tourbericht: #3 – être? – DIY or die – être? im Osten Europas

Vorklapp:
Nach und nach werde ich – bis (in 2025 hatte ich euch nicht verraten, welches) Weihnachten – mal alle Printinterviews, auch längst verblichener Bands, hier online stellen. Ich pimp die noch ein wenig, Musik, Links, Fotos. IMMER DONNERSTAGS – zur Tea-Time.Auch die bereits veröffentlichten bekommen einen neuen Termin und werden angepasst.
Alle Ausgaben sind Out of Print und werden nicht wieder aufgelegt.
Ausgabe 13 eventuell in 2026!

être? – würde ich sagen – waren eine echt underrated Band, die ihren ganz eigenen Stil hatten. Melo Emo Rap.
Keine Ahnung, das nehme ich vorweg, was aus den Musikern geworden ist.
Habe neulich die CD, die ich auf einem Konzert im Artcanrobert von ihnen gekauft habe, in den Player geschmissen un dmich echt gefreut, sie mal wieder zu hören!
CD’s finden nicht sehr oft den Weg in dieses komische Gerät.

TOURBERICHT:
Im Sommer 2015 hatten wir die Möglichkeit, unsere erste und bisher einzige Tour zu spielen. Sie führte uns auf circa 6500 Kilometern 10 Tage durch den Osten Europas.
Im Nachhinein hat sich die Reise in unseren Hirnen zu einem ziemlichen Film verdichtet. Trotzdem wollen wir versuchen, zu berichten.
Wir sind eine kleine Screamo-Band aus Hessen, die vielleicht in der mittelhessischen Provinz zu etwas Bekanntheit gekommen ist, mehr aber auch nicht.
Als uns Artem von Cookiesounds DIY Gigs aus Odessa im Mai letzten Jahres anschrieb und fragte, ob wir auf seinem Festival spielen wollten, freuten wir uns sehr über die Anfrage,Odessa schien uns aber viel zu fern und zu gefährlich, denn irgendwie war da doch Krieg. Wir teilten Artem unsere Zweifel mit, wobei wir die logistischen vorschoben.
Diese schien er nicht zu akzeptieren und in wenigen Tagen hatte er uns eine Liste mit Städten, Venues und VeranstalterInnen, die auf unserer Route liegen könnten, zusammengestellt. Wir ließen uns darauf ein und begannen, Menschen anzuschreiben und weitere Möglichkeiten zu suchen. Plötzlich wurde die Idee so konkret, dass die anfänglichen Zweifel in Euphorie umschlugen und tatsächlich bekamen wir viel positives Feedback und die Tour stand.
Wir fragten Djaensen von unseren Freunden von Giessen Uebergrund, ob er uns mit seinem Soloprojekt begleiten wolle und er sagte sofort zu. Auch unser Kamerakind Simon ließ sich schnell überzeugen.

Fast am schwierigsten gestaltete sich das Mieten einer bezahlbaren Karre. Die meisten Vermieter sträubten sich, wenn wir ihnen sagten, wohin die Reise gehen solle. Schließlich fanden wir einen Bus in Berlin, den wir mieten konnten. Am 17. August trafen wir uns am frühen Morgen in unserem Proberaum in der Pampa nahe Fulda und beluden unseren Bus. Gegen Mittag wollten wir Richtung Tschechien aufbrechen, unsere verpennte Euphorie wurde aber jäh gebremst: Der Bus verlor irgendeine dubiose Flüssigkeit. Noch vor dem Start mussten wir in eine nahegelegene Werkstatt abgeschleppt werden.

