konzert: OX-Fest 02 mit Zero Zeroes, syff, S.G.A.T.V. + hammerhead

Ein wenig aufgeregt war ich schon.
Wenn ihr meine SM-Timeline verfolgt, dann habt ihr sicher schon mal das Plakat vom Konzert mit Hammerhead in der Jube Baden-Baden wahrgenommen. Fuck ist das lange her. Über 30 Jahre!
Und mit Spermbirds und Slime in der Alten Hackerei ging es mir schon richtig, richtig gut. Pogo, Bier + Gänsehaut. Ich würde an dem Abend sogar jemandem wiedersehen, den ich vermutlich Ende der 90er das letzte Mal auf einem Konzert getroffen habe!

Ebenso war ich überrascht, als vor mir, in Reihe zwei, Joachim Hiller und Klas N Frick auftauchten, um ein wenig zu schwofen und die Bands zu feiern. Klar, mit Joachim hätt man ja schon rechnen können, ist ja schließlich das OX-Fest … allerdings ist Solingen ja nicht gerade um die Ecke bei Karlsruhe. Dazu Kalle Stille, der sicherlich ein paar hübsche Livefotos und Videos geschossen hat.

Die Zero Zeroes legten los.
Irgendwie hat das entspannt druckvolle Spiel was von einer Slacker-Band.

Im Grunde ja eine All-Star-Band. Viele Konzerte spielen die Herren gerade nicht, deswegen ist die Freude bei mir jedenfalls, immer groß. Garage mit einer ordentlich düsteren, nicht minder spielfreudigen, Note.

Danach spielten SYFF, ich kannte sie vorher nicht, insofern kann ich mich ja gänzlich unbeleckt überzegen lassen.
Hat nicht geklappt.
Im Grunde auch Garage-Sound, nur mit Synthie.

Die schweizer Band S.G.A.T.V. (was bedeutet das überhaupt – will ich das wissen?) überzeugten auf voller Länge mit ultralangen Songs.
Dazu dieses Hardrock-Outfit-Synthie-Ding.
Also ich kann nicht mit Kalle Stille gehen, der meinte, dass das Line-Up einfach 4 mal gut war.
S.G.A.T.V. spielen halt noch mehr mit den Synthies, war ein super Sound, aber weniger Garage und mehr Rock und Pop.
Klar, die Band spielte super auf und das Publikum vorne hatte massiv Spaß.

Ich hatte keinen Bock auf Spaß, ich wollte pogen und schubsen.
Und dann kamen Hammerhead.
Und es war so, wie erwartet. Irgendwie auch „leider“, aber trotzdem gut.
Es macht schon richtig Bock, so ner prolligen, zynischen Band zuzuschauen und so  richtig eine vor den Latz geknallt zu bekommen. Ich stand am Rand des Pogopit und habe folgendes Video für euch aufgenommen:

Es war ein schöner Abend, wobei mir die schönen Menschen (aus Lahr, Freiburg, Stuttgart und wo sie alle her angereist waren) am besten gefallen haben.
Niemand liebt dich mehr.

tourbericht: #3 – être? – DIY or die – être? im Osten Europas

Vorklapp:
Nach und nach werde ich – bis (in 2025 hatte ich euch nicht verraten, welches) Weihnachten – mal alle Printinterviews, auch längst verblichener Bands, hier online stellen. Ich pimp die noch ein wenig, Musik, Links, Fotos. IMMER DONNERSTAGS – zur Tea-Time.Auch die bereits veröffentlichten bekommen einen neuen Termin und werden angepasst.
Alle Ausgaben sind Out of Print und werden nicht wieder aufgelegt.
Ausgabe 13 eventuell in 2026!

être? – würde ich sagen – waren eine echt underrated Band, die ihren ganz eigenen Stil hatten. Melo Emo Rap.
Keine Ahnung, das nehme ich vorweg, was aus den Musikern geworden ist.
Habe neulich die CD, die ich auf einem Konzert im Artcanrobert von ihnen gekauft habe, in den Player geschmissen un dmich echt gefreut, sie mal wieder zu hören!
CD’s finden nicht sehr oft den Weg in dieses komische Gerät.

TOURBERICHT:
Im Sommer 2015 hatten wir die Möglichkeit, unsere erste und bisher einzige Tour zu spielen. Sie führte uns auf circa 6500 Kilometern 10 Tage durch den Osten Europas.
Im Nachhinein hat sich die Reise in unseren Hirnen zu einem ziemlichen Film verdichtet. Trotzdem wollen wir versuchen, zu berichten.
Wir sind eine kleine Screamo-Band aus Hessen, die vielleicht in der mittelhessischen Provinz zu etwas Bekanntheit gekommen ist, mehr aber auch nicht.
Als uns Artem von Cookiesounds DIY Gigs aus Odessa im Mai letzten Jahres anschrieb und fragte, ob wir auf seinem Festival spielen wollten, freuten wir uns sehr über die Anfrage,Odessa schien uns aber viel zu fern und zu gefährlich, denn irgendwie war da doch Krieg. Wir teilten Artem unsere Zweifel mit, wobei wir die logistischen vorschoben.
Diese schien er nicht zu akzeptieren und in wenigen Tagen hatte er uns eine Liste mit Städten, Venues und VeranstalterInnen, die auf unserer Route liegen könnten, zusammengestellt. Wir ließen uns darauf ein und begannen, Menschen anzuschreiben und weitere Möglichkeiten zu suchen. Plötzlich wurde die Idee so konkret, dass die anfänglichen Zweifel in Euphorie umschlugen und tatsächlich bekamen wir viel positives Feedback und die Tour stand.
Wir fragten Djaensen von unseren Freunden von Giessen Uebergrund, ob er uns mit seinem Soloprojekt begleiten wolle und er sagte sofort zu. Auch unser Kamerakind Simon ließ sich schnell überzeugen.

Fast am schwierigsten gestaltete sich das Mieten einer bezahlbaren Karre. Die meisten Vermieter sträubten sich, wenn wir ihnen sagten, wohin die Reise gehen solle. Schließlich fanden wir einen Bus in Berlin, den wir mieten konnten. Am 17. August trafen wir uns am frühen Morgen in unserem Proberaum in der Pampa nahe Fulda und beluden unseren Bus. Gegen Mittag wollten wir Richtung Tschechien aufbrechen, unsere verpennte Euphorie wurde aber jäh gebremst: Der Bus verlor irgendeine dubiose Flüssigkeit. Noch vor dem Start mussten wir in eine nahegelegene Werkstatt abgeschleppt werden.

