digi: vatikan – gefallene nephilim

Auf eine Art wurde hier nach nicht weniger als dem Maximum gegriffen. Das Ergebnis ist wie Schokoladen-Creme über Butter, wie Rotweinsauce aus der Kanne in den Hals – so rich, rich, rich!

Ich streame in kurzem Abstand das zweite Release von Vatikan über Bandcamp. Vom ersten, Beschwöre Geister, gab es eine Veröffentlichung auf Kassette. Unter dem Profil steht SWSM, das kann ja wohl nur für SüdWestSchwarzMetall stehen. Ein Soloprojekt von Agnus Dei, also niemand geringerem als dem Lamm Gottes selbst. Und mit einem Faible für nah- und fernöstliche Religion geht es dann auch los.

Erstmal geht es auf die frische Aue mit Dark Metal Gitarrengezupfe-Intro mit Vogelgewitscher und Bachgeplätscher. Der erste Track ist gleich ein fast zehnminütiges Epos. Die Riffs sind schlicht und abwechslungsreich zugleich. Man kann schon fast von motivisch-thematischer Arbeit sprechen (Amadeus, Amadeus!). Es werden was Tone und Sounddesign angeht einige Register gezogen, hier wurden bewusste Entscheidungen getroffen. Gerade der Bass baut Variationen in die Harmonie ein, hört es euch also mit gescheiten Lautsprechern/Kopfhörern an. Es kommen auch Keys, da wird regelrecht komponiert. Im Text kommen ziemlich viele Lanzen vor – Siegmund freut’s.

Ich habe mir das Release am ersten Weihnachtsfeiertag auf der Fahrt nach NRW angehört. Schön mit dem Intercity am Rhein entlang, Wintersonne und Burgen waren am Start. Ich liebe es im Urlaub neue Musik zu entdecken, so habe ich mir das ganze hier mit passender Aussicht gleich dreimal hintereinander reingeschraubt – geil!

Beim zweiten Track „nicht all das Licht der Welt“ wurde offensichtlich Pippins Song, aus Tolkiens Der Herr der Ringe als Textvorlage genommen. Die Klänge werden aufgeschichtet wie eine Schwarzwälder Kirschtorte. Ich kann nur immer wieder betonen, wir reichhaltig die Lieder sind: da sitzt jeder Schrei, der Gitarrenklang, die Melodien und Melodiebögen der Riffs, das Zusammenspiel der Instrumente und wie diese sich ergänzen.

Auch der Titeltrack geht mir voll unter die Haut. Die gefallenen Gefallenen! „Gefallene Nephilim“ Hier spielt der Bass auch wieder ne wichtige Rolle. Es wird auch nicht nur komplett durchgeballert, sondern auch mal durch einen Dynamikwechsel das Stück aufgebrochen. Insgesamt schon fast hypnotisch, Junge Junge.

„Kantorka“ bezieht sich textlich offensichtlich auf Ottfried Preußlers Krabat. Mir ist in der Ferienunterkunft passenderweise dann noch eine Ausgabe des Buches in die Hände gefallen. Tatsächlich sind als Teil der Geschichte mehrfach auch kleine Liedtexte abgedruckt, den vorliegenden Text konnte ich auf die Schnelle jedoch nicht ausfindig machen. Und wieder hypnotische, verschmelzende Riffs mit mehreren Ebenen – what would Mozart do?

Zu guter Letzt noch ein absoluter Banger, Lilith’s Todesschwadron! Mein Black-Metal Wissen ist alles andere als enzyklopädisch, gefühlt wurde hier die Formel perfekt angewendet, wo sie auch herkommen mag. Mid-Tempo Riffs, jedes Ugh! und Saiten-Gekratze an der richtigen Stelle. Dazu ein Cut von Johann Wolfgang von Goethe himself, Prometheus zeigt den Göttern den Mittelfinger, der Bass wummert – wie gesagt, unter dem Maximum ging es wohl nicht, es wurde dick und gekonnt aufgetragen.

