interview: #4 – brutale gruppe 5000 – synthpunk – hamburg (r.i.p.)

BRUTALE GRUPPE 5000

Das kleine Provinzische Fragespiel. Voll lustig.

Wer seid ihr?

BRUTALE GRUPPE 5000 besteht aus KEM TRAIL, TO:MARS, EGON LASER & RADIOAKTIV MNNN.

PP:
Totale Spinner oder freie Radikale?

BG 5000:
Antioxidantien schützen den Körper vor freien Radikalen, welche als krebserregend einzustufen sind. Antioxidantien sind insbesondere in Obst und Gemüse enthalten. BRUTALE GRUPPE 5000 positioniert sich für den Verzehr von Obst und Gemüse, selbstverständlich ohne gentechnische Veränderung und nach Möglichkeit nicht käuflich erworben.

PP:
Look oder Einheit?

BG5000:
Die Einheit, zum Beispiel die deutsche Einheit braucht kein Mensch.
Jeder Mensch ist illegal und Schuld an der Misere. Wer zu einem bestimmten Zeitpunkt in einem bestimmten Gebiet geboren wurde, gehört automatisch einer Nation an. Viele Menschen schmieren sich anschließend zu willkürlichen Anlässen wie zum Beispiel der Fußball Weltmeisterschaft ihre Nationalfarben ins Gesicht. Oder erschießen ihre Nachbarn. Oder beuten sie aus. Das ist nicht nur ein scheiß Look sondern soll darüber hinaus den Eindruck von Einheit suggerieren.
Das ist scheiße. Also: Weder Look, noch Einheit!

PP:
Schnell oder laut?

BG5000:
Da das eine die unkonkrete Beschreibung von Geschwindigkeit und das andere ein Ausdruck subjektiven Empfindens von Lautstärke ist, ist es sehr schwer eine Entscheidung zu treffen.
Beides in Kombination hingegen stellt eine gute Wahl von Kriterien hochqualitativer Punkmusik dar. Beides!

PP:
Casio oder Yamaha?

BG5000:
BRUTALE GRUPPE 5000 verwendet unter anderem einen Synthesizer der Marke Casio.
Dieser fand seinen Weg rein zufällig in den Proberaum, sodass sich diese Frage vorerst nicht stellte. Die Bassgitarre, die ebenso zufällig den Weg zu RADIOAKTIV MNNN fand, wurde vom Hersteller Yamaha fabriziert. Danke an die lieben Menschen, die diese Geschenke brachten. Beides!

PP:
Vergangenheit oder Zukunftsmaschine?

BG5000:
Die Vergangenheit ist keine Zukunftsmaschine, sondern die Zukunft ist eigentlich eine Vergangenheitsmaschine.
Die Zukunftsmaschine benutzt Gegenwart und Zeit zur Produktion von Vergangenheit.
Sie ist ein Perpetuum Mobile.
Die Zukunftsmaschine II ist eine Maschine, die aus Pflastersteinen, Fischgräten, bunten Bällen und Faktor X (der in einem Pappkarton geliefert wurde) ein Produkt herstellt: Schwebende, rosafarbene Wölkchen. Einäugig und mit einem Reisverschluss als Mund.

PP:
Amon Düül oder Kraftklub?

BG5000:
Ganz klar Amon Düül. Improvisierte Anti-Musiker*innen mit mehr Besetzungswechseln als Songstrukturen sind weitaus sympathischer als ne Bande gut promoteter Jungs, die beim Echo und 1 Live Preise abräumt. Im Zweifelsfall: Arno X Dübel!

PP:
Blume oder Blümchen?

BG5000:
„Ich will keine Blume sein, verdammt!“, dachte sich wohl auch Jasmin Wagner und legte im November 2000 ihr Amt als Blümchen nieder. Vielleicht hat sie was mit dem Song von BRUTALE GRUPPE 5000 zu tun, vielleicht aber auch nicht.

PP:
Dinosaurier oder Prophet?

