interview: #4 – kuballa – punkrock – ludwigshafen

Der Kalender zeigt Oktober und zwei megageile Punkbands aus Baden-Württemberg machen sich auf eine ausgiebige Tour durch: Baden-Württemberg! 3 volle Abende stehen an in Ludwigsburg (DemoZ), Schramberg (zodiak) und in Singen (t-Stube) – wir berichteten!!! (www.provinzpostille.blogsport.de)

In jedem Fall ein Top-Anlass, mir die Zeit zu nehmen und die Band mit Fragen zu löchern. Mal abgesehen davon, daß sie gemeinsam in einer Band spielen, haben sie ein recht aktives Leben in Ludwigsburg. Andere Bands, politische Gruppen und eine Radiosendung!

PP:
Ich fang mal ganz aktuell an, ihr habt eine neue Single „auf dem Weg durch die Zeit“ (das ist die Zweite nach der Ersten „kein Land in Sicht“!) – wie wurde die bis jetzt angenommen und woher habt ihr den Titel?

T:
Der Titel ist eine Zeile aus einem Lied, der uns allen gut gefallen hat und auf der Suche nach einem Titel für die Single haben wir uns darauf dann geeinigt.

PP:
Welcher Song?

T:
Ich hätte es schon gesagt wenn ich es gewusst hätte
(alle lachen…)

PP:
Schreibst du, Tom, die Texte alle?

T:
Ja, weil ich die ja dann auch singen muss.

PP:
Wird intern diskutiert, welche Themen in den Lyrics behandelt werden?

M:
Für uns ist das so, dass wir alle die Art mögen wie Tom die Texte schreibt. Von daher war da bisher nichts dabei, bei dem es jetzt wirklich riesengroße Diskussionen gab. Der Style ist halt so ein bisschen kryptisch, da kann sich jeder sein Teil denken und das passt ganz gut so.

PP:
Dann möchte ich mal über den Sound sprechen, in meinen Ohren hat der sich mit dem Einstieg von Marta nicht groß geändert, war das eine ganz bewusste Entscheidung so weiterzumachen? Manche Bands verändern mit neuer Gitarre ja auch den Sound; oder das Songwriting.

T:
Also ich finde das sich schon etwas verändert hat, weil sie viel besser spielt als ich, und technisch versierter ist. Das macht schon einen großen Unterschied, denn nun gibt es viel mehr Möglichkeiten. (Marta spielt(e) / inzwischen gibt es die Band nicht mehr) auch Gitarre und singt bei MINUTES FROM MEMORY, Anmerk. d. Verf.)

M:
Soundtechnisch und aufnahmespezifisch stellen wir immer wieder fest, dass wir noch nicht bei unserem Wunschsound angekommen sind. Es ist jedes Mal ziemlich schwer das so hinzubekommen. Da sind wir aber auf dem Weg. Und es hängt natürlich auch von dem Menschen ab mit dem aufgenommen wird. Jetzt sind wir 90% zufrieden, es klingt teilweise etwas komprimiert. Grundsätzlich möchten wir mal in eine eher organische Richtung gehen. Rauer auch.

Das Digitale wollen wir bei den nächsten Aufnahmen eher weglassen oder minimieren. Bisher sind wir absolut zufrieden, also in einer guten Entwicklung aber noch nicht im Stadium der absoluten Glückseligkeit angekommen!

T:
Was mich selbst auch noch mal überrascht hat, als ich die Single zum ersten Mal zuhause aufgelegt habe, das das viel näher an dem ist, was wir möchten, als die MP3 oder Computerdatei. Das hat mich dann beruhigt. Wir hatten natürlich auch viele verschiedene Mixe am Start und das war schwer sich durch zuhören und sich zu finden. Ich leg mir also am liebsten die Platte auf und dann gefällt mir das!

PP:
Ja auf jeder Anlage klingt das immer anders, fast zum Verrückt werden. Kommen wir aber nochmal zurück auf deine Texte: im Song „Alabama sprichst du fremdenfeindliche Übergriffe auf Wohnheime an. Gesangs technisch sprichst du mehr, was du so noch nicht gemacht hast. Was hat dich dazu bewegt das so direkt anzusprechen?

T:
Die AFD ist in Ludwigsburg und Stuttgart genauso durch die Decke gegangen wie überall, sag ich mal. Es ist so bei uns, dass wir alle politische Menschen sind, unser Plan nicht der ist, dann auch eine politische Band zu sein. Mir war das für diese Platte ein Anliegen die Thematik Rassismus endlich aufzugreifen. Ansonsten ist es so, dass es mir in meiner eigenen musikalischen Sozialisation so erging, dass ich teilweise auch nur Textfragmente an Texten voll gut fand. Und ich habe das Gefühl, dass ich Texte schreibe bei denen nicht unbedingt direkt aus dem Zusammenhang eine Geschichte entsteht. Irgendwo passen die Worte schon zusammen, doch es sind eher Textfragmente. Das kommt bestimmt daher, dass mir früher beim Hören von Texten immer einzelne Zeilen im Kopf geblieben sind. Ohne den Rest der Geschichte.

PP:
Beim Punk ist das ja oft so, du hast auf der einen Seite Bands die die Slogans raus hauen und die klaren Worte finden. Und auf der anderen Seite der deutschsprachige Punkrock, bei dem man fragmentarischer vorgeht.

T:
So machst Du das ja auch, ist zumindest mein Eindruck.

PP (hier als Sänger von pADDELNoHNEkANU):
Ja klar, ich versuche so eine Strophe zu machen und wenn der Inhalt einen Sinn ergibt, dann wird die nächste Strophe ähnlich, aber anders. Wird eine andere Message. Für mich ist es immer so, dass man halt die Chance hat mit einem Text das Leben abzubilden. Nicht nur was einen beschäftigt, sondern was einen auch betrifft, was man erlebt hat und das ist ja immer eine Mischung aus allem. Und: mir fällt es relativ schwer denselben Refrain 3 Mal zu singen.

