LP: kurz vor der sonne – triskaidekaphobie (13 jahr später)

Ein kryptischer Titel, aber es beginnt ja alles mit dem Bandnamen.
Kurz vor der Sonne, einer Verbrennung 4.ten Grades sicher, ist ein schöner Bandname. Allerdings auch so überhaupt kein Hinweis darauf, was denn das für Musik sein könnte.
Ich darf ehrlich gestehen: ich las den Namen Rodi in der Beschreibung und wusste, dass ich seine Stimme mag, die Art, wie er Musik macht, und damit stand fest, dass ich das hören muss!
Nur der Titel, alter…. Klären wir das also gleich. Die Triskaidekaphobie ist ein sehr umständliches Wort (aus dem griechischen) für die Angst vor der Zahl 13. (Ich hab ja die Koumpounophobie)
Funfact: Eine Auswertung von Krankmeldungen der Jahre 2006 bis 2008 ergab, dass an solchen Freitagen drei- bis fünfmal so viele Arbeitnehmer krankgeschrieben sind wie im Durchschnitt (Quelle Wikipedia)

Der Inhalt sind 13 Stücke mit Rodi’s zartem Stimmchen, welches bei 100 Kilo Herz hart fehlt (sry guys).
Kurz vor der Sonne leuchtet seine Stimme wieder in schönen, entspannten bis wütenden Songs; wobei seine Wut immer eine lyrische ist.
Wenn man also eine Triskaidekaphobie hat, sollte man diese Platte nicht hören, weil sie 13 Jahre später 13 Songs auf einer Platte hat. Aber keine Angst, da ist nur gute Musik zu hören. Vielleicht hätten sie die Platte 12+1 nennen sollen, dann würden sie die 13er nicht ausschließen?!
Die Band, die diese Songs vor 13 Jahren schon eingespielt haben, gibt es schon lang nicht mehr. Sie passen in meiner Sammlung ganz gut zwischen Hannes & Akki und SchrengSchreng & Lala. Oder den vor wenigen Tagen reviewten Attila Reißmann.
Im Begleitheft lese ich fleissig mit. In LP-Größe liegt es der Platte bei und hat soooo große Buchstaben, dass ich meine Lesebrille nicht brauche, puh!
„wieder am gleis“ ist voller Gedanken zu dem, was passiert ist, es geht alles vorbei, es kommen Dinge zurück oder wieder. Es gibt Räume, in denen man sich trifft; es geht um Freundschaft.
Hach, wie ich das mag. Mir fällt das nicht so leicht über Freundschaft zu sprechen, das Gute daran, auch das weniger Gute. Eine solch ehrliche Stimme gibt mir das Gefühl, mitgenommen zu werden.
Und ja, es ist in gewisser Weise auch ein düsteres Album, beschreibt Ängste, versucht sie in Worte zu fassen. Wenn die Welt also vor 13 Jahren dunkel war, ist sie heute nicht noch düsterer geworden? Eventuell deswegen alles in Rosa? Wegen der rosigen Zeiten, die man haben kann oder könnte?

Aber hej, die andern bei Kurz vor der Sonne sind auch zu erwähnen. Barby gibt manchen Stücken noch eine tolle weibliche Stimme! Mit Ian (E-Gitarre) und Pauli (Drums) verfollständigt sich diese Band, die es inzwischen auch live zu sehen gibt!
Zwischen Akustik, Melancholie, Freundschaft und Punkrock ist alles drin, was eine gute Platte ausmacht.

Bakraufarfita Records. Schöne Aufmachung im Inside-Out-Cover. Rosa als Grundfarbe, so auch das Vinyl. Plus das erwähnte Booklet.

 

PS: diese Review ist schon beim Keks erschienen.

