review: Nikola Tesla Pandemie Live Sessions Vol.1 MC

Was tun mit leeren Bühnen, deren Stille ohrenbetäubend scheint? Was tun mit verwaisten Bars, auf deren Theken die letzten Tränen kaum getrocknet sind? Was tun mit den Räumen, wo sonst das Leben pulsiert, torkelt, schwitzt und tanzt?

Das fragten sich ein paar (?) oder alle Macher des Nikola Tesla Clubs in Chemnitz und sperrten ein paar Bands, gut desinfiziert versteht sich, in den Club ein und die Aufnahmen auf diesem Tape sind dabei rumgekommen.
New-Wave-Post-Punk Bands, ein bisschen Hardcore, sphärischer Stoner, die auch schon hier besprochenen L’Appel du Vide sind dabei, aber auch Integral, Nowaves, Suralin, Mvrmansk und das Beam Orchestra.
Die aufgenommenen Songs sind durchweg super gespielt und top aufgenommen.
Bevor ich aber Purzelbäume schlage: hört selbst rein. Ich finds großartig!
Seite A und B haben von jeder Band je einen Song zu bieten. Da mir kein Infowisch vorliegt, kann ich euch leider nicht sagen, welche Band hier exklusive Tracks zu bieten hat.

Regelmäßig gibt es nice Playlisten, wöchentlich, wenn ich es richtig gesehen habe. 
Und ich finde es zur Abwechslung mal ganz gut, Livemusik nicht als Stream zu sehen, sondern nur zu hören.
Das Inlay ist defintiv auch noch erwähnenswert, denn es ist zum Auffalten, jede Band hat den Spruch eines bekannten Promis zugeordnet bekommen. Das Artwork ist von Zomba und sehr ansprechend! Jede Band hat so etwas wie eine Spielkarte als Design, eine Karikatur der Band, „awesome Bandinfos“ und eine „pandemic classification“.
Alle Einnahmen gehen zugunsten des Nikola Tesla. Es gibt auch eine Special Edition mit T-Shirt.
Im Tape finde ich aber auch noch den Hinweis, dass es Menschen gibt, die unter unwürdigsten Umständen an den EU-Außengrenzen ausharren müssen, gehen 3€ je Tape an die Organisation Legal Centre Lesvos in Griechenland.

MC: the Harry Anslingers – go tranquility base

In einem gelben Case kommt eine wilde Garage Punkband namens the Harry Anslingers. Es heißt „go tranquility base“, hat ein seeehr kleines Booklet.
Bei der Band handelt es sich um ein Trio, die Prime Crew, insgesamt sieht das so aus: g. g. anslinger (drums, vox), davee damage (bass, vox), rudy reefer (guit, vox). Die Mission Control haben übernommen: jean-baptiste meyrieux (recording, mix), dr.magneto (master), le hauptkevin (artwork). Mensch versteckt sich also hinter lustigen Nasa-Namen, erfunden wie wirklich; denn Harry J. Anslinger hat irgendwas damit zu tun, aber in der Hauptsache war er der Motherfucker, der Hanf weltweit verboten und verteufelt hat. Dafür an Experimenten zu einer Wahrheitsdroge beteiligt war. Wie kann man sich nach so einem Deppen benennen?

Egal. Die sieben Songs gehen ab, wie ne Rakete, von Tranquility nicht die geringste Spur. Erinnert mich hart an die Hives oder die Shocks. Cool, nach vorne (ein)gespielter, Garagepunk, Gesang überdreht, ordentlich Spaß in den Backen. Das Ganze wohl ein Konzeptalbum. Viele Samples vor- und zwischen den Songs. Gute Breaks, Wechsel.
Anspieltipp „upside down & out“ mit der großartigen Bassline!

Die Band hat back in 2018 ihr erstes Demo rausgebracht. Seitdem konstant MC’s bzw auch eine Split 7Inch veröffentlicht. „go tranquility base“ kam im Juni raus, erschienen beim wunderbaren It’s Eleven Records Label. Auch wieder dabei: die Label-Band-Sammelkarte.
Vielleicht kann man dann irgendwann die It’s Eleven vs Amsa Tradecard Sammlung gegeinander antreten lassen! Was für Nerds.