konzert: OX-Fest 02 mit Zero Zeroes, syff, S.G.A.T.V. + hammerhead

Ein wenig aufgeregt war ich schon.
Wenn ihr meine SM-Timeline verfolgt, dann habt ihr sicher schon mal das Plakat vom Konzert mit Hammerhead in der Jube Baden-Baden wahrgenommen. Fuck ist das lange her. Über 30 Jahre!
Und mit Spermbirds und Slime in der Alten Hackerei ging es mir schon richtig, richtig gut. Pogo, Bier + Gänsehaut. Ich würde an dem Abend sogar jemandem wiedersehen, den ich vermutlich Ende der 90er das letzte Mal auf einem Konzert getroffen habe!

Ebenso war ich überrascht, als vor mir, in Reihe zwei, Joachim Hiller und Klas N Frick auftauchten, um ein wenig zu schwofen und die Bands zu feiern. Klar, mit Joachim hätt man ja schon rechnen können, ist ja schließlich das OX-Fest … allerdings ist Solingen ja nicht gerade um die Ecke bei Karlsruhe. Dazu Kalle Stille, der sicherlich ein paar hübsche Livefotos und Videos geschossen hat.

Die Zero Zeroes legten los.
Irgendwie hat das entspannt druckvolle Spiel was von einer Slacker-Band.

Im Grunde ja eine All-Star-Band. Viele Konzerte spielen die Herren gerade nicht, deswegen ist die Freude bei mir jedenfalls, immer groß. Garage mit einer ordentlich düsteren, nicht minder spielfreudigen, Note.

Danach spielten SYFF, ich kannte sie vorher nicht, insofern kann ich mich ja gänzlich unbeleckt überzegen lassen.
Hat nicht geklappt.
Im Grunde auch Garage-Sound, nur mit Synthie.

Die schweizer Band S.G.A.T.V. (was bedeutet das überhaupt – will ich das wissen?) überzeugten auf voller Länge mit ultralangen Songs.
Dazu dieses Hardrock-Outfit-Synthie-Ding.
Also ich kann nicht mit Kalle Stille gehen, der meinte, dass das Line-Up einfach 4 mal gut war.
S.G.A.T.V. spielen halt noch mehr mit den Synthies, war ein super Sound, aber weniger Garage und mehr Rock und Pop.
Klar, die Band spielte super auf und das Publikum vorne hatte massiv Spaß.

Ich hatte keinen Bock auf Spaß, ich wollte pogen und schubsen.
Und dann kamen Hammerhead.
Und es war so, wie erwartet. Irgendwie auch „leider“, aber trotzdem gut.
Es macht schon richtig Bock, so ner prolligen, zynischen Band zuzuschauen und so  richtig eine vor den Latz geknallt zu bekommen. Ich stand am Rand des Pogopit und habe folgendes Video für euch aufgenommen:

Es war ein schöner Abend, wobei mir die schönen Menschen (aus Lahr, Freiburg, Stuttgart und wo sie alle her angereist waren) am besten gefallen haben.
Niemand liebt dich mehr.

LP: hammerhead – nachdenken über deutschland

Anfangs dachte ich, hui, so Hardcore Krustie, joah, mir fehlt doch da was. Das ist doch nicht Hammerhead!
Wo ist dieses Ungestüme der „stay where the pepper grows“ – das war irgendwie auf „weißes album“ direkt auch nicht mehr – hin?
Bin ich echt so alt geworden und pöbel jetzt an so uralten Sachen rum, die eh keiner mehr hört? Oder als „klassiker“ oder „wegweisendes album“ bezeichnet.
Ach öde.
Und da kommt da also Hammerhead mit frischem Wind um die Ecke.
Abwechlungsreich. Zwischen Geballer und Geknüppel und einem riesen Haufen Wut pellen sich einige schöne Takt- bzw. Tempiwechsel raus. Es ist kritisch und politisch. Manche überschlagen sich in Kritiken. Top Sound mit maximaler Spielfreude eingezimmert. Kommt mal wieder in den Südwesten der Republik!

