch ein paar Platten, die mir echt wichtig sind. SLIME Schweineherbst war für mich ne ganz wichtige Platte und TOXOPLASMA  Leben verboten. Zu vielem anderen habe ich keinen Bezug. MUFF POTTER war nie meine Band.

T:
Ha aber Nicos und meine Band ist das auf jeden Fall gewesen!

M:
Bei den neueren Sachen mag ich auf jeden Fall TURBOSTAAT. Ich höre viel Hardcore und Rock’n‘Roll Zeug. Auch wenn das jetzt das Weltbild von manchen zerstören mag…

T:
Und für mich ist das mit dem Deutschpunk so, dass ich da als erstes den Schlachtrufe BRD Sampler assoziiere! Da haben mir viele Sachen auch gar nicht gefallen. Z.B. bin ich kein Freund der ABSTÜRZENDEN BRIEFTAUBEN. Die sollen natürlich ihre Sache so machen, das ist völlig in Ordnung. Nur ich bin da halt nie so richtig drauf angesprungen. Politisch sind sie auf jeden Fall gut! Mit der ganzen Schublade, da würde ich halt lieber sagen Punkrock mit deutschsprachigen Texten. Da finde ich OIRO, TURBOSTAAT, DISCO OSLO, KMPFSPRT alle auch gut.

PP:
Meine Neugierde ist befriedigt. Schluss Worte?

M:
Wir sagen danke!

T:
Genau danke und auch danke dass du das Heftchen machst. Was ist da deine Motivation die dahinter steht?

PP:
Netzwerken. Ich komme aus der Provinz, deswegen heißt das Ding Provinz Postille. Und es ist sau schwer geworden hier Konzerte zu machen. Es gab in Baden-Baden eine sehr lebendige und bunte Szene rund um die JuBe (Jugendbegegnungsstätte). Ich hab das mal in einem „Schwafel-Interview“ alles dem Marko von KOPFPUNK erzählt, haha! (Sendung dürft ihr selbst suchen, link ist zu Karmacopter)

Mein erstes Konzert waren EMILS. Und total verknallt habe ich mich in V-MANN-JOE; die übrigens aus unserer Gegend kamen – nicht von Anfang an aus der Besetzerszene in West-Berlin 😉 Dieses unfassbar geile Demo. Ich glaube, die habe ich 3 Mal in BAD gesehen.

Ich habe vor, auch eine Spezialausgabe zu machen, um das mal wieder in Erinnerung zu bringen. Also zwei, drei Idioten wie mich gibt es schon noch, die sich daran erinnern, was in den 90ern so abging. Und jetzt fehlt das halt komplett. Baden Baden reduziere ich jetzt mal auf das Festspielhaus und das New Pop Festival. Da springen dann 50 000 Menschen und Besucher rum und hören sich Kack Popbands an, die im Radio ein Jahr lang rauf und runter gespielt werden. Für mich ist das gar nichts, widerspricht jedem Gedanken von Musik. Und deswegen habe ich das angefangen, Netzwerken, Bands kennen lernen. So habe ich euch kennengelernt! Angeschrieben, 7inch bestellt und nicht nur online reingehört. Auf dem 2ten Sampler seid ihr ja auch mit drauf.

T:
Ich wollte noch sagen, dass eure Version von Computerstaat mir sehr gut gefällt und 1+1=2fel finde ich auch super. Wegen der Textzeile „als ich zu Boden ging dachte ich die Sache sei gelaufen“. Die hat sich bei mir gleich eingebrannt!

PP:
Ich gestehe: an dieser Zeile habe ich mich selbst total aufgehängt, deshalb kommt sie in dem Song auch gefühlt 28 mal vor.

Das ist mal ein interessantes Ende für ein Interview!

Winken aus der Provinz in den Stuttgarter Ballungsraum.

Nachklapp:
Die Band hat in der zwischenzeit den dritten Basser am Start, mit Hannes haben sie jemanden, der bei den famosen Über… gespielt hat.
Zudem eine neue 7inch bei Krachige-Platten namens „auf den dächern der stadt“

Sie spielen immer wieder Konzerte bspw 20.06. in Heilbronn in der Emma 23!

Nico spielt inzwischen Bass bei den großartigen Wave-Punkern Phileas Fogg.
Dann kam Flo „for a while“, der auch irgendwo spielt. Ich komm grad nicht drauf, aber wenn es mir wieder einfällt, aktualisiere ich das. Ich denke es müsste Snackwolf sein.

Hannes kam von den wunderbaren überalles und ist seit, gefühlt, ein paar Jahren schon Basser bei Kuballa.

 

 

 

interview: #4 – krasser-fahrstil – punkrock – rastatt

KRASSER-FAHRSTIL haben in den letzten 2 Jahren munter die Besetzung durchgewechselt. Immer wieder ein Bassist. Dann mal ohne zweiten Gitarristen. Damit ich aber auch nix mehr durcheinanderbringe, dürfen die Herren nun selbst erzählen seit wann sie nun wie zusammen spielen!
geführt haben wir das Interview live und in Farbe im Artcanrobert im Backstage, Dezember 2016.

PP:
Ihr seid komplett neu besetzt seit:

Juki:
September!

Fauli:
Beim NO COMPLY– Releasekonzert im September hatten wir unseren ersten Auftritt zusammen, nachdem wir in 8 Tagen unser Set eingespielt hatten.

PP:
Da habta aber Gas gegeben! War ja ganz gut, euer Auftritt!

Fauli:
Sieben Tage geprobt.

PP:
Und ihr seid immer noch zusammen 😉 Scheint gut zu klappen?!?

Fauli / Juki:
Auf jeden Fall
(Gelächter)

PP:
Kommt ihr alle aus Rastatt?

Juki:
Wir kommen alle aus der Rastatter Umgebung. Armand (drums) und ich aus Bischweier. Wenn er voll ist, will er immer Wachteln mit Speck. Weswegen wir ihn auch „Wachtel“ nennen.

Fauli:
Jau, und Floom (Bass) und ich kommen aus Rastatt!

PP:
Ich habe heute Abend einige Songs gehört, die ich schon kenne, wie „AA“ oder „gewicht“, was ja auch schon auf Sampler #1 war, gehört. Ein paar Songs sind auch verändert. Aber auch schon Neues. Für eine Woche proben… Fleissig!

Fauli:
Wir haben noch ein paar Songs der alten Besetzung, aber es verändert sich einiges! Die Neuen Songs die kommen, werden in jedem Fall zusammen geschrieben!

PP:
Du hattest mir erzählt, ihr hattet aufgenommen im Frühjahr ‘16, glaube ich.

Fauli:
Ja. Aber die Sachen haben wir leider ad Acta legen müssen, durch die Umbesetzung. Dafür haben wir nun einige alte, wie auch neue Songs mit Jables (ADONEY) aufgenommen. Die sind gerade im Mix… Mal schauen! Wir sind sehr gespannt auf das Ergebnis!

PP:
Wie geht’s denn weiter?

Fauli:
Wir schreiben neue Songs. Dann buchen wir gerade Konzerte.
Ich bin immer noch ganz glücklich, daß sich das mit KRASSER FAHRSTIL in letzter Zeit so spontan gefunden hat. Ich hatte bei dem NO COMPLY Releasekonzert vor, alleine zu spielen! Ich hatte schon Beats eingespielt, aber eben 8 Tage vorher traf ich Floom und zapp zarapp waren wir im Proberaum!

PP:
Wie war also euer zweiter Gig?

Fauli:
Gut! Wir haben von einigen Menschen positives Feedback bekommen, haben gut zusammen gespielt: fühlt sich gut an!
Und jetzt eben: Konzerte spielen, spielen, spielen.

PP:
In diesem Sinne, kleine News aus der Provinz!

Viel Spaß und Erfolg weiterhin!

 

Nachklapp:
Die Band gibt es noch. Sie spielen nicht ganz so oft, wie sich das bei Fauli angehört hatte, damals.
Inzwischen haben wir zusammen mit No Flag Left (hießen damals noch Ennolicious) eine selbstproduzierte Split LP rausgebracht „mit abstand am besten

Inzwischen ist seit einigen Jahren Klemmi am Bass dabei und Fauli und Armand (Drums) sind noch von der damaligen Besetzung dabei.

Und wenn ihr das jetzt lest, haben wir gestern zusammen mit paddelnohnekanu, roselin, snailmate und v-mann joe ein Konzert gespielt.

 

interview: #4 – brutale gruppe 5000 – synthpunk – hamburg (r.i.p.)

BRUTALE GRUPPE 5000

Das kleine Provinzische Fragespiel. Voll lustig.

Wer seid ihr?

BRUTALE GRUPPE 5000 besteht aus KEM TRAIL, TO:MARS, EGON LASER & RADIOAKTIV MNNN.

PP:
Totale Spinner oder freie Radikale?

