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CeDe Salatschüssel #5 – Love Rockets / Borsti Ukulaila & Rodi / Fuffzehnsechzehn / oxmo /exat

Ich durfte hier mal wieder ein paar CD-Releases sammeln, bis ich mal beim Nachbar einen Abend an seinem Endgerät verbracht habe. Respektive auf Festplatte gezogen und mit in die Ferien genommen. Ich sitze also hart in der Sonne, während ich all die Songs durchhöre!

The Love Rockets – (this ain’t no) Rocket Science
Da ich Experte für Rock’n’Roll-Musik bin, hat Bakraufarfita keine Kosten & Mühen gescheut und mir die Debüt-EP der Berliner Band The Love Rockets zukommen lassen. Es langweilt mich; am Ende höre ich da die immergleichen Riffs und Bemühungen, den Würgegriffen der Gitarre noch die allerkleinste kristalline Struktur auszupressen.
Ich bin ehrlich: The Love Rockets gelingt das ganz gut. Die fünf Tracks sind ziemlich flott, verzichten auf unnötigen Pop, bringen dafür lieber cachy Hooks und Mitgröhlrefrains. Auch bleiben die Songs eher kurz & knackig als sie mit übflüssigem Sologedudel zu füllen.
Technisch top, gut aufgenommen!
Gibt es hier!

Borsti Ukulaila & Rodi – split CD
Akustischer Ukulelenpunk. Kurz gefasst: sechs Songs von Borsti Ukulaila. Viele Fragen ans Leben, an Beziehungen, feiern, persönlich! Sie hat echt ne coole Stimme! Es ist, denke ich, allen klar, bevor man das in den CD-Player legt, weiß man, das die Musik wohl recht reduziert ist.
Die Texte sind klar und deutlich, so wie es sich auf dem Wagenplatz eben anhört. Ein sehr gutes Beispiel ist das „(viele viele bunte) smartphones“. Super Statement. Deswegen gibt es auch nur diese Aufnahme auf CD, kein Video, kein Stream.
Gefällt mir richtig gut! Ist aber auch keine Konzert(vorband)-Musik, eher etwas für ein schönes Zusammensein, Lagerfeuer, Wohnzimmer.
Rodi von 100 Kilo Herz bringt da sechs komplett andere Tracks auf die CD. Er spielt Westerngitarre und hat seinem Sound dann doch noch zwei, drei Effekte hinzuzufügen. Seine Stimme ist wohl bekannt und klingt mit seinen Songs super-melancholisch. Auch er hat hier mehr emotionale Songs am Start, als politische. All das passt auch eher auf die Strasse oder ans Lagerfeuer. „wo bist du jetzt“ teilt er sich stimmlich mit Borsti Ukulaila. Mit „Königinnen“ bringt er uns eine sechs-Minuten-Akustiktrack in die Ohren. Vow. Mutig. Sozialkritisch.
Sicherlich zuhause aufgenommen, erschienen im März 2022 bei bakraufarfita.

fuffzehnsechzehn – ihr schönsten lieder CD
Crossover-Metal-Punk. So das Intro. Es geht weiter mit „jupp“. Ein Buchhalter ist die Identifikationsfigur. Witzigkeit zwischen Detlef und so Rockpunk. Ich kann damit nicht so gut. Insgesamt gut aufgenommen, gespielt und vorgetragen. Auch mit Ska-Punk kennt man sich aus und spielt den Song sehr abwechslungsreich und abgeklärt. Textlich ist das ziemlich safe nicht so wirklich ernst gemeint und hat eher Feier- und Mitgröhlcharakter. Kompliment an euer Anschreiben! Aufkleber, Zip und Zup, ne ganze Kiste voll! Insgesamt 15 Songs. Dreiviertelstunde Spielzeit.
Erschienen im Oktober 2022 im Eigenrelease auf CD. Digital kam das wohl schon 803 Tage vorher digital raus. Die Band glaubt an sich, gebt ihr ne Chance!

