interview: #3 loser youth – punk, hamburg

Vorklapp:
Nach und nach werde ich – bis (in 2025 hatte ich euch nicht verraten, welches) Weihnachten – mal alle Printinterviews, auch längst verblichener Bands, hier online stellen. Ich pimp die noch ein wenig, Musik, Links, Fotos. IMMER DONNERSTAGS – zur Tea-Time.Auch die bereits veröffentlichten bekommen einen neuen Termin und werden angepasst.
Alle Ausgaben sind Out of Print und werden nicht wieder aufgelegt.
Ausgabe 13 eventuell in 2026!

 

Irgendwo im Inter-Netz schwirren Töne ohne Ende.
Und am richtigen Ende zieht man dann, wie an einer Schnur,
folgt, hört, schmeisst weg, verheddert sich, bleibt hängen,
hat irgendwann ne scheißcoole Scheibe in der Hand.
So geschehen bei LOSER YOUTH.
Ein kleine Tapeslabel namens UGA UGA TAPES hing mir am Haken
und ich bestellte mir das Magnetband von LOSER YOUTH.
Andreas hat mir ein paar digitale Fragen beantwortet:

PP:
Ich bin aufmerksam geworden auf euch mit dem Taperelease „live in der Elbdisharmonie“. Ist ja doch eine Weltreise von Hamburg nach Bühl. Da kriegt man dann immer nur die kleinen Häppchen der maroden Republik mit. Wie marode seid ihr?

LOSER YOUTH:
Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Frage richtig verstehe. Laut Google beschreibt das Wort ‚marode‘ ja den Zustand, dass man durch sein Verhalten zugelassen hat, dass etwas unbrauchbar und schlecht geworden ist.
Dass die Welt so kaputt ist, wie sie ist, liegt bestimmt mit daran, dass viele ihren Arsch nicht hochkriegen um was dagegen zu tun. Das fängt beim aktuellen Rechtsruck an und geht hin bis zur Zerstörung unserer Umwelt. Wir geben uns da allerdings schon ein bisschen Mühe, der ganzen Scheiße etwas entgegenzusetzen. Das ist aber auch immer nur im Rahmen unserer Möglichkeiten und unserer Motivation. In dem Sinne würde ich sagen, dass wir vielleicht nur moderat marode sind. Ist das in etwa, was du hören wolltest? „wink“-Emoticon

PP:
Ich denke da so wie Du. Es ist halt manchmal nicht klar, ob „die anderen“ einen dazu treiben, alles kaputt zu machen, oder ob man es ganz von allein tut, nur weil man halt so ein „Mensch“ ist. Esgeht dann halt doch weiter(:)
Das Cover eurer Platte zeigt euch auf dem Spielplatz. Was macht ihr da? Die eigentlich spannende Frage ist ja, wo guckt ihr hin?

LOSER YOUTH:
Ah, das Coverfoto. Das ist in Hamburg-Eidelstedt aufgenommen, wo wir aufgewachsen sind. Ganz ulkige Geschichte. Wir haben uns da einfach so spontan getroffen und ein paar Löcher in die Luft gestarrt und – ZACK – hatten wir ein Cover. Da ist nichts gestellt dran!!

PP:
„AstroPunksFuckOff“?

LOSER YOUTH:
Es geht in dem Song darum, dass Astrologie scheiße ist. Genauso wie Verschwörungstheorien, Religion oder diese neurechten Montagsmahnwachen. Versteh ich gar nicht, warum Leute bei soviel
Mist mitmachen.

PP:
Wie geht’s weiter bei euch? Mal ne Reise machen? Musik für ne neue Scheibe?

LOSER YOUTH:
Wir nehmen gerade ne neue Platte auf, die kommt irgendwann dieses Jahr bei Riot Bike Records raus – geiles DIY Label aus Norderstedt! Ansonsten spielen wir mal hier, mal da, wie man das halt tut als Punkband. Im Juni sind wir wahrscheinlich in der KTS in Freiburg, das ist ja quasi um die Ecke von Bühl, oder?

PP:
Jo isses! Wir werden weiterhin darüber berichten!
Danke fürs schreiben!