Dort konnte das Problem in einigen Stunden behoben werden, ob wir es bis zum Abend noch rechtzeitig nach Kutná Hora schaffen sollten, blieb fraglich. Schließlich schipperten wir noch pünktlich in der
Kleinstadt circa 80 Kilometer hinter Prag ein, wo uns der Veranstalter Willi erwartete.
Willi, der unser Vater hätte sein können und sich auch etwas so gab, hatte es nach eigenen Angaben vor einigen Jahrzenten von Holland nach Tschechien verschlagen, wo er sich mit seinem Music-Club einen Traum verwirklicht hatte. Das Konzert war kaum besucht. An der Bar im hinteren Teil des Raums saßen nur wenige Zuhörer, die wahrscheinlich zum Inventar des Clubs gehören.
Nach einigen Slivovitz mit ihnen war die Stimmung dann aber doch ziemlich ausgelassen. Als Willi zu späterer Stunde anfing, irgendwas von Hitler und der deutschen Geschichte zu lallen, war es aber an der Zeit, ins Bett zu gehen. Willi gab uns Schlüssel und Adresse eine Hotels, in dem man locker einen Horrorfilm hätte drehen können.

Am nächsten Morgen ging es im Regen weiter Richtung Bratislava. Wir kamen gegen Mittag an und vertrieben uns die Zeit in der Altstadt. Am Abend spielten wir als Support für die Band Jungbluth, die die Herzen der hardcoreaffinen Teile der Reisegruppe höher schlagen ließ. Das Publikum war aber auch zu uns, die wir deutlich poppiger sind, sehr gut. Bratislava scheint eine sehr lebendige Hardcoreszene zu haben.
Nach dem Konzert zogen wir mit Jungbluth und den Veranstalter*innen durch die milde Nacht. Zum Frühstück gab’s vegane Leberwurst.
Zum Fingerlecken.
Am 19. fuhren wir nach Bardejov und spielten dort in einer der exotischsten
Locations unserer Tour. Im dritten Stock eines mittelalterlichen Festungsturms hatte ein Kollektiv von Veranstalter*innen einen runden Raum für Konzerte hergerichtet.
Wir erfuhren, dass 100-Kilometer-Fahrten zu Konzerten unbekannter Bands für slowakische Jugendliche durchaus normal seien. Wir schliefen in dem Gemäuer, während Fledermäuse um uns kreisten.
Gegen 5 Uhr brachen wir etwas verkühlt Richtung Schytomyr im Norden der Ukraine auf. Wir konnten schwer einschätzen, wie lang es dauern würde, die Grenze zu überqueren.

Tourvideo:

Tatsächlich standen wir dort lange an, konnten die Grenze dann aber
passieren. Das mulmige Gefühl, das wir vor dem Grenzübertritt hatten (in Bardejov hatte man uns von Schikanen der Grenzer erzählt), verließ uns in der Ukraine nur kurz. Nach wenigen Kilometern auf ukrainischen Sandpisten, brach ein martialisch aufgerüsteter Jeep aus dem Gebüsch am Fahrbahnrand und verfolgte uns. Der Fahrer fuhr uns dicht auf, zog die Lichthupe und wollte uns wohl zum Halten bewegen. Nach etwa einer halben Stunde, die uns deutlich länger vorkam, ließ er von uns ab. Wer oder was, das war, können wir bis heute nicht bewerteten.
Die Fahrt durch den Norden der Ukraine dauerte lang. Die Schlaglöcher wurden größer, die Dörfer ärmlicher. Immer wieder musste man Checkpoints der ukrainischen Armee passieren, unsere Pässe wurden kontrolliert, es wurde gefragt, was man hier wolle und es wurde mit Waffen aller Art gefuchtelt. Irgendwann merkten wir, dass wir durch ein freundliches „Musicanti! Musicanti!“ unsererseits und das freigebige Verschenken von Tourplakaten, die Sympathien der Grenzer erlangen und uns weitreichenderen Kontrollen entziehen konnten.
Im Dunkeln erreichten wir schließlich mit Verspätung die Stadt Schytomyr nahe Kiew. Dort spielten wir in God’s Garage. Ein Clubhaus
eines christlichen (!) Bikerclubs und zeitgleich lokaler Antifa-Laden. Ziemlich pragmatische Gebäudenutzung. Das Konzert war großartig. Wir spielten mit mehreren lokalen Hardcoregrößen, das Publikum war kaum mit dem zu vergleichen, was man aus Deutschland kennt.
Während wir auf Konzerten höchstens mal mit dem Kopf nicken oder Einzelne two-steppen, machte das ukrainische Publikum aus dem
Abend eine große Party. Trotz Sprachbarriere schrien einige unsere Texte mit und auch Djaensen, dessen Musik ja noch textlastiger ist als unsere, wurde gefeiert wie Ikke Hüftgold auf Mallorca. Leider mussten wir nach dem Konzert direkt weiter. Unsere Routenplanung hatte sich als ziemlich naiv entpuppt.
Also weiter durch das ukrainische Hinterland Richtung Moldawien. Zur Nachfahrt:
müde, kalt, Sterne, Schlaglöcher, überproportional viele Tankstellen. Mittlerweile roch es in unserem Bus wie damals in der Turnhallenumkleide.
In den frühen Morgenstunden erreichten wir die ukrainisch-moldawische Grenze.
Man hatte uns in Schytomyr einen relativ wenig frequentierten Grenzübergang empfohlen. Ein ziemlich einschüchterndes Gebilde aus Stacheldraht und Beton. Auf ukrainischer Seite antwortete uns die Grenzsoldatin in unserem Alter auf die Frage, ob man das Tor zum Passieren öffnen könne noch mit „Why not?“. Auf moldawischer
Seite war die Kommunikation dann etwas komplizierter. Glücklicherweise hatten wir alle wichtigen Dokumente im Vorhinein in die entsprechenden Amtssprachen übersetzen und beglaubigen lassen. Die Stempelsammlung überzeugte und wir durften einreisen.

