interview: #3 – how i left – indie, pop, karlsruhe

Vorklapp:
Nach und nach werde ich – bis (in 2025 hatte ich euch nicht verraten, welches) Weihnachten – mal alle Printinterviews, auch längst verblichener Bands, hier online stellen. Ich pimp die noch ein wenig, Musik, Links, Fotos. IMMER DONNERSTAGS – zur Tea-Time.Auch die bereits veröffentlichten bekommen einen neuen Termin und werden angepasst.
Alle Ausgaben sind Out of Print und werden nicht wieder aufgelegt.
Ausgabe 13 eventuell in 2026!

Manchmal kann es unheimlich einfach sein, eine Band zu finden, die etwas macht, was nicht jede Band macht. Von Jule, dem Saänger und Gitarristen von HOW I LEFT hörte ich schon, da er desöfteren mit TOM MESS unterwegs ist.
Und da im beschaulichen Bühl ein Veganes Restaurant aufmachte und direkt mal ne Band dort spielte, wurde ich neugierig!
Das Restaurant von TIMO FRANKE lohnt sich und die Musik von HOW I LEFT sowieso:

PP:
Ihr habt eine CD raus (eure erste?) die „sniffing glue with frank sinatra“
heisst. Wie kommt sie an?

HIL:
Erstmal moin moin liebe Provinzpostille!
Ihr liegt goldrichtig- wir haben von Juli bis September 2015 in zig Nacht und Nebel Aktionen unsere erste CD aufgenommen und fertig gemacht. Quasi nahtlos daran sind wir dann mit der CD im Gepäck quer durch den Süden gezogen und haben hier und dort gespielt.
Ob und wie die Cd nun ankommt? Fühlt sich zumindest so an, als würde sie gut ankommen- steckt ja auch ne ganze Menge Herzblut drin. Im Dezember 2015 war die erste Auflage dann auch schon tatsächlich restlos vergriffen und wir haben die nächsten 40000 Stück geordert. Die gigantische Menge an Verkaufsgeldern haben wir dann in noch viel gigantischere Instrumente und Equipment gesteckt um noch gigantischere Aufnahmen zu machen und noch gigantischere Verkaufsgelder zu generieren und so weiter! Spass beiseite- die erste Auflage hatte ein Volumen von 150 Stück. Die waren im Dezember weg und von der zwoten Auflage sind zu unserer Freude auch schon wieder ne ganze Menge verkauft.

PP:
Wo habt ihr die aufgenommen, bei Nacht und Nebel?

HIL:
Die Frage nach dem Wo ist nicht ganz so einfach zu beantworten, da wir komplett alles selbst aufgenommen und gemischt haben. Die kompletten Schlagzeugspuren haben wir in unserem Proberaum aufgenommen. Den ganzen Rest- also die Gitarren, die Bassspuren, die Tasteninstrumente und den Gesang haben wirzum Teil im Proberaum in Karlsruhe, zum Teil in Kassel, zum Teil in Winden und zum Teil in der Wohnung in Karlsruhe aufgenommen. So wie es eben am besten gepasst hat und so wie wir eben Bock hatten. Eine der Ideen hinter „How I Left“ ist unter anderem die Idee einfach derbe viel selbst auszuprobieren und schlussendlich auch zu machen. Einzig beim Mastern, und bei der grafischen Umsetzung hatten wir unbezahlbare Hilfe von zwo dicken Kumpels!

PP:
Schreibt ihr an neuem Material?

HIL:
Die Konzertpause bis Ende April nutzen wir tats ächlich, um an neuen Songs zu schreiben. Außerdem haben wir auch begonnen, die zwote CD  aufzunehmen.

PP:
Wie kommt man auf die Idee zu zweit Musik zu machen? Hat sonst keiner Bock gehabt mitzumachen oder habt ihr einfach keine Freunde?

HIL:
Wir haben einfach keinen Bock gehabt, dass noch jemand mitmacht. Freunde haben wir auch keine- naja den ein oder anderen vielleicht. Die dürfen dann zum Beispiel unsere Aufnahmen fantastisch mastern oder na
ch unseren wirren Ideen grandiose grafische Konzepte verwirklichen. Oder mit uns Musik machen. Live gibt es uns zu unserer großen Freude auch immer mal wieder zu dritt- dann haben wir den Nigel samt Tasten im Gepäck oder eventuell auch mal nen anderen Nigel, der dann auch mal nen Bass im Gepäck hat.
„How I Left“ sind aber erstmal die zwo Typen ohne Freunde (oder halt mit dem ein oder anderen!)- eben Jule Baetz und Michy Muuf.

