interview: #4 – brutale gruppe 5000 – synthpunk – hamburg (r.i.p.)

BRUTALE GRUPPE 5000

Das kleine Provinzische Fragespiel. Voll lustig.

Wer seid ihr?

BRUTALE GRUPPE 5000 besteht aus KEM TRAIL, TO:MARS, EGON LASER & RADIOAKTIV MNNN.

PP:
Totale Spinner oder freie Radikale?

BG 5000:
Antioxidantien schützen den Körper vor freien Radikalen, welche als krebserregend einzustufen sind. Antioxidantien sind insbesondere in Obst und Gemüse enthalten. BRUTALE GRUPPE 5000 positioniert sich für den Verzehr von Obst und Gemüse, selbstverständlich ohne gentechnische Veränderung und nach Möglichkeit nicht käuflich erworben.

PP:
Look oder Einheit?

BG5000:
Die Einheit, zum Beispiel die deutsche Einheit braucht kein Mensch.
Jeder Mensch ist illegal und Schuld an der Misere. Wer zu einem bestimmten Zeitpunkt in einem bestimmten Gebiet geboren wurde, gehört automatisch einer Nation an. Viele Menschen schmieren sich anschließend zu willkürlichen Anlässen wie zum Beispiel der Fußball Weltmeisterschaft ihre Nationalfarben ins Gesicht. Oder erschießen ihre Nachbarn. Oder beuten sie aus. Das ist nicht nur ein scheiß Look sondern soll darüber hinaus den Eindruck von Einheit suggerieren.
Das ist scheiße. Also: Weder Look, noch Einheit!

PP:
Schnell oder laut?

BG5000:
Da das eine die unkonkrete Beschreibung von Geschwindigkeit und das andere ein Ausdruck subjektiven Empfindens von Lautstärke ist, ist es sehr schwer eine Entscheidung zu treffen.
Beides in Kombination hingegen stellt eine gute Wahl von Kriterien hochqualitativer Punkmusik dar. Beides!

PP:
Casio oder Yamaha?

BG5000:
BRUTALE GRUPPE 5000 verwendet unter anderem einen Synthesizer der Marke Casio.
Dieser fand seinen Weg rein zufällig in den Proberaum, sodass sich diese Frage vorerst nicht stellte. Die Bassgitarre, die ebenso zufällig den Weg zu RADIOAKTIV MNNN fand, wurde vom Hersteller Yamaha fabriziert. Danke an die lieben Menschen, die diese Geschenke brachten. Beides!

PP:
Vergangenheit oder Zukunftsmaschine?

BG5000:
Die Vergangenheit ist keine Zukunftsmaschine, sondern die Zukunft ist eigentlich eine Vergangenheitsmaschine.
Die Zukunftsmaschine benutzt Gegenwart und Zeit zur Produktion von Vergangenheit.
Sie ist ein Perpetuum Mobile.
Die Zukunftsmaschine II ist eine Maschine, die aus Pflastersteinen, Fischgräten, bunten Bällen und Faktor X (der in einem Pappkarton geliefert wurde) ein Produkt herstellt: Schwebende, rosafarbene Wölkchen. Einäugig und mit einem Reisverschluss als Mund.

PP:
Amon Düül oder Kraftklub?

BG5000:
Ganz klar Amon Düül. Improvisierte Anti-Musiker*innen mit mehr Besetzungswechseln als Songstrukturen sind weitaus sympathischer als ne Bande gut promoteter Jungs, die beim Echo und 1 Live Preise abräumt. Im Zweifelsfall: Arno X Dübel!

PP:
Blume oder Blümchen?

BG5000:
„Ich will keine Blume sein, verdammt!“, dachte sich wohl auch Jasmin Wagner und legte im November 2000 ihr Amt als Blümchen nieder. Vielleicht hat sie was mit dem Song von BRUTALE GRUPPE 5000 zu tun, vielleicht aber auch nicht.

PP:
Dinosaurier oder Prophet?

BG5000:
Jede*r Prophet*in verkündet die Botschaft ihrer/seiner Vision, die er/sie von ihrer/seiner Gottheit erhalten hat. Wenn die Gottheit in Ordnung ist: Warum nicht? Wenn die Gottheit, wie in den meisten Fällen, nur Kackscheiße verlangt heißt es weiterhin: Fuck Off! Ich bin Atheist*in.