Nachklapp:
das ist dann wohl diese Platte geworden:

Die Band gibt es aktuell immer wieder. Thommy macht nur ganz doll viele andere Projekte und Bands, hier gibt es so einige im Review auch. Aktuell würd ich sagen Briefbombe und apéro. Beide Bands im Review hier und hier.
Was die andern in der Band so treiben, das weiß ich nicht.
In jedem Fall ist auch noch ein 15 Jahre Jubiläumszine raus, mit Interviews … warte mal… wieso ist denn dieses da nicht drin?
Hatte wohl keiner mehr!

7inch: twenty one children – s/t

Durch einen Timeline-Zufall auf twenty one children aufmerksam geworden.
In 2024 war in drei Wochen in Südafrika zwischen Johannesburg und Indischem Ozean unterwegs. Soweto haben wir dann auch einen touristischen Besuch abgestattet. Halt als weißer Touri auf Reisen zu zweit. Nach Soweto kommt man deshalb auch nur in einer kleinen Gruppe, die mit einem Kleinbus in das South Western Township reist mit Guides.
Wie ich lernen durfte, gibt es auch in Soweto eine Drei-Klassen-Gesellschaft. Die ganz Armen sind meist Mozambiquaner, die als Flüchtlinge im Außenbezirk in Wellblechhütten landen.
Die Mittelschicht hat ein (mehr oder weniger) befestigtes Haus oder Hütte mit (möglicherweise) Strom. Und die Upperclass hat ein Haus mit einem Zaun und Stacheldraht drumherum. Was aber nicht heißt, dass dort irgendwer nicht von der Hand in den Mund lebt oder die Gewalt und der Drogenkonsum nicht eklatante Folgen hätte!

Meine Timeline spülte eine Band an, deren Drummer das Set gegen eine Wand gestellt hat, damit es nicht wegrutscht. In seinem Rücken ein Gitarrist, der ordentlich schreddert und ein Sänger, meist in der Nähe der Handykamera/Mikrofon zu finden, ohne Mikro in der Hand.
Was allein schon mal ne Ansage ist. Was wir uns in unserer europäischen Bubble ja nicht mal vorstellen können, dass man so Musik macht.
Twenty One Children.
Und ein englisches Label namens Slovenly Recordings ist auf sie aufmerksam geworden und hat eine erste 7inch rausgebracht. Die selbstbetitelte 4-Track Single startet wie folgt:

Erster Song „ice cube“:
Ein wenig wie ein Kurzfilm. Ein wenig wirkt es, als ob ich die Lyrics dadurch endlich in einen ziemlich gutgelaunten Zusammenhang bringen kann.
Mal abgesehen davon, dass twenty one children mit ihrer minimalistischen Instrumentierung ganz schön davonbrettern.

Zackiger Song!
„talk shows“ und „let it doom“ sind sehr kurze Stücke, die in gewisser Weise einen anderen Stil haben, als die beiden Hits des Siebenzöllers.
Jeder Song hat ein bisschen eine andere Tonalität. Was ich mir eigentlich von jeder PUNKband wünschen würde, aber die wenigsten hier bekommen das überhaupt auf die Ketten. Dazu die jugendliche Ungestümtheit – saugut!

Vierter und letzter Song:
looney bin beginnt mit einer Therapiestudie in der Irrenanstalt „looney bin“ und zeigt im Folgenden, wie man sich aus Ingwer und diveren anderen Zutaten was Gutes zaubert.

Klar sind das, auch für uns privilegierten Europäer keine neuen Themen mehr. Doch der Kontext der „echten“ Subkultur fehlt den allermeisten hier.
Ich spüre die Frustration und Wut des Trios.
Ein wenig diametral zu dem, was da kommen wird. Album ist raus und sie betouren England, Frankreich, Deutschland,…. Dazu Interviews in großen Magazinen, unter anderem dem „The Guardian“ über die Skateszene sein den Mitt-Zehnern.
Die Band hat nicht diese extreme Angepisstheit vieler europäischer Bands sondern diesen afrikanischen Charme des Bunten und Fröhlichem. Derart Musik wird ja quasi nicht gespielt. Deswegen spielen sie fast nur auf der Strasse und ziehen halt auch Menschen an, die dort erstaunt dem Non-Konformistischen staundend beiwohnen.

twenty one children. LP Review folgt.
Platte kriegt ihr aus Berlin via BC-Bestellung!

