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review: LA PETITE MORT / LITTLE DEATH – disco LP

Noch eine Platte bei KONGLOMERAT KOLLEKTIV rausgekommen. Neulich besprach ich hier schon einen der beiden ersten Releases des Labels die SHAKERS LP.

LA PETIT MORT / LITTLE DEATH aus  Rodgau und die Platte heißt Disco. Auch diese Platte ist live eingespielt worden. Es sind 13 Lieder drauf. Herausgebracht von acht Labels:
konglomeratkollektiv.bandcamp.com (GER / ihr erster Release!) firefliesfall.bandcamp.com (FRA) coldpressrecords.bandcamp.com/releases (SGP) lesdisquesrabat-joie.bandcamp.com (CAN) saltamarges.bandcamp.com (ESP) www.facebook.com/SunsetterRecords (GER) www.facebook.com/afonddcaleprod/ (FRA) www.facebook.com/Paper-Heart-638543866323168 (ARG) . Es ist musikalisch recht irrwitzig gespielter Screamo. Ganz viele Wechsel und hunderte Gitarrenakkorde. Dazu dieses wirklich ansprechend zerbrechlich wirkende Cover. Der Titel “disco” ist auf der Platte musikalisch alles andere. Nur keine Disco. Eher ein Karussell.

Sie haben ein schönes Beiblatt, mal abgesehen vom angesprechenden Artwork, mit einer sehr sehr langen Dankesliste und ein A4 Blatt mit den Texten beiliegen . Die vier Herren, wenn ich das richtig auf den Fotos erkenne, denn die Dankeseliste gibt leider keinen Aufschluß über die Besetzung 😉 , machen sehr freien Screamo. Ich benutze bewusst das Wort “frei”, denn das Songwriting, wenn man die Platte das erste Mal laufen lässt, hat wenig Punkte, an denen man vermuten könnte, was hinter der nächsten “Ecke” für ein musikalischer Wechsel lauert. Klingt jazzig, ja. Beinhaltet aber so viel mehr an musikalischen Einflüssen. Manche Songs haben etwas von Flamenco. So jedenfalls zappeln die Beats in meine Hirnwindungen. Ein bisschen AT THE DRIVE IN in ihren “relationship” Tagen. Warum ich diesen Review unaufgefordert schreibe? Weil ich die Platte in der Distrokiste von RYLOTH gefunden habe, auf dem Konzert mit RAUCHEN. Vorerst das letzte bis jetzt in diesem Jahr.

Sie schreiben, dass das Album ist zwischen 2015 und 2018 in einer persönlich harten Zeit entstanden ist. Auf ihrer Bandcampseite steht “fünf Jahre trial and error”. Da der Gesang so wahnsinnig hoch kreischt, dachte ich zuerst, dass da eine Frau singt. Irgendwie ja ein toller Gedanke, da ich mir schon wünsche, daß es mehr Frauen auf die Bühne treibt. DREI AFFEN aus Spanien sind da ein tolles Beispiel, checkt die auch mal aus! Weil die Stimme so hoch überdreht ist, wie gesagt: irrwitzig. Bei Songs wie “Snufkin, we can go!” bricht er das Gekreische gegen etwas fast Poppiges. Eine leichte Verzerrung auf der Stimme. Dann auch mal was Zweistimmiges. Je länger die Scheibe läuft, desto klarer wird, wieso die Band so lang gebraucht hat, all die Ideen in einen Fluss zu bekommen. Ich finde, daß das ganz hervorragend funktioniert. Hier also ein Geheimtipp. Bei der Recherche habe ich wenige Reviews online gefunden. Auf jeden Fall sehr sehr abwechslungsreiche, genreübergreifende, Mauern einreissende  Musik, die dich jeden Moment überrascht, irgendwie abholt und immer wieder weg stößt. Total abgefahren! Muss man sich einig mal live angucken, sobald es wieder möglich ist! Ich werde das tun.

Review auch erschienen bei vinyl-keks