BG5000:
Jede*r Prophet*in verkündet die Botschaft ihrer/seiner Vision, die er/sie von ihrer/seiner Gottheit erhalten hat. Wenn die Gottheit in Ordnung ist: Warum nicht? Wenn die Gottheit, wie in den meisten Fällen, nur Kackscheiße verlangt heißt es weiterhin: Fuck Off! Ich bin Atheist*in.

PP:
Brutal oder Banal?

BG5000:
Das Wort brutal lässt sich indirekt ableiten von Marcus Iunius Brutus, der einer der Mörder von Caesar war. Nicht, dass BRUTALE GRUPPE 5000 in irgendeiner Weise Mord befürworten würden, aber bei Riesenarschlöchern wie Gaius Julius Caesar muss differenziert werden. Du stehst also wieder vor dem moralischen Dilemma: Würdest du eine geringere Zahl Menschenleben beenden um dadurch eine größere Zahl Menschenleben zu retten?

PP:
Herzlichen Dank!

Randnotiz:
mit wem ich dieses Interview führt, schriftlich, kann ich nicht mehr nachvollziehen.
Vielleicht war es, ein weiteres Mal, der umtriebige Kem Trail, spielt er doch auch (aka Tommy) bei Loser Youth, Aperó und einigen Bands und Projekten mehr.

 

 

LP: kem trail – acht cola acht bit + sachbeschädigung

Nun, ich lobte ihn schon in den Punkerhimmel, den mit kreativsten Punker in Hamburg, Kem Trail.
Hier also die Endzeit, ähm, Endjahresmusik mit Review.
Direkt zur Sache!

Von Rilrec habe ich die beiden EPs als LP zugesandt bekommen.
Die „acht cola acht bit“ habe ich schon vor einem knappen Jahr mit Buchstaben bedacht! Auf Seite zwei ist dann die neue EP „sachbeschädigung“ drauf.
Insgesamt 15 Lieder auf 45 RPM; mit Vollgas in die Hölle.

Es ist super gemachte Musik. Ironische bis sehr ernst gemeinte Texte.
Des „effekt“ mit den 8Bit, den hat er einfach drauf da rauszukitzeln und einen guten Song draus zu machen.
Punkrock kann ja so einfach sein!

Ich beschränke mit also auf „sachbeschädigung (feat. Kris Kandinsky)“, denn die erste EP von Kem Trail wurde so krass gehyped und super besprochen, da greift doch alle mal zu. Wenn eine Seite gut ist, kann die andere nicht scheiße sein. So siehts aus.
„robin hood“ legt los. Ein echt schlauer Text, der in „sachbearbeiter“ mündet. Es geht um einen Sachbearbeiter, der Sachen bearbeitet, was er jeden Tag so macht.

Klare Kante gegen alles.
„fujkr“ gegen JK Rowling (Harry Potter), „enteignen“ gegen Adle und Klerus, „alien“ ist das Unverständnis darüber, dass mal selbst komplett anders ist.
Also in der Themenauswahl auch noch mega-kreativ.
Die Songs sind echt kurz & knackig & kritisch. Auch totale Partymucke, man kann einfach abfeiern darauf.

Tolles, passendes Cover auch, ist von Daniel Bento (produktionunfuk.net)

Ich ziehe meinen Hut!
Würde ich gerne mal live sehen!

 

10inch: nein, danke – ich weiß nicht, wo ich bin

…das lässt sich leicht behaupten, wenn man vor einer Haustür steht und da zB keine Nummer dran ist; und alle andern Türen gleich aussehen.
Wenn man allerdings Postbote ist oder ein Wegweiser, dann wäre diese Aussage wirklich bedenklich.

nungut, die Band Nein, Danke hat eine famose 10 inch raus, die mich ordentlich umgehauen hat.
Dabei sind die doch gar nicht cool. Wir alle sind nicht cool. Nö.