 

PPS:
Zum Abschluß:
meine Plattensammlung ist beträchtlich angewachsen.
Durch Zukäufe, Neuerwerb oder die vielen Reviews, die ich hier mit Freude schreiben darf.
Ich habe alle Releases mal bei Discogs eingestellt, die nicht bleiben wollen und versuche die Labels nicht zu unterbieten! Würde mich sehr freuen, wenn die ein oder andere Scheibe/MC  einen neuen Besitzer*in finden würde.

 

video & LP: attila reißmann – lila / bunkerkonzert / welive #16

Wo soll ich anfangen?
Attila kenne ich schon eine Weile von seiner anderen Band namens Heisse Projektile und Confused gibt es auch noch. Er kommt aus Lahr und wir spielten im Oktober einen Gig zusammen in eben jenem Bunker 108, in dem er auch dieses Live-Video produziert hat zum Release seiner Solo-Platte „lila“.
Wir kamen an dem Abend ins Gespräch und ich stellte mit Erstaunen fest, dass er ein recht umtriebiger Musiker ist, allerdings, so wirkt es für mich, nur in Lahr (südwestliches Baden-Württemberg) – und das ist schade!

Beginnen wir aber mit der LP, die kam vor dem Video im Mai 2025 raus. Im Eigenverlag und auch im eigenen Vertrieb.

Das Album, wie auch das Konzert, beginnt mit „leber liebe ungewöhnlich“, ein netter Einstiegssong, doch mit dem zweiten Stück „kleinstadtromantik“ kommt das, was er über das ganze Album mit seiner Band durchzieht: coole, entspannte, leicht poppige Akustiksongs, die sehr gut arrangiert sind.
Mal verträumt, mal sehr ernst; es geht ums Verliebtsein, miteinander leben, manchmal auch nebeneinander herleben. Um die Gegend und die Umstände, in denen er sich befindet, auch musikalisch. Das Punk halt auch so sein kann, wie er das präsentiert.
Da hat er nicht unrecht, allerdings fehlen mir dazu dann doch die klaren Ansagen in den Lyrics.
In „dein punk“ geht es genau um dieses ambivalente Verhältnis. Punk zu sein, aber halt nicht so auszusehen oder das permanent Repräsentieren zu wollen.

Ein wirklich guter Satz fällt mir bei „dach der welt“ auf:

in dieser welt in der wir hier leben
sind wir das problem

Ein grundsympathisches, leidenschaftliches und dennoch in sich ruhendes Debüt!
Attila hat dem nicht nur seinen Namen gegeben, es gibt doch auch eine wirklich gute Backing-Band, die, wenn ich das richtig gesehen habe, auch komplett beim Livevideo beteiligt sind.

Ich habe keine Kritik daran, so soll sich der folgende Absatz nicht anhören:
Ein wirklich insgesamt sehr professionell gemachtes Video. Eine sehr gut eingespielte Band präsentieren mit einem gänzlich gut aufgelegten Attila Reißmann das komplette Album.
Allerdings fehlt mir das Publikum. Mehr Atmo, mehr Menschen, die da mal vor Freude im Dreieck hüpfen – also das „Leben“ auf diesem Konzert.
WeLive haben den ganzen Ruschel in den Bunker gepackt und das LiveKonzert aufgenommen. Auch Ortsansässige!

Man kann sagen: ein regionales Produkt.
Wo ihr das bekommt, ist eine wirklich gute Frage, denn bei Bandcamp habe ich dazu leider nichts gefunden. Auch keinen Shop im Netz.
Vermutlich direkt bei Facebook oder bei Insta.

 

konzert: paddelnohnekanu und Tom Mess, Bollerwagen Gig vor der Trinkhalle Baden-Baden am 20.09.2026

Gastbeitrag von @joey.controlletti

Der Spätsommer bäumt sich nochmal so richtig auf und ich fahre mit .a im Oi!PNV nach Baden-Baden um den Bollerwagen-Gig von paddelnohnekanu anzusehen. Das ist Kur-Punk und das ist Tradition, zum vierten Mal geben sich die Drei während des SWR New Pop Festival die Ehre, mit Dosenbier vor der Baden-Badener Trinkhalle.