 

fanzine: loser youth – 15 jahre

Zufällig bekomme ich das mit und lasse mir da sehr gerne postalisch zuschicken. Wie cool. Ich liiiiebe Jubiläen!

Tommy schickte mir das also.
Zuerst dachte ich, als ich es dann endlich zwischen meinen gierigen Fanzinerhänden rieb „wer liest n sowas eigentlich nochmal. alte Interviews, die man schon mal gelesen hat. und so n Zeug.“
Gute Frage, ob ich sie beantworten kann?
Kleine Notizen zu den einzelnen Releases.
Am witzigsten ist da schon die Geschichte um die 7inch „zwei mal halber hahn“. Es war tatsächlich recht schwer zu bekommen.
Heute verstehe ich warum: versehentlich haben die Loser Youth die ungemasterten Files ins Presswerk geschickt haben.
Was bei dem flotten Garage-Punk, den sie spielen eigentlich so gar nicht ins Gewicht fällt. Hörbar, meine ich. Die Mischung funktioniert(e) für mich.

Ein wenig scheint es die Brot-Fanzine-Gedenk-Grafik zu sein, die für dieses Zine nochmal zur Anwendung kam.
Schade, dass es das nicht mehr gibt, das war doch immer ganz amüsant zu lesen.
Ein aktuelles Interview mit Raffa von Alarmstufe Gerd, der inzwischen bei Streckmittel spielt (Platte hier im Review) – am Ende hängt ja dann doch alles zusammen. Denn die Loser Youth hat sich nach einem Song von Alarmstufe Gerd benannt.
Raffa spielte übrigens auch bei Los Gringos, einer Punk-Surf-Band. Voll gute Scheiben!
Es gibt so einiges an Sidefacts zu erfahren, zusammengerechnete Tourkilometer, Flyer/Artwork, Fotos und ein Kreuzworträtsel. Für die, die das Heft auch wirklich ganz gelesen haben, dort könnt ihr euch nochmal ein paar Punkte abholen!
Meldet euch via Facebook, so hab ichs gemacht. Geht auch bestimmt irgendwie anders.

Fazit:
Ich werd in eine Platte von ihnen stecken und wenn ich die dann in viiiielen Jahren wieder raushole, um sie zu hören, dann freue ich mich, wenn ich das nochmal so angucken und lesen kann.

konzert: release BLUTGRUPPE WIXXE + norton und dr. drexler project

Jessas. (Badisch für Herrgottsack). Das war ein famoses Lineup. Ich mag das total gerne, wenn da zwar überall „punk“ draufsteht, aber jede Band für sich einfach einen Unterschied macht.
Was euch jetzt noch nicht auf die Qualität dieses Abend hinweisen soll!

Norton aus der Schweiz, scheinbar schon desöfteren zu Gast in der Hackerei gewesen, starteten laut, mit fast zärtlich gehauchtem Gesang.
Es dauerte einen oder zwei Songs, bis der Sänger auf Betriebstemperatur war. Durchweg schöne Songs im Stil von Leatherface.
Der Drummer hat einen besonderen Stil zu spielen, die Bassistin immer konzentriert mit ihm die Songs voranzutreiben.

Dr. Drexler Project sind etwas Besonderes. Ich hatte ja, nachdem ich die letzte Platte hier reviewen durfte, eine Vorstellung, wieviele Leute da mindestens auf der Band stehen müssten.
Es waren 2 (zwei!) und ein Tapedeck. Ja, ein Tapedeck von…. sie hatten es mir verraten… etwas altes auf jeden Fall – Neckermann (Lachsmiley)?
Also vom Set-Up sowas wie die deutschen Lo-Fi Sleaford Mods.
Vom Auftreten und Textlichen aber eher weniger explizit dafür politischer und musikalisch eher so wie… Front oder Pisse.
Das Clownskostüm plus die exaltierte Art des Vortrags des durch die Kopfbedeckung unkenntlichen Sängers macht, dass die meisten im Publikum entweder vor Freude sofort einsteigen, oder mit offenem Mund stehenbleiben. Keine einfache Konsumierbarkeit garantiert!
Rausgegangen ist kaum jemand, was ich sehr gut fand.