Und somit schließe ich dieses Fest der Sinne – nehmt euch ein bisschen Zeit, hört mal rein und dann noch einmal und bleibt hyped auf das nächste Release von Vatikan.

MC: vier – rastatt hardcore

Ich hab die Farewell-Show verpasst. Hach…
Nun hab ich aber das Tape vorliegen und mit Freude immer wieder durchlaufen lassen.
Vier machen nicht da weiter, wo ihre ersten beiden Releases (eines auch bei Krachige Platten) aufgehört haben, nein, es gibt ein paar Nuancen mehr zu hören!

Vier Songs auf dem Vier Tape. Hehe.
Man merkt schnell die Weiterentwicklung, den guten Mix aus diversen Genre. Teilweise erinnere ich ich sofort an die ersten Screamo-Bands, Mitte der 90er eher Emo-Hardcore, oder als wären Vier des fiese, böse Zwilling von Lypurá, die gegen Vier eher Sonnenschein-Screamo machen.
Vier ist düster, dreckig, lauf und irgendwie nicht hörbar. Und ich meine das nicht im Sinne von nicht ANhörbar!
Verzweifelt, düster, beginnt „the blood i shed“. Hart und simpel, fast schon Prügel-Hardcore.
Ihre Hits hauen sie aber im eher punkigen Genre raus. „silhouettes“ ist total geil!

In 8 1/2 Minuten hauen sie vier klasse Songs raus.
Ich like die Band hart. Hoffentlich nicht „possibly their last“.

Dadurch das die Drums nicht richtig fett gemischt sind, der Bass präsent, dennoch weiter weg, die Gitarre minimalistisch und der verhallte, gekreischte Gesang: da bleibt am Ende eine spürbare Atmosphäre. Das ist echt spannend!

50 Tapes, diy. Get it on Bandcamp:

LP: coltaine – forgotten ways

Die Band ist aus Witchfucker hervorgegangen und haben endlich ihr Debut-Werk vorgelegt!
Sie haben „forgotten ways“ eingeschlagen und schaffen doch etwas Neues in einer Welt voller verbauchter Akkorde.

Coltaine heißt die Band, die sich konsequent seit knapp drei Jahren durch Europa schleift und ungefähr ca. 40 Gigs pro Jahr spielt.
Die Besetzung ist seitdem auch ruckelfest mit den beiden Berg-Brüdern Moe und Bene. Dazu kommen Julia am Gesang, die sich auch um das Artwork kümmert. Und Amin an den Drums.

In Ausgabe 11 hatte ich mich mit Moe und Bene auf ihrem Balkon in Karlsruhe unterhalten über ihre wirklich spannende musikalische Entwicklung. Vom Black-Metal & Punk über ein Musikerkollektiv hin zu dieser Band und dieser ersten Platte.
Sie beginnen mit „mogila“, einem schier endlosen, atmosphärischen Intro, dessen Langsamkeit einen fast schon in drei Minuten niederzuringen scheint, bis dann schlicht nur Drums, Bass und Gitarre in seiner Einfachheit kredenzt bekommt. Gekrönt von einem wilden, ungeezähmt wirkenden Gesang, der aus den Wäldern, dem Nebel des Covers wohl irgendwo herausgeholt wurde, um durch Julias Stimmbänder einen Ton zu bekommen.
Man spürt in jeder Faser, dass das genauestens durchdacht und platziert ist.
Dieser heftige Teil, der Peak des Berges, verscheindet in einem verhallten Outro, als ob der Schrei der Sängerin nun im Gebirge zuerst gehalten und dann verschwinden könnte. Mit Engelsflügeln.
Und das Ende, bam bam bam booooom, ist mit, nach Möglichkeit, dem absolut tiefsten Ton auf dem Bass zu treffen.

Ja, mir gefällt dieser Shit. Verdammte Axt.

