buch: Jan Off – Ausschuss

Jan Off Kündigt einen neuen Kurzgeschichtenband an und ich denk so „geiel, was Neues von ihm lesen“. 
Endlich wieder Rotz und ramponierte Menschen. Den letzten Output, vor allem „die Helligkeit der letzten Tage“ (hier der Review) hat mich hart begeistert. Irgendwie verbindet uns was, er las im Artcanrobert, kleines, spontanes Interview (Ausgabe #7), das nächste Buch „nichts wird sich niemals nirgendwo ändern“ (hier).
Also immer fein in Kontakt bleiben. Bis, ja bis mir der Autor sagt: „es herrscht grad Papiermangel, das Buch kann noch nicht erscheinen“. Nun, Herr Off ist ja ein gar lustiger Gesell, ich lachte ein wenig in mich hinein, doch es ist wohl so. Manche Verlage und Druckereien werden wohl beliefert, seine gerade nicht. Ich kann es kaum glauben.
Kurze Geschichten brauchen wohl kaum viel Papier..
Egal, ich schaute in meinen Stapel von circa 10 Bücher, auf denen bereits der Wecker steht, der mich morgens aus dem Schlafe holt, zog eines vorsichtig heraus: Jan Off „Ausschuss“.

Es ist ein etwas älteres Buch, bereits 2003 erschienen. Ein Mann ohne Beine auf einem Rollbrett ziert das Cover. Der Beinamputierte ist ein Drogenhändler, weiter gibt es Burkhard, der extrem Probleme hat, eine Freundin zu finden; er versucht sich als Stalker. So ein bißchen.
Jedenfalls verguckt er sich in die Falsche.
Jan schafft es mal wieder präzise den Dreck, den Schmodder, den Rotz unter den Nägeln auszukratzen und ihn, verpackt in grammatikalisch wohl sortierten Sätzen, auf 238 Seiten zu spucken.
Die Kapitel sind kurzweilig. Es ist nicht zu dreckig, doch ebend pointiert und treffend.
Wenn das nicht ohnehin das Selbe meinen sollte.
Ein Roman der zwischen Dreck und Drogen, Diebstahl und so einigen zwischenmenschlichen Nettigkeiten hin und her schweift, um zu einem überraschenden Ende, ganz unprätentiös.

Zu kaufen gibts das ganz sicher im Internet. Ihr wisst ja, wie das geht!

fanzine: Letzte Oelung #2 (drei vollendete Kurzgeschichten)

Mal nur lesen. Keine Bilder, keine Musik dazu.
Karl Knochen schreibt drei Kurzgeschichten, Konsti macht das Artwork. Und bevor ich mich den Geschichten des Autors widme, erst das Artwork.
Die „letzte Oelung“ erscheint wohl ein mal im Jahr, jedenfalls, lief es bisher darauf hinaus. Es gibt eine Art Nachwort, denn „Addendunm“ bedeutet, es wird etwas angehängt. Im Grunde verstehe ich es nicht, haha, das ist mir zu intellektuell.
Diese 21 Seiten fallen mir aus dem eigentlichen Heft entgegen. Nein, es ist schon ein kleines Buch, denn es ist mehr Hard- als Softcover. Print auf sehr schwerem Karton. Das Cover ist von Regina Zindler. Ist aber wohl erst der dritte Akt. Die ersten beiden Akte befinden sich in einem A5er Zine mit einem extra-schmalen Einband, auf dem eingeladen wird mit „mach’s dir gemütlich“. Auch dieses Artwork ist sehr minimalistisch aufgemacht und auf gelben Karton gedruckt. Ich mag das wirklich sehr. Eine wilde Mischung aus Reclamgelb und Kunstpunk.

Denn das ist in den Geschichten: melancholischer Punkrock.
Die erste Story über Majo, ein junger Mann, der damit klar kommt, dass er halt mit Hoffi unterwegs sein kann, nicht mit Saskia. Sie nimmt in der Berufsschule nicht wirklich wahr, stelzt mit Plateauschuhen an ihm vorbei. Hoffi und Majo neigen dazu, Einzelgänger retten zu wollen. Enden werden sie in einer recht unübersichtlichen Situation, aus der es keine Rettung mehr gibt.

Und als ich das erste Mal dieses Jahr die Hitze am Badesee aushalte, über die verlorene Ente, die Majo und Hoffi finden, lese, marschiert dieser Dauerbewohner des Badesees an mir vorbei.

Keine Ahnung, ob er inzwischen von verschiedenen Leuten unterschiedliche Namen bekommen hat. Er kann wohl nicht mehr fliegen und hat sein zuhause gefunden. Im Winter ist es still, im Sommer wird er überflutet von menschlichen Leibern, dünnen, dicken, verbrannt betrunkenen, Tangahintern, Kindern, Möchtegernlustigen, die ihm hinterherlaufen und ihn versuchen zu foppen.

Über die zweite Geschichte „Kosmos Garten“ verrate ich euch nichts. Die dritte im Addendum „Senfgas oder keine Selbstverständlichkeit“ ist eine Story über Jeka und Senfgas. Wer das ist, der diesen Spitznamen verdient, erfahrt ihr, wenn ihr sie lest. Klar, oder?

Mir gefällt der Schreibstil von Karl Knochen sehr. Diese leise, leichte Melancholie, das Verlorensein der Protagonisten, ohne dabei Loser zu sein. Die außergewöhnliche Alltäglichkeit, in diesen kleinen Kosmen.
Zum Schluß darf man sich über einen letzten Witz freuen, ein paar Notizen eintragen.
Wie schon erwähnt ist die Grafik , der Druck sehr hochwertig. Konsti hat auch einen eigenen Blog gafas del rigor cassettes.
Das Heft ist für 3,50€ zu bekommen beim Autor selbst. Bei Kink Records in Heidelberg und dem The Needle and the Damage done Plattenladen in Leipzig.