M:
Das ist jetzt nicht grade unsere große Stärke. So eine gewisse Redundanz passt da gut zu uns.

T:
Ich finde das auch ganz gut wenn sich das als Refrain wiederholt, weil das dann auch greifbarer wird.

PP:
Ist Punk Mucke für euch eher ein Ventil oder ist es tatsächlich ein Ausdrucksmittel?

M:
Also musikalisch ist unser Anspruch das Ganze relativ einfach zu halten. Ventil oder was auch immer, ist so ein Punkt, da denken wir gar nicht so viel drüber nach. Das kommt dadurch, dass wir eine ganz langsame Band sind, was den kreativen Schaffensprozess angeht. Irgendwann ist klar, den Song wollen wir so spielen und dann steht der Song. Was für uns Punk ist, da könntest Du jede/n in der Band fragen und jede/r wird ein bisschen was anderes erzählen.
Für mich ist das eher Ventil, abgesehen vom sonstigen Leben, neben Lohnerwerbsarbeit auch noch was zu machen worauf ich Bock hab. Da zählt auf jeden Fall Punk Rock und die Einstellung dahinter dazu. Was zu machen, wie wir es gerade heute machen, was gar nix mit meinem normalen Privatleben zu tun hat. Das tut mir unheimlich gut und ist ein wunderschöner Ausgleich für mich. Und natürlich mit meinen Freunden in einer Band rumzuhängen.

PP:
Es ist also im Grunde beides, es ist ein Ventil und ein Ausdrucksmittel. Ich finde das Geile am Punk ja auch, dass man machen kann was man möchte. Weil ja der Grundsatz, soweit man von Grundsatz sprechen kann und darf: „Machen, einfach machen!“ ist.

M und T:
Genau, genau!!

PP:
Deshalb klingt ja jede Punkband heute ein bisschen anders.

Kommen wir mal zur Wohnstätte: Seid ihr alle aus Ludwigsburg, wie ist die Szene da, habt ihr euch dort zusammengefunden so aus dem Punk Bereich oder aus Bands?

T:
Der Martin, Nico und ich wir spielen schon sehr lang zusammen. In unterschiedlichen Besetzungen und auch immer sehr rumpelig. Irgendwann haben wir den Matze kennengelernt aus dem Freundeskreis und er hatte dann mal für unsere alte Besetzung ein Demo aufgenommen. Natürlich hat man auch unabhängig von der Musik Kontakt gehabt. Irgendwann ist der Matze dann in die Band eingestiegen und später unser alter Sänger ausgestiegen.

M:
Das war 2012 und irgendwann ist der Tom dankenswerter Weise ans Mikro gerückt. Und dann ging das halt erst mal so weiter. Aber wir kannten uns alle schon sehr lang (Gelächter).

PP:
Hängt ihr mit dem DemoZ zusammen? War das der Ort wo ihr euch getroffen habt?

T:
Also früher war das DemoZ eine Hausnummer und für die nachwachsenden Generationen ist das hoffentlich jetzt immer noch eine! Aber das stimmt schon, irgendwie kannten wir uns alle von dort. In politischen Gruppen waren wir dort teilweise auch organisiert.

PP:
Wir haben ja vorgestern zusammen dort gespielt. Und das ist ja schon eine geile Sache, dass es das  jetzt schon 36 Jahre gibt. Da haben sich ja dann schon Generationen von Leuten dort getroffen.

T:
Ich war da auch schon mal bisschen Teil der Struktur und ich finde das auch verrückt, dass die nächsten jungen Menschen das jetzt machen, so wie wir ab Anfang der 2000er das gemacht haben. Und das ist auch ein super beruhigendes Gefühl finde ich, weil es dann ja auch bedeutet, dass es weitergeht. Jetzt bin ich da nicht mehr so aktiv aber es gibt immer Leute die da nachkommen oder immer noch am Start sind.

PP:
Ist das DemoZ ein Verein, kann da jeder mitmachen?

T:
Ja ein selbstverwalteter Verein, Mitglieder sind wir natürlich noch das ist ja klar(Gelächter).
Naja und weil wir mit den alten Zusammenhängen da öfters auch gespielt haben, ist das für uns auch immer sehr schön da mal wieder zu spielen so wie jetzt vergangenen Freitag.

M:
Ja die Marta habe ich glaub auch im DemoZ getroffen, da gab es auch einen Bezug zur Tierrechtsszene. Irgendwie alles ein Klüngel im positiven Sinne.

PP:
Ich war total überrascht, als ich mit der Postille angefangen habe, ein bisschen zu recherchieren über Ludwigsburg, wie viele unterschiedliche Bands es gibt: We Had a Deal (r.i.p.), Minutes from Memory (r.i.p.) das ist schon ein gutes Programm, da geht wahrscheinlich ja noch viel viel mehr, was ich gar nicht weiß und das ist schon geil für eine Stadt, wenn es da so eine vielfältige und lebendige Szene gibt.

T:
Das witzige ist ja auch, dass es in Ludwigsburg so drei Baracken gibt und dort Proben auch die meisten Bands oder? HELMUT COOL, WE HAD A DEAL, HELL & BACK proben auch da. Eigentlich proben nur MINUTES FROM MEMORY nicht dort (Gelächter)

M:
Denen ist das zu abgefuckt (großes Gelächter) Aber wir arbeiten dran…

T:
Dann aber nochmal zur Bandentwicklung. Der alte Sänger Pati ging raus, dann war die Frage was tun? Es war schwierig jemand zu finden oder das einem jemand spontan einfällt. Wir sind ja alle eher so freundschaftlich in der Band. Und irgendwo einen Zettel aufzuhängen: „Suchen Sänger oder Sängerin“ das konnten wir uns nicht vorstellen. Deswegen hab ich dann gesagt OK, dann mach ich das halt. Zu aller Erleichterung hab ich dann die Arschkarte gezogen.

