7inch: twenty one children – s/t

Durch einen Timeline-Zufall auf twenty one children aufmerksam geworden.
In 2024 war in drei Wochen in Südafrika zwischen Johannesburg und Indischem Ozean unterwegs. Soweto haben wir dann auch einen touristischen Besuch abgestattet. Halt als weißer Touri auf Reisen zu zweit. Nach Soweto kommt man deshalb auch nur in einer kleinen Gruppe, die mit einem Kleinbus in das South Western Township reist mit Guides.
Wie ich lernen durfte, gibt es auch in Soweto eine Drei-Klassen-Gesellschaft. Die ganz Armen sind meist Mozambiquaner, die als Flüchtlinge im Außenbezirk in Wellblechhütten landen.
Die Mittelschicht hat ein (mehr oder weniger) befestigtes Haus oder Hütte mit (möglicherweise) Strom. Und die Upperclass hat ein Haus mit einem Zaun und Stacheldraht drumherum. Was aber nicht heißt, dass dort irgendwer nicht von der Hand in den Mund lebt oder die Gewalt und der Drogenkonsum nicht eklatante Folgen hätte!

Meine Timeline spülte eine Band an, deren Drummer das Set gegen eine Wand gestellt hat, damit es nicht wegrutscht. In seinem Rücken ein Gitarrist, der ordentlich schreddert und ein Sänger, meist in der Nähe der Handykamera/Mikrofon zu finden, ohne Mikro in der Hand.
Was allein schon mal ne Ansage ist. Was wir uns in unserer europäischen Bubble ja nicht mal vorstellen können, dass man so Musik macht.
Twenty One Children.
Und ein englisches Label namens Slovenly Recordings ist auf sie aufmerksam geworden und hat eine erste 7inch rausgebracht. Die selbstbetitelte 4-Track Single startet wie folgt:

Erster Song „ice cube“:
Ein wenig wie ein Kurzfilm. Ein wenig wirkt es, als ob ich die Lyrics dadurch endlich in einen ziemlich gutgelaunten Zusammenhang bringen kann.
Mal abgesehen davon, dass twenty one children mit ihrer minimalistischen Instrumentierung ganz schön davonbrettern.

Zackiger Song!
„talk shows“ und „let it doom“ sind sehr kurze Stücke, die in gewisser Weise einen anderen Stil haben, als die beiden Hits des Siebenzöllers.
Jeder Song hat ein bisschen eine andere Tonalität. Was ich mir eigentlich von jeder PUNKband wünschen würde, aber die wenigsten hier bekommen das überhaupt auf die Ketten. Dazu die jugendliche Ungestümtheit – saugut!

Vierter und letzter Song:
looney bin beginnt mit einer Therapiestudie in der Irrenanstalt „looney bin“ und zeigt im Folgenden, wie man sich aus Ingwer und diveren anderen Zutaten was Gutes zaubert.

Klar sind das, auch für uns privilegierten Europäer keine neuen Themen mehr. Doch der Kontext der „echten“ Subkultur fehlt den allermeisten hier.
Ich spüre die Frustration und Wut des Trios.
Ein wenig diametral zu dem, was da kommen wird. Album ist raus und sie betouren England, Frankreich, Deutschland,…. Dazu Interviews in großen Magazinen, unter anderem dem „The Guardian“ über die Skateszene sein den Mitt-Zehnern.
Die Band hat nicht diese extreme Angepisstheit vieler europäischer Bands sondern diesen afrikanischen Charme des Bunten und Fröhlichem. Derart Musik wird ja quasi nicht gespielt. Deswegen spielen sie fast nur auf der Strasse und ziehen halt auch Menschen an, die dort erstaunt dem Non-Konformistischen staundend beiwohnen.

twenty one children. LP Review folgt.
Platte kriegt ihr aus Berlin via BC-Bestellung!