Wir decken uns im Netto mit Snacks und Supplys ein und vespern etwas am Hang, auf einer Treppe im Kurpark. Umgeben von Rhododendron und sattem Grün, der Blick geht auf Parks, das alte Schloß neben den Battert-Felsen und den Schwarzwald. Die schöne Umgebung und der hässliche Prunk von weißen Polohemden und denen, die gerne Oberschicht wären sind ein Teil meiner DNA und bringen mein Blut zum kochen.

Vor den Stufen der Trinkhalle wird soeben die Technik aufgebaut, wir begrüßen uns herzlich, ein freudiges Wiedersehen. Der Strom an Menschen, der durch den Park in Richtung Kurhaus fließt, spült auch alte Bekannte und Menschen in schwarzen Klamotten an.

Es dämmert, die Laternen und Parkbeleuchtung scheinen die riesigen Platanen an und Tom Mess haut in die Saiten. Gesungen wird ohne Mikrofon, dennoch kraftvoll und wir lauschen von den Treppenstufen den Singer/Songwriter Geschichten. Einige neue Lieder sind auch in deutsch verfasst und nach ein paar Songs entspanne ich mich sichtlich. Unentwegt gehen Passanten auf dem Kiesweg und unten in der Allee am Oos-Bach Richtung Innenstadt. Immer wieder bleiben Fußgänger*innen stehen und lauschen. Das alkoholfreie Schloss-Pils läuft jetzt echt gut.

Vor drei Jahren habe ich erstmals den Trinkhallen-Gig von paddelnohnekanu besucht und die Band hat ihr Bollerwagen Setup seither technisch aufgerüstet. Ergebnis ist ein runde, voll funktionsfähige Miniatur-Version der Darbietung. Felix agitiert per Headset-Mikrofon die Truppe auf der Treppe sowie der immer größer werdende Strom an Menschen in Richtung New Pop Gelände. Es wird ein komplettes Set runtergeknallt. Ich bin ja schon Fan der Band, das merke ich besonders bei Live-Auftritten jedes Mal aufs Neue. Felix an der Gitarre, mit der der ganz eigenen Spielweise, shredded auf den Kiesweg. Floor-Show – geiel! Ole hat mittlerweile fast schon ein richtiges Schlagzeug im Park stehen, mit Cahon-Kick-Drum, Piccolo-Snare und und und. Tulle bearbeitet gut hörbar den elektrisch verstärkten Bass, unter einer Palme stehend. Neben ein paar Evergreens aus dem Oevre der Band werden auch einige neue Lieder von den anstehenden LP, Niemand liebt dich mehr, zum Besten gegeben. Zwischendurch wurde noch Nachschub an Dosenbier geholt. Die Menge auf und vor der Treppe johlt mit und eine zunehmend große Menge an Passant*innen aller Altersklassen haben sich um das Spektakel eingefunden. Die Band schließt das Set mit einem Deutschpunk Knaller namens „Nietendeckel“ vom neuen, noch nicht veröffentlichten Album.

Wir quatschen noch ein bisschen, dann verabschieden wir uns und machen uns auf den Rückweg. Im Rucksack sind noch Snacks von Netto, Budget Erdnüsse im Teigmantel ftw.

Super-Happy, dass wir es wieder mal auf diese Open-Air-Sause mit den Kur-Punx geschafft haben! Es war sehr schön, vielen Dank!

In der Galerie ein paar Fotos von Mareikes Fotomomente!

LP: colletti – anything that burns

Colletti habe ich auf der Mini-Outdoorbühne des Hellfest im Juha West in Stuttgart gesehen und fand damals schon richtig gut, was sie macht.
Gesehen habe ich sie dann auch, überraschenderweise für mich, auf einem Konzert von Pascow, als Gastsängerin.
Und löste dann beim Plattenrelease im Goldmarks von Hell & Back keine Verwunderung mehr aus, als sie mit der Band auf der Bühne stand.

