LP: kurz vor der sonne – triskaidekaphobie (13 jahr später)

Ein kryptischer Titel, aber es beginnt ja alles mit dem Bandnamen.
Kurz vor der Sonne, einer Verbrennung 4.ten Grades sicher, ist ein schöner Bandname. Allerdings auch so überhaupt kein Hinweis darauf, was denn das für Musik sein könnte.
Ich darf ehrlich gestehen: ich las den Namen Rodi in der Beschreibung und wusste, dass ich seine Stimme mag, die Art, wie er Musik macht, und damit stand fest, dass ich das hören muss!
Nur der Titel, alter…. Klären wir das also gleich. Die Triskaidekaphobie ist ein sehr umständliches Wort (aus dem griechischen) für die Angst vor der Zahl 13. (Ich hab ja die Koumpounophobie)
Funfact: Eine Auswertung von Krankmeldungen der Jahre 2006 bis 2008 ergab, dass an solchen Freitagen drei- bis fünfmal so viele Arbeitnehmer krankgeschrieben sind wie im Durchschnitt (Quelle Wikipedia)

Der Inhalt sind 13 Stücke mit Rodi’s zartem Stimmchen, welches bei 100 Kilo Herz hart fehlt (sry guys).
Kurz vor der Sonne leuchtet seine Stimme wieder in schönen, entspannten bis wütenden Songs; wobei seine Wut immer eine lyrische ist.
Wenn man also eine Triskaidekaphobie hat, sollte man diese Platte nicht hören, weil sie 13 Jahre später 13 Songs auf einer Platte hat. Aber keine Angst, da ist nur gute Musik zu hören. Vielleicht hätten sie die Platte 12+1 nennen sollen, dann würden sie die 13er nicht ausschließen?!
Die Band, die diese Songs vor 13 Jahren schon eingespielt haben, gibt es schon lang nicht mehr. Sie passen in meiner Sammlung ganz gut zwischen Hannes & Akki und SchrengSchreng & Lala. Oder den vor wenigen Tagen reviewten Attila Reißmann.
Im Begleitheft lese ich fleissig mit. In LP-Größe liegt es der Platte bei und hat soooo große Buchstaben, dass ich meine Lesebrille nicht brauche, puh!
„wieder am gleis“ ist voller Gedanken zu dem, was passiert ist, es geht alles vorbei, es kommen Dinge zurück oder wieder. Es gibt Räume, in denen man sich trifft; es geht um Freundschaft.
Hach, wie ich das mag. Mir fällt das nicht so leicht über Freundschaft zu sprechen, das Gute daran, auch das weniger Gute. Eine solch ehrliche Stimme gibt mir das Gefühl, mitgenommen zu werden.
Und ja, es ist in gewisser Weise auch ein düsteres Album, beschreibt Ängste, versucht sie in Worte zu fassen. Wenn die Welt also vor 13 Jahren dunkel war, ist sie heute nicht noch düsterer geworden? Eventuell deswegen alles in Rosa? Wegen der rosigen Zeiten, die man haben kann oder könnte?

Aber hej, die andern bei Kurz vor der Sonne sind auch zu erwähnen. Barby gibt manchen Stücken noch eine tolle weibliche Stimme! Mit Ian (E-Gitarre) und Pauli (Drums) verfollständigt sich diese Band, die es inzwischen auch live zu sehen gibt!
Zwischen Akustik, Melancholie, Freundschaft und Punkrock ist alles drin, was eine gute Platte ausmacht.

Bakraufarfita Records. Schöne Aufmachung im Inside-Out-Cover. Rosa als Grundfarbe, so auch das Vinyl. Plus das erwähnte Booklet.

 

PS: diese Review ist schon beim Keks erschienen.

 

PPS:
Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.