Der Song ist übrigens nicht auf der Platte drauf.
Warum nicht, weiß ich auch nicht.
Es befinden sich neun Lieder auf dieser 10 inch, bei der einfach so gar nichts dabei sein möchte, außer der guten Musik.
„was auch sonst“ ist sooooo schnell, ich kann fast nicht atmen.
Ideal sind auf 77rpm unterwegs durch Neuwied. Das ist das neue Berlin. Denn nicht alles aus Berlin ist cool.
ach so. Nein, Danke sind ja nicht cool.
Oder ich bringe da was durcheinander.
Mir ist ganz schwindelig von den Hubert Kah Keyboards auf Pogo-Punk-Beatmaschine mit leierndem Synthie. „ich bin nicht genug“.
Ich denke schon drüber nach, ob es mir genug ist und lass es laufen.
Der Bass wummert los und trifft mein Herz und der Text meinen Verstand „ich mag keine menschen“. Stimmt. Ich auch nicht. Nicht nur an manchen Tage. Meistens.

Außer dem Beatmonster hört sich vieles ordentlich verbollert an, leiernd, windschief.
Dann kommt der Titeltrack.
Ich seh schon die Normalos versuchen ihren Körperausdruckstanz auf „ich weiß nicht, wo ich bin“ zu tanzen. Verloren, denn sie wollen nicht zugeben, dass sie nicht wissen, wo sie sind.
Sie tanzen im Viereck.

Bis jetzt, die beste NDW-Scheibe, die mir seit 1982 über den Weg gelaufen ist.
Und da bin ich gerade eingeschult worden.

Mit „illusion“ schließen sie mit dem längsten Song des Albums.
So herzzerreißend monoton und tonlich knapp danebenliegend hat sich noch keine Band in mein Herz gespielt.

Love it.

Nein, Danke.
Erschienen bei 3xA oder DREIMAL A – es ist nichts, aber auch gar nichts zu diesem Label zu finden.

 

LP: sex mit bekannten II (spastic fantastic compilation)

Sage und schreibe 50 (!!!) Bands mit jeweils einem Song auf vier rosa Vinyl-Seiten, verpackt in ein Hochglanzgatefold. 50 Bands mit 50 Songs macht Release 100. Kleines Jubilat also auch noch. Ein Grund für „Sex mit Bekannten“.
Und was erwartet man von einer Spastic Fantastic Compilation? Na? Nicht bloß One-Night-Stand-Rumgeficke, nö.
Punk, Geballer, Lärm und Fun. Ob das wa mit Liebe zu tun hat, dürft ihr selbst rausfinden.

Das geht nach vorn, hängt keine Sekunde durch.
Einige Bands sind sicherlich auf dem Label, andere nicht. Einige kenne ich, einige nicht.
Schon hier besprochen und für gut befunden sind da Bijou Igitt, Disgusting News, Lügen, Progendroblem und Schwach.
Die Aufnahmequalität ist durchweg gut und ein schöner Anschluss an den ersten Teil dieser Reihe.
Es hat sicherlich einiges an Nerven gekostet die größenteils auch noch exklusiven Songs zusammenzubekommen. 50 Mal nachfragen.
Respekt! Hat sich gelohnt. Abwechslungsreich und sexy.

 

MC: groupo pisse – los alemanes no pueden bailar

Deutsche können nicht Tanzen.
Deswegen Songs von Pisse mit spanischem Flair, für den Urlaub unter der Sonne des Südens. Man legt das Tape abends schön in den Kassettenrekorder, lässt sich sofort ganz kribbelig auf die Tanzfläche bitten und hat wunderschöne Minuten bspw zu einem der ersten Hits von Pisse „ich fühle nichts“ im Spanischen „no siento nada“. Die weiteren Songs dürft ihr, voller Freude ob der guten Laune, die diese Musik plötzlich versprüht, denn vom spröden Lo-Fi Charme bliebt nicht viel. Unbeschreiblich gut!
Eine Kollaboration von Groupo Pisse und Las Hermanas Martinez. Nach 30 sekündiger Recherche stellt sich heraus, das (______________) – tragt euch selbst etwas ein. es ist lustig!
Das schreibt das Label Apokaplexy / Phantom Records

Hat extra lange gedauert, dafür aber wahrlich sehr schön geworden. Kollaboration zwischen der Grupo Pisse und den Las Hermanas Martinez – schon seit letztem Jahr Mai digital im Orbit und seit heut auch endlich analog.
Bitteschön! Dankeschön!

