MC: bürokratie 84 – s/t

Unaufgeforderte Zusendungen bringen oftmals ja ordentlich Spaß. Hier also eine Band namens Bürokratie ’84, Deutschpunk, erinnert mich recht schnell an K.G.B. aus Tübingen, die habe ich hart gefeiert, zumindest das erste Album.
Die Gitarren sind irgendwie hardcoriger und metallischer. Die Vocals, bzw der ganze Gesang ist dann aber doch irgendwie eher 21. Jahrhundert, klebt an seinen vierhebigen Jamben oder sowas und hat ne Menge Gangshouts, auch ein bisschen „vohohoho“

„zeitsignale“ startet mit „was wenn wir nicht konsumieren, was wenn wir es boykottieren“.
Die Songs wirken irgendwie alt. „Stasipunkrock“ „Spitzelalarm in der Zone“ – ich guck da mal ins Anschreiben. Irgendwie passt das nicht zusammen, macht mich stutzig.
Alles ist auf geschredderte Akten, seltsame Email-Adresse, gegründet 1982, Bürokratie ’84 stünden für den rohen, rebellischen Sound der Punkbewegeung. Ich komme mir vergackeiert vor. 1985 schon wieder aufgelöst nach einigen legendären Konzerten. „Kultphänomen in der Untergrundszene“ – ich hab noch niemals von ihnen gehört. Oder kennt ihr meine erste Band Hünersüppchen? Nein. Uns gab es von 1994 -99 ganz in echt. Wirklich! Aber Bürokratie ’84 ?
Ich mach jetzt mal ne Suchmaschinenanfrage und finde heraus, das es exakt eine (1) Person gibt, die dieses Tape bei Kleinanzeigen verkauft.
Vow. Ich schaue mir die Anzeige an und da steht das drin, was auch auf meinem Zettel hier steht.
Es seien verschollene Bänder, die wiederentdeckt wurden, und man sich nicht hätte lumpen lassen, sie von Don Fury (DEM NY-Hardcore-Soundguy aus den 90ern) mischen zu lassen. Das kann sich wirklich hören lassen!

Ich finde nichts weiter im Internet…
Zweite Seite startet mit „pirvatier am Tegernsee“ – der Song ist hardcoriger. Das war schon in Ordnung, dass bei Don Fury mischen zu lassen. Irgendwie klingts auch nach Cro Mags oder so.
Irgendwie lasse ich es ne Weile liegen.

Mache Im Dezember nochmal eine Recherche. Finde bei den Kollegen von Away from Life dann doch noch was und hatte wohl den richtigen Riecher:

Einen großen Anteil daran hat die Stimme von Sänger Patrick, der ebenfalls für die Hardcore-Punk Band Farewell Signs trällert. Dreckig und rotzig, mit leichtem bayerischen Akzent, das passt wie die Faust auf’s Auge. Der Bass bollert richtig schön in Deutschpunk-Manier und der Drummer prügelt gut auf die Schießbude ein.

Das Tape hat ein dreiseitiges Flap, das gut aufgemacht ist, wenn man es auf macht. Diese Bürokratie ’84 ist auf 84 Stück limitiert. Rosa Tape n einem weißen Case.

LP: rotting carcass – amis raus + demo

Das wird nun ein etwas ausführlicherer Review, denn Power It Up hat mir ein paar Platten zugeschickt und Rotting Carcass hat mich dann irgendwie am meisten beschäftigt.

Eine Allgäuer Band, die es in den 1980er Jahren gab und die wohl ganz ordentlich rumgekommen sind. Mir fällt als ertes das Foto des Drummers auf, der zwei so Kongas, die man eigentlich mit den Händen spielt, als weitere Hängetoms am Schlagzeugset hatte. o-kay, ich bin gespannt.
Im Vordergrund Tisch und Stühle, der Gitarrist mit Zylinder, auf der Front sind allgäuer Alphornbläser (ihr merkt, davon, hab ich ziemlich n Plan).
Auf der Platte von Rotting Carcass befinden sich das Demo „amis raus“ und acht Livetracks im Krokodil in Böblingen vom 20.01.1985.