Das Cover war wohl eine eher witzige Aktion. Mal so ne Burg abgelichtet, der Burgherr hats gesehen… er scheint Hammerhead wohl auch zu hören – oder regelmäßig durch den Edel-Shop seiner Wahl am Plattenregal durchzustreifen – und hat das Label angehalten, diese Burg so nun nicht mehr zu zeigen.
Dann wollten alle diese Scheibe. Mit überklebter Burg Schreckenstein.
Kein Bock, das zu recherchieren, guckt halt selbst, gibt bestimmt n Punkrock-Schlaumeier-Thread bei Meta.
Noch ein Wort zum Booklet, dass kein Booklet mehr ist, sondern leider nur noch ein lauer, schwarz-weißer Abklatsch von den ehedem sehr punkrockigen Schnipselprovokationen übrig geblieben.
Bleiben nur noch die Worte, die darauf gedruckt, die Herr Scheiße ins Mikro gröhlt, während er über Deutschland nachdenkt.
Und da wird es wieder äußerst interessant.
Zynisch, böse, schreiend komisch. Er hats echt drauf (inzwischen) seine Texte, auf den Punkt und gereimt, exakt zu zentrieren. Resigniert, und doch mit einem kleinen Tipp versehen.
Ob es nun über Duckmäuser (Kinderstrafe), heutige Vorstadtkids (alle pissen an den Dom) oder den (Schlossbesitzer) geht, egal, Treffer, Versenkt. Dabei dann auch noch Querverweise in die lange Geschichte des Punk. Man könnte im Unterricht also auch prima eine Gedichtinterpretation mit musikalischer Geschichtserziehung kombinieren.

Poge immer noch in der Straßenbahn
Hab immer noch meine Ledejacke an
Iro, Nietengürtel, das ganze Programm
Schlage immer noch jeden Nazi zusammen
War nurn Witz
Bin im Sterbehospiz
Bin der leprakranke Frank
Nix mehr mit Frauen, nix mehr mit Punk
„bin noch ganz der Alte“

Erschienen bei Holy Goat Records. Auflage inzwischen so bei knapp 5000.
Hammerhead – Nachdenken über Deutschland

Beim Label in Gänze
Holy Goat Records

7inch: HAMMERHEAD – opa war in ordnung

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an einem regnerischen Samstagmorgen setzte er sich hin und schrieb ein review:
HAMMERHEAD. Mülltonnenschmeißende, beißend zynische Punks. Die haben jedes Jugendzentrum aufgemischt. 1000 Liter Dosenbierpartys geschmissen.
In Talkshows gesessen und in Dokus mitgespielt, die heute untrügerische Zeitdokumente der 1990er Jahre sind.
In 2016 eine neue Single. „opa war in ordnung“. Nachdem 2001 die letzte rausgebracht wurde, eine doch sehr lange Zeit. Sie hatten nie aufgehört.
Der Opa auf dem Cover ist wohl eher etwas für Bildungsbürger, da wir ja scheinbar mehr über die Trump-Karte der amerikanischen Politik wissen, als über…. wie heisst er noch…. jedenfalls: er lebt nicht mehr.
HAMMERHEAD schon. Und sie knallen uns 7 Songs um die Ohren, die musikalisch zwar nicht die Offenbarung sind wie einst die „stay where the pepper grows“, dennoch den gestreckten Mittelfinger klar und deutlich im Einerlei des deutschsprachigen Punks strecken. Wie ein Flammenwerfer zwischen Feuerzeugstreckenden Balladenhänden auf einem BAP-Konzert.
Vielleicht bin ich auch einfach zu alt für den Scheiß.
Oder verstehe die Texte plötzlich.
„Einfach übern Zaun gehangen! Gut ist, wer Gutes tut.“ Orthographisch korrekt geschrieben, keine Schnipsellayouts mehr mit handschriftlichen Notizen. Klar und deutlich. Dabei können „morgen ist untergang“ oder „undank ist der welten lohn“ auch vorgelesen eine wundervolle Dynamik hervorrufen, als seien es Gedichte eines Gottfried Benn. An den kann ich mich noch erinnern. Der war toll. Man muss sich nicht immer den Krach in die Gehörgänge pusten. Nein, man kann ihn auch brüllen: „Punk ist keine Religion. In meinem Falle aber schon.“
So wie diese Single.
Kauft den Scheiß, ihr verpasst sonst was!