BG 5000:
Antioxidantien schützen den Körper vor freien Radikalen, welche als krebserregend einzustufen sind. Antioxidantien sind insbesondere in Obst und Gemüse enthalten. BRUTALE GRUPPE 5000 positioniert sich für den Verzehr von Obst und Gemüse, selbstverständlich ohne gentechnische Veränderung und nach Möglichkeit nicht käuflich erworben.

PP:
Look oder Einheit?

BG5000:
Die Einheit, zum Beispiel die deutsche Einheit braucht kein Mensch.
Jeder Mensch ist illegal und Schuld an der Misere. Wer zu einem bestimmten Zeitpunkt in einem bestimmten Gebiet geboren wurde, gehört automatisch einer Nation an. Viele Menschen schmieren sich anschließend zu willkürlichen Anlässen wie zum Beispiel der Fußball Weltmeisterschaft ihre Nationalfarben ins Gesicht. Oder erschießen ihre Nachbarn. Oder beuten sie aus. Das ist nicht nur ein scheiß Look sondern soll darüber hinaus den Eindruck von Einheit suggerieren.
Das ist scheiße. Also: Weder Look, noch Einheit!

PP:
Schnell oder laut?

BG5000:
Da das eine die unkonkrete Beschreibung von Geschwindigkeit und das andere ein Ausdruck subjektiven Empfindens von Lautstärke ist, ist es sehr schwer eine Entscheidung zu treffen.
Beides in Kombination hingegen stellt eine gute Wahl von Kriterien hochqualitativer Punkmusik dar. Beides!

PP:
Casio oder Yamaha?

BG5000:
BRUTALE GRUPPE 5000 verwendet unter anderem einen Synthesizer der Marke Casio.
Dieser fand seinen Weg rein zufällig in den Proberaum, sodass sich diese Frage vorerst nicht stellte. Die Bassgitarre, die ebenso zufällig den Weg zu RADIOAKTIV MNNN fand, wurde vom Hersteller Yamaha fabriziert. Danke an die lieben Menschen, die diese Geschenke brachten. Beides!

PP:
Vergangenheit oder Zukunftsmaschine?

BG5000:
Die Vergangenheit ist keine Zukunftsmaschine, sondern die Zukunft ist eigentlich eine Vergangenheitsmaschine.
Die Zukunftsmaschine benutzt Gegenwart und Zeit zur Produktion von Vergangenheit.
Sie ist ein Perpetuum Mobile.
Die Zukunftsmaschine II ist eine Maschine, die aus Pflastersteinen, Fischgräten, bunten Bällen und Faktor X (der in einem Pappkarton geliefert wurde) ein Produkt herstellt: Schwebende, rosafarbene Wölkchen. Einäugig und mit einem Reisverschluss als Mund.

PP:
Amon Düül oder Kraftklub?

BG5000:
Ganz klar Amon Düül. Improvisierte Anti-Musiker*innen mit mehr Besetzungswechseln als Songstrukturen sind weitaus sympathischer als ne Bande gut promoteter Jungs, die beim Echo und 1 Live Preise abräumt. Im Zweifelsfall: Arno X Dübel!

PP:
Blume oder Blümchen?

BG5000:
„Ich will keine Blume sein, verdammt!“, dachte sich wohl auch Jasmin Wagner und legte im November 2000 ihr Amt als Blümchen nieder. Vielleicht hat sie was mit dem Song von BRUTALE GRUPPE 5000 zu tun, vielleicht aber auch nicht.

PP:
Dinosaurier oder Prophet?

BG5000:
Jede*r Prophet*in verkündet die Botschaft ihrer/seiner Vision, die er/sie von ihrer/seiner Gottheit erhalten hat. Wenn die Gottheit in Ordnung ist: Warum nicht? Wenn die Gottheit, wie in den meisten Fällen, nur Kackscheiße verlangt heißt es weiterhin: Fuck Off! Ich bin Atheist*in.

PP:
Brutal oder Banal?

BG5000:
Das Wort brutal lässt sich indirekt ableiten von Marcus Iunius Brutus, der einer der Mörder von Caesar war. Nicht, dass BRUTALE GRUPPE 5000 in irgendeiner Weise Mord befürworten würden, aber bei Riesenarschlöchern wie Gaius Julius Caesar muss differenziert werden. Du stehst also wieder vor dem moralischen Dilemma: Würdest du eine geringere Zahl Menschenleben beenden um dadurch eine größere Zahl Menschenleben zu retten?

PP:
Herzlichen Dank!

Randnotiz:
mit wem ich dieses Interview führt, schriftlich, kann ich nicht mehr nachvollziehen.
Vielleicht war es, ein weiteres Mal, der umtriebige Kem Trail, spielt er doch auch (aka Tommy) bei Loser Youth, Aperó und einigen Bands und Projekten mehr.

 

 

interview: #4 – adoney – psych-rock – karlsruhe (r.i.p.)

Jemand taucht aus dem Nichts auf.

Nein, die Tür zum Büro des Artcanrobert geht auf, Jemand kommt rein und schweigt. Jables und ich sitzen auch wie angewurzelt auf der Couch und beobachten den Eindringling. Keiner spricht. Nach einer gefühlten Ewigkeit frage ich dann doch mal ein neugieriges, fragendes: „Ja?“ Ein Rülpser ins Mikrofon.
Klasse. Wäre das nun also auch geklärt.

Fürs Protokoll: es ist der 17.12.2016. Interviewpartner Jables, Gitarrist von ADONEY, einer Karlsruher Rockband und Felix Frantic, dem wildgewordenen Haufen Buchstaben, der aus allem einen Satz macht.

PP:
Ich würde gerne mit „hey, stellt euch mal vor“ beginnen, aber leider, leider, ist keiner da.
(Lachen) Wo sind denn alle?

Jables:
Leider, leider. Ich weiß gar nicht genau, was die anderen heute Abend machen. Ich weiß nur, daß die Probe morgen ausfällt.

PP:
Kein Jahresabschlußkonzert mehr anstehen?

Jables:
Doch. Also hatten wir schon. Letzten Freitag. Im Soundcheck One, von den Sons of Sound in Etzenrot. Kennste?

PP (lapidar):
Nö. Ich kenn keinen.

Jables (erstaunt):
Nicht?

PP (total verwundert):
Ist das in Deutschland?

Jables:
So’n Kaff im Tal bei Fischweiher, Busenbach. Fernab in einer alten Fabrik. Da machen die jedes Jahr das „soundcheck one festival“

Jemand läuft vorbei. Er hat einen Zettel auf dem Rücken kleben. Ich frage Jables, ob wir ihm das sagen sollen. Wir sind uns schnell einig, daß wir es ihm nicht sagen werden.

Jables:
Ne, lass uns mal gucken, was passiert.
(kichern)
Also die Band besteht aus Lars, unserem Sänger. Alex spielt Drums, Chris den Bass und eben ich an der Gitarre.

PP:
Ihr habt im Sommer eurer ersten Album rausgebracht „CHAGRIN“! Wie läufts?

Jables:
Kann es gar nicht so genau sagen. Fühlt sich alles sehr gut an und wir sind auch schon an der neuen Platte dran. Wir haben ziemlich viel neues Equipment gekauft, weil wir uns dazu entschlossen haben, die Nächste auch selbst zu machen. Das kommt daher, daß wir auch schon zur CHAGRIN alles selbst aufgenommen hatten und uns das Klangergebnis so überrascht hat, daß wir es nur noch zum Mastern gegeben haben. Chris hat sich da in letzter Zeit ordentlich reingefuchst.

PP:
Soll heissen: in 2017 kommt schon der Nachfolger?

Jables:
Das weiß ich nicht! (lachen) Man wie ja nie was passiert… Wäre schön! Doch ehrlich gesagt sind wir nicht die schnellsten Songwriter. Wir halten uns gerne an Kleinigkeiten auf und feilen lange, bis alles stimmt. Und wir sind gerade dabei, Gigs für nächstes Jahr zu planen, dieses Jahr läuft nichts mehr.

PP:
Ich sitze auch lieber unterm Tannenbaum und warte auf den Schnee.

Jables:
Oder man geht zum „Christmas Rock“ nach Gaggenau… wusstes Du, daß das dieses Jahr nicht stattfindet?
(verwundertes Gesicht)
Nur mit DJ! Wahnsinn!
Jedenfalls wollen wir versuchen, mehr rauszukommen, haben auch schon mal in Berlin gespielt.

PP:
Ihr seid ja auf einem quasi schon alteingesessenen Label EUCALYPDISC.
(raunen)
Ja, ich glaube, eins der ersten Releases war das EON-Demo Anfang der 2000er. Habe das immer von der Ferne beobachtet, was für Bands kommen und auch gehen und freue mich da für euch, daß ihr dort am Start seid!
(sehr lautes Schlagzeugspiel setzt ein)

Jables (laut):
Wir sind super super glücklich, dort gelandet zu sein, weil der Olli (Basser bei ELECTRO BABY r.i.p.) uns schon begleitet, seid wir zusammen Musik machen. Er hat uns für unsere erste EP auch das Cover gestaltet. Chris ist ohnehin der wahnsinns ELECTRO BABY Fan. (Interview aus Ausgabe 2) Deswegen ist das schon großartig, daß wir uns dort mit einreihen dürfen!

