review: NEAT MENTALS – virus / it ain’t easy 7inch

Neat Mentals haben endlich ein paar neue Songs raus. Ich hab die Band auf einem schönen Konzert in Rastatt im Artcanrobert kennengelernt und wir halten stetig Kontakt.
Zwei neue Songs, „Virus“ und „It ain’t easy“.
Ich leg die Single auf und denke: „Das habe ich neulich doch erst gehört! Von meinen Kumpels aus Köthen, den the Lamplighters.“ Diesen drei Dur-Akkorde Powerpunk, melodiös, nicht zu schwer, nur eine leichte Melancholie. Und dann passiert ab der Hälfte von „it ain’t easy“ ein echt cooler Wechsel in so einen melancholischen Touch, der mir unglaublich gut ins Ohr geht. Die Band bleibt minimalistisch melodiös.
Ich nehm die Nadel, legt sie nochmal auf Anfang in die Rille und lass das Teil nochmal laufen. Schon mal ein Top Song, den ich gerne fünf Mal höre, bevor ich dann doch mal umdrehe, um „Virus“ auch eine Chance zu geben.
Nein, der Song handelt nicht von Grippeviren. Er handelt von dem Scheiß, der in den Köpfen mancher Menschen unterwegs ist und der sich auch, man kann es ganz gut in den Medien verfolgen, zu stark in eben jenen Köpfen festsetzt. Dies bestätigte mir Trommler Flo auch in einem Interview / Podcast, den ich unlängst bei Vinyl-Keks hörte. Es geht um die Ressourcen die wir diesem Planeten abtrotzen und nichts davon zurückgeben. Ungewöhnlich nachdenklich, möchte ich behaupten!
Die Neat Mentals setzen auf ihr bewährtes Songwriting, welches ich schon sehr von ihrem Album „humanoid“ mag. Er ist kurz und knackig, geht ins Tanzbein und in dieser Kürze hätten sie auch gleich noch einen hinterherknallen können!
Schöne Gimmicks dabei, Bierdeckel für den Abend zu Zweien zuhause, haha, schickes Artwork von Tante Jo. Flight13 vertreibt die auf recyceltem Vinyl erschienene 7inch.
Hätte ich eine Jukebox, ich würde die Single sofort da reinschmeissen und nie wieder rausnehmen.

 

review: SCHALKO – cool LP

Schalko. „Cool“ heißt die Platte. Ich kann vorwegnehmen: ich hatte das Vergnügen schon vorher reinhören zu können; um dann zu lang zu brauchen, diesen Review zu schreiben. Das Demo von März 2019 fand ich schon famos und viel zu kurz. Nun also in voller Spielfilmlänge.

Ich habe mit allen drei Bandmembern ein Interview geführt für die nächste Printausgabe der ProvinzPostille, Nr. 7 kommt im Herbst. Da könnt ihr mehr über ihre Einflüsse, Entstehungsgeschichte und was sie so in Freiburg treiben, in welchem Klub sie unterwegs sind, wen sie supporten und so weiter, lesen! Hier soll es jetzt wohl erstmal darum gehen, was da an Musik aus den Boxen flimmert.

Weswegen ich so auf dem Filmding rumhacke? Nun, das Trio hat einfach auch ganz klasse Ideen für Videos.

Zuerst muss ich mich ein wenig daran aufhängen, dass ich die Vorab-Reviews (VÖ der Platte war am 11.09. über flight 13) beim OX gelesen habe und erstaunt aus meinem Klotzs-Tshirt glotzte. Ich sag jetzt mal ganz frech, dass das OX für mich in Sachen Punk nicht mehr wirklich das Maß aller Dinge ist, sondern wohl eher das Maß aller Dinge in Punkto „wie groß bekommt man ein Hardcore/Punk-Magazin in Deutschland“. Was keine Kritik sein soll, nur eine Grenzziehung.

Im Durchschnitt von 10 Redakteuren hat die Platte Mittelmaß bekommen, nur einer gab 9/10, was mich sehr überrascht hat. Dann noch die Vergleiche mit Turbostaat oder LOVE A, ich nehme es vorweg: sie sind Fehl am Platz. Wenn man sich nämlich die Mühe macht mehrmals reinzuhören, was ich mir einfach heutzutage wünsche; immer. So liebevolle Reviews wie bei Vinyl-Keks (oder hier) gibts ja nicht mehr so häufig. Gut Ding will Weile, und die nehmen wir uns.

Dabei merkt man schon gleich beim ersten Track, der wahnsinnig treibt, nach vorne geht das, dass Schalko minimalistisch melancholisch sind und emotional bissig. „Wegen allem wegen nichts“ ist ein super Opener, der durch den Achtelrhythmus derbe in die Beine geht, wer da nicht anfängt zu tanzen! Die Richtung ist also klar, sechs Songs sind auf Seite A, es ist alles wirklich zärtlich auf ein absolutes Minimum reduziert. Was ich ganz großartig finde, da es genügend überproduzierte Bands mit doppelter und dreifacher Overdubgitarre gibt. Durch drei Kompressorschleifen dann nochmal so clean wie möglich ins Ohr gedrückt…. Hier ist es rauher und reifer. Hat mehr Grip und mehr Schneid als viele andere Bands, die diesem scheinbar extravaganten und so schwierig zu bedienenden Genre ihr Unwesen treiben.

Und Schalko sind unemotionaler in ihren Texten. Das ist wie im Film, man muss erst den Bildern folgen, die Emotionen aufbauen. Was mich wahnsinnig an deutsche Bands aus den Achtziger Jahren erinnert. Ansonsten gibts ne richtig fette Portion Wipers und, das ist klar, Oiro. Textlich wie auch musikalisch zwischen minimalistischen Beats und klaren Songstrukturen. Texte wütend gekeift, eine Gitarre die mal ne ganz dünne Melodie spielt und mal Akkorde wetzt. Was eher selten, dann als Bruch eingesetzt wird. Diese dann auch im nächsten Atemzug zerlegt werden durch leicht noisige Eskapaden. Ich bin ein großer Fan von Turbostaat, doch ich finde ziemlich wenig von ihnen bei Schalko. Erinnert an an die Anfangstage von von Krawehl oder Mikrokosmos 21.

Zum Sound: die Platte ist toll aufgenommen, sehr durchdachtes Songwriting, sehr persönliche Texte, die klasse Videos, (zu „so tun als ob„) gibt es auch noch eines. Auf Seite B gehts mit fünf Songs weiter die, finde ich, ihresgleichen suchen. Es reiht sich Hit an Hit, die sich eben genau so nicht anhören, als ob das vorbeirauscht. Das Cover ist mega cool geworden, vielleicht heisst die Platte deswegen „cool“. Auch hier darf, sollte man zwei, drei Mal hinschauen, um in der Einfachheit vieles zu entdecken. Ganz klasse Band aus Freiburg Schalko, anhören, Videos gucken, toll finden!

(Dieser Review erscheint auch noch bei Vinyl-Keks)

Demo: