LP: marode – risse

Marode überraschen mich mit einem ersten Song, der mich so überhaupt nicht aus den Socken haut. Riff, Songwriting und die Melodie, die ich lang erwartet habe und sie dann auch gegen Ende des Songs in meine Erwartungshaltung platzt. Obwohl, dann ja eventuell doch etwas Überraschendes.
Musik ist da, um gehört zu werden. „Herrlich destruktiv“ diese Band. Die Sicht der jungen Punx auf die alten wird thematisiert. Was sie früher mal alles wollten, was man selbst denn so will und dann ist man überrascht das die Alten, dann doch so werden: Frau, Kinder, Reihenhaus. 
Marode sind ziemlich abwechslungsreich, zwei Männer spielen Gitarre und Bass und singen abwechselnd, während ein Frau die Songs nach vorne kloppt.
Zwischen laut Erzählen oder auch deutschsprachigen Gebrüll, aber auch so sehr schnell gesprochenem Hardcore-Sprechgesang. So Amen81-mäßig. Manche sind total auf den Punkt und superkurz wie „was du willst“ oder „pennen“ „der moment“, andere wiederum auch auf den Punkt und sehr lang „das gruselige Lied“. Wie gesagt: abwechslungsreich!

auf die Seele an der Bushaltestelle
wartet niemand auf die verpasste Gelegenheit
(…)
gestrandete Männer stehen die Braune Flasche zusammen an der Ecke beim Supermarkt
missmutig beäugt von gebundenen Frauen und ihren Männern auf dem Weg zur Arbeit
(…)
Die Buchstaben supper schmeckt nach fahren Wörtern und nach „da kann man halt nichts dran machen“

Das ist mega! Und weiß mich in der zweiten, dritten Runde der Platte echt zu begeistern. Ich hab mich halt von der Haltestelle Geister abholen lassen müssen, aus meinem Reihenhaus, haha.
Toxo und Andi, so finde ich heraus, heißen die beiden Menschen am Mikrofon und den Saiteninstrumenten, wechseln sich also immer wieder ab, was ich langsam aber sicher für gut befinde. Nein, da ist alles gut (wie man heute zu jeder Gelegenheit sagt). Sie haben eine recht eigenwillige Art gefunden, die manchmal sperrigen Texte in ein eigenes Vermaß zu setzen und die richtigen Pausen zu lassen, das man sich nicht verhaspelt bei der Geschwindigkeit. Yeah!
Einzelne Textteile dorthin zu setzen, wo man sie kaum erwarten würde.
Erinnert mich an Tischlerei Lischitzki, Moloch, auch älteres wie Torpedo Moskau, eben Amen81 – halt eher punkig als crustig.
Drei Akkorde durchmischt von Dur bis Moll, leicht windschief manchmal, schrammelig quietschen sie mit rutschigen Schlappen um die Hausecken, wie der leichte Abendwind im letzten Sommerkleid.
Denn die Platte ist schon im Juni erschienen, nun ist es Herbst, ich hatte den Review schon mal angefangen, all die schönen Labels rausgesucht und verlinkt, vergessen auf „speichern“ zu drücken…. boah ey.
Cover ist trist (Artwork von Livia & Kathi), Risse im Boden, doch es wächst noch was, mehr grau als schwarz/weiß, viel Verblichenes. Themen wie „was ist geblieben“ „egoismus bei sich selbst und andern“ „stillstand“ „alkoholmissbrauch“ finden sich auf dem Cover, wie auch in den Texten und Musik wieder. „herrlich destruktiv“ diese Band, Marode, eben.
Der letzte Song plätschert so aus, im Grunde, wie sie mich mit dem ersten Song begrüßt haben, vielleicht eine musikalische Klammer? So etwas wie der Strich, der sich durch das Artwork zieht und alles miteinander verbindet.