Nach der ersten Seite ist mir klar, dass die Band mit den Texten „afghanistan“(sie stellen sich auf die Seite der Afghanen, die sich gegen Russen und Amerikaner wahren) oder „amis raus“ oder der Dystopie „nato alarm“ (die Nato führt Krieg gegen die Amis) bei mir nicht so ganz den Nerv trifft, bzw. den TestOfTime besteht.
„nuttenficker“ und „kotz dich frei“ sind schwer verständlich.
Leider im beiliegenden Booklet die Chance verpasst, die Texte abzudrucken.
Dafür ein Interview mit Bela vom Trust-Fanzine, der sich mit Hesse und Kurti von der Band unterhält.
Auf 12 Seiten bekommt man wirklich alles von der Geschichte der Band, die komplette Tour von Rotting Carcass mit den Toy Dolls (13.01. – 23.01.1985), von verloren gegangenen Aufnahmen, bzw Tonträgern. Das sie die Split LP, die sie mit Wut gemacht haben einfach selbst nicht haben.
Es ist also sehr ausführlich. Hesse beschreibt jedes Konzert sehr genau und ich stehe gar nicht mehr auf, um umzudrehen, sondern lese gebannt die abgefahrene Tourgeschichte. Damals waren sie mit zwei Gitarren auf Tour (eigentlich nur eine) und mit dem Trommler der Kult Huren.
Es war damals wohl nicht ganz unüblich auf offener Strasse von irgendwelchen Gangs überfallen zu werden. Man musste ziemlich schnelle Beine haben. Auf dem ersten Konzert in Hamburg waren wohl Skinheads im Publikum und es gab eine Massenschlägerei. Dadurch hate die Band am nächsten Tag Auftrittsverbot (der Grund wird leider nicht wirklich beleuchtet – oder ich habs nicht gerallt) in Berlin. Zusammenfassend sagt das Kurti mit:

im Rücken diese konservative Nachkriegsgeneration die schützend ihre Hand über dich halten wollte, um dich zu einem guten und wertvollen geschöpf ihrer Gesellschaft zu machen. Vor dir die Vorstellung eines globalen Atomkriegs. Dieser Kalte Krieg zwischen den Atommächten hatte sich so zugespitzt, das warwirklich 5 vor 12. Kein Wunder, dass „no future“ das Schlachtwort war.

Das Demo ist noch ein wenig rumpelig, man merkt aber sofort, dass Rotting Carcass Bock hat, da mehr aus dem Punk rauszuholen, als so einige andere Vertreter des Genre.
„rausholen“ ist vielleicht ein seltsames Wort dafür, aber hej, was soll ich sagen. Irgendwas muss ich ja sagen.
„computer“ als erster Livetrack ist ziemlich gut noch in der Soundquali, dann kommt „gerechtigkeit“ und die ist eine dreckige, rotzige Liveaufnahme, be der man ziemlich deutlich hört, dass das vom FOH, vom Mischplatz, aus aufgenommen wurde. Man hört Leute sprechen. Hach.
Man kann das schon anhören, ist ein witziges Zeitdokument.

Nach der Tour hat sich die Band nach Streiterein wieder aufgelöst. Das war die Kurzlebigkeit dieser Szene damals.
Es gibt einige andere Veröffentlichungen, ich blick auf so auf die Schnelle nicht durch, ob die Songs der Band nun alle irgendwie mal veröffentlicht wurden.  Oder… ?
Die Band spielt super zusammen, die Melodien sitzen. Hat was, gefällt mir gut!

Erschienen via Power It Up Records.
Vielen Dank fürs Zusenden, gute Platte!

LP: brutal verschimmelt – alles frisch

Daserste, was mir in den Sinn kommt bei Brutal Verschimmelt ist, nachdem ich das Cover gesehen habe und zu 100% weiß, dass da Deutschpunk drinsteckt!
Und, dass sie sich auf „alles frisch“ anhören als ob die Notgemeinschaft Peter Pan Deutschpunk gemacht hätten; und ich lieb die total!

