review: KAPTAIN KAIZEN – einatmen, ausatmen CD

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Da läuft diese Scheibe nun schon seit Wochen bei mir rauf und runter, 2 Tracks sind auf dem aktuellen Sampler der Ausgabe 4 – und plötzlich tritt Schweiß auf meine Stirn. Habe was vergessen: den Review!
Hier also nun endlich einige wohlfeile Worte:
KAPTAIN KAIZEN, eine Punkband die ausm Südewesten kommen. Die Gitarren sind tief in die NDW-Plattensammlung des Vaters gefallen, das Schlagzeug treibt sie flott nach vorne, der Gesang mehr ein weiteres Instrument, den schrägen Tönen noch eine Synkope hinzuzufügen. Die Texte tiefgründig doch nicht oberschlau. Es geht ums Leben, es geht um Menschen, es geht um den Irrsinn zwischen 2 schiefen Harmonien.
Bevor ich mich nun überschlage vor Freude, schlage ich noch zwei Mal in die Hände!
Wieso hat das niemand auf Platte rausgebracht?
Die ersten Songs treiben noch mehr, doch nicht alles ist windschief auf dieser tollen Platte! Ich höre da in Momenten auch mal das Indigenäsel von SPORTFREUNDE STILLER oder die Sehnsucht von TURBOSTAAT. Einige Wechselgitarreneinsätze erinnern mich an NICHTS. Ich werde mal nicht 30 Minuten angepisst angeschrieen, wie das einige Bands gerade bevorzugt machen. Das ist toll!
Viel Abwechslung. Wenig Verzerrung. Lo-Fi Indi Schrubbel Punk.
Unbedingt anchecken!

konzert: ARTCANROBERT 25.03. KUBALLA / KRANK / atmen, weiter… / COLD KIDS

watn Line-Up!
KUBALLA aus Ludwigsburg, COLD KIDS aus Bamberg, ATMEN, WEITER… aus Landau/Mainz und KRANK aus … Münster oder so.
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Es starteten die COLD KIDS mit ihrem treibenden Synthiepunksound und dem fordernd, gestikulierenden Sänger Hobel.
Das ging gut nach vorne! Die 7inch, die letztes Jahr rauskam, habe ich ja besprochen! Wir haben dann auch noch ein Interview nach einem bretternden Set gemacht. Gibt’s dann ganz bald in Ausgabe 5 zu lesen! Reingucken!
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dann: atmen, weiter… ich kann nur sagen: endlich mal wieder. Oli hat ja eine Zeit bei burn/it/out gespielt, die es nun eine Weile nicht mehr gibt. Und desöfteren Konzerte im Fatal zu Landau organisiert. Die waren immer toll, trotz oder gerade wegen der kleinsten Bühne im ganzen Bundesgebiet!
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eine sehr emotionale Show, die da Oli und Höbi, die beiden Gründer, mit ihrem neuen Bassisten Jan nach vorne gespielt haben. Viele neue Songs, die noch nicht auf ihrem 4-Track Demo von 2013 sind/waren. Dafür gibt es Neues auf die Ohren, die Herren haben aufgenommen und suchen aktuell ein Label für ihre LP!
An Startnummer Vier der heutigen Hitparade waren die Ludwigsburger KUBALLA.
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Ich kann schon fast sagen „wie immer“ da es die sicher 7te Show ist, die ich mit ihnen sehe: top!
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Tom shoutet seine angepissten Lyrics quasi im Blingflug. Dazu rockt Matze die Songs als lockere Fingerübung, Martha bringt die weiblichen Note(n) aufs Griffbrett, Nicholas brettert den Bass und Martin passt auf, daß er sich keine Blasen und Schrunden an den Händen holt. Insgesamt sehr laut, was wohl am Mischer lag. Gar nicht daran, daß das Punkrock ist.
Apropos Punk: zum Abschluß gab es dann die Punkrocker von KRANK auf die Augen und Ohren.
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ich kannte sie bisher aus dem Katalog des Labels this charming man, das bisher nur eine Hitband in meine Ohren getrieben hat: FREIBURG! Alles andere ein wenig noisig, sperrig. Nungut. Ein anderes Blatt!
KRANK waren erstmal wie ein Alien, da sie komplett klaren, mit sehr deutlichen Messages gespickten Punkrock spielen. Der hat auch seine Ecken und Kanten, ist aber Punk und nicht so artsfartynoisy. Mit neuem Album „ins verderben“ im Gepäck!
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Sänger Jan kloppt eine Wahrheit nach der anderen raus. Läuft aufgeregt vor der Bühne hin und her (der schwarze Schatten vor Schlagzeuger Ramon). Die Band ist ziemlich spielfreudig drauf und kloppt einen Punksmasher nach dem anderen raus, ohne eine allzulange Biertrinkpause einzulegen.