M:
Wir haben das mit Tom ausprobiert und ich muss sagen, das hat von Anfang an gut geklungen. Mittlerweile klingt das richtig geil und das scheint dir ja auch Spaß zu machen?

T:
Ja, ich bin auch ganz zufrieden. Also live finde ich das immer noch hui und große Nervosität aber vom Prinzip macht mir das schon Spaß. Die Doppelsache von Gitarre und Gesang hat mich recht schnell an meine Grenzen gebracht und meine Ansage war dann: „Leute ich kann nur eins von beidem machen, sonst ist mir das zu anstrengend!“ In meinem Hobby möchte ich ja schließlich keinen Stress, sondern Spaß haben. Das hat dann wieder eine Überlegungsphase eingeläutet. Die Zettelsache haben wir ja schon abgelehnt und dann ist uns die Marta eingefallen und dann wurde sie mal angefragt, weil wir auch wussten dass sie neben Minutes auch noch was anderes machen wollte. Zum Glück hatte sie da auch Lust drauf und es passt alles super! So hat sich dann dieses Bandgefüge in 2015 gefunden.

PP:
Ihr seid da ja gut vernetzt und tauscht bestimmt neue Musik aus. Ich hab so den Eindruck, dass der Hauptteil des Punkrock nur noch digital stattfindet. Indem man Bands nur noch online entdeckt, wenn man über seinen heimischen Kosmos rausschaut. Ist das noch Punk oder ist das Digital-Diktat?

M:
Also Vinyl ist erst mal ein wichtiges Medium für uns, deswegen bringen wir auch alles auf Vinyl raus. Plus Download Code, das finden wir das Beste. Mit der ganzen Downloadsache da kann es schon grenzwertig werden. Also ich erlebe mich da ganz stark als Konsument von Musik. Da kann dann Musik schon zum Wegwerfprodukt werden. Wenn ich an einem Wochenende 200 Bands anchecke und Sonntag abends nicht mehr weiß was die erste war. Kenn ich alles auch.
Für uns ist deshalb auch Vinyl wichtig. Ein befreundeter Mensch in Stuttgart hat einen kleinen Plattenladen CHEAP TRASH RECORDS! Wir froh, dass es immer noch Menschen gibt, die bereit sind neue Bands zu entdecken und denen auch einen Chance zu geben. Also auch KUBALLA!

PP:
Apropos Chance geben, ihr macht noch einmal im Monat eine Radiosendung, da gebt ihr sicher auch Bands eine Chance die ihr so entdeckt habt. Und in der Sendung dann spielt. Wie kamt ihr überhaupt auf die Idee?

T:
Da handelt es sich um das Freie Radio für Stuttgart. Ich bin da schon eine Weile Mitglied und mach da Sendungen bei der Inforedaktion, das sind Politsachen. Damals haben wir in Ludwigsburg eine Redaktion gegründet und zweimal im Monat sonntags eine Sendung gemacht.
Da sind aber die Leute weggebrochen und am Ende saß ich mit einem Kollegen nur noch zu zweit da. Ich hab mir dann überlegt, wie ich selbst wieder Spaß in die Sache bekomme! Eine Sendung mit meiner Band machen, jeden vierten Sonntag im Monat. Und das ist jetzt echt eine nette witzige Sache geworden.

PP:
Wie ist die Resonanz da drauf?

M:
Schwer zu sagen, immer unterschiedlich, manchmal bis 100 Leute. Laut Internetmessung. Aber in Stuttgart wird das auch über normale Radiogeräte gehört und nicht gezählt.
Allgemein kommen da ganz gute Rückmeldungen und macht halt auch Spaß als Musiknerd selbst Platten aufzulegen. Sind halt auch zwei Stunden die gefüllt werden wollen.

T:
Ein Ziel ist auch, Bands mal ins Studio einzuladen oder Interviews zu machen. Und es ist auch eine nette Sache Bands im Radio spielen zu können, die halt niemand kennt oder nur wenige Leute kennen. Also einen kleinen Support zu leisten.

PP:
Das war mein bisher längstes Interview! Habt ihr noch etwas anzumerken?

T:
Zum Vinyl wollte ich noch was sagen. Das ich das am Punkrock schon immer super fand, auch als es wenig Vinyl gab, gab es im Punkrock immer noch Vinyl. Du konntest immer auf Konzerten Platten kaufen.

PP:
Das ist ja dann auch vielleicht das Konservative an Punkrock
(Gelächter)

T:
Wenn man das gleich in so ein schlechtes Licht rücken möchte, dann kann man das so machen! Ich finde das positiv! Platten durchzuschauen, so wie früher, war halt im Punkbereich immer möglich; auch durch die Leute mit ihren Plattenständen auf Konzerten! Und ist es eben immer noch!

PP:
Ich bin auch gerne auf Flohmärkten und schaue in die Plattenkisten und denke, naja jetzt müsste doch eigentlich mal die Zeit kommen, wo die Freaks endlich mal ihren Scheiß, ihre Jugendsünden loswerden wollen! Aber die blöden Punker geben ihr Zeug nicht raus
(Gelächter).
Habt ihr noch Plattensammlungen zuhause?

M und T:
Yes!

PP:
Und was steht da so in der Hauptsache? Sucht ihr noch nach deutschsprachigem Punkrock oder habt ihr euch vielleicht auch schon mal nach Asien oder so umgeschaut, da gibt‘s ja auch ein Haufen Bands.

T:
Also ich hab das noch nicht, aber das ist ein guter Gedanke!

PP:
Welche Platten kauft ihr noch?

