youtube playlist #FB: the corona buchstaben experience

Kurz vor dem Jahreswechsel hau ich diese vorletzte Playlist dann doch noch raus. Wir wollten das FB mit Musik fluten… von A bis Z. Ist teilweise nur gelungen aber trotzdem gut. Zieht euch das mal am Stück rein. Bunter kann die Musikwelt ja gar nicht sein.

A: ganz klar. ganz oben steht mein (Felix) erster, selbst produzierter Videoclip.

B:

C: von Marcus, gemeinsamer Verein, Sänger und Gitarrist bei KRASSER FAHRSTIL gibts:

D: von Michel, beschter Kumpel fürs Leben

von Fatih, gemeinsamer Verein 😉 gibts:

E:

F: von mir, Chefredakteur von dem hier, Sänger und Gitarrist bei pADDELNoHNEkANU gibts

G:

H:

I: von Nico, der macht nun den klasse Blog VINYL-KEKS, früher mal Subkultura Booking und so einiges anderes…

J:

K:

L: von einer befreundeten Band WuZetian kommt

M: von meiner ehemaligen Nachbarin Jeany:

N: von Martin, dem Saarländer, lieber, langjähriger Kollege

bei Gunter, Fanzine-Reviewer der Provinzpostille und Fanziner mit gibts mehrere Tipps zum Buchstaben N

O:

P:

Q:

R: auch noch eins von mir.

S: von Christian, F-SPIN records

T:

U: von Thorsten, einem lieben Freund und Kollegen.

V: von Andreas, Sänger und Gitarrist bei PHILEAS FOGG .

W: von Andreas gibt es noch einen zweiten Wurf

X:

Y: von der ProvinzPostillenRedaktion kommt

Z:

Ä: kommt von der Band selbst…

review: COR – friedensmüde LP

COR haben ihr neues Album „Friedensmüde“ raus.  Der erste Song „was man von hier aus sehen kann“ geht gleich los mit all dem was man von COR kennt und Friedemanns eindringlichen Lyrics. Diese abwartende katzenhaften Geduld, dieser sehr genaue Blick auf die Menschen. Selbst hinterfragend lyrisch. Musikalisch kann ich gar nicht so genau definieren ob und was sich geändert hat, habe aber mitbekommen dass sich die Bandzusammensetzung etwas verändert hatzu den vorangegangenen Alben. Ihr findet sicher genauere Infos in dem ein oder anderen Interview bei einschlägigen Magazinen dazu, die besser informiert sind als ich, haha!

Ich höre COR in Albumlänge zum ersten Mal und bin überrascht, wie gut mir das gefällt! Immer wieder habe ich in eines ihrer großartigen Videos reingeschaut. Man sich nicht entziehen!

Song 2 „Seele streichen und vergiften“ ganz großartig klare Ansage an die, die nicht wirklich eine Meinung haben, bekommen von den Demagogen die Seele gestreichelt und damit wird sie vergiftet. Sehr schön die Aufforderung zum Schluss „Tanzt, los tanzt!“ Mit „nackt“ die Aufforderung dein Gesicht preis zu geben, Lüge nicht! Hat ne ordentliche Metal-Kante, die ich bei vielen Bands nicht so mag, doch hier fetzt das immer wieder!

Es folgt ein „Abriss“ und ist trotz der ganzen Wut, die in der Mukke steckt, so hoffnungsvoll, er rührt auf zum Kampf, er bittet um ein Leben für alle gleich. Bei der bei den ganzen Punkrock, der in ihrer Mukke steckt, vergessen sie den Metal nicht. Es folgt mit „lass doch mal die Leute“ das volle Rockbrett in dem es um die Freiheit des Menschen geht.

Friedemann macht sich viele Gedanken um das menschliche Miteinander, dass zwischen-einander. Immer wieder bekommen ich aber auch einen Eindruck davon, dass er nicht einfach Beschwerde führt oder angklagt, sondern auch eine Lösung, einen Ansatz einer Lösung, ein Friedensangebot im Petto hat. Obwohl er sich ja für Friedensmüde hält…. Mit dem „Mittelfingergruß“ hält COR noch die klarste Ansage der Platte bereit!