Moldawien ist das ärmste Land Europas und das merkt man. In der moldawischen Hauptstadt Chisinau trafen wir den Veranstalter des Abends und fuhren mit ihm zu dessen Mutter, die für uns gekocht hatte. Spätestens jetzt fragte sich wahrscheinlich jeder von uns, ob es nicht arrogant ist, als deutsche Mittelstandskids durch die Armenhäuser Europas zu heizen und sich von Menschen, die ihr Jahresgehalt berappen müssten, um die Miete unseres Busses zahlen zu können, bekochen zu lassen.
Das Konzert am Abend war gut besucht. Wir spielten mit einigen lokalen Bands. In Moldawien scheint es eine lebendige Djent-Szene zu geben. Auch wenn wir da mit unserem Schreipop etwas rausfielen, war das Publikum ähnlich motiviert wie am Vorabend.
Nach einer Nacht im Hostel und einer kleinen Kollision mit einem moldawischen Gartenzaun, fuhren wir am 22. August zurück in die Ukraine nach Odessa.
Die Vorfreude war groß, denn schließlich war Artems Suicide Fest der Anlass unserer Tour. Nachdem wir an der Grenze und an diversen Checkpoints wieder einige Tourplakate losgeworden waren und uns ein moldawischer Grenzbeamter in fließendem Deutsch von seiner Zeit in Ostberlin vorgeschwärmt hatte, erreichten wir gegen Mittag das sonnige Odessa.
Eine beeindruckende Metropole voller Touristen und Luxuskarossen. Vor dem Konzert nahm sich Artem Zeit für ein kleines Touriprogramm.
Das Konzert war grandios, wir hörten viele großartige ScreamoBands und spielten vielleicht unser bestes Konzert jemals. Das Publikum bestand
aus einem Haufen Hardcorekids, die ähnlich wie schon in Schytomyr eine
beeindruckende Stimmung verbreiteten.
Nach dem Konzert sprachen wir
zwangsläufig mit Artem und anderen über den Ukrainekonflikt. Kurzfassung:
1. So eingefroren wie wir dachten, war der Konflikt zum damaligen Zeitpunkt nicht.
2. In Odessa fühlt(e) man sich von der EU im Stich gelassen.
Wir schliefen bei einem jungen Pärchen, das extra seine kleine Wohnung für uns geräumt hatte und während wir uns auf dem Boden ausbreiteten, die Nacht im Sitzen verbrachte.

In den frühen Morgenstunden des nächsten Tages brachen wir zur längsten Etappe der Tour nach Brasov in Rumänien auf. Das Navigationsgerät, das bis dahin relativ zuverlässige Dienste geleistet hatte, zwang uns, die Geländegängigkeit des Busses zu testen und führte uns über Feldwege querfeldein. Wir verbrachten mehrere Stunden damit, neben dem Bus herzulaufen und Baumkronen auf die Seite zu ziehen, während einer von uns versuchte, das Gefährt im Schritttempo nicht im Sand festzusetzen.
Als wir gegen Nachmittag noch immer nicht in Rumänien waren, riefen
wir den Veranstalter des Konzerts in Brasov an und wollten eigentlich absagen.
Dieser sagte nur, er werde schon eine Lösung finden. Schließlich erreichten wir gegen 24 Uhr die Venue. Ein Proberaum in einer alten Fabrik voller Menschen. Der Veranstalter hatte es geschafft, mehrere lokale Bands spontan zu gewinnen, die den ganzen Abend gespielt hatten. Auch das Publikum war geblieben.
Für den nächsten Tag war kein Konzert geplant. Wir fuhren durch Rumänien. Jede/r die/der sagt, man könne sogenannte „Wirtschaftsflüchtlinge“ nicht tolerieren, sollte eine Nacht in einem Wellblechhaus in einem rumänischen Dorf verbringen müssen.
Wir schliefen in einem Hostel in einer Stadt, deren Name wir vergessen haben.
Am nächsten Tag weiter nach Polen. In Tarnow spielten wir das vorletzte Konzert unserer Tour. Das Konzert war gut besucht und die Leute waren fast so ausgelassen wie an den Abenden zuvor. Als ein Mitglied der Hard-Rock-Vorband irgendwelche Faschodeutschlandscheiße brabbelte, wiesen wir ihn zurecht und setzten uns mit den Veranstalter*innen ab. Es war dunkel. Es gab Martini.

Letzter Tag: Wir fuhren nach Deutschland. In Chemnitz spielten wir unser letztes Konzert, das uns wieder auf den harten Boden der deutschen Konzertrealität brachte. Unser Publikum bestand aus einem Altpunk. Der fand’s so mittel gut.

Ohne pathetisch werden zu wollen, war die Tour für uns alle eine besondere
Erfahrung, die uns mit vielen liebenswerten Menschen in Kontakt gebracht, mehr
Fragen gestellt als beantwortet und uns ziemlich dankbar gemacht hat.

 

Zum Abschluß noch mein Lieblingssong, Videoclip.
Immer noch aktuell. Treffendes Thema.

konzert: release BLUTGRUPPE WIXXE + norton und dr. drexler project

Jessas. (Badisch für Herrgottsack). Das war ein famoses Lineup. Ich mag das total gerne, wenn da zwar überall „punk“ draufsteht, aber jede Band für sich einfach einen Unterschied macht.
Was euch jetzt noch nicht auf die Qualität dieses Abend hinweisen soll!

Norton aus der Schweiz, scheinbar schon desöfteren zu Gast in der Hackerei gewesen, starteten laut, mit fast zärtlich gehauchtem Gesang.
Es dauerte einen oder zwei Songs, bis der Sänger auf Betriebstemperatur war. Durchweg schöne Songs im Stil von Leatherface.
Der Drummer hat einen besonderen Stil zu spielen, die Bassistin immer konzentriert mit ihm die Songs voranzutreiben.

Dr. Drexler Project sind etwas Besonderes. Ich hatte ja, nachdem ich die letzte Platte hier reviewen durfte, eine Vorstellung, wieviele Leute da mindestens auf der Band stehen müssten.
Es waren 2 (zwei!) und ein Tapedeck. Ja, ein Tapedeck von…. sie hatten es mir verraten… etwas altes auf jeden Fall – Neckermann (Lachsmiley)?
Also vom Set-Up sowas wie die deutschen Lo-Fi Sleaford Mods.
Vom Auftreten und Textlichen aber eher weniger explizit dafür politischer und musikalisch eher so wie… Front oder Pisse.
Das Clownskostüm plus die exaltierte Art des Vortrags des durch die Kopfbedeckung unkenntlichen Sängers macht, dass die meisten im Publikum entweder vor Freude sofort einsteigen, oder mit offenem Mund stehenbleiben. Keine einfache Konsumierbarkeit garantiert!
Rausgegangen ist kaum jemand, was ich sehr gut fand.

