interview: #4 – adoney – psych-rock – karlsruhe (r.i.p.)

Jemand taucht aus dem Nichts auf.

Nein, die Tür zum Büro des Artcanrobert geht auf, Jemand kommt rein und schweigt. Jables und ich sitzen auch wie angewurzelt auf der Couch und beobachten den Eindringling. Keiner spricht. Nach einer gefühlten Ewigkeit frage ich dann doch mal ein neugieriges, fragendes: „Ja?“ Ein Rülpser ins Mikrofon.
Klasse. Wäre das nun also auch geklärt.

Fürs Protokoll: es ist der 17.12.2016. Interviewpartner Jables, Gitarrist von ADONEY, einer Karlsruher Rockband und Felix Frantic, dem wildgewordenen Haufen Buchstaben, der aus allem einen Satz macht.

PP:
Ich würde gerne mit „hey, stellt euch mal vor“ beginnen, aber leider, leider, ist keiner da.
(Lachen) Wo sind denn alle?

Jables:
Leider, leider. Ich weiß gar nicht genau, was die anderen heute Abend machen. Ich weiß nur, daß die Probe morgen ausfällt.

PP:
Kein Jahresabschlußkonzert mehr anstehen?

Jables:
Doch. Also hatten wir schon. Letzten Freitag. Im Soundcheck One, von den Sons of Sound in Etzenrot. Kennste?

PP (lapidar):
Nö. Ich kenn keinen.

Jables (erstaunt):
Nicht?

PP (total verwundert):
Ist das in Deutschland?

Jables:
So’n Kaff im Tal bei Fischweiher, Busenbach. Fernab in einer alten Fabrik. Da machen die jedes Jahr das „soundcheck one festival“

Jemand läuft vorbei. Er hat einen Zettel auf dem Rücken kleben. Ich frage Jables, ob wir ihm das sagen sollen. Wir sind uns schnell einig, daß wir es ihm nicht sagen werden.

Jables:
Ne, lass uns mal gucken, was passiert.
(kichern)
Also die Band besteht aus Lars, unserem Sänger. Alex spielt Drums, Chris den Bass und eben ich an der Gitarre.

PP:
Ihr habt im Sommer eurer ersten Album rausgebracht „CHAGRIN“! Wie läufts?

Jables:
Kann es gar nicht so genau sagen. Fühlt sich alles sehr gut an und wir sind auch schon an der neuen Platte dran. Wir haben ziemlich viel neues Equipment gekauft, weil wir uns dazu entschlossen haben, die Nächste auch selbst zu machen. Das kommt daher, daß wir auch schon zur CHAGRIN alles selbst aufgenommen hatten und uns das Klangergebnis so überrascht hat, daß wir es nur noch zum Mastern gegeben haben. Chris hat sich da in letzter Zeit ordentlich reingefuchst.

PP:
Soll heissen: in 2017 kommt schon der Nachfolger?

Jables:
Das weiß ich nicht! (lachen) Man wie ja nie was passiert… Wäre schön! Doch ehrlich gesagt sind wir nicht die schnellsten Songwriter. Wir halten uns gerne an Kleinigkeiten auf und feilen lange, bis alles stimmt. Und wir sind gerade dabei, Gigs für nächstes Jahr zu planen, dieses Jahr läuft nichts mehr.

PP:
Ich sitze auch lieber unterm Tannenbaum und warte auf den Schnee.

Jables:
Oder man geht zum „Christmas Rock“ nach Gaggenau… wusstes Du, daß das dieses Jahr nicht stattfindet?
(verwundertes Gesicht)
Nur mit DJ! Wahnsinn!
Jedenfalls wollen wir versuchen, mehr rauszukommen, haben auch schon mal in Berlin gespielt.