Dort konnte das Problem in einigen Stunden behoben werden, ob wir es bis zum Abend noch rechtzeitig nach Kutná Hora schaffen sollten, blieb fraglich. Schließlich schipperten wir noch pünktlich in der
Kleinstadt circa 80 Kilometer hinter Prag ein, wo uns der Veranstalter Willi erwartete.
Willi, der unser Vater hätte sein können und sich auch etwas so gab, hatte es nach eigenen Angaben vor einigen Jahrzenten von Holland nach Tschechien verschlagen, wo er sich mit seinem Music-Club einen Traum verwirklicht hatte. Das Konzert war kaum besucht. An der Bar im hinteren Teil des Raums saßen nur wenige Zuhörer, die wahrscheinlich zum Inventar des Clubs gehören.
Nach einigen Slivovitz mit ihnen war die Stimmung dann aber doch ziemlich ausgelassen. Als Willi zu späterer Stunde anfing, irgendwas von Hitler und der deutschen Geschichte zu lallen, war es aber an der Zeit, ins Bett zu gehen. Willi gab uns Schlüssel und Adresse eine Hotels, in dem man locker einen Horrorfilm hätte drehen können.

Am nächsten Morgen ging es im Regen weiter Richtung Bratislava. Wir kamen gegen Mittag an und vertrieben uns die Zeit in der Altstadt. Am Abend spielten wir als Support für die Band Jungbluth, die die Herzen der hardcoreaffinen Teile der Reisegruppe höher schlagen ließ. Das Publikum war aber auch zu uns, die wir deutlich poppiger sind, sehr gut. Bratislava scheint eine sehr lebendige Hardcoreszene zu haben.
Nach dem Konzert zogen wir mit Jungbluth und den Veranstalter*innen durch die milde Nacht. Zum Frühstück gab’s vegane Leberwurst.
Zum Fingerlecken.
Am 19. fuhren wir nach Bardejov und spielten dort in einer der exotischsten
Locations unserer Tour. Im dritten Stock eines mittelalterlichen Festungsturms hatte ein Kollektiv von Veranstalter*innen einen runden Raum für Konzerte hergerichtet.
Wir erfuhren, dass 100-Kilometer-Fahrten zu Konzerten unbekannter Bands für slowakische Jugendliche durchaus normal seien. Wir schliefen in dem Gemäuer, während Fledermäuse um uns kreisten.
Gegen 5 Uhr brachen wir etwas verkühlt Richtung Schytomyr im Norden der Ukraine auf. Wir konnten schwer einschätzen, wie lang es dauern würde, die Grenze zu überqueren.

Tourvideo:

Tatsächlich standen wir dort lange an, konnten die Grenze dann aber
passieren. Das mulmige Gefühl, das wir vor dem Grenzübertritt hatten (in Bardejov hatte man uns von Schikanen der Grenzer erzählt), verließ uns in der Ukraine nur kurz. Nach wenigen Kilometern auf ukrainischen Sandpisten, brach ein martialisch aufgerüsteter Jeep aus dem Gebüsch am Fahrbahnrand und verfolgte uns. Der Fahrer fuhr uns dicht auf, zog die Lichthupe und wollte uns wohl zum Halten bewegen. Nach etwa einer halben Stunde, die uns deutlich länger vorkam, ließ er von uns ab. Wer oder was, das war, können wir bis heute nicht bewerteten.
Die Fahrt durch den Norden der Ukraine dauerte lang. Die Schlaglöcher wurden größer, die Dörfer ärmlicher. Immer wieder musste man Checkpoints der ukrainischen Armee passieren, unsere Pässe wurden kontrolliert, es wurde gefragt, was man hier wolle und es wurde mit Waffen aller Art gefuchtelt. Irgendwann merkten wir, dass wir durch ein freundliches „Musicanti! Musicanti!“ unsererseits und das freigebige Verschenken von Tourplakaten, die Sympathien der Grenzer erlangen und uns weitreichenderen Kontrollen entziehen konnten.
Im Dunkeln erreichten wir schließlich mit Verspätung die Stadt Schytomyr nahe Kiew. Dort spielten wir in God’s Garage. Ein Clubhaus
eines christlichen (!) Bikerclubs und zeitgleich lokaler Antifa-Laden. Ziemlich pragmatische Gebäudenutzung. Das Konzert war großartig. Wir spielten mit mehreren lokalen Hardcoregrößen, das Publikum war kaum mit dem zu vergleichen, was man aus Deutschland kennt.
Während wir auf Konzerten höchstens mal mit dem Kopf nicken oder Einzelne two-steppen, machte das ukrainische Publikum aus dem
Abend eine große Party. Trotz Sprachbarriere schrien einige unsere Texte mit und auch Djaensen, dessen Musik ja noch textlastiger ist als unsere, wurde gefeiert wie Ikke Hüftgold auf Mallorca. Leider mussten wir nach dem Konzert direkt weiter. Unsere Routenplanung hatte sich als ziemlich naiv entpuppt.
Also weiter durch das ukrainische Hinterland Richtung Moldawien. Zur Nachfahrt:
müde, kalt, Sterne, Schlaglöcher, überproportional viele Tankstellen. Mittlerweile roch es in unserem Bus wie damals in der Turnhallenumkleide.
In den frühen Morgenstunden erreichten wir die ukrainisch-moldawische Grenze.
Man hatte uns in Schytomyr einen relativ wenig frequentierten Grenzübergang empfohlen. Ein ziemlich einschüchterndes Gebilde aus Stacheldraht und Beton. Auf ukrainischer Seite antwortete uns die Grenzsoldatin in unserem Alter auf die Frage, ob man das Tor zum Passieren öffnen könne noch mit „Why not?“. Auf moldawischer
Seite war die Kommunikation dann etwas komplizierter. Glücklicherweise hatten wir alle wichtigen Dokumente im Vorhinein in die entsprechenden Amtssprachen übersetzen und beglaubigen lassen. Die Stempelsammlung überzeugte und wir durften einreisen.