 

LP: the brother moves on – tolika mtoliki

Eine weitere LP, die ich bei Benji im Vinyl Junkie in Johannesburg gekauft habe.
The Brother moves on, eine Fusion-Jazz-Band, Afrikanisches Musikerkollektiv aus Johannesburg, Gauteng.
Mir fiel sofort das Artwork ins Auge. Großartig! Man spürt doch sofort die Musik, die Lebendigkeit, obschon alles in sehr dunklen Tönen gehalten wurde.
Benji legte die Platte auf, damit wir reinhören konnten, da ich ihm ja gesagt hatte, dass ich auf der Suche nach Post-Punk und ähnlichem bin; und er war sichtlich überrascht, als ich nach 1 1/2 Songs sagte, dass ich sie mitnehmen würde!

Die Songs, es sind Becher, die mit Musik gefüllt sind (so die Bandbeschreibung), und genau das machen sie.
Sie beginnen einen Song, der sich langsam aufbaut, ja, man muss etwas Zeit mitbringen, um am Ende meist auch wieder leise zu werden und zu „entschwinden“.

Musik kann man manchmal schlecht beschreiben. Die Band selbst macht das auf der Rückseite der Platte.
Sie beschreiben auch sehr genau, dass der Ausverkauf der Musik vorangeschritten ist und auch dieser „Wert“ von Süden nach Norden wandert und dort in Form von Musikrechten verschachert wird.
Deswegen sind diese Songs explizit keine Coversongs, nehmen aber Bezug zu andern afrikanischen Künstlern.
Eine Mixtur aus vertrackten, locker gespielten Jazz-Parts, Soul-Vocals, Tenor- & Alt-Saxofon.

Im Video einer der Songs vom Album gleich als Start:

An einigen Stellen, denn einmal lief die Musik zum Sonntagsfrühstück mit meiner Familie, hatte meine Tochter direkt Lust zu tanzen.
Die Musik ist belebend, anregend. Eigentlich etwas, was man hier viel zu selten hört.
Wenn ich so drüber nachdenke, ist unsere Musik schon ein sehr starker Ausdruck unserer europäischen Strenge. Immer 4/4tel und geradeaus.

Erschienen via Matsuli Music. In Europa habe ich die LP bei oberflächlicher Recherche bei HHV gefunden.
Auch gibt es eine neue LP von The Brother moves on namens „he who feeds you… owns you“ – die Kritik an den Kolonialisierern direkt. Find ich gut.

LP: ruff majik – elektrik ram

Letztes Jahr in Südafrika in einem Plattenladen gewesen. In Johannesburg. Vinyl Junkie. Falls ihr mal dort seid, schaut rein.
Jedenfalls fragte ich ihn explizit nach Südafrikanischem Punk und Post-Punk, New Wave. Sowas eben.
Da gibt es nicht so viel.

Ruff Majik sind defintiv Rockmusik. Deswegen fang ich mit ihnen an.
Immer wieder sind sie mir seitdem über den Weg gelaufen, vor allem via Instagram, weil sie wohl zwei Touren (seit Mai letztem Jahr) in Europa gemacht haben. Vielleicht sagt dem einen oder anderen Ruff Majik ja was?

Sie machen in ihren 11 Songs eigentlich nichts falsch. Super Sound auch!
Das Cover ist megabunt, was auch bei den andern Releases, die ich noch besprechen werde, egal welches Genre, bemerkenswert bei den südafrikanischen Bands ist.
Ich durfte mit Banji, dem Plattenladenbesitzer, die Platten auflegen und anhören. Ich war am Vormittag der einzige Kunde der dort war.
Ruff Majik spielen mit verschiedenen Stilen des Rock, haben auch so einen gewissen Wave-Touch. „she’s still a goth“ hat dieses Halbton-Wavige, düster-Beat und macht daraus einen echt guten Song. „rave to the grave“ hat ein megagutes Anfangsriff auf der Gitarre.
Viele Instrumente werden eingesetzt, der Sänger klingt irgendwie nach Alex von Guns’n’Roses (hätte ja nie gedacht, dass ich die mal erwähnen muss), viele Filmsamples.
Was mich stark an deutschsprachige Punkbands oder HC-Bands aus Amiland aus den 90er Jahren erinnert, war mir nicht klar, dass das auch anderswo für gut befunden wurde.
Gatefoldcover. Schwarzes Vinyl.
Bereits 2023 erschienen auf Mongorel Records.