LP: tomar control – frente al miedo

Heute fange ich das mal umegkehrt an.
Tomar Control haben da nämlich eine ganz famose Scheibe namens „Frente al Miedo“ (Angesichts der Angst) auf meinen Plattenteller geschoben und drücken mit ihren Hardcore-Riffs ordentlich durch die Boxen. Die Band aus Lima in Peru veröffentlicht damit ihren dritten Longplayer!

Seite zwei hat mehr Energie und es sind die schneller gespielten Songs drauf. „hambre de poder“ (Machthunger) ist der Hit der Platte. Man hat auf der einen Seite dieses südamerikanische Thrash-Metal-Gefühl, die Gitarre fräst sich durch die Gehörgänge. Erinnert mich an Ratos de Porao und Tomar Control wechseln im Song aber diese Grundstimmung in einen echt coolen Hardcore / Emo-Part, der nichts an Energie liegen lässt, sondern nochmal in eine andere Richtung pusht.

¿Cuán lejos crees que llegarás?
Si todo en tu vida es traicionar
Wie weit glaubst du, wirst du kommen?
Wenn alles in deinem Leben Verrat ist

Sängerin Julie stellt dabei ernste Fragen an ein ungerechtes System.
Überhaupt sind alle 10 Songs kritisch und hinterfragend.

Ich spule für euch aber mal kurz an den Anfang.
„Frente al Miedo“ startet eher mit Old-School-Hardcore, als mit etwas Innovativem, was etwas gegen die Hörgewohnheiten geht; und glücklicherweise schieben sie da auch schon einen Part Richtung Emo und nicht Richtung der inzwischen ultra poppigen Turnstile. Das macht ja, glaube ich, gefühlt jede zweite Band inzwischen nach. Nein, sie knallen da noch einen Beat-Down hinterher.
Tomar Control höre ich schon seit der ersten Platte und ich finde, dass es eine klare Weiterentwicklung gibt. Sie haben dazugelernt in Punkto Songwriting, verlassen sich auf ihre Skillz und machen daraus wütende Hardcore-Perlen, die sich wie an einer Kette aneinanderreihen.
Bei „Extinción“ höre ich schon ein wenig Biohazard raus. Aber wenn es Anleihen gibt, dann landet man recht schnell beim 90er Jahre Hardcore. Die vier Frauen machen keinen Hehl aus ihrer Liebe zu den Riffs und dem Sound dieser Zeit!
In dem Song geht es um den Egoismus des Menschen, der immer wieder alles zerstört, weil es ihm im Weg ist. Natur, Umwelt, sich selbst.

Die Platte wurde letztes Jahr nach ihrer Tour durch Europa aufgenommen. Abgemischt wurde sie von Hardcore Urgestein Don Fury in New York. Sie kommt in einem Hochglanzcover, Texte liegen im Original (spanisch) und in einer Übersetzung (englisch) bei auf einem Textblatt.
Erschienen bei Refuse Records. Dort auch zu haben als TOurversion in weißem Vinyl. Ich habe hier die schwarze Variante vorliegen.

Tomar Control sind in Kürze wieder auf Tour hier, ganz wenige Dates in Deutschland!

APR 03 – BRIGHTON, UK @thepipelinebrighton
APR 04 – LONDON, UK @thebluemonklondon
APR 05 – MANCHESTER, UK @mcrpunkfest
APR 06 – GLASGOW, UK @thehugandpint
APR 07 – LINCOLN, UK @akedo_bar
APR 08 – CARDIFF, UK @fuelcardiff
APR 09 – CLARQUES, FR @louiepleure
APR 10 – NANTES, FR @lune.froide
APR 11 – PARIS, FR @unitedwestandfestival
APR 12 – FRANKFURT, DE @au.frankfurt
APR 13 – BERLIN, DE @obergeschosshell
APR 14 – SZCZECIN, PL @goodboysbooking
APR 16 – UTRECHT, NL @acu.nl
APR 17 – LIMBURG, DE @kakadu_limburg
APR 18 – GHENT, BE @t_omgekeerdekruis

DIESE REVIEW ERSCHEINT AUCH BEI VINYL-KEKS.EU

LP: post regiment – post regiment

Refuse Records bringen ein Reissue, es ist nicht das erste, was ich bemerkenswert finde, denn die Band Post Regiment (Wiki-Eintrag) ist mir noch nicht über den Weg gelaufen.
Es ist eine polnische Band aus den 90er Jahren, die mit ihrer Art Musik wohl auch in gewisserweise einen Stilprägenden Einfluss hatten.
Okay, dann mal ausgepackt das gute Stück und lasst uns mal rausfinden, was es rauszufinden gibt!

