Drei Jahre nach der Nummer 3 flattert hier die neue Kurzgeschichte von Karl Knochen rein.
Warum fehlt mir die 4?
Grummel.
Ich suche in meiner Zinebibliothek. Dann bei Insta, auf seiner Seite. Weit und breit: keine Nummer 4.
Habt ihr sie gesehen?
Letzte Oelung. Numero 5.
Wunderbar aufgemacht.
Diesmal, das nehme ich vorweg, ist es keine Kurzgeschichtensammlung sondern eine, die durch zwei Protagonist*innen erzählt wird.
Einmal ist da Tantivy, die Geisel des kapitalistischen Warensystems ist und eigentlich nur aus Schaufenstern guckt, oder in Räumen steht, in denen sie beguckt wird, oder auch mal umgeworfen. Eine Puppe. Das merkt man ziemlich schnell, ohne das Karl das direkt bezeichnen würde; doch er zeichnet mit Worten ihre Welt. Die ist echt gut beschrieben und es dauert nicht lang, da fühlt man sich staubig zwischen muffigem Kaufhausinventar.
Tantivy ist so hart in dieser Welt angekommen und dadurch eine sozialistische Sichtweise (ich hoffe, ich beschreibe das politische System im Sinne des Autoren; bin auch immer ein bisschen verwirrt, wen ich ein Kreuz bei einer Wahl mache)
Der Gegenpart ist Charlie Os, ein Fußballfan, er hat ein ganz gutes Verhältnis zum Verlieren.
Beide irren in einer Leipziger Welt umher.
Die Kapitel sind meist getrennt durch kleine Textfenster die Zitate (von Autor*innen oder Bands) enthalten und sowas wie die Kapitelüberschrift sind.
Manchmal beinhalten die Kapitel kurze Strecken von beiden Figuren, manchmal sind sie auch getrennt.
Gegen Ende verdichten sich aber beide Geschichten, nähern sich an, bis sie verschmelzen.
Ein paar Collagen lockern die Textstrecken auf. Im Heft sind sie allerdings s/w, nicht wie auf dem scheren Pappcover, dass den Text einhüllt.
Sprachlich finde ich, dass das unheimlich gut beschriebene Momente und krass gute Sätze auf den Punkt gebracht.
Die müden Strassen der Kindheit
ist so ein Satz.
Ich muss einen Song dazu schreiben.
Er hat auch eine schöne Idee, die wie eine gedankliche Fortsetzung von Dr. Murkes wirkt. Es geht darum, was auf Tonbändern drauf sein kann. Jemand, der sich von Worten ernährt.
Circa 60 Seiten. Zu haben direkt beim Autor Karl Knochen, Link oben!
Eine super Kurzgeschichte, gönnt euch, besorgt euch, Buchstaben sind toll!