Nach diesen leicht infantilen Beginn höre ich mir also die Songs mal durch.
Sehr gut eingespielter Deutschpunk. So wie ich mir das eigentlich mal vorgestellt hatte, als ich jung war, und dann doch immer die rumpeligen (Vor-) Bands mit schier endlosen Sets mir jede Freude daran nahmen. Klar, 1981 – 1984 hab ich das noch gar nicht gehört, das war die Zeit, in der Brutal Verschimmelt sich im Allgäu herumtrieben. Ihr erstes und einziges Album hat sich zu einem heimlichen Klassiker gemausert.
An mir ist das so ziemlich gänzlich vorbeigegangen, deswegen kann ich jetzt auch (alles) frisch von der Leber weg hören und darüber schreiben:

Hier gibt’s kurze & knackige Songs „auf’n Sack“. Angefangen mit „sterbehilfe“. Ein Song der ironisch gemeint ist, dann doch aber sehr deutlich über Fleischkonsum spricht „yes, ve gan!“ – was ja wirklich ein typischer, etwas sperriger, zweideutiger Deutschpunktitel ist.
In „schieß dich ab“ geht es um Drogenkonsum in jeglicher Art, was sie eindeutig auch nicht gut heißen.
Was ich wieder gut finde. Klar, es gab, musste sie geben, eine Zeit, in der die Jugendarbeitlosigkeit und die Aussichten („no future“) beschissen waren. Die Kids haben also alles auf die Strasse getragen.
Heute leben wir ganz anders und da kann man schon mal überprüfen, ob der unkontrollierte Konsum von Alkohol, Tabletten und anderen Substanzen (für meinen Teil nehme ich mal THC aus) zwingend notwendig ist. Und woran es liegt, dass man sich das reinpfeifen muss. Heute (meist) nur noch durch den Leistungszwang.
Im „sündenbock“ nehmen sie dann alle mit, die sich ausgeschlossen fühlen. Im Sinne eines Sündenbocks. Problem nicht bei sich selbst suchen – Ausländer raus. Meine eigene Freiheit ist bedroht – Masken runter, es gibt keine Pandemie!
Ich muss da aber mal einhaken und klar sagen, dass ich die älteren Punks Ende der 80er als Verschwörungstheoretiker (Erich von Däniken, Elitenglauben, Freimaurer, …) kennengelernt habe. Die jede Gelegenheit nutzten, sich wegzuballern! All das hat sich offensichtlich nach rechts verlagert. Auch gut so, wir brauchen schließlich auch eine Gruppe von Menschen, an denen wir uns abarbeiten können.
„hau weg die kacke“ hat auch die nicht ganz untypische und dystopische Grundnote, die es sich für ne Deutschpunk-Combo aus 19alptraum80 gehört. Das ist, was ich auch immer mochte. Auf jeden Fall mehr als diese Spaß-Lieder, die mir damals schon oft zu sexistisch oder Alkohol-verherrlichend waren.

Zweite Seite „dicke eltern“. Hehe. Konsum von Convenience Food.

wir sind die dicken dummen eltern
von den scheiß fetten kindern
wir tragen ohne hast
die teuer angefressen last

Textlich wird versucht immer irgendwie alles mitzunehmen, was spannend ist, wie eben „dicke eltern“ oder auch „progrom“.
Manchmal hab ich schon das Gefühl, dass vieles ironisch gemeint ist, es kommt nur bei mir irgendwie manchmal so nicht an.
Der Sound, der Vortrag, was weiß ich, alles richtig. Die Platte langweilt mich keine Sekunde.
Dennoch wirkt es vielleicht ein wenig zu unpersönlich dadurch das versucht wird eben genau alles thematisch mitzunehmen.
Und lässt mich eben ein wenig fragend zurück. Was ist denn nun die Haltung dahinter? No Future isses irgendwie nicht, oder doch?
Es könnte auch sein, dass ich halt nicht einfach nur „abgehen“ kann. Ich will da zuhören.
Und „alles frisch“ ist ja nicht. Die Musik ist wirklich nicht neu.

