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konzert: Fatal Brutal, Monuments to Misery, Biene Banal, Ghettotonne @ Ballonfabrik Augsburg

[Gastbeitrag von Joey Controletti]

Es begab sich zum 2. April 2022, dass Rainer Gaul, zeichens Punk-Rock-Urgestein, seinen Geburtstag in der Ballonfabrik Augsburg feierte. Mit dabei, drei Offenburger Bands, Ghettotonne, Monuments to Misery und Fatal Brutal, sowie Biene Banal aus Augsburg.

.n und ich fuhren hinterher mit dem ICE, Fernverkehr-Punks die wir sind. Endlich mal wieder auf Achse – fuck yeah – Punk-Samstag, zwei Wochen vor Karfreitag!
Fernverkehr-PunksNachdem im März schon der Frühling ausgebrochen war, gab es an diesem Wochenende wieder einen Wettereinbruch mit Schnee und Minusgraden. Die DB hat dennoch nicht verschnupft reagiert und uns problemlos ans Ziel und später auch wieder zurück gebracht. Auf dem Weg gab es schwarzen Kaffee und Fanzine Lektüre (PP und HZ3).
Dann, in Augsburg, schnurstracks zur Ballonfabrik! Angekommen erstmal Hallo gesagt, ne Dose Kichererbsen und ein Bier, dabei das Etablissement bewundert. Aufgrund der ordentlichen Website der Ballonfabrik hatte ich einen aufgeräumten Laden à la Substage Karlsruhe erwartet. Tatsächlich ist der Laden auch sauber und ordentlich, hat eine tolle Bar, Belüftung, festen Merchstand, saubere und funktionsfähige Toiletten, Backstage-Bereich, Schlafmöglichkeiten für Bands und eine top Bühne samt PA, Beleuchtung und Mischer-Kanzel – ist aber gleichzeitig bunt und voller Charme. Draußen brennt im Ofen mit Schornstein ein Feuer, hier ein Autowrack voller Schnee auf den Sitzen, der durch die Öffnungen, in denen sich irgendwann mal die Türen befanden, gefallen ist. Alles ist besprüht und bekritzelt, trotzdem wirkt es ordentlich und man setzt sich auf die Klobrille, ohne Angst vor Weltraum-Syph und freut sich über vorhandenes Klopapier mit Herzchen drauf.
Auto Papier
Der eingeplante Mischer ist kurzfristig in Covid-Isolation hängen geblieben, so dass die Bands selbständig das Equipment aufbauen, verkabeln mussten. Besonderen Shout-Out an Jörg, Fatal Brutal Drummer, der an dem Tag nicht nur gefahren und aufgetreten ist, sondern aus dem Stand auf fremdem Equipment das Mischen für alle Bands übernommen hat.
Alles voller netter Menschen, auch viele ältere Punker*innen, besonders aufgefallen ist mir ein Typ mittleren Alters, der wie eine Punker-Actionfigur aussah und die ganze Zeit über furchtbar aufgedreht war.
Den Einstieg haben Ghettotonne gemacht, ein Deutsch-Punk-Gewitter mit dröhnendem Sänger. Das Schlagzeug-Spiel klingt, als würde ein sehr großer Punk am 1. Mai auf einem Haufen aufgestapelter, erbeuteter Schutzschilde des BGS für eine halbe Stunde so schnell er kann auf und ab springen – ein brachialer Sound, welcher der Band einen eindeutigen Wiedererkennungswert gibt. Das Finale des Auftritts waren ein paar gemeinsame Nummern mit Geburtskind Rainer am Co-Gesang, der damals in der Offenburger Punk-Band Dementia, Vorgängerband von Ghettotonne, gesungen hat.
Dann warteten Monuments to Misery mit ihrem Set auf, der lediglich dritte Auftritt in deren Bandgeschichte. Brutalster Crust und Grind trifft auf Doom und Sludge, eine überaus gelungene Mischung. Es ist deutlich zu hören, dass die Protagonist*innen nicht zum ersten Mal die Mitglieder einer solchen Kapelle des Verderbens stellen. Die Parts von schleppenden Doom-Riffs im Wechsel zu Grind-Geblaste geben dem Auftritt einen abwechslungsreichen Rhythmus mit unterscheidbaren Akten des Verfalls. Besonders der Schlagzeuger zog hier wieder meine Aufmerksamkeit auf sich; mit getänzelter Leichtigkeit wurden die Songs im Überschall durchgerattert. Der einzige Wermutstropfen für mich war die qualitativ gut gemachte und perfekt angestrahlte Beamer-Show an der Bühnenwand; die ganzen Atompilze und Fressen von Donald, Vladimir und Adolf, garniert mit Volkstanz und sog. Würdenträgern der katholischen Kirche – das alles war mir in dem Moment etwas zu real und drückte mir doch etwas aufs Gemüt. Trotzdem super Band, super Musik und super nette Leute, mit denen ich später noch das ein oder andere Wort wechseln durfte.