RilRec, Violent Heartbeat, Racoone Records, Schorrie Morrie Tunes, Attack Records

LP: G31 – die insel der versunkenen arschlöcher

G31 aus Hamburg haben Humor. Weder leben Arschlöcher auf einer Insel (oder nur), noch ist sie versunken; weder die Insel mit oder ohne die Arschlöcher, denn sie leben mitten unter uns.
G31 fragen mich nett an, bei Deutschpunk sollte man nie Nein sagen und so liegt sie nun auf dem Plattenteller, der erste Longplayer!
110% Punkrock das Cover. Schwarz/weiß, skizzenhaft, erinnert ein wenig an die Dead Kennedys Platte „Bedtime for Democracy“. Im Klappcover sind Zeitungsmeldungen über die Band, eindeutig Fake-News, ganz klar, das sieht mein inzwischen geschultes Auge sofort.
Als ich die Platte auflegen stelle ich überhaupt mal fest, dass die Band eine Sängerin hat – und Mitra klingt nicht unähnlich dem, was Marion bei Krause Glucke Weltverschwörung macht – und das ist super! G31 können also fast nichts mehr falsch machen.
Zweiter Song „wir dienen nicht“ ist ein echter Deutschpunk Kracher. Im Promo-Sheet schmeißt die Band ein paar Namen in den Ring, ja Scattergun, Antikörper oder Razzia sollten ein Begriff sein. Und von Antikörper haben sie auch den Gitarristen entliehen; jedenfalls, sie machen Deutschpunk in G31-Art.
Es hat jede Menge 80er Jahre Charme, wird nie total Pogo-tauglich, bleibt also im Midtempo-Bereich, aber abwechslungsreich!
Ein paar Worte zu den Lyrics der elf Songs. „Grüner Jäger“ ist wohl die Ballade der Band und der Text ist so herrlich verranzt! Man muss auch im AJZ nun ein Feuerzeug rausholen und mitsingen, ich hab mich auch hier sofort verliebt!
Ich finde in zwei Songs neue Worte, die ich noch nicht kenne – und das bei einer Punkband! „chao ab ordo“ (heißt eigentlich so: ordo ab chao), der Song heißt „Revolution spielen“ und stoße bei der Kurzrecherche auf die Freimaurer. „who controls the past, controls the future, who controls the present, controls the past“ von George Orwell. Ich denke, ich hab das schon vor Jahrzehnten bei Rage Against The Machine wahrgenommen. Eventuell möchten G31 uns irgendwann aufklären, wieso sie diesen Lateinischen Begriff umdrehen.
Dysotopie ist was? (in den Kommentaren ist Platz 😉 )
Die Scheibe entdet mit einem Zitat eine AfD-ioten mit diesem „Vogelschiß“, der Song heißt „zu schön für dich“.
G31 haben ein leicht ausuferndes Songwriting, man kann jetzt nicht sagen, dass das alles kurze Punksmasher wären. Funktioniert richtig gut!
Erschienen ist die LP bei Sterbt Alle Records. Guter Sound.

Hier ein Livevideo zum Nachtisch:

LP: dead years – dead years

Eine melodisch melancholischer Mischung aus Punkrock und ner ordentlichen Portion Garage-Rock auf Vinyl. Supercool ist der abwechselnde Frau/Mann-Gesang. Die Top-Chöre unterschreiben dann noch jede einzelne Zeile. In guten Momenten erinnern mich Dead Years an die leider verblichenen Schweizer von Deadverse; klar, es gibt Unterschiede!
Es ist nur eine Erinnerung, aber ich erinnere mich gerne an der Deadverse! Das Trio hat auf jeden Fall auf dem Foto im in Inlay das richtige T-Shirt an: Wipers! Jedenfalls machen sie mit den 11 Songs die sich auf ihrem selbstbetitelten Debut befinden überhaupt nichts falsch. My Ruin und Dirt Cult Records haben das in Coop raus. Mal wieder schon ne Weile.
Ist halt doch auch mal so, dass eine Platte bei mir Dauerrotation laufen kann, ich darüber dann nachdenke, denn ich habe die Platte bestellt, ob ich was schreiben soll, nun also der Entschluß: ja.

Dead Years haben halt diesen hart nach vorne gespielten Bass und Drums. Die Gitarren klirren nicht ganz so, wie bei den erwähnten Schweizern. Dafür klare, lange Melodiebögen auf der Gitarre. Außergewöhnliches Songwriting, es wird gemacht, was gut ist. Drei von vier Songs des Demos aus 2019 haben es auf die Platte geschafft, das heißt doch irgendwas, oder? Zwinker!
Bei „creation in decay“ wagen sie sich an 5 1/2 Minuten! Sie spielen es sicher live und werden immer leiser, um dann nochmal Gas zu geben!
Absoluter Wahnsinn und Anspieltipp ist „breath of clarity“.
Band ist/war gerade auf Tour. Mehr Frankreich, aber Leute, die kommen sicher nochmal, wenn das nicht steil geht, dann weiß ich auch nicht.