Moldawien ist das ärmste Land Europas und das merkt man. In der moldawischen Hauptstadt Chisinau trafen wir den Veranstalter des Abends und fuhren mit ihm zu dessen Mutter, die für uns gekocht hatte. Spätestens jetzt fragte sich wahrscheinlich jeder von uns, ob es nicht arrogant ist, als deutsche Mittelstandskids durch die Armenhäuser Europas zu heizen und sich von Menschen, die ihr Jahresgehalt berappen müssten, um die Miete unseres Busses zahlen zu können, bekochen zu lassen.
Das Konzert am Abend war gut besucht. Wir spielten mit einigen lokalen Bands. In Moldawien scheint es eine lebendige Djent-Szene zu geben. Auch wenn wir da mit unserem Schreipop etwas rausfielen, war das Publikum ähnlich motiviert wie am Vorabend.
Nach einer Nacht im Hostel und einer kleinen Kollision mit einem moldawischen Gartenzaun, fuhren wir am 22. August zurück in die Ukraine nach Odessa.
Die Vorfreude war groß, denn schließlich war Artems Suicide Fest der Anlass unserer Tour. Nachdem wir an der Grenze und an diversen Checkpoints wieder einige Tourplakate losgeworden waren und uns ein moldawischer Grenzbeamter in fließendem Deutsch von seiner Zeit in Ostberlin vorgeschwärmt hatte, erreichten wir gegen Mittag das sonnige Odessa.
Eine beeindruckende Metropole voller Touristen und Luxuskarossen. Vor dem Konzert nahm sich Artem Zeit für ein kleines Touriprogramm.
Das Konzert war grandios, wir hörten viele großartige ScreamoBands und spielten vielleicht unser bestes Konzert jemals. Das Publikum bestand
aus einem Haufen Hardcorekids, die ähnlich wie schon in Schytomyr eine
beeindruckende Stimmung verbreiteten.
Nach dem Konzert sprachen wir
zwangsläufig mit Artem und anderen über den Ukrainekonflikt. Kurzfassung:
1. So eingefroren wie wir dachten, war der Konflikt zum damaligen Zeitpunkt nicht.
2. In Odessa fühlt(e) man sich von der EU im Stich gelassen.
Wir schliefen bei einem jungen Pärchen, das extra seine kleine Wohnung für uns geräumt hatte und während wir uns auf dem Boden ausbreiteten, die Nacht im Sitzen verbrachte.