oxmo – wer willst du sein CD
Hiphop-Punk-Rock mit Bläsern. Das Cover schreckte mich erst ein wenig ab. Doofes Lama, spuckt einen doch nur an.
Jedenfalls: aus Konstanz. Yeah! Ba-Wü-Power auf einem Berlin-Dortmunder-Label.
Die Band beschreibt sich selbst so: „Vier Verrückte namens OXMO organisieren sich in selbstkreiertem Cocktail-Core mit Elementen aus Sprache, Gesang, Gitarren, Trompete und Tasten. – Hip Hop flirtet mit Punk und anderem Zeug. – Klingt komisch? Soll’s auch sein.“
Ich gehe mal auf unsere Definition von „komisch“ ein. Komisch im Sinne von lustig ist diese Musik schon, allein durch die Vielfältigkeit der geradezu überbordenden Ideen. Auch die Lyrics haben eine Witzigkeit, Ironie, die sehr passend zur Musik ist. Wenn OXMO auch noch versuchen würden wirklich ernste und politische Texte zu machen müsste sich die Musik auch anpassen, right?

Nach dem nicht nur sehr langen, sondern auch Ideenreichen Opener „Victory“, schließt sich nahtlos „prince of the senseo“ an. Es wird die Punkcombo Mülheim Asozial zitiert und Autotune verwendet. Es folgt, Zitat „viel zu fröhliche Musik über Arschlöcher“.

Wie gesagt, die Band beweist guten Humor und bringt dich zum Schmunzeln, Tanzen und Freuen.
12 Songs, irrwitzige Songlängen von (in der Spitze) 6 Minuten „in den strassen von new ravensborough“ bis zu extrem sozialkritisch, politischem „kim jongs jungs“. Irgendwo zwischen Such a Surge und Büchse.
Erschienen bei Bakraufarfita im Mai 2022.

exat – ein herz für punkrock
Zum Abschluss diesen neuen CD-Salats kommt al Dressing der vierte Release von Exat obendrauf.
Die Band bringt Punk’n’Roll auf die Plastikscheibe und hat das Video „united“ im Petto:

Mir geht es allerdings nicht unähnlich der the Love Rockets – ich hab da wenig Gefühl für diese Musik.
Das Trio aus Lüneburg ist nun auch bald seit 20 Jahren unterwegs und hat (laut Text von „united“ schon Höhen & Tiefen erlebt). Musikalisch gehen sie richtig gut nach vorne, sind definitiv mehr Punk als Rock. Das Roll hört man klar an den Gitarrenriffs raus. Der Bass spielt gute Rock’n’Roll- Lines dazu.
Zwischen Sozialkritik (schöne neue welt / durst nach freiheit) und humorvollen Texten (für nancy (freundin von sid, you know 😉 ) & der letzte an der bar) für die Punk-Partyhasen alles dabei.

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LP: birds in row – gris klein

Gesehen hatte ich die Band im Juha West in Stuttgart; und sie haben mich komplett weggeblasen. Birds in Row.
Hier eine ultimative Lobhudelei auf dieses übergroßartige Album.

Kennt ihr das, wenn ihr ein neues Album angkündigt bekommt, darauf gewartet habt ihr aber nicht. Zufällig habe ich sie gesehen (link oben) vor über 5 Jahren. Kurz nach der Tour kam eine LP raus, die an mir vorbeigegangen ist. Nun also „gris klein“. Birds In Row ist eine der wenigen Bands, die eine klassische Tour spielen. Quer durch Europa, 30, 40 Gigs „in a row“.
Was mir schon mal auffällt ist, dass das Album-Artwork wesentlich bunter ist, als bei den Releases zuvor. Birds In Row machen ja auch keine Lebensbejahende Musik. Als erstes Video kommt ein Studioauftritt und die beiden Songs „noah & cathedrals“.

Wahnsinn, oder? Das gekonnte Spiel mit laut/leise und den passenden Lyrics dazu. Refrainlos, rhythmisch.
Der Aufbau des ersten Songs, die Dynamik, die in den zweiten Song führt, man kaum den Übergang merkt, was nach den 10 Minuten musikalischem Sog einen wie paralysiert im Sessel gedrückt hält.
Die Art und Weise, wie Birds In Row mich mitnehmen ist schon echt geil.
Die anfangs gut zu verstehenden Lyrics münden, zwingenderweise bei Screamo, in teilweise unverständliche Parts. Über die erste Frage „you think you can fix it with money“ über „you say you’d be free with the money“ zu „you should have taken the money you fool“. So erzählt die Band die biblische Geschichte von Noah also um in den heutigen Kapitalismus, der uns auffrisst; jedenfalls verstehe ich das so. Interpretationsspielraum ist da immer noch genug.
Das Geld ist der Apfel, den wir gegessen haben.
Ein düsterer und zweifelnder Song. So auch „Daltonians“.