PP:
Vereinfacht es das zu zweit sein, Songs zu schreiben?

HIL: Keine Ahnung- uns beiden fällt es jedenfalls leicht zu zweit Songs zu schreiben bzw. daran zu arbeiten. Wenns uns jeweils nochmals geben würden, würde es uns vielleicht dann quasi zu viert auch leicht fallen. Das Schreiben als solches geht bei uns immer ziem lich fix. Ist das mal nicht d
er Fall, dann gehen wir in dem Moment lieber ein paar Pils trinken. Beim nächsten Mal kla ppt es dann meistens wieder schneller! Bis die neuen Songs dann allerdings „rundgespielt“ sind und so rumpeln wie sie eb en rumpeln sollen, dauert es dann schon auch mal ne ganze Wei le. In dem Fall trinken wir dann die Pilsken während der zwo-Mann-Trainingseinheiten.

PP:
Im Grunde könnt ihr ja überall auftreten, was euch wiederum sicher
an Orte führt, an denen sonst keine Band unterwegs ist. Was ist euer abgefahrenstes Liveerlebnis bis jetzt?

HIL:
Jo Blatter, seinezeichens grandioser Barber mit eigener Barberstub in Lichtenau, ist ein ziemlich cooler Typ mit starken Ideen. Unter anderem hatte er die fabelhafte Idee eines „Refugees Cut Day“ in der Flüchtlingsunterkunft in Sasbachwalden (eine ehemaliges Hotel in dem zu dem Zeitpunkt mehr als 700 Hilfesuchenden untergebracht gewesen sind) auf die Beine zu stellen (inklusive Kuchenbuffet, Spielstrasse für die vielen Kinder, einem DJ und eben einer Band – How I Left). Er selbst hat mit seinem Vater „duracellhäschengleich“ Haare geschnitten und wir durften den Menschen unsere Musik schenken. In Worten kann man das ganze nicht wirklich wiedergeben. Die komplette ehemalige Hotellobby war voll mit neugierigen Menschen verschiedenster Kulturkreise und vor
unserer improvisierten Bühne standen extrem viele Kinder die uns mit ihren dankbaren Kinderaugen angeschaut haben. Selten hatten wir so derbe die Hosen voll wie an dem Tag – ganz einfach weil wir überhaupt nicht abschätzen konnten, was uns erwarten würde, wie den Menschen unsere Musik gefallen würde,..!
Das war definitiv das abgefahrenste Liveerlebniss.

PP:
Ich höre viel Sehnsucht in euren Songs. Wohin geht die Reise?

HIL:
Mmmhh Sehnsucht? Klingt aber auf jeden fall mal gut und deshalb lassen wir das einfach mal so stehen. Wohin die Reise mental geht?
Keine Ahnung!
Sicher ist jedenfalls, dass wir weiterhin ne gehörige Portion Spaß dabei haben werden, gemeinsam Songs zu schreiben, unterwegs zu sein, auf der Bühne nebeneinander zu stehen. Und das ein oder andere musikalische
Stelldichein geben wir wieder ab Ende April.

PP:
Vielen Dank für das Interview.

Das ist die aktuellere Platte; die kam im April 2023, bei This Charming Man und ich habe es klingeln gehört, dass es eine neue Platte geben wird.

 

LP: lohrge – a shark romance

Lohrge eröffnen für mich die nicht unwichtige Frage: was ist Bubble-Grunge? Mit dem Zusatz „bittersweet“?
Und was bedeutet eigentlich dieser Name?

Lohrge cachen sofort. Im Moment.
Erstmal das Cover: so gar nicht meine Farbe, ne, aber passt. Und was soll ich sagen, der Cartoonhai, der Hammerhai, in Form einer Schnecke und drumherum. Dann die passende Vinylfarbe (mintgrün transparent) zum Artwork, gleich bekomme ich Augenkrebs – es passt einfach alles zusammen, als wären sie füreinander gemacht.
Denn die Musik ist, überraschenderweise, klar, denn ich kenn die Band Lohrge ja noch gar nicht, wunderbar durchkomponiert.
Die ersten sechs Songs, Seite eins, beginnen etwas aufzubauen.
„slugs“ und „alright, alright“ sind zuckersüße Melodien, eine schöne Wärme auf der Gitarre, mehrstimmiger Frauengesang.
Eine singt tatsächlich recht tief, dazu eine zweite oktaviert; auch sehr wohl temperiert.

„bored to death“ bringt mich so zum lachen! „passionately passionate about losing brain cells (…)“ Bier trinken, Abende verrauchen.
Die Harmonien finden also nicht immer in der Dur-Tonleiter statt, auch wenn die Melodien honigschmeichelhaft bleiben!

Bei „superstraight girly girl“, der letzte Song auf der ersten Seite, wirkt erstmal nur der Titel superfreundlich, doch sie spielen den richtig gut nach vorne, wird im Beat zurückgenommen, um einen Stop & Go Refrain unterzukriegen.
Eine kleine Steigerung findet also statt und man freut sich, dass es möglicherweise so weitergeht während man die Platte umdreht; doch es kommt „very sad kings“. Eine Akustik-Nummer, die total großartige gespielt ist, supersauber auf der Gitarre, toller Gesang, die mal komplett den Dampf rausnimmt; und trotzdem ein Volltreffer ist.
Ein weiterer.
Gefolgt von „mackerita“ – meeega! Ein Skit. Darauf ein… Heavy-Rock-Riff und Ein-Ton-Gesang, was auch der (wenn mich nicht alles täuscht) der einzige Text in Deutsch ist. Featuring Dosenstolz.

Leider sind die Informationen recht spärlich in der Platte. Kein Textblatt oder so. Nur das, was man auch so bei Bandcamp oder so nachlesen kann.
Gut, dann nicht. Sucht euch das mal selbst zusammen, ich hab das mal verlinkt!
Wie auch immer – wahnsinnig gutes Album!

Erschienen bei Dropout Records und Rundling.
Hier zu bestellen!

LP: aackr – wtf 2025

Nachdem ich mir Yass angehört hatte, da muss doch direkt nochmal AACKR auf den Teller!

Diese Songs sind manisch, beatorientiert und nimmermüde. Manchmal wollen sie gar nicht enden!
AACKR verfolgen eine Mischung aus Rhythmus und Rhytmen, die nicht ganz zuende gespielt sind. Darauf eine Basslinie, die sich langam aufbaut. Irgendwo fehlt mal ein halber Takt am Ende – darauf reduzierte und akzentuierte Gitarrenlinien.
Mal ein Synthie, mal ein Sample.
Wenn man es einfach laufen lässt, da es instrumentale Musik ist, kann man das schon ganz schön reinfallen. Im Sinne von „sich fallen lassen“.
Man wird mitgerissen, doch die Musik ist wiederum nicht flott genug, um anzufangen zu zappeln. In gewisser Weise, könnten AACKR auch einen Soundtrack gestalten.

Willentlich reduzierte Sphäre.

Nur sechs Songs, dafür maximale Spielzeit, die auf eine LP passt. Wie soll es auch anders kommen, wenn man Songs mit diesen Klangteppichen aufbaut und wieder vergehen lässt?
11 Minuten Wahnsinn in dem Video oben!
Linernotes zu den einzelnen Songs im Gatefoldcover.
Spannend zu lesen, was die beiden sich dabei gedacht haben!
„eine wichtige, emotionale Momentaufnahme, die in einer Zeit voller Krisen entstanden ist. Our world is about to loose its Balance. Darauf waren wir in unserem ständig Fortschritt verwöhnte Gesellschaft einfach nicht vorbereitet.“

Sehr gute Beobachtung und Zusammenfassung.
Noiserock-Bands klingen, meiner Meinung nach, alle anders. AACKR sind eine von den Guten. Checkt das aus.
Artwork ist von Atze. Und er hat es wohl geschafft nach Jahren etwas Gelb ins Cover zu packen. Eben ein Gatefold. Superklasse Farbe.
200 Stück.
Bei Moertel Sound.

das aus der jugend – für immer niemals sein wie ihr

Plötzlich sprang mich so ein witziger Bandname an. Demotape von Das Aus der Jugend. Klar, ich habe erstmal Haus gelesen und mich dann auch über meine eigene Blödheit amüsiert.
Wer öfter mal von mir hier liest weiß, ich steh auch Wortspiele, Wortverdrehungen und Wortakrobatik.
Letzteres ist ja ein seltenes Gut im Punk und wurde lange als Studentenpunk abgetan.
Ehrlich gesagt habe ich das Demotape schnell weggelegt, weil es mir viel zu Indie war – und dann kam die Anfrage mit der ersten Platte und ich bin ja auch begeisterter Hörer von Weiterentwicklungen. Also her damit, rauf auf den Plattenteller.

