LP: allee der diktatoren – antifunktionierer

Man muss ja nicht immer gleich ein neues Genre aufmachen, aber bei der Allee der Diktatoren muss ich etwas an den „Punkrock“ anfügen, was da so gar nicht reinpassen will. „Kraut“. Lest weiter und ihr werdet erfahren, welch ausgetretene Pfade auf dieser Platte verlassen werden.

Ein Splash-Cover ist quasi zu zerstören, um an die LP zu kommen. Ich find das ja tatsächlich ganz witzig, wenn man Cover upcycled. So Dinger, die eh in 1€-Kisten verlottern und auf jemanden warten, der sie in ein Archiv überführt, sind doch bestens dafür geeignet, neue Cover draus zu machen.
LP kommt weg, Innenhülle kann man auch noch wiederverwenden, Außenhülle wird mit Siebdruck versehen.
Allee der Dikatoren sind aus einem gelben Farbeimer auf die Frontseite „geworfen“ worden. Sehr schön!
300 Plattencover vorne und hinten zu bedrucken ist aber auch ordentlich Arbeit, das kann ich euch aus eigener Erfahrung sagen! (endlich eine:) (x)punkArbeit hat diesen Auftrag ganz vorzüglich erfüllt!

Zur Musik gibt es dann doch auch etwas zu sagen.
10 Lieder, je fünfe auf einer Seite, und eigentlich enttäuschen mich die Allee der Diktatoren. Bei Abbruch Records hab ich jetz nicht mit so Singer-Songwriter-Mucke, vermischt mit Krautrock, gerechnet.
Bisschen Ton Steine Scherben, Milliarden oder auch Spaß-Rock-Funk wie alte Red Hot Chili Peppers, dazu rotziger Punk mit ziemlich wild klingenden Verzerrern.
So ernst die Texte gemeint sind und so ernsthaft sie auch formuliert sind, ist doch sehr viel Spaß in der Musik und der gesangliche Vortrag könnte auch bei einer Funpunk-Band stattfinden. Der Vocalist hat ganz offensichtlich tierisch Freude daran, alles komplett durchzusingen, da er sehr viel Spaß hat mit seinen Melodien. Da bleibt einiges hängen.
Mal abgesehen von den Texten!
Auf Seite 1 ist es „jeden Tag ist Krieg“, der ganz großartig gedichtet ist!

von Mund zu Mund
von Ohr zu Ohr
schreit eure Dummheit laut im Chor
meine Mission heißt
jeder gegen jeden
und eure Spaltung ist das, woran mir liegt
jeden Tag ist Krieg

Musikalisch erinnert mich das Straighte, nach vorne Gerockte an DxBxSx. Da biegt dann auch mal ein triodischer Part auf die Allee der Diktatoren! Einige beinharte Punks werden mit den Ohren zucken, wenn sie das hören oder lesen, denn beide Bands sind wahrlich keine Punkrocker. Nein, es ist ein Ventil, jede Menge (in Musik verpackte) Kritik loszuwerden.
Seite 2 wird eindeutig rockiger.
Sie bedienen sich schon bei bekannten musikalischen Motiven, „manipuliere mich“ habt ihr sicher schon mal bei ZZ Top gehört – oder sowas Ähnlichem! Wird rock-poppig. Eine wilde Mischung, auch ein wenig space-rockig, wobei Allee der Diktatoren nie einen Soundteppich machen, sondern immer schön drücken!
Im beiliegenden Infoschreiben steht, dass die Band das an zwei Tagen live aufgenommen hat. Was wohl bedeutet, wenn man die Platte durchhört, dass sie wohl sehr viel Erfahrung haben, gepaart mit unbändiger Spielfreude und erheblicher Präzision. Die haben schon echt Bock zu spielen.

„Architektur des Scheiterns“ ist dann der Song auf der zweiten Seite, den ich hier erwähnen möchte:

in den Fängen der Hoffnung
die nichts verspricht
weil sie weiß, dass Versprechen
am Ende viel zu oft
lügen heißt

Wer auf einen bunten Strauß Blumen steht, die einem auf der Allee der Diktatoren auf den Weg, vor die Füße geworfen wird: heb ihn auf, sammel sie ein, höre!

