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LP: das rattenkabinett – die zukunft war gut

aarglt. fettestes Sorry aller Zeiten. Das hat echt lang gedauert.
Ich könnte mich jetzt rausreden und sagen: eine so gute Platte braucht seine Zeit. Die hat sie nun bekommen.
Jetzt ist es endlich Zeit für den Review, den ich schon ewgi vor mir herschiebe. Warum? – keine Ahnung!

Die Band Das Rattenkabinett habe ich durch Lena Stoehrfaktor entdeckt, die hier auch die Vocals übernommen hat.
Die Produktionszeit des Vinyl hatte etwas auf sich warten lassen, ich denke, inzwischen hat sich der Markt stark entspannt, jedenfalls kam “die zukunft war gut” erst digital und einige Wochen später dann das Vinyl.

Es geht futuristisch mit “die zukunft…” los, der Synthie plärrt, Lena bombt ein paar Lines darüber, die Gitarre rockig, die Backsection spielen präzise nach vorn.
Der quasi Titeltrack ist ein Intro und mit “golden horse” geht es dann richtig los.
Lena hat schon echt melancholisch harte Lyrics.
Was sie im esten Track ansprechen ist, was DIY-Rap & Hiphop machen echt besonders ist und mit der Band Das Rattenkabinett noch nischiger wird. Kennt ihr da mehr Bands – lasst es mich wissen, schickt mal rüber!

RTKB spielt richtig gut zusammen. Sie mischen Rock, (Fusion?) Elemente und Rap. Lena Stoehrfaktor versucht sich ja immer neu zu finden, in dem was sie macht. Sehr gut hörbar auf ihrer letzten EP “essenz”, welches, verdammt noch mal, eins der besten Tapes das letztes Jahr den Weg in mein Deck gefunden hat!
Kleiner Funfact: ich kann Keyboards eigentlich nicht wirklich leiden. Egal. Die Musik zieht mit, der Beat schiebt das gut nach vorne, ist halt nicht so ganz spotify-ig, sondern etwas hakiger und bissiger ist.

Erste Singleauskopplung war “kerstin”, eine Liebeserklärung an die Wirtin ihrer Stammkneipe. Superschön!

und auf der strasze jagen sie menschen
erst worte dann taten dann häuser die brennen
auf dem meer wollen sie boote versenken
doch faschisten sollen wir sie nicht nennen
niemals Rebellen

Ich würde mir das wahnsinnig gerne mal live reinziehen, da zeigt die Musik der Band ganz sicher wieder ein neue Facette.
Eine weiter Videoauskopplung und monstergeiles Video ist “immer wenn es knallt”

Der Track “Seeräuber” hat übrigens schon eine Version auf der Platte von Sängerin Lena Stoehrfaktor gehabt “Gott im Himmel, Leichen im Keller” heißt sie – gönnt euch!
Und weswegen ich das erwähne: die Band Das Rattenkabinett gabe es schon mal in (teilweise) anderer Besetzung und sie haben schon eine LP rausgebracht, die auch sehr gut ist.
Nun gönnt man sich ein wenig verändertes Image und kürzt ab RTKB.
Für den Anfang ein wenig schwer im Netz zu finden, also holt euch die Platte, ladet die Band ein, das ist richtig guter Rap!

Die Platte schließt mit dem Titel “…war gut”, denn der erste Track ist ja “Die Zukunft…”, ab. Das ist, für mich, der rundeste Song der Scheibe und echt ein guter Schlußpunkt, da die Band eben zeigt, zusammengefasst in drei Minuten, was sie kann!

Dieser Review erscheint auch, in ein klein wenig ausführlicher, beim Vinyl-Keks.
Anspieltipps, wer noch was Altes ausgraben möchte: être? waren 2014 mal bei mir aufm Tape drauf und hatten eine Tourbericht durch die Ukraine im Heft. Oder Such a Surge (wieso gibts eigentlich keine Vinyl-Reissues?)

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MC: age b.o. – antideutsch

Ein HipHop Review. Yeah. Falkensee Aggro! Age B.O.
Es liegt hier schon eeeewig rum und kriegt jetzt seine drei Zeilen:
Schon das Cover (es ist MC 11 von 50) ist ein Eye-Catcher, da vorne drauf Indiana Jones gerade einem Nazi auf die Fresse haut. Das Tape heißt “Antideutsch” und ist volle Kann Zeckenrap. Age B.O. gibt es, fürchte ich, nicht mehr, Release war 2018 und danach kam nix mehr. Egal, kann man trotzdem anhören!

10 Tracks von Age B.O., alle Beats sind elektronisch. Mit der Stimme wird so einiges experimentiert. Track 1  ist das ne Fettes Brot-Verarschung?
Das Ding ist echt gut ausgeszeuert und hat nen echt tighten Sub-Bass.
Ich finde es hörenswert, also gebt dem Release eine Chance!

 

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LP: das rattenkabinett – die zukunft war gut

Zuersteinmal: wieder eine wirklich tolle Band, die hart unter dem Radar fliegt.
Laut Suchmaschine gibt es keine bis gar keine Reviews zu dieser Platte. Das ändern wir jetzt mal:

Das Rattenkabinett (FB) sind drei weibliche Musikerinnen und ein Musiker. Lena Stoehrfaktor, die auch schon lange als Solokünstlerin unterwegs ist, macht seit 2019 in neuer Besetzung mit dem Rattenkabinett (insta) weiter. Das ist, wenn ich das so recherchiere, schon eine sehr bewusste Umbenennung und manche Seiten oder Infos recht schwer zu finden. Die Homepage ist da, in Bezug auf dieses, aktuelle Album aber doch super lesbar! Rattenkabinett (HP)

Es wird schnell klar, dass es schon eine Platte gab unter dem Namen Lena Stoehrfaktor & das Rattenkabinett. Doch gab es Umbesetzungen in der Band und Das Rattenkabinett, bzw Das RTKB möchte sich als eigenständige Band verstanden wissen.

Die Platte ist erstmal digital erschienen, leider hing die LP im Presswerk fest.
Inzwischen haben sich diese Produktionszeiten etwas entspannt und der Vinylnerd kann ob der Fülle an Releases gar nicht genug Lohnarbeit verrichten um die Sammlung zu füllen und neue Musik zu hören.

Inzwischen ist das gute Stück schon einige Mal gelaufen und erinnert mich immer wieder ein wenig an die 90er Jahre, als Such A Surge so DAS Ding im deutschsprachigen Crossover-Rap waren. (werden zu teuer gehandelt und es kommen leider keine Reissues…)
Später ist mir mal noch eine sehr junge Band namens Être? über die Ohren gelaufen.

Musikalisch, vor allem auch in Punkto HipHop, ist dieses Album von Das Rattenkabinett echt tough. DIe Lyrics haben Tiefgang, Lenas Stimme hat einen echt guten Vibe. Sie versucht sich immer wieder neu zu finden, in dem was und wie sie macht.
Hört euch dazu doch nochmal ihre letzte EP essenz an. – ihr merkt, ich komme aus dem Erzählen gar nicht raus!
Je öfter ich “die Zukunft war jetzt” höre, desto mehr fällt mir allerdings schon auf, dass die Keyboardeinsätze nicht so ganz meins sind.
Aber: in der Gesamtheit funktioniert die Instrumentierung mit Keyboard, Bass, Gitarre und Drums total gut. Sie schaffen es, Parts einzufügen, Abwechslung in die Songstruktur zu bringen, wo man sie nicht unbedingt erwartet und arbeiten da etwas gegen die Hörgewohnheiten.
Die Musik und die Raps ergänzen sich total gut. Die Drums schieben das etwas nach vorne und es klingt halt nicht ganz so fluffig, ganz so Radiotauglich.
Etwas bissiger!

Im ersten Song “golden horse” sprechen sie mich gleich an, mir fällt aber auch sofort auf, was DIY Rap & Hiphop so außergewöhnlich macht: es ist totale Nischenmusik. Kennt ihr noch eine Band, die sowas macht wie Das Rattenkabinett? – dann schickt mir was, ich bin neugierig!
Die erste Singleauskopplung war “kerstin”, eine Liebeserklärung an die Wirtin ihrer (Berliner) Stammkneipe.

Der Refrain von “niemals Rebellen” ist

Die Songs bauen sich mal auf durch die Gitarre, mal durch das Keyboard, die Musik bekommt viel Raum im Songwriting, entsprechend sind die Tracks schon alle eher 3 bis 4 Minuten lang, als zu kurz.
Es ist so anders, und das ist toll.

und noch einen neuer Clip zu “gather” gibt es:


Feat. Daisy Chain, die auf griechisch ihre Rhymes dazu gibt. Checkt sie mal aus. Das ist auch cooler Stuff!

Anspieltipp von mir ist “seeräuber”.
Am Schluß kommt noch ein knackiges “…war gut”, den ich am rundesten von allen Songs empfinde.

Ihr bekommt euer Stück Vinyl unter dieser Mail oder digi via Bandcamp.

Funfact: wenn ihr in eure Suchmaschine “das Rattenkabinett” eingebt, kommt ihr recht schnell beim Bundeskabinett raus.

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buch: chaoze one – spielverderber

“Mein Leben zwischen Rap und Antifa” ist der Untertitel des Buches “Spielverderber” von Chaoze One; und das habe ich neulich gelesen.
Ich habe über all die Jahre seines musikalischen Schaffens schon mitbekommen, dass Chaoze One zwischen Mannheim und Karlsruhe recht bekannt ist, unterwegs und umtriebig, er war ja auch lange bei Twisted Chords für seine Veröffentlichungen.
Für den Vinyl-Keks hatte ich sein aktuelles Album “Venti” reviewed und mir nach und nach seine Platten gekauft. Musikalisch absolut super!
Bei flight 13 hab ich mir das Buch dann mit dazu packen lassen, deshalb nun ein paar Worte dazu.

Es ist wirklich toll, flüssig geschrieben, macht wirklich Spaß zu lesen, auch sehr kurzweilig. Chaoze One widmet sich nicht einem Gedanken und hängt da viele Worte dran. Ein paar Randinformationen liegen auf dem Weg, zu dem jedes Kapitel führt. Klar, das verlangt im Endeffekt schon auch etwas Aufmerksamkeit, die Zeitleiste auf der das Stück spielt in eine Chronologie zu bekommen.
Vor allem führt aber alles in sein politisches Denken, die Aktionen, an denen er mitgewirkt hat, was davon dann inhaltlich in seinen Texten gelandet ist. Er zitiert aber auch immer wieder Wegbegleiter, es gibt ja immer einen Song, der einen zum nächsten inspiriert.
Der Diskurs und die Diskussion, die es in der Linken Szene gibt, welche Metaphern benutzt werden dürfen und wer sich angesprochen fühlt, das passt nicht immer zusammen und muss besprochen werden. Das Hinterfragen dessen, was man dieser Stelle macht, an der man steht, weil man doch in einem linken Laden vor gleichgesinntem Publikum nicht unbedingt die Menschen erreicht, die das erreichen sollte, was man zum Denken mitgibt. Im Grunde sollte man irgendwelche CDU-Menschen erreichen und diese zum Umdenken bringen.
Für jemand wie Chaoze One, der so deutliche Worte findet, wie er es tut, dann neue Formate angeht – er spricht da explizit einen Song an, der bei RTL im Abspann einer Serie lief – fühlt sich schon angegriffen, wenn das dann kritisiert wird, statt den positiven Aspekt hinter dieser Sache zu sehen. Ist er deshalb ein Spielverderber?

Klar, es geht auch um seine Jugend, wo kommt er her, was hat ihn neugierig gemacht und die “Maschine angeworfen”. Über welche Wege ist er zum Rap gekommen, die Attitüde des Punk war ihm immer sehr nah. Und dafür, dass er noch recht jung ist und nicht schon Anfang der 90er mitgemischt hat, kennt er sich recht gut aus und weiß viel zu erzählen und Rückschlüsse zu bilden.
196 Seiten hat Jan, so heißt er in Echt, viel zu erzählen über die Wut, die entsteht wenn man bepöbelt wird. Aber auch über die Einfachheit, wie es ist mit einem Koffer als Rapper unterwegs zu sein.

Gegen Ende widmet sich Chaoze One dem deutschsprachigen Rap und seinen Auswüchsen ab Mitte der 2000er und mir fällt sehr positiv auf, was er für eine Beobachtungsgabe hat und welche Schlüsse er zieht. “Spielverderber” erschien 2019, vor dem Ausbruch der Aluhutträger! Und ihm fiel damals schon auf, dass Xavier Naidoo, und die Leute, die zu ihm halten, auf dem komplett falschen Weg sind, weil seine Texte schwulenfeindlich, esotherisch, verschwörungstheoretisch und ideologisch im Bereich der Reichsbürger zu verorten sind. Auch den vermeindlichen Skandal beim Echo spricht er an, das alles mündet darin, dass Chaoze One klar benennt, das soetwas eigentlich nicht passieren darf! Dass Rap eine emanzipatorische Musikrichtung nicht diesen Ruck nach Rechts machen darf.
Wenn ich da mal selbst einen Schluss daraus ziehen darf: Musik, bzw. Kunst ist nie rechts, sie ist frei. Frei im Denken, frei im Handeln, sonst kann sie nicht entstehen. Kunst liebt die Freiheit und Offenheit, den Diskurs. Das kann sicherlich schon auch mal konservativ sein. Das kann provozierend sein. Muss.