Bum. Dem ist wenig bis nichts hinzuzufügen. Toller Papierschuber. Tolle Kassette.
S.O.

7inch: Pisse – lambada

Unter dem Motto „einmal alles anders, bitte – aber trotzdem so ähnlich“ und in oft sehr flottem Tempo, haben sich die TikTok-Stars Pisse mal wieder zusammengefunden und eine neue Single herausgebracht.
Gelbes Cover, roter Aufdruck, jemand bekommt einen Tritt von hinten. Lambada.
Innen gibt es eine Illustation von Patricia Huck. Artwork von Ricaletto86. Insgesamt sieben neue Lieder.
Im ersten Song „komfortzone“ ist schon ziemlich klar in welche Richtung das bei dieser neuen 7inch geht. Da ist man ziemlich angepisst bei Pisse und mit „unity“ legt man noch ordentlich einen drauf. Der typische Zynismus trifft hart auf die Realität. 

der hängen gebliebene Kinderficker drüber an der Bar
der mit Zornesfalten klagt, dass früher alles besser war
die Zähne halb verfault, die Alte weggelaufen
ich an seiner Stelle würde mich auch ständig besaufen

Da fällt mir beim Mitlesen auf, dass alle Texte jetzt auch in Englisch abgedruckt sind. Ist das für besagte TikTok- Community? Ich kenn mich da nicht aus, da bin ich , aus absolutem Desinteresse, raus. Sogar einer meiner Söhne macht sich was aus 3000 Followern für kleine Tänzchen. Witzig auch.

Ich weiß, das tut bei dieser Band überhaupt nicht Not, noch irgendwen um ein Review zu bitten. Oder eines zu schreiben. Das verkauft sich ja alles von selbst. 
Die Stimme klingt ein wenig anders inzwischen, wenn man da auf die erste 7inch „praktikum in der karibik“ schaut – kein Vergleich mehr. Der Lo-Fi Sound ist geblieben, etwas mahr georgel. Die Band gibt sich weiterhin bedeckt, keine Werbung, kein nix. Dafür auf der Labelseite „PISSE – new band w/ members of Rouge, Nowaves, Universum and John, Paul, George, Ringo & Richard.“ Also irgendwas ist passiert.
Ich freue mich auf neue Konzerte; da kann ich dann nachzählen, wer noch dabei ist.
Lasst mal was machen. Kleiner Club, viel Krach. 25 Minuten Set.

Phantom Records.

MC: tooth paint – digital sex

Diese Grundversorgung von It’s Eleven Records finde ich ganz großartig!
Neues Tape namens Tooth Paint, mit einem Auge auf dem Cover, welches mich beobachtet, während ich so draufstarre.
Es handelt sich um ein Projekt des Bassisten von den famosen L’appel du vide, die hier schon mehrfach im Blog reviewed wurden. Tooth Paint meint wohl „zähne putzen“, so jedenfalls demonstriert es Henry dann anschaulich im Ausklappcover.
Digitaler Sex auf analogem Tonträger.
Es geht gelich los mit flottem, punkigen Elektro-Synthie-New Wave und dem Song „dumb enough to think“. Wenn das mal keine Ansage ist. Uh Yeah. Das geht runter wie Öl.
Ich hab ziemlich gleich Lust zu Tanzen.
„hot flush fridays“ und „boundaries“ sind dagegen etwas ernstere Töne, griffiger und bissiger. Bis dann in „post office“ komplett der Anarcho-Punk aus den Boxen springt. Klammert und mit einem Ba-Dusch hört es auf, der titelgebende Track „digital sex“ ist der letzte der einseitig bespielten … Demo?
Geschrieben, aufgenommen und gemischt von Henry himself in 2020. Warum kommt das Tape erst jetzt?
Egal, dreht ein paar Runden hier, digitaler Sex auf analogem Tonträger.
Hot Shit: Tooth Paint!