PP (schreit zurück):
Also bleibt ihr dem Label erstmal treu?

Jables:
Ja, auf jeden Fall.
(die Musik stoppt plötzlich, wir können wieder leiser sprechen)

PP / Jabels:
Joa, öh, hatte nen Gedanken, doch der ist nun… Öh.

PP:
Ach, beim Booking waren wir!

Jables:
Durch EUCALYPDISC sind wir in einem Vertrieb „herbie martin“ in Karlsruhe auch. Die machen zusammen ??? (unverständlich, obwohl es leise war!) Da kam der Carsten bei unserer Releaseparty im September im Substage auf mich zu, drückte mir sein Handy in die Hand und meinte „hast du schon den neuesten Post von Herbie Martin gesehen?“.
Wir waren tatsächlich schon am ersten Tag des Release auf Itunes direkt auf Platz 107 der Alternativcharts eingestiegen. Für den Releasetag mit Konzert im proppenvollen Substage mit unseren Labelmates ELECTRO BABY und dem Einstieg bei Itunes – das hat sich schon saugeil angefühlt. Klar, passieren tut da nicht so viel, ich wohne immer noch zuhause,
(Gelächter) es war einfach ein superklasse Tag!

PP:
Wie setzt sich denn eure Art zu spielen zusammen? Gibt’s ne schöne Schublade, in die man euch stecken kann? Alternative ist a doch auch ein recht weites Feld geworden mit einem ganzen Haufen Spielarten.

Jables:
Da tue ich mich, glaube ich, am allerschwersten von allen. Auf jeden Fall ist da Grunge drin. Das kriegen wir auch immer wieder bestätigt! Viele sagen, daß wir sie an PEARL JAM erinnern.

PP:
Mich hat das so an die Band erinnert, die „black hole sun“ gespielt haben. Klingt schwer nach meiner Jugend in den 90ern und einer offensichtlich gut gelungenen Verdrängung. Ich habe diesen Song leidenschaftlich gehasst!

Jables:
Ich sag es mal so: ADONEY ist alles, nur keine Konzeptband. Deswegen auch kein wirkliches festlegen auf ein Genre. In den Anfangstagen hatten wir Visitenkarten auf denen stand, daß wir Hard’n’Blues’n’Roll machen. Damals war mein Gitarrenspiel sehr vom Blues geprägt. Was dann bei mir zum Stonerrock wurde.
Als Lars dann dazukam, hat der auch noch mal musikalisches total viel in den Topf geworfen. In der Band hören wir schon sehr unterschiedliche Musik. Mit Alex höre ich die ganzen alten Rocksachen wie LED ZEPPELIN oder so. Der ist ja als Baby von seinem Vater mit DEEP PURPLE beruhigt worden!
Ich habe mit Musik recht spät erst angefangen. In der Realschule. Ich habe dann auf ner Party vom Kumpel meines Vaters, der immer wieder Jamsessions macht, Eric Clapton’s LEILA für mich entdeckt. Und so kam ich darüber dann an all die älteren Rocksachen.
Ich bin ein wenig abgeschweift. Wie setzt sich das zusammen? Ich würde sagen Grunge, Stoner, ich sag jetzt mal Blues, weil das immer noch voll in mir drin ist. Also passt Alternative Rock schon ziemlich genau!
Finde es echt schwer als Musiker seinen Nenner zu benennen, weil man so viel mehr darin sieht, als es vielleicht andere tun. Und dann fragen: „willste mich verarschen?“
(Gelächter)

PP:
Man hört euch echt an, das da Potential ist, was noch geweckt werden will, bei ADONEY. Ihr spielt gut zusammen! Ihr solltet mal raus aus der Provinz!

Jables:
Yeah, danke und auf jeden!

PP:
Wie entstehen denn eure Texte?

Jables:
Ich würde ja jetzt gerne etwas aufsagen, aber ich kann sie nicht auswendig. Voll peinlich!

PP:
Ich kann eure Texte auch nicht.
(Kichern)

Jables:
Also Texte sind voll Lars‘ Ding! Finde ich auch völlig okay so, denn er darf es singen, nicht ich! Soll nicht heißen, daß sie mich nicht interessieren! Ich will die Musik fühlen und deswegen gehe ich da natürlich eher auf das Zusammenspiel ein, als auf die Lyrics. Songs sind wie ein bisschen wie Menschen. Jeden musst du kennenlernen, ihn anders behandeln, sodaß du vielleicht was mit ihm anfangen kannst.

PP:
Warum habt ihr euch denn für englische Texte entschieden?
(die Musik wird wieder seeeehr laut)

Jables (auch laut):
Ich bin auch ein Fan von Musik mit Dialekten oder so. Es gibt jetzt keinen bestimmten Grund, weswegen wir Englisch singen! Für mich persönlich war es, als ich Englisch gesungen habe, so ein „hinter der Sprache verstecken“. Ach, schwierig, haha! Ich habe das Gefühl, ich kann mich in Deutsch nicht so gut ausdrücken, weswegen ich auf Englisch schreibe. Vielleicht geht es da Lars ähnlich.

PP:
Ich werfe mal in die Runde, daß sich Deutsch vielleicht nicht so leicht singen lässt. Man kann die Uh’s und Oh’s nicht so ziehen! Was hört ihr denn, wenn ihr unterwegs seid, für Mucke?

Jables:
Im Moment eigentlich recht viel HipHop!

PP:
Boah – Aufschrei – Verrat! Verrat!
(Lachen)

Jables:
Ich war tatsächlich nie ein HipHopper! Oder auch die alten Rocksachen. GUNS N ROSES, LED ZEPPELIN, JIMI HENDRIX oder auch gerne ruhige, melancholische Musik.

(Die Tür öffnet sich. Jemand kommt rein: )
Paddelnohnekanu!

PP:
Ich wusste du lauschst!

Jables:
Klar! Paddelnohnekanu. Der größte Witz der Popgeschichte.

 

PP:
Äh. Jetzt geht das aber ein bisschen durcheinander.
(die Musik setzt wieder ein, es war kurz Pause)
Du meinst die GUNS N ROSES!
(wir sind uns einig, lachen)
Da kam neulich ein Vater auf mich zu, im Handballtraining, erzählte mir voll stolz „ey, ich hab Karten für GUNS N ROSES. 135 Tacken“ und ich so: …… toll!
(wir lachen uns schlapp. Warum auch immer)

Jables:
Na die „appetite for destruction“ war schon geil! Da geht nix drüber!

PP:
Scheiße ja. Ich muss gestehen: ich hatte sie mir damals auch gekauft. Und ich meine damals, 1987! Mit dem fiesen Frauenrobotercover. Wir tauschten damals noch Platten untereinander. Jugendlicher Leichtsinn. Hab sie nie wieder gekriegt. Könnte wahrscheinlich meine Rente retten!

Und bevor ich das letzte Wort habe, wünsche ich mal viel Erfolg weiterhin!

Jables:
Dankeschön!

Anmerkung:
Jables spielte bis Ende letzten Jahres in der Emo-Band FINDING HARBOURS.

Und aktuell bei der Band NOMAD, die auch ein ganz wunderbares Tape raushaben! krachige-platten.

interview: #3 loser youth – punk, hamburg

Vorklapp:
Nach und nach werde ich – bis (in 2025 hatte ich euch nicht verraten, welches) Weihnachten – mal alle Printinterviews, auch längst verblichener Bands, hier online stellen. Ich pimp die noch ein wenig, Musik, Links, Fotos. IMMER DONNERSTAGS – zur Tea-Time.Auch die bereits veröffentlichten bekommen einen neuen Termin und werden angepasst.
Alle Ausgaben sind Out of Print und werden nicht wieder aufgelegt.
Ausgabe 13 eventuell in 2026!

 

Irgendwo im Inter-Netz schwirren Töne ohne Ende.
Und am richtigen Ende zieht man dann, wie an einer Schnur,
folgt, hört, schmeisst weg, verheddert sich, bleibt hängen,
hat irgendwann ne scheißcoole Scheibe in der Hand.
So geschehen bei LOSER YOUTH.
Ein kleine Tapeslabel namens UGA UGA TAPES hing mir am Haken
und ich bestellte mir das Magnetband von LOSER YOUTH.
Andreas hat mir ein paar digitale Fragen beantwortet:

PP:
Ich bin aufmerksam geworden auf euch mit dem Taperelease „live in der Elbdisharmonie“. Ist ja doch eine Weltreise von Hamburg nach Bühl. Da kriegt man dann immer nur die kleinen Häppchen der maroden Republik mit. Wie marode seid ihr?

