review: YUPPICIDE – revenge regret repeat LP

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Ich hab mir die Scheibe im Vorfeld bei nem kleinen italienischen Label bestellt. Und damit sich das hohe Porto lohnt noch ne Trashmetalscheibe von „HOBOS“. Aber zur YUPPICIDE:
Ganz in Echt ist das ja schon 20 Jahre her, daß ich sie das letzte Mal live gesehen habe. Ein legendäres Konzert mit ELISION und RADICAL DEVELOPMENT im IrishPub in Karlsruhe.
Die Bands waren so spät dran, daß der VEranstalter um 0 Uhr das Licht anschaltete und die P.A. aus. YUPPICIDE spielten trotzdem weiter. Der Gesang wurde als einziges nicht verstärkt und so übernahm das Publikum. Gei-el!
Für mich waren sie übergroßartige Helden der Jugend. Die erste Scheibe „s/t“ noch voller punkiger Riffs und trotz der direkten Texte von Sänger Jesse immer recht freundlich. Mit den beiden folgenden Scheiben „shinebox“ und „dead man walking“ änderte sich das nach und nach. Es wurde härter und trotzdem klarer. Weniger Distortion mehr Beats. Abgefahrene Bassläufe. Und weiterhin die direkten Texte. Politisch, anklagend, zweifelnd.
Und als dann die Ankündigung kam, daß sie wieder auf Tour gehen sollten, auch in Deutschland, wollte ich hin. Ich hab’s dann, wie so oft, seit ich dem Kapitalismus durch Arbeit einen Gefallen tue, nicht geschafft….. Ich glaube, in Schwäbisch Gmünd haben sie dann gespielt.
Nun zur Platte:
YUPPICIDE haben sich nicht neu erfunden. Jesse ist immer noch aus einem Haufen Hardcoresängern rauszuhören. Der Sound der Band wurde allerdings dem neuen Jahrtausend angepasst. Wieder mehr Distortion. Und auch mehr Anleihen der etwas metalligeren Vertretern des Hardcores. Sie sind immer noch auch klar in NewYorkCity zu verorten. Pogo wechselt sich Moshparts. Und die Moshparts sind eindeutig YUPPICIDE! Texte zwischen Sozialkritik und Wut über herrschende Systeme. Zweifel am Menschen und seinen Zweifeln.
Das Album ist echt straight gespielt. Refrains zum mitgröhlen. Sauguter Sound.
So richtig springt der Funke nicht über. So wie damals. In den Alles-oder-Nichts-Zeiten, haha! Bin aber sehr froh, daß sie beispielsweise nicht noisiger geworden sind.
Geradeaus. YUPPICIDE.
Nach 20 Jahren machen sie den Jungspunds mit ihrem Nerdcore ganz schön was vor.
Listen!
zu haben bei: flight13, green hell

review: AUßER ICH – Punkmonium LP

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Boah. Endlich schaffe ich diesen Review. Keine Ahnung, warum das soooo lange dauert manchmal.
Dennis schickte mir die Scheibe schon im Januar zu. Ach so, ist ja doch noch nicht so lange her.
Tatatataaaa:

Hier nun AUßER ICH aus Siegen.
Ich mach das an und so mir nichts dir nicht knallt mir da eine fette Distortionwand entgegen.
Ich finde, daß das selten geworden ist, in diesen dunklen Tagen.
Da noch unterstützend, sozusagen, sich an diesen Lärm zu wagen.
Textlich ist das recht treffsicher und man nimmt kein Blatt vor den Mund.
Auch ein schönes Video zu „Cellophan“ macht die Sache rund.
Eine Ankündigung besagt, daß man sich dies Jahr an ein neues Album wagt.
Ich bin dabei, ich bleib am Ball.
Beim nächsten Review gibt es dann den Wortschwall!