Empfehlenswert! Erschienen beim Polarise Verlag.

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LP: beastie boys – check your head (30 Jahre Jubilat)

Fucking Hell!
30 Jahre schon.
Und ich komme nicht umhin, euch auf die Nase zu binden, dass dieses Beastie Boys Album eines der absolut geilsten und wegweisesten Alben ist, die ich in meiner Sammlung hab.
Nach 30 Jahren und bei dieser 125€ Gelegenheit für mich keine Frage, mir ein Re-Issue zuzulegen. Nicht, weil es so wahnsinnig günstig ist, nein, weil die Platte von damals hart runtergenudelt ist.

Back to the beginning: 30 Jahre (1992) kam dieses Album auf den Markt und trotz des ganzen Punkrock und NewYorkHardcore, der bei mir in Dauerrotation lief, bekamen die Beastie Boys eine Chance. Was soll ich sagen: Volltreffer. Vom ersten Ton hat, hat das bei mir gezogen. Die fetten Beats, die jede Sekunde nach echten Drums klingen, die Samples, die wilden Übergänge oder auch in den Songs die plötzlichen Wechsel.
Ein Hit jagt den nächsten!

Ergo: lang nix mehr geschrieben, keine ultimative Lobhudelei auf ein Lieblingsalbum!
Heute die almighty Beastie Boys! Seit nunmehr 30 Jahren bin ich harter Fanboy. Alle Platten ab der “check your head” stehen hier in der Sammlung. Und nun bringen sie (ich glaube zum 20ten gab es das schon mal) die 4LP Version im Pappschuber nochmal raus.
Natürlich hatte ich sie vorher schon in Bezug zu ihrer Tour mit Madonna Jahre zuvor in der Bravo wahrgenommen. Aber das ganze Gehabe und die Klamotten, überhaupt dieses “fight for your right to party” war unerträglich nichtssagende Musik.
Dann noch eine Chance für die Band. “jimmy james” is the first song on our new album!
“funky boss” fand ich nicht sooo cool, funky so gar nicht mein Ding. Klar, als Hardcore Kid zu der Zeit. Ich hatte Yuppicide, GO! und SFA auf den Ohren. Dazu irgendwelchen deutschsprachigen Punk, der möglichst AUF GAR KEINEN Fall so klang wie Deutschpunk zu der Zeit. Boxhamsters oder Blumen am Arsch der Hölle.
Gegen die Hörgewohnheiten!
Damals noch manche Alben blind gekauft und nur nach Cover entschieden. Und das Cover dieser Platte ist einfach megacool. Hat ja auch was von dem Minor Threat Foto vor der dem Haus, in dem Dischord Records viele Jahre untergebracht war.
“pass the mic” – cuulstes MC-ing. Dann “gratitude”. Das erste Mal habe ich den Begriff Groove in den absolut richtigen Zusammenhang bringen können. Ich will mich jetzt nicht so darstellen, als hätte ich nicht vorher schon mal funky Musik gehört, doch in den 90ern war es schon so, das in der Radiomusik der Pop einfach nach 80ern stank. Keine Entwicklung, hängengeblieben im New Wave / NDW, alles wurde verschlagert und verweichlicht. Da musste doch mal jemand auf den Tisch hauen!
Und die Lyrics zu “gratitude” (Dankbarkeit). Endlich etwas mit Aussage, mit Tiefe, mit Seele. Keine pimmeligen “wir sind geilere MC’s als die westCoast blabla”; und in Deutschland gab es nichts Vergleichbares. Ich hätte mir gerne deutschsprachigen Hiphop angehört, da komm ich wesentlich besser drauf klar. Beispielsweise Advanced Chemistry landeten auch eine Hit mit “fremd im eigenen Land”, nur die Beats waren echt lasch.
Danach ein Instrumentalsong auf einer Hiphop-Scheibe! Mit WahWah. Alles, was ich an Hippiemucke gehasst habe, haben Beastie Boys genutzt. Nicht be-nutzt. “lighten up” Mit einer unfassbaren Correctness, um sich als nächstes dann doch selbst zu beweihräuchern mit “finger lickin’ good”. Ja wer ist denn so gut, hn?
Das eine Becken ist “pschhhhh” und klingt aus, das andere “psch”, ganz hart und kurz, abgestoppt, Kompressor drauf. Was ist das? Vom Band? Haben die das gespielt und aufgenommen und dann auf Platte gepresst, damit der DJ das dann zuspielen kann?
“so watcha want”? genau, wir sind finger licking good, also was willst du?
Um mit Katzenjammer “the biz vs the nuge” alles zu zersägen! Mit dem folgenden Bassriff hart zu zeigen mit welch einfachen Punkriffs man Hiphop machen kann, zwinker. “time for livin'”
Ihr merkt, da komm ich so schnell nicht raus. Die Platte läuft heiß.
Wird wieder beruhigt mit hippiesken, psychedlischen Klängen in “somethings got to give”.
“hm, it does go well with the chicken. delicious again, peter” eh eh eh ehehedieldee eh eh eh ehehedieldee…. wie gei-el!
Fetter Beat unter Entengequake, extrem spooky Bassline, what the fuck, wie cool!