Jedenfalls, Brutal Verschimmelt regen mich an, nicht nur zum Pogotanzen, 15 Songs sind auf der ersten Platte nach 40 Jahren drauf. „alles frisch“ klingen sie.
Zwei sind Coversongs von the Ruts, Notdurft („jajaja“ – super Song mit Saxophon“) und eines ein Text von Erich Fried.
Was mir auch ein freundliches Fragezeichen ins Gesicht zaubert ist der Copyright-Vermerk auf der Rückseite der Platte.
„Dieses Werk von Brutal Verschimmelt ist unter einer Creative Commons Namesnennung nicht kommerziel, keine Bearbeitung 4.0 international Lizenz lizensiert“. Aha. Was heißt das?

Anspieltipp ist „auf’n sack“, das ist 100% Deutschpunk und gefällt mir weit besser als Hass zB!

Eventuell liegt es daran, dass das Label: erschienen via Power it Up – ein Label, welches mir bisher noch nicht über den Weg gelaufen war – hoffentlich dafür jetzt öfter! – vorsichtig geworden ist. Denn mich erreichen die zu rezensierenden Platten gelocht an einer Stelle.
Damit das als Promo-Exemplar erkenntlich ist. Hatte ich tatsächlich noch nie.
Aber ich habe auch noch nie eine Platte, die sich im Wert so gesteigert hätte, dass ich sie für viel Geld verscheuern kann, zum Review bekommen.
Ich bin gespannt und behalte meine „aktien“ im Auge“!

Ein paar Reviews der Veröffentlichungen von Power it up kommen noch!

10inch: ernährungsfehler – ernährungsfehler

Irgendwann habe ich schon mal über „strumverse“ geschrieben, weil ich zufälligerweise an die Platte via Sick Suck Records gekommen bin.
Super Deutschpunk, oder nennen wir es eher deutschsprachigen Punkrock, aus Sachsen-Anhalt.
Ernährungsfehler nun als kleine Compilation von neun Songs auf einer Lathé Cut 10 inch.

Kochi, der Sänger und Gitarrist, rotzt die Texte schon so richtig echt deutschpunkig ins Mikro, nur: die Gitarren, das Songwriting, das ist eher so Boxhamsters.
„wirre gedanken“ wurde 1990/91 in der ersten Phase der Band aufgenommen.
Dann gibt es einen wahnsinns Sprung nach 2005 -08, in der die Band ihre zweite Existenz hatte.
„hunger“ und „strumverse“ wurde da aufgenommen.

Von Anfang an war Nico dabei, der auch bei Ben Racken die Saiten zupft. Vermutlich wäre ich ohne diese Connection gar nicht auf Ernährungsfehler gekommen. Tuba, auch Ben Racken, spielte in der zweiten Phase dann an der Klampfe mit.
„mir fehlt die gabe“ und „mutter natur“ sind zwei total geile Texte, weil sie nach heute versetzt zeitlos wirken.
In den 15 Jahren bis zu den nächsten Songs ist dann echt einiges passiert. Ganz sicher hat die Band „gast“ von EA80 gehört und einfach mal ihr komplett eigenes Stück draus gemacht. Weit weniger düster und mit einem Refrain zum niederknien.

Mir fällt hier persönlich auf, warum die ganze Magdeburger Gang auch auf Bands wie Grizou stehen und standen. Ein bisschen rough der Sound, nicht ganz einfach zugänglich und doch bleibt es hängen!

Texte haben eine klare Message und Haltung. Sie spielen „bunte bilder“ mit einer wahnsinns Energie. Zwischendurch klingt es sogar mal nach Bela B. – ich weiß, dass wolttet ihr sicher nicht lesen!
Das letzte Stück „brett ran – liebe“ – vielleicht Spandau, Ben Racken. Nachdenklich.
Toller Release.

Limitiert auf 20 Kopien in schwarz. 30 in transparent.
Erschienen via Frei Zum Abriss Kollektiv.