PP:
Brutal oder Banal?

BG5000:
Das Wort brutal lässt sich indirekt ableiten von Marcus Iunius Brutus, der einer der Mörder von Caesar war. Nicht, dass BRUTALE GRUPPE 5000 in irgendeiner Weise Mord befürworten würden, aber bei Riesenarschlöchern wie Gaius Julius Caesar muss differenziert werden. Du stehst also wieder vor dem moralischen Dilemma: Würdest du eine geringere Zahl Menschenleben beenden um dadurch eine größere Zahl Menschenleben zu retten?

PP:
Herzlichen Dank!

Randnotiz:
mit wem ich dieses Interview führt, schriftlich, kann ich nicht mehr nachvollziehen.
Vielleicht war es, ein weiteres Mal, der umtriebige Kem Trail, spielt er doch auch (aka Tommy) bei Loser Youth, Aperó und einigen Bands und Projekten mehr.

 

 

LP: panikraum – selbst

Die Mönchengladbacher Band Panikraum starten mit einem echt starken Song in ihr neues Album „selbst“.
Nach dem ersten Release „kopfkino“ 2017 ein lang erwartetes Lebenszeichen. Zwischendurch gab es mal ein paar Livesongs, auf dem auch schon erste Lieder des aktuellen Albums zu hören sind:

Da sich die Band konsequent unter das Radar begibt, ist es gar nicht so leicht, ein paar Infos zusammenzutragen.
Der erste Song also ist der titelgebende Track und startet mit der simplen Feststellung, dass ich ich bin und ich so bleiben werde. Ein standfestes „ich“.
Das gefällt manchen so gut, dass sie ein Sonett dazu schreiben, wie Swen bei Duisburch.

Eine einfache Melodie, die mich sofort in den Arm nimmt, nicht zu draufgesetzt, nicht verhuscht im Hintergrund. Und so läuft das ganze Album!
Die Texte handeln vom Leben, was man erlebt, und manchmal auch etwas mystisch in „dämonenname“ endet. Alexanders‘ Worte sollen stärken, aufbauen, nachdenklich stimmen,
Das Artwork ist von ruth, die auch schon bspw das Artwork für Klotzs gestaltet hat. Und dieser Band wiederum, haben Panikraum einen Songtitel gewidmet „klotzs am bein“. Und ein paar Wortverwendungen von Titeln und Zitaten findet sich auch noch in „pech & frevel“. (also ich hab den Zusammenhang geschnallt – bin gespannt, ob ihr auch!)
Panikraum und Klotzs scheinen ein enges Verhältnis zu haben!

Ich weiß, dass es noch mehr Songs gibt, die in der Pipeline liegen und drauf warten aufgenommen zu werden.
Schaut, ob ihr irgendwo mitbekommt, ob sie spielen, live wirklich mit Power!

Gibt es bei Majorlabel auf weissem Vinyl im inside/out Cover mit Textblatt.
Und da ich ein wenig die Promo übernommen habe, bekommt ihr das Album digital unter dem Bandcamp-Link:

 

doku: schleimkeim – otze und die ddr von unten

Zufälligerweise habe, fast auf den Tag genau, 21 Jahre nach dem Tod von Otze diese DVD eingelegt und angeschaut.
Hatte es leider zeitlich nicht, in eines der paar wenigen Kinos geschafft, in denen der Film lief. Unter der Woche und so… Schleimkeim-Doku.

Auch vorweg nehme ich: als Anfang / Mitte der 90er mein Einstieg in Punk und Hardcoremusik passierte, diese Ersthörer-Bands wie Normahl oder Abstürzende Brieftauben hinter mir lagen, hatte ich Schleimkeim abgelehnt wegen schlechtem Sound. Ohne eine Sekunde mal einen Kontext zwischen Sound und Geschichte der Band herzustellen. Ich dachte nur: was für ein Geschrammel und was macht der Sänger eigentlich mit seiner Stimme?
Nun kann ich das ja mal nachholen.

So ganz lang Rückblickend sind ein paar Songs doch recht gut gelungen und wir coverten, weil unser Trommler damals bei unsere ersten Band hünersüppchen derbe auf SK stand, „in die kneipe zur trocknen kehle„. Im Grunde haben wir aber, hier, knapp 40km von der Französischen Grenze, nicht kapiert, was „drüben“ abgegangen ist.