Top Abend.
Ich hoffe, das Artcanrobert bleibt uns noch lange erhalten…. man weiß es ja nicht so genau, wann das Neubaugebiet gegenüber fertig ist und Lärm unerwünscht……

review: BLANK WHEN ZERO – taped TAPE

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Vom kleinen, feinen Label KEEP IT A SECRET aus Mainz kommt hier ein Tape von der Band BLANK WHEN ZERO, ebenfalls aus der Mainzer Gegend.
Ich hatte schon mal in den einen oder anderen Release von KEEP IT A SECRET reingehört allerdings noch nicht meinen Lieblingssound gefunden. Und dann das: losbrettern, abfahren, 1, 2, 3, 4 in Hochgeschwindigkeit. Hardcorepunk der aber nichts mit den Nietenmeeren auf irgendwelchen Lederjacken zu tun hat. So zumindest mal auf dem neuen Album „taped!“ aus 2016.
Wenn man sich aber ihr Gesamtwerk, wie auf dem vorliegenden Tape, durchhört, merkt man schnell, daß BLANK WHEN ZERO ein Trio sind, daß die Parts abbrennt wie ein Feuerwerk. Ein Rauschen in den Ohren der Walfische, für den geneigten Hörer Hit an Hit. Zwischen Amen81, früheren Tool und NeinNeinNein. Sag ich mal so als Musikjournaillenstudent.
Alle Aufnahmen sind einwandfrei aufgenommen und eingespielt. Gut gemachte Schnipselcover immer am „goldenen Schnitt“ vorbei.

Auf dem Tape sind die Songs vom Album „taped“ „blank“ „einerseits“ und „konsumrauschen„.
Alles aus den Jahren 2010 bis 2016.

Dieses Tape ist die erste Magnetbandveröffentlichung beim Label. Bisher Vinyl und CD. Somit das Portfolio erweitert, gute Idee!
KEEP IT A SECRET

review: DxBxSx – wer will das denn (LP, CD, MC, DC)

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Die Band ist aus den formerly known as DRIVE BY SHOOTING hervorgegangen. 2009 suchten die Verbliebenen händeringend einen Trommler und fanden auch einen. Sie ersetzten einen Haufen Buchstaben durch ein X im Namen und auch das Englische wurde gegen nun deutsche Lyrics eingetauscht.
Diese deutliche Verbesserung in Punkto Sprachverständlichkeit führte direkt in einen Rio Reiser-Vergleich. Wobei ihr Fashion Style sich schon klar abhebt von den 70er Jahren. Ist eher so ein Edel-Rocker-Look a la Berlin, wa!
Die Musik spielt im Rahmen der benannten Berliner Schnoddrigkeit auf sehr hohem, schweißtreibendem, Schweinerockniveau.
Was wiederum die frechen, wortwitzigen, punkigen Texte von Sänger und Gitarrist Angel konterkariert und ins Punkige treibt. Die schnoddrige Art mit der der Bass von Tim (auch bei der Band „blutige Knie“) malträtiert wird (schön in den Videos zu sehen) ist absolut Outstanding Stuff. Oder? Nö, kenn ich schon vom KYUSS Bassisten. Oder NIRVANA.
Verdammt, doch alles nur geklaut? Oder kann sich da nur keiner mehr dran erinnern, weil so lange her?

Energie, Punk, Stoner, passt alles zusammen.