T:
Also ich kauf schon eher auf Konzerten Platten. Von Bands, die ich mir dort angeschaut habe, dann ist das für mich eine runde Sache. Gutes Konzert und Platte kaufen von der Band! Oder beim Andy im CHEAP TRASH Laden, da gehst du auch nur selten ohne eine Platte raus. Oder wenn der Matze mal eine Platten Bestellung macht und uns darüber vorher informiert, da wird dann auch meistens was mitbestellt. Die meisten Platten die ich kaufe sind schon aus dem Punkrock Bereich.

M:
Ich weiß ja nicht wie es dir geht aber ich habe so ein ambivalentes Verhältnis zu Deutschpunk. Die Deutschpunk Sparte in meinem Plattenregal ist recht klein ausgefallen.

PP:
Da ist ja dann auch wieder die Definitionsfrage was ist denn Deutschpunk? Alle streiten sich drüber aber die Schublade verändert ja auch keiner.

M:
Stimmt. Bei mir ist generell die Sparte mit deutschsprachiger Punk Mucke ziemlich klein. Also es gibt sehr geile japanische Punkbands, z.B. 1000 TRAVELS OF JAWARHARLAL!

Ich versteh da zwar kein Wort, finds aber sehr geil. Oder I EXCUSE ist auch noch so eine japanische Band. Also ich bin jetzt gar nicht so der Deutschpunker muss ich sagen. Da gibt‘s dennoch ein paar Platten, die mir echt wichtig sind. SLIME Schweineherbst war für mich ne ganz wichtige Platte und TOXOPLASMA  Leben verboten. Zu vielem anderen habe ich keinen Bezug. MUFF POTTER war nie meine Band.

T:
Ha aber Nicos und meine Band ist das auf jeden Fall gewesen!

M:
Bei den neueren Sachen mag ich auf jeden Fall TURBOSTAAT. Ich höre viel Hardcore und Rock’n‘Roll Zeug. Auch wenn das jetzt das Weltbild von manchen zerstören mag…

T:
Und für mich ist das mit dem Deutschpunk so, dass ich da als erstes den Schlachtrufe BRD Sampler assoziiere! Da haben mir viele Sachen auch gar nicht gefallen. Z.B. bin ich kein Freund der ABSTÜRZENDEN BRIEFTAUBEN. Die sollen natürlich ihre Sache so machen, das ist völlig in Ordnung. Nur ich bin da halt nie so richtig drauf angesprungen. Politisch sind sie auf jeden Fall gut! Mit der ganzen Schublade, da würde ich halt lieber sagen Punkrock mit deutschsprachigen Texten. Da finde ich OIRO, TURBOSTAAT, DISCO OSLO, KMPFSPRT alle auch gut.

PP:
Meine Neugierde ist befriedigt. Schluss Worte?

M:
Wir sagen danke!

T:
Genau danke und auch danke dass du das Heftchen machst. Was ist da deine Motivation die dahinter steht?

PP:
Netzwerken. Ich komme aus der Provinz, deswegen heißt das Ding Provinz Postille. Und es ist sau schwer geworden hier Konzerte zu machen. Es gab in Baden-Baden eine sehr lebendige und bunte Szene rund um die JuBe (Jugendbegegnungsstätte). Ich hab das mal in einem „Schwafel-Interview“ alles dem Marko von KOPFPUNK erzählt, haha! (Sendung dürft ihr selbst suchen, link ist zu Karmacopter)

Mein erstes Konzert waren EMILS. Und total verknallt habe ich mich in V-MANN-JOE; die übrigens aus unserer Gegend kamen – nicht von Anfang an aus der Besetzerszene in West-Berlin 😉 Dieses unfassbar geile Demo. Ich glaube, die habe ich 3 Mal in BAD gesehen.

Ich habe vor, auch eine Spezialausgabe zu machen, um das mal wieder in Erinnerung zu bringen. Also zwei, drei Idioten wie mich gibt es schon noch, die sich daran erinnern, was in den 90ern so abging. Und jetzt fehlt das halt komplett. Baden Baden reduziere ich jetzt mal auf das Festspielhaus und das New Pop Festival. Da springen dann 50 000 Menschen und Besucher rum und hören sich Kack Popbands an, die im Radio ein Jahr lang rauf und runter gespielt werden. Für mich ist das gar nichts, widerspricht jedem Gedanken von Musik. Und deswegen habe ich das angefangen, Netzwerken, Bands kennen lernen. So habe ich euch kennengelernt! Angeschrieben, 7inch bestellt und nicht nur online reingehört. Auf dem 2ten Sampler seid ihr ja auch mit drauf.

T:
Ich wollte noch sagen, dass eure Version von Computerstaat mir sehr gut gefällt und 1+1=2fel finde ich auch super. Wegen der Textzeile „als ich zu Boden ging dachte ich die Sache sei gelaufen“. Die hat sich bei mir gleich eingebrannt!

PP:
Ich gestehe: an dieser Zeile habe ich mich selbst total aufgehängt, deshalb kommt sie in dem Song auch gefühlt 28 mal vor.

Das ist mal ein interessantes Ende für ein Interview!

Winken aus der Provinz in den Stuttgarter Ballungsraum.

Nachklapp:
Die Band hat in der zwischenzeit den dritten Basser am Start, mit Hannes haben sie jemanden, der bei den famosen Über… gespielt hat.
Zudem eine neue 7inch bei Krachige-Platten namens „auf den dächern der stadt“

Sie spielen immer wieder Konzerte bspw 20.06. in Heilbronn in der Emma 23!

Nico spielt inzwischen Bass bei den großartigen Wave-Punkern Phileas Fogg.
Dann kam Flo „for a while“, der auch irgendwo spielt. Ich komm grad nicht drauf, aber wenn es mir wieder einfällt, aktualisiere ich das. Ich denke es müsste Snackwolf sein.