“stand together” “pow” – funky as hell!
“the maestro” “groove holmes” “live at PJ’s” – remember on your way home, don’t drink and drive.
Um die ‘fuck ich hab zu viel getrunken” Hymne hinterher zu schieben “Mark on the Bus”.
Wie schlau! Was für ein Kleinod an Cleverness!
“Prof. Booty” “in 3’s” und zum Abschluß “namaste”, welches mich gelehrt hat, dass es auf jeder guten Platte einen verdammt guten letzten Song geben sollte. Kein Outro, ein Stück das nochmal alles zusammenfasst, abklingt und dir sagt:
good night, sleep tight and don’t let the bed bugs bite.

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MC: avoc – hassis, flows und schlappen

Boah. Wo hab ich das denn vergraben. Ich hatte es, glaube ich, mal bestellt, Beifang, wie ich neulich hier schon mal erwähnte. In diesem Fall Avoc, bestehend aus imPur und Avoc.
Oder ich habs getauscht. Jedenfalls:
deutscher Rap, links, oldschool Beats und n büschn Gepöbel.
Klar, da gibt es in eurer Welt, wenn ihr denn in dieser Bubble irgendwas gut findet wie Waving the Guns oder Antilopen Gang, sicherlich total tolle Sachen, nur, Avoc hatte mich irgendwie vom Hocker gezogen, weil er doch anders ist. Und vor allem: volle Kanne Underground.
Meine Ohren sagen, auch nach vier Jahren: top!
Und Out Of Vogue hat wohl noch ein paar Tapes. Lasst das mal nicht verkommen, das gute Zeuch!

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MC: lena stoehrfaktor – die essenz EP

Lena Stoehrfaktor hat ein neues Tape raus mit sechs neuen Track, die es in sich haben.
Saucooler Rap. Ja, Rap! Kein bräsiger Hiphop, keine Fritzelditzel Hihats aus der Retorte. Toughe Beats, gutes Kopfnickertempo, klare Ansagen.

ich teil aus und du kassierst

In Runde eins steht die Boxerin Lena im Ring und fightet mit den “real” Hiphoppern, die ihr Muskeln wohl nur zuhause aufpumpen und dan im luftleeren Raum ein wenig mit den Armen wackeln.
Lena ist the real Shit, this shit is dope!
Okay, eine Runde zurück. Lena hat bereits einiges raus, zwei tolle LP’s produziert mit “Gott im Himmel, Leichen im Keller” (2016) und “Blei” (2018).
Ich habe die beiden und wollte schon eeeewig eine Review hier schreiben: ihr müsst euch Lena reinziehen – und habs verdrängt. Jetzt aber die Chance mit ihrem neuen Taperelease, ganz “klassisch” kann man sagen. Es ist aber kein Mixtape, es sind gemixte Songs drauf, ja!
Sie klopft nicht immer so dicke Rhymes und haut mit dem Boxhandschuh auf die Buchstabensuppe der laschen Hiphopper. Doch sie hat schon einige Jahre eine Crew, mit der sie konsequent Musik macht. Asi-Es und Sinok sind die beiden Aliase, die ich immer wieder auf den Scheiben entdecke.
Aber Lena Stoehrfaktor ist eine ziemlich leidenschaftliche Musikerin und hat auch noch die Mainvocals im Rattenkabinett.

