interview: #4 – adoney – psych-rock – karlsruhe (r.i.p.)

Jemand taucht aus dem Nichts auf.

Nein, die Tür zum Büro des Artcanrobert geht auf, Jemand kommt rein und schweigt. Jables und ich sitzen auch wie angewurzelt auf der Couch und beobachten den Eindringling. Keiner spricht. Nach einer gefühlten Ewigkeit frage ich dann doch mal ein neugieriges, fragendes: „Ja?“ Ein Rülpser ins Mikrofon.
Klasse. Wäre das nun also auch geklärt.

Fürs Protokoll: es ist der 17.12.2016. Interviewpartner Jables, Gitarrist von ADONEY, einer Karlsruher Rockband und Felix Frantic, dem wildgewordenen Haufen Buchstaben, der aus allem einen Satz macht.

PP:
Ich würde gerne mit „hey, stellt euch mal vor“ beginnen, aber leider, leider, ist keiner da.
(Lachen) Wo sind denn alle?

Jables:
Leider, leider. Ich weiß gar nicht genau, was die anderen heute Abend machen. Ich weiß nur, daß die Probe morgen ausfällt.

PP:
Kein Jahresabschlußkonzert mehr anstehen?

Jables:
Doch. Also hatten wir schon. Letzten Freitag. Im Soundcheck One, von den Sons of Sound in Etzenrot. Kennste?

PP (lapidar):
Nö. Ich kenn keinen.

Jables (erstaunt):
Nicht?

PP (total verwundert):
Ist das in Deutschland?

Jables:
So’n Kaff im Tal bei Fischweiher, Busenbach. Fernab in einer alten Fabrik. Da machen die jedes Jahr das „soundcheck one festival“

Jemand läuft vorbei. Er hat einen Zettel auf dem Rücken kleben. Ich frage Jables, ob wir ihm das sagen sollen. Wir sind uns schnell einig, daß wir es ihm nicht sagen werden.

Jables:
Ne, lass uns mal gucken, was passiert.
(kichern)
Also die Band besteht aus Lars, unserem Sänger. Alex spielt Drums, Chris den Bass und eben ich an der Gitarre.

PP:
Ihr habt im Sommer eurer ersten Album rausgebracht „CHAGRIN“! Wie läufts?

Jables:
Kann es gar nicht so genau sagen. Fühlt sich alles sehr gut an und wir sind auch schon an der neuen Platte dran. Wir haben ziemlich viel neues Equipment gekauft, weil wir uns dazu entschlossen haben, die Nächste auch selbst zu machen. Das kommt daher, daß wir auch schon zur CHAGRIN alles selbst aufgenommen hatten und uns das Klangergebnis so überrascht hat, daß wir es nur noch zum Mastern gegeben haben. Chris hat sich da in letzter Zeit ordentlich reingefuchst.

PP:
Soll heissen: in 2017 kommt schon der Nachfolger?

Jables:
Das weiß ich nicht! (lachen) Man wie ja nie was passiert… Wäre schön! Doch ehrlich gesagt sind wir nicht die schnellsten Songwriter. Wir halten uns gerne an Kleinigkeiten auf und feilen lange, bis alles stimmt. Und wir sind gerade dabei, Gigs für nächstes Jahr zu planen, dieses Jahr läuft nichts mehr.

PP:
Ich sitze auch lieber unterm Tannenbaum und warte auf den Schnee.

Jables:
Oder man geht zum „Christmas Rock“ nach Gaggenau… wusstes Du, daß das dieses Jahr nicht stattfindet?
(verwundertes Gesicht)
Nur mit DJ! Wahnsinn!
Jedenfalls wollen wir versuchen, mehr rauszukommen, haben auch schon mal in Berlin gespielt.

PP:
Ihr seid ja auf einem quasi schon alteingesessenen Label EUCALYPDISC.
(raunen)
Ja, ich glaube, eins der ersten Releases war das EON-Demo Anfang der 2000er. Habe das immer von der Ferne beobachtet, was für Bands kommen und auch gehen und freue mich da für euch, daß ihr dort am Start seid!
(sehr lautes Schlagzeugspiel setzt ein)

Jables (laut):
Wir sind super super glücklich, dort gelandet zu sein, weil der Olli (Basser bei ELECTRO BABY r.i.p.) uns schon begleitet, seid wir zusammen Musik machen. Er hat uns für unsere erste EP auch das Cover gestaltet. Chris ist ohnehin der wahnsinns ELECTRO BABY Fan. (Interview aus Ausgabe 2) Deswegen ist das schon großartig, daß wir uns dort mit einreihen dürfen!

