comic: andré lux – borleck magazin #6

Ich dachte so „borleck“, ja, da ist ein neues Heft raus und ich hab das noch NIE auf Papier bekommen und hab mich SOFORT gemeldet.
Ein Glück hatte André noch ein Rezi-Exemplar für mich.

Borleck numero 6, das legendärste aller Strichmännchencomicmagazine ist also wieder da. Und es kommt nicht einfach auf Karopapier (und ich liebe kariertes Papier!) daher, nein, es ist der superluxus Karton-Einband, der mit meinen alten Fingern kaum noch zu bewegen ist, da ich von Tag zu Tag schwächer werde.
André Lux findet man unter egonforever bei Insta oder Autobot (hier eine Tapereview seiner Musik) oder seinen Shop bei ETSY!

Das gemeine an den Erzählungen, Cartoons, Comicstrips, Schulheftekritzeleien ist ja, dass es erstmal so kindlich daherkommt. Ganz plötzlich geht die Geschichte los, dreht, sprungfedernhaft, eine Spirale Richtung Pointe und schlägt dann zu, wie so ne fiese Mausfalle.
Da stehen meist zwei Protagonist*innen, die im Bild stehen haben meist etwas nach vorne gebeugtes, etwas eilendes, sind eigentlich ewig gestresst vom Leben. Obwohl es „nur“ ein Strichmännchen ist, ist es doch immer am Rande des Wahnsinns; sie schwitzen ob der ihnen gestellten (meist recht sinnfreien) Aufgabe, sie gucken erstaunt durch ihre riesigen Augen.
Das Cartoon des Männchen, in dem es sich das Prospekt des Supermarkts selbst nochmal gestaltet, um die Kroketten günstiger zu bekommen, verstehe ich ebensowenig wie Ananas auf einer Pizza. Am Ende bestellt es wohl beim Krokettenversand24. Inhaltsleere Werbung.
Die meisten solcher Witze, machen, das man so leicht schnaufend lacht. Kein richtiges HAHAHA! Nur so ein leichtes, gewitztes, man hat dich mit dem Witz abgeholt und links liegen gelassen. Oder so ein leichtes, lautes Schmunzeln.

Die absurden Witze, die sich ein ums andere, aneinanderreihen (Gutschein für eine Gebäudesprengung) wie Dominosteine.

André Lux muss ein sehr genauer Beobachter seiner (wahnsinnigen?) Umgebung sein, um all diese kleinen Irrwitzigkeiten der Menschen wie Perlen an einer Kette aufreihen zu können. Zwischendurch nimmt er sich dann selbst nicht allzuernst.

Egon, repsektive die Borleck-Veröffentlichung hat mir wieder die Kraft gegeben, in andern Werken ebenso sinnlos zu blättern, wie in diesem.
Danke!

  1. Auflage ist fast vergriffen. Erscheinung nur in analoger Form.
    Hier nochmal der Etsy-Shop.

fanzine: ZAP # 159

Irgendwann mal, in meiner Jugend, die sicher nicht ganz so lang her ist, wie die Jugend des ZAP-Herausgebers, hab ich immer wieder gucken müssen ob und wie ich an dieses Zine komme. Meistens war es ausverkauft, wenn ich ins Kiosk latschte. Also bei Freunden reingucken und Tourtermine abgreifen. Das war toll. Meine NYHC-Fav’s waren oft drin. Das war schön, das war toll, wobei die Interview meist weniger witzig waren, eher … ach, ich kann mich nicht merh wirklich erinnern. Hat noch einer ne Ausgabe mit Yuppicide oder SFA? Nehm ich.
Zeitsprung, ich komme nicht umhin einen schönen Verriss zu schreiben.
Versuch Numero 5 in Punkto „ich geb dem Zap noch ne Chance“. Hochglanz (steht dem Zine nicht, ist nun eher ein Magazin), so viel Ironie, dass man meinen könnte das Zap sei das Titanic für Punks; wenn ich eine Satirezeitschrift lesen möchte, dann mach ich das. Ich muss doch nicht alle naselang irgendeinen witzigen, ironischen Kommentar zu ALLEM lesen. Dazu dann absichtlich unpassende Bilder zu Artikeln, Situationen o.ä.
Es setzt zumindest ein imenses „Punkfachwissen“ voraus, als wäre unsere „Szene“ ein homogener Ort, an dem man, wie bei diversen Filmfestivals, immer die gleichen Wichtigtuer trifft und all ihren Gosip kennt.

Zum Heft: Es geht los mit einer komplett langweiligen und unerhört unnötigen drei-seitigen Filmrezensions-Orgie über Filme, die sich wirklich keiner anschaut. Verschwendete Druckerschwärze.
Die Kampfgruppe SRA (Socialist Rifle Association) ist nicht nur keine Satire, sondern hinterlässt echt ein schales Gefühl. Die wollen, dass jeder Zugang zu Waffen erhält, auch die scheibar ausgeschlossene Arbeiterklasse und andere Randgruppen. Vow. Dämliche Amerikaner!
Apropos, in dem Bericht „what about tomorrow – an oral history of russian punk from the soviet era to pussy riot“ berichtet ein Deutscher, in Amerika lebend, über russischen Punk, ist aber ganz gut.
Der darauffolgende Sportunterricht ist so nötig wie ein Furunkel. Punk & Fussball… Augenroll. Männergetue.
Es folgt die nächste Enttäuschung: die Facebook-Gruppe „der Metzger kommt und schlachtet euch alle“ gibt es nicht.
Mal abgesehen davon: es dreht sich ALLES nur um alte, weiße Männer. Echt jetzt? Diesmal keinen Porno-Content? Keine schlechten Fragen an eine Frau, die Fotos macht von nackten Männern?

Einzige Lichtblicke sind:
Ein richtig gutes Interview gibt es mit Rebel Riot aus Myanmar – und jetzt weiß ich auch wieder, woher ich die Band kenne, die ich noch beim Review zu den Continental Tapes als „lost im Hirn“ hatte. Hier ein TV-Bericht von Aljazeera.

und dass, wenn man sich dieses Edelmagazin des deutschen Hardcore KOMPLETT reintut, doch irgendwie bessere Laune bekommt ob der permanenten Witzigkeit. ZAP, der Name.

Witzischkeit kennt keine Grenzen
Witzischkeit kennt kein Pardon
Und wer witzisch is, der hat gut Lache
Und darum gehts in diesem Song