Zurück zum Tape!
Ein Video hat sie in ihrer Hood gedreht zum titelgebenden Track “Essenz”

Wo es mir aber in den Fingern juckt, zwei Takte loszuwerden ist bei “Sonnenallee”. Lena Stoehrfaktor verarbeitet ein wenig die Jugend ihres Hiphops. Wer war ihre Gang damals “Conexion Studio” in der Sonnenallee in Berlin. Unterwegs über die Dörfer, keine Gage dafür Spaß, Ärger mit Nazis und Bullen; dieser Track ist top gereimt und die trockenen Beats ziehen gleich mit. Erinnert mich an die 90er Jahre. Als Rap irgendwie viel tighter war als heute.

Es sind einige Videoaufnahmen von 2006 mit drin, ja da ist viel Zeit vergangen von damals bis heute. Einige sind drangeblieben, einige dem Burnout erlegen.
Im Interview haben Lena Stoehrfaktor und ich ein paar Gedanken dazu ausgetauscht.
Mit den sechs Tracks ihrer neuen EP “Essenz” geht es mit den Themen “Rap und nicht Pop”, Identitätsfrage, Kapitalismuskritik und überhaupt, der Frage nach dem Sinn, warum man etwas macht – warum Lena rappt – immer sehr klar und ohne Schnörkel um das Wesentliche.
Man kann schnell vergessen, in welchem Jahrzehnt Rap gerade (fest)steckt, wenn man ihren Tracks lauscht. Ein Favorit? Nope. Das ganze Ding ist Bombe!


Zum Abschluss ein Video aus 2016 mit dem Rattenkabinett, die übrigens im Herbst gemeinsam ein neues Album rausbringen. Ein wenig umbesetzt an den Instrumenten, mit Lena Stoehrfaktor am Mic.
Platten und / oder Tapes bekommt ihr bei Tanz auf Ruinen oder Black Mosquito oder direkt die zweite Auflage der MC bei Bandcamp!

(diese Review erscheint auch noch so ähnlich beim Vinyl-Keks.)

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review: BÜCHSE – Tumulte LP

“Tumulte” ist ja mal ne Ankündigung für ein erstes Album. Mir sagte die Band Büchse nichts, ich bekam eine unverfängliche, freundliche Anfrage.
Spontan nahm ich mich ihrer an und mein Stapel an zu hörenden Platten wuchs weiter an.
Zeit vergeht.

Ich packe die Platte mal spontan aus, freue mich direkt, ein grandioses Innenleben tritt hervor. Plakat, Platte, Booklet und: guter Musik auf Vinyl.
Ausm Saarland kenn ich nur Pascow. Glaube ich.
Ins Ohr flattern mir aber, zu meiner Überraschung, kein Deutschpunk, nicht mal Ansatzweise Punk, oder doch?, sondern Synthie, Drumcomputer, Gitarre und Sprechgesang.
Mit genau dieser Reduziertheit punkten der Dreier schon mal richtig hoch! Was ein bisschen Elektronik und Gitarren so ausmachen können. Die Lyrics sind sehr menschlich, solidarisch, offen und kommunikativ. Auch das sticht aus der breien Masse weit heraus! Die Texte machen wirklich Spaß. Ich hoffe, euer Mucke kommt im Radio, dass auch mal der Spack von nebenan mal hört wie man Sprechgesang mit Hirn zusammenbringen kann.

Cooler Song und cooles Video von Büchse über Coming of Age aufm Dorf.
Saarland in schlau.

Insgesamt echt mutig, so nem alten Punker die toll aufgemachte und gespielte Platte zuzuschicken. Ich springe also vom Tellerrand in einen Rap und Indierock-Gebräu, welches ich so noch nicht gehört habe. Aber meine Old-School-Freunde hören heute auch noch Such A Surge und zahlen viel Geld für deren LPs; for what?
Manche Musik ist halt zeitgemäß und kommt über diese Zeit auch nicht hinaus. Vielleicht weil sie zu experimentell und zu speziell ist.
Bei Büchse hab ich echt Hoffnung. Ein paar gute Musiker mit viel Phantasie für Story-telling und dieses in gute Lyrics verpackt. Gönnt euch.
Da geht noch was.
Das Chartpunklabel Bakraufarfita jedenfalls passt schon mal wie die Faust aufs Auge.