7inch: angry youth elite – unite & fight

Angry Youth Elite ist eine Skatepunkband aus dem Ruhrgebiet.
Und diese 7inch ist irgendwie zwischen ein paar LP’s gerutscht und ich hab die einfach nicht mehr gesehen. Blöd.
Aber nu issie aufm Teller und ich berichte:

vier Songs sind auf dieser 7inch drauf, 2023 kam ein Album, dies also ein aktuelles Lebenszeichen. Sie spielen wohl recht viel und sind über die deutschen Grenzen hinaus bekannt.
Angry Youth Elite ist Musik für freundliche Menschen. Midtempo-Skatepunk, der auf der ersten Seite etwas melodischer und bejahender klingt als auf der zweiten. Da geht es etwas melancholischer zu, nicht weniger melodisch!

„no more fear“, das letzte Stück ist sehr geradeaus. Skatepunk im Sinne von Fat Wreck Chords.
Insgesamt dreht die 7inch unglaublich schnell und vor allem kurzweilig ihre Runden, doch bei mir bleibt nach dem dritten Hören immer noch nicht wirklich was hängen. Ja, bin ja auch eher der Deutschpunker, aber auch nicht doof, gell. Allerdings steck ich halt in amerikanischen Skatepunk so gar nicht drin.
Was ich aber sagen kann, ist: die Band hat ein echt gutes kurz & knackig Songwriting drauf. Sie spielen auf den Punkt und ist super produziert!
Sicherlich stehen sie den genannten Bands (Good Riddance und Millencolin), die im Werbetext genannt werden in nichts nach, würde ich sagen!
Was nicht dabei ist: ein Booklet oder Textblatt. Ich komme in dieser Kürze inhaltlich gar nicht so mit. Wobei mir eben bei solcher Musik genau die politische Attitüde im ganzen positiv konotierten musikalischen Fluss recht schnell dahinter verschwindet.

Wie auch immer. Meine Meinung muss ja nicht die eure sein: heißer Shit. Greift zu, wenn ihr auf melodischen Skatepunk steht!

Erschienen via Bakraufarfita Records.
Diese 7inch kommt in verschiedenen Farben und Looks, Eco-Vinyl.
Da steht „limitiert“ – ich bin bei 500 Stück allerdings bei der üblichen Menge an Platten. Mehr macht doch heute eh keiner mehr, oder?

 

LP: sons of sadism – skatebrigade marl

Hab die Sons of Sadism aufgelegt.
Der Sänger auf dem Cover sieht schon mal voll nach 80s/90s aus.
Und ein bisschen was hatte ich in meiner Bubble schon gelesen, viel nach dem Mott „ey geil, dass das endlich mal raus ist“
Bei Sons of Sadism (SOS) handelt es sich um eine Skate-Punk-Band aus dem schönen Marl. Wer nicht weiß wo das ist: hier. Und sie machen einen fast schon typischen Sound, der die amerikanische Gangart zugrude legt: melodisch, thrashig, schnell, aber auch sehr Bassmelodie-orientiert.

Nun, diese 21 Songs auf der LP starten mit ihrer, nach der Band benannten, Hymne an „s.o.s.“.
Power it up – Records hat hier eine Discografie zusammengetragen, die eine EP, ein paar Samplerbeiträge und Liveaufnahmen enthält.
Soweit so unspecktakulär; denn, eine Menge Sachen werden in den letzten Jahren re-released, unheimlich viel ist dabei, was schon damals nicht wirklich bei den Leuten angekommen ist. Sei es durch wenige gespielte Konzerte oder durch Verbreitungsmöglichkeiten.
Das kann ich nicht nachvollziehen.

Die Band Sons of Sadism wollte auf jeden Fall die vorherrschende Punkszene in Marl und Umgebung mit ihrer Musik quasi „erhellen“. Vieles war gewalttätig geworden unter den Punk. Vor allem im Norden der Republik nahm damals das „schneller, lauter, härter“ Rufen bei den Konzerten stark zu.
Blutpogo und Gewalt abseits der Konzerte nahm zu.
Einiges ist in den Linernotes noch nachzulesen.
Coole Anspieltipps sind „million“ und „psychopathen“, die, denke ich, ganz gut den vielfältgen Sound und das Songwriting widerspiegeln.
Auch sind die Songs immer wieder in krass unterschiedlichen Längen, von 30 Sekunden bis über 3 Minuten ist alles dabei.
Beim ersten Durchhören, muss ich gestehe, wusste ich manchmal nicht, in welchem Song ich bin. Sie sind auch recht knapp „aneinandergepappt“ auf Vinyl; sprich, die Pausen sind sehr kurz zwischen den Songs.

Die Poster und Flyer, die ich im Booklet sehe sind so gar nicht außerhalb von NRW, was eben zu meiner Annahme führt, dass Sons of Sadism gar nicht so viel getourt sind. But who knows.
Jede Menge anderer Storys und Photos im Booklet.

Vinyl kommt in schwarz (diese Version) oder auch auf Gold – die gibt es direkt beim Label Power It Up.
Plus 12 seitigem Booklet. Eingeschweißt.

PS: diese schöne Review erscheint auch von mir beim Vinyl-Keks.

PPS:
Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.