Nun aber zur Doku. Diese hat Jan Heck, ein vergleichbar junger Mensch, denn als er geboren wurde, steckte ich eben schon in der Pubärtätertätätät, recherchiert und gefilmt.

Jan trifft sich und spricht mit Lippe und Hagen, Höhnie (von Höhnie Records), Abse und Speiche, Geralf Pochop.
Diese Freunde, Weggefährten ein so bodenständiges Bild eines teilweise echt irren Punks zeichnen, ohne ihn zu glorifizieren. Sinngemäß sagt Speiche, dass immer etwas von Otze bleiben wird. Dass man seine Texte noch singt.
Keiner von ihnen stilisiert ihn hoch, kein Elvis oder Kurt Cobain.
Einfach Otze, aus Stotternheim.

Etwas was ich in der Doku vermisste, war mehr zur Geschichte in der DDR, wobei die Andeutungen schon ausreichend sind, denn man kann sich bspw auch und vor allem durch Menschen wie Geralf Pochop richtig tief einlesen in die Geschichte der Punks. Genügend Dokus findet ihr dazu auch bei youtube (hier mal meine kleine punk-film-liste)
Es ist so vieles, was die Wessis sich nicht vorstellen können (und konnten?), dass die ersten zwei, drei Jahre nach der Wende für Punks aus der DDR das Paradies gewesen sein müssen: jede Menge rechtsfreier Raum!
Und dann kamen die neuen Repressionen.

Ich muss das ja gar nicht einordnen.
Die Doku ist nicht überbordend poppig gemacht. Eine schöne Anmutung der 80/90er Jahre, man kriegt ein Gefühl dafür, was es gerade mal so gab zu dieser Zeit unter diesen Umständen.
Schwarz/Weiß Bilder, sehr wenig Filmmaterial und die Bilder, die Jan Heck filmt, tragen durch ihre Tristesse diesen Vibe in die heutige Zeit.

Ich find sie großartig.
Krigta hier

 

interview: #3 loser youth – punk, hamburg

Vorklapp:
Nach und nach werde ich – bis (in 2025 hatte ich euch nicht verraten, welches) Weihnachten – mal alle Printinterviews, auch längst verblichener Bands, hier online stellen. Ich pimp die noch ein wenig, Musik, Links, Fotos. IMMER DONNERSTAGS – zur Tea-Time.Auch die bereits veröffentlichten bekommen einen neuen Termin und werden angepasst.
Alle Ausgaben sind Out of Print und werden nicht wieder aufgelegt.
Ausgabe 13 eventuell in 2026!

 

Irgendwo im Inter-Netz schwirren Töne ohne Ende.
Und am richtigen Ende zieht man dann, wie an einer Schnur,
folgt, hört, schmeisst weg, verheddert sich, bleibt hängen,
hat irgendwann ne scheißcoole Scheibe in der Hand.
So geschehen bei LOSER YOUTH.
Ein kleine Tapeslabel namens UGA UGA TAPES hing mir am Haken
und ich bestellte mir das Magnetband von LOSER YOUTH.
Andreas hat mir ein paar digitale Fragen beantwortet:

PP:
Ich bin aufmerksam geworden auf euch mit dem Taperelease „live in der Elbdisharmonie“. Ist ja doch eine Weltreise von Hamburg nach Bühl. Da kriegt man dann immer nur die kleinen Häppchen der maroden Republik mit. Wie marode seid ihr?

LOSER YOUTH:
Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Frage richtig verstehe. Laut Google beschreibt das Wort ‚marode‘ ja den Zustand, dass man durch sein Verhalten zugelassen hat, dass etwas unbrauchbar und schlecht geworden ist.
Dass die Welt so kaputt ist, wie sie ist, liegt bestimmt mit daran, dass viele ihren Arsch nicht hochkriegen um was dagegen zu tun. Das fängt beim aktuellen Rechtsruck an und geht hin bis zur Zerstörung unserer Umwelt. Wir geben uns da allerdings schon ein bisschen Mühe, der ganzen Scheiße etwas entgegenzusetzen. Das ist aber auch immer nur im Rahmen unserer Möglichkeiten und unserer Motivation. In dem Sinne würde ich sagen, dass wir vielleicht nur moderat marode sind. Ist das in etwa, was du hören wolltest? „wink“-Emoticon