Hannes kam von den wunderbaren überalles und ist seit, gefühlt, ein paar Jahren schon Basser bei Kuballa.

 

 

 

konzert: neckarions + diaz brother 27.05.2026 – artcanrobert

Nachdem ich nun zuerst über Krach Kultur am 22.05. berichtete und dann vom 25.05. im Kessel Offenburg, muss jetzt der 27.05. folgen, ist klar.
Beim nächsten Bericht dann der 16.05.

Aaaalso: mit den Neckarions hatte ich ein Konzert verabredet. Mit den Diaz Brothers aus Sunderland.
Okay! Ich geh manchmal an Musik ran, als wäre sie eine Wundertüte und warte ab, was passiert. Man muss ja nicht gleich reinhören. Also wenn ich Neckarions gut finde und die mir erzählen, das Diaz Brothers eine supergute Gruppe aus England sind, die melodischen Punkrock machen, dann glaube ich das.
Ich bae dann Anhand der Posts in SM gesehen, dass sie eine Europatour machen und echt ganz gut unterwegs sind. Irgendwo habe ich sicher schon mal über sie was gehört aber noch nicht angehört.

Am Abend des Konzerts, ich hatte bei meinem Arbeitgeber, was nicht immer ganz einfach ist, angemeldet, dass ich früher weg muss. Ausgerechnet an dem Tag sollten wir eigentlich bis 23 Uhr arbeiten. Also im Grunde musste ich mir den ganzen Tag freinehmen…. Augenroll.
Ich war pünktlich zur verabredeten Zeit am Artcanrobert, da standen die Diaz Brothers schon vor der Tour. In wenigen Minuten entspann sich zwischen Neil (Gitarre) und mir ein politisches Gespräch. Das fand ich irgendwie gut.

Wir warteten auf die Neckarions die, wie jeder Auofahren zwischen Karlsruhe und Stuttgart, im Stau landeten und zu spät kamen.
Schwuppdiwupp hatten wir alles auf der Bühne und ich zwei Soundchecks gemacht, an dem Abend machte ich auch noch die Technik, nur Zuschauer blieben aus.
Es kamen, von den am Ende 22 Zahlenden, mehr als die Hälfte das erste Mal ins Artcanrobert. Das war schon sehr sehr großartig, aber leider ein echter Wehmutstropfen, den jede Band hat einfach 40, 50 Peepz „verdient“.
Vor allem, wenn sie so fucking gut sind, wie die Diaz Brothers. Richtig mit Seele und Herz gespielter, emotionaler Punkrock.
Mit Druck und Punk und Emo.
Ich war echt froh, beide Bands waren really happy mit ihrem Sound, das Publikum hatte nichts auszusetzen und kaufte ihnen noch ein paar Platten ab.
Ein super Abend, aber wo wart ihr?

 

7inch: angry youth elite – unite & fight

Angry Youth Elite ist eine Skatepunkband aus dem Ruhrgebiet.
Und diese 7inch ist irgendwie zwischen ein paar LP’s gerutscht und ich hab die einfach nicht mehr gesehen. Blöd.
Aber nu issie aufm Teller und ich berichte:

vier Songs sind auf dieser 7inch drauf, 2023 kam ein Album, dies also ein aktuelles Lebenszeichen. Sie spielen wohl recht viel und sind über die deutschen Grenzen hinaus bekannt.
Angry Youth Elite ist Musik für freundliche Menschen. Midtempo-Skatepunk, der auf der ersten Seite etwas melodischer und bejahender klingt als auf der zweiten. Da geht es etwas melancholischer zu, nicht weniger melodisch!

„no more fear“, das letzte Stück ist sehr geradeaus. Skatepunk im Sinne von Fat Wreck Chords.
Insgesamt dreht die 7inch unglaublich schnell und vor allem kurzweilig ihre Runden, doch bei mir bleibt nach dem dritten Hören immer noch nicht wirklich was hängen. Ja, bin ja auch eher der Deutschpunker, aber auch nicht doof, gell. Allerdings steck ich halt in amerikanischen Skatepunk so gar nicht drin.
Was ich aber sagen kann, ist: die Band hat ein echt gutes kurz & knackig Songwriting drauf. Sie spielen auf den Punkt und ist super produziert!
Sicherlich stehen sie den genannten Bands (Good Riddance und Millencolin), die im Werbetext genannt werden in nichts nach, würde ich sagen!
Was nicht dabei ist: ein Booklet oder Textblatt. Ich komme in dieser Kürze inhaltlich gar nicht so mit. Wobei mir eben bei solcher Musik genau die politische Attitüde im ganzen positiv konotierten musikalischen Fluss recht schnell dahinter verschwindet.

Wie auch immer. Meine Meinung muss ja nicht die eure sein: heißer Shit. Greift zu, wenn ihr auf melodischen Skatepunk steht!

Erschienen via Bakraufarfita Records.
Diese 7inch kommt in verschiedenen Farben und Looks, Eco-Vinyl.
Da steht „limitiert“ – ich bin bei 500 Stück allerdings bei der üblichen Menge an Platten. Mehr macht doch heute eh keiner mehr, oder?

 

LP: hell & back – a constant buzz

Hab ja schon drauf gewartet. Boah war das lang seit dem letzten Release. Drittes Album von Hell & Back.

Mit Gastsängerin Colletti haben sie ein regelmäßige Besucherin beim Hellfest (sag ich nun einfach so, hab sie ja dort auch schon gesehen) und bekannt durch Pascow, mit auf dem Album. Cool. Aber nicht Coolletti (musste der sein, ja, musste sein) denn sie ist cool. Ich mag den Style! Und es ist eh to-tal mutig allein mit einem Instrument auf der Bühne zu stehen!