LP: snackwolf – lunch breakdown

DIY Melodicpunkrock aus Stuttgart.
Snackwolf haben ihr erstes Album (schon ein paar Tage) raus.
Releaseparty ist durch, die ersten Verkaufzahlen sind da und sicher auch schon so einige erfolgreiche Konzerte und Fame und Artikel und Interviews im OX und so.
Aber das versprochene Provinzpostillen-Review fehlt noch – vielleicht….. Sie werden den Snacks, Drugs & Rock’n’Roll jedenfalls nicht abgeschworen haben!

Die Platte startet mit dem Zitat „i hate it here“, was für den Melodic-Punk, den Snackwolf danach runterbrettern eigentlich eine sehr dystopische Frage ist. Aber die Band hinterfragt in den Lyrics auch direkt ihr eigenes Dasein.
Im zweiten Stück bleibt es aber ernst. Lyrisch geht es darum, die Weltherrschaft zu planen, statt Weltfrieden zu schaffen.

Jedenfalls Haben Snackwolf ganze Arbeit geleistet. Seit der 4-Track Debut-7inch ist dann doch einiges passiert. Aus einem in die Hosentasche passenden Riegel wurde ein amtlicher Mittags-Snack, den man aber zu jeder Uhrzeit genießen kann. Vor allem Abends und laut!

Sie besingen sich selbst ironisch „Support-Band forever“. Sie klingen nach amerikanischen Vorbildern wie NoFX oder Pennywise oder oder oder. Alles etwas ernsthafter und mit einer leichten Melancholie vorgetragen.
In den Lyrics zieht sich das durch. Es ist nicht einfach „leichte Kost“, die man sich zu Gemüte führt. In jedem Hook steckt auch eine Message.

Restricted area, do not enter,
Do not operate, keep of the grass
No eating, or drinking
No diving, or swimming

I´m always using words like maybe or someday
I want to use more words like fuck it or no way
(prohibition signs)

Insgesamt 14 Songs, die schön abwechslungsreich sind. Und nicht zu glatt produziert. Wenngleich trotzdem sehr gut!
Mal melodiös nach vorne, mal mehr Hardcore, mal mehr Punk. Immer auf den Punkt. Kein Song hat wirklich mehr als zweieinhalb Minuten.

Platte kommt in splatter-grün. Comiccover à la „Rotkäppchen“ (hier der Titel Snäckkäppchen vermutlich besser, denn Snackwolf erzählen ihre eigene Geschichte!), welches Samuel Lucas gemalt hat.
Snackwolf sind erschienen bei 30 Kilo Fieber Records.

MC: ennolicious – no gods no states

An dieser Stelle kann ja nur Werbung folgen.
Denn die klasse, man kann schon fast sagen, Polit-Melodic-Hardcorepunkband Ennolicious aus Durmersheim sind nicht zum ersten (und auch nicht zum letzten) Mal auf Krachige Platten  als MC erschienen.

Drei neue Tracks, die ordentlich Power haben, nach vorne gehen, und keine Fragen offen lassen.
Ein Video  zu „land of ignorance“ ist auch raus – und die Story dazu bekommt ihr in der nächsten Ausgabe der Provinzpostille zu lesen.

Gefühlt darf ich ja gar nicht wirklich mehr schreiben, ich kann es ja nur gut finden, sonst sollte ich die Band ja nicht rausbringen, gell!
Erschienen in Coop mit 30 Kilo Fieber Records und Kong Cave Radio.

review: Tourette’s – confidence in disorder MC

Ein neuer Kontakt, eine neue Band und ein Blick über den Tellerrand, denn nicht alles in Mönchengladbach ist düster und melancholisch. Die Tourette’s gibt es seit Ende der 1990er Jahre und machen seither einen recht eingängigen Poppunk. Mal etwas progressiver (Invasion EP), mal mehr Melodycore, schnell und mit vielen Singalongs (Demo & Live Tape).
Nun bekomme ich von dieser Band gleich die letzten beiden Tapes ins Deck gespült. „confidence in disorder“ ist aus dem letzten Jahr, davor gab es ein Demo in 2018. Beides als MC vorliegend oder bei Bandcamp.
Ich mag mich sehr gerne hier allerdings nur auf den letzten und aktuellen Release konzenrieren, das Demo markiert den Wiedereinstieg der Band, nachdem sie sich 2007 aufgelöst hatten. In der Zwischenzeit begab man sich in Ehen, zeugte Kinder und beschäftigte sich nicht so sehr mit Musik.
2017 folgte die Reunion, Tourette’s spielten das Demo ein und reisten im Support durch einige europäische Länder. Soweit der Infozettel.

Bei der vorliegenden EP „confidence is disorder“ punkrockt die Band im Midtempo, druckvoll und abwechslungreich ihren Gladbachstyle. Die Songs sind bereits 2019 aufgenommen worden, gemischt dann in der Kultube.
Mich erinnern sie an Drunk Motorcycle Boy, nicht ganz so poppig, dafür aber auch mit viel Spaß und Freude in den Instrumenten.
Die Band dürfte live ordentlich Fun bringen!
Ein gutes Gespür für Hooklines und Songwriting. Für mich ist der einzige Wehrmutstropfen die Wohohoho-Chöre. Ist nicht so meins.
Was ich wiederum total klasse finde, die Band released ziemlich konsequent auf MC. Das ist schon was besonderes in dieses Zeiten!
Tape ist rot, Einleger mit Lyrics, vermutlich gibts so 100 Stück davon.
Hier entlang: Dr. Skap Records