I ain’t scared of the dark
Just afraid of you
I ain’t scared of the dark
Just afraid of you

Allergic to all uniforms?
Prеpare for a sick rash
What is it you prove at the еnd of a gun, at the end of a gun?
Since you chose what I see
Shoot me in the eye
I have no use for it

When we’re done stealing the walls of our schools
To erect prisons
We could nerd out on facts and on tools
To teach us kids how to listen
All my friends hate me, they voted for war

Birds In Row haben diesmal den Sound, die Distortion reduziert, werden klarer, mehr ist es irgendwie rougher, griffiger; keine Frage, der Sound ist brilliant. Sie konzentrieren sich mehr auf die Stimmung, die sie erzeugen können. Sehr Beat-orientieres Bassspiel, gemeinsam mit den Drums.
Pendelnd zwischen Post-Rock und Post-Hardcore, Screamo, Verkopftes passiert selten. Kein Gefrickel.
Erschienen via Red Creek.
Zu haben bspw bei Flight13 (auch alle andern Releases.)

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MC: v/a – continent tapes vol. II (asia)

Der zweite Teil der „continental tapes“ wartet mit 31 Bands aus Vorder- bis … sagt man Hinterasien, nö. Naja jedenfalls von A wie Armenien bis V wie Vietnam auf. Sogar Bhutan ist dabei. Ich rechnete in diesem Fall nicht wirklich mit Punk, in diesem Land, in dem die Zufriedenheit der Menschen so hoch ist, es ist auch eher Crossover.
Diesmal ist die Aufnahmequalität doch sehr unterschiedlich; und der Herr Doktor (Dr. Skap Records) hat sicherlich durch hart intensiver Detektivarbeit so einiges aufgestörbert, wobei es musikalisch ruhiger zugeht. Eher grungig, crossover, dazwischen mal ein (Wut)Ausbruch in punkiger oder hardcoriger Manier.
Ich kannte keine der Bands vorher. Bemerkenswert einfach, das in repressiven Ländern überhaupt derart Musik gemacht werden kann.
Kritischste Stücke kommen wohl aus China SMBZ oder Day of Defeat aus Kasachstan und irgendwas sagen mir dann doch Rebel Riot aus Myanmar.
Diesmal ohne Lyrics, schade! Nichtsdestotrotz eine coole, kurzweilige Zusammenstellung.
Und ich bin echt gespannt wann Amerika und Australien / Neuseeland erscheint.
Falls du Hilfe bei Südamerika brauchst, ich kenn jemanden mit Label in Peru! Meld dich ruhig 😉

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fotozine: punxelated #3

Bereits im May 2021 als Corona-Projekt erschienen, ist das einfach ein super Zine, um sich richtig gute Konzertfotos anzugucken.
Marc Gärtner hatte eigentlich gar nicht mehr vor, eine Ausgabe zu machen, es vergingen 7 1/2 Jahre und eine Pandemie kam, um ihm den nötigen Anschub zu geben. Und ich nehme es vorweg, wie die größenteils fantastischen Fotos, sehr viele Bands, die ich mag und kenne, sind hier nicht drin. Was aber eben nicht wirklich „schlimm“ ist, denn Marc fängt die Stimmung auf den Konzerten megagut ein. Klar ist auch: er ist kein Anfänger.
Punxelated im Netz! Er war schon echt richtig, richtig viel unterwegs. Vermutlich als gebuchter Tourfotograf. Da er sich auf das Thema Punk konzentriert: da gibt es nicht sooo viele Bands oder Veranstalter, die sich das leisten können oder wollen, da gehört definitiv eine Leidenschaft dazu. Und die bringt Marc in ein paar Begleitworten klar zum Ausdruck.
A4 full color, 64 pages, 170g paper quality!
Kontakt über ihn direkt. Oder bei Facebook neue, aktuelle Shows. Im Shop noch alle Ausgaben erhältlich!