Das neue Album also “ a constant buzz“ – ich stelle mir direkt so nen roten Knopf vor, da drückt man drauf und dann ringt das die ganze Zeit. riiiiiinnnnnnggggg.
Nervtötend. Ist das gemeint? Oder eher so ein permanentes Tatschen auf den Hinterkopf, hihi.
Keine Sorge, die Musik ist weder nervtötend noch penetrant.
Bei dem Album von Hell & Back „a constant buzz“ handelt es sich um die Zusammenstellung aller auf der Lathé Cut Serie veröffentlichten Songs. Was einfach mal per se eine unfassbar lange und aufwendige Arbeit war.
Dazu gibt es beim ReleaseKonzert (das war schon im November 2024) eine Siebdruck-Variante mit einem Beastie Boys Ripp Off der „hallo nasty“. Saugeil.
Musste ich mir mitnehmen und ja, ich habe auch die babyblaue Vinyl, die dann bei Not Sorry Records erschienen ist. (<—- dort bestellen!)
Das mache ich nicht bei vielen Bands!

Zu den Songs (falls ich etwas in den Reviews zur Lathé Club Serie was vergessen habe) hab ich eigentlich nicht mehr soooo viel zu sagen.
„rat race“ und „space jam“ sind für mich die Hits des Albums. Vielleicht für manchen ein wenig zu offensichtliche Hits, da gibt es sicher mehr zu entdecken.

Supergut aufgenommen, ein wenig haben sie, denke ich, das Tempo reduziert insgesamt.
Ich verfolge sie ja schon einige Jahre und sehe sie desöfteren auf ihrem Festival oder eben (wie im Video) als Vorband zu Kuballa…. würde ich sagen, ich kenne ihren Sound ganz gut.
Sie haben sich jetzt nicht riesig weiterentwickelt, bleiben sich selbst treu. Bauen jetzt nicht total fuzzy ihr Songwriting um. Tortzdem habe ich das Gefühl, dass in den zweieinhalb bis drei Minuten abwechslungsreiches Spiel drinsteckt und auch sehr klar und aufgeräumt wirkt. Alle Songs funktionieren und so funktioniert auch das Gesamtwerk!

Hell & Back. Hot Shit.

 

PS: ich hab diesen Review einfach nicht veröffentlicht…. unglaublich.
11.März, da war er fertig. Nun, auch Monate später immer noch eine super Scheibe! Echt! Drei Herzen von drei.

LP: smackbeat – little letters

Die Platte flattert bei mir rein und haben 11 Songs im Gepäck.
Smackbeat aus Münster.

mit 1999 gehts los, erinnert mich an Green Day; keine Ahnung ob das stimmt, ich kann Green Day heute noch nicht hören.
Mir fallen mit laufender Spielzeit Ramones oder Bad Religion ein, Poppunk ohne Ende da drin, das läuft glatt durch.
Top Sound, schön ausgewogen. Der Gesang ist superklar zu hören; was mich auch dazu bringt zu fragen, was denn da in „last summer“ los ist?

Per se keine schlechte Musik, wirklich nicht. Der Pop“punk“, den da Smackbeat kredenzen ist fachlich sicherlich erste Sahne, bei mir wird die aber sauer.
„song for nolti“ ist eine schöne Hommage an englischen Punkrock im Midtempo. Die Band versteht wirklich gute Hooks zu schreiben und nervt mich hart damit.

Monasteria Records dort gibts die Scheibe. Veilchenblaues Vinyl. Total gelbes Cover mit hübschen Buchstaben drauf.

LP: dave collide – why not

Die Frage „warum nicht“ sollte man sich öfter in seinem Leben stellen. Bei einigen Dingen. Manche kann man aus dem Bauch entscheiden, bei einigen muss man einfach in sich gehen und drüber nachdenken; planen.

So hat es wohl auch Dave Collide eine ganze Weile getan, bevor er losgezogen ist, seinen Wunsch in die Wirklichkeit zu hieven: professioneller Musiker zu werden.
Darüber will ich gar nicht viele Worte verlieren, denn es gibt einen halbstündigen Bericht in der Ard-Mediathek, in der Dave begleitet wird, auf diesem Weg.

Ich hatte diese Doku gestolpert über Mareike, die gerne Fotos macht und in der Stuttgarter Szene viele Konzerte und Menschen begleitet. Und direkt aufgefallen ist mir, was für ein grundsympathischer und bescheidener Mensch Dave ist.
Ich schrieb ihn an und er war sofort Feuer & Flamme mir eine Platte zum reviewen zu schicken. Nun, ein paar Tage hat es mal wieder gedauert aber here we go!

Dave’s Markenzeichen ist das rot/schwarz gestreifte Shirt und das hat den Weg gefunden auch als Artwork zu dienen. Das ganze, so empfinde ich es, ist serh jugendlich aufgemacht. Zielgruppe sehr wahrscheinlich U40.
Cardboard in LP -Größe, da sind die Texte drauf, dazu dieses schöne rot-transparente Vinyl mit den schwarzen Schlieren. Das passt schon alles sehr gut zusammen!

Dave hat eine ganze Menge zu sagen, dass merkt man, wenn man einen Blick auf die Texte wirft. Ich gehe völlig unvorbereitet an die Sache ran, habe Dave bisher nur als Solomusiker wahrgenommen.
Und „hi“ ist ein akustischer Song. Er stellt sich vor. Es ist alles sehr durchdacht und geplant und auf den Punkt dort, wo es sein soll.
Mit „final feast“ geht es dann los mit Band, von der ich wahrlich überrascht bin!
Das ist also kein Akustikalbum! huch 😉
Dave hatte alle Songs, Gitarren und Bass eingespielt. Sebastian Kränzlein die Drums.
Es gibt eine ganze Reihe Gastmusiker*innen: Violine, Vocals, Backing Vocals, Keyboard, Synthie, Vow!
Die Musik ist hochmelodischer Poppunk, supergut produziert.