LOSER YOUTH:
Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Frage richtig verstehe. Laut Google beschreibt das Wort ‚marode‘ ja den Zustand, dass man durch sein Verhalten zugelassen hat, dass etwas unbrauchbar und schlecht geworden ist.
Dass die Welt so kaputt ist, wie sie ist, liegt bestimmt mit daran, dass viele ihren Arsch nicht hochkriegen um was dagegen zu tun. Das fängt beim aktuellen Rechtsruck an und geht hin bis zur Zerstörung unserer Umwelt. Wir geben uns da allerdings schon ein bisschen Mühe, der ganzen Scheiße etwas entgegenzusetzen. Das ist aber auch immer nur im Rahmen unserer Möglichkeiten und unserer Motivation. In dem Sinne würde ich sagen, dass wir vielleicht nur moderat marode sind. Ist das in etwa, was du hören wolltest? „wink“-Emoticon

PP:
Ich denke da so wie Du. Es ist halt manchmal nicht klar, ob „die anderen“ einen dazu treiben, alles kaputt zu machen, oder ob man es ganz von allein tut, nur weil man halt so ein „Mensch“ ist. Esgeht dann halt doch weiter(:)
Das Cover eurer Platte zeigt euch auf dem Spielplatz. Was macht ihr da? Die eigentlich spannende Frage ist ja, wo guckt ihr hin?

LOSER YOUTH:
Ah, das Coverfoto. Das ist in Hamburg-Eidelstedt aufgenommen, wo wir aufgewachsen sind. Ganz ulkige Geschichte. Wir haben uns da einfach so spontan getroffen und ein paar Löcher in die Luft gestarrt und – ZACK – hatten wir ein Cover. Da ist nichts gestellt dran!!

PP:
„AstroPunksFuckOff“?

LOSER YOUTH:
Es geht in dem Song darum, dass Astrologie scheiße ist. Genauso wie Verschwörungstheorien, Religion oder diese neurechten Montagsmahnwachen. Versteh ich gar nicht, warum Leute bei soviel
Mist mitmachen.

PP:
Wie geht’s weiter bei euch? Mal ne Reise machen? Musik für ne neue Scheibe?

LOSER YOUTH:
Wir nehmen gerade ne neue Platte auf, die kommt irgendwann dieses Jahr bei Riot Bike Records raus – geiles DIY Label aus Norderstedt! Ansonsten spielen wir mal hier, mal da, wie man das halt tut als Punkband. Im Juni sind wir wahrscheinlich in der KTS in Freiburg, das ist ja quasi um die Ecke von Bühl, oder?

PP:
Jo isses! Wir werden weiterhin darüber berichten!
Danke fürs schreiben!

Nachklapp:
das ist dann wohl diese Platte geworden:

Die Band gibt es aktuell immer wieder. Thommy macht nur ganz doll viele andere Projekte und Bands, hier gibt es so einige im Review auch. Aktuell würd ich sagen Briefbombe und apéro. Beide Bands im Review hier und hier.
Was die andern in der Band so treiben, das weiß ich nicht.
In jedem Fall ist auch noch ein 15 Jahre Jubiläumszine raus, mit Interviews … warte mal… wieso ist denn dieses da nicht drin?
Hatte wohl keiner mehr!

interview: #3 – the lamplighters – köthen, punkrock

Vorklapp:
Nach und nach werde ich – bis (in 2025 hatte ich euch nicht verraten, welches) Weihnachten – mal alle Printinterviews, auch längst verblichener Bands, hier online stellen. Ich pimp die noch ein wenig, Musik, Links, Fotos. IMMER DONNERSTAGS – zur Tea-Time.Auch die bereits veröffentlichten bekommen einen neuen Termin und werden angepasst.
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The Lamplighters im Interview in 2016.
Wir hatten uns, nach ein paar Dates mit Bands in 2014 nicht mehr gesehen, aber auch nicht aus den Augen verloren.
Mal abgesehen davon, haben The Lamplighters fleißig weitergemacht und eine ordentliche Fanbase, die sie, wenn mich nicht alles täuscht, schon zum zweiten Mal via Crowdfunding mit einer Platte versorgt haben.
Gerade frisch raus ist das neueste Werk, welches nach den jeweiligen Singles benannt wurde. Aber das ist ein anderes Thema und kommt sicher hier auch noch aktuell reingeflattert!

PP:
Ihr wart ja schon auf dem Sampler #1. Und ich freue mich, daß ihr wieder dabei seid. Lange nicht gesehen, haha!
Eure neue CD „views“ ist nun schon ein paar Tage draußen und ich warte hier noch gespannt auf den Vinylrelease!
Wie läuft’s, wie ist die Resonanz?

LAMPI`S:
Hey Felix, wie läuft`s? Das Vinyl kommt Ende März oder im April glaub ich. Die Resonanz ist durchweg sehr gut, bekommen hauptsächlich Reviews aus`m Ausland & die sind bis jetzt super.

PP:
Ausland heisst…? Habt ihr ein Management oder wie kommt das zustande? Ihr macht die Band aber aus Spaß?
Ihr spielt inzwischen sehr regelmäßig Konzerte. In letzter Zeit auch immer öfter auf Soli-Veranstaltungen gegen Rechts. Da das schöne Städtchen Köthen, aus dem ihr kommt, mitten in Sachsen-Anhalt liegt, mag ich gerne wissen, wie es euch dort im Moment geht.

LAMPI`S:
Uns geht es gut, von so nem Trubel bekommen wir speziell in unserem Städtchen eigentlich nich viel mit, es ist sehr ruhig.

PP:
Was glaubt ihr, daß Musik, oder speziell eine Band ausrichten kann. Worauf kann man heute noch Einfluß nehmen?

LAMPI`S:
Man kann als Band, die im gewissem Maße Öffentlichkeit genießt, Projekte unterstützen. Soli Konzerte spielen, Präsenz zeigen.
Im Allgemeinen, auf Punkrock bezogen, ist es glaub ich so, ich spreche aus eigener Erfahrung, wenn Teenager deine Mucke hören und die gut finden auch auf andere Bands stoßen, die auch diesen sagen wir mal diesen Way of life transportieren. Das det ihren Lebensweg prägt, auf Gleichgesinnte treffen, sich austauschen und was Eigenes auf die Beine stellen, so war das doch auch bei uns, sei es ne Band gründen, ne Zeitung machen oder Konzerte veranstalten, das macht doch dieses Punkding aus.

PP:
Habt ihr das Gefühl, daß es die Presse ist, die Medien, sozialen Netzwerke, die nach Außen sehr polarisieren oder ist es tatsächlich so, wie es dargestellt wird?

LAMPI`S:
Ja klar, es liegt natürlich auch an den Möglichkeiten die jeder heutzutage hat, sehr schnell Nachrichten oder Meinungen öffentlich zu machen und/oder diese zu konsumieren. Die Welt ist halt nich schwarz weiß und sehr komplex dazu. Ich persönlich schau mir z.B. auf Facebook nich mehr jeden Scheiß an, das is mir zu blöd, weil jeder zu allem ne Meinung hat, das geht mir auf`n Keks.
Natürlich weiß ich was Du hier ansprechen möchtest & es ist durchaus so, daß ich diese Stimmung ganz allgemein & nicht nur in Ostdeutschland mit dem Klima um 1930 rum in Deutschland vergleiche und Parallelen ziehen kann, vor allem weil ich mir grad Literatur reinziehe die in dieser Epoche spielt. Man kann die Ängste die Ernst August Ottonormali hat nachvollziehen, vor allem wenn man jeden Tag mit tausend Informationen zugekackt wird und man die geistige Horizontale berücksichtigt, aber verstehen oder akzeptieren tue ich das nicht.

PP:
Oke. Ich sach mal „für mich“ sieht es halt manchmal so aus, als ob sich in Sachsen / Sachsen-Anhalt und Thüringen in den letzten 30 Jahren etwas entwickelt hat, was bisher allen egal war. Wo sind denn bei euch die Brennpunkte?
Hm, für mich als Baden-Württemberger, der die Wende 1989 nur dadurch erlebt hat, daß Schüler auf unsere Schule kamen, die einen berliner oder sächsischen Akzent hatten, hört es sich inzwischen irgendwie altbacken an, wenn man „Ossi“ sagt.
Glaubst Du nicht auch, es würde helfen, wenn wir dieses „Ossi/Wessi“ Ding mal begraben?

Zurück nochmal auf die internationale Presse! Wie denn kommt eure Mucke anderswo an? Wann kommt die Welttournee 😉

LAMPI`S:
Uhh Welttournee haha, wir sind jetzt oft an den Wochenenden unterwegs, was natürlich auch immer logistisch unter Berücksichtigung von Familie & Arbeit geschehen muß. Am 11.03.,12.03. & 13.03.16 supporten wir die großartigen GENERATORS. Im Mai ist ne Tour durch Osteuropa geplant. Im Sommer noch`n paar Open Air`s und ansonsten basteln wir auch schon wieder an neuen Songs.
Achso am 15.04.16 spielen wir in Magdeburg mit unseren gemeisamen Kumpels BEN RACKEN (Freunde von den Lamplighters und pADDELNoHNEkANU) da freuen wir uns besonders drauf.