 

LP: 100 kilo herz – hallo startblock

Erster Eindruck der neuen 100 Kilo Herz – Platte ist, dass die Band einfach gut ist und dass das ein fantastischen Album ist.
Gepaart mit dem Festival-Pack (welches ich geschenkt bekommen haben – zum reviewen bekam ich das transparente Vinyl mit Gatefold-Cover) ist die Platte ein totaler Hingucker. Das Inside-Out-Cover mit dem Schwimmbad vorndrauf ist, wie dann auch das 12″-Booklet total übersichtlich und struktuiert.
Durch den neuen Sänger haben sie halt echt ihre Reibeisenstimme verloren und sind nun eher poppig, weil richtig gut gesungen.
„mit dir“ ist mir einen Hauch zu süß.
Die Songs sind alle einwandfrei geschrieben und produziert.
Das „klick“ am Anfang der Platte, bei dem man fühlt „ey, das sind 100 Kilo Herz“, das stellt sich über all die Songs bei mir nicht ein.
Alles schöne Hymnen im Sinne der Band, die mal gemeinsam startete und sich verändert hat.
Gute Hooks, die Geschichten, die sie in den Texten erzählen, sind immer noch sehr greifbar!

„Hallo Startblock“ ist vielleicht im Titel eine kleine Andeutung vom …but alive – Cover zu „Hallo Endorphin“ ?

Bakraufarfita Records.

 

LP: Bambix – what’s in a name (reissue)

Zum 25-jährigen Jubilat bringen Bakraufarfita Records ein Reissue der Bambix Scheibe „what’s in a name“ auf unsere Plattenteller.
Bambix hatten in den vielen Jahren, in denen sie durch Europa, Amerika und Südamerika getourt sind, immer wieder Besetzungswechsel und am Ende blieb immer Wick Bambix, die Sängerin, Gitaristin und Texterin übrig. Sie macht inzwischen solo Musik, ab und an mit einem zweiten Gitarristen.
Ich darf ehrlich gestehen, da ich in den 90ern aufgewachsen bin, dass mich diese Art melodisch und schnell gespielter Punkrock nie interessiert hat. Vor allem haben Bands, die ordentlich Geld damit verdient haben, dafür gesorgt. Das sind ja in der Hauptsache amerikanische Bands gewesen. Nicht Bambix!

„what’s in a name“ ist ein Album, welches in 13 Menschen mit Geschichten aufgeteilt ist. Es geht in jedem Stück um einen andern Menschen, „julie“ und „amy“ cachen mich da in der ersten Runde des Hörens am meisten!
Vor allem gehen alle Geschichten darum, weiterzumachen und zu kämpfen für das, an was man glaubt!
Und mit dem Song über Amy, die der Kopf des Labels Daemon Records in USA ist, ehrte sie damals eines ihrer Vorbilder – und dann veröffenlichte Amy die dritte Bambix Platte „what’s in a name“ tatsächlich auf ihrem Label.
Was ich in meinen Jugendjahren empfand, nämlich das all diese Melodic-Punkbands quasi gleich klingen, kann ich heute sagen: doch, ich höre einen Unterschied! Ich wollte wohl damals nicht.
Bambix stechen durch den wirklich tollen weiblichen Gesang raus. Wick spielt auch noch echt geile Riffs und haut nicht die üblichen Hooks raus. Ab und an ein bisschen NO FX, recht poppig, schafft es ihre Melodien in schöne Bögen zu spannen. Also nicht einfach „nur“ ein Riff und eine Melodie dazu, diese Melodien werden dann auch weitergezogen ins nächste Riff.

Ein schöner, für mich überraschender, Reissue. Keine Ahnung, ob die Platte damals steil gegangen ist, verdient hätte sie das auf jeden Fall!
Ursprünglich erchienen bei Vitaminepillen Records, ein wirklich bekanntes und umtriebiges Label aus NRW (glaube ich). Auf jeden Fall kam auch Knochenfabrik bei ihm raus – und einige andere heute noch spielende Bands!

Gibt es also bei Bakraufarfita in schwarz/weiß marmoriert, gelb und schwarz. Wick’s Solo-Platte könnt ihr gleich mitbestellen 😉
Natürlich gibt es die Platte auch im gut sortierten Plattenhandel.

Review kommt auch beim Vinyl-Keks. Yeah!