LP: melkus – discographia due

Eine sehr einfach ausgestattete Platte erreicht mich von der Band Melkus.
Sie nennt sich „discographia due“ und es sind 11 Post-Punk-Wave-Songs drauf.
Leicht garagiger Sound. Das ändert sich schnell.
Psychedelic Rock, Jazz, Garage und durch die Vocals hat das was Egg-punkiges. In gewisser Weise läuft die Platte ganz gut durch, manchmal nerven die ganzen Genreübergreifenden Hooks und Ideen dennoch.
Es entsteht kein Gesamtbild.
Experimentell und noisig, dafür dann in „kopf“ eine richtig gute Hook!

Das Artwork von Melkus sind wohl Stecker in verschiedenen Varianten. XLR, DIN-Stecker, sowas. Sieht irgendwie ganz witzig aus, ich verstehe den Zusammenhang zum Titel aber irgendwie nicht. Egal. Halten wir uns nicht mit inhaltlichen Nebensächlichkeiten auf!

Warum sollte ich mehr erzählen als im Cover zu finden ist?
Hier noch schnell der Text aus ihrer Selbstbeschreibung.

„discografia due“ ist Melkus‘ chaotischer Liebesbrief an das Verlieren: verdrehte Riffs, Verzerrung als Farbe und Monate, die damit verbracht wurden, Einflüsse zu entwirren und in rohe Meisterwerke zu verwandeln. Eine Mini-Diskografie von Chaos, Lärm und Freude am Scheitern. Keine Gewinner – nur eine Crew von Verlierern, die zwischen Wahnsinn und Nervenzusammenbrüchen tanzt.

Erschienen bei It’s Eleven Records, dort und bei BC zu haben auf schwarzem Vinyl.

 

MC: tttturbo – modern music

Viele T’s stehen im Bandnamen. Was machen sie dort?
Ganz witziges Tape der Band TTTTurbo, welches ich von It’s Eleven Records zugesandt bekommen habe.
Allerdings fürchte ich, ich muss die Review über Verneinungen erzählen.
Beschreibung sagt „modern sound“ und ist Bubblegum-Synth-Pop. Zwischendurch auch mal etwas garagig. Durch den Gesang, den man gar nicht versteht auch eventuell ein wenig punkig. Egg Punk.
Allerdings ist der Sound in den Songs sehr unterschiedlich. Lauter, mal leiser. Zuerst dachte ich, mein Tapedeck ist im Arsch. Aber nein.
Es leiert.
Es könnte t-t-t-t-urbogut sein, wenn die Band nochmal hingegangen wäre und den No-Fi in etwas höhere Soundsphären gehoben hätte.
TTTTurbo gehen so Richtung NDW und das kann echt gut werden!
Aufmachung ist in schwarz-weiß so ne Art Geisterschloß.

It’s Eleven Records.

7inch: ÿdeg – elme

Mich erinnert ÿdeg an so Anfang der 2000er Hardcore-Bands. Keine Ahnung, ob das der, im Promoschreiben, benannte „revolution-summer-schule“ ist. Schule mag ich eh nicht.
Die 7inch ist mit „elme“ betitelt.
ÿdeg sind ein Post-Hardcore-Punk-Trio, welches in Berlin ansäßig ist und haben sechs kurze und dennoch extrem abwechslungsreiche und intensive Tracks da in die beiden Rillen gepresst.

Nach dem ersten Hören ist es schwer, einen Hit herauszupellen, aber mir gefällt sehr gut, dass jeder Song anders ist!
Sehr gut einspielte, spielfreudige Gitarren, die Backsection Bass und Drums halten das zusammen.
Die Lyrics sind trotz der Kürze der Songs dennoch recht ausufernd. Meist sind es Geschichten, die erzählt werden und in ihnen werden Fragen gestellt. Da das Trio ist aus „zwei failed democracies“ des Ostens, nämlich Sachsen und Ungarn, und alle Lyrics sind in ungarisch gesungen, aber in englischer Übersetzung auf dem Textsheet.
Eine der Fragen ist, wie es sein kann, dass eine Bevölkerung, die in Ungarn rückläufig ist, immer noch mehr Idioten hervortreten.
Der Bassist, der auch singt, schreibt aus seiner persönlichen Sicht. Zweifelt, wütend, zwischenmenschlich. Es gibt Dinge, die man nicht schützen kann, aber Dinge, die man loslassen kann. Am Ende wird man sich helfen können.
ÿdeg erinnern mich an die famosen Deadverse, sind zwar etwas noisiger in Spiel und Sound, aber dennoch haben ÿdeg einen irre guten Drive.
Gute 7inch. Hinterlässt mich nachdenklich.
Dreht gleich nochmal eine Runde!