Hört mal selbst rein – neues Album „wer will das denn“ ab dem 28.04. zu haben.
bakraufarfita

Oder, auch geil: LIVE
22.04. Nürnberg Kunstverein
05.05. Magdeburg HOT
06.05. Berlin Cassiopeia (Record Release Party)

nur glotzen, aber nicht anfassen:
herrlich schräges, durchgeknalltes Video zu Berghain
monstercooles VFX-Kino zu „ihr! alle! immer!

konzert: ARTCANROBERT 11.03.2017

Endlich mal wieder das Artcanrobert. Mein liebster Club in der Gegend und immer eine Reise wert!
An diesem Abend 4 Bands:
als erstes spielten AS TIME RUNS OUT, eine richtig, echte Newcomerband aus dem Artcanrobert!
 photo IMG_2086_zpsqwriieua.jpg sofort gelang mir ein mystisches Pic. Heavy, growling, ein wenig rumpelig noch. Vor allem laut ham se gespielt. War super!
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Nach AS TIME RUNS OUT spielten weitere Artcanrobert-Hasen nämlich: KRASSER FAHRSTIL.
Ich ging kurz Backstage, während sie aufbauten und ich muß schrecklich ausgesehen haben, beim fotografieren:
 photo IMG_2103_zpslxoujvno.jpg Der Trommler vom den MEAT BALLZ erschreckte sich heftig und drohte mich mit einem französischen Baguette zu erschlagen.
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Die Band, die im letzten Jahr einige Besetzungswechsel hatte, hat sich nun gefunden und spielt Punk mit ziemlich klaren Wurzeln im Deutschpunk. Gute Lyrics, nach vorne, Melancholie.
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In der neuen Printausgabe (nächste Woche im persönlichen Handel erhältlich) ein kurzes Interview mit den Herren Markus und Juki (beide Gitarre).
Danach die famosen pADDELNoHNEkANU.
Aus meiner Sicht ein feines Konzert, wir nehmen ja gerade auf, haben kaum geprobt, dafür als Zugabe die Coversongs fürs Jubliäumstapes gebrettert: Boxhamsters – Konflikt / EA80 – Tote Puppen / Dackelblut – Frisör.

Zum Schluß dann ein Grunge / Hardcore / Stoner Gewitter der Karlsruher Combo MEAT BALLZ.
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Ganz klar: es ist Grunge! Ich habe diese Spielart schon lange nicht mehr auf einem Konzert gehört. Super. Vor allem laut!
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Elegische Stonerparts – nach einer Stunde Spielzeit kam es mir so vor, als ob die Band maximal 6-8 Songs gespielt hätte.
Und danach spielten sie noch mal eine Stunde.
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Jedenfalls hat sich der Baguetteattentäter erfolgreich hinter seinen Haaren versteckt.
Ich hab ihn nicht wiedererkannt.

die Provinz (Teil 1 1/2)

Mal ins Blaue kacken. Dabei OIRO – Rentnerboy hören.
Und dieses unsägliche Interview lesen:
mit dem Typen von HAFENSAENGERS. Oder formals LIGHT YOUR ANCHOR.
Wer keinen Bock hat, ein Interview mit einer Hardcore Combo zu hören, die eh keiner kennt, aber 17000 youtubearschlikes hat, die dem Kahn folgen, der da seinen Anker gelichtet hat – der möge sich meine dezidierten Worte hier durch den Kopf gehen lassen und ein Bier auf unser gemeinsames Wohl trinken. Hier mal ein kurzer Überblick über „Click-Messungen“ bei youtube und Facebook. Nennt sich affiliate marketing. Kennste nich? Ick och nich. Hab kein Abi.

Ich nehme mal vorweg, daß eine Musikszene, die sich noch nie entscheiden konnte, ob sie das zum Spaß macht, mit Spaß UND Message, mit Message und voll ernstgemeint oder mit spaßiger Message und ohne alles andere – sprich: der HC / Punk – Szene – soll sich doch bitte genau überlegen, was er da ablabert.
Wenn er was labert.
Da ich neugierig bin und auch schon mal die Timeline eines Hardcore-Fans durchschaue, über den Tellerrand luge, jaja, so geht das mit der Vielfältigkeit, denn ich ja erwiesener-maßen ein Punk. Vielleicht. Lese ich also ein Interview, daß ich eigentlich gar nicht kennen will. Solche Aktionen eröffnen doch auch mal einen neuen Blickwinkel. Oder erinnern mich, wie meiner ist. Wo ich stehe.