Monuments to miseryZwischenzeitlich wurde viel getanzt, auch draußen wurde weiter das Feuer geschürt und geschnackt und gefeiert. Die Freiwilligen hinter der Theke und am Merchstand waren unglaublich freundlich und so habe ich beständig Bargeld gegen feilgebotene Patches, Buttons und Erfrischungsgetränke eingetauscht.
Nun folgte der Auftritt, der 50. Auftritt seit Bandbestehen, von Fatal Brutal. .n machte noch den Line-Check, bevor er sich auf der Bühne hinters Schlagzeug setzte. Vor kurzem hat sich FBs zweite Gitarre in eine Metropole im Osten des Landes abgesetzt um die Vorzüge des Stadtlebens zu genießen, während man sich nebenher noch zum Installateur-König in der Nikolaikirche krönen lässt. Dennoch knallt der Sound aus Punk und Hardcore ordentlich rein, dafür spielt man schließlich elektrisch verstärkt. Vor der Bühne ist der Sound überraschend gut; auf der Bühne hört man vor lauter Blastbeats offenbar nichts mehr, keiner da, der hinterm Mischpult etwas für die Musiker tun könnte – egal, durchbolzen das Set – yeah, that’s punk-rock!
Inzwischen haben sich meine Freunde und Bandkollegen erfolgreich abgedichtet. .r hat nach seinem Auftritt mit Ghettotonne gleich mehrere doppelte Runden Pfeffi geordert und einverleibt und ist schlafen gegangen. .n steht draußen und scheint einen Teil seiner kognitiven Fähigkeiten eingebüßt zu haben, es ist, als würde man sich mit einer Schallplatte unterhalten, die ständig springt. Dabei stolpert er vor einem Haufen Feuerholz, aus dem rostige Nägel mit der spitzen Seite heraus ragen, auf und ab; ich bin ein bisschen in Sorge. Außerdem hat er seine Brille auf der Tanzfläche verloren, winkt zunächst ab, ist aber dann doch froh, als ich anbiete sie zu suchen und dann kurze Zeit später auch fündig werde, eieiei.
Wir stehen draußen am Ofen, es fällt beständig etwas Schnee durch die Nacht und wir quatschen. Drinnen spielen Biene Banal eingängige Songs mit mehrstimmigen Frauengesang und der Saal tanzt wie nie zuvor.
.r ist wieder wach, .n zieht einen Edding, ich ziehe auch einen Edding und wir bemalen das bereits stark bemalte Interieur sehr enthusiastisch und andauernd mit allem möglichen Unfug. Andere Gäste machen mit, Eddings wechseln die Akteur*innen und das Gemalte wird von den Beteiligten kommentiert, ergänzt und ausgeschmückt.
bemalung
Die Bands sind durch mit ihren Auftritten und Erik, der Drummer von Ghettotonne, mimt den DJ, als hätte er nie etwas anderes gemacht und wäre deshalb eigens für diesen Zweck herbestellt gewesen. Der Saal bebt, die Leute tanzen, .n schlägt Räder und Purzelbäume auf der Tanzfläche und verliert dabei zum zweiten Mal seine Brille.
Um drei Uhr morgens nehmen die Fernverkehr-Punks ein Taxi zum, laut Taxifahrer, abgewracktesten Bahnhof des Freistaates, um dort in den ICE Richtung Offenburg zu steigen. Um acht bin ich zu Hause, es war mir ein Fest. Viva Rainer, viva Augsburg!
Paar Fotos gibts noch von einem Konzertfotografen Namens scissabob
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stream: PEPPONE live @ Offener Kanal Magdeburg 05.06.2020

(dieser Bericht wurde ihnen auch bei VINYL-KEKS präsentiert)

Keine Konzerte?

Doch natürlich sind welche. Halt nur im Internett. Da wo es immer schön ist, hüstel.

