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MC: Trash Crawlers – buzz off!

Eine Band, die sich, wie ich inzwischen erfahren musste, bereits wieder aufgelöst hat, hat ein ganz klasse Demo rausgebracht; was ebend nichtsdestotrotz sehr hörbar ist.
Trash Crawlers aus BErlin mach(t)en echt abgefahrenen, eigenwilligen Garagepunk auf „Buzz off“. Eine wilde Mischung aus  lärmigem New-Wave-Punk und Garage und einem ordentlich Schuß Noise.
Eher Mid-Tempo, nicht ganz so schnell, die zwei Frauen und drei Männer haben von sich ein schickes kleines Poster engst zusammengefaltet und in den Pappschuber gepackt.
Zwei Gitarren zocken zwischen disharmonischen Riffs ein Feuerwerk (ähnlich wie das brennende Brett auf dem Cover) des Garage-Trash ab, was mein Gehör echt fein durchzuckt. Erinnert mich manchmal an Oiro in ihren Anfangstagen, so leicht windschiefe Halbtöne kitten die einzelnen Parts zusammen. Wobei die Trash Crawlers kein Punkrock ist.
Der Sound ist ziemlich cool aufgenommen, mit ordentlich Distortion und angezerrten Vocals.
Erschienen ist es bei Mommys Mistakes Records. Schon im August 2021.
gibts noch hier:

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LP: aackr – almae

AACKR. Wie spricht man diesen scheiß Bandnamen eigentlich aus?
ahkr? acker? Nein, es ist bestimmt eine Abkürzung. Oder eine Lautmalerei.
Jedenfalls sind sie mir durch ein famoses Tape aufgefallen, was sie in einen Stoffbeutel eingenäht haben. Ja, ich gestehe, ich habe es immer noch nicht aufgemacht. Aber wenn, dann landet der Patch auf jeden Fall auf meiner Jacke. Wirkt dann ein wenig so wie ein Foto von einem Foto.
„Demo 2016“ kam aus bei Mörtel Sounds raus. Nun musste ich ne ganze Ecke warten, bis dieser Longplayer erschienen ist. Im September ’21.
Kommt mit kurzen, knackigen sechs Tracks, die alle ungefähr sechs Minuten Spielzeit haben.
Klar, ich übertreibe … ein bisschen.
Ich nehme es vorweg, die Band wird gegen Ende der Platte etwas kürzer! NoiseRock wird aufgespielt. Eine furztrockene, ich nehme an tiefergetunte Gitarre, und ein Schlagzeug. Mehr braucht es nicht.


Noiserock ist ja inzwischen auch ein extrem dehnbares Genre geworden, und wenn die Band es schafft Genreübergreifend Ideen einzuweben, empfinde ich diese Spielart inzwischen als weit weniger nervig, als vor einigen Jahren noch. Trainer oder Trigger Cut sind aktuell richtig gute Anspieltipps. Nur Vergleichbares mit AACKR… da fällt mir wenig zu ein. Ich umschreibe also mal die Songs dieser Platte:
AACKR sind sehr Beatorientiert. Doch ich lasse mich schon bei ersten Song zum mitwippen hinreißen und nehme das Cover in Augenschein. Diese durchgeknallte Nonne des Satans ist nicht auf dem Cover, nein, sie ist ausgestanzt und der Plattentitel „almae“ gestempelt. Ihr Konterfei befindet sich also auf der Innenhülle. Ha! Finde ich to-tal geil.
Die Band AACKR begrüßt uns mit „Namaste Motherfucker“ dem ersten Sechsminüter.  Sie beginnen mit einem Beat, bauen darauf auf, verzetteln sich nicht, eine gewissen Melodiosität stellt sich ein; hat etwas Post-Punkiges.
Trotz der Länge geniessen die Songs eine Kurzweiligkeit, die die Zeit im Nu verfliegen lassen. Bei „HNO superlike“ ist Anfang und Ende sehr sphärisch, die Tracks bleiben ohne Vocals. Der harte Sound der Gitarre, gestützt von den knalligen Drums, treiben den Song dann kurzzeitig vor sich her, um zum Schluss wieder zurückzukehren zum Anfang.
Klingt alles recht simpel, nicht wahr? Ist es aber oft nicht. Die Nuancen im (Zusammen)Spiel der beiden Instrumente sind klein und doch bemerkenswert.
„Überall“ und „Alme / Ghost Spiders“ haben dann doch einen Vocaleinsatz zu bieten, den aber Gäste bei der Aufnahme übernehmen.
Seite zwei glänzt mit „Spinde“, sie eröffnen mit einem endlos-Öffnen eines Spinds, zerlegen den Beat, spielen irgendwo plötzlich das Geräusch wieder ein, ebenso spannend wie der folgende Song „Harvester.“ Der Beat wird zerlegt und dagegengespielt… an was erinnert mich der Sound der Gitarre? Alte Fluid to Gas?
Die beiden AACKRs machen alles richtig.
Die Platte wurde schon 2020 eingespielt und ist im Eigenrelease ebend letzten Herbst erschienen.
Platte ltd 100 Stück. Ein echter Blickfang.

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review: passionless pointless – s/t MC (plus Fanzine)

Leider inzwischen, as time goes by, in der Rubrik „besser spät als nie“ gelandet.
Was den grandiosen Output des Trios Passionless Pointless nicht weniger interessant macht!
Zuersteinmal empfehle ich bei Insta ein Abo zu lassen!
Dazu gibts auch noch das Label Vinyldyke, welches auch einen Instagram Kanal hat, wo uns Evelyn so einiges von ihrem DIY-Output erzählt, bzw erklärt. Aber mal der Reihe nach.