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MC: kratzen – eins

Ich bekomm ein Promörtel Tape. Das bedeutet, es ist ein Promo Tape von Mörtel Sounds.
Kratzen mit ihrem selbstbetitelten Erstling. Es ist von 2020. Und inzwischen ist ihr erster Longplayer rausgekommen.
Kratzen sind minimalistisch. Im artwork noch mehr als mit ihrer Musik.
Repetitiver Indierock. Minimal New Wave Kraut.
Hier ein Appetizer vom neuen Album

Auf dem Demo, welches als Tape-Only-Release raus ist, lugt Tocotronic um die Ecke (oder spickelt, wie man hier in Baden auch sagt). Das Trio kommt aus Köln. Manch Zeile, manch Gesang erinnert mich auch an Nils von Grüner Star (ex. Schneller Autos Organisation); weil da diese feine Ironie drinsteckt.

Also selbst nach dem Jahreswechsel ist das ziemlich cool hörbarer Krautwave, so benennen Kratzen ihre Schublade.
Sechs Songs waren der erste Streich. Wer schickt mir das neue Album?

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MC: klaus kinks – Klaus K!nks

Klaus K!nks Demo habe ich hier zugeschickt bekommen – vor Monaten. Ich bitte vielmals um Verzeihung für einen maximalen Delay; kann aber sagen, dass es 1:1 steht, da die Band sich mit zwei Songs auf dem akutellen ProvinzPostillen-Tape präsentieren kann! Und den zu produzieren ging absolut vor.
Denn Klaus K!inks ist einfach gut!
Monatelang habe ich das Tape in der Hand, höre, schiebe es von links nach rechts und in dem Moment, in dem ich den Review schreiben will: ist es fort. Petrosilius Zwackelmann schnackelte mit den Fingern und machte daraus eine Erinnerung. Grmpfl. Ich hab das Foto also aus dem Review des Vinyl-Keks gerettet; zwinker.
Der Vierer um Frontfrau in Natalie Kink, alle kommen aus Ludwigsburg in der Nähe von Stuttgart, macht (sag ich jetzt mal frech) parodistischen Punk. Parodistisch, weil ich die Stimme von Natalie als befreiend ironisch empfinde. Eine ganz ehrliche Weise den Gesang vorzutragen, und nicht so drauf auf Thema; falls ihr versteht, was ich meine! Eine krass irre Mischung aus Horrorpunk, Debbie Harry, Kopfstimmen-Background, Klaus Kinks experimentiert ordentlich mich Stilmitteln. 
Ebenso mit musikalischen Stilen. Die Band selbst schreibt „stuck in the 90s“ aber ich höre da auch, vielleicht ob der selbstproduzierten Aufnahme, jede Menge roughe 80er. Der Bass dengelt mega, die Gitarre brazzt drüber. „blue light riot“ ist da ein absoluter MitsingHit!
Fest steht, es ist Punk. Aber auch ein Schlag Oi, stimmlich ab und zu etwas düsterer, aus dem New Wave entnommen.
Ihr Logo/Artwork ist das Enfant Terrible des Deutschen Schauspiels, wenn sie da musikalisch hin wollen fehlt momentan ganz klar noch die Publikumsbeschimpfung, aber vielleicht erlebe ich sie ja mal auf einem Konzert!

Hier ein Track, der nicht auf der Compilation ist:
erschienen bei Running Out Of Tape Records– hier gibt es auch super Shirts käuflich zu erwerben!

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LP: bruecken – innere unruhen

Da bekomme ich mal mit, das Bruecken frühzeitig ankündigen, dass sie ihr zweites Album veröffentlichen, ich bestelle das Vinyl VOR, es soll dann im Mai erscheinen, und nun isses Oktober. Asche auf mein Haupt.
Aber Musik ist ja nicht vergänglich, das Vinyl vermutlich aber inzwischen ausverkauft.