Als erstes also der Spruch „Never trust a hardcore kid that has not listened to punk“. Joah. Hab auch mal Hardcore gehört. Leider aber irgendwann festgestellt, daß diese Szene sehr durch Ausgrenzung und Härte glänzt. Was mal aus dem Punk, der Chaos, der Anarchie, der Wut gegen das herrschende System gekommen ist, ist für mich – von außen betrachtet – oft nur noch ein Geboxe von jugendlichen Leichtdenkern, die die Musik und deren Message weder hinterfragen, noch ein „wir sind bunt“-Schild umhängen haben.
In den 90ern kam es auf gemeinsamen Konzerten, da spielten schon mal HC / Punk / Metal oder ne Ska-Band am selben Abend, zu Auseinandersetzungen, die auf einigen Konzerten zu einem Spielstopp geführt haben. Die Band hörte auf. Der Boxring wurde aufgelöst und die meist betrunkenen „Schläger“ wegdiskutiert oder rausgeschmissen. Das scheint heute nicht mehr so zu sein.
Und jetzt der Bogen zu dem Herrn im Interview:
„Ich bin im Dorf groß geworden – das ist ja auch schon mal nicht cool für eine Hardcore-Band.“
Also wir, hier in Baden, zwischen HdJ Bühl, Weitenung und JUBE Baden-Baden. Zwischen STEFFI in Karlsruhe und dem KESSEL in Offenburg oder auch mal dem Schlauch in Pforzheim (die meisten Läden gibts leider nicht mehr…)
Wir, haben uns zu 6t ins Auto gequetscht um ne geile Band zu sehen. In Nagold. Oder in Biberach. Wir kommen also alle vom Dorf und kleinen Städten.
Und sind aber sowas von cool!
Jetzt kommt aber erst der Knaller:
„Ich bin jetzt 33 Jahre alt, ich bin echt ein gesettleter Typ, ich lebe mit meiner Freundin und ihrem Kind zu Hause, gehe ganz normal arbeiten und freue mich auf Wochenenden, wo wir dann schwimmen fahren – ich bin nicht der Revoluzzer. Klar, früher war man auf Demos und hat Steine geschmissen, aber ich finde, das ist nicht mehr real.“
Oh mann. Ich überlege kurz, ob ich die Schnauze halten soll, oder doch lieber „er“.
Keinen Bock zu recherchieren, wie der heisst. Noch mir auch nur ein Video oder Song von denen anzuhören. So vong Interesse her.
Kriegen die doch nur n Click und beweihräuchern sich. „guck mal, noch einer. voll real.“
Ahhhhhhhh!
Also ich bin 41 (fuck, wer hätte das gedacht), 3 Kinder, keinen regelmäßigen Job – und wir stehen immer noch gemeinsam auf der Bühne und fackeln ein Feuerwerk der Worte und 4/4 Takte ab. Klar habe auch ich Texte geschrieben, bei denen ich mich heute frage, ob ich das wirklich so mal gemeint habe. Andere sind aber zeitlos „troubadour“ – ja, ich verlinke, guckts euch an. Viel Zeit/Herzblut/Arbeit steckt da drin. Werd ich wohl mal sagen dürfen! Jaja. Och keen Punk. Aber unsere Haltung Punk genug, es trotzdem zu spielen. So wie viele Punkbands anno dazumal das Reim- und Songschema der Musik ihrer Eltern übernommen haben: Schlager!
Wenn mir einer sagt, ich sei nicht mehr „real“ oder „zu alt für den Scheiß“ von wegen „Jugendkultur“: Fuck off!
Es ging schon immer darum, den Otto-Normal-Spießern etwas entgegen zu setzen. Auch auf Konzerten zu spielen, wo man nicht hingehört. Wenn Punk und Hardcore nur noch in Jugendhäusern und AZs stattfindet, dann habt ihr euch alle erfolgreich ausgerenzt und lebt in einer Parallelwelt. War das die Idee?
Nur die „coolen Leute“ in der Gäng? Nur denen sagen, was sie ohnehin schon wissen?
Nen Job zu haben, der in dieses Bild vom Hardcore passt: Tätowierer?
Es muss niemand ein Aktivist sein, um real zu sein. Niemand muß irgendwas. Das ist das Dogma!
Müssen, das müssen nur die, die Kapitalismus mit Demokratie verwechseln. Das eine ist Scheiße und das andere sollte immer hinterfragt werden, um gemeinsam, sozial, human, miteinander umzugehen.

