Keine Ahnung, wie man sowas hier anfängt. Ganz wichtig ist mir, als jemand der aktiver Teil einer Szene ist, die keine „eine“ große Szene ist, sondern sich aus Mikrokosmen zusammensetzt, dass eine Debatte sachlich geführt wird.
Ich bin ein gerechter Mensch, versuche denen, die ich kenne und Streit oder einen Disput haben, ihre Seiten aufzuzeigen und nach Möglichkeit die Sache runterzukochen.
Hier also mal ein öffentlicher Versuch.
Zur Einordnung:
ich mache nicht nur diesen Blog. Ich stecke auch hinter Krachige Platten, ein kleines Label, wie die meisten, unter Freunden, Bekannten, man hilft sich weiter, wer weiß schon von diesem Label 😉
Auch spiele ich in einer Post-Deutschpunk-Band namens paddelnohnekanu Gitarre. Schreibe die Texte und kümmere mich um all den Bandkram.
Die Meisten hier kennen mich wegen der Postille und / oder meiner Band.
Auch noch Videos für befreundete Bands, alsda wären inzwischen NO°RD, Ben Racken, wehatethesmiths, WuZetian, Klotzs, Stiller, Kuballa, InDecision. (YT Playlist Lautstarke Filme – falls jemand zu Videos abbiegen möchte)
Ich denke ich kann behaupten, das ich als reflektierter, ruhiger Mensch wahrgenommen werde, dessen Worte weder falsche Informationen noch Phrasen enthalten.
Nun: ich habe ein Tape reviewed der Band schuetter. Dieses habe ich über BlackCatTapes bekommen, wenn mich nicht alles täuscht. Ich bestelle ab und zu ein paar Tapes und bekomme dann noch ein oder zwei zu Review-Zwecken dazu.
Die Band Die Angst kenne ich persönlich seit ungefähr 2014. Einige Male habe ich sie live gesehen, auch bei uns im Artcanrobert, einige Male habe ich mit ihnen die Bühne geteilt.
Nachdem ich darauf hingewiesen wurde, dass es einen Song namens „Steine in den Weg“ auf dem Tape von schuetter gibt, welcher sich sehr klar gegen die Band Die Angst richtet, muss ich als Labelmensch, der eine Single mit ihnen produziert hat, reagieren.
Und ich bedauere, dass ich den Text nicht genau genug gehört und gelesen habe.
Es sei euch, der Band schuetter, freigestellt, klare Kante bspw. gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft zu richten usw. Das tue auch ich. Und das tut auch Die Angst!
Auch ich heiße nicht gut, was sie, bzw. ein Einzelner in der Band in der Vergangenheit getan hat/haben. Doch ist es nicht so, dass das schon sehr lange her ist und Menschen sich ändern können?
Dass Menschen sich in ihrer Szene engagieren an Ecken und Kanten, die noch nicht glattgeschliffen sind, sondern noch poltern und mit (vielleicht manchmal) sehr einfachen Worten die Gesellschaft kritisieren, auch innerhalb der Szene?
Das, was mir persönlich, all die Jahre, in denen ich nun aktiv Teil dieser Punk-Szene bin, am meisten gegeben hat ist es, zu hinterfragen.
Und den Text dieses Songs ist Ergebnis des Nicht-Hinterfragens!
Wir müssen achtsam sein, müssen unseren Blick schärfen für Bands, die zweifelhafte Inhalte transportieren. Das tun Die Angst nicht.
Und es gibt tatsächlich unglaublich viele Bands oder Bandmember, die (vor allem in amerikanischen Bands) nach Jahrzehnten mit krudem Verschwörungsmist um die Ecke kommen und ihre eigene Geschichte zerstören. Auch das ist hier nicht der Fall.
Es gibt keine Interviews, keine Berichte in denen irgendetwas bestätigt (ja, auch nicht dementiert) wurde. Bspw., dass Die Angst die Linke Szene indoktrinieren würde. Oder Publikum ziehen, welches der Grauzone zuzuornden wäre.
Das ist sehr schwammig und ungenau. Dieses Bild sollte die Band vielleicht nachschärfen. Und innerhalb dieser, für mich, wunderbaren Szene, sollten wir darauf achten, nicht Behauptungen endlos zu wiederholen. Sonst werden sie zu Wahrheiten, die keine sind. Aktuell sehr gut in der rechten bis rechtsradikalen Politik zu begutachten.
Gab es zwischen den Bands Gesprächsversuche?