Danke für Dein Interesse

Winkewinke & Gabbagabba Hey
The Lamplighters

 

 

interview: #3 – außer ich – punkrock, siegen (r.i.p.)

Vorklapp:
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Ein Tip von Twinky kam reingeflattert und ich stürzte mich sogleich darauf. Das Punkrockende Trio (Matze, Dennis und Thomas kommt aus Siegen. Die LP / CD „Punkmonium“ ist nicht ihre erste Scheibe, aber die Erste, die eben bei mir reingeflättert kam.
Da der Etat für Reisen bei der Postille extrem zusammengekürzt wurde, schickten wir uns das Frage-Antwort-Spiel einfach hin und her.

PP:
Hallo ihr! Heisst das nicht „außer sich“? Oder „außer mir“?

Thomas:
Evtl. waren wir ja zu denk- und recherchefaul um den korrekten Terminus zu benutzen, aber vielleicht war uns dieser Umstand bisher auch noch gar nicht bewusst, weil wir vorgeben aus bildungsfernen Schichten (um die Streetcredibility zu erhöhen…) kommen.
Matze:
Wir setzen dass, bewusst falsch ein, um zu irritieren.
Dennis:
Für mich war das immer eine deutsche, schwächere und grauere Form von AGAINST ME. Da in Deutschland eh alles etwas grauer ist, sogar der Punk. Man kann sich aber auch einen Doppelpunkt zwischen „außer“ und „ich“ vorstellen. Es ist aber definitiv nicht: „außer sich“ oder „außer mir“

PP:
Ich habe eure Scheibe „punkmonium“ gleich mehrfach durchgehört. Gefällt mir nämlich. Viel Distortion auf der Klampfe, ist ja nicht mehr so gefragt in letzter Zeit. Es geht ja mit „eins, zwei“ recht frustriert los über unsere digitale Gesellschaft.
Wieso stört euch das? Glaubt ihr nicht, daß die Digitale eine unabdingbare Entwicklung ist?

Thomas:
Genau genommen geht es in dem Text darum, dass sich die Menschen so verhalten, wie es von ihnen erwartet wird, dadurch entsteht quasi eine äußerliche und charakterliche Deckungsgleichheit. Objektiv betrachtet ist das Einheitsbrei, subjektiv gesehen, behauptet man, daran nicht beteiligt zu sein, richtig ist aber, dass man mittendrin steckt. Und nur weil
man etwas kritisiert, heißt das ja nicht, dass man sich von der Kritik ausnimmt.
Matze:
Die digitalen Medien sorgen dafür, dass wir daran teilhaben, wie besonders
sich einige fühlen, obwohl diese Besonderheiten kaum noch sichtbar werden. Für das Punkkonzert entscheidest du dich letztendlich doch für die Vans. Selbst wenn man sich bemüht, anders zu sein, landet man in einer Schublade auf der dann vielleicht steht „Leute, die zwanghaft versuchen, anders zu sein“.
Jeder bastelt am Paninialbum seines Lebens auf Facebook. Jetzt haben wir
es schon wieder getan.

PP:
Ist nicht auch heute Punkrock zu machen etwas irre Konservatives geworden?
Die ewige Kritik von schlauen Bands, die kaum jemand hört, und all den PopPunkBands, die die eingängigen Hits raushauen und die Konzerte abgreifen.

Thomas:
Über Punkmonium wurde einmal nicht zu Unrecht sinngemäß geschrieben, dass das Album zu seicht für die einen und zu rau für die anderen sei. Es gäbe somit kaum einen Markt für solche Musik. Textlich sieht das ähnlich aus. In unseren beiden Alben haben wir ernste und auch nicht ernst gemeinte Texte. Oft fällt mir bei Punkbands auf, dass sie entweder das eine oder das andere bedienen. Vor allem dann, wenn sie vergleichsweise erfolgreich sind.
Wir haben das nie so richtig verstanden, weil meiner Meinung nach die Texte aus dem Bauch heraus entstehen und nicht schablonenartig wirken sollten.
Es werden ja eigentlich Gefühle in Texten abgebildet und in der heutigen Gesellschaft ist kaum jemand ausschließlich wütend, traurig, verletzt, lustig oder sonst was.
Wir haben eher das Gefühl, dass der Schlüssel zum Erfolg aktuell heißt, intelligent zu wirken. Kryptische Texte: Personalpronomen streichen, ein zwei Wortspiele, rethorische Fragen mit Pathos raushauen als hätten sie Bedeutung.
Das ist wirklich keine Kunst, aber erfolgreich. Konkrete Texte zu schreiben ist unserer Meinung viel schwieriger. Vor ein paar Jahren hatten alle auch noch mehr Humor, da gabs keine LP ohne nicht mindestens einen witzigen Sample aus einem Film oder einer Serie.
Um auf deine Frage zurück zu kommen: Konservativ finden wir das nicht unbedingt, aber irgendwie absurd.
Konservativ finden wir die Tatsache, dass zu viele Leute bei Konzerten absichtlich Vorbands verpassen, ohne sie vorher mal gehört zu haben. Wir arbeiten aktuell daran, die beste Vorband aller Zeiten zu werden, aber das ist leider auch ziemlich konservativ.

PP:
Was du ansprichst mit der „marktkompabilität“ kenne ich sehr gut von meiner eigenen Band. Da gab es die Zeit, wo das mit den Photoshopcover immer populärer wurde.
Früher konnte man die Musikrichtung noch am Cover erkennen. Wir haben dann nen Punk, der ne Mülltonne schmeisst aufs Cover gemalt. Da wurde dann sofortgeschrieben: Boa hey, das Cover sieht aus, als wären da die HannenAlks oder BecksPistols drin.
Wir Szenegreise (alle Ü30) machen viel Meinung. Auf der anderen Seite guck
en wir uns heute noch Bands an, die vor 25, 30 Jahren schon tourten.
Zurück zum Interview:
Manche eurer Lyrics haben eine gute Kraft, obwohl sie sich in melancholischer, sehnsüchtiger Verzweiflung suhlen. „setz dich mit dem Ipad an den Strand und schau dir dabei Fotos an; vom Meer“
Wer schreibt die Texte? Woher nehmt ihr die Inspiration dafür?

Thomas:
In dem Refrain von „Fotos“, den du ausgewählt hast, wird eine ziemlich absurde Situation beschrieben. Solche Situationen sind häufig Inspiration für die Texte. Letztendlich ändert sich aber sowas mit der Zeit und die Texte hängen stark von dem jeweiligen Geschmack zu dem Zeitpunkt ab.
Bei den ersten beiden Alben wurden oft selbst erlebte Situationen aufgegriffen und meistens überspitzt weitergesponnen oder Stereotypen thematisiert.
Bei den neuen Sachen geht es vielmehr um Menschen in emotionalen Extremsituationen, die stellvertretend für gesellschaftliche oder persönliche Zustände stehen können. Wir finden die Entwicklung unserer Texte, besonders im Wissen derer des kommenden Albums gut.

PP:
Wie geht’s weiter bei euch? Ein weiteres Album in Planung?

Matze:
Tatsächlich haben wir vor kurzem ein neues Album aufgenommen. Vorher gibt es aber noch eine Split 7inch mit Senor Karoshi. Wenn das alles draußen ist, hoffen wir, vor allem mal mehr Konzerte spielen zu können.
Wie das geht, konnten wir aber bisher noch nicht herausfinden. Das kann natürlich daran liegen, dass wir die digitale Entwicklung eher als stille Beobachter an uns vorbeiziehen sehen.

PP:
Tausend Dank für das Interview. Wir hören uns!

Nachklapp:

Außer Ich Discographie:
2011     von vornherein schade CD
2014    punkmonium LP (review)
2016    split 7inch /w Senor Karoshi (review)
2017    split LP /w Guilo Galaxis, Duesenjaeger, Disco // Oslo (review)

dieses famose Video haben sie zur LP rausgebracht!

Auf ihrem Kanal gibt es die erste CD komplett zu hören und einen Vorgeschmack auf ein Album, welches in 2016 dann nicht mehr kam.

 

interview: #3 buzz rodeo – noiserock, stuttgart (r.i.p.)

Vorklapp:
Nach und nach werde ich – bis (in 2025 hatte ich euch nicht verraten, welches) Weihnachten – mal alle Printinterviews, auch längst verblichener Bands, hier online stellen. Ich pimp die noch ein wenig, Musik, Links, Fotos. IMMER DONNERSTAGS – zur Tea-Time.Auch die bereits veröffentlichten bekommen einen neuen Termin und werden angepasst.
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Ausgabe 13 eventuell in 2026!