Colletti ist also sehr umtriebig, dabei macht sie komplett andere Musik, als ihr nun erwarten würdet, wenn ihr die Bands und deren Sound in den Ohren habt.

Ihr eigenes Album „anything that burns“ hat sie seit kurzem via Barhill Records raus, und bringt mich echt zum Staunen.
Singer / Songwriterinnen Musik, die sehr schöne, persönliche Texte hat. Zehn Songs sind drauf. Das ist nicht viel, aber absolut ausreichend. Ich stolper jedenfalls gerade echt oft über exakt diese Anzahl Songs auf einem Album. Zehn.

Gesanglich File under Cranberries, Akustik-Punk ist es definitiv keiner. Die Gitarre, die ja allein mit der Stimme durch die Songs tragen muss, ist sehr ausgewogen gemischt und wie Colletti spielt ist es nicht, als wenn hier nur Lagerfeuerromantik aufkommen soll. Obschon das Cover ja etwas anders suggerieren könnte, zwinker.
Alle Songs handeln in irgendeiner Form von Abschieden. Und das klingt wahrlich trauriger, als es ist.
Die erste Seite ist mehr Solo-Singer-Songwriterin. Zweite Seite dann mit erweiterter Instrumentierung, mal ein Piano, mal ein Chor. Was sich alles schön zusammenfügt und nicht aufdrängt.

 

Zu haben bei Barhill Records direkt. Oder, nehme ich an, auch bei der Künstlerin direkt.

 

LP: gypsy rufina – mason type III

Am 16.01.2025 habe ich mir einen Instoregig angeschaut, der bei Dixigas Records in Karlsruhe stattgefunden hat.
Tom Mess hat aufgespielt und einen alten Freund mitgebracht, mit dem er schon viele Kilometer abgespult hat.
Nämlich den Singer-Songwriter namens Gypsy Rufina. Wir tauschten ein paar Worte aus in der Kälte der Nacht und er gab seine Platte ein paar Tage später an Tom, der sie mir dann zu seinem Releasekonzert in die Hackerei mitbrachte.
Wie auch immer, mich hatte die Musik an dem Abend nicht so geflasht, wie sie es tatsächlich gerade auf der LP schafft.
Wunderbar. Ganz abwechslungsreich und sehr gut aufgenommen und eingespielt.

Das Cover ist ja sehr simpel und übersichtlich.
Ich denke, die Aufklärung kommt im Song „roof of clouds“ warum er Schweirigkeiten mit diesem Knie hatte. Oder auch in „screws in my bone“.
Mir gefällt der unterschiedliche Style zwischen Singer und Songwriter Mucke. Leicht psychedelischen Anleihen „motel 6“.

Auf Seite 1 geht es Songwriter-mäßiger los. Mehr Geklampfe. Auch mal ein wenig Zerre auf der Stimme.
Gypsy Rufina erzählt Geschichten, die er unterwegs erlebt hat. Wohl am deutlichsten in „swiss prison“ abzulesen.

Wirklich ein schönes Album. Texteinleger, schwarzes Vinyl. Selbstproduziert und mit Kill Mill Records und Road Sweet Road Records.

Hier der Link zu einem Song des besagten Gigs bei Dixigas Records.

LP: friedemann – alles richtig naiß hier?

Wenn es jemanden gibt, der eine fantastische musikalische Lebengeschichte erzählen kann, dann ist es wohl Friedemann von der Insel Rügen.
Reflektiert, klar formuliert, kein Zynismus. Selbstzweifelnd, kritisch mit sich selbst, und offen kritisch, kein Blatt vor den Mund nehmend.
Klar, man muss schon Bock haben jemanden zuzuhören, der nur eine Akustikklampfe in der Hand hat. Und dabei uns noch lyrisch unser eigenes Versagen vor Augen führt („naiß“ „g-land“ – – – – – – -)
Doch auch hat er Hoffnung. Dass die „liebe“ für alle da ist. Das „frieden“ ein gemeinsames Leben möglich macht. Die Stücke sind alle von Friedemann, der sich nicht einfach nur auf eine einzige Spielart einlässt. Er spielt mit verschiedenen Spielarten der Genre Blues, Rock, Punk, Akustik. Er weiß mit Sprache und dessen Rhythmik umzugehen.