Ich bekomme mit, dass es immer wieder (auch erfolgreiche) Versuche gibt, die Band Die Angst um Gigs in linken Räumen zu bringen. Das nach weit merh als 10 Jahren Bandgeschichte.
Sprecht miteinander. Und wenn ihr nichts zu sprechen habt, dann tut es nicht. Aber lasst euch doch leben.
Um die Diskussion hier mal abzuschieben, auch von mir ein paar Sätze zu Die Angst… Ich kenne zumindest zwei davon seit 1999. Damals veranstaltete ich ein kleines Festival auf dem Hof meines Vaters. Das fand am Rand eines kleinen Dorfes im Barnim, nordöstlich von Berlin statt. Den Kontakt vermittelte ein Freund meiner Schwester. Dieser Freund war begeistert und versprach mir, dass die Band, damals noch L.S.K., super sein würde. Ich kann mich noch ganz gut daran erinnern. Am Abend kamen die Jungs mit einem alten BMW inkl. Anhänger etwas verspätet auf der Wiese an. Da stiegen Gestalten in Lederjacken und wilden Frisuren aus und kamen lächelnd auf mich zu, um sich für ihr Zuspätkommen zu entschuldigen. Da uns dummerweise die Holzkohle ausgegangen war, konnten wir nichts mehr grillen. Die Jungs hatten aber solch einen Hunger, dass sie, wie sie mir sagten, die Bratwurst auch roh essen würden. Das wollte ich dann aber niemandem antun. Deshalb ging ich ins Haus und haute ihnen was in die Pfanne. Der Gig war dann auch wirklich gut… Da ein paar Freunde von mir extra wegen einer Ska-Band aus Criewen bei Schwedt angereist waren, sagte ich auf der Bühne an, dass das jetzt schon ziemlich gut gewesen wäre, jetzt aber endlich Das Monk dran wäre. Auf diesen Spruch wurde ich etwas neckisch im Lovelite, einem kleinen Klub in Berlin, 2013 angesprochen. Die Angst hatten ihre erste LP herausgebracht. Parallel dazu ein Tape auf einem kleinen aber feinen Berliner Label. Das Konzert war wirklich beeindruckend, hatten die Jungs im Verhältnis zu L.S.K. noch an Druck zugelegt. Ich attestierte der Band (ich schrieb damals einen Artikel über die Platte), dass sie uns im Gegensatz zu vielen anderen, die in den üblichen Dreiakkordfolgen bewegungsunfähig denn ausgebrannt vor sich hindämmern, noch etwas zu sagen hat. Dann riss der Kontakt wieder für einige Zeit ab… Als ich vor etwa drei Jahren einen runden Geburtstag feiern wollte, dachte ich, es wäre doch eine gute Idee, wenn ich Die Angst spielen lasse. Hier bekam ich dann mit, dass die Band schon länger Probleme hat, in Berliner Klubs aufzutreten, die sich als links verstehen. Das betraf mich sogar selbst. Der Klub, in dem die Party ursprünglich steigen sollte und in dem ich 15 Jahre teils auch aktiv unterwegs war, sagte mir ab. Es gab da wohl eine anonyme Mail. Daraufhin bekam ich ein Statement vom Klub. In dem war zu lesen, dass es in der Band jemanden gibt, der in einer Neo-Folk-Band gespielt hat. Dann eine Auflistung nach Discogs-Recherche. Die allerdings betraf nur die Neo-Folk-Band und nicht Die Angst. Hier, also bei besagter Neo-Folk-Band, handelte es sich in erster Linie um das Label Eis und Licht. Dort wurden bis 2005 zwei LPs und zwei Singles veröffentlicht. Es stellte sich wohl so gegen Anfang der 2000er heraus, dass der Labelbetreiber in der rechten Szene aktiv war und wohl heute noch ist. (Analogie zu Rock-O-Rama?) Was hier aber gern verschwiegen wird, ist, dass nach Bekanntwerden dieser Verbindungen ein Großteil der dort unter Vertrag stehenden Bands das Label verließ. So auch die besagte Neo-Folk-Band, die, wie gesagt, nur so viel mit der Sache zu tun hat, als dass jemand von Die Angst vor mehr als zehn Jahren dort spielte. Um genau zu sein bis 2014. Danach löste sie sich auf. In der Absage stand außerdem noch, dass jemand, der auch auf besagtem Label veröffentlichte, mit wieder jemandem zu tun hatte, der eindeutig rechts wäre. Die ganze oder zumindest große Teile der Neo-Folk-Szene sei gefährlich, weil sie eigentlich schon überaffirmativ (und das will was heißen) mit faschistischer Ästhetik (das hat besagte Neo-Folk-Band im Übrigen nicht) umgehen würde. Bestimmte Akteure der rechten Szene hätten … usw. Das ging dann sogar so weit, dass man mir klubseitig eine Querfront-Strategie unterstellte…