A1 to A5 taken from Ernährungsfehler – Wirre Gedanken
B1, B3 taken from Ernährungsfehler – Hunger
B2, B4 taken from Ernährungsfehler – Sturmverse

 

7inch: ceresit 81 – kraft durch bier

Ein kurz & knackig Review über die einseitig bespielte 3-Song-EP von der Band Ceresit 81 folgt hier!

Die Band Ceresit 81 gründete sich eben im Jahre 1981 und brachte 85 ein Full-Length-Album namens „three gallows“ raus. Sie kamen aus Berlin.

Ich würde mal sagen, dass das Hardcore-Punk ist. Schnell, rau, ungeschliffen.
Die 7inch startet mit einem, für mein Gefühl, unerträglichen Rockpart, der dann schnell im Deutschpunk endet.
Der Sänger singt so zackig, dass man eigentlich nur den Refrain „checkst noch was Mode ist“ richtig versteht.
Der Sound ist nicht schlecht, so ist das nicht gemeint. Man kann gut die beiden Gitarren Rhythmus und Lead unterscheiden.
„Kraft durch Bier“ dann der Hit.
Nette Wiederveröffentlichung dieser Songs, die haben wirklich Power. Es kein wirklicher Deutschpunk. Die Zeit damals war ja sehr schnelllebig und Punk-Bands wurden härter und schneller. Selbe Zeitspanne entwickelte sich ja in Ami-Land auch der Punk zum Hardcore mit dem wohl bekanntesten Beispiel Minor Threat, die mit durchgetretenem Gaspedal nicht mal die Schnellsten waren.
Ceresit 81, später auch nur noch Ceresit, sind dann doch am ehesten Deutschpunk, kein Rumpeln, kein Zucken, voll nach Vorne!

Die beiden Songs „Kraft durch Bier“ und „Sixpack“ sind eher als ironisch konotierte Songs zu betracten. So beschreibt es jedenfalls Marcel, der Sänger und Gitarrist der Band in einem Interview im OX-Fanzine.

Bei Power It Up gibt es nun die Werkschau in einem recht passablen Sound. Teilweise mit Synthie, teilweise englisch gesungen. Hier also das wohlverdiente Re-Issue dieser 7inch!

(dieser Review ist auch beim Vinyl-Keks erschienen)

LP: schnaps – alles verdampft

Einen Brief habe ich bekommen, ja, einen großen, denn da war auch noch ne Schallplatte drin als Beigabe.

Schnaps, Zwölf Hits, 25 Minuten, was ich mehr will?
Ein Spottlack-Gatefoldcover also Stickeralbum (Sticker inliegend). Also auch noch was zum basteln, während man sich den Lärm reinzieht.
Das ist schon mal ne geile Idee. Gratulation.
„Zum Spaß“ haben sie mir ihr drittes Album geschickt, ich nahm dann an, dass ich eine Review schreiben soll. Das mache ich hiermit!

Die Platte befindet sich in einer bedruckten Innenhülle. Schnaps haben, sie sind ein Duo, einfach mal komplett alles selbst gemacht; auch ohne Label.
Drums und Gitarre. Sie sind und bleiben Ronald und Christoph. Nicht, dass es Besetzungswechsel in Duos nicht schon gegeben hätte, witzig isses aber schon. Wie auch immer, an welche deutsche (fun)Punkband denkt man als erstes, wenn man „Punkduo“ liest?

Na?
Es kommt aber anders. So richtig zuordnen lässt sich das nicht. Deutschpunk ist es nur von der Seite, dass es so nen Sound hat. Aber auf der Gitarre passiert da schon so einiges und der Akkordzähler bleibt nicht stehen.
Richtig abwechkungsreich. Die Lyrics sind auf den Punkt kritisch, kein Drumherum Gelaber. Sie ziehen sich manchmal schöne Assioziationsketten wie bei „dein Vater ist ein Nazi“. Fazit: dein Vater ist ein Nazi, aber du liebst meine Tochter und ich könnt brechen, wenn ich euch seh.“

Elly Schlein ist die Vorsitzende der Partito Democratico in Italien. Und ich hoffe, sie hat eine blühendere Zukunft vor sich, als die von Seniora Fascismo Meloni. Jedenfalls bringen Schnaps uns etwas europäische Politik näher. Überhaupt schaut man gerne übern Tellerrand.