review: HOW I LEFT – sniffing glue with frank sinatra

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Hier ist mal etwas anderes reingeflattert und zaubert nun ein wenig Sonnenschein ins Zimmer. Ach so, das ist die Sonne. Die kommt heute endlich mal durch!
Was die zwei, Jule und Muuf da machen, finde ich ziemlich klasse. Man hört in jedem Song die Sehnsucht, die Freude das zu spielen und zum Ausdruck zu bringen. Mich erinnert es desöfteren an alte Cure-Sachen. Den Ausdruck in der Stimme kennt man von Robert Smith. Und wenn der Gesang mal aufhört, ist Platz für ein paar Töne aus einem sehnsüchtigen Tasteninstrument.
Hört doch einfach mal durch. Oder kauft euch die kommende Ausgabe von der Postille, da gibt’s was auf die Ohren!
Und wenn ihr schon dabei seid, geht auf eins ihrer Konzerte – oder ladet sie zu euch nach Hause ein!

am 30.04. im Airpark / 11.05. Rastatt Schnick Schnack… einfach mal bei FB nachgucken

review: BUZZ RODEO – sports LP

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Der noisige 3er aus Stuttgart überraschte mich.
Ich fand sie plötzlich in den Untiefen des Internets.
Krach, fiel die Scheibe auf meinen Plattenteller.
Alle Drei sind keine Unbekannten in der Szene. Alle schon mal in ner Band gespielt.
Es ist erstmal recht noisig, wie es auch versprochen wurde.
Zwischen all den kratzigen, schrabbigen Gitarren- und Bassriffs finden sich zarte Blüten der Melodie.
Und das ist alles in allem total klasse.
Macht echt Spaß den 30 Minuten Spielzeit einen weiteren Durchlauf zu geben.
Artwork ist außergewöhnlich, da auf jedes Plattencover eine Medallie geklebt wurde, mit verschiedenen Motiven (meine sind die Spielkarten).
Aus Baden nach Schwaben also Daumen hoch!
Die Herren gehen grad ohnehin richtig steil.
Ende März eine Tour durch Frankreich und eine 2te Auflage ihrer Platte gibt es auch schon.

Zusammenfassung:
Hier kaufen!

review: BEN RACKEN – IIIeinhalb (LP)

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Bei den ersten Tönen fällt mir direkt schon positiv auf, daß das Songwriting, der Sound, das ganze Zusammenspiel immer immer geiler wird.
Die Jungs haben die Noise und die gelegenliche Sperrigkeit gegen Gitarreneffektspielereien eingetauscht und machen ihre Sache superklasse! Dabei nie die schrägen, typischen BenRacken Halbtonattacken zu verlieren. Das Artwork ist an den letzten Release III angelehnt. Sehr stilvoll gemacht!
Hach, wie ich das mag! Den Hauptanteil an den Texten hat diesmal Nico, der Bassist gehabt. Auch die sind nah dran, an dem, was momentan den klar denkenden Menschen umtreibt.
Ich kann extrem empfehlen, euch diese Scheibe zu besorgen!
Die Band hat sich in den letzten Jahren eine treue Fangemeinde und Freundschaften aufgebaut. Ivo von Enrico, mit denen sie schon eine Split 7″ gemacht haben hat aus „lampedusa“ noch eine HardcoreSchrammelversion gemacht. BEN RACKEN selbst covern L.S.K., eine Band, die auf MOONRecords rausgekommen ist.
Oder gleich mal Live in unserer Provinz:
18.03. im Artcanrobert mit FREIBURG, KLOTZS, pADDELNoHNEkANU und KRASSER FAHRSTIL

fanzine: TRUST #175 dez/jan 2015/16

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Hab mir ein wenig zeit gelassen mit dem Lesen dieser Ausgabe.
In der Zwischenzeit ist sicher #176 in Druck.
Als Soundtrack im Hintergrund läuft ein Tape das ich mit in Leipzig in der Spelunke erstanden habe.
Aaaalso: Interviews diesmal sehr interessant. Das, was mich stört, obwohl ich das TRUST seit Jahren regelmäßig kaufe, ist das so viele Bands darin besprochen werden, die sowas von garnicht kenne. Und wenn ich dann reingehört habe, auch gar nicht mehr kennen hätte wollen.
Erstmal: gelungene Kolumne von Mika Reckinnen, tolles und sehr interessantes Interview mit Frank von Epistrophy Records. Im Grunde hat das Label seit 20 Jahren nichts veröffentlich, was die Sache gleich viel spannender macht! KÜKEN-Interview auch oke. Die „quick’n’dirty“ Bandfotos: sehr geil.
DIe Reviews lese ich inzwischen auch wieder gerne, da nicht alles nur scheiße ist; so war es mal ne zeitlang. Oder vielleicht kam es mir auch nur so vor. Alles, was ich cool fand, fanden „die vom Trust“ blöde. Nun bin ich ganz bei Ihnen. z.B. diese dämliche Band „Berlin diskret“. Ich habe das gehört. Ich spare mir nur die Worte, es zu beschreiben. Keinen Bock auf VErrisse. Dafür habe ich ja die „Bijou Igitt“ besprochen. Sooo toll! Hört euch den heissen Scheiß an und kauft euch VERDAMMT NOCH MAL Fanzines!!!!!