Allerdings muss ich an dieser Stelle bemerken, dass bei der ersten Band kaum Leute drin waren, es sich bei der zweiten dann sehr langsam füllte.
Bei Blutgruppe Wixxe war der Laden schon ganz gut gefüllt mit ca. 70 Leuten.
Dr. Drexler Project tauschte dann noch ein paar Worte mit mir aus, ich besuchte sie am Merch.
Sehr interessante Menschen, die ihre Zeit und Kreativität komplett der Musik „opfern“: Bassist und Sänger betreiben auch gemeinsam Duophonic und haben eine der Pressmaschinen von Bieber, der noch flight13-duplication als Booker betreibt, aber auch Bassist ist in der folgenden Band:

Blutgruppe Wixxe hatte ich nun schon mal gesehen. Energiegeladene 30 Minuten Show. Fullspeed Hardcore-Punk mit französischen Texten und einer agilen Sängerin.
Heute mal kaum Ansagen dazwischen sondern von Anfang bis Ende Gebretter.
So stell ich mir das vor, wenn ne Hardcoreband auftritt: kurz & knackig!

Ein schöner Abend, an dem sich wiedereinmal gezeigt hat, dass in der Alten Hackerei immer wieder andere Menschen auftauchen, um sich gute (Punk)-Musik anzuschauen.

lesung: jan off im KOHI Karlsruhe 20.04.2026

Damit ich der Geschichte „ich fülle mein Printzine mit 80tausend Konzertberichten“, fang ich jetzt mal mit dem aktuellsten Ereignis an.
Und wenn ihr das lest, dann ist das ja auch schon wieder Tage her und am Ende hött ichs dann aber auch ins Zine packen können, dann wäre nur wieder irgendwer maulig geworden „wer will das denn alles lesen, wo der war“.

Der heutige Bericht handelt also von einem Autoren, der uns wissen ließ, dass er lieber vorgefährte Liegestütze hätte, als Applaus.
Nein, es geht niemand darauf ein.
Was der guten Stimmung von Jan aber absolut nicht abträglich ist. Denn natürlich reden wir am 20.04. über den Scheiß-Geburtstag von Scheiß-Hitler. Nicht ganz so unflätig wie ich jetzt gerade schreibe; muss gestehen, geht mir auf den Sack. Auch wenn es witzig gemeint ist.

Aber es geht heute um seinen neuen Roman Cumulus 2161, aus dem er uns drei Kapitel vorliest.
Als ich es gelesen habe, kam mir das wesentlich ernsthafter vor, als heute Abend. Ob das an seinen Entertainerqualitäten liegt?
Jedenfalls liest er so in etwa vom Anfang, Mitte und Ende ein Kapitel vor. Es wird immer blutrünstiger und er schafft es, einige davon zu überzeugen ein neues Buch zu kaufen.
Zeitweise habe ich, Anhand der Reaktionen, das Gefühl der Einzige zu sein, der Cumulus 2161 schon gelesen hat.

Vor einer kommenden Pause liest er dann noch ein oder zwei Kurzgeschichten vor, wir sprechen über Natursektspiele, vollgepinkelte Badewannen und hören, wie sich Vladimir Vladimirowitsch Putin selbst ficken kann und am Ende der Geschichte einpinkelt und sich dabei vorstellt es seien die Tränen …. nein, ich werde nicht alles verraten. Es ist wirklich wahnsinnig witzig!

Auch über die unvergleiche Sahra Wagenknecht gibt es eine herzerfrischende Kurzgeschichte namens „Warzenschwein gehabt“.
Ich bin begeistert, denn ich habe sehr viel von ihm gelesen und doch kenne ich nicht alles. Das freut mich.
Gegen Ende gibt es einen Text über 50 Jahre Punkrock zu hören, er erinnert sich da an ein Gesöff namens Mäusepisse (Korn + Milch) – lecker.
Da gehe ich mit ihm konform, die Kinder von heute haben (fast) nichts zu rebellieren und provozieren uns wohl eher mit ihren Bomberjacken als mit Punkrock. Schade auch.
Punkrock ist so viel bunter und lustiger. Egal wie alt.
Eigentlich ist es so, wenn ich diese persönliche Note hier einfügen darf, dass Punkrock am Anfang des Hörens und Erlebens nicht immer leicht zugänglich ist. Doch mit den Jahren wird es besser; man kann sich aussuchen, was einem gefällt, man kann still dabei sein oder Frontrow, man kann aktiv sein und Fanzines machen, Platten rausbringen, kein Instrument spielen können und trotzdem eine Band machen – ist das nicht geil?
Wider der schlechten Laune dieser Fascho-Deppen!
Für immer Punk.

 

konzert: ea80 & SØWT in weinheim

Seit ich in Heidelberg wohne, fällt ab und an mal der Name Café Central, eine Konzertlocation in Weinheim. Für Einwohner*innen Heidelbergs gut erreichbar mit dem ÖPNV.
Um den Jahreswechsel scrollte ich also auf der einschlägigen Homepage, vielleicht gibt es was interessantes im Programm, um das Café Central mal zu besuchen. Neben überwiegend für mich weniger interessanten Veranstaltung sprang mir dann das EA80 Konzert ins Auge: legendenumwobener Düsterpunk mit Kultstatus aus Mönchengladbach? Geschwind buchten .na, .a, .k und ich uns vier Tickets.

Als dann das betreffende Wochenende näher rückte, sprangen auch noch .s und i. mit auf den Zug auf und mit ebendiesem ging es dann nach Weinheim.
.na, .a und .i sind drei Drittel der Band Future Problem und wir kennen uns alle aus dem Umfeld des Carousel Heidelberg. Dort fand am dem Abend eine sehr reizvolle Gegenveranstaltung statt, mit Laxisme, Peitschen und den City Boys aber man kann halt nicht auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen.