PP:
Ihr seid ja auf einem quasi schon alteingesessenen Label EUCALYPDISC.
(raunen)
Ja, ich glaube, eins der ersten Releases war das EON-Demo Anfang der 2000er. Habe das immer von der Ferne beobachtet, was für Bands kommen und auch gehen und freue mich da für euch, daß ihr dort am Start seid!
(sehr lautes Schlagzeugspiel setzt ein)

Jables (laut):
Wir sind super super glücklich, dort gelandet zu sein, weil der Olli (Basser bei ELECTRO BABY r.i.p.) uns schon begleitet, seid wir zusammen Musik machen. Er hat uns für unsere erste EP auch das Cover gestaltet. Chris ist ohnehin der wahnsinns ELECTRO BABY Fan. (Interview aus Ausgabe 2) Deswegen ist das schon großartig, daß wir uns dort mit einreihen dürfen!

PP (schreit zurück):
Also bleibt ihr dem Label erstmal treu?

Jables:
Ja, auf jeden Fall.
(die Musik stoppt plötzlich, wir können wieder leiser sprechen)

PP / Jabels:
Joa, öh, hatte nen Gedanken, doch der ist nun… Öh.

PP:
Ach, beim Booking waren wir!

Jables:
Durch EUCALYPDISC sind wir in einem Vertrieb „herbie martin“ in Karlsruhe auch. Die machen zusammen ??? (unverständlich, obwohl es leise war!) Da kam der Carsten bei unserer Releaseparty im September im Substage auf mich zu, drückte mir sein Handy in die Hand und meinte „hast du schon den neuesten Post von Herbie Martin gesehen?“.
Wir waren tatsächlich schon am ersten Tag des Release auf Itunes direkt auf Platz 107 der Alternativcharts eingestiegen. Für den Releasetag mit Konzert im proppenvollen Substage mit unseren Labelmates ELECTRO BABY und dem Einstieg bei Itunes – das hat sich schon saugeil angefühlt. Klar, passieren tut da nicht so viel, ich wohne immer noch zuhause,
(Gelächter) es war einfach ein superklasse Tag!

PP:
Wie setzt sich denn eure Art zu spielen zusammen? Gibt’s ne schöne Schublade, in die man euch stecken kann? Alternative ist a doch auch ein recht weites Feld geworden mit einem ganzen Haufen Spielarten.

Jables:
Da tue ich mich, glaube ich, am allerschwersten von allen. Auf jeden Fall ist da Grunge drin. Das kriegen wir auch immer wieder bestätigt! Viele sagen, daß wir sie an PEARL JAM erinnern.

PP:
Mich hat das so an die Band erinnert, die „black hole sun“ gespielt haben. Klingt schwer nach meiner Jugend in den 90ern und einer offensichtlich gut gelungenen Verdrängung. Ich habe diesen Song leidenschaftlich gehasst!

Jables:
Ich sag es mal so: ADONEY ist alles, nur keine Konzeptband. Deswegen auch kein wirkliches festlegen auf ein Genre. In den Anfangstagen hatten wir Visitenkarten auf denen stand, daß wir Hard’n’Blues’n’Roll machen. Damals war mein Gitarrenspiel sehr vom Blues geprägt. Was dann bei mir zum Stonerrock wurde.
Als Lars dann dazukam, hat der auch noch mal musikalisches total viel in den Topf geworfen. In der Band hören wir schon sehr unterschiedliche Musik. Mit Alex höre ich die ganzen alten Rocksachen wie LED ZEPPELIN oder so. Der ist ja als Baby von seinem Vater mit DEEP PURPLE beruhigt worden!
Ich habe mit Musik recht spät erst angefangen. In der Realschule. Ich habe dann auf ner Party vom Kumpel meines Vaters, der immer wieder Jamsessions macht, Eric Clapton’s LEILA für mich entdeckt. Und so kam ich darüber dann an all die älteren Rocksachen.
Ich bin ein wenig abgeschweift. Wie setzt sich das zusammen? Ich würde sagen Grunge, Stoner, ich sag jetzt mal Blues, weil das immer noch voll in mir drin ist. Also passt Alternative Rock schon ziemlich genau!
Finde es echt schwer als Musiker seinen Nenner zu benennen, weil man so viel mehr darin sieht, als es vielleicht andere tun. Und dann fragen: „willste mich verarschen?“
(Gelächter)

PP:
Man hört euch echt an, das da Potential ist, was noch geweckt werden will, bei ADONEY. Ihr spielt gut zusammen! Ihr solltet mal raus aus der Provinz!