LP: telesatan vs. dispo – split

Habe ich euch schon mal erzählt, dass es mir total Spaß macht erstmal rauszufinden, ob eine Platte auf 33 und auf 45 rpm läuft? Jedenfalls, die Split LP von Telesatan und Dispo ist so eine!
Wenn man das auf 33rpm laufen lässt, hört sich an als würde ne Doom-Combo versuchen Punkrock zu machen! Wenn man die Platte dann auf 45rpm laufen lässt ist es 70s Rock und den Sänger der Beastie Boys schreit einen an. Nach der dritten Noise-Eskapade vermute ich eine Frau am Gesang.
Wilder Garagepunk mit heftigst Feedback und tierisch Bock auf Lärm!
Telesatan also mit neun Songs in mehr englischen als deutschen Texten. Schöne Titel wie „yuppie preacher“ „finanzamt“ „respect the rock“.
Platte ist von Nov. 2021, ich hab sie halt erst neulich bestellt. Inzwischen gibt es ein aktuellen Digi-Demo „behave!

Das Inlay ist total cool aufgemacht. Wirklich! Ich kann es nur nicht wirklich lesen.
Das Coverartwork ist auf jeden Fall von Ricaletto, ganz hübsch, nech!
Ich dreh mal die Platte rum, Dispo lauern. Auf der Frauenstimme ist etwas weniger Verzerrung, als bei Telesatan. Das mag an der Sprache liegen, dass es besser verständlich ist, ist mir trotzdem fremd. Ist der erste Song „Zmartwienia“ auf polnisch? Sonst gibt es deutsche Texte auf die Ömme. Ziemlich angepisster Garagepunk. Wandelnd zwischen einer Kackophonie an schlechten Tagen für mein Gehör. An meinen guten Tagen ist Dispo echt ne Abrissbirne!
Die beiden Bands sollten auf gar keinen Fall verraten, was sie machen und sich überall bewerben. So Sommer-OpenAir-Rockfestivals und so’n Zeug. Und dann: BOOM!

Und wenn der Mischer schreit „macht mal leiser“ muss man es lauter machen.
Ganz großartige Scheibe, beide Bands wohl aus Leipzig, erschienen im Hause des Noise Phantom Records. Gibt es bei Apocaplexy zu kaufen oder auch bei X-Mist.

LP: marode – risse

Marode überraschen mich mit direkt mit/bei  ihrem ersten Song „die Dummen“, der mich sogar nicht aus den Socken haut, weil aber auch alles, also das Riff, das Songwriting und die Melodie, die dann gegen Ende doch kommt, ich lange erwartet habe, mich echt nicht vom Hocker reißt. Es ist sogar so, dass diese Platte bei mir erstmal am Ende des Rezistapels gelandet ist. Erschienen ist sie bereits im Sommer. Aber das ist mehr so Herbstmusik!
Marode spielen laut Eigenaussage „… alten punk in einer kaputten welt. mit gebrochenen stimmen und verrosteten instrumenten. keifen und singen über verwahrloste menschen und zustände.“
Je länger die Platte läuft, umso mehr Licht erscheint aber am Ende des Tunnels, um es mal so dichterisch auszudrücken. „herrlich destruktiv“ zum Beispiel ist ein Song über die junge Sincht der Punx auf die alten Punker. Was sie früher mal alles wollten, was man selber alles will und dann ist man überrascht, dass die Alten dann doch anders werden. Nach dem Motto Ehefrau/Kinder/Reihenhaus leben.

Es ist dann doch ziemlich abwechslungsreich. Zwei Männer singen und spielen Bass und Gitarre. Sie wechseln sich ab, was mal keifend klingt, mal erzählend. Hat was von …but alive, amen 81 oder außer ich. „brügge“ ist dei erwähnte herbstlich angehauchte Punkmusik.
Die Songs sind durchweg kurz, doch meist gibt es viel zu erzählen und die Lyrics echt ausufernd. Was ich tatsächlich richtig gut finde!