In den frühen Morgenstunden des nächsten Tages brachen wir zur längsten Etappe der Tour nach Brasov in Rumänien auf. Das Navigationsgerät, das bis dahin relativ zuverlässige Dienste geleistet hatte, zwang uns, die Geländegängigkeit des Busses zu testen und führte uns über Feldwege querfeldein. Wir verbrachten mehrere Stunden damit, neben dem Bus herzulaufen und Baumkronen auf die Seite zu ziehen, während einer von uns versuchte, das Gefährt im Schritttempo nicht im Sand festzusetzen.
Als wir gegen Nachmittag noch immer nicht in Rumänien waren, riefen
wir den Veranstalter des Konzerts in Brasov an und wollten eigentlich absagen.
Dieser sagte nur, er werde schon eine Lösung finden. Schließlich erreichten wir gegen 24 Uhr die Venue. Ein Proberaum in einer alten Fabrik voller Menschen. Der Veranstalter hatte es geschafft, mehrere lokale Bands spontan zu gewinnen, die den ganzen Abend gespielt hatten. Auch das Publikum war geblieben.
Für den nächsten Tag war kein Konzert geplant. Wir fuhren durch Rumänien. Jede/r die/der sagt, man könne sogenannte „Wirtschaftsflüchtlinge“ nicht tolerieren, sollte eine Nacht in einem Wellblechhaus in einem rumänischen Dorf verbringen müssen.
Wir schliefen in einem Hostel in einer Stadt, deren Name wir vergessen haben.
Am nächsten Tag weiter nach Polen. In Tarnow spielten wir das vorletzte Konzert unserer Tour. Das Konzert war gut besucht und die Leute waren fast so ausgelassen wie an den Abenden zuvor. Als ein Mitglied der Hard-Rock-Vorband irgendwelche Faschodeutschlandscheiße brabbelte, wiesen wir ihn zurecht und setzten uns mit den Veranstalter*innen ab. Es war dunkel. Es gab Martini.

Letzter Tag: Wir fuhren nach Deutschland. In Chemnitz spielten wir unser letztes Konzert, das uns wieder auf den harten Boden der deutschen Konzertrealität brachte. Unser Publikum bestand aus einem Altpunk. Der fand’s so mittel gut.

Ohne pathetisch werden zu wollen, war die Tour für uns alle eine besondere
Erfahrung, die uns mit vielen liebenswerten Menschen in Kontakt gebracht, mehr
Fragen gestellt als beantwortet und uns ziemlich dankbar gemacht hat.

 

Zum Abschluß noch mein Lieblingssong, Videoclip.
Immer noch aktuell. Treffendes Thema.

MC: zukunft zwei – geister

Von der Band Zukunft Zwei habe ich mir via ihrer Bandcampseite ihr erstes Tape bestellt. Die Band kommt aus Pa-Pa-Paderborn und sie machen Punkrock im Stile von Lygo oder Herr Paulsen und das Zeitproblem vielleicht.
Sehnsucht und Melancholie wehen so durch dieses Demo, mir wird ganz kalt ums Herz, herrlich.
Emopunk, der ganz hervorragend aufgenommen, bzw. gemischt ist. Die vier Songs sind all in all echt rund. Haben ihre Ecken und ihren Pop.
Gut gesetzte Breaks, zwischen Hüpfen und straight-forward, ein paar Synthie-Teppiche, um den Sound noch voller zu kriegen. Gutes SOngwriting. Also bis hierhin schon mal alles richtig gemacht. Weiter!

Musikalisch echt abwechslungsreich, für einen Zwischendurch-Durchlauf, da die vier Songs echt kurzweilig sind, absolut gut geeignet!

DIY.