Spielt aufm Stadtfest und zerfetzt die Gehörgänge derjenigen, die so denken wie der Sänger von dieser Band. Denn seine neue hat zwar keine, zehn mal erwähnten Breakdowns, ist aber endlich im Schlagersongwriting angekommen. „Hafensaengers“

Meine Haltung wird da bleiben: Punk / HC / Metal … oder sagen wir: alles was nicht Rock / Pop / Schlager ist, dazu gehört auch viel HipHop und Rap, darf Subkultur bleiben. Wer den Druck hat, damit Geld verdienen zu wollen, wird hoffentlich für alle Zeiten enttäuscht werden!
Auf wie vielen Platten stand früher „don’t pay more than: 6$“ (oder ähnliches).
Heute ist es Alleinstellungsmerkmal für Labels und Bands zu sein, die Platten immer aufwändiger bedrucken zu lassen, dazu ein Aufkleber, ein Poster, ein Booklett UND einen Button für 18€. Man findet wirklich wenige, die ihr Herzblut in die Sache stecken und nicht das Geld im Auge haben. Respektive dann im Geldbeutel.
zB THROUGH LOVE RECORDS (ach so, die sind nicht hardcore genug. zu viel weini-weini.)
„Mau-el!“

review: V.A. Kinderheim St. Maria Josefa, Peru Benefit 12inch LP

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eine Bombenaktion!
Mal ganz abgesehen von dem klasse Line-Up, was sich da für einen Abend versammelt hat und auch noch diese Platte zusammen rausgebracht hat. 4 Mal feinster, deutschsprachiger Punkrock!
In Kooperation mit my45 (presswerk) schäl sick (veranstalter) und angry beard (layout) und antikörper export / pressure an ink (siebdruck auf der b-seite)
Ich fasse mich kurz, denn ihr dürftet merken: ich bin begeistert.
zu DUESENJAEGER oder DISCO / OSLO muß ich den meisten ja nichts mehr erzählen. Zu AUßER ICH sei gesagt, das sie auf dem Sampler #3 mit drauf sind, wer reinhören mag. Und mit GIULIO GALAXIS kann das noch was werden 😉
Die Platte ist entstanden, um ein Kinderheim in Peru zu unterstützen.

Infos zum Kinderheim:
Das Waisenhaus „Albergue de Niños Santa Maria Josefa Ferreñafe“ liegt in Ferreñafe, eine kleine Stadt im Norden Perus.
Hier leben durchschnittlich 20 bis 25 Kinder im Alter zwischen 0 und 7 Jahren. Das Kinderheim kümmert sich hauptsächlich um Straßenkinder und Kinder von StraftäterInnen die Ihre Kinder nicht mehr versorgen können. Viele von ihnen haben Missbildungen oder Traumata aufgrund des oft hohen Drogenkonsums ihrer Eltern während der Schwangerschaft.
„Es kam auch schon mal vor, dass Babys zu uns gebracht worden sind, die zuvor in einem Mülleimer gefunden wurden“, so die Heimgründerin Maria, die vor fünfzehn Jahren von Spanien nach Peru ausgewandert ist und das Heim gründete.

Das Waisenhaus wird von Nonnen geführt, die sich rund um die Uhr um die Kinder kümmern. Unterstützung vom Staat oder Kirche bekommen sie nicht, das komplette Waisenhaus finanziert sich ausschließlich über Spendengelder. Ob Babymilch, Windeln oder Medizin – es wird dringend Hilfe benötigt.

über die FB-Seite von SchälSick sind noch einige Platten zu haben!
und hier die Veranstaltungs-Review vom Abend des release / PUNKEVAL bei Bierschinken!

die Provinz (Teil 1)