Und was von Flight13 Records kommt kann nicht Fail gehen, meistens, die LP heißt „für immer niemals sein wie ihr“. Wisst ihr jetzt was ich meine? Das ist schon mehr Wortakrobatik. Könnte ja auch nur „niemals so sein wie ihr“ heißen. Wäre aber ein veränderter Sinn und das „immer“ im Satz ohne das „so“ hat sowieso 1000 Mal mehr Wucht.
Und dann guck dir die drei Typen auf dem Cover an! Ich glaub ihnen das. Dieses Setting, in dem sie sitzen, eiskalt ad absurdum geführt; dennoch nicht unmöglich, dass sie das cool finden.
Deshalb werden sie niemals, niemals sein wie ihr. Und ihr nicht wie ihr, oder?

Der angeschnittene Zwetschgenstreusel (übrigens ist gerade in unserer Gegend, so zwischen Bühl und Freiburg sowas von Zwetschgenzeit!) zieht sich dann ganz wunderbar als Reminiszenz an die Beatles auf die Labels weiter: Seite A vollständig, Seite B das abgefutterte Blech.

Während ich das instrumentale Klavier-Intro der Platte anhörte, las ich auf dem Textblatt die Lyrics und empfand sie direkt als gut. Ja, wirklich: gute Lyrics. Witzig. Hintersinnig.
„Künstler aus Süddeutschland“ – „die SPD schiebt ab“ und „Mollies aus Champagnerflaschen“ sind direkt Hingucker und bergen schöne Scherze.
Ja, schön, den Punk kann auch schön.
Schön laut, schön rotzig, schön Fun, Arme in die Luft.

Ich denke kurz, so für ca. 3 einhalb Minuten habe ich Gelegenheit dazu und dann kommt der dritte Titel „ich will dein Hundi sein“ – och neee. Echt jetzt?
Da hab ich mich schon so gar nicht abgeholt gefühlt. Ich hatte sofort „Waldheims Pudel“ von K.G.B. in den Ohren und The Neglected „my dog he licks me to keep my body clean“ – das sind so Songs um einen Song gemacht zu haben. Bleiben kleben wie der feuchte Tropfen einer Nektarine auf dem Küchenboden. Sehr alter Kram, der, in der Hoffnung darauf, das sich nicht „Schimmelkulturen aller Fächer vereinigt euch“ dahinter klebt, nicht mehr in diese Zeit passt.
Aber Das Aus der Jugend möchte uns da sicher ihre Sichtweise näherbringen. Dochdoch, als Künstler aus Süddeutschland hat man in der Geburtenlotterie gewonnen und verspielt nun den Gewinn.
Sie wirken jung, haben aber wohl all die Klassiker der deutschen Musikgeschichte wie Schwämme aufgesogen und nun wird mit Reibeisenstimme rausgeprügelt, was nicht mehr länger in der vollgestellten Studentenküche vor sich hinschlummert.
Ein paar Songs sind irgendwie zu lang, dennoch alles klar, verständlich und äußerst amüsant.

Seite B, das leere Blech, schau dir jetz amol a, was aus derre Jugend worre isch (<— das ist Badisch, oder sowas in der Art) folgt ein Ein-Minutenkracher auf den nächsten. Kaum Luft geholt, geht der nächste Track los. Alle drei Jugendlichen singen, so ist es ordentlich abwechslungsreich und „fick mindestlohn“ ein geiler Hardcore-Refrain. „glockengeläut“ nimmt ein wenig das Tempo raus, um dann mit „wir bauen uns ein haus“ einen Rock’n’Roll-Smasher rauszuhauen und zurecht die Keule gegen Nazi-Opas zu schwingen.
Ey, wenn die wirklich so unverblümt und direkt auch auf den Straßen rumlaufen würden, dieses Aus der Jugend, dann wäre hier einiges echt geradegerückt. Ich höre da eine permanente Wut in den all der Fröhlichkeit!