Die Post-Rock Band, ich würde eher sagen: Post-Hardcore, haben also ein weiteres Album raus und bleiben sich stilistisch recht treu.
„innere Unruhen“ weist nicht nur in eine Richtung, dass das instrumentale Musik ist, sondern auch mäandert zwischen sphärischem Post-Rock und hartem Post-Hardcore. Geschichten erzählen ohne Worte. Ringen um die nächste Stufe in einem Song. Für mich ist das ne ganz besondere Art Musik zu machen, diese musikalischen Bilder, diese Gefühlsreise durch Riffs und Beats, wenn die ankommen ist das einfach totale Gänsehaut. Bei Bruecken fuktiniert es!

In schönem orange ist die Platte bei mir angekommen, wie das Licht, das auf dem Cover durch das Fenster scheint. Stilvoll schlicht.
Auf jeder Seite drei Songs, da ich nicht DER Hörer dieser Musik bin, sondern einfach ab und an mal über eine Band stolpere und komplett hängen bleibe, Bruecken haben es geschafft! Super eingespielt, tolle Ideen und Brücken zwischen einzelnen Songteilen, einwandfrei aufgenommen (Sunsetter Recordingstudio), ein ganz wundervoller Release!

Musik via Bandcamp, dort gibt es auch die limitierte orangene.

Erschienen bei Moment of Collapse (und es gibt wohl noch ein paar der Kleinstauflage, greift zu!)

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CeDe Salatschüssel #4 – L.A.K. / Commander Nilpfred / Nullpunkt / Schubladendenken

Immer wieder schön, immer wieder neu, eine neue Runde, eine neue Runde!
L.A.K. – Ziel Unbekannt
Jaja, die CDs, die CDs, ich weiß, die Band L.A.K. hat mich auf jeden Fall schon mal dran erinnert, ob ich noch… naja, hier isses also nun, mit etwas Verspätung zum Release, doch immer noch VOR dem Vinyl-Release. Auch hier leider die Begründung: Lieferschwierigkeiten. So schade, dass es kein adäquates Presswerk gibt, welches sich um Punk-Releases kümmert. Ja, ist viel Arbeit, dafür konstant.
Ganz so lang brauche ich nicht in der Herstellung eine Reviews, doch einen CD-Player, den habe ich nicht mehr. Laufwerk gekauft, mp3’s gezogen, aufm Stick gehört:

L.A.K. erfreuen mich mit ihrem Midtempo-Punkrock. Der erste Song „Geschichte schreiben“ zeigt direkt, was die gut eingespielte Band kann und was sie noch vorhaben auf Albumlänge; ein richtig guter Opener!
Mich erinnern diese „ohoho“-Chöre (leider?) direkt an die Toten Hosen und der Gesang an den Herrn Wiebusch von Kettcar. Ist ja keine schlechte Mischung! L.A.K. hatte ich schon mal auf dem Plattenteller liegen. ihr letztes Album kam 2018, einen Review hatte ich für den Vinyl-Keks  geschrieben; doch die Aufnahmen zur neuen Platte (produziert mit Kurt Ebelhäuser – auch Pascow, bspw.) überzeugen 100%.
Die Band hat sich nach über 25 Jahren (!!!) also nochmal richtig was vorgenommen. Mit dem Sound, der verdammt guten Spielweise, den ehrlichen, freundschaftlichen,  kritischen und reflektierten Texten, brauchen sie sich auf keiner Bühne zu verstecken und gehören ganz klar ins Abendprogramm; und in jeden CD-Player.

Ein sehr liebenswertes Video, herzlich, hach:

CD’s oder auch als Vinyl im Bandeigenen Shop.