Ich bin schon einer derjenigen, die diese Geschichte mit dem Streaming nur von seinen Kids kennt. Da wo sogenannte Gamer anderen etwas „vorspielen“ und lauter to-tal witzige Sachen erzählen. Kennt ihr? Da ich meine Zeit eher mit der Aneinanderreihung von Buchstaben verbringe, oder selbst Musik mache, schaute ich mir bisher so viele Streams im Netz an. Auch waren sie in der Musikszene eher was für „die Großen“ RedHotChiliPeppers vor den Pyramiden in Ägypten und so. Wer braucht das schon?

Nun also die euch, vermutlich leider, recht unbekannten PEPPONE aus Magdeburg. Ich verfolge sie schon seit der ersten Scheibe 2012. Damals noch „Beatboxpunkrock“ da die Band einen Drumcomputer am Start hatte, der sie durchs Programm hämmerte. Nun, auch frisch aufgenommen und to be released beim MAJORLABEL ein neues Album namens „beste aussichten„, haben sie einen richtig, echten Drummer am Start. Tuba schwingt die Sticks, er spielt auch noch Gitarre und singt bei BEN RACKEN.

PEPPONE haben sich für diesen Abend vorgenommen, das komplette Album zu spielen, so wie es auf Platte rauskommen wird. Wer sich also einen ziemlich, Kompliment, fehlerfreien Fernsehauftritt aunschauen möchte, ist hier an der richtigen Stelle!

Die Band macht Mid-Tempo-deutschsprachigen-Punkrock mit schlauen, ansprechenden Texten, ehrlich, verträumt, geradeheraus, eine gute Mischung. Platte kommt im Sommer, Review dann sicher auch!

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konzert: SNAKES IN SPACE @ artcanrobert 20200222

Das Datum sieht so witzig aus, dass ich das mal so stehen lasse.

Das Artcanrobert hat zu einem Psychobilly-Konzert geladen, oder was man so dafür halten könnte wenn man, wie ich, so wenig Ahnung wie möglich davon hat. Man könnte mir auch ein Emu für ein Pferd verkaufen… aber das ist ein anderes Thema.

Eröffnet haben den Abend die Karlsruher Instrumental-Surfer von COBRA EXPRESS. Sie hatten schon einige Auftritte in der Gegend, bspw, klar, in der Alten Hackerei. Im Gepäck haben sie Surf-Musik, mal trashig, mal tanzbar, mal punkig, eine, je länger ihr Auftritt dauerte, saugute Mischung aus dem Soundtrack von PULP FICTION und meinen Freunden von ACHTUNG RAKETE.

Den Spass am Spielen merket man ihnen sichtlich an. Sie stellten fest, dass man, ab einem gewissen Alter, sich keine Vorbands mehr sucht, sondern Bands, die nach einem auftreten, damit man früher nach Hause kann. Sie haben ne 7inch von 2014 und eine aktuelle CD mit beigehabt.

Ich kann es vorweg nehmen: sie haben recht behalten. Nach ihnen kamen die COBRA DUDES, die eine waschechte TURBONEGRO-Coverband, wohl eher Imitationsbands, sind. Wer mehr über den Unterschied zwischen covern und imitieren wissen möchte, sollte sich „scheiternhaufen“ reinziehen. Wie auch immer… die Band war noch nie mein Fall! Irgendwann habe ich mal ein paar Songs gehört und erinnerte mich ganz gut an den Überhit DEMIN DEMON. Der kam nur leider ganz am Ende des Sets und ich musste überstürzt, wie vor 30 Jahren, als ich noch bei den ersten Tönen meiner Lieblingsband wie irre losstürtzte und ganz vorne mitpogte, mein Bier auf die Theke knallen und schnellen Schrittes in den Konzertraum eilen. Gutes Song! Sicher auch ne gute Show. Müssta aba die andern fragen!

Nach dieser Punkshow kamen THE PSYCHONAUTS aus der Schweiz. Mit eingener, selbstproduzierter LP am Start. Ich würde sagen: Rock’a’Billy, bluesig, country, Slapbass, alles da, was den Ted erfreut. Sie nennen es Hoochie-Coochie-Trash-A-Billy. Okay. Ich sag nur Stichwort „emu“!

Außergewöhnliches Konzert fürs Artcanrobert. Kann man ein Mal im Jahr machen. Muss ja nicht immer Deutschpunk sein. Oder Hardcore. Oder so Rock-Musik.

Zum Schluss gibts noch ein, zwei Fotos von #bewbyx, die das Artcanrobert mit ihren kleinen Pics gepflastert hatte, zum mitnehmen. Lesezeichen oder so… Zur Erinnerung: sie hat das Cover der Ausgabe 5a gezeichnet.