In Weinheim machten wir noch einen Abstecher ins Lotus, zeichens Gastronomie mit asiatischer Küche und stärkten uns für das bevorstehende Konzert. Über dem Restaurant prangt das dazugehörige Schild, das aber offensichtlich fehlerhaft produziert wurde: Der mehrfach abgebildete Name ist an prominenter Stelle statt „LOTUS“ als „LOSTUS“ buchstabiert worden. Der Hersteller hat jedoch weder seinen Kunden aus der Gastro noch den Auftrag verloren, auch wenn sich das so liest. Stattdessen wurde im Nachhinein mit schwarzem Lack der Schriftzug verbessert, jetzt steht da „LO TUS“. Der Laden ist komplett voll mit Gästen und das verwundert nicht, die Miso-Suppe beispielsweise ist überdurchschnittlich schmackhaft.

Das Café Central liegt ebenfalls nicht weit vom Bahnhof und ist ein wirklich schmucker Laden. Grundsolide Immobilie mit großem Treppenaufgang. Als wir in den Konzertraum kommen, fangen gerade søwt an zu spielen. Der Auftritt und die Musik wirken sehr hochgestochen doch trifft uns nicht so ganz ins Herz, wie wir alle in den Gesprächen nach dem Konzert gemeinsam feststellen. Während des Auftritts wurden immer wieder irgendwelche Gitarren ausgetauscht und herumgetragen, teils mehrere gleichzeitig, naja… Das Café Central ist wild dekoriert und dennoch nicht klebrig, das alte Gebäude hat wirklich Charme und ist sehr geräumig. Die Belüftungsanlage wird von uns dankend angenommen, das Team hinter der Theke legte sich wirklich ins Zeug, die durstigen Besucher mit Getränken zu versorgen – Hut ab und vielen Dank an der Stelle!

Wir sind alle keine Kids mehr, aber zogen, wie bereits erwartet, den Altersdurchschnitt an dem Abend herunter. Und auch als Grüppchen, hälftig verteilt auf dem Geschlechterspektrum, brachen wir den Status quo an dem Abend etwas auf, denn es waren wirklich hauptsächlich alte weiße Männer anwesend. Viele Typen, die keine Gelegenheit auslassen, sich mit ihrer Plauze zuerst an dir vorbei zu drücken, in Situationen in denen man sich auch verbal oder durch ein kurzes Antippen bemerkbar machen könnte. Aber gut, vielleicht ist das für diese alten Kerle eine seltene Gelegenheit, etwas menschliche Nähe zu erfahren und mit dem Main Act gab es ja auch noch etwas fürs Herz. Denn ich habe EA80 an dem Abend als überaus gefühlvolle Band erlebt.

Zuletzt und zum ersten Mal habe ich EA80 am 3. Juli 2015 im Zakk, in Düsseldorf gesehen. Mein damaliger Bandkollege .s hat mich damals von Rastatt aus mitgenommen, das war ne lange Fahrt für einen Abend. In Erinnerung geblieben waren mir u.a. die sturzbachähnliche Aussprache des Sängers, die alten, teils ziemlich kaputten Gäste und mein erster EA80 Tonträger.
„Das da, das ist ein gutes Album“, schwupp, hatte ich die „Schauspiele“ auf für mich damals unfassbar fettem Vinyl erstanden. An dem Abend wurde auch eine Nachpressung von „Gladbach soll brennen“ mit dem Feuerlöscher Piktogramm auf dem Cover und der angekokelten Schutzhülle verkauft, damit die Band sich, zuvor durch Dritte zerstörtes, Equipment ersetzen könnte.

Heute, 10 Jahren später, kenne ich zumindest ein paar Lieder mehr, auch wenn ich die Band echt nicht häufig höre. Umso geiler war es dann mit dem zweiten Lied in Set „Fort von Krank“ aus voller Kehle mitsingen zu können. Ich stand mit .k und .a ganz vorne links, um den anderen Leuten die Sicht nicht zu versperren und gleichzeitig selber was zu sehen. Dort traf ich prompt auch noch auf .c und .f, die sich auf den Weg von Offenburg gemacht hatten und die ihr vielleicht von ihrem Auftritt mit den Bands Ghettotonne und Monuments to Misery kennt (Wir berichteten: „Konzert: Fatal Brutal, Monuments to Misery, Biene Banal, Ghettotonne @ Ballonfabrik Augsburg„). Wir standen also alle dicht gedrängt und EA80 hauten einen Knaller nach dem anderen raus: „5×4“, „Gugging“, „Licht“- bei letzterem rief der Sänger, Junge, „LICHT!“ und der Song brach los. Und der Saal tobte.
Der Frontmann vermittelt eine unglaubliche Energie, man hat den Eindruck, das er die Texte nicht nur aus dem Gedächtnis singt, sondern dass er jedes Wort auch so meint und fühlt. Mal ganz nuanciert und auch immer wieder komplette Ausraster, mit Grimasse und Kontrollverlust. Dabei wirkt das ganze immer völlig authentisch, das ist keine „Show“, das wirkt echt.
Und auch das ganze Zusammenspiel der Band ist dermaßen direkt und deutlich. Selbst wenn man am Anfang mal das Gefühl hatte, dass es zwischendurch etwas holpert, haben ausgerechnet genau diese Passagen einen großen Emotionsreichtum. Als wüchsen Blumen aus den Lücken zwischen den Takten.
Kurz darauf schaltet der großväterlich anmutende Schlagzeuger in einen anderen Gang und drischt die tighten Punkbeats nur so runter, während sein Mund die Gesangstexte mit formt. Es ging teilweise dermaßen nach vorne; die Kompositionen, also das Zusammenspiel und der Klang der Instrumente funktionieren bei EA80 wirklich gut. In den Liedern liegt eine Einfachheit und Klarheit, ohne beliebig zu werden und mit großem Wiedererkennungsfaktor. Ob es der gutaussehende Herr am Bass ist, oder der gestandene Leadgitarrist – die Parts sind ikonisch in ihrer Schlichtheit, Klassiker-Material vom ersten Ton an.

Nach etwa drei Vierteln des Sets wird es mir vorne sprichwörtlich zu heiß, ich verdrücke mich kurz Richtung Toiletten. Ich bin die großen Treppen schon fast unten, da stürmt ein älterer Herr mit geschorenem Kopf hinter mir her, ruft etwas. Ich drehe mich fragend um, ziehe den Gehörschutz raus. Er erreicht mich begeistert am unteren Treppen-Absatz. Mein „Frankenstein“ Patch auf der Jeansjacke sei so super! Wow, danke lieber Unbekannter im Café Central, wie herzlich ist das denn?!