Die Kritik an der Generation, die Boomer, kriegt ordentlich auch ne verbale Keule:

ich esse Steak, ich trinke Wein,
ich bin ein altes, reiches, weißes Boomer-Schwein
ihr seid so faul, großes Maul
von nichts n Plan eure Armut kotzt mich an
„eure Armut kotzt mich an“

Als wäre das unbedingt berechtigte Kritik an den herrschenden Verhältnissen.
Aber in meiner Jugend habe ich das auch so schon gehört, nur das das Wort Boomer darin nicht vorkam. Es hat sich also nichts verändert. Das ist echt arm.

„Das Aus der Jugend“ ist das sehr gute, wilde Ende dieser Platte und beinhaltet nochmal das anarchistische Komplettpaket theatröses Chaos über Chaos, Piano, dummes Geschwätz über Fußball.

Das Artwork, und all seine wilden Ideen, komplettieren ein Gemälde mit Rahmen, auf Betriebstemperatur und unter einer Minute.
Kaufempfehlung.

Flight 13.

 

dieser ausfürhliche Review ist bereits beim Vinyl-Keks erschienen.
Mit freundlichen Grüßen!

 

MC: autobot – zurück an der spitze

Autobot alias André Lux hat ein neues Tape raus.

In meiner zeitlichen Wahrnehmung ist das noch gar nicht so lange her, da hatte ich das Split-Tape von Autbot und Ferdinand Führer hier im Deck.

Als die „neue“, giftgrüne Kassette im Deck liegt geht der Gute-Laune-Punkrock los.
Aber Autobot ist gar nicht gutgelaunt, er ist witzig!
Witzig, weil er über die Zahnbürste von Hartmut Engler singt, die er in einem Proberaum (seinem) in Bietigheim (Nähe von Stuttgart) gefunden hat. Und die hat im Millionen eingebracht.
Autobot ist nicht bei Spottifei, nein, ihn gibt es auf Kassette.

Zweiter Song ist „mein lehrer ist ein nazischwein“ und spätestens hier wird dann klar: Autobot ist nicht gutgelaunt, er ist witzig; oder sagen wir ironisch.
Ganz großes Kino!
In Bezug auf die Gutelaune im Punkrock schreibt er dann also einen dritten Song und besingt ebenjene Laune von Ingo. Ingo singt bei den Donots. Kennt ihr? Ich mach da seit jeher einen Bogen drum. „ich wär so gern ingo von den donots“
Autobot ist witzig. Er schreibt ein melancholisches Stück über jemanden, der immer lacht. Und immer freundlich ist und immer seine Haltung parat hat – wie so ein…. Autobot?
Vorletzter Song ist ein schnelles, wildes Stück über „der handwerker ist da“und zum Abschluß gibt es „jeremy“ auf die Ohren.
Und nur um das nochmal deutlich zu sagen: Autobot ist nicht lustig, er ist witzig.
Super Tape! Famoses Artwork auch.
André spielt Gitarre, singt, Pauke, Congo, Melodika, Klavier, Munharmonika und hat die Musik und Texte von Autobot geschrieben.

Erschienen bei Lovelieder Records. Aber wo es das Tape zu haben gibt…. vrmtl einfach bei Insta mal melden! Oder via André selbst bei Etsy/Egonforever. Kostet 6€.

LP: [hi tereska] – 23:59

Gemeint ist die Laufzeit des Tages, nicht die Uhrzeit.
Ich hab ein bisschen gebraucht, um drauf zu kommen.

Schon soooo lange nichts mehr von [hi tereska] gehört, dass ich mich schon fast nicht erinnerte, wie gut sie sind!
„die wände weiß gestrichen“ war eine ganz großartige CD – schon Jahre her.
Sehr relaxter Melo-Punk, mehr Indie, zwischen Peppone und Grüner Star finden sie ihren Platz; denke ich. 10 Jahre ist die her.
Sieben Jahre sind also seit der EP „zwei takte schneller“ vergangen, nun ein neues Album namens 23:59, selbst herausgebracht und – soviel sei schon verraten – bei Bandcamp mit einigen zusätzlichen Songs gespickt (+5)!