PP:
Moin Helge!
Nach eurem plötzlichen Auftauchen, ich entdeckte die Medaille, das aufwendig gestaltete Cover, ging alles ziemlich schnell und ich hielt eure Platte in den Händen. Nun ist die zweite Pressung raus, eine Split 10inch und eine 7inch. Überrascht euch die große Resonanz?

Helge:
ja, das tut sie. Allerdings muss ich sagen, dass wir auch wirklich viel dafür tun. Wir versuchen, so viel wie möglich live zu spielen und unser Bandnetzwerk immer weiter zu spinnen!

PP:
In den meisten Reviews werden viele Bandnamen genannt (shellac, fugazi, …) die, wie soll ich sagen, musikalisch schon eine Weile her sind. Wollt ihr das Genre NoiseRock neu beleben? Oder haben die Zuhörer Sehnsucht nach diesem Sound?

Helge:
Wir freuen uns, dieses Genre beleben zu dürfen, dass aber nie wirklich tot war. Die internationale Szene ist groß und lebt. METZ sind beispielsweise grade sehr populär, mit der die Livepower unsere Auftritte immer wieder verglichen wird.
Der Sound ist aktueller denn je, schau dir die Welt an…. Wir brauchen Noise Rock!!

PP:
In der Musikpresse werdet ihr dafür ganz ordentlich abgefeiert. Dazu kommt, daß ihr sagt, ihr habt euer wirklich klasse eingespieltes Debut „Sports“ in nur 3 Tagen ins Band gehämmert. Was macht ihr, wenn ihr eine Woche Zeit hättet?

Helge:
Es wäre vielleicht möglich, in einer längeren Sitzung an ein paar Details herumzufeilen. Es ist auch abhängig vom Studio… Allerdings ist uns der rohe, unverfälschte Livesound sehr wichtig, und den gibt es nur bei einer Liveeinspielung. Und die dauert eben nicht lange bei uns. Was weiß ich, was die vielen Bands Wochen und Monate so im Studio treiben…!

PP:
Wie schreibt ihr denn Songs? Ist das ein schneller, griffiger Prozess oder ist jedes Riff, jedes Break und jede Noise durchdacht und am richtigen Platz?

Helge:
Es ist ein recht schneller Prozess, das ist aber nicht die Regel. Und selbstverständlich ist alles durchdacht, was denkst du denn? Und am richtigen Platz sowieso. Ein Baustein ist die Kraft, ein anderer der Rhythmus. Das darf schon nicht allzu intellektuell angegangen werden, mehr aus Bauch und Herz raus.

PP:
Für das Frühjahr und den Sommer habt ihr einige Konzerte auf dem Zettel. In Frankreich sogar eine recht ausgedehnte Tour. Ist dort NoiseRock beliebter, wie hierzulande? (Und warum?)

Helge:
Noise Rock ist dort auf alle Fälle beliebter als hier. Ich kann nur mutmaßen, weshalb. Die Franzosen haben immer schon eine große Liebe zu handgemachter Musik und zu Rockmusik gehabt, denke ich

PP:
Ich habe gelesen, daß ihr schon vor vielen Jahren in Bands aktiv wart, wie zB are we electric. Dazwischen gab es eine (Baby)Pause?!? Was bringt euch also wieder auf die Strasse?

Helge:
Das stimmt so nicht. Ralf und ich hatten immer Projekte dazwischen, die allerdings nicht zu voller Blüte gelangten….

PP: 
Danke!

Nachklapp:
Das war ein kurz & knackig abgefragtes Interview. Helge und ich sind über die Jahre in Kontakt geblieben und haben inzwischen auch die Bühne mal miteinander geteilt.
Hier noch der alte Insta von Buzz Rodeo.
Die Band gab es von 2014 – 2018.

Inzwischen spielt Helge in zwei Bands. Einmal mit Daniela (sie war auch bei Buzz Rodeo) bei Unbite, auch Noiserock, und bei den Neckarions, Streetpunk. Beide Bands sind in Stuttgart ansäßig.

Discographie:
2015    sports LP  (review)
2016    victoria 7″
split 10″ /w [peru]
tour EP CDr
2017    combine LP
2018   stunt king / 1 song digital

und ein Video zum Abschluß

interview: #2 – Electro Baby – Stonerrock, Karlsruhe (r.i.p.)

Vorklapp:
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Ausgabe 13 eventuell in 2026!

INTERVIEW ELECTRO BABY

Ich wüsste nicht mehr so genau, seit wann ich ElectroBaby kenne, wenn da nicht lauthals immer vom „13 jährigen“ (Jubiläum) die Rede gewesen wäre.

Robert, der lange an der Gitarre stand, kenne ich aus dem letzten Jahrtausend noch, haha! (Abel killed Kain und BockAufRausch). Dann kam [e:on], dann das ElectroBaby. Oli mir nun bekannt seit der Vorgängerband ( [e:on] ), hatte ich immer Spass daran, den Mannen zuzuhören und die Entwicklung mit zu verfolgen. Zumal es sich auch immer wieder traf, dass der eine oder andere in die eine oder andere Band wechselte und wir dann die Bühne mit diesen Bands teilten!
Als dann klar war, dass sie endlich auch eine LP rausbringen MUSSTE ich zugreifen! Mal schnell zu Olli rüber , und bitte:

PP:
Wie lief der Release Start?

Oli:
Die Release Show im Substage Karlsruhe sowie der darauffolgende Tag in der Live Music Hall Weiher zusammen mit Motorjesus und The Hellboys waren der absolute Hammer. Das war ein richtig cooles Package, alles lockere Jungs und die Publikumsreaktionen waren fantastisch!!!

Wir hatten ja auch schon vor der Release Show einen Stream unseres neuen Albums „Flies Are Happy About Coyote Shit“ auf YouTube gestellt. Darauf waren die Reaktionen schon durch die Bank positiv! Und wir haben in so einem frühen Stadium schon mehr Feedback als bei irgendeiner Platte zuvor. Die ganze grosse Musikpresse ist bemustert, da stehen die Reviews aber noch aus.

PP:
Beim hören des Albums fällt mir auf, daß ihr es in den vergangenen 13 Jahren nicht unterlassen habt, Euch zu verändern! Mal abgesehen von Besetzungswechseln an der Gitarre, ist immer eine musikalische Entwicklung von Album zu Album zu hören. Was treibt Euch an?

Oli:
Das hat sich eigentlich ganz von alleine ergeben. Wir sind nach wie vor eine Jam-Band und versuchen eigentlich immer die bestmöglichen Songs zu schreiben. Es soll immer ein Album werden, das wir auch gerne selbst im Laden kaufen würden.

Ich denke, wir haben alle einen recht hohen Anspruch an uns selbst und als Mensch wie auch als Musiker hörst du ja nie auf zu lernen. Und durch deine ganzen Erfahrungen die du sammelst, veränderst du dich ja auch als Mensch ständig. Und die ganzen Eindrücke die jedes Bandmitglied individuell sammelt, spiegeln sich in der Musik wieder. Dann willst du ja nach jedem Album was anders oder besser machen, so ist auch das eine ständige Antwortreaktion. Wir könnten, glaube ich, auch nie das gleiche Album zwei mal machen.

Generell kann man sagen, da ist bei jedem von uns der Drang, etwas kreativ zu erschaffen.

Und wir lieben es einfach 😉

PP:
Ich höre diesmal viel mehr Blues-Gitarren, was auf dem ein oder anderen Album ja mehr Pantera war. Altersmilde geworden?

Oli:
Robmaster ist ja die totale Riffmaschine, Kim kommt dagegen mehr aus dem Blues. Und da Kim ja jetzt alleiniger Gitarrist bei uns ist hat sich auch das einfach so ergeben. Natürlich sind auch wir älter geworden, aber ich denke man spürt da auch einfach eine gewisse Reife. Die Riffs sind auf jeden Fall bluesiger, aber ich finde sie auch viel schwerer. Und ein schwerer Bulldozer fährt nun mal nicht so schnell, dafür steckt aber eine Menge Kraft dahinter.

PP:
2 Songs haben exakt dieselbe Länge. 5Minuten57. Zufall?

 Oli:
Daran haben wir lange gearbeitet, da steckt auch ein tieferer Sinn dahinter. Hahahaha, nein, kompletter Zufall ;)))

PP:
Nach so vielen Jahren kann man ja behaupten, daß ihr Urgesteine der Karlsruher StonerRockSzene seid, falls es die geben sollte (…) und wenige Bands halten es so lange miteinander aus. Viele Konzerte, Songs schreiben, Besetzungswechsel, Aufnahmen.
Wie schafft ihr das?