Das restliche Set stehe ich dann hinten im Konzertraum, sage nochmal .fi kurz Hallo, die sich ebenfalls auf den Weg aus der Metropolregion Rhein-Neckar nach Weinheim gemacht hat. Sie hat EA80 schon damals 2012 im JuZ in Mannheim gesehen.
Die Zeitspannen der Band sind wirklich schwindelerregend. Ein weiteres Jahrzehnt zurück, in den frühen 2000ern, habe ich erstmals als junger Teenager von EA80 im Boardstein Magazin gelesen, das ich mit einer Reihe anderer aussortierter Skateboard Zeitschriften von einem Nachbarn bekommen hatte. Der Autor beschrieb den Kultstatus und die Mysterien um die Band, sowie den Kommentar seines Kollegen, „Bring dich aber nicht um, okay“, der wohl Bezug auf die Düsternis des Düsterpunk nahm. Apropos Mysterien: EA80 spielten an dem Abend im Café Central eine Zugabe, was sie, so wurde es mir damals von den alten Hasen zugetragen, im Großteil der Bandgeschichte strikt unterlassen hätten. Erst in der jüngeren Vergangenheit gab es wohl bei den Auftritten Ausnahmen von dieser Regel, was die alte Gerüchteküche um die Band weiterhin am brodeln hält.

Bei mir war indessen dann so langsam der Ofen aus. Wir machten uns zurück auf den Heimweg mit dem Zug nach Heidelberg, .s und .i machten wohl sogar noch einen Abstecher ins Carousel. Ich hingegen begab mich so schnell in die Falle wie ich konnte, um dann aber wohl ausgeruht noch das restliche Wochenende mit in dem schönen gemeinsamen Abend zu schwelgen. Vielen Dank an euch alle und bis zum nächsten Mal!

(Anmrk. von Felix.: habe ein paar Fotos der Show bei FB gefunden. Bitteschön)

video & LP: attila reißmann – lila / bunkerkonzert / welive #16

Wo soll ich anfangen?
Attila kenne ich schon eine Weile von seiner anderen Band namens Heisse Projektile und Confused gibt es auch noch. Er kommt aus Lahr und wir spielten im Oktober einen Gig zusammen in eben jenem Bunker 108, in dem er auch dieses Live-Video produziert hat zum Release seiner Solo-Platte „lila“.
Wir kamen an dem Abend ins Gespräch und ich stellte mit Erstaunen fest, dass er ein recht umtriebiger Musiker ist, allerdings, so wirkt es für mich, nur in Lahr (südwestliches Baden-Württemberg) – und das ist schade!

Beginnen wir aber mit der LP, die kam vor dem Video im Mai 2025 raus. Im Eigenverlag und auch im eigenen Vertrieb.

Das Album, wie auch das Konzert, beginnt mit „leber liebe ungewöhnlich“, ein netter Einstiegssong, doch mit dem zweiten Stück „kleinstadtromantik“ kommt das, was er über das ganze Album mit seiner Band durchzieht: coole, entspannte, leicht poppige Akustiksongs, die sehr gut arrangiert sind.
Mal verträumt, mal sehr ernst; es geht ums Verliebtsein, miteinander leben, manchmal auch nebeneinander herleben. Um die Gegend und die Umstände, in denen er sich befindet, auch musikalisch. Das Punk halt auch so sein kann, wie er das präsentiert.
Da hat er nicht unrecht, allerdings fehlen mir dazu dann doch die klaren Ansagen in den Lyrics.
In „dein punk“ geht es genau um dieses ambivalente Verhältnis. Punk zu sein, aber halt nicht so auszusehen oder das permanent Repräsentieren zu wollen.

Ein wirklich guter Satz fällt mir bei „dach der welt“ auf:

in dieser welt in der wir hier leben
sind wir das problem

Ein grundsympathisches, leidenschaftliches und dennoch in sich ruhendes Debüt!
Attila hat dem nicht nur seinen Namen gegeben, es gibt doch auch eine wirklich gute Backing-Band, die, wenn ich das richtig gesehen habe, auch komplett beim Livevideo beteiligt sind.

Ich habe keine Kritik daran, so soll sich der folgende Absatz nicht anhören:
Ein wirklich insgesamt sehr professionell gemachtes Video. Eine sehr gut eingespielte Band präsentieren mit einem gänzlich gut aufgelegten Attila Reißmann das komplette Album.
Allerdings fehlt mir das Publikum. Mehr Atmo, mehr Menschen, die da mal vor Freude im Dreieck hüpfen – also das „Leben“ auf diesem Konzert.
WeLive haben den ganzen Ruschel in den Bunker gepackt und das LiveKonzert aufgenommen. Auch Ortsansässige!

Man kann sagen: ein regionales Produkt.
Wo ihr das bekommt, ist eine wirklich gute Frage, denn bei Bandcamp habe ich dazu leider nichts gefunden. Auch keinen Shop im Netz.
Vermutlich direkt bei Facebook oder bei Insta.

 

konzert: ZYPH auf der Einheizfeier, P8 Karlsruhe, 02.10.2025

Gastbeitrag von Joey Controlletti

Peoplez! Alleine ausgehen ist vielleicht nicht für je*mensch aber ich finde immer wieder Gefallen daran. Man trifft dann doch noch immer bekannte Gesichter und quatscht obendrein mit ein paar neuen. Aber von vorne: .n und ich hatten schon seit langem die Einheizfeier im P8 avisiert, insbesondere wegen unserer Cologne-Punk-Manie, an dem Abend vertreten durch die Cologne-Punk-Maniacs, Detlef. Mit eingeplant war eine Weinwanderung am Folgetag, durchs Rebland am Fuße des Nord-Schwarzwalds. Aber weil die Grippe-Saison schon seit einem Monat wie ein Damoklesschwert über unser aller Freizeit-Plänen hängt, war es statistisch unausweichlich. Am Nachmittag verkündet mir .n, dass es ihn erwischt hat. Und das trotz oder eben wegen Meditonsin-Missbrauchs. (Jetzt hör ich, dass das Homöopathie-Kram ist. .n!!! Steig das nächste Mal auf Deppen-Gedeck um, dann ist die Wirkung nicht nur eingebildet – Placebos in allen Ehren!)