MC: schuetter – demo

Schuetter haben ein Demo raus auf dem, außer eine Legobauanleitung, auch 9 Songs enthalten sind. Schuetter haben ihren Namen nicht weil oder wegen dieser Bauanleitung, hat auch, glücklicherweise, nichts mit Menschen mit schütterem Haar zu tun; nach diesem flachen Wortspiel nun zurück zum Tape.
Erschütternd? Ausschütten?
Ich lass es.
Die Band soll das aufklären, sobald sich da mal eine Gelegenheit ergeben sollte.
Schuetter machen eher emotionalen Deutschpunk. Herr Paulsen und das Zeitproblem waren eine der wenigen Vertreter*innen dieses kleinen Subgenres Emo-Punk. Allerdings, das muss ich gleich loswerden, fällt mir der stumpfe Drumbeat, der sich sehr repetitiv durch alle Songs zieht, nach drei Songs aus den Ohren.
Duesenjaeger machen das so ähnlich und auch bei Schuetter gibt es Parts und vor allem den Gesang, die den Beat ab und an vergessen machen. Es klingt ab und an Peppone oder Panikraum an, das ist sehr schön!
„förderpunks fuck off“ hat mein vollstes Verständnis und Sympathie!
Wenn du in einer Punkband spielst, kannst du nicht beim Staat Geld fordern für deine Punkmusik.

Anspieltipp ist „kleinscheiß reitet rein“ – die Basslinie am Anfang ist total Bombe, der Refrain ist ein emotionales Kleinod!

Die Songs sind nicht nach dem Baukastenprinzip, mich lässt dieses Cover nicht los.
Es ist wirklich simpel und cool gemacht.
Tape erschienen bei Black Cat Tapes und Raccoone Records.

 

 

video: the lamplighters – november was white, december was grey

boah – eeeewig nix gehört, dann klingelte das Telefon!
Enno von den „lampi’s“ ruft bei mir durch und erzählt von Video und jeder Menge neuer Songs, die als 7inches statt als LP rauskommen.
Yeeees.
Dazu dann eine Videopremiere, in die ich gestern Abend reingeschaut habe!

Songs erstmal:
Etwas ruhiger, als ich die Lamplighters (aus Köthen) in Erinnerung habe starten sie mit diesem Song. Eine Ballade. Eine Ballade mit Dampf, wie sich nach dem Intro herausstellt.
Ist ein guter Song!
Irgendwo zwischen Hot Water Music und Social Distortion, mit ner guten Emo-Kante.

Video:
Die Lamplighters haben sich ein schönes Setting gebaut, eine Ballerina eingeladen und einen Lametta-Vorhang.
Ick hab nüscht auszusetzn.
Mit Hardcore WorldWide haben sie sich offensichtlich auch die richtige Platteform ausgesucht, das Video zu veröffentlichen, da gehen die Clicks gleich mal nach oben!
Viel Erfolg und ich freu mich auf die 7-Zöller.

LP: 5-way-split meißzel, ikigai, apousia, azzacov, portreit

ab und an müssen, dürfen es Blast-Beats sein und heftiges Geschrei.
ikigai machen den Anfang. Schwer technischer Screamo mit Metal Einflüssen. Erinnert mich teils an die 90er mit ACME oder Golgatha, fiese Akkorde aus der Hölle gepaart mit Melodie-Geschrubbe wie bei Drei Affen. Ziemlich geiler Einstieg. Emoviolence nennen sie es, kommen aus der Schweiz.

Apousia wirken etwas frischer, noch nicht ganz so eingespielt. Screamo. Aus den Niederlanden. Zieht ziemlich schnell durch. Blast-Beats. Hat eine gute Energie.

Meißel. Geil. Zwei abwechslungsreiche Songs. Ich bin Fan des Zwei-Mann-Projekts aus Karlsruhe.

azzacov, die Band, die wohl dieses Projekt der fünf Bands zusammengetrommelt hat, machen fesselnden Skramz. Die Stimmeklingt ein wenig wie aus einem Hexenkessel, ich kann sie nicht richtig greifen. Gut gespielt und aufgenommen.

portrëit kommen aus Gießen und bringen mit 7 Minuten den längsten Song in die Rille. Beginnt als Emo-Song, macht aber noch ordentlich Screamo im weiteren Verlauf.