graphic novel: GLEISDREIECK

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Einige Tage war ich in Berlin unterwegs. Wegen Arbeit, um liebe Freunde mit meiner Familie zu besuchen.
Davor hatte ich schon die tolle Doku B-Movie gesehen und war, als Mensch der weit-weeit-weeeit-weg vom pulsierenden Berlin lebt, ein weiters Mal überrascht. Über diese marode Stadt. Das eingekesseltsein. Auf Pump lebend. In Nischen Mauerblümchen züchten. Bunt sein. Laut und schrill und grell.
Wir waren unterwegs um uns das Dokumentationszentrum in der Bernauer Strasse anzuschauen. Das betrifft die DDR und die Wiedervereinigung.
Inmitten dieses fruchtbaren Nährbodens für alles was in Kleinsträume passt, sammelten sich natürlich auch Terroristen. Zu heute hat sich da im Grunde ja nur die Gesinnung geändert. Was damals noch phasenweise verklärt wurde (RAF), ist hoffentlich inzwischen für keinen halbwegs vernünftigen Menschen mehr ein Thema.
Wie auch immer….
Dieser Comic zeichnet mit seinem krakeligen grau-braunem Stil sehr schön die damalige Stimmung nach. Die Geschichte handelt von einem V-Mann und einem Terroristen. Man kann sich manchmal gar nicht richtig entscheiden, welcher der beiden denn nun „der Gute“ ist.
Ich habe mich jede Sekunde beim lesen gefreut. Die Stimmung passt. Die Locations sind treffend gezeichnet. Die Charaktere entwickelt sich und ein Ende für solche Patt-Situationen gibt es natürlich nicht. Dafür ne ziemlich coole Playlist, die hier angeboten wird. Zu jedem Kapitel ein Song und man fühlt sich noch ein wenig mehr in die 80er Jahre versetzt.
Habe die mal hier zusammengestellt.
zu kaufen bei amazon, thalia oder einerm comicladen deiner wahl.