PP (schreit zurück):
Also bleibt ihr dem Label erstmal treu?

Jables:
Ja, auf jeden Fall.
(die Musik stoppt plötzlich, wir können wieder leiser sprechen)

PP / Jabels:
Joa, öh, hatte nen Gedanken, doch der ist nun… Öh.

PP:
Ach, beim Booking waren wir!

Jables:
Durch EUCALYPDISC sind wir in einem Vertrieb „herbie martin“ in Karlsruhe auch. Die machen zusammen ??? (unverständlich, obwohl es leise war!) Da kam der Carsten bei unserer Releaseparty im September im Substage auf mich zu, drückte mir sein Handy in die Hand und meinte „hast du schon den neuesten Post von Herbie Martin gesehen?“.
Wir waren tatsächlich schon am ersten Tag des Release auf Itunes direkt auf Platz 107 der Alternativcharts eingestiegen. Für den Releasetag mit Konzert im proppenvollen Substage mit unseren Labelmates ELECTRO BABY und dem Einstieg bei Itunes – das hat sich schon saugeil angefühlt. Klar, passieren tut da nicht so viel, ich wohne immer noch zuhause,
(Gelächter) es war einfach ein superklasse Tag!

PP:
Wie setzt sich denn eure Art zu spielen zusammen? Gibt’s ne schöne Schublade, in die man euch stecken kann? Alternative ist a doch auch ein recht weites Feld geworden mit einem ganzen Haufen Spielarten.

Jables:
Da tue ich mich, glaube ich, am allerschwersten von allen. Auf jeden Fall ist da Grunge drin. Das kriegen wir auch immer wieder bestätigt! Viele sagen, daß wir sie an PEARL JAM erinnern.

PP:
Mich hat das so an die Band erinnert, die „black hole sun“ gespielt haben. Klingt schwer nach meiner Jugend in den 90ern und einer offensichtlich gut gelungenen Verdrängung. Ich habe diesen Song leidenschaftlich gehasst!

Jables:
Ich sag es mal so: ADONEY ist alles, nur keine Konzeptband. Deswegen auch kein wirkliches festlegen auf ein Genre. In den Anfangstagen hatten wir Visitenkarten auf denen stand, daß wir Hard’n’Blues’n’Roll machen. Damals war mein Gitarrenspiel sehr vom Blues geprägt. Was dann bei mir zum Stonerrock wurde.
Als Lars dann dazukam, hat der auch noch mal musikalisches total viel in den Topf geworfen. In der Band hören wir schon sehr unterschiedliche Musik. Mit Alex höre ich die ganzen alten Rocksachen wie LED ZEPPELIN oder so. Der ist ja als Baby von seinem Vater mit DEEP PURPLE beruhigt worden!
Ich habe mit Musik recht spät erst angefangen. In der Realschule. Ich habe dann auf ner Party vom Kumpel meines Vaters, der immer wieder Jamsessions macht, Eric Clapton’s LEILA für mich entdeckt. Und so kam ich darüber dann an all die älteren Rocksachen.
Ich bin ein wenig abgeschweift. Wie setzt sich das zusammen? Ich würde sagen Grunge, Stoner, ich sag jetzt mal Blues, weil das immer noch voll in mir drin ist. Also passt Alternative Rock schon ziemlich genau!
Finde es echt schwer als Musiker seinen Nenner zu benennen, weil man so viel mehr darin sieht, als es vielleicht andere tun. Und dann fragen: „willste mich verarschen?“
(Gelächter)

PP:
Man hört euch echt an, das da Potential ist, was noch geweckt werden will, bei ADONEY. Ihr spielt gut zusammen! Ihr solltet mal raus aus der Provinz!

Jables:
Yeah, danke und auf jeden!

PP:
Wie entstehen denn eure Texte?

Jables:
Ich würde ja jetzt gerne etwas aufsagen, aber ich kann sie nicht auswendig. Voll peinlich!

PP:
Ich kann eure Texte auch nicht.
(Kichern)

Jables:
Also Texte sind voll Lars‘ Ding! Finde ich auch völlig okay so, denn er darf es singen, nicht ich! Soll nicht heißen, daß sie mich nicht interessieren! Ich will die Musik fühlen und deswegen gehe ich da natürlich eher auf das Zusammenspiel ein, als auf die Lyrics. Songs sind wie ein bisschen wie Menschen. Jeden musst du kennenlernen, ihn anders behandeln, sodaß du vielleicht was mit ihm anfangen kannst.