Die grauen Häuser werfen Schatten auf die Seele, an der Bushaltestelle wartet niemand auf die verpasste Gelegenheit

Gestrandete Männer stehen wie braune Flaschen zusammen an der Ecke beim Spar-Markt, mißmutig beäugt von gebundenen Frauen und ihren Männern auf dem Weg zur Arbeit

Die Buchstabensuppe schmeckt nach faden Wörtern und nach: Da kann man halt nix dran machen, ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, nur harte Arbeit

Das „gruselige Lied“. Megagut!
„Bizarroworld“ total angepisst und das Rad wird hier im Sinne der 80er Jahre nochmal in 1Min04Sek ordentlich im Kreis gedreht. „pennen“ ist sogar noch kürzer. Toxo und Andi wechseln sich da echt super ab, während sie von ihrer Drummerin nach vorne geprügelt werden.
Wütender Drei-Akkorde-Punk mit ab und an rechts dystopischen Lyrics, die aber nicht in totaler Düsternis münden.
Auf die ganze Länge der Platte funktioniert das super! Man gewöhnt sich an windschiefe Rumpeligkeit. „falsch und klein“ ist ein super Anspieltipp.

Sie reimen konsequent alles und passen das auch noch in ein Versmaß, da hat jemand bei den Gedichtinterpretationen gut aufgepasst, wobei auch das nicht zu oll daherkommt. Sie haben eine sehr eigenwillige Art & Weise dann Textteile dorthin zu setzen, wo sie sonst keiner singen würde, wo man sie nicht erwartet. Marode machen also Musik wie viele Bands schon vor ihnen, und suchen die Abwechslung, das Eigenwillige in derart Kleinigkeiten.
Diese Drei-Akkorde-Wut mit den passenden Texten ergeben ein rundes Gesamtbild!
Zwischen den Themen „was ist geblieben“, Egoismus in der Gesellschaft, Stillstand, Alkoholmissbrauch bleiben „Sätze mit aber“, was einen wirklich guten Schlusspunkt setzt. Plätschert so aus. Habe das das Gefühl, dass diese Song eine erzählerische Klammer darstellt. Wie der Strich, der sich durchs ganze Booklet zieht, zusammenführt, zusammenhält. Am Anfang ist das Ende und umgekehrt.

Fünf Labels RilRec, Raccoone, Attack Records, Schorrie Morrie Tunes und Violent Heartbeat haben „Risse“ herausgebracht. Klasse Artwork! Viele Risse im Beton, viel Verblichenes.

MC: dekonstrukt – mentally trapped

Schrieb ich doch noch beim Zucchini Days Fanzine, dass mir das viele Geballer ganz schön auf die Ohren geht, hab ich doch tatsächlich als nächstes Dekronstukt in der Post.
Ganz klar, die Aufmachung allein ist ein Hingucker und ein unbedingtes Muss, etwas darüber zu schreiben. Das kann ich ja nicht ungehört machen. Also raus aus der Schachtel, rein in den Kasi.
Crust, punk. Ängry Pünk beschreibt die Band es selbst, und irritiert zerlegt im ersten Song erstmal einen Folksong aus dem letzten Jahrhundert. Dekonstrukt machen ihrem Bandnamen also alle Ehren im Dekonstruieren von Songs. In der Folge kann ich sagen, dass sie glücklicherweise nicht auch Songstrukturen zerlegen. Sie bleiben zwischen Blastbeats und schnellem Pogopunk. „mentally trapped“ bringt, auch in den Lyrics, ein apokalyptisches, dystopisches Weltbild der Band zutage. Die weibliche Stimme habe ich erst kapiert, als ich ins Inlay geschaut habe, sie hat ab und an Backvocalunterstützung von den beiden Gitarristen. Ab und an werden aus dem grindigen Punkriffs harte Deathmetal, oder auch dem Blackmetal entlehnte Prügel. Es wird gehackt, was die Saiten, die Felle und der Kehlkopf hergeben.