Die Platte besticht durch eine mega saubere Produktion, der Sound ist richtig fett, tight und bombastisch gut. Da liegt eine Schicht über der andern und alles knallt und ballert. Musikalisch sind da viele Freiräume die genutzt werden trotz des in Anführungszeichen in engen Korsetts was man sich ja steckt durch verzerrte Metalgitarren.

All Killer, no Filler.

Erschienen im September auf ruegencore. Dort zu haben oder bei flight13

review: DUNKLE STRASSEN – s/t MC

Dunkle Straßen (benannt nach einem Song der folgenden Band?) aus jeder Pore klingt sofort PISSE! Klar findet eine Band die so steil geht zwangsläufig irgendwann Nachahmer. Wobei ich die 1. Kopie in dieser Art höre. Das soll auf keinen Fall ein Diss werden!

Dunkle Straßen unterscheiden sich in jedem Fall dadurch, das sie auf Synthie und Theremin verzichten. Bass, wenig Klampfe, Drumcomputer. Die Musik dadurch nicht ganz so apokalyptisch, doch ebenso angepisst. Zappelig gehts los mit „die blaue lagune“. Ein paar im Sampels setzen einige Stücke zusammen, Skit 1 und Skit 2. Musikalisch nicht wirklich einzuordnen. Die andern Songs eine wilde Mischung aus düsterem, angepissten Wave-Punk. „nebel“ ist so ein fieses Stück. Geil. Einen Hit landen sie auf jeden Fall sofort bei mir:  „obwohl da ist noch joint. Hat so was vom Minimalismus der Sleaford Mods.

Das Cover ist ganz schön gemacht, die Farben passen da ganz gut zusammen. Irgendwie ist das ja eine ganz schlimme Kreuzung, ich würde mich dort verlaufen, in der Nacht, wenn ich all den Strichen folgen würde. 

Wie auch immer, ich höre weiter, mir fällt bestimmt noch was Schlaues ein, was ich in diesen Review packen kann. Ja: auf der A-seite ist ein Mix der so wohl nicht gewollt wurde, heißt es. Deswegen auf der 2. Seite noch mal die selben Songs in einem echt guten Sound. Das Tape lohnt sich anzuhören, macht mal ne Platte!

Das Outro zum Schluß von Dunkle Straßen zeigt, das die Herren mehr als  Wut im Bauch haben, auch Humor. Jedenfalls scheint da wohl jemand doch n Joint gehabt zu haben.

(ich war übrigens Like #2. also: FB besuchen!)

review: LOSER YOUTH – warum haust du dich nicht selbst LP

Loser Youth „warum haust du dich nicht selbst“ und der ersten Frage die ich stelle, bevor ich die Latte ganz ganz hochlege: wieso soll ich mich selbst hauen? Eventuell gibt der Songtitel „was zum fick bist du kämpfend für“ die Lösung: eins zu eins Übersetzung aus dem Englischen! Daß die Herren Humor besitzen haben sie schon auf den andern erschienenen Tonträgern bewiesen. I like them since the first EP „livin‘ la vida loca“!

Endlich ein Album vom Trio ausm Norden und das geht gleich los als würden THE HIVES mit ihrem Album „barely legal“ drauf losrotzen, nur das hier der Gesang unverkennbar Loser Youth ist. Nach dem kurzen Intro „L.O.S.E.R.“ führt die Band den geneignten Punkhörer ein schönes Sample in den Glauben ein, das Punk zum Satanismus führt. Wie wir heutzutage aus einschlägigen Mainstreammedien wissen, führt Punk nicht zu Satanismus, sondern Frau Merkel gehört dem Satanskult an. Siehe Videos der einschlägig bekannten Demos aus Berlin beim, ist das eigentlich auch schon Mainstream?, allseits bekannten Fernsehsender youtube. Vielen Dank auf jeden Fall an alle Corona-Leugner für diese Aufklärungsarbeit in Punkto Satanismus. Will sagen: das Sample ist schon überholt und trifft nicht mehr den Zeitgeist. Hihi.