PP:
Ich denke da so wie Du. Es ist halt manchmal nicht klar, ob „die anderen“ einen dazu treiben, alles kaputt zu machen, oder ob man es ganz von allein tut, nur weil man halt so ein „Mensch“ ist. Esgeht dann halt doch weiter(:)
Das Cover eurer Platte zeigt euch auf dem Spielplatz. Was macht ihr da? Die eigentlich spannende Frage ist ja, wo guckt ihr hin?

LOSER YOUTH:
Ah, das Coverfoto. Das ist in Hamburg-Eidelstedt aufgenommen, wo wir aufgewachsen sind. Ganz ulkige Geschichte. Wir haben uns da einfach so spontan getroffen und ein paar Löcher in die Luft gestarrt und – ZACK – hatten wir ein Cover. Da ist nichts gestellt dran!!

PP:
„AstroPunksFuckOff“?

LOSER YOUTH:
Es geht in dem Song darum, dass Astrologie scheiße ist. Genauso wie Verschwörungstheorien, Religion oder diese neurechten Montagsmahnwachen. Versteh ich gar nicht, warum Leute bei soviel
Mist mitmachen.

PP:
Wie geht’s weiter bei euch? Mal ne Reise machen? Musik für ne neue Scheibe?

LOSER YOUTH:
Wir nehmen gerade ne neue Platte auf, die kommt irgendwann dieses Jahr bei Riot Bike Records raus – geiles DIY Label aus Norderstedt! Ansonsten spielen wir mal hier, mal da, wie man das halt tut als Punkband. Im Juni sind wir wahrscheinlich in der KTS in Freiburg, das ist ja quasi um die Ecke von Bühl, oder?

PP:
Jo isses! Wir werden weiterhin darüber berichten!
Danke fürs schreiben!

Nachklapp:
das ist dann wohl diese Platte geworden:

Die Band gibt es aktuell immer wieder. Thommy macht nur ganz doll viele andere Projekte und Bands, hier gibt es so einige im Review auch. Aktuell würd ich sagen Briefbombe und apéro. Beide Bands im Review hier und hier.
Was die andern in der Band so treiben, das weiß ich nicht.
In jedem Fall ist auch noch ein 15 Jahre Jubiläumszine raus, mit Interviews … warte mal… wieso ist denn dieses da nicht drin?
Hatte wohl keiner mehr!

7inch: twenty one children – s/t

Durch einen Timeline-Zufall auf twenty one children aufmerksam geworden.
In 2024 war in drei Wochen in Südafrika zwischen Johannesburg und Indischem Ozean unterwegs. Soweto haben wir dann auch einen touristischen Besuch abgestattet. Halt als weißer Touri auf Reisen zu zweit. Nach Soweto kommt man deshalb auch nur in einer kleinen Gruppe, die mit einem Kleinbus in das South Western Township reist mit Guides.
Wie ich lernen durfte, gibt es auch in Soweto eine Drei-Klassen-Gesellschaft. Die ganz Armen sind meist Mozambiquaner, die als Flüchtlinge im Außenbezirk in Wellblechhütten landen.
Die Mittelschicht hat ein (mehr oder weniger) befestigtes Haus oder Hütte mit (möglicherweise) Strom. Und die Upperclass hat ein Haus mit einem Zaun und Stacheldraht drumherum. Was aber nicht heißt, dass dort irgendwer nicht von der Hand in den Mund lebt oder die Gewalt und der Drogenkonsum nicht eklatante Folgen hätte!

Meine Timeline spülte eine Band an, deren Drummer das Set gegen eine Wand gestellt hat, damit es nicht wegrutscht. In seinem Rücken ein Gitarrist, der ordentlich schreddert und ein Sänger, meist in der Nähe der Handykamera/Mikrofon zu finden, ohne Mikro in der Hand.
Was allein schon mal ne Ansage ist. Was wir uns in unserer europäischen Bubble ja nicht mal vorstellen können, dass man so Musik macht.
Twenty One Children.
Und ein englisches Label namens Slovenly Recordings ist auf sie aufmerksam geworden und hat eine erste 7inch rausgebracht. Die selbstbetitelte 4-Track Single startet wie folgt:

Erster Song „ice cube“:
Ein wenig wie ein Kurzfilm. Ein wenig wirkt es, als ob ich die Lyrics dadurch endlich in einen ziemlich gutgelaunten Zusammenhang bringen kann.
Mal abgesehen davon, dass twenty one children mit ihrer minimalistischen Instrumentierung ganz schön davonbrettern.