Die Band [hi tereska] ist vor langer Zeit aus der Asche von Einleben hervorgegangen (ein Album was ihr hören müsst!)
Die 10 Songs auf dem Album sind durchweg. Releasetag war schon der 17.01. – am selben Tag wie das Turbostaat Album. Ja, ich hab mir mal wieder Zeit gelassen.
Erste Seite startet mit „underbare jahre“. Als wären sie nie weggewesen sprudelt das melodisch melancholische Riff über mich hinweg.
Sie schwelgen textlich direkt in Erinnerungen.
Mit „vorwärts gehen – rückwärts gehen“ haben sie ein Stück geschrieben, weswegen ich Punk und Artverwandtes mit dieser Attitüde einfach für immer lieben muß! Die Kritik, vor allem an den Mitmenschen, die, wenn diese sie endlich von uns lernten sie zu lesen, einfach zu guten Menschen wachsen könnten.
Der Sound ist durchweg gut gemischt und eben eher schrammeliger Indie als als Punk zu bezeichnen.
Seite zwei ist irgendwie mehr Indie. Etwas poppigere Stücke von bspw Boxhamsters auf ihrer letzten Platte. Bisschen Fliehende Stürme. Hat irgendwie den Charme der 90er Jahre bewahrt, damals war Emo halt noch ohne schwarze Fingernägel und irgendwelcher seltsamen Insta-Reel-(Pl)Attitüden.
Sie hätten also noch eine dritte Seite dazupacken können, mit den fünf „left overs“, jetzt beschließt „spuren im schnee“ die LP. Knappe sechs Minuten.
Den Tag machen sie damit nicht voll 😉
Leider kein Textbblatt, auch kein DL-Code für die ganzen Tracks bei BC.
Nichtsdestotrotz eine der schönsten Scheiben bisher in 2025.

Bei flight13 gibt es die LP. Oder via Bandcamp:

LP: freunde der italienischen oper – kassandras komplex

Schon zig mal angehört.
Also ich muss schon sagen, wenn mich eine Platte fesselt, dann kann ich das selten in richtig gute Worte fassen.
Ich bin über dieses Video gestolpert, „ikarus – she kill the laugh“ von 1989 (!!!) in schwarz-weiß gedreht. 

Kann man nur direkt in der Tube anschauen.

Der Einsatz der furztrockenen Gitarre. Dazu der dengelnde Bass. Drüber der pathetische (opernhafte) Gesang. Und doch gesprochen.
Manisch. Das fordernde Tempo. Das beißt, das zieht, das zerrt und fordert dich zum Tanzen! Dich darin zu verlieren, wo dann doch die Vocals zu fordernd und mitrei0end, da muss man einfach zuhören!

Nach der letzten Faustaufführung verschwand der Film für 32 Jahre im Archivschrank. Da der Song des Filmes erst jetzt für den neuen FDIO-Tonträger „Kassandras Komplex“ eingespielt wurde, hatte Ray van Zeschau den Wunsch, den Film aus dem Dunkel des Archives zu befreien und ihn nach 35 Jahren endlich wieder mit der Musik zu vereinen. Im April wurde „Ikarus – She Kill The Laugh“ erstmals anlässlich des International Short Film Festival Dresden wieder aufgeführt.

Geil.
Die Platte musste also her und das Majorlabel war so nett, mir eine zum reviewen zu schicken.
Die zweite Seite ist schon fast die großartigere Seite der Schallplatte von Freunde der italienischen Oper.
„des volkes jammer“ ist ein Volltreffer. So klar und wütend  und hinterlistig böse vorgetragen, dass es genau das trifft, was eigentlich soviele Leute in Ost & Wets denken. Stattdessen gucken wir zu, wie diese rückwärtsgewandte Minderheit alles in Frage stellt und damit verunsichert.
Es gibt überhaupt viel zu berichten über diese Band. Denn Sänger Ray van Zeschau ist auch Schauspieler, Produzent und macht Regie. Dazu sind diese Songs auf der LP „kassandras komplex“ auch eine Art Rückschau, denn es sind nicht alles neue Songs sondern nur endlich mal eingespielt!
Da kann man ja von Zeitlosigkeit sprechen.

Das Artwork, das Foto mit dieser stierenden jungen Dame ist großartig!
Auch die Fotoarbeiten sind auch vom Sänger. Tolles Booklet dazu.
Die Texte der Freunde der italienischen Oper sind super gut, auch mal in englisch;  die Band mischt Rock mit Post-Punk und Wave, etwas Rock’n’Roll (den man schon sehr klar in den Riffs und der Intonierung der Solos raushört). Und sind dabei ausgesprochen düster.
Es geht um Tod, Zerfall und das Alleinsein.

Ich fürchte, ich muss diese Band mal live sehen.

Majorlabel.