Allerdings muss ich an dieser Stelle bemerken, dass bei der ersten Band kaum Leute drin waren, es sich bei der zweiten dann sehr langsam füllte.
Bei Blutgruppe Wixxe war der Laden schon ganz gut gefüllt mit ca. 70 Leuten.
Dr. Drexler Project tauschte dann noch ein paar Worte mit mir aus, ich besuchte sie am Merch.
Sehr interessante Menschen, die ihre Zeit und Kreativität komplett der Musik „opfern“: Bassist und Sänger betreiben auch gemeinsam Duophonic und haben eine der Pressmaschinen von Bieber, der noch flight13-duplication als Booker betreibt, aber auch Bassist ist in der folgenden Band:

Blutgruppe Wixxe hatte ich nun schon mal gesehen. Energiegeladene 30 Minuten Show. Fullspeed Hardcore-Punk mit französischen Texten und einer agilen Sängerin.
Heute mal kaum Ansagen dazwischen sondern von Anfang bis Ende Gebretter.
So stell ich mir das vor, wenn ne Hardcoreband auftritt: kurz & knackig!

Ein schöner Abend, an dem sich wiedereinmal gezeigt hat, dass in der Alten Hackerei immer wieder andere Menschen auftauchen, um sich gute (Punk)-Musik anzuschauen.

LP deutsche laichen – punk ist scheiße, punk ist toll

An Deutsche Laichen kann man sich sicher noch an das hübsche Cover mit der gepressten Zitrone erinnern.
Nach diesem ersten Album ist eine Weile vergangen, so sieben Jahre, und ich freute mich, wieder von der Band zu hören, bestellte mir das Album im Pastic-Bomb-Shop. Jetzt liegts hier.
Und mich strahlt ein KI-generiertes Cover an. Würg.
Aber gut, ich habe in der Zwischenzeit den Artikel von Ronja in eben dem Plastic Bomb gelesen und weiß, dass die Band das genau so wollte und eine Künstlerin Kimberly Maddox hat das mit Hilfe von KI erstellt.
Hier steht es auf dem Cover drauf. Finde ich gut so!

Allein der erste Song kickt mich schon so und ich sauge die Musik auf, höre durch, drehe um, drehe durch!
„beton“ beginnt so direkt und ohne Umschweife, ein vertontes Gedicht, toll!
„zelle“ ist ein Manifest für die Familie, was auch einfach die Gruppe Menschen sein, mit der man lebt und sich freut und schöne Dinge tut.
Zum Beispiel:

 

Auch ein ganz schönes Video.
Wäre das auf der ersten Platte schon so melancholisch gewesen. Dieser Mitgröhlrefrain, dieses fiese Poppige, was einfach kleben bleiben muss: eine Freude.
Erinnert mich an Tiger Magic. Ganz famose Combo.

„punk ist geil, punk ist scheiße“ überrascht mit Piano und dem Blickwinkel einer Frau von der Bühne aus gesehen.
Umgedreht ist „schmutzig“ als Coop mit Irem Karam, wobei ich nicht weiß (singen?), was sie oder er gemacht hat – es fehlt ein Textblatt. Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie schön das ist – und sei es nur ein kopierter Zettel – die Texte mitlesen zu können und herauszufinden, was die Band einem mitteilen möchte außerhalb der ganzen, lyrischen Worte.

Das Outro-Stück (feat. allpopp ((leicht mißzuverstehen für einen Badener, wie mich „allhopp“ sagt man hier schon mal, was eine Aufforderung ist, aufzustehen)) ist etwas, was ein wenig am Gesamtbild kratzt, denn ich verstehe das Lied nicht. Musikalisch, meine ich.
So ein bisschen Autotune, Elektro und holprigem Schlagzeug, Hardcore-Frauen- Gesang. Ha! und da fällt mir doch ein: Irem ist bei Anti-Corpos. Neulich ihre Platte hier reviewed. Zumindest das habe ich nun verstanden, puh.

Die Band aus Berlin wird schon noch einiges erleben, musikalisch absolut geeignet uns den Sommer auf manchen Bühnen zu verschönern.

Wohl erschienen bei einem Label namens pretty on the inside, allerdings über audiolith vertrieben. So wie sich das anschaut: das Bandeigene Label.

