LP deutsche laichen – punk ist scheiße, punk ist toll

An Deutsche Laichen kann man sich sicher noch an das hübsche Cover mit der gepressten Zitrone erinnern.
Nach diesem ersten Album ist eine Weile vergangen, so sieben Jahre, und ich freute mich, wieder von der Band zu hören, bestellte mir das Album im Pastic-Bomb-Shop. Jetzt liegts hier.
Und mich strahlt ein KI-generiertes Cover an. Würg.
Aber gut, ich habe in der Zwischenzeit den Artikel von Ronja in eben dem Plastic Bomb gelesen und weiß, dass die Band das genau so wollte und eine Künstlerin Kimberly Maddox hat das mit Hilfe von KI erstellt.
Hier steht es auf dem Cover drauf. Finde ich gut so!

Allein der erste Song kickt mich schon so und ich sauge die Musik auf, höre durch, drehe um, drehe durch!
„beton“ beginnt so direkt und ohne Umschweife, ein vertontes Gedicht, toll!
„zelle“ ist ein Manifest für die Familie, was auch einfach die Gruppe Menschen sein, mit der man lebt und sich freut und schöne Dinge tut.
Zum Beispiel:

 

Auch ein ganz schönes Video.
Wäre das auf der ersten Platte schon so melancholisch gewesen. Dieser Mitgröhlrefrain, dieses fiese Poppige, was einfach kleben bleiben muss: eine Freude.
Erinnert mich an Tiger Magic. Ganz famose Combo.

„punk ist geil, punk ist scheiße“ überrascht mit Piano und dem Blickwinkel einer Frau von der Bühne aus gesehen.
Umgedreht ist „schmutzig“ als Coop mit Irem Karam, wobei ich nicht weiß (singen?), was sie oder er gemacht hat – es fehlt ein Textblatt. Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie schön das ist – und sei es nur ein kopierter Zettel – die Texte mitlesen zu können und herauszufinden, was die Band einem mitteilen möchte außerhalb der ganzen, lyrischen Worte.

Das Outro-Stück (feat. allpopp ((leicht mißzuverstehen für einen Badener, wie mich „allhopp“ sagt man hier schon mal, was eine Aufforderung ist, aufzustehen)) ist etwas, was ein wenig am Gesamtbild kratzt, denn ich verstehe das Lied nicht. Musikalisch, meine ich.
So ein bisschen Autotune, Elektro und holprigem Schlagzeug, Hardcore-Frauen- Gesang. Ha! und da fällt mir doch ein: Irem ist bei Anti-Corpos. Neulich ihre Platte hier reviewed. Zumindest das habe ich nun verstanden, puh.

Die Band aus Berlin wird schon noch einiges erleben, musikalisch absolut geeignet uns den Sommer auf manchen Bühnen zu verschönern.

Wohl erschienen bei einem Label namens pretty on the inside, allerdings über audiolith vertrieben. So wie sich das anschaut: das Bandeigene Label.

interview: #3 – the lamplighters – köthen, punkrock

Vorklapp:
Nach und nach werde ich – bis (in 2025 hatte ich euch nicht verraten, welches) Weihnachten – mal alle Printinterviews, auch längst verblichener Bands, hier online stellen. Ich pimp die noch ein wenig, Musik, Links, Fotos. IMMER DONNERSTAGS – zur Tea-Time.Auch die bereits veröffentlichten bekommen einen neuen Termin und werden angepasst.
Alle Ausgaben sind Out of Print und werden nicht wieder aufgelegt.
Ausgabe 13 eventuell in 2026!

The Lamplighters im Interview in 2016.
Wir hatten uns, nach ein paar Dates mit Bands in 2014 nicht mehr gesehen, aber auch nicht aus den Augen verloren.
Mal abgesehen davon, haben The Lamplighters fleißig weitergemacht und eine ordentliche Fanbase, die sie, wenn mich nicht alles täuscht, schon zum zweiten Mal via Crowdfunding mit einer Platte versorgt haben.
Gerade frisch raus ist das neueste Werk, welches nach den jeweiligen Singles benannt wurde. Aber das ist ein anderes Thema und kommt sicher hier auch noch aktuell reingeflattert!

PP:
Ihr wart ja schon auf dem Sampler #1. Und ich freue mich, daß ihr wieder dabei seid. Lange nicht gesehen, haha!
Eure neue CD „views“ ist nun schon ein paar Tage draußen und ich warte hier noch gespannt auf den Vinylrelease!
Wie läuft’s, wie ist die Resonanz?