MC: finding harbours split w/ losing sleep

Beim Konzert am 06.12.2024 hatte mir Pip, er spielt Gitarre bei Finding Harbours, eines von 20 Tapes gegeben, die sie mit ihrem Label i wish i could stay rausgebracht haben. Die ist ziemlich flott im Tapedeck meines Renault gelandet und für gut befunden worden.
Kleine Sideinfo: ich hatte mir ein paar Tage vorher die erste Band, mit der ich einige Konzerte gespielt hatte, Kasino Koschmidder, nochmal angehört. Es ist manchmal schon ganz krass, wie ein bestimmter Sound einer bestimmten Zeit zuzuordnen ist. Da spielte Pip auch mit.
Finding Harbours sind eine sehr professionelle Weiterentwicklung. Der Sound sehr zeitgemäß, coole Songwriting. Jables, ein Multitalent an vielen Instrumenten, spielt hier den Bass; und gibt diesem durch die Instrumentenauswahl einen ganz besonderen Klang. (ich hab keine Ahnung, was er da spielt, auf jeden Fall keinen Bass und keine Barriton-Gitarre – klingt aber megagut!)

Die Songs sind von den beiden „bad decisions“ und „hard complaints“ EPs.
Ich kann da kein großes Namedropping machen, da hab ich dann doch zu wenig Ahnung von all den Emo-Bands, die mit Gitarren und ohne große Effekt-Unterstützung ihren Sound machen.
Klar, sie wiederholen dann doch repetitiv recht oft die Refrains der einzelnen Songs, das gehört dann wohl zu dem Teil Emo, der aus dem Pop kommt. Dazwischen gibt es einiges an Abwechslung, der Dummer hat echt Schmackes, überhaupt ist der Sound von Finding Harbours wirklich gut gemischt!
Der erste Song „fear of missing out“ hat schon mal ne super Bass-Line und ist mega-cachy.
Ich hake kurz ein, war nach dem Konzert auf der Suche nach einem bestimmten Song, habe mich durch die KOMPLETTE Discografie der Band gehört und ihn nicht gefunden. Scheint neu zu sein und ist richtig doll gut!
Beide EPs sind super. Manchmal erinnert mich das an Blink812. Sorry…

Finding Harbours und Losing Sleep kennen sich wohl schon sehr lange und haben einige Konzerte miteinander gespielt!
Da kam die Idee einer Split MC, da ja da auch mehr Songs drauf passen. Jedes Tape hat ein anderes Cover/Farbe und ist einzeln überspielt.

Losing Sleep auf Seite zwei. Sie sind, keine Kritik, mir viel zu poppig. Ein sehr schmeichelhafter Sound. Schön gespielt. … schöne Kompositionen. Hat schon fast was von Shoegaze.
Zum Abschluß ein toller Song „tiny footsteps“, sehr schön atmosphärisch. Ein Glück saß ich gerade im Auto, bin gefahren, sonst wäre ich vermutlich weggeträumt.

1 nices video von ihnen

8inch: laminat snyder – s/t (+ MC)

Hier habe ich mal etwas getan, was ich sonst so gar nicht mache, oder sehr sehr selten: ich habe mir beide Tonträger besorgt vom selben Release.
Es handelt sich um die musikalische Experimentalreise von Laminat Snyder.
Ich denke, das Tape wird es noch geben.

Die 8inch (Nummer 31/33, erschienen bei Frei Zum Abriss Kollektiv) unterscheidet sich ein wenig, da weniger Tracks drauf sind. Tape ist die #45/70, erschienen bei Knorz.
Laminat Snyder hat sich nach dem gleichnamigen Parkett-Ersatz benannt. Der Kassette liegt ein kleines Zettelchen bei, auf dem alle Songs vermerkt sind und wer an welchem Track beteiligt war.

Es geht los mit „garten“ (auch auf der 8inch zu finden ist.) Ein sehr angenehmes Stück, mit Vibraphon. „den haag“ ebenso laid back, ich schaffe es so schnell einzutauchen, dass ich gar nicht mitbekomme, wann die Tracks wechseln. Jedenfalls, nein, „garten“ ist mit Synthie und hat ein ordentliches Tempo zu tanzen.
Sind die vllt in einer andern Reihenfolge darauf?
Jeder Track ist circa 5 Minuten lang, da kann man schon mal anfangen zu träumen. Es ist eher Easy Listening als Lofi, den Sound empfinde ich als sehr aufgeräumt und ohne wilde Experimente mit Geräuschen.
„zähne“ ist auch auf der 8inch, der Track mit Junge von EA80. Herr K. (so steht es im Beiblatt) hat einen Text über Zähne geschrieben und die Herangehesnweise war, dass das in einem Take aufgenommen wird. Erstes Take. Seine Stimme hört sich etwas an, wie durch einen Telefonhörer, was aber sehr gut zusammenpasst zur Gesamtstimmung des Songs.