Das famose Artwork kommt von Conny Ochs, die Üppigkeit ist kaum zu überbieten, man sollte es sich in den Raum hängen, wäre da nicht auch noch ein Tourplakat drin.
Friedemann beschreibt sich und seine Songs als „Eigenleben, (sie) werden gehört, interpretiert, diskutiert, geliebt, abgelehnt, gefeiert oder verdammt“.

Platte ist DIY erschienen. DREI (!!!) LP’s in einem wunderbaren Tryptichon als Cover. 24 Songs live aufgenommen in Oldenburg. Sound und Aufnahmen: Peter Schade und Mix & Mastering: Eike Freese
Bekommt ihr direkt über ihn bei Bandcamp. Oder auch bei Mailordern, klar.

LP: dave collide – why not

Die Frage „warum nicht“ sollte man sich öfter in seinem Leben stellen. Bei einigen Dingen. Manche kann man aus dem Bauch entscheiden, bei einigen muss man einfach in sich gehen und drüber nachdenken; planen.

So hat es wohl auch Dave Collide eine ganze Weile getan, bevor er losgezogen ist, seinen Wunsch in die Wirklichkeit zu hieven: professioneller Musiker zu werden.
Darüber will ich gar nicht viele Worte verlieren, denn es gibt einen halbstündigen Bericht in der Ard-Mediathek, in der Dave begleitet wird, auf diesem Weg.

Ich hatte diese Doku gestolpert über Mareike, die gerne Fotos macht und in der Stuttgarter Szene viele Konzerte und Menschen begleitet. Und direkt aufgefallen ist mir, was für ein grundsympathischer und bescheidener Mensch Dave ist.
Ich schrieb ihn an und er war sofort Feuer & Flamme mir eine Platte zum reviewen zu schicken. Nun, ein paar Tage hat es mal wieder gedauert aber here we go!

Dave’s Markenzeichen ist das rot/schwarz gestreifte Shirt und das hat den Weg gefunden auch als Artwork zu dienen. Das ganze, so empfinde ich es, ist serh jugendlich aufgemacht. Zielgruppe sehr wahrscheinlich U40.
Cardboard in LP -Größe, da sind die Texte drauf, dazu dieses schöne rot-transparente Vinyl mit den schwarzen Schlieren. Das passt schon alles sehr gut zusammen!

Dave hat eine ganze Menge zu sagen, dass merkt man, wenn man einen Blick auf die Texte wirft. Ich gehe völlig unvorbereitet an die Sache ran, habe Dave bisher nur als Solomusiker wahrgenommen.
Und „hi“ ist ein akustischer Song. Er stellt sich vor. Es ist alles sehr durchdacht und geplant und auf den Punkt dort, wo es sein soll.
Mit „final feast“ geht es dann los mit Band, von der ich wahrlich überrascht bin!
Das ist also kein Akustikalbum! huch 😉
Dave hatte alle Songs, Gitarren und Bass eingespielt. Sebastian Kränzlein die Drums.
Es gibt eine ganze Reihe Gastmusiker*innen: Violine, Vocals, Backing Vocals, Keyboard, Synthie, Vow!
Die Musik ist hochmelodischer Poppunk, supergut produziert.

„stop eating your friends“ ist ein Song gegen das Essen von Tieren. Su-pergut gespielt, dennoch catcht mich das persönlich nicht gleich. Dafür ist es wieder etwas zu glatt.
Aber hej: fette Empfehlung bspw für das New-Pop-Festival bei SWR3.
So einen Stapel guter Texte musst du erstmal schreiben. Auch noch mit so viel Tiefgang und Reife! Er sollte unbedingt mensch im Radio damit den ganzen Tag beschallen. Auf Arbeit, in der Werkstatt, beim Autofahren!