„alles verdampft“ ist und bleibt weiter abwechslungsreich, ich vergesse immer wieder weiterzukleben, weil ich eher bei den Songs bin. Leider gibt es auch einen Off-Beat. (….)
Ist aber trotzdem schlüssig.
Wenn man es in eine Kausalkette hängt, wäre es sehr schade, wenn Schnaps verdampfen würde.

Erschienen via eigenem Label schnaps music industry. Aus Wernigerode.

 

hier noch ein Livevideo für euch

LP: fornhorst – leben ohne scheiss

Aus dem Hamburger Umkreis flattert eine Platte hier rein, die so üppig ausgestattet ist, wie lange keine.
Fornhorst heißt die Band, deren Bandnamen wohl mal wieder dafür spricht, dass man sich als Punkband wirklichen JEDEN Namen geben kann. Egal. Hauptsache man hat einen. Und das ist gut so!

Die Band kommt aus Fornhorst. Sie haben sich nach ihrem Ort benannt. Und ebendort auch aufgenommen.
Und der Sound kann sich hören lassen!
Das ganze Artwork spielt um die Menschheitsgeschichte, denn wir haben ja mal als Affen „angefangen“. Und das erste Stücke ist ein super Einsteiger. In einem drei-minütigen Punkrocksong kann man die Welt nicht verändern, aber man kann zum Nachdenken anregen. „vielen dank für deine angst“ handelt genau davon.
Wie einfach es geworden ist, etwas zu „unter“schreiben, etwas zu abonnieren, kommentieren von Menschen mit supereinfachen Argumenten.
Eine gewisse Fortsetzung findet dieser Song im fünften Track „tommi“. Tommi lebt in Hamburg aufm Kiez mit einem Haufen Leuten, die seiner Meinung sind. Das ist natürlich sehr überschaubar und leicht für ihn. Anders als in Sachsen-Anhalt in der Provinz.

Fornhorst machen druckvollen Deutschpunk mit einem guten Anteil Rockelementen. Ab und an mal ne Solimelodie, jedes Instrument bekommt seinen Platz im Songwriting. Melodische Hooks und eindeutige Lines dazu. Ab und an mal ein Off-Beat. Das ist schon alles sehr Festival-kompatibel.

Fornhorst bezeichnen sich selbst als Kollektiv. Sie hören sich an, als hätten alle Bandmitglieder schon massig Erfahrung, bzw. diese Band sollte schon seit 20 Jahren unterwegs sein. Super professionell. Fotos, Artwork. Die Lyrics strotzen nur vor Aussagen und Intelligenz.
Das Booklet bebildert all das, jeder wird vorgestellt. Sehr knackige Farbwahl, fast schon comic-artig. Das Artwork des Cover vervollständigt sich darin.
Einen QR-Code zur Nachverfolgung einer Playlist, vrmtl Spotify.

100 Stück weißes Vinyl. 400 schwarzes Vinyl. Auch als CD erhältlich.
Vinyl mit Booklet, Plakat, Fornhorst – whoever cares – Interview. SIe haben sich mit Freunden unterhalten, um zu erzählen wer sie sind und was sie machen.
Das ist mal eine klein wenig andere Herangehensweise – gut!

Der Sänger hat kürzlich eine Initiative mitinitiiert held_in_der_provinz gibt es bei Insta  + FB (noch keine Beiträge)

„Held*in der Provinz“ ist ein Projekt, das junge Menschen im ländlichen Raum dabei unterstützt, eigene Veranstaltungen zu organisieren, durchzuführen und vor allem zu verstetigen. Im Vordergrund stehen hier erstmal Konzerte, denkbar sind aber auch alle möglichen anderen Aktionen.

Den Rest erfahrt ihr auf deren Seite.

