konzert: release BLUTGRUPPE WIXXE + norton und dr. drexler project

Jessas. (Badisch für Herrgottsack). Das war ein famoses Lineup. Ich mag das total gerne, wenn da zwar überall „punk“ draufsteht, aber jede Band für sich einfach einen Unterschied macht.
Was euch jetzt noch nicht auf die Qualität dieses Abend hinweisen soll!

Norton aus der Schweiz, scheinbar schon desöfteren zu Gast in der Hackerei gewesen, starteten laut, mit fast zärtlich gehauchtem Gesang.
Es dauerte einen oder zwei Songs, bis der Sänger auf Betriebstemperatur war. Durchweg schöne Songs im Stil von Leatherface.
Der Drummer hat einen besonderen Stil zu spielen, die Bassistin immer konzentriert mit ihm die Songs voranzutreiben.

Dr. Drexler Project sind etwas Besonderes. Ich hatte ja, nachdem ich die letzte Platte hier reviewen durfte, eine Vorstellung, wieviele Leute da mindestens auf der Band stehen müssten.
Es waren 2 (zwei!) und ein Tapedeck. Ja, ein Tapedeck von…. sie hatten es mir verraten… etwas altes auf jeden Fall – Neckermann (Lachsmiley)?
Also vom Set-Up sowas wie die deutschen Lo-Fi Sleaford Mods.
Vom Auftreten und Textlichen aber eher weniger explizit dafür politischer und musikalisch eher so wie… Front oder Pisse.
Das Clownskostüm plus die exaltierte Art des Vortrags des durch die Kopfbedeckung unkenntlichen Sängers macht, dass die meisten im Publikum entweder vor Freude sofort einsteigen, oder mit offenem Mund stehenbleiben. Keine einfache Konsumierbarkeit garantiert!
Rausgegangen ist kaum jemand, was ich sehr gut fand.

Allerdings muss ich an dieser Stelle bemerken, dass bei der ersten Band kaum Leute drin waren, es sich bei der zweiten dann sehr langsam füllte.
Bei Blutgruppe Wixxe war der Laden schon ganz gut gefüllt mit ca. 70 Leuten.
Dr. Drexler Project tauschte dann noch ein paar Worte mit mir aus, ich besuchte sie am Merch.
Sehr interessante Menschen, die ihre Zeit und Kreativität komplett der Musik „opfern“: Bassist und Sänger betreiben auch gemeinsam Duophonic und haben eine der Pressmaschinen von Bieber, der noch flight13-duplication als Booker betreibt, aber auch Bassist ist in der folgenden Band:

Blutgruppe Wixxe hatte ich nun schon mal gesehen. Energiegeladene 30 Minuten Show. Fullspeed Hardcore-Punk mit französischen Texten und einer agilen Sängerin.
Heute mal kaum Ansagen dazwischen sondern von Anfang bis Ende Gebretter.
So stell ich mir das vor, wenn ne Hardcoreband auftritt: kurz & knackig!

Ein schöner Abend, an dem sich wiedereinmal gezeigt hat, dass in der Alten Hackerei immer wieder andere Menschen auftauchen, um sich gute (Punk)-Musik anzuschauen.

LP: Dr. Drexler Project – neoliberale kackscheiße

Das Interessante am Dr. Drexler Project ist, dass es tatsächlich ein Projekt ist!
Daniel von Elfenart hat mir das zugeschickt und ich darf mir das anhören und es euch empfehlen; und das will ich gerne tun.
Die Haptik schon mal: gelbes Cover mit roter Innenhülle und schwarzes recycling Vinyl „für mehr Untergangsstimmung“. Was ein Service – wie geil ist das denn bitte!
Booklet wir Muff Potter oder Turbostaat.
Volle Punktzahl für alles, was ich aufgezählt habe!

Eine Aufforderung ist, dass wir auf den Trümmern der „schwarzen Null“ tanzen sollen – oder tun wir das nicht ohnehin?
Der Bass ist das vorantreibende Instrument, woran man ganz klar den 70S / 80s Sound raushört, sehr toneig, sehr mittig. Ein bisschen Synthie, Gitarren drüber und ein Sprechgesang; welcher allerdings nicht ganz so repetitiv ist, wie man das aus ebenjenen Jahrzehnten noch im Ohr haben könnte.
Denn es gibt eine Menge zu erzählen, loszuwerden.
Gesellschaft kaputt, Niedriglohnsektor der beste in Europa.

Innerhalb vierer Jahre, 2020 bis 2024 (vermutlich als Corona-Projekt gegründet), in unregelmäßig im Albert Matong Atelier traf und musizierte. Pro Abend ein Song, wenn er steht: aufnehmen und First Take nehmen.
Das funktioniert soweit sehr sehr gut!
David Jahnke, Bruno Tenschert, Moritz Illner und Maximilian Wörle sind das Dr. Drexler Project.

Altbau Kernsaniert, das ist die deutsche Geschichte, die die Deutschen gut finden.

Aktuelle Themen wie „Tesla abfackeln“, es geht um Stadtbeton, Leerstand und und und.
Bester Satz am Schluß:

Im Internet habe ich keine Alternative zum Kapitalismus gefunden.
Obwohl das Amazon verkaufen wollte.

Zynismus, den ich gut abkann.
Musik, die nicht ganz so runtergeht wie Öl, eher wie ein Spieß, der langsam und schmerzfrei ins, vom Konsum, gelangweilte Fleisch eindringt, im Inneren sich dann langsam dreht und in Erinnerung ruft, was nie verblassen hätte dürfen.

Elfenart, Paulas Platten und Zanns`s Records.
Pflichtkauf.