review: BEN RACKEN – sonnensucher

BEN RACKEN - sonnensucher
Kurz, wirklich ganz kurz vor dem Jahresende kommt die neue Scheibe endlich reingeflattert.
Ein Releasedatum gibt es nicht. Noch nicht.
Alle Songs sind mit Hilfe von Freunden und Familie entstanden. Backingvocals, Lyrics, ein bisschen Overdubs. Eigenvertrieb.
Mehr DIY geht wohl nicht.

Ich hoffe sehr, diese Scheibe kommt bei euch an.
Einen treffenderen Zeitpunkt als die nebulösen Dezembertage hätte die Band gar nicht wählen können.
Der erste Song „über das scheitern“ mit seinen eingängigen Halbtonakkorden umschliesst mich, wie ein alter Freund beim Wiedersehen nach langer Zeit. Ich freue mich. Begleiten sie mich (und auch meine Band… wir begleiten somit auch sie) schon so viele Jahre! 2009 trafen wir uns das erste Mal in Rastatt im Artcanrobert, kurz nach ihrer ersten Platte „I“.

Zurück zur Musik, die „III 1/2“ noch gar nicht sooo lange her (2016). Nur drei kurze Jahre sind vergangen und BEN RACKEN bleiben damit in ihrem Releaserhythmus.
Danach kommt mit „fischfinger“ ein typischer BEN RACKEN Song, sie haben in all den Jahren ihr Songwriting und das Artwork in eine Form gegossen. Ein Becken voller Kähne und untergehendenden Booten. In den Lyrics spiegelt sich das wider. Fische nur ein Synonym für den Mensch. Noch nie habe ich die Band aber auch so deutliche Worte finden hören. So wütend auf das, was gerade in Sachsen-Anhalt passiert. Was den Mensch dort in die Finger von Bauernfängern treibt.

manchmal finden sie nach Hause (das hast du nie gewollt) und zerschlagen, was noch übrig blieb
und wenn sie können, sie werden hassen und einer findet sich, der zündelt dann zuerst
und wenn sie dürfen, sie werden schiessen, damit eindlich einer blutet, endlich einer zahlt

Das ist längst nicht alles. Kleine Experimente gibt es auch, wie den Anfang von „finden keinen schlaf“. Nocheinmal wütend bei „troll“. Pathetisch bei „der junge“. Abschied mit „am meer“ und „trauerkind“. Wenn man bei BEN RACKEN von einem zuverlässigen (vor allem lässigen) Schiff sprechen möchte, so haben sie sich in etwas ruhigere Fahrwasser auf der Elbe begeben. Wahrscheinlich liegt das aber an den weniger „zappeligen“ Gitarrenriffs.
Bevor ich nun zu viele Worte an diesem stillen, nebeligen Dezembertag im Rheintal verliere:
Wer eine toll aufgemachte, gut eingespielte, mit erwachsenem Punkrock befüllte und nachdenklichen Texten versehene Scheibe den Rest des noch nicht angebrochenen Jahres 2020 hören möchte: hier liegst du richtig!
melden bei tubana(ää)web.de

……die größte zivilatorische errungenschaft der menschheitsgeschichte ihren persönlichen minderwertigkeitskomplexen zu opfern……

Autor: felixfrantic

post-deutschpunker. fanzine seit 2014. Gitarristin bei pADDELNoHNEkANU

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.