Zackiger Song!
„talk shows“ und „let it doom“ sind sehr kurze Stücke, die in gewisser Weise einen anderen Stil haben, als die beiden Hits des Siebenzöllers.
Jeder Song hat ein bisschen eine andere Tonalität. Was ich mir eigentlich von jeder PUNKband wünschen würde, aber die wenigsten hier bekommen das überhaupt auf die Ketten. Dazu die jugendliche Ungestümtheit – saugut!

Vierter und letzter Song:
looney bin beginnt mit einer Therapiestudie in der Irrenanstalt „looney bin“ und zeigt im Folgenden, wie man sich aus Ingwer und diveren anderen Zutaten was Gutes zaubert.

Klar sind das, auch für uns privilegierten Europäer keine neuen Themen mehr. Doch der Kontext der „echten“ Subkultur fehlt den allermeisten hier.
Ich spüre die Frustration und Wut des Trios.
Ein wenig diametral zu dem, was da kommen wird. Album ist raus und sie betouren England, Frankreich, Deutschland,…. Dazu Interviews in großen Magazinen, unter anderem dem „The Guardian“ über die Skateszene sein den Mitt-Zehnern.
Die Band hat nicht diese extreme Angepisstheit vieler europäischer Bands sondern diesen afrikanischen Charme des Bunten und Fröhlichem. Derart Musik wird ja quasi nicht gespielt. Deswegen spielen sie fast nur auf der Strasse und ziehen halt auch Menschen an, die dort erstaunt dem Non-Konformistischen staundend beiwohnen.

twenty one children. LP Review folgt.
Platte kriegt ihr aus Berlin via BC-Bestellung!

 

fanzine: loser youth – 15 jahre

Zufällig bekomme ich das mit und lasse mir da sehr gerne postalisch zuschicken. Wie cool. Ich liiiiebe Jubiläen!

Tommy schickte mir das also.
Zuerst dachte ich, als ich es dann endlich zwischen meinen gierigen Fanzinerhänden rieb „wer liest n sowas eigentlich nochmal. alte Interviews, die man schon mal gelesen hat. und so n Zeug.“
Gute Frage, ob ich sie beantworten kann?
Kleine Notizen zu den einzelnen Releases.
Am witzigsten ist da schon die Geschichte um die 7inch „zwei mal halber hahn“. Es war tatsächlich recht schwer zu bekommen.
Heute verstehe ich warum: versehentlich haben die Loser Youth die ungemasterten Files ins Presswerk geschickt haben.
Was bei dem flotten Garage-Punk, den sie spielen eigentlich so gar nicht ins Gewicht fällt. Hörbar, meine ich. Die Mischung funktioniert(e) für mich.

Ein wenig scheint es die Brot-Fanzine-Gedenk-Grafik zu sein, die für dieses Zine nochmal zur Anwendung kam.
Schade, dass es das nicht mehr gibt, das war doch immer ganz amüsant zu lesen.
Ein aktuelles Interview mit Raffa von Alarmstufe Gerd, der inzwischen bei Streckmittel spielt (Platte hier im Review) – am Ende hängt ja dann doch alles zusammen. Denn die Loser Youth hat sich nach einem Song von Alarmstufe Gerd benannt.
Raffa spielte übrigens auch bei Los Gringos, einer Punk-Surf-Band. Voll gute Scheiben!
Es gibt so einiges an Sidefacts zu erfahren, zusammengerechnete Tourkilometer, Flyer/Artwork, Fotos und ein Kreuzworträtsel. Für die, die das Heft auch wirklich ganz gelesen haben, dort könnt ihr euch nochmal ein paar Punkte abholen!
Meldet euch via Facebook, so hab ichs gemacht. Geht auch bestimmt irgendwie anders.

