Von Abbruch Records habe ich ein paar echt tolle Platten geschickt bekommen und diese hier voll vergessen.
Wie konnte ich nur?
CIOS sind eine ukrainische Streetpunkband, die es schon so einige Jahre gibt und bisher gar nicht auf meinem Radar auftauchten. 2012 sind bereits die ersten 9 Songs erschienen.
Das Cover ist echt cool und ansprechend. Ich denke sofort an Kriegstote, an Geschichte, die am liebsten verbuddelt wird und nie mehr auftauchen sollte.
Das Trio hat unter den gerade herrschenden Kriegsbedingungen also ein direktes und ehrliches musikalisches Zeitdokument aufgenommen und veröffentlicht. Übersetzt heißt der Titel „steinzeitliche traditionen“.
Sie beschreiben unheimlich von ihrem Schicksal, ohne dabei pathetisch oder hochemotional. Sie sind wütend und direkt.
In einem Review habe ich gelesen, CIOS würden klassischen Punkrock machen. Was bitte ist denn klassischer Punkrock?
Ist das Ramones oder Sex Pistols?
Jedenfalls hat mich „war for war’s sake“ direkt mitgerissen. Was ein toller, simpler, maximal das minimalistische Songwriting und Riff nutzend, Song! Aus einem Riff bauen sie eine „klassische“ (hüstel) Strophe, bleiben auf diesem Riff und geben ihm im Refrain ein Break und eine Hook zum niederknien. Trocken. Direkt. Dazu der Inhalt der Lyrics.
Im Juli 2025 erschienen.
Manchmal erinner mich der Gesang von Punkrat an Motörhead, is halt so PunkRock mit Oi und ordentlich Rotz von der Strasse.
Es wird schön im Midtempo alles durchgezockt. Klar, es könnte auch mehr ballern, aber warum? Da könnt ihr bspw in Moratory reinhören, auch eine Band aus der Ukraine, die ordentlich aufs Gaspedal treten.
Einige Songs sind auf Englisch, dazu Russisch und Ukrainisch.
CIOS sagen dazu:
wir haben unsere Sicht unsere Emotionen und unsere Wut in dieses Album gesteckt, in diesen Zeiten voller Lügen, Heuchelei und Betrug, wollen wir so ehrlich wie möglich zu euch sein.
Der Wehrdienst soll hier ja auch wieder kommen.
Und scheinbar haben wir aus all den blutigen und menschenverachtenden Konflikten der Vergangenheit keine Lehren gezogen, die uns davon abhalten könnten, nicht auf andere zu schießen oder ihnen größtmögliches Leid anzutun. Das Humanismus, Frieden und Freiheit und eine Leben ohne Herrscher, ohne Kriege und menschgemachte Katastophen ein feuchter, sorry, ferner Traum von so linksradikalen Öko-Aktivist*innen bleibt. Schade.
Steinzeitliche Traditionen.
10 Songs. Vinyl kommt in gelb, was prima zu dem roten Cover passt. Ein echt aktuelles Album in 2025 – für mich erst jetzt, dafür umso empfehlenswerter.
Platte gibts beim Label. Aber auch bei den Coop-Labels Smith & Miller und pasidaryk pats records (Litauen)