Es gibt dann langsam doch ein paar Dinge, außerhalb der zerfledderten Musikszene in Baden, die auffallend sind und erwähnt werden müssen.
Kurzfassung:
In Baden-Baden wird der Leopoldplatz umgebaut.
Er wird umgebaut, weil er seit den 1990er, als der erste Umbau in einen stillgelegten Platz erfolgte, immer und immer wieder saniert werden musste.
Der Platz war mal befahren und ausgestattet mit Ampeln. Es wurde aber eine Tunnelumgehung gebraben, um dem immer größer werdenden Verkehrsaufkommen Herr zu werden.
Im Stadtwiki lassen sich ein paar schöne, alte Fotos angucken, wo das Denkmal des Großherzog Leopold noch steht; daher der Name des Platzes.
Da aber immer die Linienbusse über den Mittelpunkt Baden-Badens verkehren, ist der Platz, bzw. der Untergrund stakren Belastungen ausgesetzt.
So gab es kurz nach der Eröffnung 1991 schon Sanierungsbedarf. Komplett saniert wurde 1993, 1995,…. wie gesagt: Stadtwiki!
Um der langen, teuren Geschichte des Leos entgegenzuwirken, beschloss man also den Platz komplett und ein für alle mal zu sanieren. 2 Jahre Bauzeit.
Das ist natürlich immer eine sehr schwierige Zeit für die Einzelhändler um die Baustelle.
Es wurde lange um den Termin der Baumaßnahmen diskutiert. Und immer wieder geschoben.
Das allein reicht aber noch nicht zur Farce. Nein, es stand der Termin des G20 Gipfels im März 2017 schon fest, als mit den Umbauten begonnen wurde. Sofort stellten sich wirklich schlüssige und einwandfreie Fragen:
Wieso muß sowas überhaupt in einer Stadt mit 50000 Einwohnern und 4 Ein/Ausfallsstrassen stattfinden?
Alle Gullideckel müssen aus Sicherheitsgründen verplombt werden. Was passiert mit der Baustelle?
Die Antwort aus dem Rathaus: Wir schütten sie zu. (sehr schön auch die Bemerkung: „damit die Leute demonstrieren können“)
Für 2 Tage G20!
Danach buddeln wir sie wieder aus!
Ein süffisanter Artikel dazu bei focus baden-baden
Die Stadt stellt das natürlich sachlicher dar!
bzw. überhaupt nicht.
Es gab verschiedene Termine mit den Einzelhändlern, da 2 Jahre Bauzeit doch, bei zu hohen Einbußen, existenzgefährdend werden können! Ein Artikel im Forum Baden-Baden Blog.
Musikalische untermalung:

Soviel zu unserem kleinen, beschaulichen Städtchen am Rande des Schwarzwaldes.

konzert: mein Festivalsommer

(schon ein paar Tage her, habe den Bericht aber gefunden und nun soll er ins Netz. Ich fands nämlich toll da:)