„himmelwärts“ eine Synthie-Atmosphäre für Zwischendurch. „dans un nouveau monde“ hört sich im Hintergrund an, als ob mit der Gitarre noch ein Piano spielen, und die Band beweist, wie sehr sie gelernt haben mit Atmosphären umzugehen. Leicht orientalischer Hauch, engelsgleicher Gesang, der ausbricht in ein Black-Metal-Gekreische.
Ich schrieb es, glaube ich, irgendwann schon einmal: mein Eindruck ist, dass Coltaine etwas new-waviges haben. Das ist außergewöhnlich in dem Genre Doom, in dem alle so tief wie möglich und auch so langsam wie möglich spielen wollen. Oft kommen dann noch Solo- und Gitarrengewaber obendrauf, man überholt sich quasi gegenseitig mit Effekten.
Nicht so Coltaine. Mehr als die vier Instrumente (ja, auch Gesang ist ein Instrument) hört man nicht. Und sie bleiben in der Wahl der Akkorde auch recht schlicht. Es reichen kleinste Veränderungen, um der vorhandenen Atmosphäre noch etwas hinzuzufügen!

„cloud forest“ beendet mit einem superharmonischen Track die erste Seite. Die Stimme ein weiteres Instrument, alles wabert, alles im Nebel, out of the Clouds.

Das Vinyl weiß mit leichten Schlieren in blau. Insideout Cover und Einleger.

Soll ich wirklich noch weitermachen?

Nö, ich mach Werbung. Die zweite Seite ist genauso geil. Ihr müsst euch die Platte holen!
In kürze liegen hier bespielte Tapes vor. Krachige Platten und die Band haben sich nochmal entschlossen, nach der „afterhour in walhalla“ auch noch dieses Album auf Kassette zu spielen.
Demnächst hier mehr dazu.
LPs habe ich auch drei Stück von der Band bekommen. DM oder Mail.

video: Jëg Hüsker – inte mer hem

Die Band, deren Namen man nur durch Copy & Paste korrekt schreiben kann, die einen Sound aus der Hölle des Garagerock generieren, sie kommen mit ihrem ersten Release.

Und der Track „inte mer hem“ (das ist schwedisch für „keine heimat mehr“) ist die Videoauskopplung dazu.
Die Band Jëg Hüsker veröffentlicht am 30.08. ihr Album auf Tape und als Stream bei Vinyl-Keks.

Yeah. Hört rein und begebt euch an den Rand des Wahnsinns. Garage trifft auf Blackmetal trifft auf Punkrock.
Wer aufmerksam war, hat diese Band aus Karlsruhe natürlich schon auf der aktuellen Compilation zur Ausgabe 11 gehört!

Wer mehr dazu erfahren möchte, schalte bitte bei Vinyl-Keks am 30.08. zu, dort gibt es auch ein paar Worte in Form von Frage/Antwort obendrauf.

digi: coltaine – gorit

Schon lange mal runtergeladen. Leider nicht analog erschienen, wahrscheinlich ist es deswegen fast in meiner digitalen Playlist verwest; also fast.
In der Schublade geschlummert. Coltaine.
Super Aufnahme, tolle Band, die da miteinander spielen!
Die Drums ist sehr einfach und rhythmisch gehalten. Die Sängerin hat eine ungewöhnlich tiefe Stimme, die mehr Screamo oder Death ist, als ich es in Erinnerung habe. Das Songwriting mäandert zwischen Doom und Stonerrock, in 5 1/2 Minuten kann man ja auch viel erzählen.
Wenn man gerade denkt, der Song ist zuende, dann rüpelt er erst richtig in die tiefen des Weltschmerz.
Lyrics sind auf deutsch und russich.

Sehr geile Band aus Karlsruhe. Gehen im Oktober auf Europatour, Dates auch bei Bandcamp!
Demnächst gibt es eine Reissue einer ihrer Platten auf MC. Bleibt gespannt!