Den kompletten Release gibt es bei Spuckifei, da kriegt ich mich nicht zu. Hier also ein Deezer Link, dort gibt es nur einzelne Tracks aus dem Album. Warum eigentlich. Dann hör ich mir halt die Schallplatte an.

 

CeDe Salatschüssel #9: IQ Zero / Margot Erkner / SAFI / drauf

IQ Zero – Toss A Coin

Die aktuellste CD, rein vom Release her, sind IQ zero und heißt „toss a coin“ und mit der beginne ich auch.
Die Band hat also eine Münze geworfen und beschlossen uns dieses Album mit elf Songs zu schenken.
Im Inlay sieht man als erstes „für Stephan“ und darunter ein Foto einer (der) Band, die komplett am Rad dreht. Schön gestellt.
Dazu Autogramme. Nett.
Wenn die CD raus ist, sind lustige Fotos der Bandmitglieder, die offensichtlich sehr viel Spaß hatten komplett over the Top zu sein.
Die Mucke hört sich nach Green Day an. Durchdachter Punkrock von IQ Zero.
Die Bandmitglieder kennen sich seit Schultagen und waren 10 Tage im Killstar Studio in München.
„farewell“ fast schon ein balladesker Beginn, dann eigentlich ein guter Song wird. Das Piano spielt da gut rein.
Bei „wanna know“ geht es schon in fast poppige Gefilde, was so gar nicht mein Ding ist.
Pop-Punk, biscchen Emo, Punkrock.
Der Bass schwer und dengelt ordentlich, dafür ist der Rest so brav eingespielt und gemischt, dass ich echt die Wildheit der Fotos komplett vermisse.
„simpatico“ tatsächlich Pogo-Punk.
Es wimmelt so vor Singalongs, sicherlich live ne Wucht.

DRAUF – sternzeichen zigarette

Band kommt aus Vechta. Cover spricht mich gar nicht an, ich rauche nicht mehr und Tattoos auf der Innenseite der Lippe finde ich einfach dumm.
Also schnell die CD rein und bloß nicht weiter drüber nachdenken.
„sternzeichen zigarette“ ist allerdings auch gar nicht der vermutete Bandname, sondern es ist das Tattoo. Abgefahren. Drauf. Finde den Titel da schon irgendwie geiler. Lässt sich im Netz auch leichter finden! Egal, scheint ne junge Band zu sein, die ihren ersten Release raushaut.

Seit 2017 sind sie ordentlich unterwegs und haben sich, laut Vita, in die Herzen der Deutschpunks gespielt.
Das trifft es ganz gut. Soweit ich das über den ersten Song „das ist deutschland“ sagen kann. Und es ist bisher der beste Release, den mir Rockzone zugesandt hat. Kein Rock dabei, wirklich punkig das Ding. 
klar, es ist nicht alles Gold, was da funkelt, der Nächste „es ist nicht alles gold, was glänzt“ beginnt sofort mit einem Ohohohoh-Chor, den Alarmsignal oder Die Toten Hosen nicht besser spielen könnten und ich krieg Falten im Gesicht.
Jaja, Felix, maul nicht immer an allen CD-Releases rum. Aber halt in einem Song 8 Mal (oder mehr) den selben Refrain mit diesem Chor – warum macht man das? Meinen Bands, die das machen, dass der Zuhörer noch zwei Runden braucht um mitzugröhlen, oder weil er es nicht kapiert hat, was der Inhalt ist, hehe.

Die Themen sind gut, auch ab und an schon mal im Deutschpunk in Gebrauch waren.
Textlich finde ich das allerdings schon ganz gut.