LAMPI`S:
Hey Felix, wie läuft`s? Das Vinyl kommt Ende März oder im April glaub ich. Die Resonanz ist durchweg sehr gut, bekommen hauptsächlich Reviews aus`m Ausland & die sind bis jetzt super.

PP:
Ausland heisst…? Habt ihr ein Management oder wie kommt das zustande? Ihr macht die Band aber aus Spaß?
Ihr spielt inzwischen sehr regelmäßig Konzerte. In letzter Zeit auch immer öfter auf Soli-Veranstaltungen gegen Rechts. Da das schöne Städtchen Köthen, aus dem ihr kommt, mitten in Sachsen-Anhalt liegt, mag ich gerne wissen, wie es euch dort im Moment geht.

LAMPI`S:
Uns geht es gut, von so nem Trubel bekommen wir speziell in unserem Städtchen eigentlich nich viel mit, es ist sehr ruhig.

PP:
Was glaubt ihr, daß Musik, oder speziell eine Band ausrichten kann. Worauf kann man heute noch Einfluß nehmen?

LAMPI`S:
Man kann als Band, die im gewissem Maße Öffentlichkeit genießt, Projekte unterstützen. Soli Konzerte spielen, Präsenz zeigen.
Im Allgemeinen, auf Punkrock bezogen, ist es glaub ich so, ich spreche aus eigener Erfahrung, wenn Teenager deine Mucke hören und die gut finden auch auf andere Bands stoßen, die auch diesen sagen wir mal diesen Way of life transportieren. Das det ihren Lebensweg prägt, auf Gleichgesinnte treffen, sich austauschen und was Eigenes auf die Beine stellen, so war das doch auch bei uns, sei es ne Band gründen, ne Zeitung machen oder Konzerte veranstalten, das macht doch dieses Punkding aus.

PP:
Habt ihr das Gefühl, daß es die Presse ist, die Medien, sozialen Netzwerke, die nach Außen sehr polarisieren oder ist es tatsächlich so, wie es dargestellt wird?

LAMPI`S:
Ja klar, es liegt natürlich auch an den Möglichkeiten die jeder heutzutage hat, sehr schnell Nachrichten oder Meinungen öffentlich zu machen und/oder diese zu konsumieren. Die Welt ist halt nich schwarz weiß und sehr komplex dazu. Ich persönlich schau mir z.B. auf Facebook nich mehr jeden Scheiß an, das is mir zu blöd, weil jeder zu allem ne Meinung hat, das geht mir auf`n Keks.
Natürlich weiß ich was Du hier ansprechen möchtest & es ist durchaus so, daß ich diese Stimmung ganz allgemein & nicht nur in Ostdeutschland mit dem Klima um 1930 rum in Deutschland vergleiche und Parallelen ziehen kann, vor allem weil ich mir grad Literatur reinziehe die in dieser Epoche spielt. Man kann die Ängste die Ernst August Ottonormali hat nachvollziehen, vor allem wenn man jeden Tag mit tausend Informationen zugekackt wird und man die geistige Horizontale berücksichtigt, aber verstehen oder akzeptieren tue ich das nicht.

PP:
Oke. Ich sach mal „für mich“ sieht es halt manchmal so aus, als ob sich in Sachsen / Sachsen-Anhalt und Thüringen in den letzten 30 Jahren etwas entwickelt hat, was bisher allen egal war. Wo sind denn bei euch die Brennpunkte?
Hm, für mich als Baden-Württemberger, der die Wende 1989 nur dadurch erlebt hat, daß Schüler auf unsere Schule kamen, die einen berliner oder sächsischen Akzent hatten, hört es sich inzwischen irgendwie altbacken an, wenn man „Ossi“ sagt.
Glaubst Du nicht auch, es würde helfen, wenn wir dieses „Ossi/Wessi“ Ding mal begraben?

Zurück nochmal auf die internationale Presse! Wie denn kommt eure Mucke anderswo an? Wann kommt die Welttournee 😉

LAMPI`S:
Uhh Welttournee haha, wir sind jetzt oft an den Wochenenden unterwegs, was natürlich auch immer logistisch unter Berücksichtigung von Familie & Arbeit geschehen muß. Am 11.03.,12.03. & 13.03.16 supporten wir die großartigen GENERATORS. Im Mai ist ne Tour durch Osteuropa geplant. Im Sommer noch`n paar Open Air`s und ansonsten basteln wir auch schon wieder an neuen Songs.
Achso am 15.04.16 spielen wir in Magdeburg mit unseren gemeisamen Kumpels BEN RACKEN (Freunde von den Lamplighters und pADDELNoHNEkANU) da freuen wir uns besonders drauf.

Danke für Dein Interesse

Winkewinke & Gabbagabba Hey
The Lamplighters

 

 

LP: die ausreden – menschen

Ein schöner Bandname für eine Band die von sich sagt, dass sie cachy Punk machen: die Ausreden.
Kurz hoffe ich, dass es nur eine Ausrede ist, Ironie, für Nieten-Crust.

Die Ausreden sind eine Poppunkband aus Berlin und erinnern mich sofort an Kommando Marlies oder sowas, ich komm nicht drauf. Schöne, gute, deutschsprachige Indie-Pop-Punk-Band.
Egal, die Band selber macht halt Musik. Deswegen höre und schreibe ich – und ihr lest es. Dann hört ihr es. Klar soweit?

Der Sound ist sehr klar struktuiert, Drums, Bass, Gitarre. Eine Frau und ein Mann singen, dadurch ist da einiges an Abwechslung geboten; gepaart mit zwei Gitarren. Freundlich gestimmte Melancholie. Die Stimmen wechseln zwischen Pop und schönen Chören bis hin zu etwas mehr Hingerotztem in „James Bond Million“. Mit dem man den ganzen Haufen Spam-Mails auf die Schippe nimmt, die einem so ins Postfach flattert.
Das macht die insgesamt 11 Songs echt kurzweilig in ihrem 77er Pop-Punk-Gewand. Ah!
Sie singen Deutsch, doch sie erinnern mich an die Neat Mentals oder auch Kommando Marlies. Es gibt so ein, zwei Tracks auf diesem Album wirklich wichtige Sachen ansprechen (schlecht bezahlte Menschen bei Lieferdiensten oder gegen patriarchale Strukturen) und werden sicher bei ganz andern Menschen gehört und erreicht. Allerdings sind die Wiederholung der Refrains manchmal endlos und ich pacck die 10te Schleife einfach nicht. „V – wie Vineta“ ist da so ein Beispiel. Oder „Ringbahn“

Hier ein schöner, etwas dunklerer Song, schönes Songwriting, gut temperierte Akkorde in Dur und Moll, dazu eine etwas kämpferischere Stimmung. „dunkel“.

Der Bandname Die Ausreden ist, by the way, echt toll! Und der Plattentitel „Menschen“ ist so schlicht und schön; ich lese Misanthropie raus.
Bei der guten Laune, die die Band Die Ausreden verbreitet, glaube ich allerdings, dass sie dieses Leben schon sehr lieben.
Wenn du also eine Nachrichtenoverdose hast, keinen Bock mehr auf harten Punk und diese ganze Scheiße jeden Tag, dann kann man sich das Album „Menschen“ echt prima anhören und kommt aus der Schleife raus. So ne Mischung aus Funpunk, 77er Garage, Neue Deutsche Welle, Spaßkapelle.

Das Artwork sind drei gelangweilte Hunde, die auf einer Treppe chillen. Insgesamt alles in Schwarz / weiß gehalten, auch das Vinyl will dann recht gut dazu passen.

Die Ausreden Schallplatte bekommt ihr beim Label Bakraufarfita Records.

 

 

…und möglicherweise habt ihr diese Review so ähnlich schon beim Vinyl-Keks gelesen, denn da schreibe ich ja auch.

Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.

interview: #3 – außer ich – punkrock, siegen (r.i.p.)

Vorklapp:
Nach und nach werde ich – bis (in 2025 hatte ich euch nicht verraten, welches) Weihnachten – mal alle Printinterviews, auch längst verblichener Bands, hier online stellen. Ich pimp die noch ein wenig, Musik, Links, Fotos. IMMER DONNERSTAGS – zur Tea-Time.Auch die bereits veröffentlichten bekommen einen neuen Termin und werden angepasst.
Alle Ausgaben sind Out of Print und werden nicht wieder aufgelegt.
Ausgabe 13 eventuell in 2026!