LP: the zsa zsa gabors – life’s routine

The Zsa Zsa Gabors, benannt nach einer US-Amerikanischen Schauspielerin, kommen aus Österreich und machen Power-Pop-Punk.

Gleich der Titelgebende Track des Albums „life’s rouine“ startet mit einer so honigschmalzenden Melodie in die 13 Songs, plus einer Singalong-Hook, dass mir vor lauter Zucker ganz bunt vor Augen wird.

Mal der Reihe nach.
Die Zsa Zsa Gabors gibt es nun seit über 10 Jahren und haben schon einige Releases rausgehauen.
Sie haben, glücklicherweise, ein Infosheet dabei, auf dem einige sehr gute Infos stehen, auf der andern Seite auch Linernotes und Texte. Allerdings sind die nicht unbedingt Deckungsgleich.
Mir geht es da vor allem als erstes um die KI – Inhalte, die sie generieren haben lassen – das Artwork – und dies auch klar kommunizieren.
Sie haben aktiv einen Song über den Umgang mit KI geschrieben und sind gegen eine Nutzung, bzw Beeinflussung der Musik.
Ich finde das total gut, allerdings weiß ich dann nicht, warum man das nicht gleich vorne auch auf Cover schreibt?
Ich stoße mich da aber eher dran, weil ja alles so vorgehen: niemand kennzeichnet ganz klar mit einem Sticker / Ettiket / wasimmer „KI-generiert“ oder so. Ich will das doch nicht immer selbst rausfinden.

„life’s routine“ ist das sechste Studioalbum. In der „kurzen“ Zeit doch ein recht bemerkenswerter Output.
Sie haben da wirklich gute Gedanken und reflektieren das Thema. Ist es DIE zukunftsweisende Technologie oder ist es ein Tool? Oder sollten wir uns das erstmal in Ruhe anschauen, wie das funktioniert.

Der Sound erinnert mich an die Neat Mentals, 77er Garage, allerdings sehr viel poppiger und eingängiger. Nach vorne gespielt, ja, Punk, man kann auf einem Konzert sicher das komplette Konzert von ihnen mit der Faust in der Luft, das Tanzbein schwingend, freudig mitgrölend verbringen.

Mit „the devil knows“ kommt ne astreine Rock’n’Roll Nummer, womit leider in meinen Ohren der Startschuß gegeben wird, dass die Band es nicht länger als eine Seite bei mir schaffen wird.
Versteht mich nicht falsch, die meisten Grindcore-Bands erzielen da ähnliche Ergebnisse.
„rich kids“ klingt etwas ernster, was ich zwischendurch mal als ganz gut empfinde!
Die Platte von den Zsa Zsa Gabors ist super durchkomponiert, komplett runder Sound!

Transparent blutrotes Vinyl mit schwarzen Schlieren, was richtig gut aussieht und super zum gesamten Artwork passt.
Bubble-Gum-Garage-Pop-Punk.
Im Grunde kann mensch nicht falsch liegen, wenn man auf melodische, eingängige Punkmucke steht.

Erschienen und zu haben bei Mad Butcher Records.

 

Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.

lesung: jan off im KOHI Karlsruhe 20.04.2026

Damit ich der Geschichte „ich fülle mein Printzine mit 80tausend Konzertberichten“, fang ich jetzt mal mit dem aktuellsten Ereignis an.
Und wenn ihr das lest, dann ist das ja auch schon wieder Tage her und am Ende hött ichs dann aber auch ins Zine packen können, dann wäre nur wieder irgendwer maulig geworden „wer will das denn alles lesen, wo der war“.

Der heutige Bericht handelt also von einem Autoren, der uns wissen ließ, dass er lieber vorgefährte Liegestütze hätte, als Applaus.
Nein, es geht niemand darauf ein.
Was der guten Stimmung von Jan aber absolut nicht abträglich ist. Denn natürlich reden wir am 20.04. über den Scheiß-Geburtstag von Scheiß-Hitler. Nicht ganz so unflätig wie ich jetzt gerade schreibe; muss gestehen, geht mir auf den Sack. Auch wenn es witzig gemeint ist.