Das Artwork finde ich schon mal sympathisch quadratisch. Auch die Farben.
Als Gatefoldcover mit fettem Booklet in Vinylgröße und der Platte in schwarzem Vinyl. Das ist wohl auch schon wieder die 2nd Press von der Wiederauflage der selbstbetitelten Platte von Post Regiment.

Ich blätter ein wenig drin rum, während ich auf die ersten Töne warte: die Sängerin ist mir sofort sympathisch wegen des Rostok Vampires T-Shirts, welches ich auch zur selben Zeit im Süden von Deutschland trug. Ich sang nur nich in so einer coolen Band!
Hier: atmet mal ein wenig die stickige Luft der 90er Jahre. In denen man noch in den Clubs rauchen durfte und als Sänger*in im Grunde keine Luft bekam. (ich fands schrecklich als Sänger!)
und VH8 oder ähnliches waren unsere Medien, mit denen wir umgehen mussten. Mieser Sound, miese Bildquali. Aber geil.

Post Regiment ist eine melodische Hardcore Band. Im Gegensatz zu den erwähnten Rostok Vampires, die um einiges düsterer, dennoch nicht weniger melodisch waren.
Sie spielen wirklich schnellen Punk, hochgeschwindigket, die Sängerin immer geraderaus und mit tollen Gesangslinien. Es war nicht so weit verbreitet, dass Frauen in Punk- oder Hardcorebands gesungen, bzw mitgespielt haben, dafür dann aber umso bemerkenswerte Musik, wenn sie beteiligt waren!
Der Sound ist insgesamt schon sehr gut, dennoch wirkt der Gitarrensound seltsam hochfrequent und dadurch gar nicht mal so fett. Eventuell ist es ja den Aufnahmebedingungen damals geschuldet, denn man darf nicht vergessen, dass der Eiserne Vorhang erst drei, vier Jahre vor der Veröffentlichung (1992) fiel. Gegründet hat sich die Band 1986 in Warsaw.
Die Lyrics sind komplett auf Polnisch gesungen und sind in einer englischen Übersetzung im Booklet zu finden!

Richtig gute Platte!
Bekommt ihr bei Refuse Records (er verschickt auch in Deutschland) oder beim teuren Coretex.

 

Die Review erschien schon beim Vinyl-Keks. Aber: geile Scheibe, hier auch nochmal!

LP: judy & the jerks split /w shitty life

Shitty Life aus Italien, genauer aus Parma, haben „nur“ vier Songs auf ihrer Seite.
Im Gegensatz zu Judy and the Jerks habe ich sie noch nicht live gesehen. Dafür hatten sie dieses geniale Artwork der „switch off your head“ total angesprochen, blind gekauft und erfreut.
Shitty Life machen auch Garage Punk, machen das etwas more laid back als die andere Seite der Platte.
Die Band, die von sich selbst sagt „whoever wins, we lose“ spielen eben nur vier Songs in knappen 7 Minuten Spielzeit.
Der zweite Song „lost in my haze“ ist musikalisch das, was man sich bei DEN Göttern des Garagepunk abgucken kann (the hives), zwei Gitarren, die ab und an mal gegeneinander spielen. Auch hier, furztrocken, der Bass geht die Oktave nach oben, alle steigen wieder ein. Shitty Life machen es aber so, wie ein Shitty Life halt auch klingen muss.
Gefällt mir total gut, diese Platte. Und da ich diese Seite der Platte eigentlich als zweites gehört habe (und nur hier im Review Chaos stifte), fällt mir auf, wie man die Texte in Reihenfolge lesen kann, ohne zu „stolpern“. Egal.
Die Vocals sind nicht weniger verzerrt, dafür ist das Tempo etwas reduzierter und der Sound dadurch definierter und die Vocals besser zu verstehen. Textlich geht es ums Verlieren.