Ist erschienen via ZilpZalp Records, Dingleberry Records
und Friendly Otter Records

 

LP: chivála – boato

Chivàla aus Bari, einem schönen Ort in Italien, machen emotive Hardcore, manche würden auch sagen Screamo, wobei Chivàla bei Weitem nicht so hart sind, wie die meisten Vertreter dieses Genres.
Ihr Cover erinnerte mich erstmal an die Noiserocker von Ditz, die ich für den Vinyl-Keks und hier neulich rezensiert hatte, machen aber ganz klar einen anderen Sound, eher Richtung Cages aus Stuttgart beispielsweise.
Hatte diese schöne Scheibe zugesandt bekommen und erstmal für den Vinyl-Keks eine Review geschrieben – bis mich Kollegin Arnika anschrieb und meinte „warte mal, ich hab die Platte zum Review hier“. Saugut. Also in Kürze gibt es eine schöne Rattster-Review-Story von ihr!

Die Platte heißt „boato“, was Deepl mir als „brüllen“ übersetzt. Ich lasse mir auch noch die weiteren Titel übersetzen, denn mein Touri-Italienisch bringt mich hier kein Stück weiter.
„requisiten“, „den körper zum zittern bringen“, „herz aus stein“, „lässt nichts zurück“, „wir werden nichts sagen“ und „am ende des rennens“, um final mit dem „geräusch von fußspuren“ (rumore di passi) zu enden.
Sieben Stücke sind das, die ich recht abwechslungsreich und erzählerisch wirken.
Anfangs spricht der Sänger auch noch recht viel, bis dann doch mal ein Ausbruch kommt; der aber verhalten bleibt. Kein Geschrei und Gekeife. Oder sagen wir: kaum.

Ihre Chöre erinnern mich gerne und oft an die famosen Lypurá aus Karlsruhe.
Im ersten Song „ogetto die scena“ sieht sich der Sänger / Dichter wohl als Monster, der sich aus dem Spiegel anstarrt. An manchen Stellen (sofern deepl ein gutes Tool ist, Sprachen zu übersetzen) klingen seine Worte sehr melodramatisch. Er wird die Kulisse sein für all jene, die Geschichte schreiben. Wie in einem Roman von gestern, wird er all jenen, die nicht dageblieben sind zum Abschied zu winken.

Fünf Männer machen also Chivàla aus. Der Sound der Platte gefällt mir richtig gut. Auch, dass das Spiel der Gitarren nicht zu vertrackt ist, noch einen sieben / achteltakt irgendwo reinschiebt, um wild zu sein. Es passiert aber auch nichts Unerwartetes. Manchmal gibt es schon den ein oder anderen Ausbrecher aus dem sehr schön, fast poppigen Gitarrengewand.
Läuft richtig gut durch die Platte von Chivàla.

8 Labels. Kann schon fast sagen „die üblichen Verdächtigen“ was Screamo / Emo Mucke anbelangt in Europa.
Shove Records, through love records, Pike Records, zilp zalp records, Fireflies Records, Stonehenge Records, Friendly Otter, no funeral.

Lieder bleiben auf dem Cover Fettfingerspuren übrig. Kleinigkeiten, die einen schon mal ärgern können.

 

 

LP: modern hell – s/t

Modern Hell kommen aus den Tiefen des Murgtals und machen überraschend offenen und mitreißenden Emo-Hardcore.
Kann man das so nennen?
Auf jeden Fall ist es komplett DIY produziert. Geil.

Das selbstbetitelte Debutalbum ist wirklich überraschend gut.
Vier der zwei Kerle kenne ich schon eine ganze Weile. Damals waren Pip und Markus bei Kasino Koschmidder, wo sie noch so typisch dünnen Emo-Punk-Sound gemacht haben, wie Bands auf Lala Schallplatten (Krawehl und Willy Fog, etc. in den 2010ern halt klangen)
Pip spielt auch noch bei Finding Harbours, einer Emoband aus Karlsruhe.

Wie auch immer: der Sound von Modern Hell ist viel fetter und sie haben ein wahrlich abwechslungsreiches Songwriting. Melodic Hardcore meets Emo meets Punk.
Es ist nicht einfach Melodic Hardcore, sondern echt zwischen den Stühlen steht. Einfache Punkriffs treffen auf vertracktere Hardcore-Attitüde. Geshoutete Parts, die trotzdem gesungen sind und nicht so weinerlich, poppiges Gejammer sind, wie so oft bei Vertretern dieses „modernen“ Styles.
Pflichtlektüre. Auf wunderschönem Vinyl
Erschienen bei iwishicouldstay.

video: modern hell – kafkaesque expectations

Eine neue Band am musikalischen Horizont des Murgtals.
Kennt ihr nicht? Liegt zwischen Karlsruhe und Baden-Baden. Das Provinzpostillen-Einzugsgebiet!
Wie sollte mir also entgehen, dass Coop-Partner wie I Wish I Could Stay einen neuen Release rausbringen?