Commander Nilpfred – Tyrannopotamus Rex

Schon der Name weißt ja auf Partypunk hin. Wobei sich die Kombination an Worten, für mich als Die-Hard-Politpunker (hüstel) echt beißen. Da wo Punk zur Party wird, isses spießig, bunt und gewollt.
Beim ersten Stück „fick das system“, ja, auch beim zweiten „rothenfeld“ ist jemand hart in ein Reimbuch gefallen und hat alle Reime auf „system“ und „feld“.
Gefällt?
Und zwar wie ein Baum.
Mit der Axt.
Also nicht die Axt, aber der Baum, der gefällt.
Der dritte Song „carpe diem“ erinnert mich an Simon & Garfunkel.
Wenn ich so anspruchvolle, abwechslungsreiche Musik höre, was Commander Nilpfred ganz sicher machen, dann komme ich mir so gänzlich ungebildet vor!
Das hat ne Range, hier gibt es kein Einschienenbahn-Punk, mal ist eine Verzerrung auf dem Bass, aber:
spätestens bei Song fünf „über den Wolken“ der Platte „TyrannoPötamus Rex“ – dessen Titel ich nicht verstehe – kann ich nicht noch einen mehr. Beim Titel habe ich habe eine Annahme, dass das auf das Covermotiv anspielt, auf dem so eine Art Wolpertinger zu sehen ist. Die Band hat den Namen sicherlich wissenschaftlich korrekt aus einem WasIstWas-Buch zusammengesetzt.

Sehr humorvoll das Ganze. Gibt es im bandeigenen Shop zu kaufen, auch als LP oder MC.
Das ist kein Punk, oldschool nennen sie es, sie haben einen Punkhintergrund.
Top eingspielt, ganz sicher sehr gute Einstiegsmucke, ich bin raus.


Und bei(m) Nullpunkt angelangt:

Nullpunkt – Gemischtwarenladen

Aus Rostock kommen Nullpunkt. Hui der Name eigenet sich ja gleich für mehrere Steilvorlagen (hihi), vor allem nach der letzten CD, ich bin in meinem Auto unterwegs (von Konstanz nach Singen, wer es wissen möchte) und höre mich durch. Seid 15 Jahren gibt es die MelodicPunker schon; im November gibt es ein Jubiläumskonzert in Güstrow. Das ist ja auch ein Wort. In 15 Jahren passiert viel, man hat sicher schon das ein oder andere Release auf die Hörerschaft losgelassen und manch Konzert gespielt. Nach kurzer Recherche: es gibt ein Release vorneweg, das ist von 2012. Andere Recherche ergaben zwei Releases…

Nun also 12 freshe Songs, auch fürs Gemüt: Mit „du“ haben sie ein sehr persönliches Stück geschrieben und im Video ist sicher das ein oder andere Kind zu sehen, was in den letzten Jahren zum Bandgefüge hinzugekommen ist. Das ist sehr freundschaftlich!


Von vorne gehört hat Nullpunkt viel Attitüde und klare Kante gegen Rechts. „Im Netz der Spinner“ wartet mit rockiger Stimmer, Double-Base und Metalkante auf.
Genau in dieser Mischung liegt Freude und Schmerz, meiner vor allem. Das ist super gespielt und aufgenommen, die Musik und Texte ist was für größeres Publikum. Eine Mischung aus Die Ärzte, FSF und 100 Kilo Herz. An mir läuft das etwas vorbei und von all den vielen Spielarten, die die Band drauf hat, bleibt bei mir vor allem Soli und ein Hauch von Punk hängen und ganz ganz viel Rock.
Erschienen bei RockZoneRecords, auch als 180gramm LP. Bereits vor mehreren Monaten, die CD hats nun aber mal in den CD geschafft.