PP:
Warum habt ihr euch denn für englische Texte entschieden?
(die Musik wird wieder seeeehr laut)

Jables (auch laut):
Ich bin auch ein Fan von Musik mit Dialekten oder so. Es gibt jetzt keinen bestimmten Grund, weswegen wir Englisch singen! Für mich persönlich war es, als ich Englisch gesungen habe, so ein „hinter der Sprache verstecken“. Ach, schwierig, haha! Ich habe das Gefühl, ich kann mich in Deutsch nicht so gut ausdrücken, weswegen ich auf Englisch schreibe. Vielleicht geht es da Lars ähnlich.

PP:
Ich werfe mal in die Runde, daß sich Deutsch vielleicht nicht so leicht singen lässt. Man kann die Uh’s und Oh’s nicht so ziehen! Was hört ihr denn, wenn ihr unterwegs seid, für Mucke?

Jables:
Im Moment eigentlich recht viel HipHop!

PP:
Boah – Aufschrei – Verrat! Verrat!
(Lachen)

Jables:
Ich war tatsächlich nie ein HipHopper! Oder auch die alten Rocksachen. GUNS N ROSES, LED ZEPPELIN, JIMI HENDRIX oder auch gerne ruhige, melancholische Musik.

(Die Tür öffnet sich. Jemand kommt rein: )
Paddelnohnekanu!

PP:
Ich wusste du lauschst!

Jables:
Klar! Paddelnohnekanu. Der größte Witz der Popgeschichte.

 

PP:
Äh. Jetzt geht das aber ein bisschen durcheinander.
(die Musik setzt wieder ein, es war kurz Pause)
Du meinst die GUNS N ROSES!
(wir sind uns einig, lachen)
Da kam neulich ein Vater auf mich zu, im Handballtraining, erzählte mir voll stolz „ey, ich hab Karten für GUNS N ROSES. 135 Tacken“ und ich so: …… toll!
(wir lachen uns schlapp. Warum auch immer)

Jables:
Na die „appetite for destruction“ war schon geil! Da geht nix drüber!

PP:
Scheiße ja. Ich muss gestehen: ich hatte sie mir damals auch gekauft. Und ich meine damals, 1987! Mit dem fiesen Frauenrobotercover. Wir tauschten damals noch Platten untereinander. Jugendlicher Leichtsinn. Hab sie nie wieder gekriegt. Könnte wahrscheinlich meine Rente retten!

Und bevor ich das letzte Wort habe, wünsche ich mal viel Erfolg weiterhin!

Jables:
Dankeschön!

Anmerkung:
Jables spielte bis Ende letzten Jahres in der Emo-Band FINDING HARBOURS.

Und aktuell bei der Band NOMAD, die auch ein ganz wunderbares Tape raushaben! krachige-platten.

digi: vatikan – gefallene nephilim

Auf eine Art wurde hier nach nicht weniger als dem Maximum gegriffen. Das Ergebnis ist wie Schokoladen-Creme über Butter, wie Rotweinsauce aus der Kanne in den Hals – so rich, rich, rich!

Ich streame in kurzem Abstand das zweite Release von Vatikan über Bandcamp. Vom ersten, Beschwöre Geister, gab es eine Veröffentlichung auf Kassette. Unter dem Profil steht SWSM, das kann ja wohl nur für SüdWestSchwarzMetall stehen. Ein Soloprojekt von Agnus Dei, also niemand geringerem als dem Lamm Gottes selbst. Und mit einem Faible für nah- und fernöstliche Religion geht es dann auch los.

Erstmal geht es auf die frische Aue mit Dark Metal Gitarrengezupfe-Intro mit Vogelgewitscher und Bachgeplätscher. Der erste Track ist gleich ein fast zehnminütiges Epos. Die Riffs sind schlicht und abwechslungsreich zugleich. Man kann schon fast von motivisch-thematischer Arbeit sprechen (Amadeus, Amadeus!). Es werden was Tone und Sounddesign angeht einige Register gezogen, hier wurden bewusste Entscheidungen getroffen. Gerade der Bass baut Variationen in die Harmonie ein, hört es euch also mit gescheiten Lautsprechern/Kopfhörern an. Es kommen auch Keys, da wird regelrecht komponiert. Im Text kommen ziemlich viele Lanzen vor – Siegmund freut’s.