Ein Tip von Twinky kam reingeflattert und ich stürzte mich sogleich darauf. Das Punkrockende Trio (Matze, Dennis und Thomas kommt aus Siegen. Die LP / CD „Punkmonium“ ist nicht ihre erste Scheibe, aber die Erste, die eben bei mir reingeflättert kam.
Da der Etat für Reisen bei der Postille extrem zusammengekürzt wurde, schickten wir uns das Frage-Antwort-Spiel einfach hin und her.

PP:
Hallo ihr! Heisst das nicht „außer sich“? Oder „außer mir“?

Thomas:
Evtl. waren wir ja zu denk- und recherchefaul um den korrekten Terminus zu benutzen, aber vielleicht war uns dieser Umstand bisher auch noch gar nicht bewusst, weil wir vorgeben aus bildungsfernen Schichten (um die Streetcredibility zu erhöhen…) kommen.
Matze:
Wir setzen dass, bewusst falsch ein, um zu irritieren.
Dennis:
Für mich war das immer eine deutsche, schwächere und grauere Form von AGAINST ME. Da in Deutschland eh alles etwas grauer ist, sogar der Punk. Man kann sich aber auch einen Doppelpunkt zwischen „außer“ und „ich“ vorstellen. Es ist aber definitiv nicht: „außer sich“ oder „außer mir“

PP:
Ich habe eure Scheibe „punkmonium“ gleich mehrfach durchgehört. Gefällt mir nämlich. Viel Distortion auf der Klampfe, ist ja nicht mehr so gefragt in letzter Zeit. Es geht ja mit „eins, zwei“ recht frustriert los über unsere digitale Gesellschaft.
Wieso stört euch das? Glaubt ihr nicht, daß die Digitale eine unabdingbare Entwicklung ist?

Thomas:
Genau genommen geht es in dem Text darum, dass sich die Menschen so verhalten, wie es von ihnen erwartet wird, dadurch entsteht quasi eine äußerliche und charakterliche Deckungsgleichheit. Objektiv betrachtet ist das Einheitsbrei, subjektiv gesehen, behauptet man, daran nicht beteiligt zu sein, richtig ist aber, dass man mittendrin steckt. Und nur weil
man etwas kritisiert, heißt das ja nicht, dass man sich von der Kritik ausnimmt.
Matze:
Die digitalen Medien sorgen dafür, dass wir daran teilhaben, wie besonders
sich einige fühlen, obwohl diese Besonderheiten kaum noch sichtbar werden. Für das Punkkonzert entscheidest du dich letztendlich doch für die Vans. Selbst wenn man sich bemüht, anders zu sein, landet man in einer Schublade auf der dann vielleicht steht „Leute, die zwanghaft versuchen, anders zu sein“.
Jeder bastelt am Paninialbum seines Lebens auf Facebook. Jetzt haben wir
es schon wieder getan.

PP:
Ist nicht auch heute Punkrock zu machen etwas irre Konservatives geworden?
Die ewige Kritik von schlauen Bands, die kaum jemand hört, und all den PopPunkBands, die die eingängigen Hits raushauen und die Konzerte abgreifen.

Thomas:
Über Punkmonium wurde einmal nicht zu Unrecht sinngemäß geschrieben, dass das Album zu seicht für die einen und zu rau für die anderen sei. Es gäbe somit kaum einen Markt für solche Musik. Textlich sieht das ähnlich aus. In unseren beiden Alben haben wir ernste und auch nicht ernst gemeinte Texte. Oft fällt mir bei Punkbands auf, dass sie entweder das eine oder das andere bedienen. Vor allem dann, wenn sie vergleichsweise erfolgreich sind.
Wir haben das nie so richtig verstanden, weil meiner Meinung nach die Texte aus dem Bauch heraus entstehen und nicht schablonenartig wirken sollten.
Es werden ja eigentlich Gefühle in Texten abgebildet und in der heutigen Gesellschaft ist kaum jemand ausschließlich wütend, traurig, verletzt, lustig oder sonst was.
Wir haben eher das Gefühl, dass der Schlüssel zum Erfolg aktuell heißt, intelligent zu wirken. Kryptische Texte: Personalpronomen streichen, ein zwei Wortspiele, rethorische Fragen mit Pathos raushauen als hätten sie Bedeutung.
Das ist wirklich keine Kunst, aber erfolgreich. Konkrete Texte zu schreiben ist unserer Meinung viel schwieriger. Vor ein paar Jahren hatten alle auch noch mehr Humor, da gabs keine LP ohne nicht mindestens einen witzigen Sample aus einem Film oder einer Serie.
Um auf deine Frage zurück zu kommen: Konservativ finden wir das nicht unbedingt, aber irgendwie absurd.
Konservativ finden wir die Tatsache, dass zu viele Leute bei Konzerten absichtlich Vorbands verpassen, ohne sie vorher mal gehört zu haben. Wir arbeiten aktuell daran, die beste Vorband aller Zeiten zu werden, aber das ist leider auch ziemlich konservativ.