„don’t be a dick“ (feat. Linh Le of Bad Cop/Bad Cop) über eine Frau, die allein von einer Show nach Hause geht und von einem Mann belästigt wird.
„why not?!“ der Titeltrack verrät über den Aufbruch, mal über den Horizont hinauszuschauen, offen zu sein, warum nicht über Grenzen geht. Stellt euch vor, es gäbe keine Diskriminierung und niemanden mehr, der ausgeschlossen wird! Klar, klingt erstmal naiv, denn die Realität unter Menschen sieht anders aus. Aber eben: wenn man sich nicht darüber mal Gedanken macht, dann bleibt ja alles so …. grau.

Auf Seite zwei gibt es Songs auch auf deutsch gesungen.
„hast du gesagt“ ist dann die lyrische Verarbeitung seines Weges, seinen Traum wirklich werden zu lassen. An jeder Ecke zu spielen, unterwegs zu sein.
Am Ende gibt es „anker“ in dem es um Abschied von alten Freunden geht.

„why not?!“ ist ein wirklich tolles Album und ich wünsche mir, dass ihr ihn ordentlich unterstützt, denn wenn das hier keine Radiotaugliche Musik mit allem was dazugehört ist, dann kenn ich ja wirklich gar nix.

Get it here

 

MC: tim rinker – demo(n)s.eins

Tim Rinker – Demo(n)s, die Erste.
Fünf erste Songs also. 30 Tapes haben sie als erste Runde gemacht, Tim zusammen mit 30 kilo fieber records.
So wie er sich anhört, ich habe sonst groß keine weiteren Infos dazu bekommen, erstmal.
Zuallererst klingt Tim Rinker ja sehr jung und der Song  „Nimmerland“, bzw die ganze Veröffentlichung ist ein reines Acoustic-Werk. Ab und an setzt mal ein Schlagzeug ein, klassische Singer – Songwriter-Mucke, die ein bisschen zum Träumen einlädt. Sehr emotional das Ganze, mit einem ganz feinen Gespür für die Zwischen-Zwischentöne. „kein Puls“ ist ein sehr gutes Beispiel für dieses Dazwischen-Sein. Es geht um das Thema Tod und Sterben. Wie er das erzählt und empfindet, das in Töne schmiegt, das ist schon eine besondere Art und Weise. Ich denke, besser kann ich es nicht beschreiben!
Das letzte Stück „wieder von vorn“ bedeutet wohl: dreh die Kassette rum und hör es nochmal.
Der Anfang mit diesen fünf Songs ist gemacht, er trifft die Töne, da ist nichts Schräges, Unbeholfenes bei. Bedenkenlos zugreifen:
30 Kilo Fieber.
12 Minuten Träumen mit Tim Rinker! Viel Spaß dabei.

7inch: Paul Pecho – neatly yellingmouth

Ein gänzlich unbeschriebenes Blatt namens Paul Pecho flattert hier rein. Respektive eine Vinyl 7inch. Zwei Seiten, zwei Songs.
Beim Vinyl-Keks hab ich ja immer den Spaß am Start, maximale Worte aus meinem erdnussgroßen Gehirn rauszuklopfen. Hier mach ich es mal kurz und knappi knapp.
„curtis yellingmouth“ ist ein trashiger Songwriter-Titel, der ziemlich smooth rockt und trotz des ruhig gehaltenen Tempos ganz schöne mitzieht. 
Eine warme, rotzige Stimmung. Paul hat diese Songs wohl geschrieben, als er noch ungeboren war. So die selbsterzählte Legende. Das Label, bei dem er herausgekommen ist It’s Eleven Records, erzählt das mehr so: „Paul Pecho simply shakes two psychedelic Garagerock pearls out of his sleeve.“ Joah. IN der Mitte liegt dann wohl die Wahrheit.