Ich habe mir das Release am ersten Weihnachtsfeiertag auf der Fahrt nach NRW angehört. Schön mit dem Intercity am Rhein entlang, Wintersonne und Burgen waren am Start. Ich liebe es im Urlaub neue Musik zu entdecken, so habe ich mir das ganze hier mit passender Aussicht gleich dreimal hintereinander reingeschraubt – geil!

Beim zweiten Track „nicht all das Licht der Welt“ wurde offensichtlich Pippins Song, aus Tolkiens Der Herr der Ringe als Textvorlage genommen. Die Klänge werden aufgeschichtet wie eine Schwarzwälder Kirschtorte. Ich kann nur immer wieder betonen, wir reichhaltig die Lieder sind: da sitzt jeder Schrei, der Gitarrenklang, die Melodien und Melodiebögen der Riffs, das Zusammenspiel der Instrumente und wie diese sich ergänzen.

Auch der Titeltrack geht mir voll unter die Haut. Die gefallenen Gefallenen! „Gefallene Nephilim“ Hier spielt der Bass auch wieder ne wichtige Rolle. Es wird auch nicht nur komplett durchgeballert, sondern auch mal durch einen Dynamikwechsel das Stück aufgebrochen. Insgesamt schon fast hypnotisch, Junge Junge.

„Kantorka“ bezieht sich textlich offensichtlich auf Ottfried Preußlers Krabat. Mir ist in der Ferienunterkunft passenderweise dann noch eine Ausgabe des Buches in die Hände gefallen. Tatsächlich sind als Teil der Geschichte mehrfach auch kleine Liedtexte abgedruckt, den vorliegenden Text konnte ich auf die Schnelle jedoch nicht ausfindig machen. Und wieder hypnotische, verschmelzende Riffs mit mehreren Ebenen – what would Mozart do?

Zu guter Letzt noch ein absoluter Banger, Lilith’s Todesschwadron! Mein Black-Metal Wissen ist alles andere als enzyklopädisch, gefühlt wurde hier die Formel perfekt angewendet, wo sie auch herkommen mag. Mid-Tempo Riffs, jedes Ugh! und Saiten-Gekratze an der richtigen Stelle. Dazu ein Cut von Johann Wolfgang von Goethe himself, Prometheus zeigt den Göttern den Mittelfinger, der Bass wummert – wie gesagt, unter dem Maximum ging es wohl nicht, es wurde dick und gekonnt aufgetragen.

Und somit schließe ich dieses Fest der Sinne – nehmt euch ein bisschen Zeit, hört mal rein und dann noch einmal und bleibt hyped auf das nächste Release von Vatikan.

LP: modern hell – s/t

Modern Hell kommen aus den Tiefen des Murgtals und machen überraschend offenen und mitreißenden Emo-Hardcore.
Kann man das so nennen?
Auf jeden Fall ist es komplett DIY produziert. Geil.

Das selbstbetitelte Debutalbum ist wirklich überraschend gut.
Vier der zwei Kerle kenne ich schon eine ganze Weile. Damals waren Pip und Markus bei Kasino Koschmidder, wo sie noch so typisch dünnen Emo-Punk-Sound gemacht haben, wie Bands auf Lala Schallplatten (Krawehl und Willy Fog, etc. in den 2010ern halt klangen)
Pip spielt auch noch bei Finding Harbours, einer Emoband aus Karlsruhe.

Wie auch immer: der Sound von Modern Hell ist viel fetter und sie haben ein wahrlich abwechslungsreiches Songwriting. Melodic Hardcore meets Emo meets Punk.
Es ist nicht einfach Melodic Hardcore, sondern echt zwischen den Stühlen steht. Einfache Punkriffs treffen auf vertracktere Hardcore-Attitüde. Geshoutete Parts, die trotzdem gesungen sind und nicht so weinerlich, poppiges Gejammer sind, wie so oft bei Vertretern dieses „modernen“ Styles.
Pflichtlektüre. Auf wunderschönem Vinyl
Erschienen bei iwishicouldstay.