PP:
Was du ansprichst mit der „marktkompabilität“ kenne ich sehr gut von meiner eigenen Band. Da gab es die Zeit, wo das mit den Photoshopcover immer populärer wurde.
Früher konnte man die Musikrichtung noch am Cover erkennen. Wir haben dann nen Punk, der ne Mülltonne schmeisst aufs Cover gemalt. Da wurde dann sofortgeschrieben: Boa hey, das Cover sieht aus, als wären da die HannenAlks oder BecksPistols drin.
Wir Szenegreise (alle Ü30) machen viel Meinung. Auf der anderen Seite guck
en wir uns heute noch Bands an, die vor 25, 30 Jahren schon tourten.
Zurück zum Interview:
Manche eurer Lyrics haben eine gute Kraft, obwohl sie sich in melancholischer, sehnsüchtiger Verzweiflung suhlen. „setz dich mit dem Ipad an den Strand und schau dir dabei Fotos an; vom Meer“
Wer schreibt die Texte? Woher nehmt ihr die Inspiration dafür?

Thomas:
In dem Refrain von „Fotos“, den du ausgewählt hast, wird eine ziemlich absurde Situation beschrieben. Solche Situationen sind häufig Inspiration für die Texte. Letztendlich ändert sich aber sowas mit der Zeit und die Texte hängen stark von dem jeweiligen Geschmack zu dem Zeitpunkt ab.
Bei den ersten beiden Alben wurden oft selbst erlebte Situationen aufgegriffen und meistens überspitzt weitergesponnen oder Stereotypen thematisiert.
Bei den neuen Sachen geht es vielmehr um Menschen in emotionalen Extremsituationen, die stellvertretend für gesellschaftliche oder persönliche Zustände stehen können. Wir finden die Entwicklung unserer Texte, besonders im Wissen derer des kommenden Albums gut.

PP:
Wie geht’s weiter bei euch? Ein weiteres Album in Planung?

Matze:
Tatsächlich haben wir vor kurzem ein neues Album aufgenommen. Vorher gibt es aber noch eine Split 7inch mit Senor Karoshi. Wenn das alles draußen ist, hoffen wir, vor allem mal mehr Konzerte spielen zu können.
Wie das geht, konnten wir aber bisher noch nicht herausfinden. Das kann natürlich daran liegen, dass wir die digitale Entwicklung eher als stille Beobachter an uns vorbeiziehen sehen.

PP:
Tausend Dank für das Interview. Wir hören uns!

Nachklapp:

Außer Ich Discographie:
2011     von vornherein schade CD
2014    punkmonium LP (review)
2016    split 7inch /w Senor Karoshi (review)
2017    split LP /w Guilo Galaxis, Duesenjaeger, Disco // Oslo (review)

dieses famose Video haben sie zur LP rausgebracht!

Auf ihrem Kanal gibt es die erste CD komplett zu hören und einen Vorgeschmack auf ein Album, welches in 2016 dann nicht mehr kam.

 

LP: ferien auf der ratiofarm – monument der hingabe

Die Band mit dem momentan längsten Bandnamen Ferien auf der Ratiofarm kommt mit ihrem ersten Album bei Lighthouse Records & Sterbt alle Records in meine Anlage.
Mit dem Bandnamen kann ich mal so gar nichts assoziieren und auch das Cover gibt nun nicht wirklich Aufschluss darüber, was denn da für Musik drinstecken könnte. Midwestern Emo? Loungemusik?
Das Cover sieht aus, als wäre es ein Sonnenaufgang, wenn man ein drittes Mal hinschaut, fällt einem auf, dass das eine schnöde Lampe an einer Wand mit weißen Tapete ist. Witzig!