Seite zwei, so finde ich es dann heraus: „du musst dich äußern“, „der sommer ist gegangen“ und „den haag“ drauf. Die Reihenfolge auf dem Beiblatt stimmt nicht zu der auf dem Tape. Was ich aber feststelle, immer noch nicht korrekt ist.
Der erste Track hört sich ähnlich an wie „garten“, vom Beat her, nur diesmal singt jemand anderer.
Boah, ich beschäftige mich zu viel mit dem … ist ja auch egal. Hört mal rein. Ist ein entspanntes Tape voller guter Musik.

Beteiligte Stefanie Shrnk (Vocals), Björn Sonnenberg, Florian Gelling, Doe Bed, Martin Kircher (Vocals), Christian Stemmann, Oli Spielberger, Christian Schneider (Vibraphon, Drums und alle andern Instrumente)

 

LP: peppone – genug gesehen

Ich habe ja keine Ahnung, warum das so ist. Doch ich lege dieses neue, das vierte, Album von Peppone auf und merke, dass mir das ganz arg zu Herzen geht.

Ein gutes zu Herzen gehen. Das ist schöne Musik von lieben Menschen, die etwas zu sagen haben. Die in einer Gegend dieser Republik leben, in der nicht nur ein paar Querulanten unterwegs sind, vor allem keine herzlichen. Irgendwie konnte man die Anarchos immer doch mehr als bunt ansehen und sich hineinfühlen, als in diesen schwarz gekleideten Mob von schlecht gelaunten Menschen, die den Weg zurück gar nicht kennen.
So heißt auch die erste Videosingle, die vor einiger Zeit erschien:

der weg zurück

Peppone präsentieren ihre Songs bildhaft in den Lyrics, die Melodien sind in einfache, klare Strukturen gebettet, geradezu poppig kommt das daher. Es schwingt aber noch, durch Tempo und Spielfreude, genug Punk darin mit; Peppone haben von Anfang an beides vereint.
Das Maximum aus einem Song rausholen ohne dabei auch nur eine Note zu viel zu spielen.
Jens Halbauer hat das Album aufgenommen und gemischt in seinem Matatu Tonstudio. Das kann sich hören lassen!

Beide haben keine Angst vor Pop. Eine weitere Videoauskopplung macht das sehr schön anschaulich. Ankes Gesang ist unschlagbar! Sowie auch die Lyrics und der wunderbare Protagonist in diesm Clip.

du kannst mich morgen

Kann man das einfach nur lieb haben? Ja!
Peppone verpacken manche Themen mit einer Leichtigkeit, die faszinierend ist.
Sozialkritisch, ohne Opfer zu sein, denn dein Schicksal bestimmst du selbst. Alles in einer sehr bildhaften Sprache, was zB im Song „schwarzer schmetterling“ sehr schön zu hören ist. Diesen Song hatten sie schon auf der Bootstoursingle mit Die Art in 2021.

Die Platte heiß „genug gesehen“ – ohne Fragezeichen, ohne Interpunktion. Ich würde sagen, wenn ich mir das Layout anschaue, dass es eine Aussage ist. Artwork ist von Torsten, der schon einige Covergestaltungen Magdeburger Bands gemacht hat. Auch diesmal gelungen!
Jedenfalls verstehe ich „genug gesehen“ als Art Resumée. Es ist kein resignieren, kein „das, was uns andere vortanzen wollen“. Einfach genug gesehen.
Das steckt zB im Song „1992“ drin. Und ich kenne den Song, habe ihn auch erst am letzten Wochenende live gehört, als Peppone auf dem Gutensglück Festival ihre komplette Platte präsentiert haben.
….und ich hab Gänsehaut.

„ich hab dich von 1000 Metern schon erkannt
mit deinen scheiß Klamotten
ich bin viel zu oft vor dir davongerannt
wollt nicht auf meine Fäuste hoffen“

 

 

majorlabel mit DL-Code. Orangenes Vinyl (99 Stück, nummeriert) oder halt schwarz.
Sobald die Scheibe online geht, gibt es hier auch einen Link dorthin !