Fazit:
Ich werd in eine Platte von ihnen stecken und wenn ich die dann in viiiielen Jahren wieder raushole, um sie zu hören, dann freue ich mich, wenn ich das nochmal so angucken und lesen kann.

konzert: release BLUTGRUPPE WIXXE + norton und dr. drexler project

Jessas. (Badisch für Herrgottsack). Das war ein famoses Lineup. Ich mag das total gerne, wenn da zwar überall „punk“ draufsteht, aber jede Band für sich einfach einen Unterschied macht.
Was euch jetzt noch nicht auf die Qualität dieses Abend hinweisen soll!

Norton aus der Schweiz, scheinbar schon desöfteren zu Gast in der Hackerei gewesen, starteten laut, mit fast zärtlich gehauchtem Gesang.
Es dauerte einen oder zwei Songs, bis der Sänger auf Betriebstemperatur war. Durchweg schöne Songs im Stil von Leatherface.
Der Drummer hat einen besonderen Stil zu spielen, die Bassistin immer konzentriert mit ihm die Songs voranzutreiben.

Dr. Drexler Project sind etwas Besonderes. Ich hatte ja, nachdem ich die letzte Platte hier reviewen durfte, eine Vorstellung, wieviele Leute da mindestens auf der Band stehen müssten.
Es waren 2 (zwei!) und ein Tapedeck. Ja, ein Tapedeck von…. sie hatten es mir verraten… etwas altes auf jeden Fall – Neckermann (Lachsmiley)?
Also vom Set-Up sowas wie die deutschen Lo-Fi Sleaford Mods.
Vom Auftreten und Textlichen aber eher weniger explizit dafür politischer und musikalisch eher so wie… Front oder Pisse.
Das Clownskostüm plus die exaltierte Art des Vortrags des durch die Kopfbedeckung unkenntlichen Sängers macht, dass die meisten im Publikum entweder vor Freude sofort einsteigen, oder mit offenem Mund stehenbleiben. Keine einfache Konsumierbarkeit garantiert!
Rausgegangen ist kaum jemand, was ich sehr gut fand.

Allerdings muss ich an dieser Stelle bemerken, dass bei der ersten Band kaum Leute drin waren, es sich bei der zweiten dann sehr langsam füllte.
Bei Blutgruppe Wixxe war der Laden schon ganz gut gefüllt mit ca. 70 Leuten.
Dr. Drexler Project tauschte dann noch ein paar Worte mit mir aus, ich besuchte sie am Merch.
Sehr interessante Menschen, die ihre Zeit und Kreativität komplett der Musik „opfern“: Bassist und Sänger betreiben auch gemeinsam Duophonic und haben eine der Pressmaschinen von Bieber, der noch flight13-duplication als Booker betreibt, aber auch Bassist ist in der folgenden Band:

Blutgruppe Wixxe hatte ich nun schon mal gesehen. Energiegeladene 30 Minuten Show. Fullspeed Hardcore-Punk mit französischen Texten und einer agilen Sängerin.
Heute mal kaum Ansagen dazwischen sondern von Anfang bis Ende Gebretter.
So stell ich mir das vor, wenn ne Hardcoreband auftritt: kurz & knackig!

Ein schöner Abend, an dem sich wiedereinmal gezeigt hat, dass in der Alten Hackerei immer wieder andere Menschen auftauchen, um sich gute (Punk)-Musik anzuschauen.

LP deutsche laichen – punk ist scheiße, punk ist toll

An Deutsche Laichen kann man sich sicher noch an das hübsche Cover mit der gepressten Zitrone erinnern.
Nach diesem ersten Album ist eine Weile vergangen, so sieben Jahre, und ich freute mich, wieder von der Band zu hören, bestellte mir das Album im Pastic-Bomb-Shop. Jetzt liegts hier.
Und mich strahlt ein KI-generiertes Cover an. Würg.
Aber gut, ich habe in der Zwischenzeit den Artikel von Ronja in eben dem Plastic Bomb gelesen und weiß, dass die Band das genau so wollte und eine Künstlerin Kimberly Maddox hat das mit Hilfe von KI erstellt.
Hier steht es auf dem Cover drauf. Finde ich gut so!