Es geht los mit Indie und bleibt dann auch dabei.
Da ich gänzlich unbeleckt bin bei der Band Ferien auf der Ratiofarm, kann es also einfach mal losgehen.
Texte sehr zwischenmenschlich, eher poetisch als direkt. Also Kettcar als Vorbilder.
Vegan oder vegetarisch ist nicht die Frage, sondern erstmal büschn chillen. Meist alles mit einem ordentlich Augenzwinkern serviert.
Der Schlagzeuger, finde ich, da ich ein wenig Affinität zum Getrommel habe, ziemlich gut. Das Songwriting funktioniert im Kosmos Indie / Poppunk sehr gut, ist allerdings bei mir eine Platte, die maximal im Hintergrund laufen wird, dafür reißt mich der Sound nicht wirklich mit.
Gute Straightness, Hooks zum Mitsingen, glücklicherweise kein Grunge.
Gut eingespielt, guter Sound!

Anspieltipp:

Die Songs sind wohl alle schon 2022 eingespielt und 2023 gemastert worden. Es hat wohl ein bisschen gedauert, bis diese gute Platte auf Vinyl erscheinen konnte.

Im Abgang bin ich dann mit den ganzen Namen und der Suchmaschine an ein Ende im Internet gekommen. „ratiopharm“…. Lighthouse Records hat keine Seite und bei Sterbt Alle gibt’s die Platte nicht im Shop.
Gut. Dann nicht.

 

 

Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.

fanzine: proud to be punk #41

Die Nummer 41 ist, ja man kann sagen „wie immer“, ein umfassender Blick in die Szene von gestern bis heute geworfen worden.
Irre toll, wie akribisch und genau so ein Punkfanzine doch sein kann. Dadurch auch so wenig chaotisch. Lesbar, sozusagen, oder übersichtlich.

Dunkle Tage, eine Hardcorepunkband aus den 80ern, Bomb All, Parcours (ein Bildungsverein), den Angelic Upstarts, König Kurt Buchladen und „wir Punks vom Hinterland“ mit Broesel vom RubberXhead-Fanzine.
Das Menü wird getoppt von „ein tag ohne bier ist wie ein tag ohne wein -teil 7“.
Und beim Lesen dieser Anekdoten mir auffält, dass es im Bereich des Möglichen liegt, dass ich auch mal so drauf war; vor allem, wenn es um den Gebrauch von abgeschnittenen Colaflaschen ging.
Daraus folgend dann einige ihr Abi verpasst oder gerade so auf die Reihe gekriegt haben. Ersteres trifft dann auch mich zu.

Vor einigen Tagen hatte ich ein Telefonat mit eine Redaktionskollegen, der in Chemniz gelebt hat. Während ich das Interview mit dem Bildungsreisen veranstaltenden Verein Parcours las, dass er mir darüber erzählt hatte, dass aus einer Schulklasse schon Ende der 90er, nur drei Kids mitgehen durften bei einem Gedenkstättenbesuch, da die andern schon komplett rechtsradikal waren und man das nicht hätte verantworten können.
Angehängt ist ein Offener Brief an den Bürgermeister Chemitz‘, in dem auf Artikel 1 und 3 des Grundgesetzes aufmerksam gemacht wird, weil die Bullen dort die Linken einpacken und an Orte fahren, von denen sie nur scher wieder zurück in die Stadt kommen. (Irgendwie habe ich diese Praxis schon in Zusammenhang mit der DDR in Erinnerung…)
Oder gleich dorthin, wo „Betreten verboten“ dran steht, damit sie den Personen dann doch noch etwas anhängen können.
Ich fühle mich so hart an den Anfang der 90er Jahre erinnert.
Es hat sich, eine Zeitlang, etwas verbessert, beruhigt, oder ist aus dem Fokus gekommen; geändert hat sich nichts.

Ich könnte noch ein paar Sätze allein zu diesem Thema loswerden. Sehr anregende Lektüre!
Das Proud to be Punk ist da auch niemals verlegen um Worte, da wird hoch gestapelt – in der Anzahl.
Die Themenauswahl ist wieder super gewesen, kein Artikel hat „nur“ 4 Seiten. Meist sind es 8 bis 10.
Die Reviewseiten sind eingeteilt in „Sachsen Szenereport“ und auch dann der Rest der Republik im „Lauschangriff“, bzw. ab und an auch über den Tellerrand.
Sehr cool, auch darin finde ich mich bei so einigen Sachen wieder.

Kriegt ihr per Mail.

