LP: rosa extra – extrakte 1980 – 1984

Durch das tolle Video von Rosa Extra bin ich nochmal aufmerksam geworden und habe mir die Platte beim Majorlabel gezogen.

Rosa Extra sind eine Punkband aus der ehemaligen DDR und es handelt sich um gesammelte Werke aus der Zeit 1980-1984.
Ich erfreue mich schon daran, dass wir in dieser tollen neuen Welt leben, in der die Restaurierung der Kassettenaufnahmen heute so gut gelingt, dass man das Gefühl bekommt für die Umstände, in den das entstanden ist, aber eben eine Platte hört und nicht das leiernde, lausige Tape.
Ein 12 seitiges  Booklet ist dabei. In einem Interview werden nicht nur die Gründungsmitglieder Bernd Jestram, Bernd Papenfuß und Günther Spalda vorgestellt, sondern auch einige andere in einem Interview ein paar Anekdoten, bzw. Hintergründe zum entstehen der Aufnahmen erzählen.
1979 gab die Band unter dem Namen „der schwarze Kanal“ ein einzige Konzert und benannte sich dann um. SIe waren sich sicher, dass man mit derart Bandnamen in der DDR nicht mal in einem Mauseloch auftreten würde.
Und Rosa Extra war es sehr wichtig, dass sie nicht als Systemfeinde wahrgenommen wurden.
So schrieben sie ihre Texte nicht zwingend gegen den Staat, das System, und waren dennoch sehr deutlich. Es sollte nicht zu punkig werden und die Texte auf einem lyrischeren Niveau. Eben mehr im Post-Punk, auch durch die Instrumentierung mit Casio-Keyboard oder Alt-Saxophon.
Viele Aufnahmen sind bei Proberaumsessions und Livekonzerten in verschiedenen Locations gemacht wurden.

Zu den Texten sei noch gesagt, dass im Booklet der Aufbau so ist, dass die anwesenden, spielenden Musiker*innen erwähnt werden und wo es aufgenommen wurde.
Dazu dann die Lyrics und die gesungenen Lyrics. Das gibt es teilweise größere Unterschiede. Ein paar Fotos aus und von den Ereignissen. Man kann sich echt ein sehr gutes Rundumbild aus der Zeit um 1980 machen!
Manchmal blickt man als Wessi die Worte nicht und dafür haben sie sie dann nochmal erklärt. Wie bspw gleich im ersten Song „sofadecken und platzpatronen“ ist der Begriff „Komplex-Brigade = Terminus für eine Gruppe von Arbeitern aus verschiedenen Berufssparten“.
Find ich super.

Find die Platte musikalisch auch wirklich ansprechend!
Rosa Extra erinnern mich an West-Bands, die so in dieser Zeit unterwegs waren wie Fehlfarben oder Tod durch Müsli. Post-Punk, der sich klar nach Deutschland anhört!

Gibts bei Majorlabel als Vinyl. Als Tape (gab es das?) bei Edition Iron Curtain Radio.

MC: underground tapes GDR

Dieses Tape interessiert mich, weil ich irgendwie ein Interesse an, wie soll ich es anders sagen als, Zeitdokumenten bekommen habe.
Nachdem ich in den letzten Jahren bspw die Geschichte (hier als Fiktion aufgearbeitet) von Otze, dem Sänger und Songwriter von Schleimkeim gelesen habe, schaue ich so nach und nach, ob meine Ohren und Hirn da nicht mehr drüber wissen wollen.

Ja, sie wollen. Via MajorLabel habe ich schon die Too Much Future Compilation durch. Oder das Songtextebuch „Schreie von unten„. Nun also via Tapetopia, dessen Macher ja so einiges tun, um die Underground-Tapeszene auf Vinyl wiederzuveröffentlichen, bzw überhaupt sehr umtriebig sind, die Punk- und Elektroszene der DDR zu „beleuchten“.

Auf dem vorliegenden Tape, welches eine Compilation darstellt, auch einiger Bands, die schon Veröffentlichungen via aufnahme + wiedergabe erfahren haben. Tropenkoller, Klick & Aus, Neu Rot, Der Expander des Fortschritts und einige mehr.

Das Tape lief schon mal, irgendwie habe ich meine Notize verschlampt und hoffe, ich überforder euch nicht mit all den Infos, die ich selbst noch nicht wirklich sortiert habe.
Bspw Der Expander des Fortschritts machen mit ihrem Track „das kleinere übel“ noch in den 80ern auf die faschistische Zeit der Deutschen aufmerksam. Es ist deshalb wohl bemerkenswert, da in DDR ja der Klassenfeind BRD derjenige war, welcher die ganzen Faschisten hortet(e). Man hat dieses Thema wohl unter den sozialistischenTeppich gekehrt.
Musikalisch ist die Art des Vortrags doch sehr darauf aus ist, disharmonische Töne aneinanderzureihen um eine Destruktivität darszustellen. Ich konnte mir sowas vor 30 Jahren so gar nicht anhören. Heute spitze ich schon mal die Ohren, wenn es nicht zu elektronisch wird. Gefällt mir ganz gut!
Für die, die gern lesen gibt es Geschichtsbücher, für Musiker dann wohl das hier!
Neu Rot mit „sometimes“ haben krasse Krautrockeinflüsse, die sie auf ihre sehr eigne Weise wiedergeben. Ich denke, auch sie versuchen etwas mit ihrem Vortrag und Sound kaputt zu machen.
Klar, mancher mag jetzt sagen, dass der Sound auch ein Ergebnis der Technik war, doch ich denke, die gesamte Compilation, alle Bands darauf, haben dies Unharmonische im Sinn gehabt. Unangepasst zu sein. Die Elektronik versucht das Maximum herauszuholen, abseits vom Mainstream, der halt in der DDR anders funktioniert hat, einfach durchzudrehen.

MC gemeinsam herausgebracht von aufnahme + wiedergabe und Black Cat Tapes.