review: Müllheim – Kron MC

Wohl die absolut witzig-kreativste Zusendung, die ich bisher bekommen habe.  Das wirklich mit Abstand geilste Bewerbungsschreiben aller Zeiten  (Fotografien im Anhang).
Wenn ich angeschrieben werde, merke ich schlicht an, dass es toll wäre, wenn die Band eine kleine Vita dazu packt. Ein paar Infos, wer wie wo und so.

wir sind eine punkband und schreiben unsere briefe superlustig auf bierettiketten

Gut so. Ich hätte euch nicht einfacher als Punkband identifizieren können. Zur Musik kommen wir ja erst noch, haha.
Nun, die Band besteht aus drei Patienten (0 Git / Ges., 1 Bass / Synth, 2 Drums) und haben einige Referenzen wie Razzia, Abwärts oder Mittagspause angegeben. Sie stehen auf die 1980er und eher „so schlecht aufgenommene Sachen“.
Man spielte schon in andern Bands, die aber keiner kennt, da dies das erste Infoschreiben sei. Info also: aufgenommen 2020 in Berlin, 2021 kam eine Single „Endzeitstimmungshits I + II“ zur Lage der Nation digital heraus.
Nachdem ich diese ausführliche Beschreibung gelesen habe, lege ich also die Kassette ein. (Kommt mit Downloadcode und kleinem Booklet).
Erster Gedanke: Phantom Records mit Lassie und Pisse auf dem Synthpunklabel. 
Das Artwork der Band Müllheim ist eher bescheiden, dafür fetzt die Musik umso mehr. Richtig gut abgehangener 70er Punk mit Synthie, sinnlosen Texten und … irgendwas mit „s“ muss mir jetzt noch einfallen…. „Existentialismus“
„Kann man davon leben“, fragt die Band. Von derart Musik? Vom Nichtstun? Vom Abhängen? Keine Ahnung man kann „damit“ leben aber „davon“? Ist eine kapitalistische Frage, hiermit klar mit Nein zu beantworten. Die Texte sind sehr repetitiv, nichts desto trotz haben sie diesen punkigen Zynismus, den ich wahnsinnig liebe.

tagsüber arschloch gewesen
aber abends voll nett

Sagt eigentlich alles über unsere Gesellschaft.
An dieser Stelle kommt mir die exitentialistische Frage „wie viel dieser Art Punk muss man hören, um das so perfekt wieder aufspielen zu können?“
Oder platzt das aus einem heraus? Ist das in einem drin und ist so eine Art musikalische Sprache, die durch das Erwachsenwerden erst in drei Akkorde gepackt werden kann. In jedem von uns schlummert also der 4/4tel Beat; in manchen halt 7/8tel.
Anspieltipp ist „Junge“, packt das mal in euern Kassettenrekorder! Super das.

Autor: felixfrantic

post-deutschpunker. fanzine seit 2014. Gitarristin bei pADDELNoHNEkANU

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