MC: blert – s/t (demo)

blert plärrt ordentlich aus den Boxen. Garagepunk mit einer Sängern, die sich anhört als wäre die Sängerin von Berlin 2.0 mal so richtig, richtig sauer. Sie rotzt echt ordentlich was ins Mikro.

blert hat mich jetzt nicht sofort gepackt, denn Garagepunk verfolgt dann doch immer wieder die gleichen melodischen Muster und Beats. Klar, dieses straight nach vorne Ballern geht manchen Punkband ja ab, wenn sie da mir ihren Stroke-Downs Midtempo rumscheppern.

„fallout“ ist ne schöne Abwechslung. Wenn dieses kehlige „down down down“ im Mikro landet hat man einfach total Bock mitzubangen.
Cool.
Der fünfte und letzte Song auf diesem Demo-Tape ist „painwolf“, beginnt schön melodisch und wickelt eine musikalische Spirale nach oben und hat ein gutes, ausgespieltes Ende.

Kurzweilig, gutes Artwork, auf beiden Seiten die 5 Songs, erschienen bei Back Cat Tapes.

LP: V-Mann Joe – Berlin, Anfang der 90er

Als erstes MUSS ich zwei Sachen loswerden:
erschtens (Badisch): V-Mann Joe waren auf ihrem Demo (1990) NIE besser! Ich mag zwar die „Freundschaft, Feindschaft, Liebe, Hass und Streit“ (1992), doch da haben sie schon an den Songs rumgedoktert… Einiges noch schneller gespielt… Das ist nicht immer gut!
zweitens: könnt ihr ganz viel nochmal nachhören im Plattenschau Podcast Folge 4. Felix spricht mit Joe.

Hier liegt nun also eine Compilation einiger Songs von ihren beiden LP’s „Freundschaft, Feindschaft, Liebe, Hass und Streit“ und „Verrat, Verrat“  (1993) vor.
Lion Crew Records (ein recht junges Label aus Erfurt) und Sterbt alle Records (auch recht jung, aus Hamburg) haben sich zusammengetan und V-Mann Joe endlich mal online gebracht. Diese Youtube-Hörerei ging wohl nicht nur ihnen auf den Sack! Das behaupte ich jetzt einfach mal.
Klar kann man sich direkt fragen, ob die 80er Jahre Punkbands nun endlich alle durchgekaspert wurden auf Vinyl und nun auch die 90er Bands dran sind: ja, aaaaber!

Ist mir egal. Hier find ich’s voll richtig. Platten lange vergriffen, bzw. die „Verrat, Verrat“ ist nur auf CD erschienen. War wohl schon die Zeit, in der auch Punks komplett auf dieses Medium umgestiegen sind.
Das hab ich auch versucht, diesen Versuch musste ich aber auch unternehmen, weil es einfach to-tal geile Mucke nicht mehr auf Vinyl gab, die scheiß-CD’s aber genauso teuer.
Ich war dann seeeehr glücklich über Napster.

Wie auch immer: „berlin, anfang der 90er“ ist eine Compilation aus den ersten beiden Platten „freundschaft, feindschaft, liebe, hass und streit“ und „verrat, verrat“ und die beiden Labels Lion Crew Records und Sterb Alle Records haben sich der Sache angenommen.
Und hej: sie starten sofort mit den ersten Knallern, die damals auch schon auf dem Demo waren „jung schwul verliebt“, „geil (sachsen stürmt), „durchgedreht“, „ewigkeit“, „der strandmeister“

Jeden dieser Songs würde ich sofort nachspielen, zwinker!
V-Mann Joe (inoff. FB-Seite) haben damals durch ihre straighte Spielweise bei den Drums un die wahrlich abwechslungreich gespielten Gitarrenriffs, mich musikalisch total abgeholt.
Der Gesang ist melodisch und nicht zu eintönig deutschpunkig, die Lyrics handeln von andern Themen oder formulieren Themen anders, als es die meisten Deutschpunkbands damals machten.

Was ich mich aber schon damals fragte, und heute beim „nachhören“ wieder bemerkte: warum haben sie die Songs noch schneller gespielt? „der strandmeitser“ zum Beispiel. Der War auf dem Demo schon echt schnell und richtig gut. Auf Platte dann mehr Melodie und schneller gespielt – für mich machte das den Song nicht besser!

