LP: cold summer – den umständen entsprechend

Ist ja noch gar nicht so lange her, da hatte ich die Kassette und die 7inch endlich hier besprochen, da haben die viel tourenden Cold Summer schon einen neuen Release draußen! Es ist immer noch kein Release in Albumlänge auf „den umständen entsprechend“, und dennoch mal eine 12 inch!

Ich nehme vorweg, dass mir der Gesamtsound, die Mischung, wesentlich besser reinläuft, als beim 7-Zöller.
Das schlichte Artwork gefällt mir „den unständen entsprechend“ gut.
Auf der Rückseite die Songtitel schön in den Shriekdraat eingebaut, die Rückseite der Platte überigens besiebdruckt.
Das die 5 Songs nicht auf eine 7inch passen, haben sie die einseitig bespielte EP hier rausgebracht.

Und es beginnt eisig. Denn der „kalte sommer ist zurück“ („grau“) und es ist sicher nicht nur in Leipzig (wo die Band herkommt) kälter geworden. Und die wütende Enttäuschung nehmen Cold Summer von der Straße auf die Gitarre und eben jene Worte, die sie auch dort eingesammelt haben, werden ins Mikro gebellt.
Wo Cold Summer anfangs eher postig waren, etwas düsterer, ist nun mehr Hardcore, straightere Breaks und einem durchweg abgehackten Gesang.
Die Texte sind nicht repetitiv, sie sind sehr ausfühlrich und explizit.
Und was in „grau“ noch mehr umschrieben wird (kalter sommer, beton, grau, keine aussicht) wird in „permafrost“ dann sehr genau:

Ihr habt es nicht vergessen
Ihr habt es nur verdrängt
Kein Schlussstrich unter eurem Fundament

Brandmauer, Brandstifter
Ein Schatten fällt auf das Land
Zu Grabe getragen und beerdigt
Was nie verschwand

Es gibt keinen Anfang, den es zu wehren gilt. Die Verbrechen von damals wurden weggewischt, es wurde nie ein Schlussstrich gezogen. Danke. Ja!

Auch „spätkapitalismus“ stellt die große Frage nach dem Wohin!
„grenzzaun“ ist so krass ehrlich und direkt!
Manchmal vermisse ich solche direkten Texte erst, wenn ich mal wieder eine Band wie Cold Summer auf dem Plattenteller liegen habe.
Also eigentlich nie.
Ich finde es richtig gut, dass sie sich nicht hinter verzerrten Gitarrenwänden und Blast-Beats verstecken, sondern eine klare SPrache sprechen, die man sehr gut verstehen kann!

Die Waffen sind versteckt im Keller,
Ganz tief unten wo sie keiner sieht.
Nazis planen den Umsturz
Und im Osten tobt ein Krieg
Und junge Liberale schaffen den Sozialstaat ab.
Die Zeit hier was zu ändern, sie wird knapp

Einzig: ein wenig mehr Emotion in der Stimme würde noch ein bisschen mehr reißen!
Sehr schöner Release von Kink Records und It’s Eleven Records. Deutsch-Deutsche Zusammenarbeit, jawoll! Völker vereinigt euch.
oder so.

05

 

MC + 7inch: cold summer – cold summer & altlasten

Hatte mir schon ewig vorgenommen, das Tape zu besprechen, denn mir hat es gefallen.
Allerdings hatte ich es auch erst im Spätsommer in Berlin im bis aufs messer Plattenladen käuflich erworben!

Cold Summer – s/t demo.
Es startet mit einem hart geilen, ins Hirn fräsendes Gitarrenriff. Düster, Post-Punk, kalt und treibend.
Der Sound ist ein wenig mumpfig, zumindest auf meinem Tape, ein dennoch überraschendes Release, denn Cold Summer haben schon ihren eigenen Sound gefunden.
Die Gitarren, für Post-Punk auch eher selten mit zwei Gitarren, spielen total gut mit- und gegeneinander.
Und wenn man schon so nen alten Style wiederaufleben lässt, kann man das Rad ja nicht neu erfinden, aber versuchen seine Möglichkeiten schon auszuschöpfen! Cold Summer fügen dem diese gute Gitarrenschrammelei bei! Mit ner ersten Auflage von 150 Stück auf Tape ist das schon auch ne Ansage; doch wenn man sich die Liste an Konzerten im letzten Jahr anschaut, dann weiß man, dass die Band echt was reißen will!

Jetzt ist vor kurzem irgendwann die 7inch „altlasten“ via it’s eleven records in Coop mit Kink Records erschienen. Letzteres Label hatte auch das Tape als Coop mit Jean Claude Madame rausgebracht.

Vier neue Songs auf einer schwarzen 7inch. Selbst aufgenommen im Proberaum.
Gibt es eine Weiterentwicklung?
Ich find cool wahrnehmen zu können, dass es zwei Gitarren sind. Sie sind allerdings so gut hörbar, dass ich die Drums nur wahrnehme, den Bass gar nicht (fast nur hörbar, wenn er allein spielt) und der Gesang so verhallt irgendwo rumwabert, dass ich schon etwas verdutzt bin. Das Tape vom Sound her schon ähnlich, aber nicht so!
Ich übertreibe etwas.
Dennoch, erschließt sich der Sound erst beim zweiten, dritten Hören. Da muß man dran bleiben.
Die Gitarreneffekte haben sich leicht verändert, finde ich.
Textlich weiterhin sozialkritisch, die Menschheit hinterfragend. Die Melodiebögen sind teilweise einer punkig, beatorientierten Spielweise gewichen. Und auch insgesamt etwas düsterer und man könnte schon auch sagen noisiger.

Cool. Ein Cold Summer weht durch die Anlage.