Allein der erste Song kickt mich schon so und ich sauge die Musik auf, höre durch, drehe um, drehe durch!
„beton“ beginnt so direkt und ohne Umschweife, ein vertontes Gedicht, toll!
„zelle“ ist ein Manifest für die Familie, was auch einfach die Gruppe Menschen sein, mit der man lebt und sich freut und schöne Dinge tut.
Zum Beispiel:

 

Auch ein ganz schönes Video.
Wäre das auf der ersten Platte schon so melancholisch gewesen. Dieser Mitgröhlrefrain, dieses fiese Poppige, was einfach kleben bleiben muss: eine Freude.
Erinnert mich an Tiger Magic. Ganz famose Combo.

„punk ist geil, punk ist scheiße“ überrascht mit Piano und dem Blickwinkel einer Frau von der Bühne aus gesehen.
Umgedreht ist „schmutzig“ als Coop mit Irem Karam, wobei ich nicht weiß (singen?), was sie oder er gemacht hat – es fehlt ein Textblatt. Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie schön das ist – und sei es nur ein kopierter Zettel – die Texte mitlesen zu können und herauszufinden, was die Band einem mitteilen möchte außerhalb der ganzen, lyrischen Worte.

Das Outro-Stück (feat. allpopp ((leicht mißzuverstehen für einen Badener, wie mich „allhopp“ sagt man hier schon mal, was eine Aufforderung ist, aufzustehen)) ist etwas, was ein wenig am Gesamtbild kratzt, denn ich verstehe das Lied nicht. Musikalisch, meine ich.
So ein bisschen Autotune, Elektro und holprigem Schlagzeug, Hardcore-Frauen- Gesang. Ha! und da fällt mir doch ein: Irem ist bei Anti-Corpos. Neulich ihre Platte hier reviewed. Zumindest das habe ich nun verstanden, puh.

Die Band aus Berlin wird schon noch einiges erleben, musikalisch absolut geeignet uns den Sommer auf manchen Bühnen zu verschönern.

Wohl erschienen bei einem Label namens pretty on the inside, allerdings über audiolith vertrieben. So wie sich das anschaut: das Bandeigene Label.

LP: the zsa zsa gabors – life’s routine

The Zsa Zsa Gabors, benannt nach einer US-Amerikanischen Schauspielerin, kommen aus Österreich und machen Power-Pop-Punk.

Gleich der Titelgebende Track des Albums „life’s rouine“ startet mit einer so honigschmalzenden Melodie in die 13 Songs, plus einer Singalong-Hook, dass mir vor lauter Zucker ganz bunt vor Augen wird.

Mal der Reihe nach.
Die Zsa Zsa Gabors gibt es nun seit über 10 Jahren und haben schon einige Releases rausgehauen.
Sie haben, glücklicherweise, ein Infosheet dabei, auf dem einige sehr gute Infos stehen, auf der andern Seite auch Linernotes und Texte. Allerdings sind die nicht unbedingt Deckungsgleich.
Mir geht es da vor allem als erstes um die KI – Inhalte, die sie generieren haben lassen – das Artwork – und dies auch klar kommunizieren.
Sie haben aktiv einen Song über den Umgang mit KI geschrieben und sind gegen eine Nutzung, bzw Beeinflussung der Musik.
Ich finde das total gut, allerdings weiß ich dann nicht, warum man das nicht gleich vorne auch auf Cover schreibt?
Ich stoße mich da aber eher dran, weil ja alles so vorgehen: niemand kennzeichnet ganz klar mit einem Sticker / Ettiket / wasimmer „KI-generiert“ oder so. Ich will das doch nicht immer selbst rausfinden.

„life’s routine“ ist das sechste Studioalbum. In der „kurzen“ Zeit doch ein recht bemerkenswerter Output.
Sie haben da wirklich gute Gedanken und reflektieren das Thema. Ist es DIE zukunftsweisende Technologie oder ist es ein Tool? Oder sollten wir uns das erstmal in Ruhe anschauen, wie das funktioniert.

Der Sound erinnert mich an die Neat Mentals, 77er Garage, allerdings sehr viel poppiger und eingängiger. Nach vorne gespielt, ja, Punk, man kann auf einem Konzert sicher das komplette Konzert von ihnen mit der Faust in der Luft, das Tanzbein schwingend, freudig mitgrölend verbringen.