Eine Veränderung ist spürbar bei Loser Youth, es werden noch mehr Genres gemixt als auf den letzten Releases. Da herrschte ja noisiger Schrammelpunk vor, nun höre ich mehr HorrorPunk-Elemente („deutschlandlied„), Garage („raum 3„), Surf und aber immer noch windschiefe Noise in den Gitarrenlinien.  Ich erfreue mich an der in jedem Song spürbaren Spielfreude, gut gesetzte  Breaks, kurzes, knackiges Songwriting. Der Bass knallt wie bei einer NYHC-Band, ab und an dann eine schmeichelnde Line („ich bin ein punk„) wie Sahnie bei den Ärzten. Die Drums kloppen dir die Snare um die Ohren! Das Einzige, was ich, auf hohem Niveau, mokieren könnte: nach dem ersten Mal Hören sind die 15 Songs ganz schön durchgerauscht. Am Ende hätte ich gar nicht sagen können, wie viele Stücke das denn waren.

Die Texte sind, kann man nicht anders sagen: wie immer!, ganz klar formuliert, angepisst und doch immer mit einem süffisanten Blick auf das Geschehen, politisch, wie solidarisch, wie gemeinschaftlich. Das Artwork ist diesmal wirklich ein auffälliger Oberhammer, sehr sehr geil! Anspieltipp ist definitiv Song Numero 15 „deutschlandlied“

Platte ist echt hart zu empfehlen. Wer auf die Pisse-LP Anfang des Jahres gewartet hatte, der hat hier allemal drauf gewartet. Erschienen bei RilRec. Link führt zu einer schönen Edition mit Beutel und Dackelposter.


 

THE DEAD END KIDS – kommando glitzer LP

THE DEAD END KIDS erreichten mich mit ihrer neuen Platte „kommando glitzer„. Erschienen beim tollen RilRec Label.

Vor ner gefühlten Ewigkeit erreichte mich schon ihr erster Release, die CD „in deiner stadt„. Irgendwie ist das bei mir mit CDs ja so ein „Ding“… Mal lag sie im Auto und lief im Player; und erfreute mich. Mal lag sie wieder im Wohnzimmer zwischen Schallplatten. So kann man keinen Review schreiben, hüstel. Dann freue ich mich tierisch zu hören, dass ihre neue Platte bei RilRec rauskommt. Puh, schon wieder so viel Zeit ins Land gezogen.

Die Band macht es mir von Anfang an echt leicht weiter zuzuhören. Der Sound ist nicht so ganz meins, da sie eher glatte, distortionreiche Gitarren mit Metalanleihen mögen. Geht aber richtig geil nach vorne. Alles ist ganz wundervoll melodiös und richtig gut gespielt. Ja, über den ersten Track und den Refrain „1, 2, 3, Kommando Glitzer, Glitzer ist unsere Munition“ kann man (be)lächeln. Finde aber gut, das nicht gleich die totale Punkwutbarrikaden aufgestellt wird. Was eigentlich eher zu dem Sound passt. Der super Gesang der beiden Mädels und die tollen Chöre hauen es aber raus. Es reiht sich Hit an Hit und das ohne glattgebügelt und Radiotauglich zu sein. Die Band hat im Sound und Songwriting  immer noch ein paar Ecken und Kanten gelassen.

Textlich hat THE DEAD END KIDS auch einiges zu bieten, angefangen mit persönlich Themen wie verflossenen Lieben „i look back“ bis zum Ausbreiten des eigenen, kümmerlichen Daseins in den Sozialen Medien „hey du„. Die Texte sind immer gelungen und umschiffen gekonnt Stereotypen. Hervorzuheben ist da der angehängte Track vom Video „alternative„. Hört mal rein, holt euch das klasse Bundle mit Patch (link oben bei RilRec).

pADDELNoHNEkANU veröffentlichen spenden-album

sie schreiben:

in der zeit des lockdowns habe wir nicht aufgehört zu proben.
haben ein paar livestreams gemacht und mit der technik gekämpft.
da das aufnahmegerät als mixer diente, war es irgendwie logisch auch auf „aufnahme“ zu drücken.
wir probten, durch die viele freie zeit, zwei mal die woche. die strasse vor dem proberaum oft leer. sehr ruhig.
einige hitzige diskussionen entbrannten nach ein paar bier und dem fundamentalistischen liedgut, welches das öl in unser loderndes feuer ist…

!!! alle einnahmen aus diesem momentan noch digitalen release – es werden noch einige songs dazu kommen – gehen zur hälfte an SEA-WATCH und an SEA-SHEPERD. alle einnahmen aus dem merch geben wir noch obendrauf. wir würden uns freuen, euch dabei zu wissen !!!

review: SCHALKO – cool LP

Schalko. „Cool“ heißt die Platte. Ich kann vorwegnehmen: ich hatte das Vergnügen schon vorher reinhören zu können; um dann zu lang zu brauchen, diesen Review zu schreiben. Das Demo von März 2019 fand ich schon famos und viel zu kurz. Nun also in voller Spielfilmlänge.