„das ist deutschland
in der mitte rechter rand“
das ist deutschland

„ich kann es nicht mehr sehen
mit brandstiftern und tätern teilt ihr euch das bett
wie die fahne im wind
christlich sozial und so adrett“
auf dem rechten auge blind

Die Aussagen sind also treffend und die Musik läuft schon auch sehr gut rein!
Bisher also, wie gesagt, von Rockzone der geilste Release drauf „sternzeichen zigarette“ – gibts auch auf Vinyl (dann wäre dieser Review auch schneller fertig gewesen 😉 ) im SHop von Rockzone Records

margot erkner

Entschuldigt, dass ist wirklich ewig hier hängengeblieben, obwohl mich die Nachricht und dann die CD-Verpackung doch sehr angesprochen hat.
Tolle Pappschachtel! Und einem Zettel mit Infos und einem Foto. Ist ne Promo, Platte sieht ein wenig anders aus.
September 22 aufgenommen und 10 Songs sind drauf.
Gut abgehangene Rockmusik. Ist nice, läuft ganz gut durch.
Mehr habe ich gar nicht zu sagen.

Tomate Platten, Flight 13.

SAFI

Mehrfach gelesen habe ich über SAFI, dass es DAS Album des Jahres sei – und bin nicht drauf angesprungen.
Dann flatterte die CD doch hier rein.
Es ist düsterer Pop. Ein echt fettes Promoschreiben über zwei Seiten liegt bei und es sind so wohlfeile Worte, die den Sound und alles an SAFI so gut beschreiben, dass ich für einige Momente, in denen ich die Musik einfach laufen lasse, sprachlos bin und keine Ahnung habe, was ich jetzt machen soll.
Zwischen Wall of Sound und minimalistischen Songstrukturen hin + her wabert SAFI, spricht ihre Texte darüber. Also irgendwie mehr Spoken Word mit musikalischer Begleitung? Nein, da wird schon noch gesungen, es gibt Sprachexperimente. Avantgarde oder doch sehr klare, klar verständliche Aussagen?
Ein anderes Magazin schrieb „SAFI ist ein einziger, kritischer Moment, der sich in die Zukunft frisst und anfühlt wie eine Operation am offenen Herzen“. Was sehr lyrisch beschreibt, was die Band lyrisch bringt. Spannend auch die kleinen Noise-Eskapaden. Was beim ersten (rein)Hören noch echt ansprechend war, verliert sich diesmal tatsächlich.
Unglaublich viele featuring Artists wie Denis Lyxzen, Käthe Rummelsnuff, Sebastian Madsen.
Fazit: von Moses Schneider live aufgenommen, was ich tatsächlich, bei dem, was sie da musikalisch machen, für extrem professionell halte. Live sicherlich eine Wucht. Der Sound will mehr, die Musik will mehr, sehr fordernd und speziell. Irgendweas las ich auch von Punk… aber nein, dass ist sehr große Popmusik. Ganz sicher!
Tatsächlich ein Album des Jahres.
Ja, isses. Mir persönlich ist es sehr spannend und exzentrisch, schmiegt sich doch an. Ein wenig suche ich allerdings noch den Zugang.
Wie geht es euch damit?

Rookie Records. Als CD und als Doppel LP.

MC: kratzen – eins

Ich bekomm ein Promörtel Tape. Das bedeutet, es ist ein Promo Tape von Mörtel Sounds.
Kratzen mit ihrem selbstbetitelten Erstling. Es ist von 2020. Und inzwischen ist ihr erster Longplayer rausgekommen.
Kratzen sind minimalistisch. Im artwork noch mehr als mit ihrer Musik.
Repetitiver Indierock. Minimal New Wave Kraut.
Hier ein Appetizer vom neuen Album

Auf dem Demo, welches als Tape-Only-Release raus ist, lugt Tocotronic um die Ecke (oder spickelt, wie man hier in Baden auch sagt). Das Trio kommt aus Köln. Manch Zeile, manch Gesang erinnert mich auch an Nils von Grüner Star (ex. Schneller Autos Organisation); weil da diese feine Ironie drinsteckt.

Also selbst nach dem Jahreswechsel ist das ziemlich cool hörbarer Krautwave, so benennen Kratzen ihre Schublade.
Sechs Songs waren der erste Streich. Wer schickt mir das neue Album?