review: TURBOSTAAT – abalonia

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habe schon gespannt drauf gewartet. Pre-Order ist voll unpunkig. Warten überhaupt.
Und dann kommt der Postbote und ich nestle das paket nervös auf. Hab doch schon ne Box für „alle“ Turboalben. Jetzt also noch ne Box.
Erster Eindruck: zurückhaltend.
Ne Punkband mit ner Platte inner überschicken Box. Mit Fotosession in Schwarz/Weiß, nem Halstuch (aber bitte erstma waschen…. WASCHEN? Pfff.) und ner Bonussingle. Einseitig bespielt. Für 40 Tacken.
Sind die jetzt LedZeppelin. Als nächstes nur noch elegische Rocksongs? und ich hasse diese 70s Rockmucke.
Oder es verkommt zu Deutschpop. Denn PopPunk ist das Label, unter das die meisten diese Band nun stecken.
Klar, es kommt mir das reduzierte Krachpotential in den Sinn. Weniger Distortion. Weniger Uf-ta.
Na gut. Ich lege mal die Platte auf. Dann werd ich ja hören.
Und Zack.
Alles beginnt mit einem typischen TURBOSTAAT-Song. „Ruperts Grün“ Weggehen. Von hier. Alles ist besser als der Tod.
Ist alles besser als das hier?
„Der Zeuge“ der Sound überzeugt. Das ist TURBOSTAAT. Auch ein typischer Song. Das Funkeln fehlt mir. Ja. Die Worte aus dem Zusammenhang gerissen. Ein guter Song.
Zwischen all den kryptisch wirkenden Worten hört, denkt man sich den Sinn.
Das Cover unscharf, eben wie jene Texte.
„Das Mittelalter sticht da wieder durch“
Es steckt viel Kritik an dem Menschen, der um die Ecke lebt drin. In jedem von uns steckt der Zweifel. Der davon kommt, daß eben nun nicht alle so sind wie „wir“.
„Die Arschgesichter“ guter Song.
Und da ist auch das, was TURBOSTAAT immer noch Punk sein lässt. Die Wut in der Stimme. Das nicht-so-sein-wollen. Keine Rockband, aber Rock!
Keine Punkband, aber Punk!
Kleine Ausflüge in atmosphärischeres ohne zu langweilen. Ein mögliches Liebeslied, so macht es erstmal den Eindruck, „Eisenmann“, ohne den Schmalz und den Pathos einer Popcombo. Aber halt kein Liebeslied. Ich finds genial. Wie Jan den Eisenmann herausschreit. In die Ruhe.
Nach dem dritten Hören hat die mich die Scheibe nun gefangen.
Ich kann das durchhören ohne die lästigen Anfangszweifel.
Ohne Angst davor, keinen Punk zu hören.
Wenn sich Mittelstandspunk mit der nötigen Portion Mut so anhört, dann ist er goldrichtig.
Ja, „wir“ sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Mit Kindern und Frauen. Einem Job, der manchmal Geld bringt und manchmal Frust.
Lasst uns was draus machen. Unsere Chance, hier etwas zu verändern. Kultur. Ohne Sub.
Platte genial. Hören!

buch: ANGER IS AN ENERGY (bio von johnny rotten)

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Ich so zu Besuch. Und da liegt auch noch ein Buch. Da is’n Punk drauf. Ein ziemlich alter; dennoch klar erkennbar als Punk. Oder auch als irgendwas anderes.
Jedenfalls, nun, es geht im Buch um einen sich selbst als Punkikone betitelnden Altpunker.
Ja, kennen tut den wirklich jeder. Es geht um Johnny Rotten, geb. John Lydon. Für 2 Jahre mal Sänger der Sex Pistols. Das ist schon ganz schön lange her.
Er hielt es für dringend notwendig, seine Biographie nun endlich rauszubringen. Einige Dinge, die bislang wohl nur über Dritte über die Pistols kommuniziert wurden, klar zu stellen. Und natürlich ordentlich abzulästern über die alten Bandkollegen. Den snobbigen Paul Cook. Den doofen… ach auch egal. Er war der Coolste: „unser sogenannter Manager Malcom MacLaren hat sich in die Hosen geschissen, und der Rest der Band auch.“ Das muß man wohl sagen, wenn man sich selbst als den politischsten Aktivist in einer verkommenen Punkband sieht.
„Kurz, ich habe die Musikwelt gleich zwei Mal revolutioniert.“
Ich schaffe es, das Buch zu lesen und mir die Bilder anzuschauen, bis kurz nach der einmaligen Reunion 1996. Ich fand das ja total scheisse damals. Habe dann doch auf MTV einen ihrer Auftritte gesehen und mich total wieder in die Band verliebt. Mich geärgert keine Karte gekauft zu haben. Endlich mal ein top gespieltes Album. Die Songs mit den richtigen Ansagen: „fat, fourty and back!“ Das wollte ich gerne wissen, warum sie damals doch noch mal zusammen auf die Bühne sind.
Dann kommen aber wieder solche Aussagen: „Deswegen liebe ich das Songschreiben: ich dringe immer tiefer in mich selber vor.“ Pass nur auf, daß nicht irgendein Gegenstand mal in Dir steckenbleibt.

Ehrlich: mir ist das zu selbstbeweihräuchernd. Wie auch immer die Musik war oder ist. Die Scheibe gehört wahrlich in jede fucking Plattensammlung!
Er sagt heute nichts faschistisches oder sexistisches. Was in letzter Zeit die dummen Menschen mal wieder entlarvt.
Selbstgefälligkeit finde ich momentan aber auch ätzend.
Evtl lese ich ja noch mal rein.
Hierfür gibt’s jedenfalls keine Kaufempfehlung.