Vortex

valleys of sorrow
too hard to take
mountains of despair
too hard to handle

no encouraging words
no assistance
no relief

hopeless, I’m wandering through
the only way out, is the final shot

no encouracing words
no assistance
no relief

Mir ist das tatsächlich etwas zu depressiv. Ich kann das auch nur bedingt als ironisch gemeint verstehen. Nichtsdestotrotz: Dekonstrukt, ein echtes Crust-Brett auf dem man die richtige großen, harten Wellen reiten kann; falls man da Stimmungsmäßig noch Bock drauf hat (eventuell bei Sturm und Hagel).
Hier ein Stream aus dem P8 mit den Crusties von Bastard Royalty.

Was fällt mir als Vergleich ein, und der kann eigentlich nur hinken, Ancst, (ein bisschen) At the Gates, Cluster Bomb Unit.
Eine super Aufmachung hat das Tape!
Eine kleine Box, die quadratisch ist, in der ist das Tape zwar etwas verloren wird, dafür aber der Modern Illusion Aufkleber bestens passt! Und ein Textblatt in A3, ebenso ein Aufkleber der Band.
Erschienen ist die Band aus Ulm bei den dort, in Ulm um Ulm und um Ulm herum, angesiedelten Modern Illusion Records und Subzine Records. Es wird im Herbst wohl auch noch einen Vinyl-Release geben.
Tape bekommt ihr hier.

festival: gutensglück #1 – boitels

Eine Band, die keiner kennt und doch ne Menge.
Widersrpuch in sich`Nicht wirklich, denn die Boitels kennen einige in der Magdeburger Szene und wohl bald auch ein paar mehr, denn sie haben auf dem Geburtstagsgeschenk an Die Strafe mitgewirkt und das „pessimistenlied“ aufgenommen und auf der Lathé Cut 7inch platziert.
Ein paar Fagen habe ich an Per gestellt, den Sänger der Band. Nach ihrem Auftritt, ich konnte mir also ein Bild machen…. im wahrsten Sinne des Wortes.
Andreas (Bass), Frank (Gitarre – Spitzname leider im Klang der Melodien im Rücken des Aufnehmers untergegangen) und Tuba an den Drums.
PP:
Wie lang gibt es euch schon?
Per:
So genau kann ich das nicht mehr sagen aber das erste Konzert war 98/99 rum. Wir kommen aus Magdeburg.
PP:
Boitels, der Name weist wohl dahin, dass ihr Oi-Musik macht. Ich höre da aber auch den ein oder anderen Einfluß….
Per:
Oi-Musik wollten wir mal machen, ja, wir haben es nur nie so richtig hingekriegt.
(lachen)
Also Oi isses nicht, Punker sind wir auch keine – Hilfspunker.

(„großartig, Hammer“ kommt aus dem Off)
Per:
Zur DDR-Zeit waren wir schon irgendwie Punker, aber halt nicht so offensichtlich. Tuba war ja mehr Heavy-Metal…
PP:
(ein Ausruf des Erstaunens)
Per:
Ja! Der richtige Punker ist wohl Wundi (wenn ich das nun richtig verstanden habe, Anmrk. PP), er war es zu DDR-Zeiten schon. Der Punk der Wendezeit, das war so mein Erwachen. 88/89. Die Energie hat mich total mitgenommen.
PP:
Gibt es Veröffentlichungen?
Per:
Wir hatten mal ne Platte rausgebracht.
PP:
Eine in 24 Jahren. Vow. Mit maximalem Aufwand ein minimales Ergebnis!
Per:
Genau! Wir spielen heute noch Songs von der ersten Platte!
(lachen)
PP:
Konzerte?
Per:
Ein Mal im Jahr. Wir spielen nur dann, wenn wir gefragt werden.
PP:
Du hast schon ne recht besondere Art, deine Texte zu artikulieren. Um was geht’s?
Per:
Um mein Leben. Versuche Geschichten zu erzählen, eine Situation zu beschreiben. Teilweise auch mal quatschig wie „ich habe keine Haare“
PP:
Was kommt als nächstes?
Per:
Halt den Strafe-Cover. Wir waren in Leipzig im Studio. Das hat sich sehr gut angefühlt und werden es wohl wieder tun; für eine neue Platte.
PP:
Vielen Dank! Das war es in aller Kürze!

