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review: KRAUSE GLUCKE WELTVERSCHWÖRUNG – split/ PARKBANK 5000 MC

Krause Glucke Weltverschwörung und Parkbank 5000 haben mir ihr Split Tape zugeschickt. Erster Song „stillstand“ geht gleich echt gut rein, mit ner guten Portion Schrammel-Punk-Attitüde… und da fällt mir dann direkt ein, dass ich das Tape schon ganz lange habe, Asche auf mein Haupt, weil ich den beiliegenden Zettel, den die liebe Marion mir geschrieben hat, wieder lese. Das Tape kam schon im August, habs gleich beiseite gelegt, ganz viele andere Sachen angehört.

Krause Glucke Weltverschwörung eröffnen also die erste Seite und der zweite Song „der tod fährt mit“ kommt etwas ruhiger mit mehr Indie-Einflüssen. „brachland“ und „sprechdurchfall“ beschäftigen sich mit brandaktuellen Themen, die Texte sind sehr engagiert. Es geht um Brandrodung, Ausbeutung und Monokultur. Es dreht sich, leider jederzeit akutell, um die Dummheit der Menschen, die sich unbeschränkte Macht wünschen, um die Freiheit des Einzelnen abzuschaffen. Insgesamt fällt mir auf, dass zum ersten Demo die Band sehr viel keativer im Songwriting vorgeht. Stilistisch inwzischen ein wenig mehr Lügen als noch auf dem ersten Demo vom letzten Jahr. Sie sind auf einem verdammt guten Weg zwischen Melancholie Ernsthaftigkeit. Zjm Abschluss ihrer Kassettenseite gibts ein Cover der Band Suicidas, der hervorragend zu den andern Songs passt.

Es folgen Parkbank 5000 mit Elektro-Deutschpunk. Klar, kann man sofort irgendwie Richtung Pisse denken, ist aber doch ne ganze Ecke anders. Etwas mehr Rock’nRoll bzw surfige Gitarren und viel gemeinsamer Gesang. In „mimikri“ geht es um misstrauen und verwandlung der menschen. „scheiss deutschland“ fällt bei mir schon seltsam auf, da die Badn von 40 Jahren Mauerfall singt. Verrechnet? Oder kommen sie aus der Zukunft? Mit „sleepless nights“ und „toxic human“ gibts zwei englischsprachige Songs, die sich to-tal nach oldschool England-Punk anhören. Die fallen musikalisch etwas ab, jedenfalls irritiert mich der plötzliche stilistische Wechsel. So haut es am Schluss „einer flog über die parkbank“ mit Reimen wie „die pillen haben versat / wirst von deiner angst gejagt / die verzweiflung saugt dich aus / du weisst, hier kommst du nie mehr raus“ gar nicht mehr raus, im Gegenteil. Da ist noch Luft nach oben!

Nichtsdestotrotz: ich liebe Tapes und kann nur empfehlen, euch die Split zu besorgen. Sehr schönes Artwork auch, solide aufgenommen und sowieso unterstützenswert, da die Bands aus dem südlichesten Teil Deutschlands kommen, wo Punkrock provinziell ist und bleibt; und deswegen einzigartig!

 

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review: DUNKLE STRASSEN – s/t MC

Dunkle Straßen (benannt nach einem Song der folgenden Band?) aus jeder Pore klingt sofort PISSE! Klar findet eine Band die so steil geht zwangsläufig irgendwann Nachahmer. Wobei ich die 1. Kopie in dieser Art höre. Das soll auf keinen Fall ein Diss werden!

Dunkle Straßen unterscheiden sich in jedem Fall dadurch, das sie auf Synthie und Theremin verzichten. Bass, wenig Klampfe, Drumcomputer. Die Musik dadurch nicht ganz so apokalyptisch, doch ebenso angepisst. Zappelig gehts los mit „die blaue lagune“. Ein paar im Sampels setzen einige Stücke zusammen, Skit 1 und Skit 2. Musikalisch nicht wirklich einzuordnen. Die andern Songs eine wilde Mischung aus düsterem, angepissten Wave-Punk. „nebel“ ist so ein fieses Stück. Geil. Einen Hit landen sie auf jeden Fall sofort bei mir:  „obwohl da ist noch joint. Hat so was vom Minimalismus der Sleaford Mods.

Das Cover ist ganz schön gemacht, die Farben passen da ganz gut zusammen. Irgendwie ist das ja eine ganz schlimme Kreuzung, ich würde mich dort verlaufen, in der Nacht, wenn ich all den Strichen folgen würde. 

Wie auch immer, ich höre weiter, mir fällt bestimmt noch was Schlaues ein, was ich in diesen Review packen kann. Ja: auf der A-seite ist ein Mix der so wohl nicht gewollt wurde, heißt es. Deswegen auf der 2. Seite noch mal die selben Songs in einem echt guten Sound. Das Tape lohnt sich anzuhören, macht mal ne Platte!

Das Outro zum Schluß von Dunkle Straßen zeigt, das die Herren mehr als  Wut im Bauch haben, auch Humor. Jedenfalls scheint da wohl jemand doch n Joint gehabt zu haben.

(ich war übrigens Like #2. also: FB besuchen!)

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review: i am the fly – s/t 7inch

I Am The Fly – eine selbstbetitelte, in Eigenregie rausgebrachte Synthie-Punk 7inch, die sich gewaschen hat.