Zu Guter Letzt bin ich dann alleine los, mit im Zug das Oktoberfest-Pack, Rücken und Geißel der baden-würstchenbergischen Gesellschaft zugleich. Am P8 angekommen gleich mit einem Haufen netter Leute gequatscht, .u legt mir die Opener Band des Abends, Zyph aus Mannheim, ans Herz. Und er sollte Recht behalten, weshalb ich nun ohne weitere Umschweife von Zyph, und nur von Zyph berichten möchte. Das äußerst sympathisch anmutende Dreiergespann könnte unter der Bezeichnung Deutschpunk laufen und ist doch mehr. Der junge Mann mit Schlabber-Iro an der Stratocaster spielt pfiffige Akkordfolgen auf einer mehr clean als verzerrt klingenden Gitarre. Da werden Haken geschlagen und Barrégriffe in Dur geschrabbelt, in feinster Garage-Rock-Manier.
Mit angenehm keifigen Gesang, wie geil ist datt denn!
Wo mich Deutschpunkbands der alten Garde mit Vierer-Blöcken aus Vier-Viertel Takten quälen, kommen Zyph mit kurzweiligem Songwriting um die Ecke! Leichtfüßig und spritzig werden gut eingespielte Lieder präsentiert! Und auch optisch ein Hingucker: Der Schlagzeuger sitzt barfuß hinterm Set und schlägt gewaltsam und gleichzeitig präzise auf die Becken, frei nach dem Motto, wo rohe Kräfte sinnvoll walten.
Aber lasst euch von dem 90er-Grunge-Seattle-Hippie-Look nicht täuschen, der Mann weiß, was er tut und wechselt scheinbar mühelos zwischen open-handed-playing und der klassischen Spielposition. Der Bassist ist der Dienstälteste des Trios und hat sichtlich Spaß, lacht die ganze Zeit vor sich hin und freut sich offenbar wie ein kleines Kind über den gemeinsamen Abriss, den sich Band und Publikum gerade liefern.
Und zu Recht, die gute Laune ist ansteckend und so staune auch ich, wie er mit Erfahrung den Bass bearbeitet, der irgendwie aussieht, wie ein Stück Treibholz. Die Band spielt auch mal ein Instrumental, das diesen Namen auch verdient. Als gegen Ende des Auftritts das Publikum gefragt wird, ob es noch ein Instrumental oder aber ein Cover einer DDR Punk-Band gespielt wird, skandiere ich und wohl auch genügend andere Leute im Publikum die oben genannte Abkürzung unseres ehemaligen Nachbarn im Osten, so kann man doch auch einheizen. War klar, dass dann Schleimkeim kommen muss, mensch wurde nicht enttäuscht – wie viel sympathischer kann mir Zyph denn noch werden?!

Und somit ist sämtliche Zucker verblasen; der Rest des Abends und die Rückfahrt in die Metropolregion Rhein-Neckar waren ebenfalls durchaus stabil. Es bleibt nur zu sagen: vielen Dank und bis zum nächsten Mal!

 

konzert: paddelnohnekanu und Tom Mess, Bollerwagen Gig vor der Trinkhalle Baden-Baden am 20.09.2026

Gastbeitrag von @joey.controlletti

Der Spätsommer bäumt sich nochmal so richtig auf und ich fahre mit .a im Oi!PNV nach Baden-Baden um den Bollerwagen-Gig von paddelnohnekanu anzusehen. Das ist Kur-Punk und das ist Tradition, zum vierten Mal geben sich die Drei während des SWR New Pop Festival die Ehre, mit Dosenbier vor der Baden-Badener Trinkhalle.

Wir decken uns im Netto mit Snacks und Supplys ein und vespern etwas am Hang, auf einer Treppe im Kurpark. Umgeben von Rhododendron und sattem Grün, der Blick geht auf Parks, das alte Schloß neben den Battert-Felsen und den Schwarzwald. Die schöne Umgebung und der hässliche Prunk von weißen Polohemden und denen, die gerne Oberschicht wären sind ein Teil meiner DNA und bringen mein Blut zum kochen.

Vor den Stufen der Trinkhalle wird soeben die Technik aufgebaut, wir begrüßen uns herzlich, ein freudiges Wiedersehen. Der Strom an Menschen, der durch den Park in Richtung Kurhaus fließt, spült auch alte Bekannte und Menschen in schwarzen Klamotten an.

Es dämmert, die Laternen und Parkbeleuchtung scheinen die riesigen Platanen an und Tom Mess haut in die Saiten. Gesungen wird ohne Mikrofon, dennoch kraftvoll und wir lauschen von den Treppenstufen den Singer/Songwriter Geschichten. Einige neue Lieder sind auch in deutsch verfasst und nach ein paar Songs entspanne ich mich sichtlich. Unentwegt gehen Passanten auf dem Kiesweg und unten in der Allee am Oos-Bach Richtung Innenstadt. Immer wieder bleiben Fußgänger*innen stehen und lauschen. Das alkoholfreie Schloss-Pils läuft jetzt echt gut.

Vor drei Jahren habe ich erstmals den Trinkhallen-Gig von paddelnohnekanu besucht und die Band hat ihr Bollerwagen Setup seither technisch aufgerüstet. Ergebnis ist ein runde, voll funktionsfähige Miniatur-Version der Darbietung. Felix agitiert per Headset-Mikrofon die Truppe auf der Treppe sowie der immer größer werdende Strom an Menschen in Richtung New Pop Gelände. Es wird ein komplettes Set runtergeknallt. Ich bin ja schon Fan der Band, das merke ich besonders bei Live-Auftritten jedes Mal aufs Neue. Felix an der Gitarre, mit der der ganz eigenen Spielweise, shredded auf den Kiesweg. Floor-Show – geiel! Ole hat mittlerweile fast schon ein richtiges Schlagzeug im Park stehen, mit Cahon-Kick-Drum, Piccolo-Snare und und und. Tulle bearbeitet gut hörbar den elektrisch verstärkten Bass, unter einer Palme stehend. Neben ein paar Evergreens aus dem Oevre der Band werden auch einige neue Lieder von den anstehenden LP, Niemand liebt dich mehr, zum Besten gegeben. Zwischendurch wurde noch Nachschub an Dosenbier geholt. Die Menge auf und vor der Treppe johlt mit und eine zunehmend große Menge an Passant*innen aller Altersklassen haben sich um das Spektakel eingefunden. Die Band schließt das Set mit einem Deutschpunk Knaller namens „Nietendeckel“ vom neuen, noch nicht veröffentlichten Album.

Wir quatschen noch ein bisschen, dann verabschieden wir uns und machen uns auf den Rückweg. Im Rucksack sind noch Snacks von Netto, Budget Erdnüsse im Teigmantel ftw.