 

LP: streckmittel – typ 1312

Streckmittel ausm Pott.
Das Demo war räudig, irgendwie, und doch durchweg sympathisch.
Nun endlich der Review zu einer LP, die ich mir vor Monaten bei Spastic Fantastic besorgt habe, auch die Herausgeber, dieses musikalischen Kleinods.
100 Stück in weißem Vinyl, eine ist meine.
Es macht mega Spaß dieser Band zuzuhören! Die Texte sind total gut, wirkt rumpelig. Es ist einfach mal wieder geil eine Band zu finden, die hingeht und ihre Wut rausprügelt. Und zwar so, wie man das macht, mit dem ganzen Können seines geliebten Unvermögens.

Drei Akkorde: check.
Klare Texte: check.
Lyricsheet zum Mitsingen: check.

Streckmittel spielen Deutschpunk in Anlehnung an alle Bands, die einstmals das „hardcore-gütesiegel“ bekommen haben.
Die Bandhymne „streckmittel“

„alles was du eh schon denkst hörst du dir gern selber an – alleswas du eh schon denkst liest du dir gern selber durch“

ist mal einfach schon ne klare Ansage.
„ich kam, ich sah, ich kaufte“
Die Düsseldorfremineszenz darf nicht fehlen, denn mit „moderne petzen“ hören sie sich an wie ZK. Am meisten erinnert es mich aber an Joey (hier auch ab und an Gastschreiber), der auch irre gerne derart Punk raushaut (Beispiel).
Und mit der Läuflänge der Platte hat man immer mehr das Gefühl, dass die Band Streckmittel sich warm gespielt hat; oder mein Gehör hat sich einfach dran gewöhnt.
Vier der fünf Songs von der „demonstration“(s) CD sind neu eingespielt und mit auf der Platte.
Das klingt schon sehr viel geiler!

Streckmittel sind Stephan am Mikro, Lara am Bass, Christoph Drums und Rapha an der Klampfe.

LP: shutcombo – streitgeist

Ein erster Schritt ist getan: ich habe in die Shutcombo reingehört! Yey.
Kann mir jemand, rein psychologisch, erklären wieso manche Platten einfach nicht auf den Teller hüpfen wollen?
Triggert irgendetwas wie der Name der Band, das Artwork oder womöglich das Label, das Paket, in dem die Scheibe steckte?

Jedenfalls: Shutcombo gibt es nun 25 Jahre. Und mit „streitgeist“ bringen sie ihr viertes Full-Length-Album an den Start.
Sie selbst sagen, dass sie nach all diesen Jahren nicht Richtung Kunsthochschule, Stadion-Rock oder Latte-Macchiato-Cafe abgebogen sind, sondern die SHUTCOMBO-Karre immer noch im Dreck vom OBI-Parkplatz steckt. Klar ist, hier kauft man Gartenzubehör, keine Musikinstrumente.

Da bin ich ja mal auf die Mucke gespannt, denn die letzten 25 Jahre kam ich auch ganz gut mit meinem eigenen Gartengeklapper klar.
Mir geht sofort die Stimme rein, super, wirkt nicht gewollt, hat echt Power! Die allermeisten Songs bleiben unter zweieinhalb Minuten, das geht echt gut rein und macht die Platte mit zehn Songs zu einem kurzweiligen Vergnügen!

Es gibt eine Menge Chöre auf den Songs, ohne dabei aber in Shalala abzugleiten. Aber ich rätsel noch, woher ich den Sound kenne. Irgendwas klingelt da, ganz weit entfernt, in meinem walnußgroßen Hirn.
Sie überraschen mich damit, dass der Song „Fast allein“ von Jens Rachut gesungen wird. Das die Kombi bei dem Sound mit diesem Sänger funktioniert… ich war gespannt und habe mich, tatsächlich, nur so halb überzeugen lassen. Jens ist schon speziell und Shutcombo machen da so gar nicht den Sound, mit dem sich Jens sonst so umgibt.