Gibt es im Shop des Labels oder gar als 10inch? Lathe Cut, ist ja inzwischen „modern“ geworden. 30 Stück limitiert, selbstredend ausverkauft.

mc: sven the slacker – hutch

„hutch“ von Sven the Slacker. Ein Slacker ist jemand, der eine geringe Anpassungs- und Leistungsbereitschaft hat. Nun, Sven hat es geschafft, sich seit 2020 so einige Songs zu erarbeiten und präsentiert acht davon nun auf einem (sold-out) Tape.
Ich bin jedenfalls überrascht mal wieder was von Aldi-Punk im Briefkasten zu haben. Es ist schon Release 133, vow! Finde bemerkenswert, dass er immer noch tauscht und ganz viel Deutschpunk macht. Wobei Sven nun so gar nichts mit Deutschpunk zu tun hat. Es ist eine ganz liebenswerte kleine Kassette in einem Pappschuber. Weißer Pappschuber, weiße Kassette mit ganz viel Schwarz drauf. Doch ganz so präsentiert sich die Musik, glücklicherweise, nicht.
Synth-Post-Punk, den Sven The Slacker hauptsächlich selbst zusammenzimmert, bei „allein“, dem ersten Track, hat er allerdings schon gitarristische Unterstützung von Benjamin Streich. Sven selbst hört sich ein wenig an, als hätte er ziemlich lange mit Jensen verbracht. Allein in seinem Zimmer.
Jedenfalls spielt Benjamin noch bei andern Songs mit und ab und an singt Magda den Background-Chor.
Teilweise erinnert mich das 8-Song-Tape an Peppone oder vielleicht auch so ein bisschen Phileas Fogg. Er selber sagt, dass „DIY-Lofi-Synth-Punk“. Da ist schon ne Menge rausgekommen, Sven The Slacker, der auch als ROSI, so meine Rechercheergebnisse, unterwegs ist, hat aktuell auch schon wieder zwei neue Tracks raus.
Da er aber das „internet“ hasst, ist es sehr sehr schwierig, Informationen zu bekommen (FB, Insta, Tube).
Insgesamt hat das Tape eine kleine, feine Melancholie, die einen nicht nach unten zieht, auch nicht aus dem Halbdunkeln in die Sonne geleitet, eher sowas für die „Zwischendurch-Tage“; also der Herbst, der jetzt kommt. Garagig, punkig, Synthie, lakonischer Gesang.
Und die hab ich eher öfter als die Up’s and Down’s, Volltreffer also.
get it here:

7inch: Lügen vs Rosa Blaulicht

Das witzige an Singles, oder auch 7inches, ist ja, dass man die meist irgendwo mitbestellt, um fein überrascht zu werden.
Klar, dass ich das mit der Split Single von LÜGEN und ROSA BLAULICHT auch erleben darf.
Ich höre, damit ich auch garantiert überrascht werde, erst ihre Seite an.
George und Schorsch teilen mir (auch dir, sofern du sie dir mal reinziehen magst) ziemlich schnell und unmissverstädnlich mit, dass sie ziemlich pissed sind. Musikalisch eingehämmert per Drumcomputer, Orgel und sozialkritischen Texten.
Der erste Song „krank“ ist echt angepisst und schlecht gelaunt, das einzig erhellende an dem Ding ist, die kleine Orgelmelodie. Der Text besteht aus kurzen Textfetzen

BWL-Finanzberatender-Businessplaner, Körper genommen Kopf entleert, freie Entfaltung – neue Ideen unterm trendy Öko-Mantel, Nestlé hat viele Namen, …

einfach treffend!
Der zweite Song heisst „scheiße“. Diese könnte man aber auch in wohlfeilen Worten kredenzen. Mal hören:
es geht wohl ums Herumlaufen in dieser abgefuckten Welt voller bescheuerter Menschen. Zwischen den Klischeebilder von Cis-Männern und dem täglichen Weg durch die öffentlichen Verkehrsmittel endet mit dem Fazit

schon meine Mutter hat gesagt, wenn du groß bist, kannst du alles sein und ich wollt am liebsten immer Asi sein.