Neue Band ist Modern Hell und besteht tatsächlich aus zwei Menschen, die schon eine ganze Weile keine Musik mehr miteinander gemacht haben, wie aber schon gemeinsam die Bühnenbretter der Gegend zerteilt haben.
Jedenfalls ist das erste Video (es gibt noch ein Lyricvideo) ein selbstproduzierter Clip!

Die schöne 12″ wird es direkt im Shop geben und in Zukunft auch einen Review über diesen Mix aus Hardcore und melodischem Emopunk.

LP: tu la llevas – s/t

My Ruin ist ja inzwischen schon auch recht breit aufgestellt, was die musikalischen Erzeugnisse anbelangt.
Da gibt es Metal, Hardcore, NewWave, PopPunk, irre.
In diesem Fall hat Rosi mir mit dem ok nein Album, noch tù la llevas mitgeschickt. Sieben Songs Emo / Alternative drauf.
Ein Trio, was wohl in Deutschland lebt (Hamburg), und aus Griechenland, Spanien und Italien kommt; soweit ich das oberflächlich recherchiert habe. 
Sie singen auch auf Spanisch.
Die ersten beiden Songs „terremoto“ und „los jazmines“ sind etwas fordernder als der dritte „jonas“. Der Vierte ist nur ein Skit, aien instrumentales Zwischenstück namens „schellingstrasse 75“ – ich gehe mal davon aus, dass es der Ort der Freiheit ist: der Proberaum.
Der Sound ist insgesamt etwas schmutziger, klirrender, was die Gitarren anbelangt. Fast schon ein weng übersteuert wirkend, wobei fast keine Verzerrung auf den Saiten stattfindet.
Sehr entspannte Musik in meinen Ohren. Und das längste Stück auf dieser Scheibe mit sechs Minuten.
Letztes Stück „rivas va hacia madrid“ gefällt mir wieder richtig gut, was tù la llevas formen die Atmosphäre in ihren Songs in ihrer Einfachheit. Das ist das spannende an der Band.
knapp über 25 Minuten Musik in einem sehr schlichten Artwork. Die Farbwahl finde ich aber wiederum echt gut!
Ihr Bandname, so schreiben sie, „Tú La Llevas is spanish for „you got it“ and our answer to Yo La Tengo“ (wobei das dann wiederum in etwa dasselbe bedeutet)

Ich würd ja nun gern selbst was über „file under ____“ schreiben, aber ich kenne keine vergleichbaren Bands.
Zitat vom crossedXletters blog: „…Standstill, Catarata, It’s Not Not, Schedule, Heroes Del Corazon (haha), Madee oder Maple (auch haha, die haben doch alle gar keine bis wenig spanischsprachige Songs) erinnern? ..:“

MC: meißel split w/ återstod

Kurz und knäckig mal zur dieser wunderschönen Split MC von återstod und meißel.

återstod klingen wie eine klassische Screamo-Band, Gitarren zu laut, bisschen vertrackt, Gesang weit weg!
Haben aber insgesamt aber was, was mich an die ersten Screamo Bands der 90er Jahre erinnert. Wo man das noch nicht so nannte. Da gab es noch kein Genre für.
Da sind fette Hardcore-Parts drin. Drei Songs in knappen 7 Minuten.

meißel sind zwei Menschen von lypurá und die machen per se gute Musik. meißel sind fordernder und schneller, der Sound echt fett. Gitarre und Drums. Auch unter sieben Minuten.

Erschienen bei ZEGEMA BEACH RECORDS. Und mit ultimativ viel Liebe durch Wasser-Transferdruck (glaube ich) in wunderbaren Farben!