Jedenfalls soll seine Pränatale Legende die wärme seines Sounds erklären. Die Lyrics sprechen für sich selbst und sind nicht dem Walgesang ähnlich oder sonstwie verfremdet. Gut! Der herrlich schräge Background / Spoken Word hebt den Song noch zusätzlich ab, es ist sehr repetitiv.
Er bietet auch an „Hi!“ zu sagen, w
enn man über Musik, Kaffee oder Pizza mit ihm sprechen möchte. Unter dieser Mail

Bei „neatly framed“ auf der andern Seite gibt er etwas mehr Gas. Abgehangener, im Gegentakt gespielter, 70’s Rock, psychedelisch, kleine Soli. 
Die Songs sehr kurz und kurzweilig.

Anchecken, bitte.
Kaufen hier: it’s eleven records

PS: Paul spielt sonst noch bei Black Salvation und hat für diese Songs alle Instrumente selbst gespielt.

review: Friedemann – in der Gegenwart der Zukunft LP

Friedemann trägt sich auf seiner 180 gr Vinyl-Scheibe und diesem wieder superschönen Artwork, mit seiner tiefen Traurigkeit gleich im ersten Song weit in meine Ohren.
Es ist ein wunderschön politischer Song „das Sammeln von Licht“; wobei das Licht wohl viel Ideal, viel Freiheit, viel Leben meint, welches man in einem Korb sammelt, um es mit Freu(n)den zu teilen.

Und ich habe direkt das Gefühl, dass ich jetzt gar nicht auf jeden einzelnen Song eingehenden muss, oder will, denn selbstverständlich ist das was Friedmann macht, genau das, was mich gerade aus den Boxen anlacht: Lebendigkeit! Inzwischen dürfte er ja, auch durch C.O.R., sein freies Denken bekannt sein, sein klarer Antifaschismus, seine Liebe und sein Zweifel am Menschen. Hier also die aktuelle Scheibe „in der Gegenwart der Zukunft“
Vor 10, 15 Jahren hatte das Gefühl, dass diese Art des Vortrags so gar nicht mein Fall ist. Oder ich hab einfach einen sehr langen Anlauf gebraucht. Oder das Verständnis dafür, was Punk tatsächlich ist: mach, was du willst und wie du es kannst. Dein persönliches Schubladendenken völlig irrelevant.
Wie soll ich das nun ausdrücken: die musikalische Person Friedemann hat für mich eine Harmonie bekommen, eine Sehnsucht, eine Ausdrucksweise die ich sehr gut nachvollziehen kann.
Eventuell habe ich es inzwischen aber auch geschafft, eben jene sehnsüchtige Art, die nach einigen Songs, ihr wisst, diese Nachdenklichkeit Friedemanns, mental etwas nach unten zieht. Oder anders formuliert, etwas Soghaftes hat, sodass ich es schwierig finde mir 45 Minuten am Stück anzuhören. Ich schaffe eine Seite, mache eine Pause, reflektiere, dann höre ich die nächste Seite.
Es ist nicht so, dass nicht auch lebendige, fröhliche Songs auf der Platte zu finden sind „wo wir ankommen“ ist ein schönes Beispiel.

Der Longplayer widerspiegelt ein Leben. Und das ist halt ne ganze Menge für die dann doch kurze Laufzeit.
Leben, lieben, fröhlich sein, traurig sein, nachdenken, diskutieren!
Allein die letzten vier Titel beschreiben das alles. „bleib dem Frohsinn treu“ „desillusioniert“ „kleiner Regen“ und zum Abschluss gibt es „einsam“. Gänsehaut.
Die Platte kommt auf 180gr Vinyl, Inside-Out-Cover, Recycling Vinyl, erschienen bei Exile on Mainstream Records.
Ganz vielen Dank, dass ihr mir die Platte zugesandt habt!