Ich habe mit allen drei Bandmembern ein Interview geführt für die nächste Printausgabe der ProvinzPostille, Nr. 7 kommt im Herbst. Da könnt ihr mehr über ihre Einflüsse, Entstehungsgeschichte und was sie so in Freiburg treiben, in welchem Klub sie unterwegs sind, wen sie supporten und so weiter, lesen! Hier soll es jetzt wohl erstmal darum gehen, was da an Musik aus den Boxen flimmert.

Weswegen ich so auf dem Filmding rumhacke? Nun, das Trio hat einfach auch ganz klasse Ideen für Videos.

Zuerst muss ich mich ein wenig daran aufhängen, dass ich die Vorab-Reviews (VÖ der Platte war am 11.09. über flight 13) beim OX gelesen habe und erstaunt aus meinem Klotzs-Tshirt glotzte. Ich sag jetzt mal ganz frech, dass das OX für mich in Sachen Punk nicht mehr wirklich das Maß aller Dinge ist, sondern wohl eher das Maß aller Dinge in Punkto „wie groß bekommt man ein Hardcore/Punk-Magazin in Deutschland“. Was keine Kritik sein soll, nur eine Grenzziehung.

Im Durchschnitt von 10 Redakteuren hat die Platte Mittelmaß bekommen, nur einer gab 9/10, was mich sehr überrascht hat. Dann noch die Vergleiche mit Turbostaat oder LOVE A, ich nehme es vorweg: sie sind Fehl am Platz. Wenn man sich nämlich die Mühe macht mehrmals reinzuhören, was ich mir einfach heutzutage wünsche; immer. So liebevolle Reviews wie bei Vinyl-Keks (oder hier) gibts ja nicht mehr so häufig. Gut Ding will Weile, und die nehmen wir uns.

Dabei merkt man schon gleich beim ersten Track, der wahnsinnig treibt, nach vorne geht das, dass Schalko minimalistisch melancholisch sind und emotional bissig. „Wegen allem wegen nichts“ ist ein super Opener, der durch den Achtelrhythmus derbe in die Beine geht, wer da nicht anfängt zu tanzen! Die Richtung ist also klar, sechs Songs sind auf Seite A, es ist alles wirklich zärtlich auf ein absolutes Minimum reduziert. Was ich ganz großartig finde, da es genügend überproduzierte Bands mit doppelter und dreifacher Overdubgitarre gibt. Durch drei Kompressorschleifen dann nochmal so clean wie möglich ins Ohr gedrückt…. Hier ist es rauher und reifer. Hat mehr Grip und mehr Schneid als viele andere Bands, die diesem scheinbar extravaganten und so schwierig zu bedienenden Genre ihr Unwesen treiben.

Und Schalko sind unemotionaler in ihren Texten. Das ist wie im Film, man muss erst den Bildern folgen, die Emotionen aufbauen. Was mich wahnsinnig an deutsche Bands aus den Achtziger Jahren erinnert. Ansonsten gibts ne richtig fette Portion Wipers und, das ist klar, Oiro. Textlich wie auch musikalisch zwischen minimalistischen Beats und klaren Songstrukturen. Texte wütend gekeift, eine Gitarre die mal ne ganz dünne Melodie spielt und mal Akkorde wetzt. Was eher selten, dann als Bruch eingesetzt wird. Diese dann auch im nächsten Atemzug zerlegt werden durch leicht noisige Eskapaden. Ich bin ein großer Fan von Turbostaat, doch ich finde ziemlich wenig von ihnen bei Schalko. Erinnert an an die Anfangstage von von Krawehl oder Mikrokosmos 21.