MC: cop an attitude – s/t

Erreicht mich dieses selbstbetitelte Demo von Cop an Attitude nun also auch endlich!
Zweite Auflage, mindestens drei Mal schon liev verpasst, dabei verpasst Plüschi keine Gelegenheit, sie als Vorband in der Hackerei unterzubringen.
Ich mach das mal ganz kurz, da sicher schon über die erste Auflage jede Menge positives geschrieben wurde – und die Musik hat sich ja nun ncht verändert.

Es ist einfache aber gute Musik. Hardcore, irgendwie 90er. Das Cover erinnert mich an die „seasons in the abyss“ von Slayer, die ich schon sehr mochte, die Platte. SLAYER !!!!!
Ich denke „cop an attidue“ bedeutet soviel wie sich eine Attitüde „abschneiden“ oder sowas?
Die sechs Songs sind sehr gut gespielt und im Proberaum sehr gut aufgenommen. Die Gitarren spielen mal mit- mal gegeneinander. Textlich geht’s los mit dem „krankesten witz“. Der Gesang ist anklagend und man hat schon ab und an den Eindruck, dass die Welt untergeht.
Anspieltipp ist „breathe in“, da passt echt alles.

 

LP: typhuzz – s/t

Typhuzz sind DIE Fuzzrockband aus Karlsruhe. Und was will man auch anderes erwarten von Bandmitgliedern die bei Zero Zeroes, Degenerated Jerks, Astrokraut und wasweißich wo überall mitspielen. Klingt wie ne All-Star-Band, kann mich aber auch vertun, denn ich kenne die meisten nur vom Sehen.

Ihr merkt also, ich schreibe das mal wieder freiwillig, habe mir die Platte beim Mo im Shop geholt, der ja das Label Hand of Doom betreibt. (Interview mit ihm in Ausgabe 9)
Den Doom, den Black Sabbath nicht hatten, der platzt hier raus wie ein Hellhammer. Ein Gebräu aus Doom und Fuzzrock. Man merkt, wie krass Bock das Trio hat, loszuphuzzen. Wilde Zuckungen bim Tanzvolk vor der Bühne garantiert.
Auf beiden Labels ist eine Spirale, um sich ordentlich vor dem Abspielgerät mit der Musik zu hypnotisieren.
Seite eins startet mit „golden glow“, einem Banger zum Haare schütteln. Irgendwo zwischen Fuzzrock, Doom und ruhigeren, psychedelischen Parts; mystischen Lyrics über einen Zauberer, dem man zuhören will. Man kann schon sagen, dass das modernerer, nicht in den 70ern hängengebliebener Stoner ist, der hier geballert wird. Hölle abwechslungsreich. Die Band verliert sich nicht in „wir hacken auf dem selben Part rum, bis ihn keiner mehr hören kann“ (dazu noch ein Solo). 
Der Drummer spielt brutal schnelle Achtel auf dem Ridebecken.

Seite zwei beginnt mit einer Akustiknummer und Vogelgezwitscher. Witzige Kombi.

Klar kann man ihnen nachsagen, dass sie einen ikonischen Sound irgendwie kopieren oder nachempfinden. Egal. Mal abgesehen davon, das Max‘ Stimme einfach so klingt wie sie klingt.

Typhuzz find ich jedenfalls tausend mal steiler als Black Sabbath je in meinen Ohren waren; wobei die Porvinzpostille ja nicht gerade das Doom-Blättchen aus dem Black Forest ist.

Zehn Songs, 40 Minuten, 300 Exemplare auf schwarzem Vinyl. Kauft hier: Hand of Doom

 

MC: tyles – tyles

Die Band Tyles habe ich wahrgenommen, weil da der Frank Gitarre spielt, was er auch bei den Neat Mentals macht. Er war da immer fleissig am posten, ein paar Konzerte haben Tyles nämlich diesen Sommer schon gespielt.
Das selbstbetitelte Tapes haben sie mal eben live aufgenommen für ihre sechs Gigs. Keine Overdubs.
Die Band bezeichnet sich selbst als 70er Jahre Garagerock mit Surfkante und Souleinschlag. Was ich schon mal sagen kann: die Sängerin hats hart drauf, da ist richtig richtig viel Soul in der Stimme.

Eher rockig, wenn sie Gas geben hat das ne ordentliche Punkattitüde. 20 Minuten, mit Downloadcode.
Die Tyles, das wird richtig gut! Schaut mal bei Insta vorbei!

video: lypurá – return.youth.