Aber es geht heute um seinen neuen Roman Cumulus 2161, aus dem er uns drei Kapitel vorliest.
Als ich es gelesen habe, kam mir das wesentlich ernsthafter vor, als heute Abend. Ob das an seinen Entertainerqualitäten liegt?
Jedenfalls liest er so in etwa vom Anfang, Mitte und Ende ein Kapitel vor. Es wird immer blutrünstiger und er schafft es, einige davon zu überzeugen ein neues Buch zu kaufen.
Zeitweise habe ich, Anhand der Reaktionen, das Gefühl der Einzige zu sein, der Cumulus 2161 schon gelesen hat.

Vor einer kommenden Pause liest er dann noch ein oder zwei Kurzgeschichten vor, wir sprechen über Natursektspiele, vollgepinkelte Badewannen und hören, wie sich Vladimir Vladimirowitsch Putin selbst ficken kann und am Ende der Geschichte einpinkelt und sich dabei vorstellt es seien die Tränen …. nein, ich werde nicht alles verraten. Es ist wirklich wahnsinnig witzig!

Auch über die unvergleiche Sahra Wagenknecht gibt es eine herzerfrischende Kurzgeschichte namens „Warzenschwein gehabt“.
Ich bin begeistert, denn ich habe sehr viel von ihm gelesen und doch kenne ich nicht alles. Das freut mich.
Gegen Ende gibt es einen Text über 50 Jahre Punkrock zu hören, er erinnert sich da an ein Gesöff namens Mäusepisse (Korn + Milch) – lecker.
Da gehe ich mit ihm konform, die Kinder von heute haben (fast) nichts zu rebellieren und provozieren uns wohl eher mit ihren Bomberjacken als mit Punkrock. Schade auch.
Punkrock ist so viel bunter und lustiger. Egal wie alt.
Eigentlich ist es so, wenn ich diese persönliche Note hier einfügen darf, dass Punkrock am Anfang des Hörens und Erlebens nicht immer leicht zugänglich ist. Doch mit den Jahren wird es besser; man kann sich aussuchen, was einem gefällt, man kann still dabei sein oder Frontrow, man kann aktiv sein und Fanzines machen, Platten rausbringen, kein Instrument spielen können und trotzdem eine Band machen – ist das nicht geil?
Wider der schlechten Laune dieser Fascho-Deppen!
Für immer Punk.

 

LP: anti-corpos – backlash

Erstmal: saucooles Cover!
Und als die Musik läuft hab ich Bilder meiner Jugend vor Augen.
In den 90ern gab es einige Bands, leider meistens ohne weibliche Beteiligte, die einen derart krassen Lärm gemacht haben.
Damals gab es den Begriff Screamo auch noch nicht.
Aber laute Gitarren, Wände aus Zorn durch Mirkofon geschrieen, gerufen, und in diesem Fall von Anti-Corpos auch gesungen, Drums die Schläge richtig wegknallen.
omg. I love that!

Anti-Corpos sind eine all-female, queer-feministische Band aus Berlin, die ihre Ursprünge in Brasilien hat.
Ich bin fassungslos begeistert von dieser Band!
Der stürmische Sound, von drei Frauen in einer Düsternis und Energie vorgetragen, dass mir die Spucke erstmal wegbleibt.
„backlash“ ist das Resultat von 20 Jahren gemeinsamer Bandgeschichte, Anti-Corpos sind komplett an mir vorbeigegangen, bis jetzt!
Zeitweise waren sie wohl mal auch zu viert, wenn ich die Fotos richtig deute. Ich tauche tiefer ein ins Internet für eine Recherche.

Es ist nun also keine Band, die aus #punktoo oder aktuellen Diskussionen und Diskursen über den Anteil von Frauen in der Punkszene und der sehr männliche Umgang mit ihnen, entstanden ist. Diese Frauen stehen schon sehr lange genau dafür ein: ihre Rechte, ihre Lautstärke, diese vorzutragen. Sie haben sich 2002 in Brasilien gegründet und sind inzwischen in Berlin ansäßig.
Diese queere Band ist, ich habe mich kurz mal durch ihre üppige Diskographie bei Bandcamp gehört, gewachsen und ganz sicher lauter und wütender geworden. Sie haben wohl eher mal mit Straight-Edge-Hardcore angefangen, als mit dem dystopischen Hardcore, der auf dieser Platte seinen Ausbruch gefunden hat. Das liegt vermutlich am Weggang der Sängerin und der Gitarristin, denn nun haben sie eine neue Gitarristin, die das Trio komplettiert.
Adriessa Souza – Vocals/Bass (Eat My Fear, Dominatrix), Helena Krausz – Drums (Eat My Fear, Gegenüber), and Irem Kara – Vocals/Guitar, seit 2022 (Nervöus, Hoarse)
Der Sound ist richtig heavy und maximaler Output. Abwechslungsreich in den Vocals. Inhaltlich, „backlash“ bedeutet Gegenreaktion, ganz klar gegen Männlichkeit, gegen Rassismus und pro feministisch, vor allem aber mit einem Augenmerk darauf, als Südamerikanerinnen hier im weißen Europa unterwegs zu sein.