und Judy and the Jerks aus Hattiesburg. Irgendwo in der USofA(rseholes)
Zuerst habe ich diese Seite laufen lassen, zehn Songs Vollgas auf die Fresse Garagepunk gibt es hier.
Keine Pause zwischen den Tracks, dazu eine Unübersichtlichkeit bei den Texten, da auf der Rückseite der LP zwar Nummern für die Songs angegeben sind, diese aber nicht bei den Texten auf dem beiligenden Blatt stehen. Also muss man die Titel vergleichen.
Da die Geschwindigkeit hoch ist, der Gesang, leider, zu leise gemischt ist UND keine kurze Pause zwischen den Tracks, lass ich ziemlich schnell alle Fünfe gerade sein und höre einfach nur zu.
Es ist exakt das, was ich erwartet habe. Fun, Garage, mit dem Arsch ins Gesicht springen.
Die zehn Songs spielen in unter 10 Minuten und sind fucking flott durch. Der letzte Song mit seinem lärmigen Beginn „wolves of the summer“ ist mein Anspieltipp.
Wenig Zerre auf der Gitarre, dafür doch ein Haufen Rückkopplung, die Drums übersteuert (!!!), der Bass furztrocken. Zwischendurch ein kurzer Banger, bevor es die Band wieder auf die Bahn zieht.
Der Output von Judy and the Jerks seit 2017 ist recht hoch und ich gehe davon aus, das zeimlich bald Nachschlag kommen wird.

Erschienen bei Refuse Records.

7inch: bad anxiety – s/t

Bad Anxiety habe ich mit Robert von Refused Records auf dem GO! – Konzert in der Oettinger Villa im Juli.
Zehn Kracher sind drauf.
Cover und Band sind das, was man genau erwarten kann, wenn man so ein Artwork macht.
Mich hat es tatsächlich total angesprochen und ich erwartete nicht unbedingt straight Edge, aber auf jeden Fall sowas wie Jodie Faster.

Bei Bad Anxiety handelt es sich wohl um ein Ein-Mann-Corona-Projekt, „solo project of Hampton Martin, King of Hattiesburg, Mississippi DIY Punk“.
wobei sich dann aber doch das ein oder andere Video einer Band finden lässt.

Der Bandname handelt von einem sozialen Krankheit, die sich wohl zwischen Panikattacken und Depression bewegt. Entschuldigt, ich bin da nicht weiter in das Thema, das waren nur die ersten Videos, die aufgeploppt sind.
Zwei Demos zusammen auf einer einmaligen Veröffentlichung.
Kurzer, schnörkelloser Hardcorepunk, One-Liner-Lyrics, Stop & Go.

you wanna talk you wanna fight
ther’ll be no peace there’ll be no right
i’m getting sick of wasting my time
there’ll be no peace
„peace“

Trifft ja auch auf den Punkt.
Bad Anxiety machen mit so einigem verbal Schluß, ziehen einen Strich drunter. Träume in einer „big city“. Punx, die den Shit kapitalisieren. Hardcore mit beschissenen Texten ohne Sinn, denn es geht nur darum, laut zu spielen.

Coole Single.

Erschienen sind 400 Stück via Refuse Records (EU) und Feral Kid Records (US)

LP: judy and the jerks – total jerks

Diese knaller-Hardcore-Band aus Hattiesburg in Mississippi Judy and the Jerks, touren sich den Arsch ab. Letzten Sommer in Europa, auch zu Gast in der Alten Hackerei in Karlsruhe, wo ich sie an einem lauen Sommerabend gesehen habe, sondern auch noch ne Ostküstentour in Amiland, diesen Frühling dann Japan.
Die Energie und Zappeligkeit der Band hat mich überzeugt und ich hab mir dann am Ende des Konzerts noch so’n arschteures Tape mitgenommen (10 oder 12 €… Hammer!); so gibt es nun eine Compilation auf Vinyl via Refuse Records. (ich fürchte nur, die gibts nicht mehr….)

Also eine Tapecollection von ihren sieben (7) von 2017 bis 2021 erschienenen Kassettenreleases.
A3 Poster mit den Tourdates des Jahres 2022. Booklet mit Flyerartwork, Stories und und und.
Mich erinnert das an GaragePunk, ist aber meist viel zu schnell dafür. Die erste Beastie Boys Platte klang mal so ähnlich. „egg raid on mojo“ bspw von der Pollwog Stew EP.

Judy and the Jerks sind auf jeden Fall mehr Hardcore. Zwischen quietschiger Stimme und Gebrüll, Krach und Noise auf der Gitarre und dem Bass, die Drums pushen einfach nur, sind mehr Triebmittel als Gestaltungselement.
Zugreifen!