Du hast hier völlig Recht, wenn du schreibst, dass sich die Punk-Szene vorsehen sollte, wenn es darum geht, Sachverhalte unhinterfragt, so oft zu wiederholen, dass sie dieser zur Wahrheit werden. Ich jedenfalls kenne die drei von Die Angst. Ich weiß, dass sie verdammt gute Musik machen und so weit von Nazis entfernt sind wie jene, die sie angehen, bzw. auf keiner Bühne spielen lassen, oder aber Steine in den Weg legen wollen. Also wie zumindest ein Mitglied der Band Schütter. Da geht es, wie in der Antwort, die ich vom Klub, der mir absagte, bekam, darum, nichts von öffentlicher Selbstkritik von Die Angst gehört oder gelesen zu haben, um Stellungnahme, also um Haltung. Nun, es gibt da den Titel „Der Schoß ist fruchtbar noch“. Den hatte ich auch in der Kommunikation mit dem Klub erwähnt. Und wenn ich eindenke, dass das, wie ein Statement der Band auf PlasticBomb, das seltsamerweise verschwunden ist (abgesehen davon wurde da auch ein Samplerbeitrag von Die Angst irgendwie merkwürdig dargestellt), nicht genügt, frage ich mich, was genau denn genug wäre. Ich vermute mal, dass hier kein Statement oder sonst was genügen würde. Selbst wenn sie sich ein Schild um den Hals hängen würden, auf dem steht, dass sie rechtsoffen waren, nun aber selbstkritisch eingesehen hätten, dass das falsch gewesen ist, könnte und würde noch jemand sagen, dass das nur die Querfront, die die Band fährt, bestätigt. Hier wird überhaupt mit einem Furor geurteilt, der mich eher an jene erinnert, gegen die man da ist. Es werden anonyme Mails geschrieben, Listen erstellt, geraunt, dass die Band irgendwie gefährlich ist und schließlich abgeurteilt. Und es ist dazu überaus selten, dass jemand mal fragt, ob man das nicht bei einem Bier im Gespräch klären will. Es wird einfach abgesagt. Und weil das schon viele so machten, macht man das eben auch. Wo kommt man sonst hin? Wie steht man vor den anderen da? Schließlich will man ja nicht aus der Reihe tanzen und dieser Band, die bekanntlich so und so ist, auch noch eine Bühne bieten.
Die Angst macht Leuten Angst. Und wie es so ist mit der Angst als ungerichtetes Grundgefühl, reagieren manche ebenso darauf. Ungerichtet. Das heißt, die Vorwürfe zielen nicht auf ihr Ziel. Die werden gestreut. Obwohl man das sicher auch fundiert zielgerichtet adressieren könnte… Zunächst könnte man mal unterscheiden. Bringt man eine Allgemeinkritik an, läuft das so wie in den meisten Fällen ab. Man braucht eigentlich gar nicht weiterzumachen, weil das Ergebnis vorher schon klar ist. Oder aber man geht validen Kritikpunkten Schritt für Schritt nach. Wie ist das ästhetische Auftreten, die Cover, der Bühnenauftritt. Wie ist die Musik? Wie ist der Inhalt der Stücke? Gibt es da was, das eine Kritik an der Sache berechtigt? Und vor allem, sind Aktivitäten der Bandmitglieder bekannt, die in Verbindung mit rechten, oder gar rechtsradikalen Einzelpersonen oder Gruppen stehen? Ich für meinen Teil kann zumindest die geschlossenen Fragen mit Nein beantworten. Doch scheinbar teilen einige meine Einschätzung nicht. Man macht lieber wieder eine Discogs-Recherche und reproduziert Versatzstücke meist gleicher, manchmal sogar identischer Vorwürfe… Als ich so eine Mail zum dritten Mal gelesen hatte, dachte ich irgendwie automatisch an Monty Python. Ich meine hier die Volksfront von Judäa bzw. die Judäische Volksfront. Da wirft man den im Prinzip eigenen Leuten vor, die Szene zu spalten. In diesem Fall zu unterwandern. Was, wie gesagt, einer gewissen Ironie nicht entbehrt. In der Psychologie nennt man das im Übrigen den Narzissmus der kleinen Differenzen…
