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review: NEAT MENTALS – virus / it ain’t easy 7inch

Neat Mentals haben endlich ein paar neue Songs raus. Ich hab die Band auf einem schönen Konzert in Rastatt im Artcanrobert kennengelernt und wir halten stetig Kontakt.
Zwei neue Songs, „Virus“ und „It ain’t easy“.
Ich leg die Single auf und denke: „Das habe ich neulich doch erst gehört! Von meinen Kumpels aus Köthen, den the Lamplighters.“ Diesen drei Dur-Akkorde Powerpunk, melodiös, nicht zu schwer, nur eine leichte Melancholie. Und dann passiert ab der Hälfte von „it ain’t easy“ ein echt cooler Wechsel in so einen melancholischen Touch, der mir unglaublich gut ins Ohr geht. Die Band bleibt minimalistisch melodiös.
Ich nehm die Nadel, legt sie nochmal auf Anfang in die Rille und lass das Teil nochmal laufen. Schon mal ein Top Song, den ich gerne fünf Mal höre, bevor ich dann doch mal umdrehe, um „Virus“ auch eine Chance zu geben.
Nein, der Song handelt nicht von Grippeviren. Er handelt von dem Scheiß, der in den Köpfen mancher Menschen unterwegs ist und der sich auch, man kann es ganz gut in den Medien verfolgen, zu stark in eben jenen Köpfen festsetzt. Dies bestätigte mir Trommler Flo auch in einem Interview / Podcast, den ich unlängst bei Vinyl-Keks hörte. Es geht um die Ressourcen die wir diesem Planeten abtrotzen und nichts davon zurückgeben. Ungewöhnlich nachdenklich, möchte ich behaupten!
Die Neat Mentals setzen auf ihr bewährtes Songwriting, welches ich schon sehr von ihrem Album „humanoid“ mag. Er ist kurz und knackig, geht ins Tanzbein und in dieser Kürze hätten sie auch gleich noch einen hinterherknallen können!
Schöne Gimmicks dabei, Bierdeckel für den Abend zu Zweien zuhause, haha, schickes Artwork von Tante Jo. Flight13 vertreibt die auf recyceltem Vinyl erschienene 7inch.
Hätte ich eine Jukebox, ich würde die Single sofort da reinschmeissen und nie wieder rausnehmen.

 

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fanzine: OKAPI RIOT #7 – 01/2021

Bevor mir mal wieder die kommende Ausgabe schon im Nacken sitzt, haha, hier mal eben eine kurz & knackig Rezi des tollen OKAPI RIOT.
„Queer, Feminismus, Zeitgeist, Subkultur“, so ist es untertitelt. Wieder versammelt Macherin Bianca Autorinnen und Autoren in ihrem Heft unter dem Motto „das Okapi Riot Zine ist, was Du draus machst“.
Und wieder gelingt ihr ein zwar in schwarz weiß gehaltenes aber inhaltlich sehr buntes Heft. Apu trägt einige Illustrationen bei, wie auch schon in den letzten Ausgaben. Und gleich „Bruno ist dagegen“ gefällt mir so gut, da steckt so viel Leben und Spielfreude drin, dass ich den Sampler bei Bandcamp bestellt habe. Von Lena gibt es den „Hunde und Sexismus im Alltag“, einen Erfahrungsbericht. Dazu ein Extrablatt mit einem „Hoch auf bedingungslose Solidarität“. In dieser Ausgabe steckt viel Hund!
Es ist auch wieder ein anonymer Bericht über Gewalt in Beziehungen, das sich-als-Opfer-fühlen.
Das Okapi Riot macht an genau diesen Stellen alles richtig. Mit Einfühlungsvermögen unverbogen alles anzusprechen.
Reviews gibt es kunterbunt gemischt, ein wenig Musik, ein paar podcasts, ein paar Fanzines. Weitere Interviews und Berichte mit Black Square, mit einem der Macher des German Compliment Fanzine, Cornelius, der auch bei Black Lining spielt und ein Label namens Keep it a Secret betreibt. Gedichte, Illustrationen, Linoldrucke, das Heft hat seine Bandbreite nochmals erweitert. Toll!
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buch: JAN OFF – nichts wird sich niemals ändern

„nichts wird sich niemals ändern“, was eine äußerst pessimistische Prognose für die menschliche Dummheit ist. Obwohl, wir schauen täglich in den Sozialen Mediafreund, zweifeln aber Menschen wie dich und mich an, die einem Job nachgegehen, der sich Journalist nennt, und glauben jenen, die sich dafür halten. Also eine realitsische Einschätzung?
Geht es denn in diesem Buch um die aktuellen, zwischenmenschlichen Nicht-Entwicklngen? Bleiben Holzköpfe wirklich immer Holzköpfe?

Vier zornige junge Menschen wollen, weil zu viel Scheiß auf diesem Planeten passiert, ihren Zorn über Umweltverschmutzung und den Rechtsruck in vielen Staaten loswerden. Dafür wird der Plan entwickelt auf der Hamburger Binnalster die Weihnachtstanne in Brand zu stecken.
Wer sind also diese vier Twens, die sich an ihrer Idee abarbeiten. Da ist der namenlose Protagonist, Bett-befreundet mit Nadja, die eigentlich mit der Blassen zusammen lebt und seinem Kumpel Oke, der was von Nadja will.
Alle sind nicht „szenerelevant“ und somit völlig unter dem Radar von Polizei oder Staatsschutz. So lässt es sich ja leicht planen, wären da nicht die persönlichen Verwicklungen, die ja zwangsläufig zu einer Veränderung führen müssen. Also wird sich doch noch irgendwo jemals etwas ändern? Was könnte es uns wohl nutzen eine Weihnachtstanne in Brand zu stecken um globale Krisen zu beenden?

Ich finde das Buch sehr gut geschrieben! Jan Off nutzt meiner Meinung nach einem aktuelleren Stil, flüssiger,  hat nicht ganz so viele Fäkalausdrücke oder Schimpfwörter am Start wie sonst. Der Vorgängerroman „die Helligkeit der letzten Tage“ ist wesentlich dystopischer und dreckiger. Hier nun ist alles aus einem Guß, die Worte fließen, man kann den Roman im Grunde in einem Rutsch lesen.
Die Verstrickungen der Gruppe werden nicht zu ausufernd erzählt, alle Geschichten sind schön an- und nur wenige auserzählt, was sehr viel Spielraum lässt, sich seine eigenen Gedanken zu machen zur Haltung der Damen und Herren aus dem linken Hamburger Milieu.

Ein lesenswertes, kurzweiliges Buch, welches viel Raum lässt und einige Dinge und Verhältnisse aber auch sehr klar benennt und bewertet.
Ich will gar nicht mehr verraten und wünsche ebenso viel Spaß beim Lesen, wie ich ihn hatte.
Gibts im Buchhandel, klar.
Jan ist bei Instagram aktiv, auch bei FB. Seine Seite Jan Off.