Mit „the devil knows“ kommt ne astreine Rock’n’Roll Nummer, womit leider in meinen Ohren der Startschuß gegeben wird, dass die Band es nicht länger als eine Seite bei mir schaffen wird.
Versteht mich nicht falsch, die meisten Grindcore-Bands erzielen da ähnliche Ergebnisse.
„rich kids“ klingt etwas ernster, was ich zwischendurch mal als ganz gut empfinde!
Die Platte von den Zsa Zsa Gabors ist super durchkomponiert, komplett runder Sound!

Transparent blutrotes Vinyl mit schwarzen Schlieren, was richtig gut aussieht und super zum gesamten Artwork passt.
Bubble-Gum-Garage-Pop-Punk.
Im Grunde kann mensch nicht falsch liegen, wenn man auf melodische, eingängige Punkmucke steht.

Erschienen und zu haben bei Mad Butcher Records.

 

Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.

lesung: jan off im KOHI Karlsruhe 20.04.2026

Damit ich der Geschichte „ich fülle mein Printzine mit 80tausend Konzertberichten“, fang ich jetzt mal mit dem aktuellsten Ereignis an.
Und wenn ihr das lest, dann ist das ja auch schon wieder Tage her und am Ende hött ichs dann aber auch ins Zine packen können, dann wäre nur wieder irgendwer maulig geworden „wer will das denn alles lesen, wo der war“.

Der heutige Bericht handelt also von einem Autoren, der uns wissen ließ, dass er lieber vorgefährte Liegestütze hätte, als Applaus.
Nein, es geht niemand darauf ein.
Was der guten Stimmung von Jan aber absolut nicht abträglich ist. Denn natürlich reden wir am 20.04. über den Scheiß-Geburtstag von Scheiß-Hitler. Nicht ganz so unflätig wie ich jetzt gerade schreibe; muss gestehen, geht mir auf den Sack. Auch wenn es witzig gemeint ist.

Aber es geht heute um seinen neuen Roman Cumulus 2161, aus dem er uns drei Kapitel vorliest.
Als ich es gelesen habe, kam mir das wesentlich ernsthafter vor, als heute Abend. Ob das an seinen Entertainerqualitäten liegt?
Jedenfalls liest er so in etwa vom Anfang, Mitte und Ende ein Kapitel vor. Es wird immer blutrünstiger und er schafft es, einige davon zu überzeugen ein neues Buch zu kaufen.
Zeitweise habe ich, Anhand der Reaktionen, das Gefühl der Einzige zu sein, der Cumulus 2161 schon gelesen hat.

Vor einer kommenden Pause liest er dann noch ein oder zwei Kurzgeschichten vor, wir sprechen über Natursektspiele, vollgepinkelte Badewannen und hören, wie sich Vladimir Vladimirowitsch Putin selbst ficken kann und am Ende der Geschichte einpinkelt und sich dabei vorstellt es seien die Tränen …. nein, ich werde nicht alles verraten. Es ist wirklich wahnsinnig witzig!

Auch über die unvergleiche Sahra Wagenknecht gibt es eine herzerfrischende Kurzgeschichte namens „Warzenschwein gehabt“.
Ich bin begeistert, denn ich habe sehr viel von ihm gelesen und doch kenne ich nicht alles. Das freut mich.
Gegen Ende gibt es einen Text über 50 Jahre Punkrock zu hören, er erinnert sich da an ein Gesöff namens Mäusepisse (Korn + Milch) – lecker.
Da gehe ich mit ihm konform, die Kinder von heute haben (fast) nichts zu rebellieren und provozieren uns wohl eher mit ihren Bomberjacken als mit Punkrock. Schade auch.
Punkrock ist so viel bunter und lustiger. Egal wie alt.
Eigentlich ist es so, wenn ich diese persönliche Note hier einfügen darf, dass Punkrock am Anfang des Hörens und Erlebens nicht immer leicht zugänglich ist. Doch mit den Jahren wird es besser; man kann sich aussuchen, was einem gefällt, man kann still dabei sein oder Frontrow, man kann aktiv sein und Fanzines machen, Platten rausbringen, kein Instrument spielen können und trotzdem eine Band machen – ist das nicht geil?
Wider der schlechten Laune dieser Fascho-Deppen!
Für immer Punk.