Zur Einordnung: Ich bin freier Musikjournalist und beschäftige mich mit dem, was ich selber gern höre. Das war der frühe Industrial und auch düster bis tiefschwarzer, krachiger Punk. Das waren Throbbing Gristle, SPK, später Coil, parallel dazu D.A.F. Das waren im Punk Chaos Z, EA80, Razzia, die erste Toxoplasma und weil ich aus dem Osten bin, d.h. war, Wartburgs für Walter und Grabnoct. Seit 2013 dann auch Die Angst, weil ihre Musik genau in diese Kerbe schlägt. Ich bin kein aktiver Teil der Szene mehr, weil ich zu wenig Zeit dafür habe. Aber, sagen wir, ich begleite sie noch… Auch war ich in meiner Jugend in linken Kontexten aktiv, rannte vor Glatzen mit umgekrempelten Bomberjacken durch Straßen und bin, wie viele mit den Jahren ruhiger geworden. Im Gegensatz zu vielen anderen bin ich zum Glück nicht ins Autoritäre abgewandert, habe also, so gut es ging, die Werte, für die die Szene ursprünglich stand, nicht über Bord geworfen. Alle, die aus dem Osten sind, wissen was ich mit Letzterem meine. Anfang der 1990er waren viele Punks plötzlich keine mehr. Die Haare waren ab und die Autos tiefer gelegt. Meine Auffassung dazu ist, dass man in der Jugend schon stark anfangen sollte. Das heißt, nur wer in der Jugend Anarchist war, hat im Alter die Chance, noch ein halbwegs vernünftiger Demokrat zu werden… Aber Spaß beiseite. Ich kenne das Problem der Verortung durch andere nur allzu gut. Im Prinzip war ich sogar mittendrin. Als jemand, der nicht zuzuordnen war, der Stiefel anhatte, Schwarz trug und blonde gescheitelte Haare. Ich wollte verwirren und provozieren. Um das perfekt abzurunden, hatte ich mir einen Aufnäher der Antifaschistischen Aktion Berlin auf den Ärmel genäht. Und was soll ich sagen, es gab auch damals schon Leute, die jede Kleinigkeit zum Anlass nahmen, um jemandem die falschen Absichten zu unterstellen. Und zwar ohne diesen Jemand zu kennen. Manche wollten und wollen das auch überhaupt nicht. Und das erinnert mich zum Schluss noch an einen Dokumentarfilm. Wie der hieß, weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass ein Journalist, Sohn indischer Einwanderer, in einem sogenannten national befreiten Dorf ein Interview führte. Das war mit einem kurzhaarigen Mann, der wohl einer der Sprecher dieser Leute war. Auf die Frage hin, ob er sich vielleicht mal mit „Ausländern“ unterhalten würde, sagte er: Nein. Auf die Frage, warum das so wäre, antwortete er: Es könnte jemand sein, der in Ordnung ist…
Danke dir.
Du Hast mehr und länger geantwortet, als ich mir hätte von einem Kommentar träumen lassen.
„Aktiv“ sein ist schon auch das, was du mit diesem Post getan hast.
Vorweg: ich kenne mich mit der Geschichte nur so oberflächlich aus. Das scheint hier aber auch nicht das Kriterium zu sein um sich äußern zu dürfen. Ich finde die Rhetorik hier extrem zweifelhaft und möchte mich deshalb kurz dazu äußern.
Wenn nur noch Bands öffentlich kritisiert werden dürfen, „die zweifelhafte Inhalte transportieren oder mit krudem Verschwörungsmist um die Ecke kommen und ihre eigene Geschichte zerstören“, wird die „klare Kante“ schnell zu einem stumpfen Schwert.
Ich weiß ja nicht wo du die letzten Jahrzehnte so verbracht hast. Für mich sind aber Bands, die eben keine eindeutigen Inhalte verbreiten, sondern mit subtilen Elementen und Ästhetiken um die Ecke kommen und fragwürdige Kontakte nur auf Nachfrage einräumen und relativieren die viel größere Gefahr. Wie genau das bei die Angst war, sei mal dahingestellt, aber dieser Maßstab ist sicher nicht zielführend.
