review: i am the fly – s/t 7inch

I Am The Fly – eine selbstbetitelte, in Eigenregie rausgebrachte Synthie-Punk 7inch, die sich gewaschen hat.

Ein erstaunter Ausruf entlockt sich meiner vom OP-Maske tragen heiseren Kehle: Oha! Warum hab ich diese Single nicht schon früher aufgelegt das fetzt wie die Sau. Sie erschien bereits im Sommer. Total abgefahrener Synthie Punk ohne dabei noisig zu sein oder sonstige Lärmeskapaden. Die Band selbst beschreibt es nicht weniger treffend:

Flirrend und aggressiv erinnern I Am The Fly an wütende Insekten, die sich mit resigniertem Nihilismus und naturwissenschaftlichem Halbwissen gegen die Menschheit formieren.

Eine 70er Jahre Drummachine auf High Speed, ein richtig schön dengelnder Bass, eine nölige Stimme, das Ganze auf Englisch … mich erinnert an einen abgefahrenen Elektro-Track, ich komme vielleicht noch im Laufe des Reviews drauf. Die Single läuft zum 3. Mal am Stück, ich kann gar nicht genug davon bekommen! I am the fly gehen richtig deep ins Tanzbein, ich wirble durch mein Wohnzimmer, als flöge ich über hunderten verschwitzten Körpern. „Axolotl“ will mich, die gemeine Stubenfliege, fressen. „Wonko the sane“… ist klar, zum Schluß „heresy“, welches ich in diesem Fall wohl am ehesten mit Irrlehre übersetzen würde. Nihilistische, misanthropische Texte. Kein Song knackt die 2 1/2 Minuten Marke. Und es bleiben Melodien hängen.

Das Geile an der 7inch ist, dass jeder Fetzen Musik, der dir um die Ohren fliegt, so eine richtig fette Punk-Attitüde hat! Musikalischer Rückflug nach Anfang der 80er, leicht monoton, melancholisch, kurz vor der Apokalypse. Trotzdem ideen- und abwechslungsreich. Kriegt man bei der Band (info(at)i-am-the-fly.de).

Hier ein Interview mit der Band bei vinyl-keks.

review: KNUD VOSS – capristube LP

Digital mir ein Album durchzuhören fällt mir tatsächlich recht schwer. Und dann noch das digitale Standardfoto, uargl. Eine solche Mail / Anfrage trudelte eben von André, dem Gitarristen und Synthietaster der Band, ein…. Wir schrieben ein bisschen hin und her, ich schaute auch noch mal, wie die Platte aussieht, hörte mal eben bei bandcamp rein. Gefällt, und ich entdecke eine coloured marbled Vinylversion, limitiert auf 100 Stück. Geilo, her damit. Ein paar Tage später legt sie der Postbote vor die Tür.

Recht flott geht’s los, die Band kredenzt „Kondensmilch“. KNUD VOSS, Punkrock, Kippen und Bukowski. Sehr schönes einleitendes Sätzchen im ersten Song! Der leicht nölige, abgeklärte Gesang erinnert mich sofort an die verblichenen KEINE ZÄHNE IM MAUL ABER LA PALOMA PFEIFEN. Das haben schon so einige andere vor mir getan; naja, is halt so. Musikalisch haben KNUD VOSS auch nen Synthie am Start, was aber nicht gleich heisst, das da kopiert wird. Die Produktion ist druckvoll und wirkt gleich sehr ausgewogen und harmonisch auf mich. Superknallerklasse, da das einfach total gut zu der lakonischen Erzählweise passt und zum post-punkigen Songwriting.

Der zweite Song Bringt mich dann drauf mal zurück Den Satz Recherchieren Ich hab was …. „Ich hab aufgehört mich für Musik zu interessieren“. Klar es geht ums Alter und KNUD VOSS sind n büschn älter. Hauen eine selbstproduzierte Debut-Scheibe raus. Dan kann man schon mal punkten mit dem, was man hat: nämlich musikalische Skillz und Lebenserfahrung. Akkordemenge und -folge bleiben nicht bei drei, die angespielten Genres ebenfalls nicht. Gesanglich manchmal ein bisschen FRIEDEMANN von COR und viel abgeklärter JENSEN (von Dackel-Oma-Sonnenmilch-Angeschissen), garniert mit KZIMALPP. Spätestens ab dem vierten Song ist klar, dass die Band ausm Norden kommt. Und hier lass ich es mit den Vergleichen. KNUD VOSS bleiben sie recht minimalistisch und macht keine großen Ausschweifungen, was großartig mit dem melancholisch, erzählerischen Gesamtzusammenhang zusammenpasst. Der Sound ist tight. Das läuft jetzt öfter!

Warum haben so wenige von diesem Release was mitgekriegt? Release ging in der Corona-Zeit leider unter. Keine Konzerte / Tour möglich. Schade.

review: PISSE – s/t LP

Meine Lieblingsband, die vermutlich einen feuchten Kehricht drum gibt, reviewt zu werden. Vor allem von mir! Nachdem ich nun letztes Jahr auf unfassbare drei (!!!) Releases kam, die ich mir von meinem Taschengeld kaufen konnte (zB die Split 10inch), kommt 2020 also noch ne ganze LP hinterhergeschoben.

Los gehts mit „die fetten Kindern“ und die Richtung bleibt erhalten: wütendende Endzeithits reihen sich zehn Mal aneinander. Pendelnd zwischen SynthPunk-Hymnen, windschiefen Genremixen und Pogo-Deutschpunk, alles wild tanzbar, gehört eigentlich in fiese, kleine Keller ausgebrannter Innenstädte. Mit Kids die rumlaufen wie nach den 2000ern geboren, angezogen wie Studenten in den 90er, sehen nur aus wie aus den 80ern. Das ist wohl Punk, das raffst du nie.

Nach knappen 19 Minuten ist der spooky „holt mich bitte schnell aus dieser musikalischen Irrenanstalt“ Apokalypse-Soundtrack vorbei. Aber super CO2-Bilanz.

Danke PISSE.