Schubladendenken #2 – LabelCompilation von Bakraufarfita

Schubladendenken, eine LabelCompilation aus dem Hause Bakraufarfita. Geilstes Label.
Geht gleich los mit der neuen Single von 100 Kilo Herz. Track zwei ist Detlef. Keine Sorge, ich geh jetzt nicht jeden einzelnen Track durch! Detlef haben mich total erschreckt, irgendwie hab ich irgendwann mal ein Video gesehen, oder so. Ist nicht so ganz mein Style und diese Snare klingt zeimlich schrecklich. Insgesamt nicht schlecht. Eher so Mukke könnte ich mir vorstellen, wenn ich ganz hart besoffen bin aufm Konzert  (das bin ich nie), dann kann ich stundenlang mitgröhlen. Apropos: Thema für die Toten Crackhuren im Kofferraum. die Vorzeige Schlager-Punk-Band, falls man sowas überhaupt in einen Zusammenhang bringen darf. Die sich in einer Nische breit gemacht haben, die es eigentlich gar nicht gibt. Alleinstellungsmerkmal. Ein ganz wunderbarer Song, der die komplette Geschichte von „alte Männer machen Punkrock mit Bums Humor, sind einfach sowas von gestrig“, umso schöner, dass im Laufe der erzählten Geschichte die toten crackhuren wieder zu Punkrock-Leben erweckt werden und zurückkommen!
Ich kann das neue Album folglich nur empfehlen! Es ist zwar hart Pink, und ich hasse Pink, aber was tut man nicht alles …
Einiges kenne ich noch nicht, und ist der Grund, weswegen ich mich entschlossen habe, diesen kleinen Review zu schreibe, denn die Compilation macht Spaß zu hören.
Zum Beispiel Kumpelbasis „die Armee der Zeigefinger“, so ein bisschen Ähnlichkeit mit den Dorks. SOKO Linx, megaburner! Klaus from the South, schlagereksen Punkrock, so Sportfreunde Stiller mäßig. Gruselig! Und ich bin noch nicht am Ende der ersten CD.
Bands wie Partout (auch schon hier mal reviewed), Blaske, Büchse, richtig coole Bands. Dead Koys, Kurschatten, Piefke und Huelse.
Einige Bands gibts im Shop im Angebot, greift zu, andere werden euch noch hoffentlich mal live begegnen! Tolle Auswahl.

Wehrmutstropfen ist Barde Thomas Tulpe.
Insgesamt ein super Überblick über die Sachen, die bei Bakraufarfita erschienen sind, bzw. wohl auch noch erscheinen werden.

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7inch: Lügen vs Rosa Blaulicht

Das witzige an Singles, oder auch 7inches, ist ja, dass man die meist irgendwo mitbestellt, um fein überrascht zu werden.
Klar, dass ich das mit der Split Single von LÜGEN und ROSA BLAULICHT auch erleben darf.
Ich höre, damit ich auch garantiert überrascht werde, erst ihre Seite an.
George und Schorsch teilen mir (auch dir, sofern du sie dir mal reinziehen magst) ziemlich schnell und unmissverstädnlich mit, dass sie ziemlich pissed sind. Musikalisch eingehämmert per Drumcomputer, Orgel und sozialkritischen Texten.
Der erste Song „krank“ ist echt angepisst und schlecht gelaunt, das einzig erhellende an dem Ding ist, die kleine Orgelmelodie. Der Text besteht aus kurzen Textfetzen

BWL-Finanzberatender-Businessplaner, Körper genommen Kopf entleert, freie Entfaltung – neue Ideen unterm trendy Öko-Mantel, Nestlé hat viele Namen, …

einfach treffend!
Der zweite Song heisst „scheiße“. Diese könnte man aber auch in wohlfeilen Worten kredenzen. Mal hören:
es geht wohl ums Herumlaufen in dieser abgefuckten Welt voller bescheuerter Menschen. Zwischen den Klischeebilder von Cis-Männern und dem täglichen Weg durch die öffentlichen Verkehrsmittel endet mit dem Fazit

schon meine Mutter hat gesagt, wenn du groß bist, kannst du alles sein und ich wollt am liebsten immer Asi sein.

Auf die Ohren von Rosa Blaulicht: (umgehauen hat mich das nun nicht.)

Band kommt aus Hannover.

Volle Solidarität zu Punk too und dem Thematisieren und Aufbrechen männlich dominierter Realitäten/Bünde in der szene und überall. fight patriarchy – now and ever.