„stop eating your friends“ ist ein Song gegen das Essen von Tieren. Su-pergut gespielt, dennoch catcht mich das persönlich nicht gleich. Dafür ist es wieder etwas zu glatt.
Aber hej: fette Empfehlung bspw für das New-Pop-Festival bei SWR3.
So einen Stapel guter Texte musst du erstmal schreiben. Auch noch mit so viel Tiefgang und Reife! Er sollte unbedingt mensch im Radio damit den ganzen Tag beschallen. Auf Arbeit, in der Werkstatt, beim Autofahren!

„don’t be a dick“ (feat. Linh Le of Bad Cop/Bad Cop) über eine Frau, die allein von einer Show nach Hause geht und von einem Mann belästigt wird.
„why not?!“ der Titeltrack verrät über den Aufbruch, mal über den Horizont hinauszuschauen, offen zu sein, warum nicht über Grenzen geht. Stellt euch vor, es gäbe keine Diskriminierung und niemanden mehr, der ausgeschlossen wird! Klar, klingt erstmal naiv, denn die Realität unter Menschen sieht anders aus. Aber eben: wenn man sich nicht darüber mal Gedanken macht, dann bleibt ja alles so …. grau.

Auf Seite zwei gibt es Songs auch auf deutsch gesungen.
„hast du gesagt“ ist dann die lyrische Verarbeitung seines Weges, seinen Traum wirklich werden zu lassen. An jeder Ecke zu spielen, unterwegs zu sein.
Am Ende gibt es „anker“ in dem es um Abschied von alten Freunden geht.

„why not?!“ ist ein wirklich tolles Album und ich wünsche mir, dass ihr ihn ordentlich unterstützt, denn wenn das hier keine Radiotaugliche Musik mit allem was dazugehört ist, dann kenn ich ja wirklich gar nix.

Get it here

 

CD: mutter will tanzen – schattendasein

„schattendasein“ heißt die CD, die ich von Mutter will Tanzen bekommen habe; und das schon vor langer Zeit.
Und um diese hart geile Mucke mal aus eben jenem Dasein zu befreien, hier nun eine Review. Eine Lobhudelei. Und der ausfühlrichste CD-Review ever!

Der Bandname ist ja schonmal ziemlich gut. Ich kann mich wirklich nicht erinnern, warum ich da snoch nicht reviewt habe. Vielleicht liegt es an meinem Faible für analoge Tonträger, vielleicht daran, dass Bands, die auf CD rausbringen nicht so hammergut sind? In den 90ern noch feststecken? Klar, auch schlicht keine Kohle habe für aufwendige Produktionen analoger Tonträger.
Vielleicht weil die CD einfach das aussortierteste Format in den Tonnen an Zeug ist, auf denen ich sitze. Seit kurzem habe ich nun wieder eine kleine Kompaktanlage (aus dem Bestand meines Onkels) mit CD + MC- Player. Geilo. Also jetzt aber mal ab, in die Mucke eintauchen.

Mutter will Tanzen hat eine extreme Reibeisen-Stimme am Mikro: Nina! Total gut.
Erinnert mich an eine schöne Mischung aus Bicahunas und Kraus Glucke Weltverschwörung. Ein Mix aus Deutschpunk, Metal-Kante mit ordentlich Rachut-Einschlag. Interessante Mischung auf jeden Fall.

Der erste Songs also „teufelslied“ holt mich gleich ab, die Musik fordert und ich mache mit. Im zweiten Song „alte kamellen“ bin ich hin und weg. Ich lass den gleich noch drei Mal laufen. Was ein Refrain! Was eine Hook! Wie geil ist das denn bitte?

Verdammte Kamellen
bellende Hunde
die Zeit stell sie ruhig
doch Ruhe ist Trug

Wie sie die „kamellen“ gesanglich zieht. Das bleibt total hängen. Ich kann es euch gerade nicht vorsingen. Sie trifft auch echt den Ton!
Sie bleiben variantenreich im Spiel, die Gitarren hören nicht auf weitere Akkorde aus den Saiten zu zaubern.
Für den, der bei diesem Sound eingängige Musik erwartet, wird allerdings getäuscht. Die Musik ist geradeaus, und doch eben kleine Haken hier und dort. Ein Tempowechsel, immer passiert etwas!

Sehr guter Punkrock mit klarer Kante. Zitatwürdige Texte. Hier ein zweites Beispiel des Songs „fassade“ über eine toxische Beziehung.

sie sitzt vor der fassade
kennt den unterschied
weiß dass er die augen nicht zum lügen kriegt
ihr schmerz, seine fassade
sie lässt ihn nicht allein
alles böse bleibt hier

Das ist der neunte und letzte Track dieser CD, die schon 2022 erschienen ist.
Das Booklet mit allen Lyrics. Songs alle so roundabout zwei Minuten.
Mutter will Tanzen sind Nina (voc), simon (git), chrischn (bass, voc) und büddel (drums) und kommen aus Flensburg.
Ich weiß, dass die Band an neuen Stücken arbeitet und aufnehmen möchte. Ich bin megagespannt und darf verraten, dass ich sie in naher Zukunft live sehen werde!
Tourdates folgen also.

 

LP: fornhorst – leben ohne scheiss

Aus dem Hamburger Umkreis flattert eine Platte hier rein, die so üppig ausgestattet ist, wie lange keine.
Fornhorst heißt die Band, deren Bandnamen wohl mal wieder dafür spricht, dass man sich als Punkband wirklichen JEDEN Namen geben kann. Egal. Hauptsache man hat einen. Und das ist gut so!