Triggerwarnung wg. Strobo-Effekten:

Das Label No Gods No Masters ist von Anfang Teil ihrer Reise. Und das ist eben in Brasilien angesiedelt. Ich kenne zwei Bands, die ich entdeckt habe, Renegades of Punk und Àgua. Give it a listen!
Zusätzlich sind Refuse Records (Europa-Release) und Emancypunx beteiligt.

Für meinen Teil als Mann empfinde ich die Musik von Anti-Corpos als Testo-geschwängerte, verzerrte Hardcoremusik, die den männlichen Kollegen in nichts nachsteht. Nur die Inhalte der Texte sind klar anders und sehr direkt formuliert.
Wie bspw in dem oben eingefügten Video.
Die erste Seite ist in meinen Ohren etwas bedachter, sie hat mehr Druck und Power im Sinner einer Tanzbarkeit. Und die zweite Seite ist mehr nach vorne gespielt, mehr geknüppelt.
Adriessa und Irem teilen sich die Vocals und das passt ins musikalische Konzept total gut rein. Es ist „nicht einfach nur“ wütend, sondern es knallt.
Meist kreisen die Songs um die zwei Minuten und Anti-Corpos holen im Songwriting raus, was in der Kürze der Zeit geht, fügen noch eine ordentliche Prise Gitarrenkrach dazu. Manchmal am Ende eines Songs ein kleiner Twist, der gut funktioniert und ein I-Tüpfelchen ist.

„scream for a change“ erzählt in einer persönlichen Weise von den dissonanten Akkorden, die man rausschreit, in seiner winzigen Welt, in der man unterwegs ist, man aber von diesem Wechsel träumt! Das unter der Oberfläche von Normen, von der Vorstellung von Körpern und Geschlechtern, dass es darunter eine Welt gibt, die ausbrechen sollte, Wirklichkeit werden!
Das, was viele falsch verstehen und dann als Linke Diktatur bezeichnen, aus Gründen der Ahnungslosigkeit „woke“ nicht verstehen wollen. Das diese schöne Welt, diese Liebe zum Vorschein kommen sollte; so hart und brutal sie sich auch mal anhört!
„migrant heart“ kann ich total nachvollziehen. Dass das Herz, dass aus einem anderen Land kommt, die Kälte sieht, spürt, die gerade immer größer wird in der Gesellschaft.

9 Songs. Emotionale Brachialität. Super produziert. Hochglanzcover. Schwarzes Vinyl und Textblatt. Gibt es auch in zwei farbigen Varianten bei Refuse Records (Link oben!)

Diese Review erscheint/erschien auch bei vinyl-keks

LP: spitlicker – s/t

In einer süßen, kleinen Facebook-Gruppe namens Punkfreaks bin ich auf die Band Spitlicker gestoßen. Ein ganz famos schlimmes Cover grinste mich an: kauf mich und hör die Mucke!
Ein wenig sieht es so aus, als hätte der eine dem andern gerade am Anus gerochen und würde sich nun darüber freuen.