Auf die Ohren von Rosa Blaulicht: (umgehauen hat mich das nun nicht.)

Band kommt aus Hannover.

Volle Solidarität zu Punk too und dem Thematisieren und Aufbrechen männlich dominierter Realitäten/Bünde in der szene und überall. fight patriarchy – now and ever.

LÜGEN höre ich quasi vom ersten Release an. Eine sperrige, nicht einfach zu konsumierende Band. Lügen macht sowas wie Jensen macht, nur nicht so nett. Sängerin Sabrina hat einiges zu sagen und wenig Geschichten zu erzählen. Die Texte muss man schon mehrmals anhören, und haben nicht zwangsläufig einen Rhythmus, in den man sofort einsteigen kann.
Drei neue Songs sind auf der 7inch. Die ist ja schon ne Weile raus und ich hab sie auch schon zwei bis fünf Mal gehört. Was euch als Ausrede einfällt, weswegen ich den Review erst jetzt schreibe, dürft ihr hier eintragen __________.
Sie ist bereits 2021 erschienen, so ziemlich einem Jahr.
Sabrina textet und sing immer noch gegen den Strich, respektive Takt, und trotzdem, oder gerade deswegen, ist es nicht unharmonisch! Eher sehr außergewöhnlich.
Erinnert mich musikalisch ein wenig an Going Away Party.
„wie ich meine Jugend an die Idioten verlor“ und „Pauls Penis“ sind weiterhin sehr kritisch, haben aber, so hört es sich für mich jedenfalls an, etwas mehr Ironie.
Im ersten Song geht es darum, wie man in seiner Jugend seine Sexualität „findet“, und das Thema Sexualität zieht sich ja auch noch in „Pauls Penis“ weiter. Aus der Sicht eines Mannes wird erzählt, wie man gegen das Patriarchat sein kann und es zerstören kann. Klingt komisch…

aber mit meinem Schwanz und dir, werde ich das Patriarchat zerstören

Im letzten Stück geht es darum, dass „Pommes oke sind, Kartoffeln aber böse“ und das man das ordentlich mitsingen muss, was Lügen einige Male vorsingen, damit man sich das ordentlich einprägen kann!
Gesangliche Begleitung gibt es bei „Pauls Penis“ von Thomas von Kackschlacht. Beim „Pommessong“ gibt es Synthiesounds von Turbo, der bei Rosa Blaulicht orgelt. Da hab ich doch vorhin… ja, ich drehe die 7inch nochmal um, das steht „George und Schorsch“, nicht Turbo. Hm. interessant. Die Postille bittet um Aufklärung! Man verscht mich also hinters Blau-Licht zu führen.
Cooler Release insgesamt, eine Seite funktioniert nicht ohne die andere!
Sehr cooles, simples Cover mit den Buchstaben! Texteinleger, die 7inch in …. rosa und blau.

Gibts auf jeden Fall noch beim Grandioso Versand oder bei Conraszt Records.

Auf die Ohren von Lügen:

video: SENOR KAROSHI – unter null session

Total tolles Lebenszeichen von der Band, die ihren Drummer verlor, aber nicht ihre Hoffnung für ihre Musik. Soweit kann man das von außen überblicken.
Neuer Drummer, kein Bass mehr, dafür Synthie, nur der Gitarrist Pal ist geblieben, was er ist. Auch leiht er dem Trio seine markante Stimme die jede Menge ausgeklügelter Reime voller Hintersinn ins Mikro spricht.
Hier also die ersten paar Songs, auch alte, ein neuer ist dabei „der Journalist“, das geht doch richtig tanzbar ins linke und ins rechte Bein.