Du selbst rekurierst auf das was in“der rechten bis rechtsradikalen Politik zu begutachten“ ist. Genau da ist doch am besten zu beobachten wie mit Ästhetik, uneindeutigen Aussagen und fragwürdigen Kontakten der Diskurs immer weiter verschoben wird. Und jetzt setzt du die Grenze schon da, wo in Interviews oder Texten fragwürdige Aussagen getroffen werden.
Wer beurteilt diese Fragwürdigkeit? Wie ist das mit „klarer Kante“ zu vereinbaren? Vielleicht ist für manche Leute auch Runenkult schon „kruder Verschwörungsmist“, andere halten Homöopathie für eine gute Alternative zur Schulmedizin usw . Wo ist denn das kritische Hinterfragen? Was sind denn progressive Bewegungen und wer spielt mit rückwärtsgewandten Ideologien und Ästhetiken? Ist das gefährlich oder nur harmlose künstlerische Spielerei? Immer alle Vorwürfe schnell vom Tisch zu räumen führt garantiert nicht zu einem kritischen Umgang.
Und dann in den Kommentaren sowas: „Hier wird überhaupt mit einem Furor geurteilt, der mich eher an jene erinnert, gegen die man da ist. Es werden anonyme Mails geschrieben, Listen erstellt, geraunt, dass die Band irgendwie gefährlich ist und schließlich abgeurteilt.“
Was soll das heißen? Anonyme E-Mails, die auf fragwürdige Kontakte Hinweisen sind vergleichbar mit dem was die Nazis verbrochen haben? Brennt dir der Helm?
Aber wie schlimm kann schon jemand sein, der eine Bratwurst auch roh essen würde, nicht wahr?
Ich fasse das mal kurz zusammen: Erst darauf hinweisen, dass niemand im Thema stecken muss, um sich hier zu äußern. Dann, obwohl sich der Ausschnitt meines Kommentars auf die Band Die Angst bezieht, zu behaupten, dass daraus zu schließen sei, die Mails, die ich anspreche, wären mit Äußerungen von Nazis zu vergleichen. Das ist schon irgendwie eine Unterstellung. Denn meint das, dass Die Angst selbst Nazis sind? … Wenn die Prämissen schon so gesetzt sind, kann das Urteil nur bestätigen, was vorher angenommen wurde. Das nennt man dann wohl Vorurteil … Wir können die Diskussion auch so polemisch weiterführen. Doch das und das Ende eures Kommentars, führt irgendwie in die falsche Richtung … Ein Argument in Bezug auf Fragen, die ich hier gestellt habe, konnte ich irgendwie nicht finden … Und dann, um hier mal die Theorie zu zitieren: „An der dialektischen Prozedur ist nun nicht mehr eine nicht genauer definierte Menge an Teilnehmern beteiligt, sondern lediglich zwei Personen (bzw. Parteien): Sie ist „eine speziell geregelte Form der Interaktion“, in der die „kooperative(!) Arbeitsteilung zwischen Proponenten und Opponenten“ auf dreierlei Weise normiert ist: Die Beteiligten sollen erstens „einen problematisch gewordenen Geltungsanspruch thematisieren“, dies aber zweitens „von Handlungs- und Erfahrungsdruck entlastet, in hypothetischer Einstellung“ vollziehen und (Phil. Jahrbuch 105. Jahrgang / II (1998) Berichte und Diskussionen 413) schließlich drittens „mit Gründen und nur mit Gründen prüfen, ob der vom Proponenten verteidigte Anspruch zu Recht besteht oder nicht“ (Habermas 19 8 1,1, 49). „Wenn wir einander von etwas überzeugen wollen, verlassen wir uns intuitiv immer schon auf eine Praxis, worin wir eine hinreichende Annäherung an die idealen Bedingungen einer gegen Repression und Ungleichheit in besonderer Weise immunisierten Sprechsituation unterstellen“ (Habermas 1992, 279). Die Idealität dieser Sprechsituation verwirklicht sich also kraft allgemeiner Symmetriebedingungen. Im argumentativen Diskurs unterstelle man intuitiv „die chancengleiche und symmetrische Teilnahme an der Argumentation“ (Habermas 1992, 282).
Zum Nachlesen: https://philosophisches-jahrbuch.de/wp-content/uploads/2019/04/PJ105_S412-422_Niehaus_Das-bessere-Argument.pdf
Mit sportlich anarchistisch egalitärem und theoretisch besserwisserischem Gruß A.
Dann habe ich das falsch verstanden Wenn du damit die Band gemeint hast, entschuldige ich mich. Ich wusste nicht dass Vorwürfe gegen die Band im Raum standen, dass sie anonyme E-Mails verfassen. Du musst aber auch zugeben dass das sehr missverständlich formuliert ist.