LÜGEN höre ich quasi vom ersten Release an. Eine sperrige, nicht einfach zu konsumierende Band. Lügen macht sowas wie Jensen macht, nur nicht so nett. Sängerin Sabrina hat einiges zu sagen und wenig Geschichten zu erzählen. Die Texte muss man schon mehrmals anhören, und haben nicht zwangsläufig einen Rhythmus, in den man sofort einsteigen kann.
Drei neue Songs sind auf der 7inch. Die ist ja schon ne Weile raus und ich hab sie auch schon zwei bis fünf Mal gehört. Was euch als Ausrede einfällt, weswegen ich den Review erst jetzt schreibe, dürft ihr hier eintragen __________.
Sie ist bereits 2021 erschienen, so ziemlich einem Jahr.
Sabrina textet und sing immer noch gegen den Strich, respektive Takt, und trotzdem, oder gerade deswegen, ist es nicht unharmonisch! Eher sehr außergewöhnlich.
Erinnert mich musikalisch ein wenig an Going Away Party.
„wie ich meine Jugend an die Idioten verlor“ und „Pauls Penis“ sind weiterhin sehr kritisch, haben aber, so hört es sich für mich jedenfalls an, etwas mehr Ironie.
Im ersten Song geht es darum, wie man in seiner Jugend seine Sexualität „findet“, und das Thema Sexualität zieht sich ja auch noch in „Pauls Penis“ weiter. Aus der Sicht eines Mannes wird erzählt, wie man gegen das Patriarchat sein kann und es zerstören kann. Klingt komisch…

aber mit meinem Schwanz und dir, werde ich das Patriarchat zerstören

Im letzten Stück geht es darum, dass „Pommes oke sind, Kartoffeln aber böse“ und das man das ordentlich mitsingen muss, was Lügen einige Male vorsingen, damit man sich das ordentlich einprägen kann!
Gesangliche Begleitung gibt es bei „Pauls Penis“ von Thomas von Kackschlacht. Beim „Pommessong“ gibt es Synthiesounds von Turbo, der bei Rosa Blaulicht orgelt. Da hab ich doch vorhin… ja, ich drehe die 7inch nochmal um, das steht „George und Schorsch“, nicht Turbo. Hm. interessant. Die Postille bittet um Aufklärung! Man verscht mich also hinters Blau-Licht zu führen.
Cooler Release insgesamt, eine Seite funktioniert nicht ohne die andere!
Sehr cooles, simples Cover mit den Buchstaben! Texteinleger, die 7inch in …. rosa und blau.

Gibts auf jeden Fall noch beim Grandioso Versand oder bei Conraszt Records.

Auf die Ohren von Lügen:

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LP: helmet – live and rare

i need to write a line bout this LP.
Es ist nämlich schon so, dass ich Helmet mal megacool fand. Die Alben „in the meantime“ und vor allem die „betty“ waren (und sind) absolute Genickbrecher. New York Hardcore mit fett Noise. So kam das bei mir immer rüber, damals, als ich noch jung war. Verdammt, wenn ich diese Aufnahmen nun höre! Sie sind 1990 und 1993 aufgenommen worden. Da war die Band in ihrem musikalischen Treiben schon wesentlich weiter, als ich es mir für mich selbst je ausgemalt hätte.
Seite 1 ist ein Mitschnitt eines 8Spur Aufnahmegeräts im CBGB’s am 27 Januar 1990. Die Band ist, wie auf der „strap it on“ sehr hart und noisig. Eine kleine Story gibt es auf dem Inlay noch dazu. Einige Songs, die wohl noch keine Veröffentlichung gefunden haben, jedenfalls kann ich sie auf der „strap it on“ nicht entdecken. Dazu zählen „impressionable“, „murder“ oder auch das brutal noisige und fast instrumentale „rumble“
Seite 2 hat dann schon einige Hits der „in the Meantime“ zu bieten. Helmet brachten die oben erwähnte Scheibe 90 raus. 92 dann die im Sound extrem gewachsene „in the Meantime“. Mal abgesehen vom Titeltrack ist auch noch „turned out“ drauf, für mich ein absoluter Killersong. Aufgenommen mit einem 24 Spur Taperecorder auf dem Big Day Out in Melbourne am 24. Januar 1993.

Die Platte hat nun ne Weile gebraucht, um auf meinem Reiseplattenspieler aufzuliegen, aber besser spät als nie!
Die „betty“ ist 1084749 Mal bei uns gelaufen. Danach wurde mir der Sound zu glatt. Deswegen, sind diese Liveaufnahmen auch für mich absolut erträglich und ziemlich gut aufgearbeitet!
Was ich nicht schade finde: ich habe die Band nie live gesehen.
Aber eine Jukebox-Band … die reicht mir auch auf Band 😉
Sound super: Action null.