Ich hab mich echt schon ne Weile auf das Album gefreut, welches nun vom Elmar erschienen ist. Nach ein paar EP’s und Samplerbeiträgen das erste Full-Length seit „betriebstemperatur, halten“ in 2017.
Nun also mit „vollgeschissen im hassclub“ schon mal ne richtige Duftmarke gesetzt, man könnte fast meinen, Elmar könnten sich in der Zwischenzeit dem Hardcorepunk verschrieben haben.
Jedenfalls ist es so lang her, dass ich, als die Scheibe endlich läuft, kein Wort dafür habe, wie ich diese Musik beschreiben soll. Also nutze ich nun eine Vielzahl!
Peter Löwe, der Sänger und einer der Gitarristen der Band, hat zwischendurch mal ein Solo-Singer-Songwriter-Album rausgebracht, welches ganz famos ist und hart zu empfehlen! „ein gutes leben“
Der Titeltrack ist auch der Eingangstrack und schnell merke ich, dass die Lyrics, so plakativ und direkt sich der Titel anhört, total lyrisch sind!
Emotionaler Punkrock, ein bisschen Lygo, ein bisschen Krawehl und atmen, weiter…
Immer wieder fällt mir auf, das die Band textlich nicht so allgemein, wie sich poetische Worte ja eigentlich um ein Thema schlängeln, sondern in ihren Aussagen sehr sozialkritisch.
„popschwein“ ist so ein sehr gutes Beispiel
und überlass jetzt nicht dem zufall
oder dem faschist
eingebunden in reihenfolgen
im geschichtsbuchtwist
komm wir setzen uns nochmal hin
und du erzählst mir dann, wie es morgen war
bin schon beim gestern implodiert
ist so wie beim streiten
über lottozahlen
Dieser Text hat etwas Rachut’sches, obwohl diese Worte mehr Poesie haben als das Vergleichende, was eben Rachut gerne machte.
Dann, bei „bestes kleid“, am Schluß – kann sich noch jemand an die wunderbare Band Barra Head erinnern? – mir wird ganz warm ums Herz, denn Elmar schütteln da einfach mal so nen megaguten Emo-Part aus den Ärmeln.
Ich dreh mal um, zweite Seite.
„astronaut“ ist ein Indie-Song, ein Liebeslied.
Und ich finde noch eine ganz tolle Textstelle:
ich wollte wissen, was das wort heißt
und ob es sich bewegt
ob mans teilen kann
und ob es hölt, was es verspricht
seufz. Schön.
Insgesamt spielt die Band gegen Hörgwohnheiten, hauen gute Riffs, Drive und tolle Texte ohne Ende raus, ohne dabei sofort den Zuhörer einnehmen zu wollen. Nein, sie wollen, dass wir ihrer Musik einnehmen.
Mach ich ja in meinem musikalischem Leben genauso. Und gerade solche Bands werden viel zu wenig gehört. Also tut es!
Elmar!
Sie lassen uns dann am Ende auch noch an einer Session teilhaben, irgendwer hackt auf das Klavier ein, alle singen im Chor, freundschaftlich, versöhnlich, ein schöner Schlußakkord.
Empfehlung des Monats!
Gibt es via Gunner Records in rotem Vinyl. Mit Textbeilage. Yummy. Oder bei der Band direkt. Erschienen 19.06.2026.