festival: gutensglück #1 16.09.2022 – dr. dexter / kurzinti

Vor sechs oder sieben Jahren habe ich Dr. Dexter schon mal an der selben Stelle gesehen. Ich spielte mit meiner Band pADDELNoHNEkANU auf einem kleinen Konzertabend, damals noch mit Ben Racken.
Dr. Dexter haben eine Platte rausgebracht, 2012, war das. Sie machen … Piano-Punk. Hört sich seltsam an, isses aber gar nicht. Etwas düsterer, ein Vergleich wäre Fliehende Stürme, Punk durchgehend mit Piano. Und der Pianist Peter hat es echt drauf. Für mein Empfinden ist das ein Instrument, bei dem man echt aufpassen muss, dass es nicht zu laut wird und alles andere „zuklimpert“.
Dr. Dexter, äußerlich kaum verändert, auch immer noch in der selben Besetzung, Tobias (Gitarre), Matze (Bass & Gesang), Eik (Drums) und eben Peter am Piano. Ich darf Tobias im Anschluss an ihren Gig ein paar Fragen Stellen.

PP:
Wie seit ihr denn auf die Idee mit dem Piano gekommen?
Tobias:
Anfangs waren wir zu dritt. Peter hat einfach irgendwann mal mitgespielt und dann blieb es so, wie es jetzt ist. Es war einfach schön! Er ist ein echt begnadeter Typ, wollte Organist werden, aber er hat künstliche Hüft, die das nicht möglich gemacht hat.
PP:
Eine erste Platte habt ihr ja schon gemacht, arbeitet ihr an neuen Songs?
Tobias:
Wir wollen schon eine zweite Platte machen, haben aber wenig Zeit zu proben. Alle arbeiten in Schichten. Wir treffen uns ein Mal im Monat.
PP:
Heute Abend gespielt, nun also erstmal keine Probe mehr. Mich hat das heute an Fliehende Stürme erinnert!
Tobias:
Och, danke! Das ist ein schönes Kompliment, ich bin großer Fan.
PP:
Was kommt als nächstes?
Tobias:
Wahrscheinlich nichts, es geht uns so gut, uns fallen keine Texte ein.
(lachen)
PP:
Wie lang spielt ihr schon zusammen?
Tobias:
So 12, 14 Jahre!
PP:
Ihr kommt hier auch aus Magdeburg?
Tobias:
Wir proben hier bei Lars, dem das Grundstück (auf dem das Festival stattfindet) auch gehört, in der Garage in Klein-Ammensleben.
PP:
Mit ihm werde ich hoffentlich auch noch ein paar Worte wechseln. Vielen Dank, für die Infos!
Anspieltipp „für dich“

 

festival: gutensglück #1 16.09.2022 – von hölle / kurzinti

Roger (Gitarre / Gesang) haben uns vor ein paar Jahren mal schon in der Gegend um Magdeburg kennengelernt.
Von Hölle gibt es nun doch schon seit ein paar Tagen, wie bei den meisten Bands gab es kleinere Veränderungen, und sie hatten das Vergnügen nun mal zu Viert aufzutreten. Jens (Drums), Laui (Bass) und Rudi ist „der Neue“ an der Klampfe; seit ca. 2018.
Das erste Album bevor Rudi dazu kam heißt „alles muss raus“

Im Kurzinti hat mir Roger verraten, dass Von Hölle seit geraumer Zeit an neuen Songs wurschtelt. Sie nehmen im Proberaum selbst auf und schicken die Songs peu à peu ins Studio zum abmischen. Da sind inzwischen so viele Stücke bei rumgekommen, dass sie jetzt ein Album fertig machen und danach direkt noch ein zweites!
Die erste Platte wird „unwelt“ heißen und kommt dann so in… 5 – 19649164 Monaten, da die Band Vinyl machen lässt.
Auch gibt es eine Split mit der Band Nopedose. Die Bands covern sich gegenseitig. Einen habe ich live gerade sehen und hören können „(in den Köpfen brennt noch) Licht“. Laut Aussage Roger haben Von Hölle den Song etwas eingekürzt und umgemodelt. Das haben Nopedose ebenso gemacht.
Mir fräste er sich gleich ins Hirn.