Ein erstaunter Ausruf entlockt sich meiner vom OP-Maske tragen heiseren Kehle: Oha! Warum hab ich diese Single nicht schon früher aufgelegt das fetzt wie die Sau. Sie erschien bereits im Sommer. Total abgefahrener Synthie Punk ohne dabei noisig zu sein oder sonstige Lärmeskapaden. Die Band selbst beschreibt es nicht weniger treffend:

Flirrend und aggressiv erinnern I Am The Fly an wütende Insekten, die sich mit resigniertem Nihilismus und naturwissenschaftlichem Halbwissen gegen die Menschheit formieren.

Eine 70er Jahre Drummachine auf High Speed, ein richtig schön dengelnder Bass, eine nölige Stimme, das Ganze auf Englisch … mich erinnert an einen abgefahrenen Elektro-Track, ich komme vielleicht noch im Laufe des Reviews drauf. Die Single läuft zum 3. Mal am Stück, ich kann gar nicht genug davon bekommen! I am the fly gehen richtig deep ins Tanzbein, ich wirble durch mein Wohnzimmer, als flöge ich über hunderten verschwitzten Körpern. „Axolotl“ will mich, die gemeine Stubenfliege, fressen. „Wonko the sane“… ist klar, zum Schluß „heresy“, welches ich in diesem Fall wohl am ehesten mit Irrlehre übersetzen würde. Nihilistische, misanthropische Texte. Kein Song knackt die 2 1/2 Minuten Marke. Und es bleiben Melodien hängen.

Das Geile an der 7inch ist, dass jeder Fetzen Musik, der dir um die Ohren fliegt, so eine richtig fette Punk-Attitüde hat! Musikalischer Rückflug nach Anfang der 80er, leicht monoton, melancholisch, kurz vor der Apokalypse. Trotzdem ideen- und abwechslungsreich. Kriegt man bei der Band (info(at)i-am-the-fly.de).

Hier ein Interview mit der Band bei vinyl-keks.

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review: FLUID TO GAS – handle with care / split w/POTATO FRITZ

Fluid To Gas vs. Potato Fritz. Damit leg ich mal los.

Bei dieser 7inch handelt es sich um die Silberhochzeit dieser beiden Bands. 25 Jahre Geburtstag und Freundschaft feiern! Auf der Rückseite prangt eine große 50. Weil beide Bands zusammengerechnet ergeben also 50 Jahre D.I.Y. Wurschtelei. Ich kann nicht mehr nachvollziehen warum ich das schwarze Gold erst dieses Jahr bekommen habe, aber es war ein fettes Paket! Zwei 7incher und eine CD mit allen Songs von Fluid To Gas. Also: 1994 bis 2019. Die Band aus Bonn begann mit einer 10inch bei dem famosen Label Revolution Inside, welches es heute leider nicht mehr gibt.

Functioning Bullshit Detector“ kommt als erstes um die Ecke gekratzt. Bisschen Fugazi, etwas punkiger als sonst. Einer der schnelleren Songs von Fluid To Gas, ein sehr kurzes Vergnügen! Ein Song pro Seite zwingen mich schnell wieder an die Nadel!

Potato Fritz (der Bandname ist einem deutschen Western aus den 1970er Jahren entnommen, Hardy Krüger in der Hauptrolle des gleichnamigen Kartoffelbauers), die mir total laut und brachial in Erinnerung geblieben sind, kommen geradezu sanftmütig aus der Rille. Mit „Gerichtsmedizin“ kreucht da das Gespenst der Hamburger Schule, nein, ich würde sagen IndieRock, nachdenklich, melancholisch, ein Song mit Ecken und Kanten, wird noisig. Der Song ausufernder und länger.  

Das Layout ist top, dicker Karton, der einen kleinen Falz hat, um die7inch vollständig zu umschliessen. 180 Stück  ist die Auflage und es gibt auch noch eine 3inch CD mit einem etwas anderen Cover. Lag wohl daran, daß zum Releasekonzert der Siebener noch nicht fertig war, schnell mal für den geneigten Sammler eine Mini-CD gemacht. Release Nummer 15 1/2 vom eigenen Label F-Spin Records

Handle with care“ 7inch dann mit mehr Songs und ausschliesslich Fluid To Gas.

Release Nummer fünfzehn von F-Spin Records. Kam also kurz vor der oben besprochenen Silberhochzeit. In 2017 hatte ich hier schon den vorherigen Siebener besprochen, die auch sehr gelungene „on air EP

Endlich komme ich dazu, diese tollen 7incher aus meinem riesen Stapel an Mucke zu Reviewen zu ziehen und sie ein paar Runden drehen zu lassen. Der erste Song und Titelgebende Track „handle with care“ wirft mich sofort in die Erinnerung an die erste 10inch von 1996 zurück. Wie schön! Man erkennt sie musikalisch also sofort wieder, der Sound kompakter und das Songwriting runder. Mit „don’t sing along“ beweisen sie mir ein weiteres Mal, daß sie DIE deutschsprachigen Vertreter des großartigen DISCHORD-Sounds sind. Zwischen Noise und Hooks, die dich sofort mitreißen, macht  ganz ganz großartige emotionale Musik! Der letzte Song „our way“ hauen sie nochmal voll auf die 12. Ich mag es inzwischen, wenn die Band Tempo aufnimmt.

Danke für die beiden Singles! Und btw: die CD-Compilation ist selbstverstädnlich auch zu empfehlen, wer sich einmal durch ein viertel Jahrhundert der Bonner Band graben möchte. Meldet euch einfach hier: Mail oder bei FB anschreiben.