Oli:
Wir haben ja alle vorher schon in vielen Bands gespielt, mit allem Drama drum und dran. Und bei ELECTRO BABY haben wir von Anfang an gespürt, dass da eine ganz besondere Chemie herrscht. Natürlich muss man an einer Beziehung auch arbeiten, das ist ganz klar. Aber wir haben auch alle keinen Bock auf diesen Kindergarten mehr. Wir wollen uns treffen, jammen, Songs schreiben, die aufnehmen und auf Platte rausbringen, live spielen und einfach Spass miteinander haben. Und wie schon gesagt, wir lieben was wir tun!

PP:
Gab’s mal nen richtigen Durchhänger?

Oli:
Oh ja, natürlich, und nicht nur einen;) Jeder Besetzungswechsel ist total nervenaufreibend und geht allen an die Nieren, sowas braucht keiner mehr von uns. Und dann gibt es die Momente, wo mal wieder diese Kette kommt, wo einfach nichts klappt und alles schief läuft und du auch mal denkst, warum mach ich den Scheiss eigentlich? ;))) Aber schon nach einer Nacht darüber schlafen weisst du, dass du einfach nicht anders kannst und es essentiell brauchst. Uns hat es immer geholfen, wenn wir uns dann wieder ein Ziel gesetzt haben, auf welches wir hingearbeitet haben. Vor anderthalb Jahren war auch so eine Pechsträhne, da wurden Gigs abgesagt wegen Überschwemmung, weil der Club schliessen musste, weil jemand wirklich richtig krank war usw. Da haben wir uns auch gesagt, dann schreiben wir eben eine neue Platte ;))

PP:
Ihr seid mit eurem Plattendeal bei Abandon Records raus in die große Welt und nun wieder „back to the roots“ in der Heimat bei Eucalypdisc. 
Die richtige Entwicklung?

Oli:
Für uns auf jeden Fall! Wir haben jede Menge Erfahrungen gesammelt;)

PP:
Gibt es Unterschiede in der Herangehensweise? (bspw. macht ihr nun mehr selbst?)

Oli:
Wir waren eigentlich schon immer eine komplette DIY Band. Es ist falsch zu denken, dass wenn man bei einem kleinen Indie-Label ist, plötzlich einem alles abgenommen wird und man sich voll auf den kreativen Prozess konzentrieren kann.

Unsere Erfahrung war eigentlich immer, wenn du dich selbst nicht um alles kümmerst, dann passiert auch nichts. Eucalypdisc Records gehört einem Freund von uns, welches wir nach dem Weggang von Abandon reaktiviert haben. In unserer Zeit bei Abandon haben wir gesehen, wie ein Indie-Label operiert. Die Tricks und Kniffe haben wir dann auf Eucalypdisc übertragen und von da an wieder alles selbst gemacht. Und so kannst du dir bei zu wenig Promoarbeit, Bemusterung usw nur an die eigene Nase fassen.

Du hast aber so auch die absolute Kontrolle. Geld ist bei keinem kleinen Label da, so auch nicht bei Eucalypdisc. Wir haben aber eine Vertriebsstruktur, die wir auch befreundeten Bands (die wir gut finden) zur Verfügung gestellt haben.

Dank Bandcamp kultiviert sich aber immer mehr der Direktvertrieb vom Musiker zum Fan, worin ich auch persönlich die Zukunft sehe. Selbst Rick Rubin hat in einem Interview vor Jahren gesagt, dass alles darauf hinausläuft und Plattenfirmen sterbende Dinosaurier sind.

PP:
Von Anbeginn habt ihr auch auf „verrückte“ (mir fällt grad kein gutes Wort ein) Zusammenarbeiten gesetzt. Angefangen mit Julie Strain als Covergirl, Musik für ein Videospiel und dem Wrestler Master J? Wie kommt/kam es dazu?

Oli:
Das hat sich auch alles so ergeben! Ich hatte ja damals das Logo der Starfuckers entworfen und mir dann Ärger von meinen Bandkumpels eingehandelt, wie ich für die so ein geiles Logo machen kann ;))) Electro Baby hat sich ja kurz nach den Starfuckers formiert. Und durch Heavy Metal F.A.K.K. 2 bin ich auf Julie Strain gestossen und habe unser Logo auf einem Bild von ihr basierend entworfen. Wir haben sie dann einfach gefragt, ob wir es verwenden dürfen. Sie meinte, wir dürften sie immer jederzeit verwenden. So kam es dann, dass sie auf jedem Cover von uns zu sehen war.

Nur bei dem Cover von FAHACS haben wir bewusst einen Schnitt gemacht. Es hat sich einfach zu viel in eine etwas andere Richting entwickelt, so dass das alles nicht mehr so richtig gepasst hat und wir das auch optisch unterstreichen wollten.

Eine Freundin der Band kannte jemand bei Techland in Polen (die ja auch für Unisoft Spiele entwickeln) und hat uns empfohlen. Die fanden die Musik von uns gleich super und haben uns für das Spiel „Speedway Liga“ verpflichtet.

Der Wrestler Master J hat uns kontaktiert, ob wir für ihn ein Entrance Theme schreiben möchten. Wir haben dann einen Kampf von ihm besucht und fanden dort den gleichen Entusiasmus wie bei uns. Da wir kurz vor einer Albumproduktion standen, hat das dann auch super gepasst.

PP:
Wie schaut‘s aus für 2015?

Oli:
Wir sind mitten in der Gigplanung und möchten jetzt mal einfach nur Gigs spielen. Ein paar andere Sachen sind noch in der Pipeline, aber jetzt im Moment noch nicht spruchreif.

PP:
Gibt’s in der erwähnten Karlsruher StonerSzene noch mehr Bands zu hören?

Oli:
Auf jeden Fall! Da ist zuerst mal Kim’s andere Band AllHazeRed zu nennen und checkt unsere Labelmates von Lunatic Spirit, die machen geilen Stoner/Death/Doom.

Hammergeil sind auch Doom Division aus Stuttgart, die haben diesen Down/Crowbar-Vibe.

Alle Bands sind äusserst empfehlenswert und sollten unbedingt mal angecheckt werden;)

 

 

 

 

 

interview: #2 – WuZeTian – screamo, achern

Vorklapp:
Nach und nach werde ich – bis Weihnachten – mal alle Printinterviews, auch längst verblichener Bands, hier online stellen. Ich pimp die noch ein wenig, Musik, Links, Fotos. IMMER DONNERSTAGS – zur Tea-Time.Auch die bereits veröffentlichten bekommen einen neuen Termin und werden angepasst.
Alle Ausgaben sind Out of Print und werden nicht wieder aufgelegt.
Ausgabe 13 eventuell in 2026!

INTERVIEW      WuZeTian

PP:
Moin ihr!
Dann stellt euch mal den Menschen hier vor:

Marco:
also: dominik und fränk =gitarre, tobias=bass, michael=schlagzeug und marco=geschrei

PP:
Wie lange spielt ihr denn schon zusammen? Seid ihr alle aus Achern?

Marco:
wir ertragen uns ungefähr seit dem frühjahr 2011. angefangen hat es damit, dass fränk und ich (marco) einen proberaum suchten, da wir mugge machen wollten und dominik und michael einen proberaum hatten, aber bei ihrer damaligen band nichts mehr ging. und da wir eh noch leute für die combo brauchten, haben wir uns einfach zusammengetan. alles eher ein produkt des zufalls! wir haben dann erst mal lange ohne basser geprobt, bis dann der tobi (auch gitarrero bei the serration) zu uns stieß, mit dem fränk vorher schon in ner band spielte.

in achern direkt wohnt eigentlich keiner von uns, tobias und fränk sind aus sinzheim, der rest stammt aus dem umfeld von achern. da wir aber dort unseren proberaum haben und dorfcombos sich meist in der nächsten stadt verorten, haben wir das auch so gehalten!

PP:
Du empfindest Achern also als eine Stadt, haha!?

Marco:
nun, ich bin in einem kleinen dorf aufgewachsen mit unter hundert einwohnern, daher geht das bei so nem landei wie mir recht schnell! tatsächlich hat achern seit 1808 das stadtrecht und ist seit 1974 grosse kreisstadt, sowie viertgrösste stadt in der ortenau (du merkst ich hab etwas heimatkunde betrieben)! kleinstadt hättest du wohl eher verknusen können, was?! vielleicht hätten wir sagen sollen, wir kommen aus offenburg oder karlsruhe (machen viele so, manchmal reichts wenn einer dort studiert)! provinziell sind sie aber alle! (was jetzt nicht negativ verstanden werden soll).

PP:
Bisher habt ihr nur ein Demo rausgebracht in 2012, wie läuft es bei euch und warum kriegen wir nicht mehr zu hören?

Marco:
unser hauptproblem ist terminlicher natur, da wir alle beruflich ziemlich eingebunden sind. wochenend-und schichtarbeit…, ausser michael der nur am wochenende hier ist, da er studiert. daher schaffen wir max. 2 proben im monat, was sehr wenig ist! auch haben zwei von uns kinder und die familie geht oft auch einfach vor. wenn wir uns dann mal treffen, müssen wir erst mal reden und ein paar biers trinken und dann sind wir einfach zu müde noch musik zu machen! ach, wir sind einfach alt und faul! (so 50/50, eine hälfte is alt, die andere faul und einer ist beides!)