Super-Happy, dass wir es wieder mal auf diese Open-Air-Sause mit den Kur-Punx geschafft haben! Es war sehr schön, vielen Dank!

In der Galerie ein paar Fotos von Mareikes Fotomomente!

Konzert: Alien Placenta, Wurrm, Hiatus im JUZ Mannheim 16.05.2025

Gastbeitrag von Joey Controlletti!

Danke an .n, der verlässlich Flyer auf Social Media teilt, wenn er auf ein Konzert geht. Dank der gemeinsamen Schnittmenge in Sachen Musikgemack, räumlichen Faktoren und Nutzung des ÖPNV bekomme ich so von .n einen Last-Minute Hinweis auf ein tolles Konzert.

Auf dem Hinweg sitzen mir in der S-Bahn Kids mit gekämmtem Seitenscheitel und Marken-Pullovern gegenüber, bisschen gruselig. Ansonsten kann ich an diesem Freitag dem Mannheimer Stadtbild und den Menschen dort viel abgewinnen: es ist anregend und bunt.

Im JUZ Getränk geschnappt, Getränkeauswahl und Preise sind immer wieder eine Freude. Nach ein paar Hallos und Gesprächen mit alten und neuen Gesichtern sowie einer halben Partie Tischkicker, spielen Alien Placenta auf.

AP hatte ich im vergangenen Jahr schon mal im JUZ auf dem Punx Picnic gesehen. Crust, D-Beat – you name it. Die Sängerin brüllt, die die Gitarristen brüllen mit. Alle sehen irgendwie Action Figur mäßig aus (aber bitte verschont mich mit dieser KI generierten Sch***e), sprich cool, vom Crust-Punk bis zum Skinny-Boy alle dabei. Ich schaue immer wie gebannt auf den Drummer, der mit seinen locker gehaltenen Sticks irgendwie einen sehr eigenen Style hat, während die Band wie eine Lok mit Volldampf durch das Set rast.

Die nächste Band, Wurrm, fand ich super sympathisch, alle Musiker*innen hatten irgendwie einen tollen, netten, klugen Vibe. Die Ansagen waren politisch stabil ohne zu predigen. Die Musik ist simpler und wirkungsvoll gespielter Crust-Punk, besonders die Vocals haben mir es angetan: Ein gleichförmiges Gebelle, was sich über das Set von Wurrm zieht, ich bin ganz verzückt.

Zu guter Letzt spielen Hiatus, von .a und der kurzen Beschreibung des Veranstalters als Crust-Götter aus den 90ern angepriesen. Ich habe wirklich null Ahnung von der Band, gehe aber von  der Altersverteilung innerhalb der Band davon aus, dass der Bassist eher jüngst dazu gestoßen ist. Die Band spielt richtig tight und hat auch mix-technisch den besten Sound am Abend. Bis auf den Drummer, der super knackig abliefert, übernehmen alle drei übrigen Bandmitglieder auch Vocalparts und das richtig geil, Hut ab. Auch die Frau, die Hiatus u.a. in Sachen Merch unterstützt übernimmt bei einem Lied die Vocals und das ziemlich wild (Leider weiß ich nicht mehr, in welcher Band diese Person singt, wurde eigentlich mit angesagt, sorry… schreibt es in die Kommentare :P). Ansagenmäßig verbreiten die Herren eine sehr angenehme Stimmung, der Mann am Bass drückt mehrfach seine Dankbarkeit angesichts des schönen Beisammenseins aus, der Gitarrist in der Nietenjacke hat auch mal den Schalk im Nacken. Der gute Sound ist auf meine Frage hin laut Aussage des einen Gitarristen einfach der Tatsache geschuldet, das Recht hochwertiges (gleich teures) Verstärker Equipment (aus dem Hause Marshall und HiWatt, Schleichwerbung Ende) genutzt wurde. Es wurden unter anderem ein paar neue Lieder vom anstehenden Release gespielt, die Menge tobt.

Ich muss den Abend über irgendwie hungrig gewesen sein – auch wenn flaschenweise Lammsbräu alkoholfrei den Flüssigkeitsbedarf gedeckt und den Blutzucker im grünen Bereich gehalten haben, erzähle ich den ganzen Abend von schwäbischem Halb und Halb. Davon habe ich, wenn ich mich recht erinnere, aus dem Brot-Fanzine, in einem Interview mit der Band Alter Egon erfahren. Es handelt sich um Spätzle und Pommes Frites zu gleichen Teilen, serviert in Bratensoße. Tatsächlich habe ich am folgenden Abend das Gericht erstmals als vegane Version nach kreiert, aber das ist eine andere Geschichte.

Ganz beseelt von der tollen Live-Musik und den netten Begegnungen mit Menschen auf und vor der Bühne fahre ich mit .n und .a in der Bimmelbahn Richtung Heidelberg. Es war sehr schön, vielen Dank und bis zum nächsten Mal.

bevor es wieder losgeht:

mit meiner Band pADDELNoHNEkANU war ich auf Tour und spiele einige Konzerte.

21.02. Karlsruhe Alte Hackerei TOM MESS LP-ReleaseParty

22.03. Karlsruhe Alte Hackerei (ja!) auf dem Local Bands Fest Freitag (mit Acid Bait, 100€, Birdy Sanchez, Lypurá, In schwerer See, Helmet Lampshade, Blutgruppe Wixxxe, Typhuzz)
                                                                                                                              Samstag (mit uns + Tyles, Hier wohnt Rosilein, BRÜT, Jeg Hüsker, Robot Cowboy, Zero Zeroes, Bleak Monday)
ist nicht suuupergünstig, dafür gibt es echt was zu sehen + zu hören! TICKETS

05.04. Rastatt Artcanrobert aka FEINSTAUBALARM. Wir spielen zu Fauli’s Geburtstag unsere Lieblings(punk)Songs von EA80, Boxhamsters, nichts, Pisse, Notwist uvm.

12.04. Durmersheim Schützenhaus

23.05. Trier Villa Wuller
24.05. tba                              beide Dates mit KUBALLA
Der 24. ist leider geplatzt, wir sind für Vorschläge offen! plz mail)

AB SOFORT dann auch wieder Reviewsssssss…..

UND: eine neue Ausgabe der Provinzpostille auf Papier.
www.provinzpostille.bandcamp.com