Ein liebenswertes und allererstes Video haben Lypurá veröffentlich. Kommt via Through Love Records, dort auch der Pre-Order zur neuen Platte – die schon ganz schön lange auf sich warten lässt.
Umso gespannter bin ich. Im P8 im Winter habe ich einen Gig von ihnen gesehen, der Songs für den Clip wirkt weniger laut, als noch auf ihrem Debut „á“. „b́“ ist nur ein zwei-Track-Album gewesen; das zähle ich jetzt mal nicht. Aber folgerichtig kommt nun „ć“

 

LP: degenerated jerks – s/t

— letzter Review für dieses Jahr —-
besinnliche Ausklänge mit den Degenerated Jerks.
Auf dem Konzert im P8 – ich berichtete mit Gastschreiber Joey Controlletti – war es, wie auf Platte.

Völlig überhitzter, durchgedrehter, energiegeladener, überlauter Anarchopunk. Lebendig stumpf, reibend rau, witzig überspannt.
Quasi eine Allstarband aus Karlsruhe. Zero Zeroes, Astrokraut, Hard Strike (und ich glaube noch mehr) lassen grüßen. Ex-Crackbrained Serenades, Ex-Weird Owls, …
Mischung aus Westcoast -L.A.-Hardcore und englischem Anarchopunk. Eher Midtempo als Geknüppel, was ich richtig gut finde.
Verzerrter Bass, Schepperdrums, dirty Vocals und das Ganze einwandfrei produziert von Raymar Laux.
Ein paar wenige ihrer selbstproduzierten, einseitig bespielten und besiebdruckten EP sind noch bei Bandcamp zu haben. 100 Stück Auflage.

LP: how i left – birds in the city

Der süddeutschen Provinz entsprungenes Duo mit Julian Bätz (Gesang, Gitarre, Klavier, Orgel) und Jazzdrummer Michy Muuf.
Und ich schrieb sie wieder an, weil mir erstmal dieser schöne Bandname im Gedächtnis geblieben ist, zum andern mir gleich die CD von vor… zig Jahren rauskramte, als ich sie auf irgendeinem kleinen, Tattoo- Burgerevent- Ding live sah. Es regnete leicht, es war Sommer, die Musik sowas von passend.
How I Left waren damals schon, ach „sniffing Glue with Frank Sinatra“ hieß das gute Stück, mit dieser, ja ich muss es sagen, bezaubernden Leichtigkeit gesegnet. Ich schrieb 2016 einen Review dazu.
Soviel zum Vorgeplänkel. Nun, die beiden, die als Duo in Erscheinung treten, allerdings schon auch mit Bassist live unterwegs sind, haben sich also Zeit gelassen, Songs zu schreiben, ein Label zu finden und uns das dann in Gänze zu präsentieren.
Ein erstes musikalisches Winken kam mit „continental“

Eine Americana-geprägte Mischung aus lässigem Slackerfolk und eingängigem Indie-Pop. Oder in meinen Worten: mich erinnert das an erste Experimente aus dem Hause Notwist, als sie noch in den 90ern auf dem Label Hausmusik Bands wie Village of Savoonga veröffentlichten. Vermutlich haben How I Left auch gar nicht wirklich etwas damit zu tun. Die meisten schreiben, dass man sich an Weakterthans, Wilco oder Ben Kweller erinnert, wenn man der Band lauscht.

Nun, was machen sie denn dann für mich so interessant?
Weil sie live etwas roher klingen. Weil sie einen gewissen Punkspirit nicht wegleugnen können; obwohl sie heute halt eben komplett andere Musik machen.
Hier nochmal das gleiche Stück bei der Melting Butter Livesession.

Man spürt es manchmal in den Drums, manchmal in den Drei-Akkord-Folgen, dass da etwas schlummert. Auch schlummern darf. Die Geschichten, die Julian Bätz, Gitarrist und Sänger, erzählt, eignen sich in diesem musikalischen Kontext doch am besten. Hervortreten dafür gefühlvoll raue Indie-Pop-Perlen. Manchmal träumt man sich auf Sommerwiesen, mal entfleucht man elfengleich in den nahegelegenen Wald um in Baumwipfeln zu schunkeln.
Ich hoffe, ihr versteht, was ich meine.
Den Sound haben sie sich von Christian Bethge verpassen lassen (zB. auch Gewalt, Messer).
Orangefarbenes Vinyl.( in diesem Fall), erschienen bei This Charming Man. Dort gab es auch eine transparente Version.

(Dieses Review erscheint ähnlich noch beim Vinyl-Keks)