PP:
Naja, das sind einige Gründe, aber habt ihr nicht auch das Gefühl, daß eure Musik einfach eines Labels / Vertriebs bedarf, um euch bekannter zu machen?

Marco:
nein (tobi wird mir jetzt bestimmt die freundschaft aufkündigen), unterstützung ist zwar immer willkommen, grad im bezug auf konzerte und ein vertrieb würde auch helfen, aber im großen und ganzen sind wir unser eigener herr und machen was wir wollen! (diy/dit) ausserdem glaube ich,  haben wir uns mit der obigen antwort für labels schon disqualifiziert. wer will schon alte faule bands mit sinn für die familie! zudem nennt man so was wie uns einen geheimtipp!!!

PP:
Woher kommt euer Bandname, ist der, durch die Groß- und Kleinschreibung WuZeTian, eine Abkürzung?

Marco:
wu zetian lebte im 7/8 jahrhundert und war die einzige frau, die jemals offiziell chinesische kaiserin war (jede frau eines kaisers war natürlich kaiserin, aber wu zetian bestieg tatsächlich den drachenthron). sie kam als junges mädchen in den palast und hat sich angeblich durch intrigen von einer konkubine bis zur hauptfrau des kaisers (dessen vaters konkubine sie schon war) `hochgearbeitet´! angeblich hat sie den kaiser über jahre langsam vergiftet! sie reformierte das reich und führte den buddhismus als staatsreligion ein! es gibt auch viele gräusliche geschichten über sie wie kindsmord usw., aber ich glaube das geschichtsschreibende patriarchat wollte kein gutes haar an ihr lassen. ihre amtszeit gilt auch nur als unterbrechung der tang-dynastie! (so ungefähr, frag wiki!) also nein, keine abkürzung!

wir wollten einfach einen unverwechselbaren namen (wieso immer englisch od. deutsch?) und die schreibweise fanden wir so einfach cooler, wobei sicher jeder muttersprachler die augen rollen würde!

PP:
Oha, China. Wichtiges Thema, oder wird zum wichtigen Thema. Scheint eine außergewöhnliche Frau gewesen zu sein. Seitdem hat sich allerdings einiges getan und das nicht unbedingt in positiver Richtung. Ich mag jetzt keinen Weltpolitik-Diskurs beginnen. Doch die Realität sieht so aus, daß es ein repressives Riesenvolk ist, was da ranwächst und gedeiht. Hast Du Verständnis dafür oder Angst vor dem Wolf im Schafspelz?

Marco:
tja, ich bin kein china experte, aber positive oder negative entwicklung? die menschen sind seit jahrhunderten der willkür herrschender ausgesetzt, ich glaube nicht, dass es früher besser war. ich stell mir vor, dass es z.b. in der kaiserzeit oder unter mao beschissener war als jetzt, aber was weiss ich schon! ein riesenvolk sind die chinesen ja schon, um genau zu sein, das bevölkerungsreichste land der erde. natürlich spielt das weltpolitisch und wirtschaftlich eine grosse rolle, was den westen, glaub ich,  ganz schön nervt. die volksrepublik ist ressourcenhungrig, da kommt man sich ins gehege, siehe z.b. in afrika! interessant finde ich die wirtschaftliche entwicklung, ein kommunistisches land, das sich dem kapitalismus öffnet (ist aber ein eigenes thema). bedenklich ist, dass in solchen systemen menschenrechte und umweltschutz so gut wie nicht zählen, obwohl sich selbst die chinesische regierung darüber notgedrungen gedanken macht. also verlogener als westliche staaten sind die jetzt auch nicht. der westliche reichtum und die lange vormachtstellung der westlichen hemisphäre gründet ja auch auf ein paar jahrhunderte kolonialismus, auch in china (die briten und auch deutsche) und jetzt kommt der westen und sagt so nicht. da kann ich schon nachvollziehen, dass schwellenländer denken, ihr könnt uns mal. wie begründet man z.b., dass hier jeder ein auto hat, aber zu denen sagt, das könnt ihr jetzt nicht auch alle haben. angst, weiss ich jetzt nicht, aber besorgt schon! letztendlich denke ich, dass die zeiten sich immer ändern und jetzt ist evtl. asien dran. andere grosse nationen verlieren an bedeutung, ich kann mir vorstellen, dass die usa in der zukunft ihren einfluss in der welt einbüssen, das britische empire ist ja auch eingegangen! …aber das führt alles zu weit, ich muss jetzt aufhören. so jetzt lieber zum fest noch ein paar elektrogadgets bestellen!

PP:
In Achern finden ja leider nicht so viele Konzerte statt. Schafft ihr es etwas weiter zu fahren und euch Gigs anzuschauen? Wie erlebt ihr die Szene zwischen Karlsruhe und Offenburg?

Marco:
nein in achern, bühl und baden-baden geht nicht so viel, aber in rastatt u. karlsruhe ist schon mehr geboten. In offenburg war ich schon ne weile nicht mehr auf nem konzert, wobei mich ne band mittlerweile schon sehr interessieren muss, um weiter zu fahren! ich hab einfach nicht mehr so viel zeit und bock.  hab auch dass gefühl, schon so viel gesehen zu haben, dass mich nicht -blöd gesagt- jede ami-kapelle hinterm ofen vorlockt.  ich find es für mich eher spannend, lokale bands zu sehen, deshalb sollte man hier vor der eigenen haustür ein bisschen was machen, aber das scheint schwierig zu sein von veranstalter- und besucherseite aus! nur warum?

tobias und fränk bekommen eher mal ihren arsch hoch, dominik sieht es, glaub ich, ähnlich wie ich, bei michael bin ich mir jetzt nicht so sicher!

PP:
Eure Texte sind sehr emotional. Um was geht es Euch?

Marco:
ich bin nun mal ein sehr empfindsames wesen! nun in meiner musikalischen sozialisation bin ich ein kind des 90er (emotiv) hardcore  und die texte sind  halt dass, was aus mir rauspurzelt. ich will bei den persönlicheren texten nachvollziehbar bleiben, aber trotzdem jedem seinen eigenen interpretationsraum lassen. aber alles ist emotional und alles ist politisch, wobei das nicht heissen soll, dass es sich hier jemals um gegensätze gehandelt hat!

PP:
Du hast es gerade angesprochen, was mich, sicher auch aufgrund meines Alters, umtreibt. Was war denn in den (19)90ern so besonders und was fehlt heute?

Marco:
besonders war erst mal, dass ich jünger war und mehr unterwegs (aaargh! schon wieder geht’s ums alter). die neunziger waren sicher in vielem furchtbar, aber was underground/independent musik anging, einfach nur geil, ich bin halt mit dem scheiß groß geworden! früher war alles besser, dass wusste mein opa schon!

heute (bzw. vor ca.10+ jahren) hat die industrie, wie so oft, diese bewegung für sich entdeckt und die kids machen gerne mit. es fehlt mir ein bisschen das herzblut u. der enthusiasmus. alle wollen so professionell sein, style ist meiner meinung nach zu wichtig und keiner will wohl mehr nen standpunkt haben! das ist natürlich nur mein empfinden, aber ich hab das gefühl, damals war das nicht so. natürlich hat sich die gesellschaft und das konsumverhalten durch neuere technik und andere medien verändert. wir sind heute ziemlich schnell gelangweilt! (ich glaub ich skip den song mal!)

PP:
und wie geht es weiter in 2015?

Marco:
wir würden gerne anfang des jahres aufnehmen und etwas mehr konzerte spielen, mal sehen! evtl. auch auflösen und 2025 ne fette reunion!

PP:
Hört nach einem völlig undurchdachten Plan an, hihi! Wie wäre es mit einem kleinen, großen Festival mir allen Lärmbands dieser Gegend? (Schlecht erreichbar für die Zuschauer. Ohne Zeltplätze und zu wenig Bier. Wir spielen uns gegenseitig allen was vor, bringen dann einen 6 Lp Sampler raus und schiessen den in den Orbit, denn hier interessiert sowieso keinen mehr, was Vinyl ist. – auch zu undurchdacht?)

Marco:
ja!
wie wäre es mit einem kleinen keller oder proberaum, der mit 20 leuten gerammelt voll ist, aber alle bock haben! mehr bräucht ich nicht!

PP:
Bedankt!

Marco:
danke felix für deine mühe, ladet unser musik für umme von bandcamp und teilt sie mit eueren freunden!

Discographie:
2012 bunker demo
1000 miles to my heart

2017 Split 7inch
1000 miles to my heart, taste the sword records

2024 LP „alles lebt alles stirbt“
1000 miles to my heart, krachige platten

aktueller Videoclip:
lautstarke filme