Erschienen ist die 7inch bei It’s Eleven Records.

MC: mantarochen – cut my brainhair

Mantarochen, die hatte ich schon mal beim Label it’s eleven records entdeckt, auch reingehört… aber an dieser Stelle ist es versandet.
Nun liegen sie im Kassettendeck und laufen los.

Elektro-Synthpunk. Mantarochen lass mich anfangs im Unklaren über den Titel ihres Outputs, denn das ist echt schser zu erkennen auf diesem blauen Cover.
Via Bandcamp erschließt sich mir dann :

Artwork finde ich aber insgesamt gut!
Einfaches Tape mit Bandnamen, Titel und den 8 Songs.
Die erste Seite finde ich tatsächlich ganz gut. Schön knackiger Bass. Die Vocals ein wenig leise aber auch passend.
Die zweite Seite halten sie das nicht ganz ein, werden ruhiger.
Erinnern mich an Fotokiller, die mag ich.
Mantarochen haben eine gewisse Düsternis, ziehen aber nicht zu weit nach unten zieht. Zwischen Soundscape (durch die entfernte Stimme) und Post-Punk.
Vielleicht ist die Stimme ja auch eher ein weiteres Instrument, denn oft wirken die eingeworfenen Worte mehr, als das man sie verstehen kann.

It’s Eleven Records.

MC: distant relatives – s/t

Die entfernten Verwandten bringen hier stark englisch angehauchten Post-Punk, der viel über einen tanzbaren Beat gibt darüber eine punkige Gitarre.
Die hat maximum Distortion drauf. Ohne Unterlass werden die Saiten bearbeiten, geschabt, gekratzt, geschlagen. Der Bass ist die Orientierungshilfe. Ein wenig klingt es nach Industrial oder Noise.
Distant Relatives brechen ab und zu die Gitarren mit Halbtonkaskaden aus und bleiben leider, wie bei „desert rose“ eher unangenehm hängen.
Irgendwie ist diese Musik gewollt schmutzig und düster.

Die Songs wirken anfangs etwas gewöhnlich, entwickeln erst nach etwas Zeit, die man ihnen einräumen muss, ihren Sog. Insgesamt finde ich das Tape also ziemlich gut; wenn auch gewöhnungsbedürftig!

Erschienen bei It’s Eleven Records. In einem düsteren Grau gehaltenes Cover. Eine Collage mit dem Satz darauf, dass wir alle entfernte Verwandte seien, die durch selbstgemachte Einteilungen (Klassifizierungen) durch ein Leben gehen, dass es lohnt zu leben.
Die Leipziger Band passt sehr gut auf das Dresdener Label!

MC + 7inch: cold summer – cold summer & altlasten

Hatte mir schon ewig vorgenommen, das Tape zu besprechen, denn mir hat es gefallen.
Allerdings hatte ich es auch erst im Spätsommer in Berlin im bis aufs messer Plattenladen käuflich erworben!

Cold Summer – s/t demo.
Es startet mit einem hart geilen, ins Hirn fräsendes Gitarrenriff. Düster, Post-Punk, kalt und treibend.
Der Sound ist ein wenig mumpfig, zumindest auf meinem Tape, ein dennoch überraschendes Release, denn Cold Summer haben schon ihren eigenen Sound gefunden.
Die Gitarren, für Post-Punk auch eher selten mit zwei Gitarren, spielen total gut mit- und gegeneinander.
Und wenn man schon so nen alten Style wiederaufleben lässt, kann man das Rad ja nicht neu erfinden, aber versuchen seine Möglichkeiten schon auszuschöpfen! Cold Summer fügen dem diese gute Gitarrenschrammelei bei! Mit ner ersten Auflage von 150 Stück auf Tape ist das schon auch ne Ansage; doch wenn man sich die Liste an Konzerten im letzten Jahr anschaut, dann weiß man, dass die Band echt was reißen will!

Jetzt ist vor kurzem irgendwann die 7inch „altlasten“ via it’s eleven records in Coop mit Kink Records erschienen. Letzteres Label hatte auch das Tape als Coop mit Jean Claude Madame rausgebracht.