Passionless Pointless machen mich vom ersten Ton an darauf aufmerksam, dass ich schon ganz schön alt bin. Eine Zeitreise zurück ans Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre, als es losging mit Grunge und Mann eigentlich mehr so Hardcoremucke gemacht hat, mit Moshparts, vielleicht auch, damit das so ein bisschen Hiphopbeats hat, um gefälliger zu werden. Plötzlich saßen 1000 Mädels im Proberaum, wir 15, sie 15, und sie wollten alle Grungerock hören. Und das war doch so ne Emo, Softiescheißmucke, uargl. 
Am Schlimmsten war dieser Chartbreaker „Smells like Teen Spirit“, darauf konnte man nur mit noch mehr Hass in der eigenen Mucke begegnen. Nun, ich war auch eher n Softie und habe es mit einer der ersten Emo-Punkbands versucht, die es wohl so Mitte der 90er gab: Hünersüppchen.
Abgefahrene Zeit, Bands die nur meinen explodierenden musikalischen Kosmos gestreift haben: L7, Hole, laut und bratzig das Ganze!
Passionless Pointless machen an diesem Punkt ihre musikalische „Arbeit“ ziemlich gut, das fetzt wie Sau, ordentlich Distortion drin, ab und an punkig, knackiges Tempo, mit Biss und coole Texte.
Die Band pendelt zwischen Grunge, Punkrock, Heavy Blues Rock. Ich könnte noch Seitenweise schreiben, acht Songs pendeln zwischen zwei und knapp vier Minuten. Das Besondere, zumal die Aufnahmen richtig gut geworden, ist auch das ganze Drumherum. Das beiligende Fanzine enthält nicht nur die Lyrics und ein paar Fotos, alles in s/w, sondern auch die Geschichte, warum sie die Platten auf MC und nicht als LP veröffentlicht haben. 24 Seiten Linernotes. Evelyn, spielt Gitarre und singt, bringt da eine Menge Spirit rein. Sie veröffentlicht auch kleine Videos bei Insta, wie sie auf ihre Riffs kommt, macht Shirts mit Siebdruck, das erwähnte Fanzine und Label Vinyldyke.
Mega liebenswert, 110% DIY. Für mich zusammen mindestens 11 Gründe warum man zugreifen sollte. 

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video: UNBITE – baby dragon

Von der hier vorbestellbaren, selbstproduzierten LP / CD mit dem Titel „fang“ gibt es von den kürzlich besprochenen UNBITE aus Stuttgart ein erstes, auch im Bild, nicht nur im Ton, noisiges Video. Erscheint beim polnischen Label ANTENA KRZYKU

Kommt mit echt coolem Artwork von Joni Belaruski und in 180g-Vinyl. Splattered.

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TRAINER – athletic statics LP

Vier Noiser aus Saarbrücken haben sich aus diversen Bands zusammengefunden, um euch eine ordentliche Portion Noise um die Ohren zu kloppen!

Nach einem ersten, sehr knappen Ausbruch / Intro „ow-eeh-uh“ entwickeln TRAINER einen abgefahrenen Sog aus hämmernden Drums, Genreübergreifenden Gitarrenwänden, die auch mal so gar nichts tun; was meist die Momente sind, in denen auffältt, daß es keinen Bass gibt. Und das finde ich saugeil. Kleiner Ausflug: meine erste Band HÜNERSÜPPCHEN, emo-screamo Punk 1994, die hatte aufm Demo auch keinen Bass. Im Review wurde uns dieser dann unterstellt, weil eine Gitarre so bassig eingestellt war, das es krachte und bratzte. Was bei TRAINER nicht der Fall ist. Es sind ganz eindeutig zwei Gitarren, die zwischen Jazz, Noise, bratzigem Post-Hardcore und leicht apokalyptischen 7/8tel Takten hin und herschwabulieren.

Bin begeistert. Neulich noch FLUID TO GAS gehört. Die neue Band um FUGAZIs Ian MacKaye CORICKY. Oder auch die verblichenen BUZZ RODEO. Jedenfalls, wer auf so deutschen Noisekram steht, kann hier getrost zugreifen: passt.

Erscheint morgen bei FIDEL BASTRO. (und dieser Review erschien ursprünglich für vinyl-keks.)

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review: UNBITE – merge EP

 

Habe hier aus Stuggi die neueste Noiserockscheibe von Helge bekommen, der, nachdem BUZZ RODEO einen absolut Kometenhaften Aufstieg und einige sehr schöne Vinyloutputs hatten und eben leider auch schon wieder verglüht sind, sich nun bei UNBITE an den Drums verdingt.

Female Vocals puschen die eingängig krachig, noisigen Riffs nach vorne. Insgesamt ist es recht minimalistisch gehalten und erinnert mich sehr an FUGAZI oder UNWOUND, wobei die Band hier noch in einem Anfangsstadium zu hören ist. Das Namedropping also vielleicht noch zu früh? Die Band gibt es wohlgemerkt erst seit 2019! 

Ich weiß auf jeden Fall, daß UNBITE dabei sind, im Frühjahr 2020 eine Platte an den Start zu bringen und einige Gigs zu spielen. Eine Frau, zwei Männer bringen hier teils hypnotischen, teils sehr noisigen aber auch in klaren Songstrukturen bewegenden Noiserock.

Sechs Songs, in drei Tagen aufgenommen. Schönes Cover auch.

Unbedingt auschecken!