konzert: 21.&22.09. degenerated jerks – tour de karslruh

[Gastbeitrag von Joey Controletti]
in Coop mit Felix Frantic

Mittwoch, 21.09.2022, Alte Hackerei Karlsruhe.
Zwei Handvoll zahlende Gäste – schlecht für die Anwesenden, gut für die Karlsruher Feuerwehr. Denn das Line Up an diesem Abend hätte, gemischt mit entsprechendem Publikum, einen Krater ins Schlachthof-Gelände gebrannt.
Opener sind Degenerated Jerks, ein Chemie-Brand mit garagig-hardcorigen Emissionen. Die beteiligten Wissenschaftler sind bekannte Täter aus anderen Laboren, u.a.: Zero-Zeroes, Astrokraut, Zøggn a.k.a. Typhuzz a.k.a. ¿¿¿ und The Bone Idles. Mit dabei, im Chemiebaukasten der Band, ist die brandneue EP auf Zwölf-Zoll-Vinyl, je halbseitig bespielt und besiebdruckt. Das Set dauert etwa 20 Minuten und weist eine hohe Dichte auf, bestehend aus Hardcore-Riffs nach Los Angeles Art, einem Arschtritt in die Fresse und viel Witz.
Ein gut bemessener und sättigender Cocktail, nach dem einem nichts fehlt. Die Kirsche auf dem bunten Glas ist ein GØGGS-Cover, welches das unterhaltsame Set passend abrundet.

Weitere Pomade gießen anschließend Pink Room (BEL) ins angefachte Feuer. Angetreten als Threepiece, bringen wahre Meister ihres Fachs das anwesende Publikum zum schmelzen. Der Bassist und Sänger der Gruppe wirkt wie ein Brandstifter, der, auf einer Feder-Boa reitend, den Siebzigern entstiegen ist und mit seiner Fingertechnik auch eine Konservendose voller Bockwurst zum Höhepunkt bringen könnte.
Seine Schreie brennen mit Vollgas eine Schneise ins Belohnungszentrum und lassen uns einem fiktiven Gott danken, dass wir das erleben dürfen. Virtuos gespieltes Schlagzeug und Gitarre erzeugen noisig-garagige Klänge in einer Klarheit, rein wie Flammen, und präsentieren ausgezeichnetes Songwriting, das 100 % live erlebbar ist.
Bleibt nur zu sagen: Danke an alle, die an diesem einzigartigen Abend beteiligt waren!

Donnerstag, 22.09.2022, P8 Karlsruhe
Ich denke, es waren etwas mehr Gäste da, einige sehr liebe Menschen wiedergetroffen, gleich ins Gespräch gekommen. Doch auch gleich, bei meinem Eintreffen, ich kam gerade von meiner Bandprobe, spielten Degenerated Jerks schon den ersten Song. An der Wand Wrestling über BEamer, ein zappeliger Sänger, der versuchte zu der eigenen Belärmung zu tanzen, ein megalauter Bass, auf meiner Seite die Gitarre kaum hörbar, geil. Dazwischen Quietschen und rauschen und Gesprächsfetzen aus einem Looper und Effekten. Ein Mikrofon, welches nicht richtig funktionierte und im laufenden Betrieb getauscht werden musste. nach 22 Minuten und 12 Sekunden war der Gig vorbei.

Manu (Gitarre) war ganz angetan von der Tour de Karlsruh‘, ein paar ihrer einseitig bespielten Platten gingen über den Tisch, das ist doch super!
Es dauerte ein schönes Gespäch mit Freddy von InDecision, bis die englische Band Bad Breeding den Lautstärkepegel noch ein wenig nach oben schob. Anarchopunk, wurde mir versprochen. Joah, kann man so sagen. Plötzliche Tempowechsel, Gesangswut, mal schnell, mal langsamer.
Ich stand wieder auf der Bassseite, tauschte irgendwann mal auf die andere; ich denke, das nächste Mal werde ich mich in die Mitte stellen, haha!
Sänger der Band lief schimpfend über die Bühne und durchs Publikum, während der Trommler versuchte sich gegen die andern Instrumente durchzusetzen. Bad Breeding sind gerade auf Tour durch Europa und spielen noch bis Sonntag.

Die Songs irgendwo zwischen all dem Lärm nur zu erkennen, da der Bassist meist ein paar Töne vorgab, bevor alle einsteigen. Dazwischen viel Lärm, eingespielte Textfetzen und ein Gitarrist, der sich nie zum Publikum drehte.

10 vor Neun war Beginn, um  22 Uhr irgendwas entließ man uns mit Ohrensausen wieder in die Nacht. Schee.