Spitlicker sind eine vierköpfige Band, erschienen ist die Platte bei Aktiver Ausstand in Plastik, SM-Musik und eben Punkfreaks.
Ich leg die Platte auf und – entschuldigt das folgende, militaristische Bild, das ich zeichne – es wird in der Mitte eines Raumes ein Maschinengewehr aufgebaut und losgeballert. Mega!
Man wird mit total gutem Crust-Punk mit zynischen Texten beschossen, bis auch wirklich alle mindestens einmal getroffen wurden.
Die Songtitel sind auch erwähnenswert „natural born asozial“, vielleicht auch nur was für so alte FIlmhasen, wie mich, der da gleich den Film von Oliver Stone im Sinn hat „natural born killers“.
Jedenfalls „revolutionsausverkauf“ und „haben ist besser als brauchen“ sind ganz wunderbare Beispiele für scharf geschossene Worte.
In „masken“ die Aufforderung, die Dinger einfach aufzubehalten (ja! ja!, wie hab ich mir das gewünscht!), denn die Luete haben sich ihre hohlen Worte ja eh nur bei Facebook abgeholt.
Ganz weit vorne „haben ist besser als brauchen“

ich will das haben, was du brauchst
ich brauch es nicht, will es nur haben
will es haben, damit du es nicht haben kannst
und lass es in der ecke des regal verstauben
haben ist besser als brauchen, das hat schon meine mama gesagt
haben ist besser als brauchen, und was du hast, das hast du.

Ein Beiblatt mit abgerundeten Ecken ist in the Inside mit Fotos und Texten.
Sehr cooler DIY-Release. Dieses bewusst Asoziale von Hammerhead in den 90ern nach 4 Jahrzehnte später geschleppt und mit einem Vorschlaghammer ins Aufnahmegerät gezimmert. Jeder Song ein Nagel an deinem Sarg der Gewöhnlichkeit.

 

LP: alcoholic breakdance massacre – sucht und ordnung

ABM, was in diesem Fall Alcoholic Breakdance Massacre heißt, habe ich ne Platte zugeschickt bekommen.
Und hier kommt nun meine unqualifizierte Meinung dazu, respektive, hohl aneinandergerehte Worte, die dem geneigten Leser das Gefühl geben, ich hätte diese Platte angehört.
Zum 25ten Jubiläum haben sie ihre dritte LP „sucht und ordnung“ rausgebracht. Es sscheint offensichtlich, dass ABM sich mehr mit der Sucht beschäftigen, als mit der Ordnung, würden sie nicht sonst mehr Songs schreiben?
Oder ist das auf dieser Platte enthaltene Liedgut etwa extraordinär, eine Aneinanderreihung von Kleinoden des Deutschpunk?

Ich werde angeschrieben mit: „ich tu mich etwas schwer mit selbstdarstellungen, hier ein versuch: (…)“
Und ich tue mich immer etwas schwer mit Reviews, hehe, hier ein Versuch:

Im Frühjahr 2024 wurde diese Platte aufgenommen.
Huch, ja, die Töne schallen los, es ist Deutschpunk.
Streetpunk, vielleicht. Einverstanden?
Sehr zynisch in der Wortwahl, es wird auch innerhalb der Punkszene ausgeteilt. Die Band kommt, wenn ich das richtig zuordne, aus dem Havelland und man ist da schon ein sehr eingeschworener Zirkel punkiger Menschen. Falls es dort eine Szene gab, ist sie inzwischen ordentlich geschrumpft und ich nehme an, man kann dort noch entweder Fascho werden oder Zyniker.
Hier also die Zyniker von ABM. Sie kleiden ihre Texte in einen Sound, der nicht gleich nach Deutschpunk klingt, auch nicht glattgebügelt ist, einfach seine Eigenheit hat. Recorded and mixed von/bei Moon Records.
Die Gitarre etwas sägender, dafür der Bass eher klar im Sound.

„mittelschicht“ finde ich einen ganz guten Song, ja, doch.
Ab und zu driften sie in Ska-Off-Beat- Parts.
Auf dem Textbeiblatt sind jede Menge Flyer abgedruckt; und eben auch die Texte.
12 Songs und ein bisschen Skapunk, finde es ist oke geworden.

Hab leider keinen aktuellen BC Link für euch. Hier die letzte VÖ „klassenkampf und drogen“
Wer den Eindruck hat, ich hätte die Platte gar nicht gehört, weil ich zu wenig auf einzelne Songs eingehe, der möge sie sich bitte bestellen und selbst hören.

Die Band hat – ganz klassisch, will man schon sagen – eine Homepage und dort gibt es die Platte auf schwarzem Vinyl zu erwerben. Wohl auch als MC (Zehnagel Records) oder CD.
Alcoholic Breakdance Massacre