Die Band kommt aus Fornhorst. Sie haben sich nach ihrem Ort benannt. Und ebendort auch aufgenommen.
Und der Sound kann sich hören lassen!
Das ganze Artwork spielt um die Menschheitsgeschichte, denn wir haben ja mal als Affen „angefangen“. Und das erste Stücke ist ein super Einsteiger. In einem drei-minütigen Punkrocksong kann man die Welt nicht verändern, aber man kann zum Nachdenken anregen. „vielen dank für deine angst“ handelt genau davon.
Wie einfach es geworden ist, etwas zu „unter“schreiben, etwas zu abonnieren, kommentieren von Menschen mit supereinfachen Argumenten.
Eine gewisse Fortsetzung findet dieser Song im fünften Track „tommi“. Tommi lebt in Hamburg aufm Kiez mit einem Haufen Leuten, die seiner Meinung sind. Das ist natürlich sehr überschaubar und leicht für ihn. Anders als in Sachsen-Anhalt in der Provinz.

Fornhorst machen druckvollen Deutschpunk mit einem guten Anteil Rockelementen. Ab und an mal ne Solimelodie, jedes Instrument bekommt seinen Platz im Songwriting. Melodische Hooks und eindeutige Lines dazu. Ab und an mal ein Off-Beat. Das ist schon alles sehr Festival-kompatibel.

Fornhorst bezeichnen sich selbst als Kollektiv. Sie hören sich an, als hätten alle Bandmitglieder schon massig Erfahrung, bzw. diese Band sollte schon seit 20 Jahren unterwegs sein. Super professionell. Fotos, Artwork. Die Lyrics strotzen nur vor Aussagen und Intelligenz.
Das Booklet bebildert all das, jeder wird vorgestellt. Sehr knackige Farbwahl, fast schon comic-artig. Das Artwork des Cover vervollständigt sich darin.
Einen QR-Code zur Nachverfolgung einer Playlist, vrmtl Spotify.

100 Stück weißes Vinyl. 400 schwarzes Vinyl. Auch als CD erhältlich.
Vinyl mit Booklet, Plakat, Fornhorst – whoever cares – Interview. SIe haben sich mit Freunden unterhalten, um zu erzählen wer sie sind und was sie machen.
Das ist mal eine klein wenig andere Herangehensweise – gut!

Der Sänger hat kürzlich eine Initiative mitinitiiert held_in_der_provinz gibt es bei Insta  + FB (noch keine Beiträge)

„Held*in der Provinz“ ist ein Projekt, das junge Menschen im ländlichen Raum dabei unterstützt, eigene Veranstaltungen zu organisieren, durchzuführen und vor allem zu verstetigen. Im Vordergrund stehen hier erstmal Konzerte, denkbar sind aber auch alle möglichen anderen Aktionen.

Den Rest erfahrt ihr auf deren Seite.

 

7inch: hell & back – lathé-club #4

Hell & Back auf dem Weg zum neuen Album eine Abo-Aktion, die ich schon zwei Mal besprochen habe. Nummer 1, Nummer 2 (da hatte ich wohl keine Zeit…), und Nummer 3.
Jetzt also der Abschluß.

Diese Serie, selbstproduziert, komplett (von Aufnahme bis Vertrieb!) ist einfach megagut gewesen.
Auch machen sie immer noch das Hellfest in Stuttgart Juha West (dieses Jahr am 14.09. – leider bin ich diesmal selbst auf der Straße.

Das Coverartwork ist von Mara Piccione. So ganz kapiert, wie ich mir dei zusammenbauen soll, habe ich noch nicht, vielleicht hat ja eine von euch eine Idee!
Die müssen doch passen, oder? Wie so’n Puzzle.
Zweiter Song, nach dem „space jam“ ist „waiting for the bleeding“ als Coversong von den Cro(w)s. Mehr finde ich dazu allerdings nicht….

Hier ein Liveclip von „space jam“, einer der beiden Songs auf der aktuellen Lathé Cut.

LP: mainström – eleven

Was soll ich schreiben über Mainström?

ich mag die Musik, wie sie das ales selbst gemacht haben und dann mit mir (Krachige Platten) und Bernd von 30 Kilo Fieber Records released.
Was soll ich lobhudeln? Ich würde es nicht veröffentlichen, wenn es nicht to-tal gut wäre!
Nein, wenn ich es nicht als to-tal gut empfinden würde.
Melodischer Punkrock aus Ludwigsburg!

Das schreiben die andern darüber

away from life
Die Songs selber gehen straight nach vorne, kommen ohne große Schnörkel und Umwege aus und haben so eine enorme Eingängigkeit.
Passend dazu verleiht die Stimme von Frontfrau Angie den Songs noch einmal ein zusätzliches Alleinstellungsmerkmal. Das macht einfach nur Spaß und wird auch beim zweiten und dritten Durchhören nicht langweilig. Genau im Gegenteil, erst dann fallen die vielen kleinen Highlights auf und man merkt, wie viel Zeit in die Songs gesteckt wurde.

underdog fanzine
Mit ihrem selbst ernannten „Strömcore“ bringen sie frischen Wind in die Punkrock-Szene und erinnern gleichzeitig an die Energie und Unberechenbarkeit der 90er Skatepunk-Szene. Es klingt definitiv nach einer Band, die man live erleben muss, um die volle Wirkung ihrer Musik zu spüren. Die Gesangslinien in „Petrified“ sind sehr anspruchsvoll, die Angie souverän meistert und auch sonst kontrastiert sie die hard-hitting riffs und catchy Melodien mit ihrer kraftvollen und ihrer charismatischen Stimme.

mangowave-magazine
Due to the heavy and fast songs, Eleven is highly activating and empowering. Nevertheless, Mainström are not here to spread the word of deconstruction and demolotion. Instead, Eleven is a collection of messages for the people to open their hearts and minds for each other. In a world where negativity is spreading all around, Mainström are reaching their hands out, inviting people to join in, and to choose love not fear.

Gebt Mainström eine Chance, hört mal rein, und bestellt die LP gerne via Bandcamp oder Mail. 15€ plus Porto