Vier neue Songs auf einer schwarzen 7inch. Selbst aufgenommen im Proberaum.
Gibt es eine Weiterentwicklung?
Ich find cool wahrnehmen zu können, dass es zwei Gitarren sind. Sie sind allerdings so gut hörbar, dass ich die Drums nur wahrnehme, den Bass gar nicht (fast nur hörbar, wenn er allein spielt) und der Gesang so verhallt irgendwo rumwabert, dass ich schon etwas verdutzt bin. Das Tape vom Sound her schon ähnlich, aber nicht so!
Ich übertreibe etwas.
Dennoch, erschließt sich der Sound erst beim zweiten, dritten Hören. Da muß man dran bleiben.
Die Gitarreneffekte haben sich leicht verändert, finde ich.
Textlich weiterhin sozialkritisch, die Menschheit hinterfragend. Die Melodiebögen sind teilweise einer punkig, beatorientierten Spielweise gewichen. Und auch insgesamt etwas düsterer und man könnte schon auch sagen noisiger.

Cool. Ein Cold Summer weht durch die Anlage.

LP: l’appel du vide – metro

Erstes Album nach dem dann doch sehr tollen Tape „abwärtsspiralen“.
Ich habe echt ewig drauf gewartet, dass die rauskommt und nun habe ich selbst Monate gebraucht um die folgenden Buchstaben ins Laptop zu hacken.
L’Appel du Vide haben, meiner Meinung nach, mit diesem ersten Full-Length-Album das Hammeralbum des Jahres 2024 hingelegt. Ist euch noch gar nicht aufgefallen?
Die Band kommt aus Dresden. Eines der Dunkel-Deutschland-Bundesländer in denen von kommunaler Politik auf nationale geschloßen wird.
Vielleicht deswegen. Das Label ist jedenfalls recht umtriebig und releases sehr spannende Platten. Als letztes im Review snowtrail.

L’Appel du Vide sparen aber nicht an Systemkritik. Verstecken sich nicht.
Die Weiterentwicklungen in den Songs sind wirklich gelungen.
Es entwickeln sich alle Tracks durchweg, ziehen einen mit, rein, weiter. „nacht“ eröffnet die Platte.
Die Lyrics sind so typisch geblieben, wie sie waren. „verschwiegen“ hat so eine klare Ansage an den Jetzt-Zustand:

in den besseren Zeiten
die es niemals gab
und auch nie geben wird
habe ich an die Wände gestarrt als wären sie aus Glas

Klingt desillusioniert, klar, es hat auch einiges an Interpretationsfläche. Allerdings gehe ich davon aus, dass wir einer Meinung sind. Und wenn man sich den schwarz gekleideten, braunen Mob in Dresden und Umgebung anschaut, treffen die Zeilen den Nagel auf den Kopf.
Musikalisch etwas experimenteller auf der Gitarre, fast schon ins Noisige abgleitend.

„offenbarungseid“ hat krass punkige Züge, ein echter Banger!
L’Appel du Vide sind fordernder, rockender geworden, als es die alten Songs noch waren, die sich mehr im NewWave versteckt haben. Beziehungsweise die Gitarren etwas surfiger klangen.
Wenn man sagt, dass dieses Album „metro“ die Richtung gibt, in die sich die Band bewegen wird: geil!
Natürlich passiert dann, als ich die Worte denke und niederschreibe, die Platte nochmal umdrehe und mir wieder auffällt, dass das so nicht wirklich stimmt. L’Appel du Vide haben sich diese post-punkige NewWave-Ding erhalten.
„fleisch“ bricht aber im Song plötzlich komplett aus in einen Noise-Punk-Pogo-Song. I like. Überraschend, überrumpelnd, aber gut!

Diese Platte endet mit „fragezeichen“, wie ich ihn verstehe, einem Anti-Kriegs-Song. Sie nehmen uns mit in eine düster melodische NewWave-Welt, die Fragen stellt, die meist nicht wirklich gehört werden; irgendwo verhallen.

die Ahnung einer Antwort
schebt mitten im Raum
setzt sich auf die Zunge
und ist doch unerreichbar entfernt

L’Appel du Vide sind Flatty spielt Gitarre (und auch Labelboss bei It’s eleven Records, wo dieses tolle Scheibchen erschienen ist), Rene singt, Suse spielt Bass (auch Vocals) und Friday trommelt.
„metro“ gibt es als limitiertes Vinyl (siehe Foto), wie auch in grau meliert.

Am 05.10. findet das Labelfest statt. Fünf Jahre It’s eleven Records.