Der etwas andere Livebericht zu RedHotChiliPeppers @ RockImPark

Zum 9. Geburtstag wünschte sich unser ‚Mittlerer‘ eigentlich einen Konzertbesuch bei Revolverheld. Nicht meine Mucke. Trotzdem mal geguckt und festgestellt: die machen dieses Jahr nur so Akkustiknummern. Scheißteuer und Noah will ne rockende Band. Laut und echt.
Eine Weile später, kam mit einem alten Freund eine Lösung ins Haus geflattert. Wir unterhielten uns, auch über Noahs Wunsch, und kamen auf die Chili Peppers. Der, kleinste gemeinsame Nenner im Hause, denn der Große und meine Frau finden sie auch gut. Spielen dieses Jahr aber nur OpenAir. Das sei kein Problem, sagte mein Freund, er arbeite bei RIP, er bringe uns rein. Klar, dachte ich. 2 Erwachsene, 2 „kleine“ Kinder zwischen 70000 aufgebrachten Jugendlichen. Klang nach einem Plan.
Wir also um Altersgrenze und fehlende Tagestickets gekümmert. Freund um begehrte Bändchen. Dann kamen die ersten Nachrichten. Unwetter. Viel zu viel Regen. SouthSide kurz vor dem Untergang. Die Zeit wurde knapp, denn Sonntags waren RHCP die Headliner und RockAmRing brach das Festival ab. Und RockImPark?!?!? Sonntagmorgen kam die Entwarnung: in Nürnberg wird weiter gerockt. Folglich Stullen geschmiert, ab ins Auto.
Wir fuhren durch ein krasses Gewitter, was uns auf 30 km/h auf der Autobahn verlangsamte, kamen heil an. Unsere beiden Jungs kamen aus dem Staunen nicht mehr raus. Lauter halbwegs Betrunkene am Strassenrand. Einstürzende, halb verfallene Zelte. Irrwitzig laute Musik aus 100ten Boxen. Migranten, die die leeren Pfanddosen und -flaschen einsammelten. Eine Schlange am Eingang. Menschen über Menschen. Uns Erwachsenen fällt das nicht mehr so auf, doch Kinderaugen fallen Dinge auf, die wir übersehen, nicht sehen wollen.
Und dann erklär das mal….
Ein Security nahm sich im 2ten Wellenbrecher gleich unser an. Wir bekamen quasi Sitzplätze am Wellenbrecher; und falls irgendetwas sei: melden 😉
Überhaupt fiel meiner Süßen und mir auf, wieviele Menschen uns anguckten. Manche mit dem Tantenblick ‚das könnt ihr den armen Kindern doch nicht antun‘. Manche mit dem typisch deutschen Skepsisblick ‚erzähl mir nicht, daß die Kids freiwillig hierherwollen‘. Sauviele aber freuten sich mit uns. Fragten die Jungs, wie es ihnen gefällt und welche Band sie denn gut finden.
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Apropos Musik: wir sahen die DEFTONES gegen 17 Uhr.
Meine Söhne waren nicht so angetan von dem Slomo-Rock, dem Jammer/Schreigesang. Ich mochte die Hits ’shove it‘ und ‚my own summer‘ echt gerne hören. Die neuen Songs leider etwas belanglos. Der Wind wehte durch die Haare des Gitarristen, dessen Gesicht man nicht ein einziges Mal sehen konnte. Hochprofessionell wurden Gitarren während der Show getauscht. Ich hatte das Gefühl, daß der Funke auch nicht wirklich auf das restliche Publikum übersprang.
Danach kamen BILLY TALENT. Die riesige Leinwand zeigte an, daß sie weit über eine Stunde spielen würden. Ich dachte nur: ‚och nö, doofe Kiddie-Musik‘. Dann legte die Band los. Und ich war platt. Erstmal viel mir der saugute Drive auf, den Bass und Schlagzeug haben. Dann erzählte der Sänger mit der IronMaidenQuengelstimme, daß es die Band nun bald 20 Jahre gibt. Ups. Einige Songs hatte ich auch schon mal dudeln hören. Und dann fiel mir das Spiel und die Gitarre auf. Die runtergespielten Bünde der Fender. Sofort hatte ich das Bild eines Menschen vor Augen, der mit seiner Klampfe, seinem Baby, in allen Lebenslagen, unterwegs ist. Mit der er übt, die er pflegt, mit der er schläft, aufnimmt und sogar auf große Konzerte mitnimmt. Mal abgesehen von den langsamen Nummern und der Stimme hats mir überraschend gut gefallen. In jedem Fall sind meine Jungs jetzt Fans!
Dann eine schier endlose Pause bis zu den ChiliPeppers. Großartig. Wir hatten sie 2003 schon gesehen. Damals noch mit John Frusciante an der Klampfe. Den ‚Neuen‘ haben sie aber inzwischen auch richtig gut eingespielt. Es war wieder eine Freude, die Herren auf der Bühne rumspacken zu sehen. Flea lebendig und hüpffreudig. Anthony mit seiner Pornoleiste. Chad mit einem packenden, wie auch eigenständigem Schlagzeuggroove. Natürlich waren ein, zwei Hits dabei. Doch spielten sie viele Songs der letzten beiden Alben. Alben, die wir nie gehört haben. Songs, die leider nicht mehr alle denn geilen Drive der 1990er Alben haben. Aber sie spielen.
Bei der ersten Zugabe machten wir uns auf den langen Weg zurück zum Auto, um dem möglichen Stau am Ende eines solchen Festivals zu entgehen. Am nächsten Morgen war ja schliesslich wieder Arbeit und Schule angesagt.
Dickes Bussi 😉 an meinen Kumpel, der das möglich gemacht hat!
Vorbei an menschenleeren Müllhalden von noch kaputteren Campinggegenständen. Viele Menschen lassen ihren Scheiß liegen und verschwinden am Ende des Festivals. Und während noch eine Hart&Heftig Metalcombo von der kleinen Bühne unseren Rückweg zum Auto beschallte, waren wir noch berauscht, allein von der Musik!
Ein famoser Tag. Einzigartig für die Jungs. Mehrfach übergrossartig.

F I N

Am nächsten Morgen kamen wir natürlich kaum aus dem Bett. Jedenfalls meine Süße und ich. Die Jungs sprangen schon wieder munter in die Klamotten und in die Schule. Allerdings merkten wir dann nachmittags, so gegen 17 Uhr, das ihnen etwas Schlaf fehlte!