Egal, was wirklich cool ist, dass sie trotz des eingängigen Sounds nicht in einem Tempo bleiben sondern recht gut variieren. Die Songreihenfolge da wirklich gut gewählt! Die schnelleren Songs, wie auch alle andern, sehr gut gespielt, die etwas ruhigeren gefallen mir hier tatsächlich etwas mehr.
Textlich, thematisch, geht es bspw vom Song „Reha“, in dem es über Bekannte / Freunde geht, die aus dem Blickfeld verschwunden sind, oder vielleicht auch schon ganz von uns gegangen, über Szenegedanken (sind wir nicht eigentlich alle gegen Nazis, wieso diskutieren wir ständig über Punk?) zu Beziehungen, die man über Jahrzehnte führt.

Shutcombo sind fünf Männer Horscht (Gesang), Christian (Gitarre & Gesang), Schagge (Gitarre), Wolle (Bass & Gesang) und Patti (Schlagzeug).
Das Artwork ist spannend gestaltet von Pit. Leider nicht mehr Info, denn ich finde das eigentlich ein wenig kindlich, dieses comichafte, dafür aber wieder auch total gut! Eventuell ist der rosa Farbton, der mich abgeschreckt hat (und ihr werdet jetzt sagen: nein, dass ist der under Fabrton, mehr türkis, wasweißich. Ich kann euch nicht sagen, ob es eine kindliche Verweigerungshaltung Farben gegenüber ist, die sich in einer Rot/Grün-Schwäche manifestiert hat, oder einfach nur letzteres.) die Platte auszupacken und aufzulegen!

Verdammt gut hörbare Songs. Fazit: die Band kloppt auf echten Instrumenten rum und geht nur in der Freizeit auf den Obi-Parkplatz.
„Streitgeist“ erscheint beim Majorlabel als 180g Vinyl im Gatefold-Cover mit Download-Code. 400er Auflage in schwarzem & 99 Specials in türkisem Vinyl.

 

MC: schlecht – macht ja nix

Noch mehr Tapes, yeah!

Rilrec haben Schlecht rausgebracht. Der Bandname spricht ja hoffentlich nicht Bände. Black Cat Tapes haben mir das freundlicherweise zugeschickt.
Zwei Labels bringen also Schlecht raus und die sind gut! JA!
Das geht gleich mit den Zeilen „Schrammelpunk, schales Bier“ los. Deutschpunk IN YOUR FUCKING FACE. Sofort aufgedreht auf 180 und dann auch noch wie ein Uhrwerk präzise nach vorne getrommelt.
Ihr Themenauswahl ist auch ein 110%tiger Volltreffer: Yuppies, Linke Spießer, Punkverrat, Arbeit ist Scheiße und und und. Und da das auch gleich die Titel der Songs sind, fragt ihr euch: was geben Schlecht uns da Neues?
Egal!
Wer es also irgendwie vermissen sollte so Hardcorepunk um die Ohren gefegt zu bekommen, ist bei Schlecht goldrichtig! Sie arbeiten mit Vollgas also alle Punkrock-Themen ab, die wichtig sind. Von politisch über sozialkritisch über Leck mich am Arsch alles in einem Rundumschlag an Geprügel. Aber dezitiertem Geprügel. Kein Rumpel-Ufta!
Die Texte habe ich in der ersten Runde noch nicht ganz verstanden, die sind ordentlich draufgerotzt, aber ich denke ich habe ein ganz gutes Gespür für die Inhalte, die da transportiert werden sollen, und wollen.‘
Schlecht kommen aus Hannover, der Stadt des Funpunks, aber auch des feministischen Punks!

Die 14 Songs sind tippitoppi aufgenommen, das Artwort spricht die Sprache, die es soll. Die Band spielt straight forward. Die Sängerin bellt die angepissten Texte entegen. Ein männlicher Part ergänzt diesen lyrischen Reigen.
Die Songs wirken, als hätten sie alles hintereinanderweg gespielt. Der Sound ist wirklich super gemischt und hat Druck. Fehlt eigentlich nur noch der Blast-Beat, um das Geprügel perfekt zu machen. Es reiht sich Brüller an Knüller!

Erschienen via Rilrec und Black Cat Tapes