LP: snowtrail – abandoned capsule

Eine Kapsel wurde im All abgestoßen, im Universum, zwischen Tönen, die aus den Boxen dröhnen. Irgendwo da, kann man sich auf dem Snowtrail Richtung irgendwo bewegen.
Ich kenne die Band nicht und freue mich über das Paket von It’s Eleven Records.
Die Infos sind spärlich. Es gibt ein Cover und eine Platte. Zehn Titel sind drauf.
Das Artwork ist von Benedikt Demmer. Eine käfigartige Kapsel, ein sehr schlichtes Motiv. Insgesamt ein sehr übersichtliches Design. Ich bin gespannt, ob es zur Musik passt.
Snowtrail hallen los, viel Hall, Springhall, dafür ein sehr schön im Hintergrund spielender Synth. Der ist ja eigentlich beim Post-Punk wieder modern geworden. Grenzen zum Wave oft fließend. Und oft hart nervend, weil zu laut.
Die ersten Songs laufen und ich kann das nicht zurordnen …. Joy Division aber offener im Sound.
Sehr atmosphärisch, mitreißend.

Murky Acrylic Windows“ hat ein Saxophon als weiteres Instrument – und das ist toll. Viel Rhythmus. Die Band versucht viel und schafft es, dass das alles ineinander funktioniert.
Global Village“ glänzt durch Sprechgesang und ein elegische Gitarrenmelodie kommt dazu, artet aber nicht in Gedudel aus sondern wird in seiner Struktur in den fünf Minuten zerlegt und nimmt noch Tempo auf. Wie cool!

Abschluß ist der grandiose Rausschmeißer „tea cups placed in sweet disorder“. Vielen Dank für diese Platte.

Vinyl, transparent weiß, grün oder grau marbled. It’s eleven Records. Fünf Jahre gibt es das Label schon und ich habe bisher nichts Schlechtes zu Hören bekommen. Sie feiern am 5.10.  im AJZ Chemnitz.

 

MC: ambulanz – II

Am Vor-Silvesterabend hatte ich mir so einige Tapes reingezogen, nach Gosse hier nun die Ambulanz.

Aus Leipzig kommen Ambulanz mit Garage-Post-Punk. Ganz witzig und lebendig. so wie das Artwork. Nunt und handgemalt.
Ein bisschen Synthie drunter. Und diese Mini-Zusammenfassung leitet direkt zum passenden Label, dass das veröffentlicht hat.
Ambulanz – II erschienen bei It’s 11 Records.
Superschickes Beiblatt dabei. Leider keine Texte. Was ich inzwischen eigentlich immer schade finde, selbst wenn eine Band nur Nonsens singen sollte. Ist doch egal, haut das rein, es könnte ja sein, dass mir genau dieser Nonsens Spaß macht.
Wie auch immer, das Cover könnte man als Poster aufhängen. Kleines Poster. Aber Poster!

Der Garage-Punk von Ambulanz ist nicht unbedingt vertrackt aber hat echt gute Ideen mit der Rhythmussection, was zuerst etwas vertrackter wirkt, dann aber geradeaus gespielt wird.
Ordentlich Hall auf der Gitarre, mit einem guten Gespür zwischen krachigem Garage und den Singalongs des Garage.
Anspieltipp ist „labyrinths“.

MC: electrolytes – ultralyte

Die Electrolytes bringen mit ihrem ersten Output „ultralyte“ via It’s eleven Records eine Mixtur, die ihresgleichen sucht. Irgendwer hat der vierköpfigen Band aus Dresden ein paar Genretabletten eingeflößt, jeder hat ne andere gekriegt. Das hört sich jetzt gelesen wild an, ist es aber gar nicht.
Die Bassistin singt, Gitarre und Drums und Synthie machen das musikalische Bild komplett.
„no one’s gun“, der erste Song auf dem Tape, ist ein Überhit. Das Zuhören macht, dass man schnell merkt, das die Electrolytes nicht die allercoolsten und besten Riffs, oder das megabesondere Songwriting, sondern sie haben jede Menge Magic Spice und verteilen den mal auf ein Post-Punk-Riffing, mal Synth- mal Indiepunk. Manche Gitarrenriffs wirken sehr krautig. Der Synth macht manches fast schon Elektro. Durch den Gesang werden die Songs fast Blondie-haft und man fällt zurück in der Zeit. „servant“.
Um direkt im Anschluß noisigere, sperrigere Gefilde zu erkunden „hellacopta“

Die Electrolytes nehmen sich auch die Zeit, ihre Riffs auszuspielen. Ist rockig aber tanzbar, ist postig aber nicht zu poppig.

Cool
It’s Eleven Records.