Zum Sound: die Platte ist toll aufgenommen, sehr durchdachtes Songwriting, sehr persönliche Texte, die klasse Videos, (zu „so tun als ob„) gibt es auch noch eines. Auf Seite B gehts mit fünf Songs weiter die, finde ich, ihresgleichen suchen. Es reiht sich Hit an Hit, die sich eben genau so nicht anhören, als ob das vorbeirauscht. Das Cover ist mega cool geworden, vielleicht heisst die Platte deswegen „cool“. Auch hier darf, sollte man zwei, drei Mal hinschauen, um in der Einfachheit vieles zu entdecken. Ganz klasse Band aus Freiburg Schalko, anhören, Videos gucken, toll finden!

(Dieser Review erscheint auch noch bei Vinyl-Keks)

Demo:

 

video: COR – friedensmüde

Die stimmgewaltige und textlich wie musikalisch ausdrucksstärkste Band aus Rügen hat ein neues Album raus. Es gab einige Veränderungen in der Band in den letzten zwei Jahren.

COR werden nicht müde, neue Songs zu schreiben, Sänger Friedemann bringt sogar noch mehr eigene Songs als Singer / Songwriter raus.

Checkt das aus. Cooles Video geworden! Müde vom Wohlstand, Konsum? Was hat Bedeutung, was hat Reiz? Sind wir Friedensmüde?

 

review: 100 KILO HERZ – stadt land flucht CD

100 KILO HERZ, die neue Platte heißt Stadt, Land, Flucht und wird am 07.08. beim Lieblings-Label BAKRAUFARFITA rausgekommen. Ich hab zum rezensieren die CD bekommen. Ich bekomme hoffentlich noch die Platte, das schwarze Gold. Aber irgendwie kann ich es auch nicht abwarten die Musik zu rezensieren; bin doch sonst immer eher zu spät dran. Diesmal ja endlich VOR Veröffentlichungstermin!

In diesem Fall also diese seltsame Siblerscheibe. Ich leg sie im Auto ein, weil ich zu Hause gar keinen CD Player hab, sondern eben „nur“ Plattenspieler. ne, klar auch ein Tapedeck. Erwähnte ich schon, daß ich lieber LPs reviewe?; aber das nur am Rande.

Nach dem gnadenlos guten „weit weg von zuhaus“ Album, welches als CD schon gut rumging und dann bei eben BAKRAUFARFITA als LP nochmal rereleased wurde, schliessen die sechs Herren von 100 KILO HERZ quasi nahtlos da an, wo sie aufgehört haben. Es kommt einem vor, als würde man alte Freunde wiedertreffen. Was ganz sicher auch an Reibeisenstimme und Bassist Rodi liegt. Ja, Spaß haben, Diskutieren, kritisch sein und dazu ein Dosenbier.

Der erste Song „drei Jahre ausgebrannt“ wiegt einen da richtig gut rein. Punkrock mit Gebläse! Was die Musik und das Songwrtiting schon auch in eine klare Richtung schubst. Es geht nicht anders als melodisch! Der zweite Song „tresenfrist„, handelt vom Trinken. Vom Gewohnheitstrinken. Muff Potter haben mal gesagt, das Lieder übers Lieder über saufen so unerträglich harmlos seien. Recht ham sie. Mich kriegt ihr also nicht mit diesem Lied, haha. Es gibt gute Trinkerlieder, aber keine guten, die das Ausmaß an Zerstörung in musikalische Worte kleiden könnten. Weiter gehts mit „drei vor fünf vor zwölf„. Muss ich ehrlich gestehen: blick den Titel nicht so wirklich. Es geht in jedem Fall um Menschen, die rechtsradikale Propaganda als „wir sind doch voll normale Typen, das dürfen wir doch in einer Demokratie sagen“ verkaufen. Es ist bereits eine Minute vor Zwölf! Diesen Leuten darf man keine Plattform bieten. Auch wenn die Masse gerne diesem Untergang zuschauen möchte. Um sich danach wieder wohlfühlen zu können, recht gehabt zu haben, daß die andern eh alle Covidioten sind. Oder Ähnliches. Ich schweife ab. Doch das meinte ich mit: „Ja, Spaß haben, Diskutieren, kritisch sein und dazu ein Dosenbier.“ Ich überspringe ein paar Songs in meinem Loblied. Großartiger Titel mit „scheren fressen“ bei dem es sich um die NSU dreht und zum Abschluß „wenn es brennt„. In einer kleinen Geschichte wird die Flucht erzählt, die Flucht vor einem dystopischen Staat.