Ja, das kann stimmen. Dann entschuldige das bitte. Sprache ist leider immer geeignet (zumal in schriftlicher Form) Missverständnisse zu produzieren… Da wären wir dann auch wieder bei der Sache: Mir und auch dem Felix geht es darum, das Gespräch zu suchen. Damit lässt sich ein Sachverhalt in den meisten Fällen deutlich besser klären als über Mails und Kommentarspalten… Deshalb auch noch ein Danke! Denn wir kennen ja alle die Kommentare unter YT-Videos. Zum Glück ist das hier nicht so 🙂 The kids are allright
Hier Peter von schuetter. Ich habe den besagten Text über Die Angst geschrieben. Ich verstehe nicht, wie Du darauf kommst, wir würden hier “Behauptungen wiederholen und sie damit zu Wahrheiten machen, die sie nicht seien.” Sonne Hagal haben mit mit Leuten wie Ian Read, Eis+Licht, Death in June, Uwe Nolte und anderen zusammengearbeitet, die aus Ihrer Wertschätzung für faschistische Ästhetik und neurechte Ideologien keinen Hehl gemacht haben. Das sind Tatsachen, keine Behauptungen.
Sowohl mit Oli (Sänger von Sonne Hagal) als auch mit Kilian (Mitglied von Sonne Hagal und von Die Angst) war ich hierzu im ausführlichen Mailaustausch. Dabei hat sich unter anderem gezeigt, dass Kilian bis heute keine Notwendigkeit sieht, sich von Sonne Hagals damaligen Kooperationspartnern zu distanzieren und irgendwie konstruktiv oder selbstkritisch mit den Vorwürfen umzugehen. Seit jeher macht “Die Angst” sich über Kritik gerne lustig, löscht sie aus ihrem Facebook Profil oder reagiert mit Drohungen. Kilian bereut beispielsweise bis heute, dass er seine Drohung nicht wahr gemacht hat, das Label, welches nach Bekanntwerden der Vorwürfe die Debütsingle von “Die Angst” eingestampft hat, zu verklagen. Jensen, ein anderes Bandmitglied von “Die Angst” kommentierte kürzlich unser Tape-Release auf Instagram: “Kann mich (…) nicht erinnern, euch mal gesehen oder gehört zu haben! Die Zeit wird kommen ihr spiel ja Bald in Berlin! Bitte denkt daran das wir im Unterwandern Szene (mehr als 30 Jahre) da durch aus kurz neben euch stehen! Wir tragen unsere Runen sehr verdeckt es wird also schwierig uns zu erkennen!” (sic).
Ich finde: Solange “Die Angst” sich nicht öffentlich von den Sonne Hagal Kollaborationen distanziert und stattdessen versucht, Kritiker*innen lächerlich zu machen oder zum Schweigen zu bringen, hat die Band in antifaschistischen Räumen und einer politischen DIY Punkszene nichts zu suchen.
Zustimmen würde ich Euch allerdings in einem Punkt: Es gibt Wichtigeres.
Danke Peter!
Zuersteinmal finde ich gut, dass auch dich mein Bericht erreicht, ohne das ich ein Hashtagalarm angefügt habe und das Ganze auf SM breittrete. Mir ist zuersteinmal wichtig gewesen, das hier anzustoßen.
Danke für deinen Kommentar.
Wenn dem so ist, dass ihr (Peter / Schuetter und Die Angst) in Kontakt wart und euch ausgetauscht habt, dann ist das doch schon eine gute Richtung!
Ich will mich nicht blind stellen für Argumente der einen oder anderen Seite: ich sehe nur nicht ein, in den Topf der Argumente gegen Die Angst, ob nun bewiesen, unbeantwortet oder wasweißich gesteckt zu werden und Absagen von Bands zu bekommen (sei es Kollaborationen mit meinem Label oder Konzertanfragen oder Besuche meiner Band auf Konzerten). Argumentativ gibt es keinen Grund, das alles in einen Sack zu stecken. Das ist engstirnig.
Ebenso sehe ich das mit dem Diffamieren als Gegenreaktion auf Kritik.
Worauf ich also hinaus will ist, dass wir uns in unserer kleinen Szene schon mal am Wickel packen dürfen, uns schütteln. Darauf sollte aber auf jeden Fall ein Austausch stattfinden und kein Totschweigen und vor allem keine Ausgrenzung. Das machen schon andere.