Von der „verrat, verrat“ sind dann die Songs „mr. staatsfeind nr.1“ und „tiger“ sowie die damals neu aufgenommen Stücke „wahre liebe“ (demotitel roland), „dein ideal“ (demotitel durchgedreht).
Was mir schon zeigte, dass die Band wusste, was für gute Stücke sie geschrieben hat – allerdings dann musikalisch sich in neue Richtungen entwickelte. Da kam dann auch eine quasi Reggae-Version von „geil“ bei rum. Außerdem verlockte die CD zur Längeren Spielzeit von knapp 54 Min auf der „verrat, verrat“

Ich bin sehr froh, dass hier eine Compilation zusammengestellt wurde.
Die ist toll im Gatefoldcover aufgemacht, alle Lyrics, paar Bilder, drei verschiedene Vinylfarben.
bekommt ihr hier (gelb) und hier (blau) und hier (rot).

Denke drüber nach, das Demo nochmal zu veröffentlichen. Auf Tape, versteht sich.
Was denkt ihr?

video: the lamplighters – november was white, december was grey

boah – eeeewig nix gehört, dann klingelte das Telefon!
Enno von den „lampi’s“ ruft bei mir durch und erzählt von Video und jeder Menge neuer Songs, die als 7inches statt als LP rauskommen.
Yeeees.
Dazu dann eine Videopremiere, in die ich gestern Abend reingeschaut habe!

Songs erstmal:
Etwas ruhiger, als ich die Lamplighters (aus Köthen) in Erinnerung habe starten sie mit diesem Song. Eine Ballade. Eine Ballade mit Dampf, wie sich nach dem Intro herausstellt.
Ist ein guter Song!
Irgendwo zwischen Hot Water Music und Social Distortion, mit ner guten Emo-Kante.

Video:
Die Lamplighters haben sich ein schönes Setting gebaut, eine Ballerina eingeladen und einen Lametta-Vorhang.
Ick hab nüscht auszusetzn.
Mit Hardcore WorldWide haben sie sich offensichtlich auch die richtige Platteform ausgesucht, das Video zu veröffentlichen, da gehen die Clicks gleich mal nach oben!
Viel Erfolg und ich freu mich auf die 7-Zöller.

7inch: briefbombe – deutsche pest

Wenn eine Briefbombe in der Hauspost liegt mit dem Vermerk „dachte, dass könnte dir gefallen“ muss ich das ja anhören, richtig?

Ein 7-Zöller mit 10 abgefertigten musikalischen Nachrichten.
„deutsche pest“ ist ein Wortspiel im Titel und das zieht sich ganz herrlich durch alle weiteren Songtitel auch.
Auch fast schon Tocotronic’sche Titellängen, wobei diese hier wesentlich direktere Ansprachen sind, als erwähnte Band jemals zu Papier bringen würden.
Briefbombe verschicken alles mit einem wahnsinngen Augenzwinkern und einer Ernsthaftigkeit, die wiederum mit einem Nihilismus vorgetragen wird, den es im doitschen Paketversand so kein zweites Mal gibt.
Was soll ich viel sagen, schon im Bio-Text steht alles drin, was man wissen muss. In einer wunderbaren klar (ab)gestempelten Botschaft

(…) gibt es auch diesmal ordentlich Blast-Beats, Geschrabbel und Gebrüll. Inhaltlich wird handfeste Kritik an den Arbeitsbedingungen bei verschiedensten Logistikunternehmen geboten gewürzt mit einer Prise stumpfest möglichen Verbalradikalismus.

Genau.
Track 10 ist eine Kurzgeschichte über einen Postkutschenüberfalle – Geschichtsanekdoten also inklusive.
Möchte ich gerne mal live sehen! Habe ich neulich wohl verpasst und dieses Frühjahr machen sie einen Bogen um Ba-Wü.
Um doch noch ein paar Worte zur Musik zu verlieren:
es sind ein paar richtig richtig gute Riffs dabei! „praktikum bei der deutschen post“ist so eins. Das Artwork ist famos! Im Song „der bissige hund“, der mich auch zutiefst gerührt hat, sehr schön in Musik gegossen!
Manche Riffs sind dann allerdings auch sehr auf die eins, da geht es wohl mehr um den Paketinhalt, als um die Verpackung.
Alles in allem eine runde Sache, wie man so sagt!

Erschienen via RilRec und Spastic Fantastic.
Schwarzes, gefaltetes Inlay, dicker Karton, alle Texte in klassischem Punk-Schreibmaschinen-Typo. Grünes Vinyl.