Mit Lied Nummer vier „träume“ kommt dann leider die erste Ballade fürs Stadion. Ehrlich: ich würd ihnen gönnen, das mit den Stadien. Diese Bands darf es für immer geben, die was zu sagen haben und es schaffen, vor 50000 Leuten ihre Meinung zu sagen, mit ihnen zu singen und zu feiern; meins ist es halt nicht so. Ich schwitze lieber zwischen 87 andern. 100 KILO HERZ haben ein fantastischen Gepür für die nächste Melodie, leicht melancholisch und durch und durch melodisch. EIn großartiges Album kommt da am 07.08. raus.

Ganz ganz großes Kino, von daher: zugreifen. Gibts bei CORE TEX in einer Hammer-Vinyl-Box-Version.

 

fanzine: PUNK! OI! SKA! #2

Ein richtig dickes, fettes Fanzine, welches ich hier in die Hand bekommen habe von Macher Matze. Ein ganz ordentlich fettes Heft, wie gesagt, mit ganz arg ordentlich eingetragenen Seitenzahlen. Wozu ich schon mal gratulieren darf: das macht war her! Im Vorwort erwähnt er, daß er Ende Mai diese Juni-Ausgabe gerade fertig stellt, die wohl schon im April rauskommen hätte sollen. Corona kam dazwischen und aus 90 Seiten sind nun 116 geworden. Das da mal die ein oder andere Tackernadel nicht mehr durchs Papier will, ist verständlich. Der Titel gibt die Richtung des Hefts ein wenig vor: “Vereint stehen wir – gegen den Hass und die Bigotterie (Borniertheit / Engstirnigkeit / Fanatismus). Vereint und wir werden niemals lügen.”

Als erstes hat der eine kleine Verbindung geschaffen zwischen ihm und Vinyl-Keks, dadurch das als erstes ein von Nico geführtes Interview mit Lisa von den DORKS kommt. Folgt ein Interview mit den Machern eines französischen Fanzines aus dem bretonischen ARVAR! Das ist echt ganz lustig. Matze fragte echt ne Menge Sachen über die Region Bretagne. Sie unterhalten sich über “pay what you want”-Preise, über die baskische Oi-Community, ihre eigene kleine Szene zwischen Brest, Rennes und Nantes. Es ist jedenfalls ein ziemlich langes und ausführliches Interview (15 Seiten)! Weitere Interviews mit Ritter der Sternburg, einer Band aus Plauen. Auch dort wird viel über Gerichte und Regionales gesprochen! Ist natürlich nicht das Einzige, keine Sorge. In Plauen ist “der 3. Weg” sehr präsent, über das großartige “Projekt Schuldenberg”. Auf 13 Seiten gibt es zwischendurch auch mal noch ein Rezept der vogtländischen Bambes.

Ja sehr witzig auf jeden Fall! Auch mit den vielen Smileys zwischen den vielen Sätzen. Das ist mein einziger Kritikpunkt: weniger Smileys und Absätze, schon hat man 16 Seiten “gespart”. DiePunk-Oi-Band THE BRIGADE aus Seoul findet ihren Platz, ausnahmsweise in zwei Seiten, danach nochmal ein längeres Interview mit LAZY BONE, ebenfalls aus Korea. 

Was mir Eingangs schon auffiel, dass Matze, glaube ich, genauso viel Spaß hat die Hefte zu tackern, wie ich bei der ProvinzPostille. Zwei von seinen drei Tacker Nadeln sind krumm und schief. Also nächstes Mal weniger Seiten oder so nen amtlichen TACKER! Am besten mit Nägeln. Übrigens liegt auch noch eine CD mit bei. Insgesamt ein herzlich leidenschaftliches Heft, welches sich allein deshalb lohnt, zu unterstützen!

Sein Heft gibts bei nem Haufen Mailorder bspw Höhnie Records, Anarchy of Sound Records, Riot Bike Records, Laketown Records und und und

Review erschien auch bei vinyl-keks