Jables:
Yeah, danke und auf jeden!

PP:
Wie entstehen denn eure Texte?

Jables:
Ich würde ja jetzt gerne etwas aufsagen, aber ich kann sie nicht auswendig. Voll peinlich!

PP:
Ich kann eure Texte auch nicht.
(Kichern)

Jables:
Also Texte sind voll Lars‘ Ding! Finde ich auch völlig okay so, denn er darf es singen, nicht ich! Soll nicht heißen, daß sie mich nicht interessieren! Ich will die Musik fühlen und deswegen gehe ich da natürlich eher auf das Zusammenspiel ein, als auf die Lyrics. Songs sind wie ein bisschen wie Menschen. Jeden musst du kennenlernen, ihn anders behandeln, sodaß du vielleicht was mit ihm anfangen kannst.

PP:
Warum habt ihr euch denn für englische Texte entschieden?
(die Musik wird wieder seeeehr laut)

Jables (auch laut):
Ich bin auch ein Fan von Musik mit Dialekten oder so. Es gibt jetzt keinen bestimmten Grund, weswegen wir Englisch singen! Für mich persönlich war es, als ich Englisch gesungen habe, so ein „hinter der Sprache verstecken“. Ach, schwierig, haha! Ich habe das Gefühl, ich kann mich in Deutsch nicht so gut ausdrücken, weswegen ich auf Englisch schreibe. Vielleicht geht es da Lars ähnlich.

PP:
Ich werfe mal in die Runde, daß sich Deutsch vielleicht nicht so leicht singen lässt. Man kann die Uh’s und Oh’s nicht so ziehen! Was hört ihr denn, wenn ihr unterwegs seid, für Mucke?

Jables:
Im Moment eigentlich recht viel HipHop!

PP:
Boah – Aufschrei – Verrat! Verrat!
(Lachen)

Jables:
Ich war tatsächlich nie ein HipHopper! Oder auch die alten Rocksachen. GUNS N ROSES, LED ZEPPELIN, JIMI HENDRIX oder auch gerne ruhige, melancholische Musik.

(Die Tür öffnet sich. Jemand kommt rein: )
Paddelnohnekanu!

PP:
Ich wusste du lauschst!

Jables:
Klar! Paddelnohnekanu. Der größte Witz der Popgeschichte.

 

PP:
Äh. Jetzt geht das aber ein bisschen durcheinander.
(die Musik setzt wieder ein, es war kurz Pause)
Du meinst die GUNS N ROSES!
(wir sind uns einig, lachen)
Da kam neulich ein Vater auf mich zu, im Handballtraining, erzählte mir voll stolz „ey, ich hab Karten für GUNS N ROSES. 135 Tacken“ und ich so: …… toll!
(wir lachen uns schlapp. Warum auch immer)

Jables:
Na die „appetite for destruction“ war schon geil! Da geht nix drüber!

PP:
Scheiße ja. Ich muss gestehen: ich hatte sie mir damals auch gekauft. Und ich meine damals, 1987! Mit dem fiesen Frauenrobotercover. Wir tauschten damals noch Platten untereinander. Jugendlicher Leichtsinn. Hab sie nie wieder gekriegt. Könnte wahrscheinlich meine Rente retten!

Und bevor ich das letzte Wort habe, wünsche ich mal viel Erfolg weiterhin!

Jables:
Dankeschön!

Anmerkung:
Jables spielte bis Ende letzten Jahres in der Emo-Band FINDING HARBOURS.

Und aktuell bei der Band NOMAD, die auch ein ganz wunderbares Tape raushaben! krachige-platten.